0 Prozent Zustimmung bei Filmkritikern – und trotzdem Fans, Wiederaufführungen und jahrzehntelanger Ruhm? Genau dieses scheinbare Paradox macht schlechte Kultfilme so faszinierend. Manche Produktionen verschwinden nach einem Verriss sofort. Andere entwickeln ein zweites Leben, weil misslungene Dialoge, absurde Spezialeffekte oder groteske Regieentscheidungen so einmalig sind, dass gemeinsames Anschauen mehr Spaß macht als bei vielen mittelmäßigen Filmen. Für diese Liste der am schlechtesten bewerteten Filme, die trotzdem Kult wurden, wurden aktuelle Kritikerwerte, historische Verrisse, Fanrituale, Mitternachtsvorführungen, Wiederveröffentlichungen und popkulturelle Nachwirkungen miteinander verglichen. Ein niedriger Rotten-Tomatoes-Wert allein reicht nicht: Der Film muss eine erkennbare Kultgemeinde aufgebaut oder eine deutliche Neubewertung erlebt haben. Deshalb stehen nicht automatisch die mathematisch schlechtesten Filme ganz oben. Entscheidend ist der Kontrast zwischen desaströser Reputation und erstaunlicher Langlebigkeit. Bewertungen verändern sich durch neue Rezensionen; die genannten Werte entsprechen dem überprüften Stand im September 2026.
So wurde gewertet
Das Ranking kombiniert zwei Bereiche: schlechte Bewertung und Kultfaktor. Zur ersten Gruppe zählen aktuelle aggregierte Kritikerwerte, zeitgenössische Verrisse und Negativauszeichnungen. Der Kultfaktor berücksichtigt Mitternachtsvorführungen, Fanrituale, wiederkehrende Zitate und Memes, Dokumentarfilme über das Phänomen, Neuveröffentlichungen sowie spätere kritische Neubewertungen. Filme, die lediglich schlecht bewertet wurden und anschließend verschwanden, sind ausgeschlossen. Die Prozentwerte in der Übersicht beziehen sich auf den im September 2026 überprüften Tomatometer, soweit ein aktueller Wert vorhanden ist. Bei älteren Kultfilmen können heutige Kritikerwerte höher sein als die ursprüngliche Reputation, weil spätere Rezensionen den Kultstatus bereits mitbewerten.
Übersicht
| Rang | Film | Jahr | Kritikerwert* | Regie | Kultfaktor |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | The Room | 2003 | 24 % | Tommy Wiseau | Mitternachtskino, Publikumsrituale, Zitate |
| 2 | Troll 2 | 1990 | 13 % | Claudio Fragasso | eigener Kult-Dokumentarfilm |
| 3 | Manos: The Hands of Fate | 1966 | 0 % | Harold P. Warren | MST3K und Bad-Movie-Kanon |
| 4 | Showgirls | 1995 | 24 % | Paul Verhoeven | Camp-Klassiker und kritische Neubewertung |
| 5 | Mac and Me | 1988 | 7 % | Stewart Raffill | E.T.-Kopie, Produktplatzierung, TV-Gag |
| 6 | Freddy Got Fingered | 2001 | 12 % | Tom Green | vom Hassobjekt zum absurden Kultfilm |
| 7 | Batman & Robin | 1997 | 11 % | Joel Schumacher | Camp, Wortspiele und Neonästhetik |
| 8 | Howard the Duck | 1986 | 14 % | Willard Huyck | Marvel-Kuriosum mit zweitem Leben |
| 9 | Birdemic: Shock and Terror | 2008 | 19 % | James Nguyen | DIY-Effekte und Gemeinschaftslachen |
| 10 | Battlefield Earth | 2000 | 3 % | Roger Christian | legendärer Hollywood-Misserfolg |
*Tomatometer-Stand September 2026. Werte können sich durch neu erfasste Rezensionen verändern.
