Mehr als 1.850 Jahre liegen zwischen dem Bau der ältesten Brückenpfeiler dieser Liste und der Gegenwart. Deutschlands historische Brücken sind deshalb weit mehr als malerische Fotomotive: Sie zeigen, wie römische Ingenieure, mittelalterliche Kaufleute und aufstrebende Städte Flüsse zu überwinden versuchten. Doch die Frage nach der ältesten Brücke Deutschlands ist komplizierter, als eine einfache Jahreszahl vermuten lässt. Manche Bauwerke besitzen römische Pfeiler, aber jüngere Gewölbe. Andere wurden nach Kriegszerstörungen teilweise rekonstruiert oder im Laufe der Jahrhunderte verbreitert.
Dieses Ranking sortiert nach dem frühesten belastbar belegten Baujahr, Baubeginn oder der ältesten sicheren Erwähnung des heute noch bestehenden Brückenbauwerks. Voraussetzung ist, dass historische Bausubstanz oder eine unmittelbare bauliche Kontinuität erhalten geblieben ist. Reine moderne Nachbauten früherer Brücken werden nicht berücksichtigt. Dadurch reicht die Liste von der römischen Moselbrücke in Trier bis zur 1325 vollendeten Krämerbrücke in Erfurt. Datenstand ist August 2026. Weitere historische Bauwerke finden sich in der Kategorie Gebäude.
So wurde gewertet
Entscheidend für die Reihenfolge ist nicht das Alter eines früheren Brückenstandorts, sondern die Datierung des heute vorhandenen Bauwerks beziehungsweise seiner ältesten erhaltenen tragenden Teile. Bei ungenauen Zeitangaben wird die früheste sicher dokumentierte Erwähnung herangezogen. Rekonstruierte Bögen oder modernisierte Fahrbahnen werden ausdrücklich erwähnt. Die Trierer Römerbrücke steht beispielsweise wegen ihrer auf 154 bis 157 n. Chr. datierten römischen Steinpfeiler auf Rang eins, obwohl ihre heutigen Gewölbe wesentlich jünger sind. Bei der Pliensaubrücke in Esslingen dient die urkundliche Erwähnung von 1259 als Vergleichspunkt, weil sich ihre mittelalterliche Bauzeit nur als Zeitraum eingrenzen lässt. Berücksichtigt wurden außerdem Bauart, ursprüngliche Funktion, erhaltene Bögen, Umbauten, Kriegsschäden und die Bedeutung für historische Handelswege.
Übersicht
| Rang | Brücke | Ort | Datierung | Fluss | Bauart / Bögen | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Römerbrücke | Trier | 154–157 n. Chr. | Mosel | Steinpfeilerbrücke | Römische Pfeiler erhalten |
| 2 | Drususbrücke | Bingen | 989 / um 1000 | Nahe | Steinbogenbrücke | Unterirdische Brückenkapelle |
| 3 | Steinerne Brücke | Regensburg | 1135–1146 | Donau | Steinbogenbrücke | Rund 300 m lang |
| 4 | Werrabrücke | Creuzburg | 1223 | Werra | 7 Steinbögen | Via-Regia-Übergang |
| 5 | Pliensaubrücke | Esslingen | 13. Jh.; 1259 erwähnt | Neckar / Vorland | Historische Steinbogenbrücke | Ehemals 3 Türme |
| 6 | Innere Brücke | Esslingen | 1286 | Neckarkanäle | Einst 11 Bögen | Früher dicht bebaut |
| 7 | Alte Lahnbrücke | Wetzlar | 2. Hälfte 13. Jh.; 1288 erwähnt | Lahn | 7 Bögen | Handelsweg Frankfurt–Köln |
| 8 | Alte Nahebrücke | Bad Kreuznach | um 1300 | Nahe / Mühlenteich | Historische Gewölbebrücke | Berühmte Brückenhäuser |
| 9 | Alte Lahnbrücke | Limburg | ab 1315 | Lahn | Steinbogenbrücke | Historischer Brückenturm |
| 10 | Krämerbrücke | Erfurt | 1325 | Gera | 6 Gewölbe | 32 Häuser auf 79 m |
1. Römerbrücke Trier – römische Pfeiler seit dem 2. Jahrhundert
Rang: 1 römisch UNESCO
Wer über die Trierer Römerbrücke fährt oder zu Fuß die Mosel überquert, benutzt einen Verkehrsweg, dessen tragende Geschichte bis tief in die römische Kaiserzeit reicht. Die entscheidende Datierung lautet 154 bis 157 n. Chr.. Untersuchungen konnten die Gründung der massiven Steinpfeiler dendrochronologisch in diesen Zeitraum einordnen. Damit besitzt Trier mit großem Abstand die älteste erhaltene Brückensubstanz dieser Top 10. Schon das römische Augusta Treverorum benötigte einen leistungsfähigen Übergang über die Mosel, denn die Stadt entwickelte sich zu einem der wichtigsten Verwaltungs- und Handelszentren nördlich der Alpen.
