5,17 Meter Marmor, 46 Meter Kupfer oder Tausende lebensgroße Tonfiguren: Die bekanntesten Skulpturen der Welt könnten unterschiedlicher kaum sein. Einige wurden als religiöse oder politische Monumente geschaffen, andere waren Teile antiker Heiligtümer, Grabstätten oder größerer Kunstwerke. Dieses Ranking ordnet sie nicht nach Höhe, Alter oder Marktwert, sondern nach ihrer internationalen Wiedererkennbarkeit, ihrer kunsthistorischen Wirkung und ihrer Präsenz in Bildung, Medien, Werbung und Popkultur. Berücksichtigt wurden sowohl freistehende Einzelwerke als auch monumentale Skulpturen und berühmte Figurengruppen. Kopien verloren gegangener antiker Originale sind zugelassen, wenn gerade die überlieferte Bildform weltberühmt wurde. Nicht aufgenommen wurden reine Bauwerke, Reliefs und Denkmäler, deren skulpturaler Anteil nur eine untergeordnete Rolle spielt. Da Bekanntheit nicht exakt messbar ist, erklärt jeder Rang, welche kulturelle Reichweite, historische Bedeutung und ikonische Form für die Platzierung ausschlaggebend waren.
So wurde gewertet
Die Reihenfolge basiert auf vier gleichgewichteten Kriterien: weltweite visuelle Wiedererkennbarkeit, kunsthistorischer Einfluss, internationale Verbreitung durch Reproduktionen und Medien sowie Bedeutung als kulturelles oder nationales Symbol. Museumsangaben, staatliche Institutionen, Universitäten und UNESCO-Seiten bildeten die Datenbasis. Monumentalskulpturen wie die Freiheitsstatue und der Cristo Redentor wurden einbezogen, weil sie eigenständige plastische Werke mit benannten Bildhauern und klarer dreidimensionaler Gestaltung sind. Bei antiken Werken wurden Datierung und Urheberschaft vorsichtig formuliert, wenn die Forschung keine eindeutige Zuschreibung erlaubt. Datenstand: Juli 2026.
Übersicht
| Rang | Skulptur | Künstler/Kultur | Entstehung | Material | Größe | Heutiger Standort | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | David | Michelangelo | 1501–1504 | Carrara-Marmor | 5,17 m | Florenz | Symbol der Renaissance |
| 2 | Freiheitsstatue | Frédéric-Auguste Bartholdi | 1875–1886 | Kupfer und Stahl | 46,05 m ohne Sockel | New York | Globales Freiheitssymbol |
| 3 | Venus von Milo | hellenistische Bildhauerkunst | ca. 150–125 v. Chr. | Parischer Marmor | 2,04 m | Louvre, Paris | Berühmteste armlose Statue |
| 4 | Der Denker | Auguste Rodin | ab 1880 | Bronze | 1,89 m in der Großfassung | Paris und weitere Orte | Universelles Bild des Denkens |
| 5 | Cristo Redentor | Paul Landowski und Team | 1922–1931 | Stahlbeton und Speckstein | 30 m, mit Sockel 38 m | Rio de Janeiro | Art-déco-Wahrzeichen |
| 6 | Pietà | Michelangelo | 1498–1499 | Carrara-Marmor | ca. 1,74 m hoch | Petersdom, Vatikanstadt | Einzig signiertes Werk Michelangelos |
| 7 | Moai | Rapa-Nui-Kultur | ca. 10.–16. Jahrhundert | meist vulkanischer Tuff | häufig mehrere Meter | Rapa Nui, Chile | Monumentale Ahnenbilder |
| 8 | Terrakotta-Armee | Handwerker des Qin-Reiches | 3. Jahrhundert v. Chr. | Terrakotta | lebensgroß | Xi’an, China | Tausende individuelle Figuren |
| 9 | Nike von Samothrake | hellenistische Bildhauerkunst | um 190 v. Chr. | Parischer Marmor | Statue ca. 2,75 m | Louvre, Paris | Siegesgöttin auf einem Schiffsbug |
| 10 | Diskobol | Myron | ca. 460–450 v. Chr. | Original Bronze, Kopien Marmor | je nach Kopie ca. 1,55–1,70 m | mehrere Museumssammlungen | Urbild des athletischen Körpers |
David von Michelangelo
Rang: 1 Renaissance-Ikone
Michelangelos David führt das Ranking an, weil kaum eine andere Skulptur zugleich so stark für einen Künstler, eine Epoche und ein politisches Ideal steht. Die 5,17 Meter hohe Marmorfigur entstand zwischen 1501 und 1504 aus einem Block, an dem zuvor bereits andere Bildhauer gearbeitet und den sie schließlich aufgegeben hatten. Michelangelo wählte nicht den triumphierenden David nach dem Sieg über Goliath, sondern den angespannten Moment davor. Stirn, Halssehnen, Blick und die auffallend große rechte Hand vermitteln konzentrierte Kampfbereitschaft.
