Schokolade, Frischkäse, Kirschen oder drei verschiedene Milchsorten: Die beliebtesten Kuchen der Welt könnten geschmacklich kaum unterschiedlicher sein. Manche entstanden an europäischen Fürstenhöfen, andere in amerikanischen Haushalten, japanischen Hafenstädten oder australischen Regierungsküchen. Eine weltweit einheitliche Verkaufsstatistik für Kuchen gibt es allerdings nicht. Schon deshalb wäre es irreführend, Beliebtheit allein anhand einer einzelnen Zahl zu bestimmen.
Dieses Ranking kombiniert stattdessen internationale Verbreitung, Wiedererkennungswert, kulturelle Bedeutung, dokumentierte Rezepttradition und die Zahl verbreiteter Varianten. Besonders hoch schneiden Kuchen ab, die längst nicht mehr nur in ihrer Herkunftsregion gegessen werden, sondern weltweit in Bäckereien, Cafés, Restaurants und privaten Küchen auftauchen. Nicht berücksichtigt wurden Desserts, die üblicherweise nicht als Kuchen oder Torte gelten, darunter Tiramisu, Crème brûlée und Pavlova. Der redaktionelle Beliebtheitsindex dient ausschließlich zur transparenten Einordnung und ist keine offizielle Verkaufsstatistik. Datenstand ist August 2026. Weitere internationale Rankings finden sich in der Kategorie Gesellschaft.
So wurde gewertet
Der redaktionelle Beliebtheitsindex von maximal 100 Punkten setzt sich aus fünf Faktoren zusammen: internationale Verbreitung (30 %), Bekanntheit und Wiedererkennungswert (25 %), kulturelle Bedeutung im Herkunftsland (20 %), historische Beständigkeit (15 %) und Vielfalt internationaler Varianten (10 %). Ein global verbreiteter Schokoladenkuchen erhält deshalb einen höheren Rang als eine regional stärker definierte Spezialität. Bei historischen Herkunftsangaben wird zwischen gesicherten Fakten und umstrittenen Entstehungsgeschichten unterschieden. Die Zutatenangaben beschreiben typische traditionelle Varianten; einzelne Rezepte können deutlich abweichen.
Übersicht
| Rang | Kuchen | Herkunft | Beliebtheitsindex | Entstehungszeit | Typische Basis | Charakteristik |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Schokoladenkuchen | Europa / international | 100/100 | ab 18./19. Jh. | Kakao, Mehl, Eier, Zucker | unzählige weltweite Varianten |
| 2 | Cheesecake | Europa / USA | 98/100 | antike Vorläufer; moderne Formen 19./20. Jh. | Frischkäse, Quark oder Ricotta | gebacken oder ungebacken |
| 3 | Schwarzwälder Kirschtorte | Deutschland | 94/100 | frühes 20. Jh. | Schoko-Biskuit, Sahne, Kirschen | Kirschwasser und Schokoraspel |
| 4 | Red Velvet Cake | USA | 92/100 | frühes 20. Jh. | Kakao, Buttermilch, Mehl | rote Farbe, heller Frosting-Kontrast |
| 5 | Carrot Cake | Europa / USA | 90/100 | moderne Form 20. Jh. | Karotten, Öl, Gewürze | saftig, meist Cream-Cheese-Frosting |
| 6 | Sachertorte | Österreich | 88/100 | 1832 | Schokolade, Aprikosenkonfitüre | Wiener Tortenikone |
| 7 | Victoria Sponge | Großbritannien | 86/100 | 19. Jh. | Butterbiskuit, Konfitüre | Klassiker zum Afternoon Tea |
| 8 | Tres Leches Cake | Lateinamerika | 84/100 | 20. Jh. | Biskuit und drei Milchsorten | extrem saftig |
| 9 | Castella | Portugal / Japan | 81/100 | 16. Jh. | Eier, Zucker, Mehl | portugiesisch-japanische Backtradition |
| 10 | Lamington | Australien | 79/100 | um 1900 | Biskuit, Schokolade, Kokos | australische Nationalikone |
1. Schokoladenkuchen – der universelle Kuchenklassiker
Rang: 1 weltweiter Klassiker
Kaum ein anderer Kuchen lässt sich in so vielen Ländern bestellen, ohne dass sein Grundprinzip erklärt werden müsste. Schokoladenkuchen reicht vom luftigen Biskuit über saftige Rührkuchen bis zu mächtigen mehrstöckigen Layer Cakes mit Ganache. Genau diese enorme Anpassungsfähigkeit bringt ihn auf Rang eins. Chocolate Cake ist keine einzelne geschützte Rezeptur, sondern eine ganze Familie von Backwaren. Gemeinsam ist ihnen die Verwendung von Kakao, Schokolade oder beidem. Dadurch funktioniert der Kuchen zugleich als einfacher Geburtstagskuchen, luxuriöse Konditortorte und Grundlage für Spezialitäten wie Devil’s Food Cake oder Fudge Cake.
