Mehr als 4.000 Jahre alt sind die ältesten erhaltenen Reste einer Brücke im heutigen Irak. Trotzdem ist die Frage nach der ältesten Brücke der Welt komplizierter, als ein einfaches Baudatum vermuten lässt. Manche Anlagen bestehen nur noch aus archäologischen Fundamenten, andere wurden mehrfach repariert, umgebaut oder teilweise ersetzt. Wieder andere tragen bis heute Fußgänger oder sogar Fahrzeuge.
Dieses Ranking ordnet zehn besonders alte, noch substanziell erhaltene Brückenbauwerke nach ihrem vermuteten oder historisch belegten Entstehungsdatum. Berücksichtigt wurden Brücken, Aquäduktbrücken und kombinierte Brücken-Damm-Anlagen, wenn wesentliche Teile der antiken Konstruktion erhalten sind. Rekonstruktionen auf vollständig neuer Tragstruktur, nur literarisch überlieferte Brücken und Bauwerke mit unsicherer Datierung wurden ausgeschlossen. Bei Anlagen mit starken späteren Veränderungen wird ausdrücklich erklärt, welcher Anteil noch antik ist. Das Ranking vergleicht damit nicht nur heute begehbare Brücken, sondern erhaltene Brückenarchitektur von Mesopotamien über Griechenland und Rom bis China. Datenstand ist Juli 2026.
Weitere Rankings über historische Bauwerke und außergewöhnliche Konstruktionen finden sich in der Kategorie Gebäude.
Wichtige Abgrenzung: Platz eins bezeichnet die älteste bekannte erhaltene Brückenkonstruktion. Die älteste bis heute tatsächlich überquerbare Brücke dieses Rankings ist die mykenische Arkadiko-Brücke auf Platz zwei.
So wurde gewertet
Entscheidend ist das früheste wissenschaftlich oder institutionell belegte Baudatum der erhaltenen Hauptkonstruktion. Bei Datierungsspannen wurde der wahrscheinlichste Zeitraum verwendet. Erhaltene Ruinen wurden einbezogen, sofern ihre Funktion als Brücke oder Brücken-Damm-Anlage archäologisch anerkannt ist. Die heutige Nutzbarkeit ist ein Zusatzkriterium, aber keine Voraussetzung. Bei gleicher oder ähnlicher Datierung entscheiden Erhaltungsgrad, technische Bedeutung und Sicherheit der Zuschreibung über die Reihenfolge. Da viele antike Brücken wiederholt repariert wurden, bedeutet „erhalten“ nicht zwangsläufig „vollständig unverändert“.
Übersicht
| Rang | Brücke | Land | Entstehung | Alter 2026 | Bauart | Länge | Material | Heutiger Zustand | Nutzung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Brücke von Girsu | Irak | 3. Jahrtausend v. Chr. | Mehr als 4.000 Jahre | Brücke beziehungsweise hydraulische Überführung | Nur archäologisch rekonstruierbar | Gebrannte Ziegel | Konservierte Ruine | Nicht begehbar | Älteste bekannte erhaltene Brückenkonstruktion |
| 2 | Arkadiko-Brücke | Griechenland | Ca. 1300–1190 v. Chr. | Rund 3.200 bis 3.300 Jahre | Kragbogenbrücke | 22 m | Große unvermörtelte Steinblöcke | Weitgehend erhalten | Fußweg | Älteste noch überquerbare Brücke des Rankings |
| 3 | Pons Fabricius | Italien | 62 v. Chr. | Rund 2.087 Jahre | Steinerne Bogenbrücke | 62 m | Tuff, Travertin und Mauerwerk | Sehr gut erhalten | Fußgänger | Älteste erhaltene römische Brücke Roms |
| 4 | Pont Julien | Frankreich | Traditionell 3 v. Chr. | Rund 2.028 Jahre | Dreibogige Steinbrücke | Etwa 80–85 m | Kalkstein | Gut erhalten | Fußgänger und Fahrräder | Bis 2005 für Kraftfahrzeuge genutzt |
| 5 | Pont du Gard | Frankreich | Mitte 1. Jahrhundert n. Chr. | Rund 1.975 Jahre | Dreigeschossige Aquäduktbrücke | Etwa 275 m | Kalkstein | Außergewöhnlich gut erhalten | Besichtigungsbauwerk | Höchste erhaltene römische Aquäduktbrücke |