Allerdings ist die Römerbrücke ein hervorragendes Beispiel dafür, warum historische Brücken nicht allein nach ihrem heutigen Aussehen datiert werden dürfen. Die antiken Pfeiler haben überlebt, die darüberliegenden Gewölbe dagegen nicht vollständig. Nach Angaben der Stadt Trier stammen Einwölbungen aus dem Jahr 1343 beziehungsweise aus dem Jahr 1719. Auch spätere Eingriffe veränderten den Überbau. Die römischen Pfeiler aus mächtigen Basaltquadern blieben jedoch das entscheidende konstruktive Erbe. Die Brücke ist somit kein vollständig unverändertes römisches Bauwerk, sondern ein über fast zwei Jahrtausende weiterentwickelter Verkehrsübergang auf antiker Grundlage. Genau diese bauliche Kontinuität macht sie einzigartig. Sie gehört außerdem zum UNESCO-Welterbe „Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier“.
- Datierung der römischen Pfeiler auf 154 bis 157 n. Chr.
- Damit rund 1.870 Jahre alte tragende Bausubstanz.
- Die heute sichtbaren Gewölbe sind wesentlich jünger als die Pfeiler.
- Die Brücke wird bis heute als Verkehrsbrücke über die Mosel genutzt.
- Teil des UNESCO-Welterbes der römischen Monumente von Trier.
- Ort
- Trier, Rheinland-Pfalz
- Fluss
- Mosel
- Älteste Datierung
- 154–157 n. Chr.
- Historische Epoche
- Römische Kaiserzeit
- Erhaltene Originalsubstanz
- Römische Steinpfeiler
- Spätere Gewölbe
- unter anderem 1343 und 1719
- Bauprinzip
- Steinpfeilerbrücke mit später erneuertem Überbau
- Heutige Nutzung
- Straßen-, Fuß- und Radverkehr
- Status
- UNESCO-Welterbe
- Warum Rang 1?
- Mit Abstand älteste erhaltene tragende Brückensubstanz Deutschlands
- Quelle
- Stadt Trier – UNESCO-Welterbestätten-Finder
2. Drususbrücke Bingen – mittelalterlich trotz römischem Namen
Rang: 2 frühmittelalterlich
Der Name führt zunächst in die falsche Epoche. Die Drususbrücke in Bingen ist nicht das Werk des römischen Feldherrn Drusus, sondern eine frühmittelalterliche Steinbrücke aus der Zeit um 1000. Das Binger Stadtarchiv führt ihre Errichtung auf Erzbischof Willigis zurück und nennt für den Bau beziehungsweise die zugehörige Anlage das Jahr 989. Damit liegt zwischen der Trierer Römerbrücke und dem zweitältesten Bauwerk dieser Liste eine erstaunliche zeitliche Lücke von mehr als acht Jahrhunderten. Die Brücke über die Nahe war strategisch bedeutsam, weil sie die Verkehrswege am Zusammenfluss von Nahe und Rhein miteinander verband.
Ihre ungewöhnlichste Besonderheit befindet sich nicht auf, sondern unter der Fahrbahn. Im östlichen Landpfeiler liegt rund 4,5 Meter unter dem heutigen Straßenniveau eine etwa 3,8 mal 3,8 Meter große romanische Brückenkapelle. Die Stadt bezeichnet sie als wahrscheinlich älteste erhaltene Brückenkapelle Deutschlands und als einzige unterirdische ihrer Art. Wie viele jahrhundertealte Verkehrswege wurde auch die Drususbrücke mehrfach zerstört und erneuert. Französische Truppen beschädigten sie 1689 schwer; 1772 erfolgte eine steinerne Wiederherstellung. 1945 wurde erneut ein Bogen gesprengt, bevor die Brücke 1951/52 repariert und um rund drei Meter verbreitert wurde. Ihr heutiger Zustand ist somit ein historisches Schichtenmodell – mit einem außergewöhnlich alten Kern.