1. The Room – der König des „so schlecht, dass er gut ist“-Kinos
Rang: 1 Kult-König
Eigentlich erzählt The Room eine überschaubare Geschichte über Liebe, Untreue und Freundschaft. Doch Tommy Wiseaus Drama von 2003 entwickelte sich aus Gründen zum Kult, die sein Regisseur kaum geplant haben dürfte. Figuren betreten Szenen, verschwinden wieder und sprechen über Handlungsstränge, die niemals aufgelöst werden. Dialoge wechseln zwischen banaler Alltagsunterhaltung und melodramatischen Ausbrüchen. Mehrfach werfen Männer ohne erkennbaren Anlass einen Football hin und her. Und Wiseaus eigenwillige Darstellung von Johnny ist inzwischen praktisch eine eigene Kategorie der Filmgeschichte.
Der heutige Tomatometer liegt zwar bei 24 Prozent und damit deutlich über einigen anderen Filmen dieser Liste. Platz eins bekommt The Room dennoch, weil kein anderer moderner Flop seine schlechte Reputation derart erfolgreich in ein eigenes Unterhaltungsformat verwandelt hat. Rotten Tomatoes bezeichnet ihn inzwischen selbst als Klassiker des Mitternachtskinos. Bei interaktiven Vorstellungen zitieren Zuschauer Dialoge, reagieren gemeinsam auf bestimmte Szenen und verwandeln die Vorführung in ein Ritual. Aus einem kaum beachteten Independentfilm wurde dadurch ein dauerhaftes Kinophänomen. Spätere Wiederaufführungen generierten sogar neue Einnahmen. The Disaster Artist machte die Entstehungsgeschichte schließlich selbst zum Stoff eines weiteren Kinofilms. Schlechte Filmkunst wurde hier nicht überwunden – sie wurde zum eigentlichen Produkt.
- Aktueller Tomatometer: 24 Prozent bei 33 erfassten Kritiken.
- Laufzeit: 99 Minuten.
- Tommy Wiseau schrieb, produzierte, inszenierte und spielte die Hauptrolle.
- Der Film läuft noch Jahrzehnte später bei interaktiven Sondervorstellungen.
- Jahr
- 2003
- Regie
- Tommy Wiseau
- Tomatometer
- 24 %
- Publikumswert
- 47 % bei mehr als 10.000 Bewertungen
- Laufzeit
- 1 Std. 39 Min.
- Kultmechanismus
- Mitternachtsvorführungen, Publikumsrituale, Zitate und gemeinschaftliches Bad-Movie-Erlebnis
- Ranggrund
- Der weltweit bekannteste moderne Film, dessen handwerkliches Scheitern selbst zur Attraktion wurde
- Quelle
- Rotten Tomatoes
2. Troll 2 – der schlechte Film, der einen guten Film über sich selbst bekam
Rang: 2 Best Worst Movie
Schon der Titel ist irreführend. Troll 2 enthält keine Trolle und besitzt praktisch keine erzählerische Verbindung zum Film Troll von 1986. Stattdessen bedrohen vegetarische Goblins eine amerikanische Familie, weil sie Menschen zunächst in Pflanzen verwandeln und anschließend verspeisen wollen. Die Kleinstadt heißt Nilbog – „Goblin“ rückwärts. Was wie eine bewusste Parodie klingt, wurde von Regisseur Claudio Fragasso und seinem Team ernst gemeint. Genau diese Aufrichtigkeit machte den Film später so wertvoll für Bad-Movie-Fans.
Der Kult entwickelte sich erst Jahre nach der Veröffentlichung auf Video. Fans veranstalteten Partys und ausverkaufte Vorführungen, Schauspieler wurden zu Kultstars und der damalige Kinderhauptdarsteller Michael Stephenson dokumentierte das Phänomen schließlich in Best Worst Movie. Die Los Angeles Times beschrieb 2009, wie ein einst beschämendes Werk zum popkulturellen Ereignis geworden war; damals wurde sogar ein Rotten-Tomatoes-Wert von 0 Prozent genannt. Heute liegt der Tomatometer bei 13 Prozent. Platz zwei verdient Troll 2, weil kaum ein anderer schlechter Film seine eigene Rezeptionsgeschichte so vollständig dokumentiert hat. Der Film ist nicht bloß Kult – sein Kultstatus wurde selbst Gegenstand eines erfolgreichen Dokumentarfilms.
- Keine Trolle im Film – die Monster sind Goblins.
- Aktueller Tomatometer: 13 Prozent.
- Michael Stephenson war beim Dreh etwa zehn Jahre alt.
