Die 10 besten Filme von Quentin Tarantino

Die 10 besten Filme von Quentin Tarantino

10 Kinofilme, zwei Oscars für das beste Originaldrehbuch, vier Nominierungen für den besten Film und eine Filmografie, in der praktisch jeder Titel Kultstatus beanspruchen kann: Quentin Tarantino ist einer der seltenen Regisseure, bei denen eine Top-10-Liste automatisch das gesamte Regiewerk umfasst. Genau das macht ein Ranking aber nicht einfacher, sondern anspruchsvoller. Denn zwischen Pulp Fiction, Inglourious Basterds, Jackie Brown, Django Unchained und Once Upon a Time in Hollywood geht es nicht darum, schwache Filme auszusortieren, sondern Tarantinos stärkste Arbeiten innerhalb eines erstaunlich geschlossenen Œuvres präzise gegeneinander abzuwägen.

Dieses Ranking bewertet die besten Quentin-Tarantino-Filme deshalb nicht nach Kultfaktor allein, sondern nach filmhistorischer Bedeutung, Regieleistung, Dialog- und Drehbuchqualität, formaler Originalität, Auszeichnungen, Publikumswirkung und Stellenwert innerhalb seines Gesamtwerks. Berücksichtigt wurden ausschließlich die zehn Langfilme, bei denen Tarantino Regie führte. Kill Bill Vol. 1 und Kill Bill Vol. 2 werden als zwei Filme behandelt, weil sie getrennt ins Kino kamen und sich in Dramaturgie, Tonfall und Wirkung deutlich unterscheiden – auch wenn Tarantino sie selbst oft als ein Gesamtwerk betrachtet. Ziel ist eine Top 10, die nicht nur sortiert, sondern nachvollziehbar erklärt, warum welcher Film genau dort steht.

So wurde gewertet

Gewertet wurden sieben Kriterien: filmhistorische Bedeutung, Regieleistung, Drehbuch- und Dialogqualität, Stil- und Formbewusstsein, Auszeichnungen und Kritikerstatus, Publikumswirkung sowie Bedeutung innerhalb von Tarantinos Gesamtwerk. Als Datenbasis dienen offizielle Oscar-Angaben, Box-Office-Daten, Cannes- und Festivalinformationen sowie etablierte Filmdatenbanken. Für jeden Eintrag wurde die Quelle auf den jeweils wichtigsten Datenpunkt abgestimmt: bei Oscar- und Nominierungswerten die Academy, bei Einspielzahlen Box Office Mojo oder The Numbers. So lässt sich nachvollziehen, warum ein Film trotz großer Popularität niedriger landen kann – oder warum ein formal kleinerer Film im direkten Vergleich höher steht.

Was dieses Ranking von einer normalen Tarantino-Liste unterscheidet

Bei Tarantino reicht es nicht, ikonische Zitate, Gewaltspitzen und coole Soundtracks aufzuzählen. Seine Filme leben von Szenenarchitektur, Rhythmus, popkultureller Tiefenschichtung und der Frage, wie stark Form und Inhalt wirklich ineinandergreifen. Deshalb trennt dieses Ranking bewusst zwischen Kultstatus, filmhistorischer Relevanz und erzählerischer Reife. Reservoir Dogs ist historisch enorm wichtig, muss sich aber gegen spätere, größere und komplexere Werke behaupten. Umgekehrt kann ein spätes Werk wie Once Upon a Time in Hollywood höher landen, obwohl es weniger explosiv ist – wenn es Tarantinos Stil auf einer neuen Ebene bündelt.