- Errichtung beziehungsweise frühe Bauphase um 989 bis 1000.
- Keine römische Brücke trotz des Namens „Drususbrücke“.
- Unterirdische Brückenkapelle rund 4,5 Meter unter Straßenniveau.
- Kapellenraum ungefähr 3,8 × 3,8 Meter groß.
- 1689, 1945 und in weiteren Epochen erheblich beschädigt beziehungsweise verändert.
- Ort
- Bingen am Rhein, Rheinland-Pfalz
- Fluss
- Nahe
- Datierung
- 989 / um 1000
- Bauherr
- Erzbischof Willigis zugeschrieben
- Bauart
- Historische Steinbogenbrücke
- Kapelle
- ca. 3,8 × 3,8 m
- Tiefe der Kapelle
- ca. 4,5 m unter heutigem Straßenniveau
- Kriegszerstörung
- unter anderem 1689 und 1945
- Großer Umbau
- 1951/52, dabei um etwa 3 m verbreitert
- Besonderheit
- Wahrscheinlich älteste erhaltene Brückenkapelle Deutschlands
- Quelle
- Stadtarchiv Bingen
3. Steinerne Brücke Regensburg – das mittelalterliche Donauwunder
Rang: 3 1135–1146 Welterbestadt
Als 1135 der Bau der Steinernen Brücke begann, war eine dauerhaft gemauerte Querung eines Stroms von der Dimension der Donau eine technische Großaufgabe. Nur elf Jahre später war das Werk vollendet. Die Regensburger Brücke wurde damit zu einem der wichtigsten Ingenieurbauwerke des europäischen Hochmittelalters. Über Jahrhunderte war sie nicht nur eine lokale Verbindung zwischen Regensburg und Stadtamhof, sondern ein strategischer Übergang auf einer der bedeutendsten europäischen Verkehrsachsen. Die Stadt berichtet, dass sie fast 800 Jahre lang bis 1935 der einzige zuverlässige Donauübergang Regensburgs und des weiteren Umlands blieb.
Heute misst das historische Bauwerk ungefähr 300 Meter und ruht nach Angaben der Regensburg Tourismus GmbH auf 16 Fundamentfüßen. Die gemauerten Tonnengewölbe verteilen die Last über massive Pfeiler in den Flussgrund. Ursprünglich sicherten drei Türme die Brücke; erhalten blieb der stadtnähere Brückturm. Im Mittelalter war dieser Übergang weit mehr als Infrastruktur. Kreuzfahrerheere nutzten Regensburg als Ausgangspunkt auf dem Weg nach Südosten, Kaufleute transportierten Waren über die Donau, und der Brückenzoll wurde zu einem wichtigen wirtschaftlichen Instrument. Zwar wurden Teile des Bauwerks im Laufe der Jahrhunderte repariert und verändert, doch erhebliche Mengen mittelalterlicher Bausubstanz blieben erhalten. Gegenüber Bingen verliert Regensburg nur wegen des deutlich späteren Baubeginns.
- Baubeginn 1135, Fertigstellung 1146.
- Nur rund elf Jahre Bauzeit für einen großen mittelalterlichen Donauübergang.
- Ungefähr 300 Meter lang.
- Auf 16 Fundamentfüßen gegründet.
- Bis 1935 nahezu 800 Jahre lang der zentrale zuverlässige Donauübergang Regensburgs.
- Ort
- Regensburg, Bayern
- Fluss
- Donau
- Baubeginn
- 1135
- Fertigstellung
- 1146
- Bauzeit
- ca. 11 Jahre
- Länge heute
- ca. 300 m
- Fundamentfüße
- 16
- Bauweise
- Naturstein- und Tonnengewölbebrücke
- Ursprüngliche Türme
- 3, davon 1 erhalten
- Historische Bedeutung
- Jahrhundertelang zentraler Donauübergang und Fernhandelsroute
- Quelle
- Regensburg Tourismus
4. Werrabrücke Creuzburg – sieben Bögen für die Via Regia
Rang: 4 1223
Bei Creuzburg führt eine siebenbogige Sandsteinbrücke über die Werra, deren Geschichte eng mit den mittelalterlichen Fernwegen Mitteldeutschlands verbunden ist. 1223 ließ Landgraf Ludwig IV. von Thüringen den steinernen Übergang errichten. Die Lage war wirtschaftlich und militärisch hervorragend gewählt: Hier kreuzte eine bedeutende Handelsroute die Werra, und wer die Brücke kontrollierte, konnte Verkehr, Warenströme und Zolleinnahmen überwachen. Die heutige Stadt Amt Creuzburg bezeichnet das Bauwerk als besonders gut erhaltenes Beispiel mittelalterlicher Sandsteinbrücken nördlich des Mains.