- Der Dokumentarfilm Best Worst Movie untersucht ausdrücklich den späteren Kult.
- Jahr
- 1990
- Regie
- Claudio Fragasso
- Tomatometer heute
- 13 %
- Historischer Negativwert
- 2009 wurde in Berichten noch ein Rotten-Tomatoes-Wert von 0 % genannt
- Laufzeit
- 1 Std. 35 Min.
- Kult-Dokumentation
- Best Worst Movie
- Besonderheit
- Fortsetzung im Titel, obwohl weder Handlung noch Monster mit dem ersten Troll-Film verbunden sind
- Quelle
- Los Angeles Times
3. Manos: The Hands of Fate – 0 Prozent und trotzdem unsterblich
Rang: 3 0-Prozent-Kult
Harold P. Warren war kein etablierter Regisseur, sondern unter anderem Versicherungs- und Düngemittelverkäufer. Einer oft erzählten Entstehungsgeschichte zufolge entstand Manos: The Hands of Fate aus einer Wette darüber, ob Warren selbst einen Spielfilm drehen könne. Das Ergebnis von 1966 erfüllt nahezu jedes Klischee über inkompetentes Filmemachen: merkwürdiges Timing, Anschlussfehler, hölzerne Dialoge, technische Einschränkungen und Szenen, die scheinbar kein Ende finden. Besonders die Figur Torgo mit seinem eigenartigen Gang wurde später zur Bad-Movie-Ikone.
Jahrzehntelang wäre der Film vermutlich eine vergessene regionale Kuriosität geblieben. Dann zeigte Mystery Science Theater 3000 ihn 1993. Das Konzept der Sendung – schlechte Filme gemeinsam anschauen und kommentieren – passte perfekt zu Warren. Seitdem gilt Manos als unverzichtbarer Teil des Bad-Movie-Kanons. Auf Rotten Tomatoes steht der Film aktuell tatsächlich bei 0 Prozent Kritikerzustimmung und nur 20 Prozent beim Publikum. Damit wäre er rein mathematisch sogar der schlechteste Film der gesamten Liste. Rang drei statt eins erklärt sich durch die kleinere allgemeine Bekanntheit. Innerhalb der Szene ist seine Bedeutung dagegen kaum geringer als die von The Room oder Troll 2.
- Aktueller Tomatometer: 0 Prozent bei 15 Rezensionen.
- Publikumswert: nur 20 Prozent.
- Wurde durch Mystery Science Theater 3000 einer neuen Generation bekannt.
- Regisseur Harold P. Warren spielte selbst die Hauptfigur Michael.
- Jahr
- 1966
- Regie
- Harold P. Warren
- Tomatometer
- 0 %
- Publikumswert
- 20 % bei mehr als 5.000 Bewertungen
- Laufzeit
- 1 Std. 14 Min.
- Kultverstärker
- Mystery Science Theater 3000
- Ranggrund
- Eine nahezu vergessene Amateurproduktion wurde zum Referenzwerk des Bad-Movie-Kinos
- Quelle
- Rotten Tomatoes
4. Showgirls – vom Karriere-Killer zum ernsthaft diskutierten Camp-Klassiker
Rang: 4 Rehabilitiert
1995 sollte Showgirls ein provokantes Prestigeprojekt werden. Regisseur Paul Verhoeven und Autor Joe Eszterhas hatten zuvor mit Basic Instinct einen enormen Erfolg gefeiert. Diesmal erzählten sie vom Aufstieg der Tänzerin Nomi Malone in Las Vegas – mit einem seltenen NC-17-Rating, großem Studioaufwand und aggressivem Marketing. Das Ergebnis wurde von Kritikern zerlegt. Elizabeth Berkleys extrovertierte Darstellung, die Dialoge und die sexuell übersteigerte Inszenierung machten den Film zum Synonym für einen glamourösen Hollywood-Flop.