Übersicht

  1. Pulp Fiction
  2. Inglourious Basterds
  3. Jackie Brown
  4. Once Upon a Time in Hollywood
  5. Django Unchained
  6. Reservoir Dogs
  7. Kill Bill: Vol. 1
  8. The Hateful Eight
  9. Kill Bill: Vol. 2
  10. Death Proof
Rang Film Jahr Genre / Modus Oscar-Bilanz Budget / Box Office Entscheidende Stärke Warum dieser Rang?
1 Pulp Fiction 1994 Neo-Noir / Episodenkrimi 1 Oscar bei 7 Nominierungen 8 Mio. / 213,9 Mio. US-Dollar Revolutionäre Struktur und Dialogkultur Der prägendste Tarantino-Film und bis heute sein stilistischer Nullpunkt
2 Inglourious Basterds 2009 Kriegsfilm / Alternativgeschichte 1 Oscar bei 8 Nominierungen 70 Mio. / 321,5 Mio. US-Dollar Spannung, Sprache und historische Umdeutung Formal reifer als viele Frühwerke, aber weniger kulturverändernd als Pulp Fiction
3 Jackie Brown 1997 Krimidrama / Elmore-Leonard-Adaption 1 Oscar-Nominierung 12 Mio. / 39,7 Mio. US-Dollar Sein menschlichster und reifster Figurenfilm Weniger laut als andere Tarantino-Filme, aber außergewöhnlich präzise und langlebig
4 Once Upon a Time in Hollywood 2019 Hollywood-Märchen / Ensemblefilm 2 Oscars bei 10 Nominierungen 90 Mio. / 393,9 Mio. US-Dollar Melancholische Selbstreflexion des Kinos Spätes Meisterwerk mit ungewöhnlicher Ruhe, aber weniger revolutionär als die Top 3
5 Django Unchained 2012 Revisionist Western 2 Oscars bei 5 Nominierungen 100 Mio. / 426,1 Mio. US-Dollar Tarantinos größter Publikumserfolg Wuchtig, unterhaltsam und politisch aufgeladen, aber nicht ganz so konzentriert wie die Top 4
6 Reservoir Dogs 1992 Heist-Film / Kammerspiel keine Oscar-Nominierung 1,2 Mio. / 2,9 Mio. US-Dollar Das Urmodell des Tarantino-Kinos Historisch enorm wichtig, aber als Gesamtwerk kleiner als die späteren Meisterstücke
7 Kill Bill: Vol. 1 2003 Rachefilm / Martial-Arts-Hybrid keine Oscar-Nominierung 30 Mio. / 180,9 Mio. US-Dollar Formrausch, Action-Design und Genre-Collage Visuell elektrisierend, aber stärker Oberfläche und Bewegung als Figurenvertiefung
8 The Hateful Eight 2015 Western / Kammerspiel / Whodunit 1 Oscar bei 3 Nominierungen 44–62 Mio. / 155,8 Mio. US-Dollar Dialogspannung auf engstem Raum Formal kontrolliert und bitterböse, aber weniger elegant als die höheren Plätze
9 Kill Bill: Vol. 2 2004 Western / Melodram / Rachefilm keine Oscar-Nominierung 30 Mio. / 152,2 Mio. US-Dollar Mehr Dialog, mehr Figuren, weniger Adrenalin Der emotionalere Gegenpart zu Vol. 1, aber nicht so unmittelbar zwingend
10 Death Proof 2007 Exploitation-Hommage / Car-Slasher keine Oscar-Nominierung 30 Mio. / 31,1 Mio. US-Dollar Eine der besten Verfolgungsjagden des 21. Jahrhunderts Unterhaltsam und unterschätzt, aber im Gesamtwerk der schmalste Tarantino

Vier Tarantino-Modi, die das Ranking erklären

Dialog- und Strukturmagier

Pulp Fiction, Reservoir Dogs und Jackie Brown zeigen Tarantino als Autor-Regisseur, der Spannung vor allem aus Sprache, Timing und Perspektivwechseln baut.

Geschichts-Umschreiber

Inglourious Basterds, Django Unchained und Once Upon a Time in Hollywood arbeiten mit alternativen Geschichtsverläufen und verwandeln Rache in Mythos.

Genre-DJ

Kill Bill und Death Proof sampeln Kung-Fu-Film, Western, Exploitation und Grindhouse – mal brillant verdichtet, mal bewusst überreizt.

Kammerspiel-Tarantino

The Hateful Eight und in Teilen Reservoir Dogs zeigen, wie sehr Tarantino von Räumen, Blicken, Monologen und langsam aufziehender Paranoia lebt.