| 6 | Ponte Sant’Angelo | Italien | 134 n. Chr. | Rund 1.892 Jahre | Steinerne Bogenbrücke | Etwa 135 m | Peperin und Travertin | Drei antike Hauptbögen erhalten | Fußgänger | Verband Rom mit Hadrians Mausoleum |
| 7 | Brücke von Limyra | Türkei | Vermutlich 3. Jahrhundert | Rund 1.700 bis 1.800 Jahre | Segmentbogenbrücke | Etwa 360 m | Ziegel, Stein und Gussmauerwerk | Teilweise verschüttet | Nicht regulär genutzt | Außergewöhnlich flache antike Bögen |
| 8 | Band-e Kaisar | Iran | Ca. 260–270 n. Chr. | Rund 1.750 Jahre | Brückenwehr | Ursprünglich etwa 500 m | Sandstein und römischer Beton | Ruinen erhalten | Nicht mehr als Brücke genutzt | Kombination aus Verkehrsweg und Staudamm |
| 9 | Alte Brücke von Dezful | Iran | Um 260 n. Chr. | Rund 1.766 Jahre | Bogenbrücke | Etwa 385 m | Stein und Mauerwerk | Mehrfach erneuert | Historischer Übergang | Sasanische Fundamente mit späteren Aufbauten |
| 10 | Zhaozhou-Brücke | China | 595–605 n. Chr. | Rund 1.420 Jahre | Offene Segmentbogenbrücke | 50,82 m | Stein | Sehr gut erhalten | Historisches Denkmal | Älteste erhaltene offene Segmentbogenbrücke aus Stein |
Brücke von Girsu – älteste erhaltene Brückenkonstruktion
Rang: 1 Weltrekord
Die Brücke von Girsu im heutigen Südirak steht auf Platz eins, weil das British Museum sie in das dritte Jahrtausend vor Christus datiert und als älteste noch existierende Brücke bezeichnet. Das Bauwerk liegt bei Tello, dem antiken Girsu, einer bedeutenden Stadt des sumerischen Mesopotamiens. Lange war seine Funktion unklar: Frühere Ausgräber hielten die Ziegelstruktur unter anderem für einen Tempel, einen Damm oder eine ungewöhnliche Plattform.
Neuere Untersuchungen identifizierten sie als Überführung über einen historischen Wasserlauf. Wahrscheinlich verband das Bauwerk Wege über einen Kanal und war zugleich Teil eines komplexen Systems zur Wasserführung. Die erhaltenen Reste bestehen aus gebrannten Ziegeln und zeigen, dass Brückenbau in Mesopotamien eng mit Bewässerung und städtischer Infrastruktur verbunden war. Im Gegensatz zur Arkadiko-Brücke auf Platz zwei ist Girsu heute keine intakte, begehbare Brücke. Erhalten sind archäologische Strukturen, die konserviert und gegen Wassererosion geschützt werden.
Gerade dieser Unterschied ist wichtig: Girsu besitzt den frühesten bekannten materiellen Brückenbefund, während Arkadiko das älteste noch funktionierende Beispiel darstellt. Das Bauwerk zeigt außerdem, dass Brücken nicht erst mit römischen Steinbögen entstanden. Schon mehr als zwei Jahrtausende zuvor planten mesopotamische Baumeister dauerhaft angelegte Querungen innerhalb großräumiger Wasserwirtschaftssysteme.
- Die Anlage stammt aus dem dritten Jahrtausend vor Christus.
- Ihre Funktion wurde erst durch neuere archäologische Untersuchungen überzeugend als Brücke eingeordnet.
- Das British Museum arbeitet gemeinsam mit irakischen Fachleuten an ihrer Konservierung.
- Datierung
- 3. Jahrtausend v. Chr.
- Ort
- Tello beziehungsweise antikes Girsu, Irak
- Material
- Gebrannte Ziegel
- Zustand
- Konservierte archäologische Ruine
- Quelle
- British Museum
Arkadiko-Brücke – seit der Bronzezeit überquerbar
Rang: 2 noch begehbar
Die Arkadiko-Brücke, auch Kazarma-Brücke genannt, erreicht Platz zwei. Sie wurde vermutlich zwischen etwa 1300 und 1190 vor Christus während der mykenischen Spätbronzezeit errichtet. Das Bauwerk liegt auf der Peloponnes und gehörte zu einer befestigten Straßenverbindung zwischen Tiryns und Epidauros.