Ursprünglich war die Figur für den Florentiner Dom vorgesehen. Wegen ihrer außergewöhnlichen Wirkung wurde sie jedoch vor dem Palazzo della Signoria aufgestellt und als Symbol der republikanischen Freiheit verstanden. Seit 1873 befindet sich das Original in der Galleria dell’Accademia; auf der Piazza della Signoria steht heute eine Kopie. Der erste Rang entsteht aus der Verbindung von technischer Meisterschaft und globaler Bildpräsenz: Details des Kopfes, der Hand oder des Körpers werden in Lehrbüchern, Werbung, Filmen und zahllosen Reproduktionen verwendet. Anders als monumentale Wahrzeichen bleibt David zugleich ein Schlüsselwerk der Kunstgeschichte und ein weltweit verständliches Bild von Mut und Selbstbeherrschung.
- Aus einem einzigen, bereits vorbearbeiteten Marmorblock geschaffen
- Mehr als fünf Meter hoch und dennoch anatomisch äußerst detailliert
- Vom biblischen Helden zum politischen Symbol von Florenz geworden
- Künstler
- Michelangelo Buonarroti
- Entstehung
- 1501–1504
- Höhe
- 5,17 m
- Gewicht
- rund 5,5 t
- Standort
- Galleria dell’Accademia, Florenz
- Rekord/Besonderheit
- Eine der weltweit meistkopierten Skulpturen
- Quelle
- Victoria and Albert Museum: The story of Michelangelo’s David
Die Freiheitsstatue in New York
Rang: 2 Freiheitssymbol
Die Freiheitsstatue erreicht Rang zwei, weil ihre Silhouette weltweit nicht nur als Kunstwerk, sondern als politisches und nationales Zeichen erkannt wird. Die eigentliche Kupferfigur misst 46,05 Meter; vom Boden bis zur Fackel sind es einschließlich Sockel 92,99 Meter. Der französische Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi entwarf die weibliche Personifikation der Freiheit, während Gustave Eiffels Ingenieurbüro an der inneren Tragkonstruktion beteiligt war. Frankreich schenkte die Statue den Vereinigten Staaten, die Einweihung erfolgte am 28. Oktober 1886.
Ihre Bekanntheit wurde durch die Lage im New Yorker Hafen verstärkt. Millionen Einwanderer sahen die Statue bei ihrer Ankunft und verbanden sie mit Hoffnung und einem neuen Leben. Die sieben Strahlen der Krone werden häufig als Verweis auf die Kontinente und Meere interpretiert, während die Tafel das Datum der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung trägt. Die grüne Oberfläche war ursprünglich kupferfarben und entstand erst durch natürliche Patinierung. Gegenüber David ist die Freiheitsstatue als Kunstwerk weniger eng mit der klassischen Bildhauerei verbunden, besitzt aber eine kaum übertroffene politische und mediale Reichweite.