Doch Showgirls blieb nicht dort stehen. Über Heimvideo, queere Fancommunities und Camp-Vorführungen entwickelte sich eine zweite Interpretation: Vielleicht war der Film nicht nur misslungen, sondern eine absichtlich groteske Satire auf amerikanischen Ehrgeiz, Sex und Vermarktung. Heute liegt der Tomatometer bei 24 Prozent, während Metacritic weiterhin einen Metascore von nur 25 von 100 ausweist. Besonders bemerkenswert ist, dass die Neubewertung selbst dokumentiert wurde: You Don’t Nomi von 2020 beschreibt ausdrücklich den Weg vom verspotteten Flop zum Kultklassiker. Platz vier erhält Showgirls, weil die Grenze zwischen „schlecht“ und „missverstanden“ hier bis heute umkämpft ist.
- Metascore: 25 von 100 Punkten.
- Aktueller Tomatometer: 24 Prozent.
- Kinofassung mit NC-17-Freigabe in den USA.
- Die spätere Neubewertung wurde 2020 im Dokumentarfilm You Don’t Nomi untersucht.
- Jahr
- 1995
- Regie
- Paul Verhoeven
- Metascore
- 25/100
- Tomatometer
- 24 %
- Laufzeit
- 2 Std. 11 Min.
- US-Freigabe
- NC-17
- Kultmechanismus
- Camp-Vorführungen, queere Rezeption und spätere kritische Neubewertung
- Quelle
- Metacritic
5. Mac and Me – eine E.T.-Kopie wird zur Produktplatzierungs-Zeitkapsel
Rang: 5 Werbefilm-Kult
Schon die Ausgangsidee von Mac and Me erinnert auffällig an E.T.: Ein außerirdisches Wesen wird von seiner Familie getrennt, landet auf der Erde und freundet sich mit einem Jungen an. Doch Stewart Raffills Film machte aus dieser Ähnlichkeit nur einen Teil seines späteren Kultpotenzials. Hinzu kamen auffällige Markeninszenierungen, insbesondere für Coca-Cola und McDonald’s. Eine längere Sequenz in einem McDonald’s-Restaurant wirkt heute fast wie ein Musikvideo, in dem der eigentliche Spielfilm vorübergehend einer Werbeveranstaltung Platz macht.
Rotten Tomatoes führt Mac and Me aktuell mit nur 7 Prozent Kritikerzustimmung. Der dortige Konsens bezeichnet den Film sinngemäß als blasse E.T.-Imitation und kaum verhüllte Werbung für McDonald’s und Coca-Cola. Genau das macht ihn heute historisch interessant. Sein Ruf wurde zusätzlich durch einen jahrzehntelangen Running Gag im amerikanischen Fernsehen befeuert: Statt neue Filmszenen vorzustellen, ließ Schauspieler Paul Rudd wiederholt denselben berüchtigten Ausschnitt aus Mac and Me zeigen. Der Film wurde dadurch weit bekannter, als sein ursprünglicher Kinoerfolg vermuten ließ. Rang fünf erklärt sich durch diese Transformation vom vergessenen Familienfilm zum Symbol für schamlose Produktplatzierung und schlechten 1980er-Jahre-Studiokitsch.
- Aktueller Tomatometer: 7 Prozent.
- Publikumswert: 38 Prozent.
- Die Ähnlichkeit zu E.T. wurde bereits zeitgenössisch stark kritisiert.
- McDonald’s und Coca-Cola sind ungewöhnlich prominent in die Handlung eingebaut.
- Jahr
- 1988
- Regie
- Stewart Raffill
- Tomatometer
- 7 %
- Publikumswert
- 38 %
- Laufzeit
- 1 Std. 33 Min.
- Kultmerkmal
- Produktplatzierungen und immer wieder zitierte Rollstuhl-Klippen-Szene
- Vergleich
- Häufig als misslungene E.T.-Imitation eingeordnet
- Quelle
- Rotten Tomatoes
6. Freddy Got Fingered – vielleicht doch absichtlich so grotesk?
Rang: 6 Neu bewertet
Tom Green bekam 2001 etwas, das nur wenigen Provokationskomikern gewährt wird: ein großes Studio finanzierte ihm einen eigenen Kinofilm, bei dem er als Hauptdarsteller, Co-Autor und Regisseur nahezu freie Hand hatte. Das Ergebnis war Freddy Got Fingered. Pferde, Tierkadaver, absurde Familienkonflikte und eine berüchtigte Geburtsszene sorgten dafür, dass die Kritik nicht einfach schlecht, sondern geradezu feindselig reagierte. Rotten Tomatoes steht heute bei nur 12 Prozent.