Die Brücke besteht aus großen, weitgehend unbearbeiteten Steinblöcken, die ohne Mörtel aufeinandergeschichtet wurden. Ihre Öffnung ist als Kragbogen konstruiert: Die Steinlagen ragen stufenweise nach innen, bis sie sich oben nahezu treffen. Ein echter selbsttragender Rundbogen wie bei römischen Brücken ist es technisch nicht. Das Bauwerk ist etwa 22 Meter lang und besitzt eine ungefähr 2,5 Meter breite Fahrbahn.
Diese Breite ist ein entscheidender Hinweis auf die historische Funktion. Die Straße war offenbar nicht nur für Fußgänger oder Tragtiere gedacht, sondern konnte auch von Streitwagen genutzt werden. Damit war Arkadiko Teil einer planmäßig angelegten Verkehrsinfrastruktur und nicht lediglich eine lokale Bachquerung. Gegenüber Girsu ist die Brücke jünger, aber wesentlich vollständiger erhalten. Sie kann bis heute zu Fuß überquert werden und gilt deshalb als eine der ältesten noch nutzbaren Brücken der Welt.
- Die Brücke ist ungefähr 3.200 bis 3.300 Jahre alt.
- Sie entstand in mykenischer Kragbogentechnik ohne Mörtel.
- Die breite Fahrbahn war wahrscheinlich für Streitwagen ausgelegt.
- Datierung
- Ca. 1300–1190 v. Chr.
- Länge
- Etwa 22 Meter
- Fahrbahnbreite
- Etwa 2,5 Meter
- Heutige Nutzung
- Begehbarer historischer Weg
- Quelle
- Griechisches Ministerium für Kultur und Sport
Pons Fabricius – Roms älteste erhaltene Brücke
Rang: 3 römischer Klassiker
Der Pons Fabricius in Rom wurde 62 vor Christus errichtet und belegt Platz drei. Er verbindet das linke Tiberufer mit der Tiberinsel und ersetzte eine ältere hölzerne Brücke. Auftraggeber war Lucius Fabricius, ein für Straßen zuständiger römischer Beamter, dessen Name bis heute in lateinischen Inschriften an den Bögen erscheint.
Das Bauwerk ist ungefähr 62 Meter lang und besitzt zwei große Hauptbögen, die auf einem Mittelpfeiler ruhen. Eine kleinere Öffnung im Pfeiler verringert den Wasserdruck bei Hochwasser. Diese konstruktive Lösung zeigt, wie aufmerksam römische Ingenieure die Dynamik des Tibers berücksichtigten. Reparaturen nach antiken Hochwassern und spätere Restaurierungen veränderten einzelne Oberflächen, die grundlegende römische Tragstruktur blieb jedoch erhalten.
Der Pons Fabricius wird heute nur von Fußgängern genutzt. Seine außergewöhnliche Bedeutung liegt in der Kombination aus Alter, Erhaltungsgrad und kontinuierlicher Funktion. Im Gegensatz zum Pont Julien auf Platz vier befindet er sich mitten in einer seit der Antike dicht bebauten Hauptstadt und musste über Jahrhunderte Hochwasser, Verkehr und städtische Umbauten überstehen. Die Brücke ist daher nicht nur ein archäologisches Denkmal, sondern bis heute Teil des alltäglichen Wegenetzes Roms.
- Die Brücke wurde 62 vor Christus erbaut.
- Zwei große Bögen verbinden das Ufer mit der Tiberinsel.
- Sie wird seit mehr als zwei Jahrtausenden als Flussübergang genutzt.
- Baudatum
- 62 v. Chr.
- Länge
- Etwa 62 Meter
- Hauptbögen
- Zwei
- Heutige Nutzung
- Fußgängerbrücke
- Quelle
- Turismo Roma
Pont Julien – römische Straßenbrücke der Via Domitia
Rang: 4 2.000 Jahre genutzt
Der Pont Julien in der Provence wird traditionell auf das Jahr 3 vor Christus datiert und steht damit auf Rang vier. Er überspannt den Fluss Calavon nahe Bonnieux und war Bestandteil der Via Domitia, einer wichtigen römischen Straßenverbindung zwischen Italien, Südgallien und der Iberischen Halbinsel.