Historisch ist die Verbindung von Schokolade und Kuchen jünger als die Geschichte des Kakaos selbst. Über viele Jahrhunderte wurde Kakao vor allem getrunken. National Geographic beschreibt, dass Schokolade in Europa erst im 18. Jahrhundert verstärkt in Desserts und Kuchen auftauchte. Mit den industriellen Verarbeitungstechniken des 19. Jahrhunderts wurden Kakao und feste Schokolade günstiger und leichter verfügbar. Damit konnten Schokoladenkuchen aus höfischen und wohlhabenden Küchen in die breite Alltagskultur wandern. Heute existieren Varianten mit Butter, Öl, Kaffee, Buttermilch, Nüssen, Früchten, Ganache oder Buttercreme. Der entscheidende Unterschied zum zweitplatzierten Cheesecake liegt in dieser universellen Basis: Schokoladenkuchen ist keiner einzelnen Region und keiner bestimmten Käsesorte verpflichtet. Diese weltweite Anpassungsfähigkeit macht ihn zum plausibelsten Spitzenreiter.
- Schokolade wurde in Europa erst deutlich später zum Backzutat als zum Getränk.
- Ab dem 18. Jahrhundert nahm die Verwendung in Süßspeisen und Kuchen zu.
- Typische Grundzutaten sind Mehl, Zucker, Eier, Fett sowie Kakao oder Schokolade.
- Varianten reichen von Devil’s Food Cake bis Fudge Cake, Layer Cake und Schokoladenbiskuit.
- Kann mit Buttercreme, Ganache, Früchten, Nüssen oder ohne Füllung serviert werden.
- Herkunft
- Europa; heute weltweit
- Frühe Entwicklung
- Schokolade ab dem 18. Jahrhundert zunehmend in europäischen Desserts und Kuchen
- Hauptaroma
- Kakao beziehungsweise Schokolade
- Typische Zutaten
- Mehl, Eier, Zucker, Butter oder Öl, Kakao
- Typische Form
- Rundkuchen, Blechkuchen oder mehrstöckiger Layer Cake
- Bekannte Varianten
- Devil’s Food, Fudge Cake, Chocolate Layer Cake, Lava Cake
- Textur
- von luftig bis sehr saftig und kompakt
- Internationalität
- praktisch weltweit verbreitet
- Beliebtheitsindex
- 100 von 100 Punkten
- Warum Rang 1?
- Maximale internationale Verbreitung und außergewöhnlich viele regionale Varianten
- Quelle
- National Geographic
2. Cheesecake – vom Käsekuchen zum New-York-Klassiker
Rang: 2 weltweit adaptiert
Cheesecake ist weniger ein einzelner Kuchen als eine internationale Großfamilie. Deutschland kennt Käsekuchen mit Quark, Italien verwendet häufig Ricotta, die USA setzen vor allem auf Cream Cheese und in Japan entstanden besonders leichte, souffléartige Varianten. Diese Wandlungsfähigkeit erklärt Rang zwei. Der moderne New York Cheesecake ist dabei nur die bekannteste Ausprägung einer viel älteren Idee, Käse mit Eiern und Süßungsmitteln zu einer gebackenen Masse zu verbinden. Der entscheidende Unterschied zum klassischen Rührkuchen liegt in der Struktur: Beim Cheesecake bildet nicht Mehl, sondern eine Käsemasse das geschmackliche und mengenmäßige Zentrum.
King Arthur Baking beschreibt New York Cheesecake als besonders dichten, cremigen Stil mit Frischkäse, Sauerrahm und einer leichten Zitronennote. Ein typisches Rezept kann für eine einzige Torte mehr als 900 Gramm Cream Cheese enthalten. Gebacken wird die Füllung relativ langsam, damit die Eier stocken, ohne trocken zu werden. Genau hier zeigt sich auch die technische Besonderheit des Kuchens: Zu starke Hitze oder zu schnelles Abkühlen fördert Risse an der Oberfläche. Neben gebackenen Varianten existieren No-Bake-Cheesecakes, die über Gelatine, Schokolade oder Kühlung stabilisiert werden. Gegenüber Schokoladenkuchen ist Cheesecake etwas stärker von regional unterschiedlichen Milchprodukten abhängig. Seine globale Verbreitung, die Mischung aus Dessert und Kuchen sowie Varianten von New York bis Tokio sichern ihm dennoch Rang zwei.
