Wer waren die bekanntesten Prostituierten, Kurtisanen und Mätressen der Geschichte? Dieses Ranking sortiert nach historischer Bekanntheit, kulturellem Nachhall, belegter Quellenlage und Einfluss auf Kunst, Politik oder Popkultur. Berücksichtigt werden erwachsene historische Personen, deren Rolle als Prostituierte, Kurtisane, Hetäre oder gesellschaftlich vergleichbare Figur in seriösen Quellen dokumentiert ist.
Übersicht
| Rang | Name | Epoche | Ort | Bekannt durch |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Mata Hari | Belle Époque / Erster Weltkrieg | Niederlande, Frankreich | Tänzerin, Kurtisane, Spionageprozess |
| 2 | Phryne | Antike | Griechenland | Hetäre, Kunstmodell, berühmter Prozess |
| 3 | Veronica Franco | Renaissance | Venedig | Dichterin und cortigiana onesta |
| 4 | La Belle Otero | Belle Époque | Paris, Europa | Tänzerin, internationale Celebrity-Kurtisane |
| 5 | Nell Gwyn | Restoration England | London | Schauspielerin und Mätresse Karls II. |
| 6 | Kitty Fisher | 18. Jahrhundert | London | Medienstar und berühmte Kurtisane |
| 7 | Cora Pearl | Zweites Kaiserreich | Paris | Luxus, Skandale, französische Demimonde |
| 8 | La Païva | 19. Jahrhundert | Paris | Hôtel particulier, Salon, Reichtum |
| 9 | Ninon de Lenclos | 17. Jahrhundert | Frankreich | Salon, Philosophie, Libertinismus |
| 10 | Lulu White | Storyville-Ära | New Orleans | Mahogany Hall und Rotlichtgeschichte |
Mata Hari
Rang: 1 Spionagelegende
Mata Hari, geboren als Margaretha Geertruida Zelle, wurde zur wohl bekanntesten Kurtisane des 20. Jahrhunderts. Ihre Bühnenfigur als exotische Tänzerin passte perfekt zur Pariser Belle Époque, doch ihr Nachruhm entstand vor allem durch den Spionageprozess im Ersten Weltkrieg. 1917 wurde sie in Frankreich wegen angeblicher Spionage für Deutschland hingerichtet. Bis heute ist umstritten, ob sie tatsächlich eine gefährliche Agentin war oder eher als symbolische Schuldige diente. Ihre Geschichte verbindet Sexualität, Kriegspropaganda, Prominenz und Justizdrama – ein Grund, warum ihr Name bis heute weltweit bekannt ist.
- Geboren 1876 in Leeuwarden, Niederlande
- Bekannt als Tänzerin, Kurtisane und mutmaßliche Spionin
- 1917 in Frankreich hingerichtet
- Bis heute Thema von Filmen, Büchern und Ausstellungen
- Lebensdaten
- 1876–1917
- Hauptort
- Paris und Frankreich
- Bekanntheit
- Spionageprozess im Ersten Weltkrieg
- Quelle
- Encyclopaedia Britannica
Phryne
Rang: 2 Antike
Phryne zählt zu den berühmtesten Hetären des antiken Griechenlands. Sie lebte im 4. Jahrhundert v. Chr. und wurde nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern auch wegen ihres Reichtums und ihrer Verbindung zur Kunst überliefert. In antiken Quellen erscheint sie als Modell für bedeutende Darstellungen der Aphrodite. Berühmt wurde außerdem ihr Prozess wegen Gottlosigkeit, der später stark ausgeschmückt wurde und bis heute in Kunst und Literatur nachwirkt. Phryne steht damit exemplarisch für die Sonderrolle gebildeter Hetären, die in der griechischen Oberschicht mehr gesellschaftliche Bewegungsfreiheit hatten als viele andere Frauen.
- Eine der bekanntesten Hetären Athens
- Mit Künstlern wie Praxiteles und Apelles verbunden
- Berühmt durch einen antiken Gerichtsprozess
- Bis heute Motiv in Malerei und Klassischer Philologie
- Epoche
- 4. Jahrhundert v. Chr.
- Ort
- Athen und Thespiai
- Rolle
- Hetäre und Kunstmodell
- Quelle
- Encyclopaedia Britannica
Veronica Franco
Rang: 3 Renaissance
Veronica Franco war die berühmteste Kurtisane des Venedig der Renaissance. Als sogenannte cortigiana onesta bewegte sie sich in literarischen und politischen Eliten, veröffentlichte Gedichte und Briefe und verteidigte Frauen gegen gesellschaftliche Doppelmoral. Ihre Bedeutung liegt nicht nur in ihrer Rolle als Kurtisane, sondern in ihrer nachweisbaren literarischen Produktion. Dadurch ist sie heute eine der am besten erforschten historischen Sexarbeiterinnen Europas. Franco zeigt, dass Kurtisanen in bestimmten Milieus Zugang zu Bildung, Netzwerken und öffentlicher Wirkung gewinnen konnten – allerdings unter hohen sozialen Risiken.