Der interessante Teil begann erst später. Filmfans und einzelne Kritiker stellten die Frage, ob Green mit voller Absicht einen Studiokonzern dazu gebracht hatte, Millionen für eine groteske Anti-Komödie auszugeben. Das British Film Institute nahm den Film später sogar in eine Auswahl bedeutender Gross-out-Komödien auf und verweist sowohl auf vernichtende historische Urteile als auch auf die inzwischen gewachsene Kultanhängerschaft. Genau darin liegt Platz sechs begründet. Bei The Room entsteht Komik überwiegend unfreiwillig; bei Freddy Got Fingered ist bis heute umstritten, ob vermeintliches Scheitern nicht Teil des Konzepts war. Dadurch funktioniert der Film inzwischen fast wie ein Experiment darüber, wie weit ein großes Studio bereit ist, die Grenzen des guten Geschmacks zu finanzieren.
- Aktueller Tomatometer: 12 Prozent bei 99 Rezensionen.
- Publikumswert: 56 Prozent – deutlich höher als die Kritikerwertung.
- Tom Green führte Regie und spielte die Hauptrolle.
- Das BFI nennt ausdrücklich die spätere Kultanhängerschaft.
- Jahr
- 2001
- Regie
- Tom Green
- Tomatometer
- 12 %
- Publikumswert
- 56 %
- Laufzeit
- 1 Std. 27 Min.
- Genre
- Gross-out- und absurde schwarze Komödie
- Kultfrage
- Fehlgeschlagene Studiokomödie oder bewusst zerstörerische Anti-Komödie?
- Quelle
- British Film Institute
7. Batman & Robin – der Film, der eine Batman-Ära beendete
Rang: 7 Camp-Comeback
Heute können Comicverfilmungen gleichzeitig düster, prestigeträchtig und milliardenschwer sein. 1997 stand Batman & Robin dagegen für alles, wovon sich das Genre wenig später distanzieren wollte: Neonlicht, übertriebene Kostüme, Cartoon-Physik und Arnold Schwarzeneggers beinahe unerschöpfliches Arsenal an Eis-Wortspielen als Mr. Freeze. Der Film war finanziell kein vollständiger Totalausfall, doch seine kritische Reputation war verheerend. Rotten Tomatoes führt ihn heute mit nur 11 Prozent und als schwächsten Eintrag unter den großen Batman-Kinofilmen.
Jahrelang galt Joel Schumachers Werk vor allem als Film, der die Reihe zum Stillstand gebracht hatte. Inzwischen ist die Rezeption spielerischer geworden. Gerade weil moderne Superheldenfilme lange in Richtung Ernsthaftigkeit gingen, wirkt Schumachers hemmungslose künstliche Ästhetik heute wieder auffällig eigenständig. The Guardian argumentierte 2021 ausdrücklich für eine Neubetrachtung des „endlos zitierbaren“ Films. Diese Neubewertung macht Batman & Robin zum Kultfall: Was einmal als peinliches Scheitern galt, kann heute als bewusstes Camp-Spektakel gesehen werden. Rang sieben gibt es, weil der Film eine größere Mainstream-Bekanntheit als fast alle anderen Titel der Liste besitzt, sein Kult aber stärker auf ironischer Neubewertung als auf klassischen Mitternachtsvorführungen beruht.
- Aktueller Tomatometer: 11 Prozent.
- George Clooney spielte Batman, Arnold Schwarzenegger Mr. Freeze.
- Nach dem Film pausierte die Batman-Kinoreihe bis Batman Begins von 2005.
- Die grelle Camp-Ästhetik wird heute wesentlich häufiger positiv neu gelesen.
- Jahr
- 1997
- Regie
- Joel Schumacher
- Tomatometer
- 11 %
- Laufzeit
- 2 Std. 10 Min.