- Internationale Varianten verwenden unter anderem Frischkäse, Quark oder Ricotta.
- New York Cheesecake ist besonders dicht und cremig.
- Sauerrahm und Zitrone sorgen häufig für eine leicht säuerliche Balance.
- Es gibt sowohl gebackene als auch ungebackene Versionen.
- Langsames Abkühlen hilft, typische Risse an der Oberfläche zu vermeiden.
- Herkunft
- Europäische Vorläufer; moderne Stile weltweit
- Bekannteste moderne Variante
- New York Cheesecake
- Hauptzutat
- Frischkäse, Quark oder Ricotta
- Typische Ergänzungen
- Eier, Zucker, Sauerrahm, Vanille, Zitrone
- Boden
- Keks-, Mürbeteig- oder Biskuitboden; teilweise ohne Boden
- Zubereitungsarten
- gebacken oder No-Bake
- Typische Konsistenz
- cremig bis kompakt
- New-York-Rezeptbeispiel
- rund 908 g Cream Cheese für eine 10-Zoll-Torte
- Beliebtheitsindex
- 98 von 100 Punkten
- Warum Rang 2?
- Enorme internationale Verbreitung, aber weniger universell als Schokoladenkuchen
- Quelle
- King Arthur Baking
3. Schwarzwälder Kirschtorte – Deutschlands bekanntester Tortenexport
Rang: 3 deutsche Ikone
Schwarz, Weiß und Rot reichen aus, um diese Torte nahezu unverwechselbar zu machen: dunkler Schokoladenbiskuit, weiße Sahne und rote Kirschen. Die Schwarzwälder Kirschtorte ist eine der wenigen deutschen Torten, deren englischer Name „Black Forest Cake“ international beinahe ebenso bekannt ist wie das Original. Ihre moderne Form entwickelte sich im frühen 20. Jahrhundert. Um die genaue Erfindung gibt es mehrere konkurrierende Geschichten, weshalb ein einzelner Erfinder nicht zweifelsfrei feststeht. Sicher ist dagegen, dass die Verbindung von Kirschen, Sahne und Kirschwasser tief mit der südwestdeutschen Genusskultur verbunden ist.
Die Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg nennt für eine klassische Version einen Schokoladenbiskuit aus unter anderem sieben Eiern, 300 Gramm Mehl und Kakao. Für die Füllung werden rund 1,2 Liter Sahne und 400 Gramm Sauerkirschen verwendet; hinzu kommen Kirschsaft und etwa 50 bis 100 Milliliter Kirschwasser. Der Biskuit wird in drei Böden geteilt, mit Kirschwasser beträufelt und abwechselnd mit Kirschen und Sahne geschichtet. Schokoladenraspel und Kirschen bilden den Abschluss. Diese klar erkennbare Bauweise half der Torte bei ihrer internationalen Verbreitung. Gegenüber Cheesecake ist sie stärker an ein festes Zutatenprofil gebunden, besitzt dafür aber einen enormen Wiedererkennungswert. Gerade die Verbindung aus regionaler Identität und globalem Bekanntheitsgrad sichert Rang drei.
- International unter dem Namen „Black Forest Cake“ beziehungsweise „Black Forest Gateau“ verbreitet.
- Klassische Schichten aus Schokoladenbiskuit, Kirschen und Sahne.
- Kirschwasser ist eines der charakteristischen Aromaelemente.
- Ein offizielles Rezept aus Baden-Württemberg verwendet rund 1,2 Liter Sahne.
- Typische Dekoration: Sahnerosetten, Kirschen und dunkle Schokoladenraspel.
- Herkunft
- Deutschland, Schwarzwald / Südwestdeutschland
- Entstehungszeit
- frühes 20. Jahrhundert
- Internationale Bezeichnung
- Black Forest Cake / Black Forest Gateau
- Typische Böden
- 3 Schokoladenbiskuit-Lagen
- Sahne im Rezeptbeispiel
- ca. 1,2 Liter
- Kirschen im Rezeptbeispiel
- ca. 400 g Sauerkirschen
- Kirschwasser
- ca. 50–100 ml im Rezept der Tourismusorganisation
- Dekoration
- Kirschen, Sahne und Schokoladenraspel
- Beliebtheitsindex
- 94 von 100 Punkten
- Warum Rang 3?