- Geboren 1546 in Venedig
- Dichterin, Briefautorin und Kurtisane
- Teil der venezianischen Kultur- und Machtelite
- Heute wichtig für Gender- und Renaissanceforschung
- Lebensdaten
- 1546–1591
- Ort
- Venedig
- Besonderheit
- Literarisch belegte Kurtisane
- Quelle
- USC Dornsife
La Belle Otero
Rang: 4 Belle Époque
La Belle Otero, geboren als Agustina Otero, wurde in der Belle Époque zu einer europaweit bekannten Tänzerin und Kurtisane. Sie trat in Paris auf, reiste international und bewegte sich in Kreisen von Königen, Fürsten, Industriellen und Künstlern. Ihr öffentlicher Ruhm beruhte auf einer Mischung aus Bühnenkarriere, Selbstinszenierung, Luxus und Skandalpresse. In der Erinnerung wurde sie zur Symbolfigur einer Epoche, in der Unterhaltung, Geldadel und erotische Prominenz eng miteinander verbunden waren. Ihre Lebensgeschichte zeigt zugleich den Aufstieg und Absturz vieler sogenannter grandes horizontales.
- Spanischstämmige Tänzerin und Kurtisane
- Berühmt in Paris und an europäischen Höfen
- Mit der Folies-Bergère-Kultur verbunden
- Star der Belle Époque und später verarmt
- Lebensdaten
- 1868–1965
- Hauptort
- Paris
- Bekanntheit
- Bühnenruhm und aristokratische Liebhaber
- Quelle
- Encyclopedia.com
Nell Gwyn
Rang: 5 England
Nell Gwyn wurde als Schauspielerin und Mätresse von König Charles II. zu einer der populärsten Frauen im England der Restoration-Zeit. Ihre Herkunft lag im Londoner Vergnügungsviertel, ihre Mutter betrieb laut Überlieferung ein Bawdyhouse. Gwyn wurde zunächst als Verkäuferin im Theatermilieu bekannt, stand dann selbst auf der Bühne und stieg schließlich zur königlichen Geliebten auf. Anders als viele Hofmätressen blieb sie im kollektiven Gedächtnis auffallend beliebt. Ihr Rang in dieser Liste beruht auf ihrer außergewöhnlichen Verbindung von Theatergeschichte, Hofpolitik und öffentlicher Legendenbildung.
- Eine der ersten berühmten Schauspielerinnen Englands
- Mätresse von König Charles II.
- Symbolfigur der Restoration-Kultur
- Bis heute Teil britischer Populärgeschichte
- Lebensdaten
- 1650–1687
- Ort
- London
- Rolle
- Schauspielerin und königliche Mätresse
- Quelle
- Encyclopaedia Britannica
Kitty Fisher
Rang: 6 Medienstar
Kitty Fisher war im London des 18. Jahrhunderts eine der berühmtesten Kurtisanen ihrer Zeit. Ihr Name wurde durch Porträts, Gerüchte, öffentliche Auftritte und bewusst inszenierte Skandale verbreitet. Damit war sie nicht nur eine Sexarbeiterin der Oberschicht, sondern auch eine frühe Form von Celebrity. Die National Portrait Gallery beschreibt sie als gefeierte und berüchtigte Kurtisane, die ihre öffentliche Wirkung gezielt nutzte. Fisher ist deshalb historisch spannend, weil sie zeigt, wie stark Sexualität, Bildkultur und Klatschpresse schon vor modernen Massenmedien zusammenwirkten.
- Berühmte Londoner Kurtisane des 18. Jahrhunderts
- Mehrfach porträtiert und öffentlich inszeniert
- Bekannt für Skandale und gesellschaftliche Präsenz
- Frühes Beispiel weiblicher Celebrity-Kultur
- Epoche
- 18. Jahrhundert
- Ort
- London
- Besonderheit
- Elf Porträts in Verbindung mit der National Portrait Gallery
- Quelle
- National Portrait Gallery
Cora Pearl
Rang: 7 Demimonde
Cora Pearl gehörte zu den bekanntesten Kurtisanen des französischen Zweiten Kaiserreichs. Die Engländerin machte in Paris Karriere und wurde Teil jener Demimonde, in der Reichtum, Theater, Aristokratie und Skandal eng verbunden waren. Ihr Nachruhm speist sich aus luxuriösen Anekdoten, ihrer Verbindung zu einflussreichen Männern und der Faszination für die Pariser grandes horizontales. Pearl ist weniger als politische Figur bekannt als durch die kulturelle Erinnerung an die Pariser Vergnügungsgesellschaft des 19. Jahrhunderts. Genau diese Verbindung aus Selbsterfindung, Luxus und öffentlicher Fantasie macht sie historisch besonders präsent.