Ursprünglich war der Übergang wesentlich stärker befestigt, als es sein heutiges friedliches Erscheinungsbild vermuten lässt. Ein Wehrturm sicherte einen Brückenkopf; Mauern stellten eine Verbindung zur Stadtbefestigung her. Das erklärt, warum die Brücke in Konflikten immer wieder zum strategischen Ziel wurde. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ein Teil gesprengt und anschließend in historischer Linienführung wieder aufgebaut. Trotzdem blieb so viel historische Substanz erhalten, dass das Bauwerk weiterhin als mittelalterliches Verkehrdenkmal eingeordnet wird. Bis 1986 musste die alte Brücke sogar regulären Straßenverkehr bewältigen. Erst eine neue Betonbrücke nahm ihr diese Aufgabe ab. Die unmittelbar benachbarte Liboriuskapelle von 1499 ergänzt das Ensemble zu einem der eindrucksvollsten historischen Brückenorte Deutschlands.
- Errichtet 1223 im Auftrag von Landgraf Ludwig IV. von Thüringen.
- Siebenbogige Naturstein- beziehungsweise Sandsteinbrücke.
- Teil eines bedeutenden mittelalterlichen Handelsweges.
- Ursprünglich durch Wehrturm und Mauern gesichert.
- 1945 teilweise zerstört, anschließend wiederhergestellt.
- Bis 1986 regulär vom Straßenverkehr genutzt.
- Ort
- Amt Creuzburg, Thüringen
- Fluss
- Werra
- Baujahr
- 1223
- Bauherr
- Landgraf Ludwig IV. von Thüringen
- Bögen
- 7
- Material
- Naturstein / Sandstein
- Historische Funktion
- Fernhandels- und Heerstraßenübergang
- Frühere Sicherung
- Brückenturm und Verbindung zur Stadtmauer
- Kriegsereignis
- Teilzerstörung 1945
- Entlastung vom Verkehr
- 1986 durch Neubau
- Quelle
- Stadt Amt Creuzburg
5. Pliensaubrücke Esslingen – mittelalterliche Ingenieurskunst am Neckar
Rang: 5 13. Jahrhundert
Esslingen besitzt gleich zwei Brücken, die in dieses Ranking gehören. Die ältere ist die Pliensaubrücke, auch Äußere Brücke genannt. Ihre Baugeschichte lässt sich nicht auf ein einziges Jahr reduzieren: Die Esslinger Tourismusorganisation datiert die Errichtung in einen Zeitraum zwischen 1213 und 1286, während die Stadtgeschichte die äußere Pliensaubrücke bereits 1259 urkundlich erwähnt. Für das Ranking dient deshalb 1259 als belastbarer Vergleichspunkt. Das Bauwerk gehörte zur wichtigsten südlichen Zufahrt der Reichsstadt und verband Esslingen mit überregionalen Handelswegen.
Besonders interessant ist die mittelalterliche Bautechnik. Teile der Steinbrücke wurden zunächst auf trockenem Gelände errichtet; anschließend wurde der Flusslauf beziehungsweise die Wasserführung verändert. Das reduzierte die Risiken, die beim Bau von Pfeilern unmittelbar im strömenden Neckar entstanden wären. Ursprünglich besaß die Anlage drei Türme und war damit zugleich Verkehrsweg und Bestandteil der Stadtverteidigung. Ein historischer Turm ist erhalten. Von der alten Bogenkonstruktion bestehen noch mehrere Steinbögen, während andere Abschnitte im Laufe der Industrialisierung, des Straßen- und Eisenbahnbaus stark verändert wurden. Gerade deshalb ist eine genaue Einordnung wichtig: Die Pliensaubrücke ist keine vollständig unveränderte Brücke des 13. Jahrhunderts, aber ein bis heute sichtbares Ensemble mit wesentlichen mittelalterlichen Bestandteilen.
- Bauzeit zwischen 1213 und 1286 eingegrenzt.
- 1259 erstmals sicher in der Esslinger Stadtgeschichte erwähnt.