- Außergewöhnlicher internationaler Wiedererkennungswert bei klar regionaler Herkunft
- Quelle
- Tourismus Marketing Baden-Württemberg
4. Red Velvet Cake – vom feinen „Velvet“-Teig zum roten Kultkuchen
Rang: 4 US-Kultkuchen
Red Velvet Cake sieht zunächst wie ein Schokoladenkuchen mit besonders auffälliger Farbe aus. Geschmacklich ist er jedoch subtiler. Typisch sind ein relativ geringer Kakaoanteil, Buttermilch oder Essig und eine helle Creme, heute meist Cream-Cheese-Frosting. Der Name „Velvet“ bezog sich ursprünglich weniger auf die Farbe als auf die besonders feine, weiche Krume. Rezepte für sogenannte Velvet Cakes sind bereits aus dem späten 19. Jahrhundert bekannt. Der charakteristische rote Kuchen entwickelte sich daraus schrittweise im frühen 20. Jahrhundert.
Die Washington Post beschreibt, dass ältere natürliche Kakaosorten in Verbindung mit sauren Zutaten eine rötlich-braune beziehungsweise burgunderfarbene Tönung entwickeln konnten. Später wurde die Farbe gezielt intensiviert. In den späten 1930er-Jahren bewarb Adams Extract rote Lebensmittelfarbe mit Rezeptkarten für Red Velvet Cake; dadurch verbreitete sich das heute vertraute kräftige Erscheinungsbild. Gleichzeitig servierten bekannte Häuser wie das Waldorf-Astoria in New York Varianten der Torte. Einen weiteren Popularitätsschub brachte der Film „Steel Magnolias“ von 1989, in dem ein spektakulärer Red-Velvet-Hochzeitskuchen auftaucht. Später griff die Cupcake-Welle den Geschmack weltweit auf. Genau diese Entwicklung vom regionalen amerikanischen Feierkuchen zum globalen Bakery-Produkt bringt Red Velvet auf Rang vier. Hinter der Schwarzwälder Kirschtorte liegt er wegen seiner kürzeren internationalen Tradition.
- „Velvet“ bezeichnet ursprünglich die feine, samtige Teigstruktur.
- Velvet-Cake-Rezepte reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück.
- Kakao und saure Zutaten konnten früher eine natürliche burgunderrote Färbung erzeugen.
- Lebensmittelfarbe verstärkte ab den 1930er-Jahren den typischen Rotton.
- Heute meist mit Cream-Cheese-Frosting kombiniert.
- Herkunft
- USA
- Vorläufer
- Velvet Cakes des späten 19. Jahrhunderts
- Moderne Entwicklung
- frühes bis mittleres 20. Jahrhundert
- Hauptaromen
- milder Kakao, Vanille, leichte Säure
- Typische Säurequellen
- Buttermilch und/oder Essig
- Typisches Frosting heute
- Cream Cheese
- Farbentwicklung
- von natürlichem Burgunderrot bis zu kräftiger Lebensmittelfarbe
- Popkultureller Schub
- unter anderem „Steel Magnolias“ 1989
- Beliebtheitsindex
- 92 von 100 Punkten
- Warum Rang 4?
- Global etablierter Bakery-Klassiker mit starkem Wiedererkennungswert
- Quelle
- The Washington Post
5. Carrot Cake – Gemüse, Gewürze und erstaunlich viel Saftigkeit
Rang: 5 moderner Klassiker
Karotten in einem süßen Kuchen wirken nur so lange ungewöhnlich, bis man ihre Funktion versteht. Fein geraspelte Möhren bringen Wasser, natürliche Süße und Struktur in den Teig. Dadurch bleibt Carrot Cake auch Tage nach dem Backen häufig saftiger als ein klassischer Butterkuchen. Ergänzt werden die Möhren meist durch Öl, Eier, Zucker und warme Gewürze wie Zimt. Je nach Region kommen Walnüsse, Pekannüsse, Rosinen, Ananas oder Kokos hinzu. Das heute fast obligatorische Cream-Cheese-Frosting setzt einen säuerlich-cremigen Kontrast zum gewürzten Kuchen.
Die Idee, Möhren für Süßspeisen zu verwenden, ist älter als der moderne Carrot Cake. Seine heutige Popularität entwickelte sich vor allem im 20. Jahrhundert und wurde durch die angloamerikanische Backkultur weltweit verbreitet. King Arthur Baking bezeichnet Carrot Cake als Klassiker, dessen Grundschema inzwischen in zahlreiche Formen übertragen wird – vom Cupcake bis zum Hybrid mit Cheesecake. Genau diese Flexibilität ist ein Grund für Rang fünf. Im Vergleich zu Red Velvet besitzt Carrot Cake weniger visuelle Wiedererkennbarkeit, dafür ein breiteres Spektrum an Zutaten und Texturen. Seine Popularität beruht außerdem auf einem interessanten technischen Vorteil: Pflanzenöl bleibt bei Raumtemperatur flüssig, während Butter fest wird. Zusammen mit der Feuchtigkeit der Karotten entsteht dadurch die für den Kuchen typische weiche, saftige Krume.