Die Kalksteinbrücke ist ungefähr 80 bis 85 Meter lang und besitzt drei halbkreisförmige Bögen. Öffnungen in den massiven Pfeilern verringern bei Hochwasser den Widerstand und entlasten die Konstruktion. Diese Durchlässe sind nicht nur technische Details, sondern ein wesentlicher Grund dafür, dass die Brücke wiederholte Fluten überstand.
Besonders bemerkenswert ist ihre lange Verkehrsgeschichte. Der Pont Julien blieb bis 2005 für Kraftfahrzeuge geöffnet. Erst eine moderne Parallelbrücke übernahm den Straßenverkehr, um das antike Bauwerk vor weiterer Belastung zu schützen. Fußgänger und Radfahrer können den römischen Übergang weiterhin nutzen. Gegenüber dem Pons Fabricius ist der Pont Julien knapp sechs Jahrzehnte jünger, besitzt aber eine größere Gesamtlänge und eine deutlich ländlichere Lage. Er veranschaulicht, wie langlebig römische Infrastruktur außerhalb großer Städte sein konnte, wenn Fundamentierung, Steinbearbeitung und Hochwasserführung sorgfältig geplant waren.
- Die traditionelle Datierung lautet 3 vor Christus.
- Die Brücke gehörte zur römischen Via Domitia.
- Bis 2005 trug sie regulären Kraftfahrzeugverkehr.
- Datierung
- Ca. 1300–1190 v. Chr.
- Länge
- Etwa 22 Meter
- Fahrbahnbreite
- Etwa 2,5 Meter
- Heutige Nutzung
- Begehbarer historischer Weg
- Quelle
- Visit Nafplio – Kazarma (Arkadiko) Bridge
Pont du Gard – monumentale Aquäduktbrücke der Römer
Rang: 5 UNESCO
Der Pont du Gard wurde in der Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christus errichtet und belegt Platz fünf. Das Bauwerk war kein gewöhnlicher Straßenübergang, sondern der monumentalste Abschnitt eines mehr als 50 Kilometer langen Aquädukts, das Wasser aus der Nähe von Uzès in die römische Stadt Nemausus, das heutige Nîmes, leitete.
Die dreigeschossige Brücke erreicht fast 49 Meter Höhe und überspannt den Gardon mit mehreren übereinander angeordneten Bogenreihen. Die unteren Ebenen tragen große Lasten mit wenigen breiten Bögen, während die obere Wasserleitung auf einer Reihe kleinerer Bögen verläuft. Das Gefälle des gesamten Aquädukts war extrem gering. Römische Vermesser mussten den Höhenunterschied über viele Kilometer so präzise planen, dass Wasser allein durch Schwerkraft floss.
Gegenüber dem älteren Pont Julien war der Pont du Gard technisch anspruchsvoller und deutlich höher. Seine ursprüngliche Hauptfunktion als Wasserleitung endete wahrscheinlich in der Spätantike, Teile der unteren Ebene wurden jedoch später als Verkehrsweg genutzt. Heute ist das Bauwerk ein UNESCO-Welterbe und eines der vollständigsten Zeugnisse römischer Wasserbautechnik. Platz fünf ergibt sich aus dem späteren Baudatum, nicht aus geringerer ingenieurtechnischer Bedeutung.
- Der Pont du Gard ist fast 49 Meter hoch.
- Er war Teil eines rund 50 Kilometer langen römischen Aquädukts.
- Die Anlage gehört seit 1985 zum UNESCO-Welterbe.
- Baudatum
- Mitte 1. Jahrhundert n. Chr.
- Höhe
- Etwa 48,77 Meter
- Länge
- Etwa 275 Meter
- Funktion
- Aquäduktbrücke
- Quelle
- UNESCO World Heritage Centre
Ponte Sant’Angelo – Hadrians Brücke zum Mausoleum
Rang: 6 historisch verändert
Die Ponte Sant’Angelo in Rom wurde 134 nach Christus unter Kaiser Hadrian fertiggestellt. Ursprünglich hieß sie Pons Aelius und verband das Zentrum Roms mit Hadrians Mausoleum, aus dem später die Engelsburg hervorging. Die Brücke erreicht Rang sechs, weil ihre drei mittleren römischen Bögen bis heute wesentliche Teile der Tragstruktur bilden.