- Ursprünglich drei Brückentürme.
- Ein historischer Turm ist bis heute erhalten.
- Mehrere mittelalterliche Steinbögen sind weiterhin Teil des Bauwerks.
- Die Konstruktion wurde teilweise auf trockenem Gelände errichtet.
- Ort
- Esslingen am Neckar, Baden-Württemberg
- Gewässer
- Historischer Neckarübergang und Vorland
- Bauzeit
- zwischen 1213 und 1286
- Sichere Erwähnung
- 1259
- Bauart
- Steinbogenbrücke
- Historische Türme
- ursprünglich 3
- Erhaltene Türme
- 1
- Erhaltene historische Bögen
- mehrere Steinbögen
- Frühere Funktion
- Haupteingang, Handelsweg und Verteidigungsanlage
- Besonderheit
- Teile der Brücke wurden vor der Flutung auf trockenem Gelände errichtet
- Quelle
- Esslingen Stadtmarketing & Tourismus
6. Innere Brücke Esslingen – eine mittelalterliche Einkaufsstraße auf Bögen
Rang: 6 1286
Nur wenige Gehminuten von der Pliensaubrücke entfernt liegt ein zweites außergewöhnliches mittelalterliches Verkehrsbauwerk. Die Innere Brücke wurde 1286 errichtet und führte ursprünglich mit elf Bögen über Neckarkanäle und die sogenannte Maille. Damit war sie weit mehr als eine einfache Flussquerung. Sie gehörte zur Handelsstraße, die aus Italien über Ulm und Esslingen weiter in Richtung Rhein und Flandern führte. Händler, Fuhrwerke und Reisende mussten diese Passage nehmen, wenn sie durch die wirtschaftlich bedeutende Reichsstadt zogen.
Architektonisch besitzt die Innere Brücke eine bemerkenswerte Parallele zur später folgenden Krämerbrücke in Erfurt und zum Ponte Vecchio in Florenz: Sie war dicht bebaut. Häuser und Verkaufsstellen machten den Übergang zu einem Teil des städtischen Straßenraums, sodass Passanten den Eindruck einer normalen Gasse erhalten konnten, obwohl sie sich auf einem Brückenbauwerk befanden. Mit der Veränderung der Neckarkanäle verschwanden Teile der ursprünglichen Situation aus dem direkten Blickfeld. Gerade dadurch wird das Alter häufig unterschätzt. Während die bekanntere Pliensaubrücke vor allem durch ihren erhaltenen Turm auffällt, ist die Innere Brücke stärker in den heutigen Stadtkörper eingebettet. Für das Ranking ist die exakte Datierung von 1286 entscheidend – zwei Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung der Alten Lahnbrücke in Wetzlar.
- 1286 errichtet.
- Ursprünglich elf Bögen über Neckarkanäle und Maille.
- Teil einer internationalen Handelsroute zwischen Italien, Süddeutschland, Rhein und Flandern.
- Historisch dicht mit Gebäuden bebaut.
- Vergleichbar mit europäischen bebauten Brücken wie Ponte Vecchio und Krämerbrücke.
- Ort
- Esslingen am Neckar, Baden-Württemberg
- Baujahr
- 1286
- Ursprüngliche Bögen
- 11
- Überquerung
- Neckarkanäle und Maille
- Bauart
- Gemauerte Bogenbrücke
- Historische Bebauung
- Häuser und Verkaufsstellen auf beziehungsweise entlang der Brücke
- Verkehrsbedeutung
- Teil eines europäischen Fernhandelsweges
- Vergleich
- Historisch ähnlich genutzt wie Krämerbrücke und Ponte Vecchio
- Besonderheit
- Heute stark in das Straßenbild der Altstadt integriert
- Warum Rang 6?
- Exakt auf 1286 datierter mittelalterlicher Bau
- Quelle
- Esslingen Stadtmarketing & Tourismus
7. Alte Lahnbrücke Wetzlar – sieben Bögen auf dem Weg nach Köln
Rang: 7 1288 erwähnt
Die Alte Lahnbrücke in Wetzlar zeigt besonders gut, wie eng Brückenbau und Handel im Mittelalter miteinander verbunden waren. Die Stadt datiert ihre Errichtung in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts; 1288 wird sie erstmals ausdrücklich erwähnt. Damit lässt sich das genaue Baujahr nicht so präzise bestimmen wie bei der Inneren Brücke in Esslingen. Für die Rangfolge verwenden wir deshalb die erste gesicherte Erwähnung. Die siebenbogige Steinbrücke lag an einer bedeutenden Verbindung zwischen Frankfurt und Köln und machte Wetzlar zu einem kontrollierbaren Übergangspunkt an der Lahn.