- 46,05 Meter hohe Kupferfigur auf einem fast ebenso hohen Sockel
- Die Außenhaut besteht aus vergleichsweise dünnen Kupferplatten
- Seit 1984 Teil des UNESCO-Welterbes
- Bildhauer
- Frédéric-Auguste Bartholdi
- Einweihung
- 28. Oktober 1886
- Figurenhöhe
- 46,05 m
- Gesamthöhe
- 92,99 m bis zur Fackel
- Material
- Kupferhaut auf innerer Metallkonstruktion
- Standort
- Liberty Island, New York
- Quelle
- U.S. National Park Service: Statue Statistics
Die Venus von Milo
Rang: 3 Antike Ikone
Die Venus von Milo belegt Rang drei als wahrscheinlich bekannteste antike Frauenstatue. Die 2,04 Meter hohe Marmorskulptur entstand ungefähr zwischen 150 und 125 v. Chr. und stellt vermutlich Aphrodite dar. Gefunden wurde sie 1820 auf der griechischen Insel Milos. Bereits 1821 gelangte sie in den Louvre, wo sie rasch zu einem der wichtigsten Werke der Sammlung aufgebaut wurde. Ihr moderner Name verbindet die römische Bezeichnung Venus mit dem Fundort, obwohl die Figur aus der griechischen Kultur stammt.
Entscheidend für ihre Bekanntheit ist paradoxerweise ihr unvollständiger Zustand. Beide Arme fehlen, doch gerade diese Leerstelle führte zu zahllosen Rekonstruktionsversuchen und Spekulationen über die ursprüngliche Haltung. Möglicherweise hielt die Göttin einen Apfel, einen Schild oder stützte sich auf eine Säule. Die Statue war in der Antike zudem nicht zwingend rein weiß: Schmuckelemente aus Metall und zumindest teilweise farbige Oberflächen sind wahrscheinlich. Im Vergleich zu David wirkt die Venus weniger psychologisch und individueller Handlung enthoben. Ihre geschwungene Haltung, der tiefe Faltenwurf und die fehlenden Arme machten sie dennoch zu einem universellen Bild antiker Schönheit.
- 1820 auf der Kykladeninsel Milos entdeckt
- Die genaue ursprüngliche Armhaltung ist bis heute ungeklärt
- Aus zwei großen Marmorteilen auf Höhe der Hüften zusammengesetzt
- Kultur
- hellenistisches Griechenland
- Datierung
- ca. 150–125 v. Chr.
- Höhe
- 204 cm
- Material
- Parischer Marmor
- Fundjahr
- 1820
- Standort
- Louvre, Saal 345, Paris
- Quelle
- Louvre Collections: Vénus de Milo
Der Denker von Auguste Rodin
Rang: 4 moderne Ikone
Auguste Rodins Denker steht auf Rang vier, weil seine gebeugte Haltung weltweit zum Sinnbild geistiger Konzentration geworden ist. Ursprünglich war die Figur keineswegs als allgemeines Symbol des Nachdenkens geplant. Rodin entwarf sie ab 1880 für das monumentale Höllentor. Unter dem Titel „Der Dichter“ sollte sie vermutlich Dante darstellen, der über die Kreise der Hölle und sein Werk nachsinnt. Erst nachdem Rodin die Figur 1888 unabhängig ausstellte und später vergrößerte, entwickelte sie ihre heutige universelle Bedeutung.
Die bekannte Großfassung ist 1,89 Meter hoch. Ihr kräftiger, angespannter Körper unterscheidet sich von traditionellen Darstellungen eines stillen Philosophen. Denken erscheint hier als körperliche Arbeit: Der Rücken ist gekrümmt, der Ellbogen stützt sich auf das Knie, und die Hand trägt das Gewicht des Kopfes. Mehrere autorisierte Bronzeabgüsse befinden sich in Museen und öffentlichen Räumen weltweit. Diese Vervielfältigung ist kein gewöhnlicher Kopiervorgang, sondern gehört zur Geschichte von Rodins Bronzeplastik. Im Vergleich zur Venus von Milo ist der Denker jünger und weniger geheimnisvoll, wurde aber zu einem der am häufigsten zitierten visuellen Symbole für Philosophie, Wissenschaft und Selbstreflexion.