Die beiden äußeren Bögen wurden im 19. Jahrhundert beim Bau der Tiberuferstraßen verändert oder neu errichtet. Auch Geländer und Skulpturenschmuck stammen aus späteren Epochen. Besonders bekannt sind die Engelsfiguren, die im 17. Jahrhundert nach Entwürfen aus dem Umfeld Gian Lorenzo Berninis aufgestellt wurden. Die heutige Erscheinung ist daher eine außergewöhnliche Verbindung aus römischer Ingenieurkunst, mittelalterlicher Pilgergeschichte und barocker Bildhauerei.
Technisch ist die Ponte Sant’Angelo jünger als der Pont du Gard, besitzt aber eine deutlich kontinuierlichere städtische Verkehrsfunktion. Über Jahrhunderte war sie einer der wichtigsten Wege für Pilger zum Petersdom. Massenandrang führte 1450 zu einer schweren Katastrophe, als zahlreiche Menschen im Gedränge starben oder in den Tiber stürzten. Heute ist die rund 135 Meter lange Brücke ausschließlich Fußgängern vorbehalten.
- Die Brücke wurde 134 nach Christus fertiggestellt.
- Drei zentrale Bögen gehen auf die römische Konstruktion zurück.
- Die berühmten Engelsstatuen wurden erst im Barock ergänzt.
- Baudatum
- 134 n. Chr.
- Ursprünglicher Name
- Pons Aelius
- Länge
- Etwa 135 Meter
- Antiker Bestand
- Drei zentrale Hauptbögen
- Quelle
- Castel Sant’Angelo
Brücke von Limyra – flache Bögen aus der Spätantike
Rang: 7 technisch voraus
Die Brücke nahe der antiken Stadt Limyra in der heutigen Türkei wird meist in das zweite oder dritte Jahrhundert nach Christus datiert. Für dieses Ranking wird die verbreitete Datierung in das dritte Jahrhundert verwendet. Das Bauwerk ist ungefähr 360 Meter lang und bestand ursprünglich aus zahlreichen Bögen, von denen 26 ein besonders flaches Segmentbogenprofil besitzen.
Diese Form war technisch ungewöhnlich. Klassische römische Brücken verwendeten häufig Halbkreisbögen, die eine große Bauhöhe erzeugen. Die Limyra-Brücke arbeitet dagegen mit wesentlich flacheren Bögen. Das Verhältnis zwischen Spannweite und Bogenhöhe war so fortschrittlich, dass vergleichbare Proportionen in Europa erst viele Jahrhunderte später wieder verbreitet wurden.
Heute sind große Teile der Bögen durch Sedimente des Alakır Çayı verschüttet. Die Brücke wirkt deshalb weniger monumental als der Pont du Gard oder die Ponte Sant’Angelo. Gerade die teilweise Überdeckung trug jedoch dazu bei, Teile des Mauerwerks zu schützen. Gegenüber den höher platzierten römischen Brücken ist die Datierung weniger exakt und der Erhaltungszustand schwieriger zu erkennen. Ihre Bedeutung für die Geschichte des Segmentbogens sichert dennoch Rang sieben.
- Die Brücke ist ungefähr 360 Meter lang.
- 26 ihrer Bögen besitzen ein außergewöhnlich flaches Segmentprofil.
- Ein großer Teil der Konstruktion ist heute durch Flusssedimente verdeckt.
- Datierung
- Vermutlich 3. Jahrhundert n. Chr.
- Länge
- Etwa 360 Meter
- Bauart
- Segmentbogenbrücke
- Zustand
- Teilweise verschüttet
- Quelle
- Vici.org – Archäologischer Atlas
Band-e Kaisar – römisch-sasanische Brückenwehr
Rang: 8 Brücke und Staudamm
Band-e Kaisar in der iranischen Stadt Shushtar entstand vermutlich zwischen etwa 260 und 270 nach Christus. Das Bauwerk war gleichzeitig Brücke, Wehr und Teil eines großräumigen Bewässerungssystems. Diese Doppelfunktion unterscheidet es von allen älteren Einträgen des Rankings.