Ein konstruktives Detail erzählt viel über die Herausforderungen mittelalterlicher Brückenbauer: Die im Flussbett stehenden Pfeiler wurden mit Eisbrechern verstärkt. Diese keilförmigen Vorsprünge teilen Strömung und Treibeis und reduzieren damit die Kräfte, die direkt auf die Pfeiler wirken. Ein derartiger Schutz war entscheidend, denn Hochwasser und Eisgang gehörten zu den häufigsten Ursachen für den Verlust früher Brücken. An beiden Enden der Wetzlarer Brücke standen zudem Tortürme. Sie machten den Übergang kontrollierbar und ermöglichten die Verbindung von Verkehrsführung und Stadtverteidigung. Erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschwanden diese Türme. Die sieben Steinbögen blieben und vermitteln bis heute einen ungewöhnlich geschlossenen Eindruck eines hochmittelalterlichen Flussübergangs.
- Errichtet in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
- 1288 erstmals urkundlich erwähnt.
- Siebenbogige Steinbrücke über die Lahn.
- Teil des mittelalterlichen Handelswegs Frankfurt–Köln.
- Pfeiler mit Eisbrechern gegen Strömung und Treibeis verstärkt.
- Früher mit Tortürmen an beiden Brückenenden.
- Ort
- Wetzlar, Hessen
- Fluss
- Lahn
- Entstehung
- 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts
- Erste Erwähnung
- 1288
- Bögen
- 7
- Bauart
- Steinbogenbrücke
- Pfeilerschutz
- Eisbrecher im Flussbett
- Historische Route
- Frankfurt–Köln
- Frühere Befestigung
- Tortürme an beiden Enden
- Abbruch der Türme
- 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Quelle
- Stadt Wetzlar
8. Alte Nahebrücke Bad Kreuznach – Mittelalter unter berühmten Brückenhäusern
Rang: 8 um 1300
Die Alte Nahebrücke in Bad Kreuznach ist heute vor allem wegen ihrer Fachwerkhäuser bekannt. Das eigentliche Brückenbauwerk ist jedoch deutlich älter als die meisten Gebäude, die auf seinen Pfeilern stehen. Nach Angaben der Stadt wurde die historische Nahebrücke um das Jahr 1300 errichtet. Ursprünglich bestand sie aus acht steinernen Bögen, die sowohl die Nahe als auch den Mühlenteich überspannten. Die ersten Brückenhäuser kamen erst rund zwei Jahrhunderte später hinzu: Sie werden um 1495 erwähnt und nutzten die massiven Stromteiler beziehungsweise Pfeiler als Baugrund.
Das heutige Erscheinungsbild erzählt allerdings auch von massiven Eingriffen des 20. Jahrhunderts. Im März 1945 sprengten deutsche Soldaten den Abschnitt über den Hauptarm der Nahe. Drei historische Bögen gingen verloren. 1955 ersetzte man diesen Bereich durch eine moderne Spannbetonkonstruktion. Die steinernen Gewölbe über dem Mühlenteich blieben dagegen erhalten und wurden später durch Betonelemente verstärkt und verbreitert. Genau deshalb wird die Alte Nahebrücke in diesem Ranking nach ihrem erhaltenen historischen Kern und nicht als vollständig originales Gesamtbauwerk bewertet. Bemerkenswert ist die funktionale Kontinuität: Seit mehr als sieben Jahrhunderten bildet der Übergang eine zentrale Verbindung innerhalb Bad Kreuznachs. Die Brückenhäuser machten aus der technischen Infrastruktur zusätzlich eines der markantesten Stadtbilder Deutschlands.
- Historische Steinbrücke um 1300 errichtet.
- Ursprünglich acht Mauerwerksbögen.
- Brückenhäuser erstmals gegen Ende des 15. Jahrhunderts nachweisbar.
- Drei historische Bögen über die Nahe 1945 gesprengt.
- Hauptfluss-Abschnitt 1955 durch Spannbeton ersetzt.
- Historische Gewölbe über dem Mühlenteich weiterhin erhalten.