- Geraspelte Karotten liefern Feuchtigkeit und leichte natürliche Süße.
- Öl statt Butter trägt zur lang anhaltenden Saftigkeit bei.
- Zimt und weitere warme Gewürze prägen viele moderne Varianten.
- Walnüsse, Pekannüsse, Rosinen oder Ananas sind verbreitete Ergänzungen.
- Cream-Cheese-Frosting wurde zum typischen modernen Gegenpol.
- Herkunft
- europäische Vorläufer; moderne Form besonders angloamerikanisch geprägt
- Hauptzutat
- fein geraspelte Karotten
- Typisches Fett
- Pflanzenöl
- Typische Gewürze
- Zimt, teilweise Muskat und Ingwer
- Häufige Zusätze
- Walnüsse, Pekannüsse, Rosinen, Ananas
- Frosting
- meist Cream Cheese
- Textur
- feucht, weich und eher kompakt
- Moderne Varianten
- Cupcakes, Cheesecake-Hybride und Layer Cakes
- Beliebtheitsindex
- 90 von 100 Punkten
- Warum Rang 5?
- International sehr verbreitet, aber regional weniger ikonisch als die Plätze 1 bis 4
- Quelle
- King Arthur Baking
6. Sachertorte – seit 1832 ein Stück Wiener Geschichte
Rang: 6 seit 1832
Nur wenige Torten besitzen eine derart präzise überlieferte Entstehungsgeschichte. 1832 sollte der österreichische Staatskanzler Fürst Klemens Wenzel von Metternich besondere Gäste bewirten. Weil der Küchenchef verhindert war, erhielt der erst 16-jährige Franz Sacher die Aufgabe, ein Dessert zu kreieren. Daraus entstand eine Schokoladentorte, deren Verbindung aus Schokolade und Aprikosenkonfitüre zur Grundlage der späteren Sachertorte wurde. Jahrzehnte später machte Franz Sachers Sohn Eduard die Torte zu einem Wahrzeichen des 1876 eröffneten Hotel Sacher in Wien.
Das Prinzip wirkt auf den ersten Blick einfacher als bei der Schwarzwälder Kirschtorte: Schokoladenmasse, Aprikosenkonfitüre und eine dunkle Glasur. Gerade die Balance macht sie jedoch anspruchsvoll. Die Konfitüre bringt Säure und Feuchtigkeit, während die feste Schokoladenglasur für einen deutlichen texturalen Kontrast sorgt. Traditionell wird ein Stück mit ungesüßtem Schlagobers serviert. Bemerkenswert ist auch die industrielle Dimension der Tradition: Das Hotel Sacher berichtete bereits für 2009 von rund 360.000 handgefertigten Original Sacher-Torten, die jährlich in alle Welt verschickt wurden. Die Originalversion entsteht bis heute in zahlreichen einzelnen Arbeitsschritten. Rang sechs erklärt sich dadurch, dass die Sachertorte international zwar extrem bekannt ist, außerhalb Mitteleuropas jedoch seltener zum alltäglichen Standardangebot gehört als Carrot Cake oder Red Velvet.
- 1832 vom damals 16-jährigen Franz Sacher entwickelt.
- Für Gäste des österreichischen Staatskanzlers Fürst Metternich entstanden.
- Charakteristische Verbindung aus Schokolade und Aprikosenkonfitüre.
- Das Hotel Sacher Wien wurde 1876 von Eduard Sacher eröffnet.
- Bereits 2009 wurden rund 360.000 Original Sacher-Torten pro Jahr weltweit verschickt.
- Herkunft
- Wien, Österreich
- Entstehungsjahr
- 1832
- Erfinder
- Franz Sacher
- Alter des Erfinders
- 16 Jahre
- Auftraggeber
- Fürst Klemens Wenzel von Metternich
- Hauptaroma
- Schokolade
- Füllung
- Aprikosenkonfitüre
- Traditionelle Beilage
- ungesüßtes Schlagobers
- Versandmenge 2009
- rund 360.000 Originaltorten jährlich
- Beliebtheitsindex
- 88 von 100 Punkten
- Quelle
- Hotel Sacher
7. Victoria Sponge – der Kuchen des britischen Afternoon Tea
Rang: 7 britische Tradition
Der Victoria Sponge zeigt, wie wenige Zutaten nötig sind, um einen nationalen Klassiker zu schaffen. Zwei helle, luftige Kuchenböden werden mit Himbeer- oder Erdbeerkonfitüre verbunden und anschließend mit Zucker bestäubt. Moderne Versionen enthalten häufig zusätzlich geschlagene Sahne oder Buttercreme. Der Name verweist auf Queen Victoria, mit der der Kuchen eng verbunden ist. English Heritage beschreibt den Victoria Sponge als einen der klassischen Kuchen des viktorianischen Zeitalters und berichtet, dass er weithin als Favorit der Königin galt.