Pulp Fiction

Rang: 1 Schlüsselwerk

Pulp Fiction ist Tarantinos bester Film, weil hier zum ersten Mal alles in maximaler Schärfe zusammenkommt: die Lust an popkulturell aufgeladenen Dialogen, die nichtlineare Erzählstruktur, die Mischung aus Gewalt, Komik und Coolness sowie ein Rhythmusgefühl, das selbst Nebenmomente ikonisch macht. Der Film springt zwischen Auftragskillern, Gangstern, Boxern und Kleinkriminellen, wirkt dabei aber nie beliebig. Statt klassische Spannung über Plotauflösung zu erzeugen, baut Tarantino eine Kette aus Szenen, deren Energie aus Sprache, Pausen, Blicken und plötzlichen Richtungswechseln entsteht. Gerade diese scheinbar lässige Präzision machte den Film zu einem stilistischen Schockmoment des 1990er-Kinos.

Für Rang 1 entscheidend ist die doppelte Wirkung: Pulp Fiction war zugleich Kritikerereignis und Popkultur-Explosion. Der Film gewann die Goldene Palme, erhielt sieben Oscar-Nominierungen und spielte bei einem Budget von nur 8 Millionen US-Dollar weltweit rund 213,9 Millionen ein. Noch wichtiger ist seine Nachwirkung: Out-of-order-Erzählungen, lakonische Killerdialoge, ironisch gebrochene Gewalt und kuratierte Soundtracks wurden danach nicht nur bewundert, sondern massenhaft kopiert. Gegenüber Inglourious Basterds ist Pulp Fiction weniger historisch „groß“, aber als filmhistorischer Einschnitt und als Verdichtung des Tarantino-Prinzips bleibt er unerreicht.

  • 1 Oscar für das beste Originaldrehbuch bei 7 Nominierungen
  • Gewinner der Goldenen Palme in Cannes 1994
  • Rund 213,9 Mio. US-Dollar weltweites Einspiel bei nur 8 Mio. Budget
Jahr
1994
Entscheidende Kennzahl
7 Oscar-Nominierungen und 213.928.762 US-Dollar weltweites Box Office
Warum Rang 1?
Größte Mischung aus Einfluss, Stilprägung, Dialogkultur und filmhistorischer Wirkung
Quelle
Oscars – Academy Awards 1995

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Inglourious Basterds

Rang: 2 Sprachduell

Inglourious Basterds ist Tarantinos reifstes Spannungswerk. Der Film beginnt mit einer der stärksten Eröffnungssequenzen des 21. Jahrhunderts: einem Gespräch auf einem Bauernhof, das aus Höflichkeit langsam Terror destilliert. Schon hier zeigt sich, was den Film so stark macht: Tarantino inszeniert Sprache nicht als Informationsträger, sondern als Waffe, Falle und Performance. Kaum ein anderer Film von ihm arbeitet so souverän mit Mehrsprachigkeit, Machtverhältnissen und der Frage, wer in einem Gespräch gerade die Kontrolle besitzt. Christoph Waltz’ Hans Landa ist dafür die perfekte Figur: höflich, brillant, charmant – und gerade deshalb maximal bedrohlich.

Warum nur Platz 2? Weil Pulp Fiction historisch noch fundamentaler war. Trotzdem spricht fast alles für einen Spitzenplatz: Inglourious Basterds verbindet das Tarantino-Vokabular mit neuer Reife. Die Kapitelstruktur ist klar, die Spannungsschraube wird präziser angezogen als in vielen früheren Filmen, und die alternative Umschreibung des Zweiten Weltkriegs wird nicht bloß als Provokation eingesetzt, sondern als Reflexion über Kino selbst – als Maschine, die Geschichte neu montieren kann. Acht Oscar-Nominierungen, ein Oscar für Waltz und rund 321,5 Millionen US-Dollar weltweit machen den Film zudem zu einem der größten Tarantino-Erfolge überhaupt.