Nach dem Sieg des sasanischen Königs Schapur I. über den römischen Kaiser Valerian wurden römische Gefangene und Fachkräfte für Bauprojekte eingesetzt. Band-e Kaisar übernahm deshalb römische Techniken wie geschnittene Sandsteinblöcke, Eisenklammern und einen Kern aus Beton. Die ungefähr 500 Meter lange Anlage staute den Karun und leitete Wasser in Kanäle, die Landwirtschaft, Mühlen und die Stadtversorgung unterstützten.
Die Brücke besaß ursprünglich mehr als 40 Bögen und trug eine wichtige Fernstraße. Sie wurde über Jahrhunderte repariert und blieb bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch. Heute sind nur Ruinen und Pfeiler erhalten. Gegenüber der Limyra-Brücke ist die Konstruktion vermutlich etwas jünger und weniger vollständig, ihre hydraulische Bedeutung ist jedoch größer. Band-e Kaisar gehört zum UNESCO-Welterbe des historischen Wassersystems von Shushtar.
- Die Anlage verband eine Straßenbrücke mit einem Stauwehr.
- Sie war ursprünglich ungefähr 500 Meter lang.
- Römische Bautechnik wurde in ein sasanisches Bewässerungssystem integriert.
- Datierung
- Ca. 260–270 n. Chr.
- Länge
- Ursprünglich etwa 500 Meter
- Funktion
- Brücke, Wehr und Wasserverteilung
- Welterbe
- Teil des hydraulischen Systems von Shushtar
- Quelle
- UNESCO World Heritage Centre
Alte Brücke von Dezful – sasanische Fundamente am Dez
Rang: 9 mehrfach erneuert
Die Alte Brücke von Dezful im Südwesten Irans wird traditionell um das Jahr 260 nach Christus datiert. Sie entstand damit ungefähr zur selben Zeit wie Band-e Kaisar. Das Bauwerk überspannt den Fluss Dez und verband über Jahrhunderte die beiden Seiten der Stadt, deren Name wahrscheinlich selbst auf die Festung beziehungsweise Brücke am Fluss verweist.
Der Überlieferung zufolge kamen auch hier römische Kriegsgefangene oder Ingenieure zum Einsatz. Die Brücke war ungefähr 385 Meter lang und besaß große Hauptbögen sowie kleinere Öffnungen. Ihre Fundamente und Teile der Pfeiler gehen auf die sasanische Zeit zurück, während Oberbau und Bögen in islamischer, safawidischer und späterer Zeit mehrfach erneuert wurden.
Diese Baugeschichte erklärt die Platzierung hinter Band-e Kaisar. Die Brücke ist als funktionales Gesamtbauwerk besser erkennbar, aber weniger von der ursprünglichen Konstruktion ist unverändert erhalten. Sie ist deshalb ein Beispiel für bauliche Kontinuität statt für unverfälschte Originalsubstanz. Über viele Jahrhunderte wurde nicht versucht, das antike Bauwerk museal zu konservieren. Stattdessen reparierten aufeinanderfolgende Generationen die Brücke, weil sie für Verkehr und Stadtentwicklung unverzichtbar blieb.
- Die Ursprünge werden um 260 nach Christus angesetzt.
- Das Bauwerk ist ungefähr 385 Meter lang.
- Sasanische Fundamente wurden in späteren Jahrhunderten mehrfach überbaut und erneuert.
- Datierung
- Um 260 n. Chr.
- Länge
- Etwa 385 Meter
- Bauherrschaft
- Sasanisches Reich
- Erhaltungszustand
- Antike Fundamente mit zahlreichen späteren Reparaturen
- Quelle
- Visit Iran
Zhaozhou-Brücke – revolutionärer Steinbogen aus China
Rang: 10 Ingenieursrekord
Die Zhaozhou-Brücke in der chinesischen Provinz Hebei wurde zwischen 595 und 605 während der Sui-Dynastie erbaut. Sie ist damit deutlich jünger als die römischen und sasanischen Brücken dieser Liste, besitzt aber eine technisch besonders fortschrittliche Konstruktion. Der Baumeister Li Chun entwarf einen flachen Segmentbogen mit zusätzlichen Öffnungen in den Zwickeln.