Interessant ist eine mögliche frühe Funktion des Kuchens. Nach Darstellung von English Heritage könnte der leichte Sponge zunächst als Gebäck für Kinder entstanden sein. Im frühen viktorianischen Zeitalter waren Früchte- und Saatkuchen verbreitet; für Kinder hielt man harte Frucht- oder Samenstücke jedoch teilweise für ungeeignet. Ein weicher Sponge ohne solche Stücke galt als unkompliziertere Alternative und wanderte später auf den erwachsenen Teetisch. Ein modernes Rezept der Organisation verwendet für zwei Böden jeweils 240 Gramm Butter, Zucker und Mehl sowie vier Eier; hinzu kommen Vanille, Milch, Himbeerkonfitüre und Sahne. Das nahezu gleiche Verhältnis der Hauptzutaten zeigt die Nähe zum klassischen Pound-Cake-Prinzip. Victoria Sponge steht hinter Sachertorte, weil seine internationale Präsenz stärker an Großbritannien und Commonwealth-Länder gebunden ist. Als Symbol des Afternoon Tea ist er dennoch kaum zu ersetzen.
- Eng mit Queen Victoria und der britischen Teekultur verbunden.
- Klassisch aus zwei hellen Sponge-Böden aufgebaut.
- Traditionelle Füllung: meist Himbeerkonfitüre.
- Moderne Versionen verwenden häufig zusätzlich Schlagsahne oder Buttercreme.
- Ein English-Heritage-Rezept nutzt jeweils 240 g Butter, Zucker und Mehl sowie vier Eier.
- Herkunft
- Großbritannien
- Epoche
- 19. Jahrhundert / viktorianische Zeit
- Namensgeberin
- Queen Victoria
- Böden
- 2 helle Sponge-Cake-Lagen
- Typische Füllung
- Himbeer- oder Erdbeerkonfitüre
- Moderne Ergänzung
- Schlagsahne oder Buttercreme
- Mehl im Rezeptbeispiel
- 240 g
- Butter und Zucker
- jeweils 240 g
- Eier
- 4 im Rezept von English Heritage
- Beliebtheitsindex
- 86 von 100 Punkten
- Quelle
- English Heritage
8. Tres Leches Cake – Biskuit, der drei Milchsorten aufsaugt
Rang: 8 lateinamerikanischer Klassiker
Tres Leches Cake funktioniert nach einem Prinzip, das bei gewöhnlichem Kuchen eigentlich vermieden wird: Der gebackene Biskuit wird gezielt vollständig mit Flüssigkeit durchtränkt. Dafür wird er nach dem Backen vielfach eingestochen und mit einer süßen Mischung aus drei Milchprodukten übergossen. Typisch sind gesüßte Kondensmilch, evaporierte Milch und Sahne beziehungsweise eine cremige Milchkomponente. Das Ergebnis ist extrem saftig, ohne bei richtig gebackenem Biskuit völlig zu zerfallen. Entscheidend ist, dass der Grundkuchen genügend Luft enthält, um die Flüssigkeit aufzunehmen.
Tres Leches ist heute in großen Teilen Lateinamerikas verbreitet und längst auch in Nordamerika sowie internationalen Dessertcafés angekommen. Eine einzige zweifelsfreie Erfinderregion lässt sich schwer bestimmen; mehrere lateinamerikanische Länder beanspruchen eigene Traditionen. Das klassische Rezept von La Lechera verwendet sechs Eier, eine Tasse Mehl und anschließend eine Mischung aus gesüßter Kondensmilch, Media Crema und evaporierter Milch. In dieser Version kommen außerdem Vanille, Sahne und optional Erdbeeren hinzu. Durch die Verbreitung haltbarer Milchprodukte im 20. Jahrhundert wurde die Zubereitung erheblich einfacher und reproduzierbarer. Inzwischen existieren Varianten mit Kaffee, Kokos, Dulce de Leche, Schokolade oder Früchten. Im Vergleich zum Victoria Sponge besitzt Tres Leches eine geringere historische Tiefe, seine internationale Popularität nimmt jedoch stetig zu – besonders in amerikanischen Metropolen.
- „Tres Leches“ bedeutet wörtlich „drei Milchsorten“.