- US-Kinoeinspiel
- rund 107,3 Mio. US-$ laut Rotten Tomatoes
- Batman
- George Clooney
- Kultmechanismus
- Camp-Ästhetik, Zitate, Kostüme und spätere Neubewertung
- Quelle
- The Guardian
8. Howard the Duck – Marvels berüchtigter Kino-Ausflug vor dem MCU
Rang: 8 Marvel-Kuriosum
Lange vor dem Marvel Cinematic Universe versuchte Hollywood schon einmal, eine ungewöhnliche Marvel-Figur ins Zentrum eines teuren Kinofilms zu stellen. Howard the Duck von 1986 wurde von George Lucas mitproduziert und erzählt von einer anthropomorphen Ente, die aus ihrer eigenen Welt nach Cleveland transportiert wird. Was im Comic als satirische Figur funktionieren konnte, wirkte im Realfilm für viele Zuschauer tonal kaum greifbar: Familienfilm, Science-Fiction, Rockmusik, romantische Komödie und Monsterfilm treffen aufeinander.
Die Reaktionen waren entsprechend hart. Heute weist Rotten Tomatoes nur 14 Prozent Kritikerzustimmung aus. Der Film wurde zu einem Symbol für einen teuren Hollywood-Flop und gewann mehrere Goldene Himbeeren. Trotzdem verschwand Howard nie vollständig. Heimvideo, Comicfans und die wachsende Faszination für missglückte Blockbuster hielten den Film am Leben. Besonders ironisch ist die spätere Entwicklung der Figur: Jahrzehnte nach dem Kinodesaster tauchte Howard wieder in Marvel-Verfilmungen auf, unter anderem in Guardians of the Galaxy. Dadurch wurde ein Film, der einst als Warnung vor Comicverfilmungen galt, rückwirkend zu einem bizarren Vorläufer des erfolgreichsten Superhelden-Franchise seiner Zeit. Platz acht entsteht aus genau dieser historischen Ironie.
- Aktueller Tomatometer: 14 Prozent bei mehr als 150 erfassten Kritiken.
- George Lucas war Executive Producer.
- Lea Thompson und Tim Robbins gehörten zur Besetzung.
- Die Figur Howard kehrte Jahrzehnte später in Marvel-Filmen zurück.
- Jahr
- 1986
- Regie
- Willard Huyck
- Tomatometer
- 14 %
- Publikumswert
- 38 % bei mehr als 50.000 Bewertungen
- Laufzeit
- 1 Std. 51 Min.
- Comic-Ursprung
- Marvel Comics
- Kultfaktor
- berüchtigter Blockbuster-Flop und bizarre Vorgeschichte moderner Marvel-Verfilmungen
- Quelle
- Rotten Tomatoes
9. Birdemic: Shock and Terror – digitale Adler gegen die Regeln des Filmemachens
Rang: 9 DIY-Kult
In Birdemic: Shock and Terror greifen computergenerierte Vögel eine kalifornische Küstenregion an. Das klingt zunächst nach billigem Tierhorror. Entscheidend ist jedoch die Umsetzung. Die Vögel wirken häufig wie zweidimensionale Animationen, die unabhängig vom gefilmten Material über das Bild gelegt wurden. Ihre Flugbewegungen wiederholen sich, Tonmischung und Schnitt wirken amateurhaft und die Dialogszenen dauern erstaunlich lange, bevor der eigentliche Angriff überhaupt beginnt.
Regisseur James Nguyen verstand den Film als Hommage an Alfred Hitchcocks Die Vögel und verband die Handlung mit Botschaften über Klimawandel und Umweltschutz. Gerade diese Ernsthaftigkeit machte Birdemic zum perfekten „so schlecht, dass er gut ist“-Kandidaten. Rotten Tomatoes weist aktuell nur 19 Prozent bei den Kritikern und 28 Prozent beim Publikum aus, führt aber Rezensionen, die ausdrücklich seinen surrealen DIY-Charme beschreiben. Der Film entwickelte sich über Festivals und gemeinsame Vorführungen zum Kult und bekam mehrere Fortsetzungen. Rang neun statt einer höheren Position liegt vor allem an der geringeren allgemeinen Bekanntheit. Innerhalb der Bad-Movie-Szene gehört die Kombination aus ernst gemeinter Botschaft und spektakulär einfachen Effekten längst zu den modernen Klassikern.
- Aktueller Tomatometer: 19 Prozent.
- Publikumswert: 28 Prozent.