Diese sogenannten offenen Zwickel verringern das Gewicht des Mauerwerks und schaffen zusätzliche Durchlässe für Hochwasser. Der Hauptbogen überspannt ungefähr 37 Meter, obwohl die gesamte Brücke nur rund 50,82 Meter lang ist. Das Verhältnis von Spannweite und geringer Bogenhöhe war für eine Steinbrücke außergewöhnlich. Gleichzeitig sparte die Konstruktion Material und reduzierte die Belastung der Widerlager.
Die Brücke überstand zahlreiche Überschwemmungen, Erdbeben, Kriege und Reparaturphasen. Sie gilt als älteste erhaltene offene Segmentbogenbrücke aus Stein. Gegenüber der Brücke von Dezful ist sie etwa dreieinhalb Jahrhunderte jünger, ihre Originalform ist jedoch klarer erkennbar und konstruktiv einflussreicher. Zhaozhou zeigt zudem, dass bedeutende Innovationen im antiken und frühmittelalterlichen Brückenbau nicht auf den Mittelmeerraum beschränkt waren.
- Die Brücke entstand zwischen 595 und 605.
- Der Hauptbogen besitzt eine Spannweite von rund 37 Metern.
- Vier kleinere Öffnungen reduzieren Gewicht und Hochwasserdruck.
- Baudatum
- 595–605 n. Chr.
- Länge
- 50,82 Meter
- Hauptspannweite
- Rund 37 Meter
- Bauart
- Offene Segmentbogenbrücke aus Stein
- Quelle
- Stadtregierung Shijiazhuang
Fazit
Die ältesten Brücken der Welt zeigen mehr als vier Jahrtausende technischer Entwicklung. In Girsu verbanden Ziegelbauer Verkehrswege mit einem mesopotamischen Kanalsystem. Die mykenische Arkadiko-Brücke nutzte massive Trockenmauertechnik, während römische Ingenieure mit echten Bögen, Hochwasseröffnungen und präzise bearbeitetem Stein immer größere Spannweiten erreichten.
Spätere Bauwerke erweiterten die Funktion der Brücke. Der Pont du Gard transportierte Wasser, Band-e Kaisar verband Verkehrsweg und Staudamm, und die Zhaozhou-Brücke reduzierte mit offenen Zwickeln Gewicht und Strömungsdruck. Auffällig ist, dass Langlebigkeit selten vollständige Unverändertheit bedeutet. Fast alle Brücken wurden repariert, verstärkt oder an neue Nutzungen angepasst.
Der wichtigste Unterschied liegt deshalb zwischen Originalsubstanz und kontinuierlicher Funktion. Girsu ist die älteste erhaltene Brückenkonstruktion, aber nur noch als archäologische Ruine sichtbar. Arkadiko ist jünger, kann jedoch noch immer überquert werden. Pons Fabricius und Pont Julien zeigen wiederum, dass römische Steinbrücken mehr als zwei Jahrtausende Teil lebendiger Verkehrsnetze bleiben konnten.
Häufige Fragen zu den ältesten Brücken
Welche ist die älteste Brücke der Welt?
Die Brücke von Girsu im heutigen Irak gilt als älteste bekannte erhaltene Brückenkonstruktion. Sie wurde im dritten Jahrtausend vor Christus aus gebrannten Ziegeln errichtet.
Welche ist die älteste Brücke, die noch benutzt werden kann?
Die Arkadiko-Brücke in Griechenland stammt ungefähr aus der Zeit zwischen 1300 und 1190 vor Christus und kann bis heute zu Fuß überquert werden.
Welche ist die älteste erhaltene römische Brücke?
Der Pons Fabricius in Rom wurde 62 vor Christus erbaut. Er gilt als älteste erhaltene römische Brücke der Stadt und dient heute als Fußgängerübergang zur Tiberinsel.
Sind antike Brücken noch vollständig original?
Meist nicht. Hochwasser, Erdbeben, Kriege und Verkehr machten Reparaturen notwendig. Entscheidend ist, ob wesentliche Fundamente, Pfeiler oder Bögen aus der ursprünglichen Bauzeit erhalten sind.
Warum zählt der Pont du Gard als Brücke?
Der Pont du Gard ist eine Aquäduktbrücke. Seine Bögen trugen eine Wasserleitung über das Tal des Gardon und erfüllten damit eine Brückenfunktion, auch wenn er ursprünglich nicht primär für Straßenverkehr gebaut wurde.