- Ort
- Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz
- Gewässer
- Nahe und Mühlenteich
- Baujahr
- um 1300
- Ursprüngliche Bögen
- 8
- Material
- Historisches Mauerwerk / Stein
- Erste Brückenhäuser
- um 1495
- Kriegszerstörung
- 3 Bögen im März 1945 gesprengt
- Moderner Ersatzabschnitt
- 1955
- Erhaltene historische Substanz
- Gewölbe im Bereich des Mühlenteichs
- Besonderheit
- Eine der bekanntesten noch bebauten historischen Brücken Deutschlands
- Quelle
- Stadt Bad Kreuznach
9. Alte Lahnbrücke Limburg – ein Jahrhundertprojekt des Mittelalters
Rang: 9 ab 1315
Die Alte Lahnbrücke von Limburg entstand nicht aus Prestige, sondern aus einer wiederkehrenden Katastrophe. Bereits im 12. Jahrhundert gab es an dieser Stelle eine hölzerne Brücke. Hochwasser und Eisgang beschädigten solche Konstruktionen jedoch immer wieder; nach einer schweren Zerstörung zu Beginn des 14. Jahrhunderts entschied sich die Stadt für einen wesentlich aufwendigeren Steinbau. 1315 begannen die Arbeiten an der heutigen Alten Lahnbrücke. Das Projekt zog sich über Jahrzehnte hin, denn Natursteinbrücken dieser Dimension verschlangen erhebliche Mengen an Material, Arbeitskraft und Geld.
Die hessische Denkmalpflege beschreibt die ursprüngliche Anlage mit acht Bögen, darunter zwei Landbögen, sowie zwei Brückentürmen. Mit einer damaligen Breite von rund 6,90 Metern war der Übergang für mittelalterliche Verhältnisse großzügig ausgelegt. Seine wirtschaftliche Bedeutung war enorm: Hier verlief ein wichtiger Handelsweg zwischen Köln und Frankfurt. Brückenzoll und Torabgaben halfen, Bau und Unterhalt zu finanzieren. Der innere Brückenturm ist bis heute eines der prägendsten Merkmale des Ensembles. Auch Limburgs Brücke blieb von Kriegsschäden nicht verschont und musste nach dem Zweiten Weltkrieg wieder instand gesetzt werden. Ihr mittelalterlicher Kern und die jahrhundertelange Nutzung machen sie dennoch zu einem der bedeutendsten historischen Lahnübergänge Deutschlands.
- Baubeginn der steinernen Brücke 1315.
- Vorgänger war eine hochwassergefährdete Holzbrücke des 12. Jahrhunderts.
- Ursprünglich acht Bögen einschließlich zweier Landbögen.
- Ursprüngliche Breite rund 6,90 Meter.
- Zwei Brückentürme gehörten zur mittelalterlichen Anlage.
- Wichtiger Abschnitt der Handelsverbindung Köln–Frankfurt.
- Ort
- Limburg an der Lahn, Hessen
- Fluss
- Lahn
- Baubeginn Steinbrücke
- 1315
- Vorgänger
- Holzbrücke des 12. Jahrhunderts
- Ursprüngliche Bögen
- 8 einschließlich Landbögen
- Ursprüngliche Breite
- ca. 6,90 m
- Brückentürme
- ursprünglich 2
- Handelsroute
- Köln–Frankfurt
- Finanzierung
- unter anderem durch Abgaben und Brückenzoll
- Erhaltenes Merkmal
- Historischer Brückenturm
- Quelle
- Landesamt für Denkmalpflege Hessen
10. Krämerbrücke Erfurt – 79 Meter mittelalterliche Stadt über der Gera
Rang: 10 1325 bebaut
Bei der Krämerbrücke erkennt man vom Straßenraum aus kaum, dass man überhaupt auf einer Brücke steht. Genau darin liegt ihr Reiz. Bereits zuvor existierte an dieser Stelle ein hölzerner Übergang, doch 1325 wurde die steinerne Krämerbrücke vollendet. Damit feierte Erfurt im Jahr 2025 ihr 700-jähriges Bestehen als Steinbau. Die Brücke überspannt einen Arm der Gera und wurde im Laufe ihrer Geschichte so dicht bebaut, dass sich auf ihr eine regelrechte kleine Straße entwickelte. Heute ist sie mit Häusern auf beiden Seiten eines der außergewöhnlichsten historischen Brückenensembles Europas.