- Autor und Regisseur James Nguyen finanzierte den Film unabhängig.
- Die Vogelanimationen wurden zu seinem bekanntesten Kultmerkmal.
- Jahr
- 2008
- Regie
- James Nguyen
- Tomatometer
- 19 %
- Publikumswert
- 28 %
- Laufzeit
- 1 Std. 33 Min.
- Vorbild
- Die Vögel von Alfred Hitchcock
- Kultmechanismus
- extreme DIY-Ästhetik, digitale Vogel-Effekte und gemeinschaftliche Bad-Movie-Vorführungen
- Quelle
- Rotten Tomatoes
10. Battlefield Earth – 3 Prozent für einen 70-Millionen-Dollar-Albtraum
Rang: 10 Mega-Flop
Rein nach Kritikerwert müsste Battlefield Earth viel weiter oben stehen. Rotten Tomatoes weist für das Science-Fiction-Epos von 2000 nur 3 Prozent aus – einen der niedrigsten Werte, die ein derart aufwendig produzierter Mainstreamfilm erreicht hat. John Travolta spielte den außerirdischen Terl und setzte sich über Jahre für die Verfilmung des Romans von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard ein. Mit einem gemeldeten Produktionsrahmen von rund 70 Millionen US-Dollar sollte daraus ein großes Franchise werden.
Stattdessen wurden schräg gehaltene Kamerabilder, Farbeffekte, Dialoge und die extrem überzeichnete Darstellung der außerirdischen Psychlos zu Symbolen für ein spektakuläres Studiodesaster. The Guardian berichtete bereits zur Veröffentlichung von vernichtenden Kritiken und bezeichnete den Film als einen der großen Hollywood-Flops seiner Zeit. Sein Kultstatus unterscheidet sich allerdings von The Room: Es gibt weniger ritualisierte Mitternachtsvorführungen, dafür eine außergewöhnlich langlebige Faszination für das Ausmaß des Scheiterns. Der Film taucht regelmäßig in Diskussionen über die schlechtesten Großproduktionen aller Zeiten auf. Genau deshalb schafft er Rang zehn – als Monument dafür, dass ein riesiges Budget keineswegs vor Bad-Movie-Unsterblichkeit schützt.
- Aktueller Tomatometer: nur 3 Prozent bei 151 Rezensionen.
- Publikumswert: 13 Prozent bei mehr als 50.000 Bewertungen.
- John Travolta produzierte den Film mit und spielte Terl.
- Die Vorlage stammt von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard.
- Jahr
- 2000
- Regie
- Roger Christian
- Tomatometer
- 3 %
- Publikumswert
- 13 %
- Laufzeit
- 1 Std. 57 Min.
- Hauptdarsteller
- John Travolta, Barry Pepper, Forest Whitaker
- Kultmechanismus
- Faszination für einen außergewöhnlich teuren und spektakulär verrissenen Hollywood-Flop
- Quelle
- The Guardian
Warum werden gerade schlechte Filme zu Kultfilmen?
Ein wirklich langweiliger Film hat kaum eine Chance auf Kultstatus. Er muss auf besondere Weise scheitern. The Room, Troll 2 und Birdemic haben deshalb einen entscheidenden Vorteil gegenüber routiniert produzierter Durchschnittsware: Sie sind unverwechselbar. Hinter ihnen stehen Filmemacher, die mit sichtbarer Überzeugung etwas Großes schaffen wollten. Die Diskrepanz zwischen diesem Anspruch und dem tatsächlichen Ergebnis erzeugt Szenen, die kaum ein professionelles Studio bewusst genau so planen würde.
Der zweite Faktor ist Gemeinschaft. Ein schlechter Film kann allein quälend sein und im vollbesetzten Kino plötzlich großartig funktionieren. Wenn das Publikum Lieblingsdialoge kennt, gemeinsam auf bestimmte Szenen wartet oder einen Film wie eine Rocky-Horror-Vorstellung behandelt, verschiebt sich sein Zweck. Die ursprüngliche Dramaturgie wird nebensächlich; die Vorführung selbst wird zur Veranstaltung. Genau deshalb besitzen The Room und Troll 2 einen stärkeren Kultstatus als viele Filme mit noch schlechteren Bewertungen.