- Der Biskuit wird nach dem Backen gezielt mit Milchmischung durchtränkt.
- Typisch sind gesüßte Kondensmilch, evaporierte Milch und Sahne beziehungsweise Creme.
- Ein klassisches Rezept verwendet sechs Eier und nur eine Tasse Mehl für einen besonders saugfähigen Biskuit.
- Moderne Varianten reichen von Kokos bis Dulce de Leche.
- Herkunft
- Lateinamerika; genaue Ursprungsregion umstritten
- Entwicklung
- vor allem im 20. Jahrhundert stark verbreitet
- Grundkuchen
- leichter Eierbiskuit
- Milch 1
- gesüßte Kondensmilch
- Milch 2
- evaporierte Milch
- Milch 3
- Sahne beziehungsweise cremige Milchkomponente
- Eier im Rezeptbeispiel
- 6
- Mehl im Rezeptbeispiel
- 1 Tasse
- Textur
- sehr feucht, weich und milchig
- Beliebtheitsindex
- 84 von 100 Punkten
- Quelle
- Nestlé La Lechera
9. Castella – wie Portugal Japans Kuchenkultur beeinflusste
Rang: 9 seit dem 16. Jahrhundert
Castella ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein importiertes Rezept in einem anderen Land eine völlig neue kulturelle Identität entwickeln kann. Portugiesische Missionare und Händler brachten im 16. Jahrhundert europäische Backtechniken nach Nagasaki. Aus diesen Einflüssen entwickelte sich Kasutera, heute Castella genannt: ein feinporiger, kompakter und zugleich weicher Sponge Cake. Japan ordnet ihn inzwischen sogar der Welt der Wagashi, also der traditionellen japanischen Süßwaren, zu – obwohl seine Wurzeln eindeutig europäisch sind.
Die Japan National Tourism Organization beschreibt Castella als Spezialität Nagasakis und nennt als Grundzutaten Mehl, Zucker und Eier. Im Unterschied zu vielen modernen Rührkuchen kommt die Struktur traditionell weitgehend aus sorgfältig aufgeschlagenen Eiern statt aus großen Mengen Fett. Einige Varianten verwenden Sirup oder Honig, wodurch die Krume elastisch und feucht bleibt. Historisch ist besonders bemerkenswert, wie dauerhaft sich der Kuchen hielt: Selbst nachdem die Portugiesen 1639 aus Nagasaki ausgeschlossen worden waren, blieb Castella Teil der japanischen Esskultur. Die 1624 gegründete Konditorei Fukusaya gehört bis heute zu den bekanntesten Produzenten. Laut JNTO wurde Castella sogar bei den Verhandlungen mit dem US-Kommodore Matthew Perry 1854 serviert. Moderne Varianten enthalten Matcha, braunen Zucker, Schokolade oder Käse. Rang neun verdankt Castella dieser außergewöhnlichen historischen Tiefe; global ist er allerdings weniger allgegenwärtig als Tres Leches.
- Im 16. Jahrhundert durch portugiesische Einflüsse nach Japan gelangt.
- Heute eine der bekanntesten Süßwaren Nagasakis.
- Traditionelle Grundzutaten: Eier, Zucker und Mehl.
- Fukusaya wurde bereits 1624 gegründet.
- Castella wurde 1854 bei Verhandlungen mit Commodore Matthew Perry serviert.
- Herkunft
- portugiesischer Ursprung, in Japan weiterentwickelt
- Ankunft in Japan
- 16. Jahrhundert
- Zentrum
- Nagasaki
- Japanischer Name
- Kasutera
- Grundzutaten
- Mehl, Zucker und Eier
- Traditionshersteller Fukusaya
- gegründet 1624
- Historisches Ereignis
- 1854 bei Verhandlungen mit Commodore Perry serviert
- Moderne Varianten
- Matcha, brauner Zucker, Schokolade, Käse
- Textur
- feinporig, elastisch und feucht
- Beliebtheitsindex
- 81 von 100 Punkten
- Quelle
- Japan National Tourism Organization
10. Lamington – Australiens Schoko-Kokos-Würfel
Rang: 10 australische Ikone
Ein Lamington sieht schlicht aus: ein Würfel aus hellem Biskuit, überzogen mit Schokoladenglasur und anschließend in Kokosraspeln gewälzt. Hinter dieser einfachen Konstruktion steckt jedoch eines der bekanntesten australischen Gebäcke. Gerade die Kombination aus trockenerem Sponge Cake und äußerer Glasur ist funktional clever. Die Schokolade zieht leicht in den Rand ein, während die Kokosschicht verhindert, dass die Stücke vollständig aneinanderkleben. Moderne Versionen werden zusätzlich aufgeschnitten und mit Marmelade oder Sahne gefüllt.