- Ursprünglich als Dante-Figur für das Höllentor konzipiert
- Die erste Fassung war nur ungefähr 70 Zentimeter groß
- Mehrere autorisierte Bronzegüsse existieren weltweit
- Künstler
- Auguste Rodin
- Konzeption
- ab 1880
- Großfassung
- 189 cm hoch
- Material
- Bronze
- Ursprünglicher Titel
- Der Dichter
- Hauptstandort
- Musée Rodin, Paris
- Quelle
- Musée Rodin: The Thinker
Cristo Redentor in Rio de Janeiro
Rang: 5 Art déco
Der Cristo Redentor erreicht Rang fünf, weil die Figur mit ausgebreiteten Armen zu den bekanntesten Silhouetten des 20. Jahrhunderts gehört. Die Statue steht auf dem 710 Meter hohen Corcovado über Rio de Janeiro. Sie misst 30 Meter ohne und 38 Meter mit Sockel; die ausgestreckten Arme überspannen ungefähr 28 Meter. Der brasilianische Ingenieur Heitor da Silva Costa leitete das Projekt, der französische Bildhauer Paul Landowski modellierte wesentliche Teile der Figur. Die Oberfläche besteht aus kleinen Specksteinplättchen, die den Stahlbetonkern vor Witterung schützen.
Die Bauarbeiten liefen von 1926 bis 1931, finanziert überwiegend durch Spenden brasilianischer Katholiken. Der Entwurf entwickelte sich von einer Christusfigur mit Kreuz und Weltkugel zur heute bekannten, horizontal geöffneten Haltung. Diese Form lässt sich zugleich als Kreuz, Segensgeste und Umarmung lesen. Die Statue ist kleiner als viele jüngere Christusmonumente, bleibt aber durch ihre Lage, ihr Alter und ihre mediale Präsenz wesentlich bekannter. Projektionen, Sportereignisse und Großveranstaltungen nutzen sie regelmäßig als visuelle Bühne. Dadurch steht sie nicht nur für Religion, sondern auch für Rio de Janeiro und Brasilien.
- 38 Meter Gesamthöhe einschließlich Sockel
- Die Arme besitzen jeweils eine Fläche von ungefähr 88 Quadratmetern
- Die hohle Innenstruktur ist über Wartungsebenen begehbar
- Projektleitung
- Heitor da Silva Costa
- Bildhauer
- Paul Landowski; Gesicht von Gheorghe Leonida
- Einweihung
- 12. Oktober 1931
- Höhe
- 30 m, mit Sockel 38 m
- Material
- Stahlbeton mit Specksteinverkleidung
- Standort
- Corcovado, Rio de Janeiro
- Quelle
- Santuário Cristo Redentor: Curiosidades
Die Pietà von Michelangelo
Rang: 6 Meisterwerk
Michelangelos Pietà belegt Rang sechs. Die um 1498 und 1499 entstandene Marmorgruppe zeigt Maria mit dem vom Kreuz genommenen Christus auf dem Schoß. Obwohl Michelangelo bei der Vollendung erst Anfang zwanzig war, verbindet das Werk eine technisch außergewöhnlich glatte Oberfläche mit komplexer Figurenkomposition. Marias Körper und Gewand bilden eine breite pyramidenartige Basis, während der tote Christus diagonal über ihrem Schoß liegt. Die Größenverhältnisse wurden bewusst angepasst, damit die erwachsene männliche Figur glaubhaft getragen werden kann.
Die Pietà besitzt eine Besonderheit innerhalb von Michelangelos Gesamtwerk: Sie ist die einzige Skulptur, die er signierte. Der Name steht auf dem Band über Marias Brust. Einer Überlieferung zufolge brachte Michelangelo die Signatur nachträglich an, nachdem Besucher das Werk einem anderen Künstler zugeschrieben hatten. 1972 wurde die Skulptur bei einem Anschlag schwer beschädigt; seit der Restaurierung schützt sie Panzerglas. Gegenüber dem höher platzierten David ist ihre öffentliche Bildverbreitung geringer. Kunsthistorisch zählt sie jedoch zu den wichtigsten Werken der Hochrenaissance und prägte unzählige spätere Darstellungen von Trauer, Tod und mütterlichem Schmerz.