- Englische Kurtisane im Paris Napoleons III.
- Teil der französischen Demimonde
- Bekannt für Luxus, Theater und Skandalgeschichten
- Häufig in Darstellungen der grandes horizontales erwähnt
- Lebensdaten
- 1836–1886
- Hauptort
- Paris
- Milieu
- Zweites Kaiserreich und Demimonde
- Quelle
- The New Yorker
La Païva
Rang: 8 Luxusikone
La Païva, geboren als Esther Lachmann, wurde im Paris des 19. Jahrhunderts zu einer der berühmtesten Kurtisanen Europas. Ihr Aufstieg aus bescheidenen Verhältnissen in höchste Gesellschaftskreise machte sie zur Projektionsfläche für Bewunderung und Abscheu zugleich. Besonders sichtbar blieb ihr Name durch das Hôtel de la Païva an den Champs-Élysées, ein luxuriöses Stadtpalais, das bis heute als Symbol des Second-Empire-Geschmacks gilt. Ihr Nachhall ist daher ungewöhnlich materiell: Während viele Kurtisanen vor allem in Anekdoten überliefert sind, blieb La Païvas gesellschaftlicher Aufstieg auch architektonisch eingeschrieben.
- Eine der berühmtesten Kurtisanen des Zweiten Kaiserreichs
- Bekannt durch das Hôtel de la Païva in Paris
- Verkehrte in literarischen und aristokratischen Kreisen
- Symbol für Luxus und soziale Mobilität des 19. Jahrhunderts
- Lebensdaten
- 1819–1884
- Ort
- Paris
- Besonderheit
- Hôtel de la Païva an den Champs-Élysées
- Quelle
- The New Yorker
Ninon de Lenclos
Rang: 9 Salon
Ninon de Lenclos war eine französische Kurtisane, Salonnière und intellektuelle Figur des 17. Jahrhunderts. Ihr Ruf beruhte nicht allein auf Liebesbeziehungen, sondern auf ihrer philosophischen Haltung, ihrem literarischen Umfeld und ihrer bewussten Ablehnung enger moralischer Konventionen. In ihrem Salon trafen sich Schriftsteller, Politiker und Denker. Gerade diese Verbindung aus Erotik, Geist und öffentlicher Unabhängigkeit macht sie historisch bedeutsam. Lenclos steht für eine Form von Kurtisanentum, die stark mit Gesprächskultur, Bildung und libertinem Denken verbunden war.
- Französische Kurtisane und Salonnière
- Mit Libertinismus und Frühaufklärung verbunden
- Kontakt zu einflussreichen Persönlichkeiten Frankreichs
- Bekannt für intellektuelle Unabhängigkeit
- Lebensdaten
- 1620–1705
- Ort
- Frankreich
- Rolle
- Kurtisane, Salonnière und Denkerin
- Quelle
- Internet Encyclopedia of Philosophy
Lulu White
Rang: 10 Storyville
Lulu White war eine der bekanntesten Bordellbetreiberinnen im Storyville-Viertel von New Orleans. Ihr Mahogany Hall wurde zu einem Symbol für die regulierte Rotlichtkultur der Stadt um 1900. White war nicht nur Prostituierte und Madam, sondern auch Unternehmerin in einem rassistisch segregierten und stark kontrollierten Umfeld. Ihr Beiname „Diamond Queen“ verweist auf ihre auffällige Selbstinszenierung und den Reichtum, den sie zeitweise erlangte. Ihr Platz in dieser Liste beruht auf ihrer Bedeutung für die Geschichte von Storyville, Jazzmilieu, Rassentrennung und urbaner Sexarbeit in den USA.
- Berühmte Madam im New Orleanser Storyville
- Betreiberin des Mahogany Hall
- Bekannt als „Diamond Queen“
- Wichtige Figur der US-Rotlichtgeschichte um 1900
- Epoche
- Spätes 19. und frühes 20. Jahrhundert
- Ort
- New Orleans, USA
- Bekanntheit
- Mahogany Hall in Storyville
- Quelle
- 64 Parishes