Die genaue Entstehung ist bis heute Gegenstand kulinarischer Debatten. Die State Library of Queensland weist darauf hin, dass das erste bekannte gedruckte Lamington-Rezept vom 17. Dezember 1900 stammt und in „Queensland Country Life“ erschien. Der Name wird gewöhnlich mit Lord Lamington verbunden, der von 1896 bis 1901 Gouverneur von Queensland war. Häufig wird sein französischstämmiger Koch Armand Galland als möglicher Erfinder genannt, doch eindeutige Beweise fehlen. Bemerkenswert ist, wie viele ähnliche Kuchen weltweit existieren: Die State Library nennt unter anderem kroatische Čupavci, ungarische Kókuszkocka und südafrikanische Ystervarkies. Dadurch ist der Lamington gleichzeitig sehr australisch und Teil einer größeren internationalen Schoko-Kokos-Tradition. Für die Top 10 reicht es aufgrund seines enormen kulturellen Stellenwerts; außerhalb Australiens ist er jedoch weniger flächendeckend erhältlich als die höher platzierten Kuchen.
- Erstes bekanntes gedrucktes Rezept vom 17. Dezember 1900.
- Grundform: Biskuitwürfel mit Schokoladenüberzug und Kokosraspeln.
- Name wahrscheinlich nach Lord Lamington, Gouverneur von Queensland von 1896 bis 1901.
- Armand Galland gilt als einer der möglichen Erfinder, die Herkunft ist jedoch nicht endgültig geklärt.
- Ähnliche Schoko-Kokos-Kuchen existieren in mehreren Ländern Europas und Afrikas.
- Herkunft
- Queensland, Australien
- Frühestes bekanntes Rezept
- 17. Dezember 1900
- Namensbezug
- Lord Lamington
- Amtszeit Lord Lamington
- 1896–1901 als Gouverneur von Queensland
- Möglicher Erfinder
- Armand Galland; nicht abschließend belegt
- Grundkuchen
- heller Sponge Cake
- Überzug
- Schokoladenglasur
- Außenschicht
- Kokosraspel
- Varianten
- mit Marmelade, Sahne oder Cremefüllung
- Beliebtheitsindex
- 79 von 100 Punkten
- Quelle
- State Library of Queensland
FAQ: Die beliebtesten Kuchen der Welt
Welcher Kuchen ist weltweit am beliebtesten?
Eine einheitliche weltweite Verkaufsstatistik gibt es nicht. In diesem Ranking steht Schokoladenkuchen auf Rang eins, weil Varianten davon praktisch auf allen Kontinenten verbreitet sind und er sowohl als einfacher Alltagskuchen als auch als aufwendige Torte vorkommt. Cheesecake folgt aufgrund seiner ebenfalls enormen internationalen Variantenvielfalt.
Was ist der berühmteste deutsche Kuchen im Ausland?
Die Schwarzwälder Kirschtorte dürfte der international bekannteste deutsche Tortenklassiker sein. Unter der Bezeichnung „Black Forest Cake“ oder „Black Forest Gateau“ wird sie weit über Deutschland hinaus angeboten. Charakteristisch sind Schokoladenbiskuit, Sahne, Kirschen, Kirschwasser und Schokoladenraspel.
Warum ist Tiramisu nicht in der Liste?
Tiramisu gehört zu den berühmtesten Süßspeisen der Welt, wird kulinarisch jedoch üblicherweise als geschichtetes Dessert und nicht als Kuchen bezeichnet. Da dieses Ranking auf Kuchen und Torten beschränkt ist, wurde Tiramisu ebenso wie Crème brûlée oder klassische Pavlova ausgeschlossen.
Welcher Kuchen in der Top 10 ist der älteste?
Castella besitzt besonders alte und gut dokumentierte Wurzeln. Portugiesische Missionare brachten die zugrunde liegende Backtradition bereits im 16. Jahrhundert nach Japan. Cheesecake besitzt zwar noch wesentlich ältere historische Vorläufer, die heute weltweit verbreiteten Frischkäse- und Quarkversionen entstanden jedoch viel später.
Welche Torte hat die genaueste bekannte Entstehungsgeschichte?
Die Sachertorte ist besonders präzise dokumentiert. 1832 erhielt der damals 16-jährige Franz Sacher den Auftrag, für Gäste von Fürst Metternich ein besonderes Dessert zu schaffen. Die daraus entwickelte Schokoladentorte wurde später durch das Hotel Sacher weltberühmt.