- Michelangelos einziges signiertes Kunstwerk
- Aus einem Block Carrara-Marmor gearbeitet
- Seit einem Anschlag 1972 hinter Schutzglas ausgestellt
- Künstler
- Michelangelo Buonarroti
- Entstehung
- 1498–1499
- Material
- Carrara-Marmor
- Höhe
- ca. 174 cm
- Auftraggeber
- Jean Bilhères de Lagraulas
- Standort
- Petersdom, Vatikanstadt
- Quelle
- Vatikanische Museen: Michelangelos drei Pietàs
Die Moai von Rapa Nui
Rang: 7 UNESCO
Die Moai stehen auf Rang sieben, obwohl sie keine einzelne Skulptur, sondern eine einzigartige Gruppe monumentaler Steinfiguren bilden. Hunderte dieser Ahnenbilder wurden zwischen ungefähr dem 10. und 16. Jahrhundert auf Rapa Nui, der Osterinsel, geschaffen. Viele stehen auf zeremoniellen Plattformen, den Ahu. Die Figuren zeigen übergroße Köpfe, lange Nasen, kräftige Brauen und kompakte Körper. Entgegen dem verbreiteten Eindruck bestehen sie nicht nur aus Köpfen: Bei zahlreichen Moai liegen die Körper durch Ablagerungen teilweise im Boden verborgen.
Die meisten Figuren wurden aus vulkanischem Tuff des Steinbruchs Rano Raraku gehauen. Wie die tonnenschweren Moai über die Insel bewegt wurden, ist Gegenstand archäologischer Experimente. Eine plausible Methode lässt aufrecht stehende Figuren mithilfe von Seilen seitlich „laufen“, was zu mündlichen Überlieferungen passt. Die Moai repräsentierten wahrscheinlich bedeutende Vorfahren und verbanden soziale Autorität mit sakraler Landschaft. Ihre heutige Bekanntheit wurde durch Fotografien, Film und Popkultur enorm gesteigert, führte aber auch zu vereinfachenden Darstellungen. Im Unterschied zu klassischen europäischen Meisterwerken sind die Moai Teil einer lebendigen indigenen Kulturlandschaft, deren Schutz durch Feuer, Erosion und Besucherandrang zunehmend anspruchsvoll wird.
- Mehrere Hundert erhaltene oder unvollendete Monumentalfiguren
- Die meisten entstanden am Vulkansteinbruch Rano Raraku
- Seit 1995 gehört der Nationalpark zum UNESCO-Welterbe
- Kultur
- Rapa-Nui-Kultur
- Entstehungszeit
- vor allem 10.–16. Jahrhundert
- Material
- überwiegend vulkanischer Tuff
- Funktion
- mutmaßlich Ahnenrepräsentation und zeremonielle Verehrung
- Standort
- Rapa Nui, Chile
- Schutzstatus
- UNESCO-Welterbe seit 1995
- Quelle
- UNESCO World Heritage Centre: Rapa Nui National Park
Die Terrakotta-Armee des ersten Qin-Kaisers
Rang: 8 Archäologie-Rekord
Die Terrakotta-Armee erreicht Rang acht als berühmtestes skulpturales Grabensemble der Welt. Die lebensgroßen Soldaten, Pferde und Wagen gehörten zum Mausoleum Qin Shihuangdis, der 221 v. Chr. China erstmals unter einer zentralen Herrschaft vereinte. Entdeckt wurden Teile der Anlage 1974 nahe Xi’an. Seitdem kamen in mehreren Gruben Tausende Figuren und Fragmente zum Vorschein. Die UNESCO beschreibt nahezu 200 begleitende Gruben und mehr als 600 Fundstätten innerhalb der geschützten Kulturlandschaft.