Die steinerne Konstruktion besteht aus sechs Gewölben und erstreckt sich über rund 79 Meter. Heute stehen 32 Häuser auf beziehungsweise entlang der Brücke. Ursprünglich waren die Parzellen wesentlich kleinteiliger. Nach einem verheerenden Stadtbrand von 1472 ließ Erfurt 62 Häuser für Händler und Handwerker errichten. Spätere Zusammenlegungen reduzierten diese Zahl. Die Gebäude stehen nicht bloß dekorativ über dem Fluss: Teile ihrer Keller reichen in die Brückenpfeiler und machen Architektur und Ingenieurbau zu einer einzigen Struktur. Die Krämerbrücke landet nur auf Rang zehn, weil mehrere erhaltene Steinbrücken des 13. und frühen 14. Jahrhunderts älter sind. Hinsichtlich ihrer Bebauung und bis heute lebendigen Nutzung ist sie jedoch wahrscheinlich das außergewöhnlichste Bauwerk der gesamten Liste.
- Steinbrücke 1325 fertiggestellt.
- 2025 feierte Erfurt 700 Jahre steinerne Krämerbrücke.
- Rund 79 Meter lang.
- Sechs steinerne Gewölbe über der Gera.
- Heute 32 Häuser auf beziehungsweise entlang der Brücke.
- Nach dem Stadtbrand 1472 entstanden ursprünglich 62 Krämer- und Wohnhäuser.
- Ort
- Erfurt, Thüringen
- Fluss
- Gera / Breitstrom
- Steinbau fertiggestellt
- 1325
- Alter 2025
- 700 Jahre
- Länge
- ca. 79 m
- Gewölbe
- 6
- Häuser heute
- 32
- Häuser nach 1472
- ursprünglich 62
- Nutzung
- Wohnen, Handwerk, Geschäfte und Fußverkehr
- Besonderheit
- Durchgehend bebaute und bewohnte historische Steinbrücke
- Quelle
- Stadt Erfurt – Stiftung Krämerbrücke
FAQ: Die ältesten Brücken Deutschlands
Welche ist die älteste Brücke Deutschlands?
Die älteste erhaltene Brückensubstanz Deutschlands besitzt die Römerbrücke in Trier. Ihre römischen Steinpfeiler wurden auf die Jahre 154 bis 157 n. Chr. datiert. Die darüberliegenden Gewölbe sind allerdings jünger. Deshalb sollte man genauer von der ältesten erhaltenen Brücke mit römischer Tragstruktur sprechen.
Welche ist die älteste mittelalterliche Steinbrücke Deutschlands?
Zu den frühesten erhaltenen mittelalterlichen Steinbrücken gehört die Drususbrücke in Bingen, deren Ursprung um das Jahr 1000 beziehungsweise in die Zeit Erzbischof Willigis‘ datiert wird. Sie ist damit deutlich älter als die 1135 begonnene Steinerne Brücke in Regensburg.
Ist die Steinerne Brücke in Regensburg wirklich die älteste Brücke Deutschlands?
Sie wird häufig als älteste erhaltene große Steinbrücke Deutschlands bezeichnet, doch die Formulierung hängt von der Definition ab. Die Trierer Römerbrücke besitzt wesentlich ältere römische Pfeiler, und die Drususbrücke in Bingen reicht als mittelalterlicher Brückenstandort mit erhaltenem historischem Kern bis um 1000 zurück. Regensburg ist dagegen eines der vollständigsten und bedeutendsten erhaltenen mittelalterlichen Großbrückenbauwerke.
Warum zählen teilweise rekonstruierte Brücken zu dieser Liste?
Kaum eine über 700 oder 800 Jahre alte Verkehrsbrücke blieb vollständig unverändert. Hochwasser, Eisgang, Kriege, steigende Verkehrslasten und Straßenumbauten führten fast überall zu Reparaturen. Berücksichtigt werden deshalb Brücken mit substantiell erhaltener historischer Bausubstanz oder klarer baulicher Kontinuität. Moderne Komplettnachbauten ohne historischen Kern werden ausgeschlossen.
Welche alte Brücke in Deutschland ist noch bewohnt?
Das bekannteste Beispiel ist die Krämerbrücke in Erfurt. Auf der rund 79 Meter langen Steinbrücke stehen heute 32 Häuser. In ihnen wird gewohnt und gearbeitet; außerdem befinden sich dort Werkstätten und Geschäfte. Damit ist die Brücke bis heute ein funktionierender Teil der Erfurter Altstadt.