Schlecht oder nur missverstanden?
Besonders interessant wird es, wenn sich die Bewertung über die Jahrzehnte tatsächlich verändert. Showgirls ist dafür das deutlichste Beispiel. Die zentrale Frage lautet inzwischen nicht mehr nur, warum der Film so schlecht sei, sondern ob seine groteske Darstellung von Las Vegas vielleicht absichtlicher ist, als die Kritik 1995 annahm. Auch Batman & Robin profitiert von zeitlicher Distanz. Seine Neonfarben, extremen Kostüme und albernen Wortspiele wirken nach Jahren düsterer Superheldenfilme plötzlich wieder eigenständig.
Das bedeutet nicht, dass jeder Verriss irgendwann zum Meisterwerk wird. Kultstatus und Qualität sind zwei verschiedene Kategorien. Ein Film kann handwerklich problematisch und gleichzeitig kulturell äußerst wertvoll sein. Gerade darin liegt der Reiz dieser Liste: Die Filme überlebten nicht trotz ihrer Fehler, sondern teilweise gerade wegen ihnen.
Warum niedrige Bewertungen nicht immer direkt vergleichbar sind
Auch die Prozentzahlen benötigen Kontext. Ein Tomatometer von 0 Prozent bedeutet nicht, dass ein Film „0 von 100 Punkten“ erhalten hat. Es bedeutet, dass keine der erfassten Kritiken als positiv eingeordnet wurde. Ebenso können ältere Filme nur wenige Dutzend erfasste Rezensionen besitzen, während große Studioproduktionen von weit mehr als hundert Kritikern bewertet wurden. Ein 3-Prozent-Wert aus 151 Rezensionen wie bei Battlefield Earth hat deshalb eine andere statistische Basis als 0 Prozent aus 15 Kritiken bei Manos.
Zusätzlich entstehen durch spätere Neubewertungen paradoxe Ergebnisse. Ein lange verspotteter Film kann irgendwann positive Retrospektivkritiken bekommen, gerade weil er Kultstatus erreicht hat. Seine heutige Bewertung steigt dann, obwohl die ursprüngliche schlechte Reputation überhaupt erst die Voraussetzung für diesen Kult war. Weitere Rankings über Kino, Filmklassiker und außergewöhnliche Produktionen finden sich in der Kategorie Filme.
FAQ zu schlechten Kultfilmen
Welcher gilt als berühmtester „so schlecht, dass er gut ist“-Film?
The Room von Tommy Wiseau gilt heute als einer der bekanntesten modernen Vertreter. Regelmäßige Mitternachtsvorführungen, Publikumsrituale, Zitate und die Verfilmung seiner Entstehungsgeschichte machten den Film weit über klassische Bad-Movie-Fankreise hinaus bekannt.
Welcher Film dieser Liste hat die schlechteste aktuelle Kritikerwertung?
Manos: The Hands of Fate steht im September 2026 bei 0 Prozent auf Rotten Tomatoes. Battlefield Earth liegt bei nur 3 Prozent, allerdings auf Basis einer wesentlich größeren Zahl professioneller Rezensionen.
Warum ist Troll 2 so berühmt, obwohl der Film kaum erfolgreich war?
Der Film wurde Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung durch Heimvideo, Fanpartys und gemeinsame Kinovorführungen wiederentdeckt. Der spätere Dokumentarfilm Best Worst Movie machte diese ungewöhnliche Entwicklung selbst zum Thema.
Ist Showgirls wirklich ein schlechter Film?
Darüber wird inzwischen intensiv gestritten. Die zeitgenössische Rezeption war überwiegend negativ und der Metascore liegt weiterhin nur bei 25. Spätere Kritiker interpretieren die übertriebene Inszenierung jedoch teilweise als bewusste Satire und Camp-Ästhetik.
Was unterscheidet einen schlechten Film von einem schlechten Kultfilm?
Ein gewöhnlich schlechter Film wird meist vergessen. Ein schlechter Kultfilm entwickelt dagegen eine aktive Fanbasis, wiederkehrende Vorführungen, zitierbare Szenen oder eine neue Interpretation. Seine Fehler werden dadurch selbst zu einem Teil des Unterhaltungserlebnisses.