Die Krieger wirken individuell: Frisuren, Rüstungen, Gesichtszüge und Körperhaltungen unterscheiden sich. Wahrscheinlich kombinierten Werkstätten vorgefertigte Elemente, die anschließend überarbeitet und farbig gefasst wurden. Viele Pigmente gingen nach der Freilegung verloren, weil der Lackuntergrund rasch austrocknete. Deshalb werden neue Ausgrabungen besonders vorsichtig durchgeführt. Das Ensemble steht nicht nur für militärische Macht, sondern für die organisatorische Leistungsfähigkeit des Qin-Reiches. Im Gegensatz zu David oder der Venus von Milo beruht seine Berühmtheit nicht auf einer einzelnen idealisierten Figur, sondern auf der überwältigenden seriellen Masse und der Vorstellung einer Armee, die den Kaiser ins Jenseits begleiten sollte.
- Tausende lebensgroße Krieger, Pferde und weitere Figuren
- Ursprünglich intensiv farbig bemalt
- Teil eines mehr als 56 Quadratkilometer großen Welterbegebiets
- Auftraggeber
- Qin Shihuangdi, erster Kaiser Chinas
- Entstehung
- 3. Jahrhundert v. Chr.
- Entdeckung
- 1974
- Material
- gebrannte Terrakotta
- Figurengröße
- überwiegend lebensgroß
- Standort
- bei Xi’an, Provinz Shaanxi, China
- Quelle
- UNESCO World Heritage Centre: Mausoleum of the First Qin Emperor
Die Nike von Samothrake
Rang: 9 Siegesgöttin
Die Nike von Samothrake belegt Rang neun. Die hellenistische Skulptur entstand vermutlich um 190 v. Chr. und stellte die geflügelte Siegesgöttin auf dem Bug eines Schiffes dar. Sie wurde als Weihgabe im Heiligtum der Großen Götter auf Samothrake aufgestellt und wahrscheinlich mit einem Seesieg verbunden. Trotz fehlender Arme und fehlenden Kopfes vermittelt die Figur außergewöhnliche Bewegung: Der Wind scheint Gewand und Flügel zu erfassen, während Nike gerade auf dem Schiff landet.
Entdeckt wurde das Monument 1863 durch Charles Champoiseau. Es bestand aus zahlreichen Fragmenten; allein bei der ersten Bergung kamen ungefähr 110 Teile zutage. Seit 1883 steht Nike prominent auf der Daru-Treppe des Louvre. Diese Inszenierung wurde selbst zu einem der bekanntesten Museumsbilder der Welt. Die Statue ist etwa 2,75 Meter hoch, das gesamte Monument mit Schiffssockel deutlich größer. Im Vergleich zur Venus von Milo ist sie weniger stark in Alltagskultur und Werbung präsent, gilt unter Fachleuten aber als ein Höhepunkt hellenistischer Bewegungskunst. Ihre Bildform wirkte zudem auf moderne Logos und Siegesdarstellungen weiter.
- Um 190 v. Chr. vermutlich als Weihgabe nach einem Seesieg geschaffen
- Auf einem steinernen Schiffsbug aufgestellt
- Nur Teile der rechten Hand wurden später wiedergefunden
- Kultur
- hellenistisches Griechenland
- Datierung
- um 190 v. Chr.
- Material
- Parischer Marmor; Sockel aus grauem Marmor
- Entdeckung
- 1863
- Figurenhöhe
- ca. 2,75 m
- Standort
- Daru-Treppe, Louvre, Paris
- Quelle
- Louvre: A stairway to Victory
Der Diskobol des Myron
Rang: 10 Sport-Ikone
Der Diskobol des Myron komplettiert die Top 10. Das griechische Bronzeoriginal entstand wahrscheinlich um 460 bis 450 v. Chr., ist jedoch verloren. Bekannt ist die Komposition durch römische Marmorkopien und spätere Abgüsse. Die Figur zeigt einen Athleten im äußersten Moment der Ausholbewegung. Arme, Rücken und Beine bilden ein komplexes System aus Kreisen und Bögen, während das Gesicht auffallend ruhig bleibt. Diese Verbindung von kontrollierter Form und körperlicher Spannung machte den Diskobol zum Idealbild des antiken Sports.
Die Bekanntheit stieg besonders seit dem 18. Jahrhundert, als gut erhaltene römische Kopien entdeckt und in bedeutenden Sammlungen ausgestellt wurden. Nicht alle Rekonstruktionen sind korrekt: Beim Townley-Diskobol des British Museum wurde der ergänzte Kopf in die falsche Richtung gedreht. Im 20. Jahrhundert wurde die Figur intensiv für Olympische Spiele, Sportplakate und politische Körperideale verwendet. Diese Vereinnahmung ist Teil ihrer Wirkungsgeschichte und erklärt zugleich ihre problematische Nähe zu idealisierter Körperpropaganda. Gegenüber der Nike von Samothrake fehlt dem Werk ein erhaltenes Original. Seine Pose ist dennoch weltweit so verbreitet, dass der Diskuswerfer bis heute als Kurzformel für die gesamte antike Athletik funktioniert.
- Das griechische Bronzeoriginal ist nicht erhalten
- Die berühmte Form ist durch römische Marmorkopien überliefert
- Eine der einflussreichsten Sportdarstellungen der Kunstgeschichte
- Künstler
- Myron von Eleutherai
- Datierung
- ca. 460–450 v. Chr.
- Originalmaterial
- Bronze
- Überlieferung
- römische Marmorkopien und neuzeitliche Abgüsse
- Motiv
- Athlet unmittelbar vor dem Diskuswurf
- Bekannte Fassungen
- unter anderem in Rom und London
- Quelle
- Louvre: Myron’s Discobolus
Einordnung: Bekanntheit lässt sich nicht so exakt bestimmen wie Höhe oder Gewicht. Die Rangfolge bevorzugt deshalb Werke, die sowohl außerhalb der Kunstgeschichte wiedererkannt werden als auch innerhalb ihres Fachgebiets eine herausragende Stellung besitzen. Eine Liste nach Alter, Größe, Besucherzahlen oder Zahl der Reproduktionen würde zu einer anderen Reihenfolge führen.
Weitere internationale Ranglisten zu Kunst, Kultur und gesellschaftlichen Symbolen finden Sie in der Kategorie Gesellschaft.
Häufige Fragen zu berühmten Skulpturen
Welche Skulptur ist die bekannteste der Welt?
Michelangelos David gilt als besonders aussichtsreicher Kandidat, weil er weltweit wiedererkannt wird, ein Hauptwerk der Renaissance ist und seit Jahrhunderten Kunst, Werbung und Popkultur beeinflusst. Monumente wie die Freiheitsstatue besitzen allerdings eine ähnlich große öffentliche Reichweite.
Was ist die älteste Skulptur in dieser Top 10?
Der Diskobol geht auf ein griechisches Original aus der Zeit um 460 bis 450 v. Chr. zurück. Er ist damit älter als die Venus von Milo, die Nike von Samothrake und die Terrakotta-Armee. Erhalten sind allerdings nur spätere römische Kopien.
Warum fehlen der Venus von Milo die Arme?
Die Statue wurde bereits unvollständig gefunden. Wie und wann die Arme verloren gingen, ist nicht abschließend geklärt. Verschiedene Rekonstruktionen zeigen sie mit einem Apfel, einem Schild oder einer Stütze, doch keine Variante ist sicher bewiesen.
Gibt es nur einen originalen Denker von Rodin?
Nein. Rodins Werke wurden in autorisierten Bronzeauflagen gegossen. Deshalb existieren mehrere anerkannte Fassungen des Denkers. Sie gehen auf Rodins Modelle und die vom Künstler beziehungsweise dem Musée Rodin verwalteten Gussformen zurück.
Sind die Moai nur große Steinköpfe?
Nein. Die Moai besitzen vollständige Oberkörper und bei manchen Figuren auch deutlich ausgearbeitete Hände. Bei Exemplaren im Steinbruch liegen große Teile des Körpers unter Erde und Ablagerungen, wodurch häufig nur die Köpfe sichtbar sind.