  • 8 Oscar-Nominierungen, 1 Sieg für Christoph Waltz
  • Rund 321,5 Mio. US-Dollar weltweites Box Office
  • Mehrsprachige Dialoge als Spannungsinstrument auf höchstem Niveau
Jahr
2009
Entscheidende Kennzahl
8 Oscar-Nominierungen und 321.457.747 US-Dollar weltweit
Warum Rang 2?
Reifer und konzentrierter als viele Frühwerke, aber weniger kulturverändernd als Pulp Fiction
Quelle
Oscars – Academy Awards 2010

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Jackie Brown

Rang: 3 Reif

Jackie Brown ist Tarantinos unspektakulärstes Meisterwerk – und genau deshalb so hoch platziert. Nach dem Furor von Pulp Fiction hätte er leicht denselben Trick noch einmal spielen können. Stattdessen adaptierte Tarantino Elmore Leonard und drosselte bewusst die eigene Lautstärke. Das Ergebnis ist sein menschlichster Film: weniger eruptive Gewalt, weniger Zitatfeuerwerk, dafür mehr Blicke, Müdigkeit, Geldsorgen, Alter, Misstrauen und leise Romantik. Pam Grier und Robert Forster tragen den Film mit einer Gelassenheit, die im Tarantino-Kosmos fast ungewöhnlich wirkt. Tarantino zeigt hier, dass er nicht nur Szene und Coolness kann, sondern auch Zeit, Verletzlichkeit und Sehnsucht.

Warum vor Once Upon a Time in Hollywood und Django Unchained? Weil Jackie Brown Tarantino als Figurenregisseur auf einem Niveau zeigt, das in seinen lauteren Filmen oft übersehen wird. Die Handlung um Geldübergaben, Doppelspiele und Improvisation im Einkaufszentrum ist handwerklich brillant, aber der eigentliche Wert liegt im Ton: Der Film hat Geduld, Empathie und eine fast melancholische Wärme. Gerade weil er weniger sofort „Tarantino!“ schreit, wird er mit den Jahren stärker. Dass er nur eine Oscar-Nominierung erhielt und an der Kinokasse mit knapp 40 Millionen US-Dollar kleiner blieb, ändert nichts daran, dass er einer der am besten gealterten Tarantino-Filme ist.

  • Robert Forster erhielt eine Oscar-Nominierung als Nebendarsteller
  • Erste und einzige Tarantino-Regiearbeit nach einer Romanvorlage
  • Rund 39,7 Mio. US-Dollar weltweites Einspiel bei 12 Mio. Budget
Jahr
1997
Entscheidende Kennzahl
12 Mio. US-Dollar Budget, 39.697.308 US-Dollar Box Office und hohe Langzeitwertung unter Kritikern
Warum Rang 3?
Der beste Beleg dafür, dass Tarantino nicht nur Stilist, sondern auch ein großer Figurenregisseur sein kann
Quelle
Box Office Mojo – Jackie Brown

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Once Upon a Time in Hollywood

Rang: 4 Spätwerk

Once Upon a Time in Hollywood ist Tarantinos spätes Gegenstück zu seinem Frühwerk: weniger plotgetrieben, weniger aggressiv, dafür voller Erinnerung, Abschied und Zuneigung zum alten Hollywood. Der Film erzählt im Kern nicht die Manson-Morde, sondern das Ende einer Ära – aus der Perspektive eines alternden TV-Stars und seines Stuntmans. Tarantino rekonstruiert Los Angeles 1969 mit einer Detailverliebtheit, die fast archivarisch wirkt, und verbindet diese Rekonstruktion mit einer märchenhaften Revision, in der Kino noch einmal heilend eingreifen darf. Dass der Film über lange Strecken eher beobachtet als treibt, ist kein Mangel, sondern sein Konzept.

Für Rang 4 spricht vor allem, dass Tarantino hier nicht mehr nur zitiert oder sampelt, sondern Bilanz zieht: über Fernsehen, Film, Körperarbeit, Stuntmen, Westernserien und über seine eigene Liebe zu einer Kultur, die es so nicht mehr gibt. Zehn Oscar-Nominierungen, zwei Siege und rund 393,9 Millionen US-Dollar weltweit zeigen, wie breit der Film anerkannt wurde. Gegenüber Jackie Brown ist er größer und üppiger, aber auch etwas selbstverliebter; gegenüber Django Unchained ist er weniger explosiv, dafür reifer und in seinem Ton mutiger. Kaum ein anderer Tarantino altert so sehr über Atmosphäre und Zeitgefühl.

  • 10 Oscar-Nominierungen, 2 Siege
  • Rund 393,9 Mio. US-Dollar weltweites Einspiel
  • Brad Pitt gewann den Oscar als bester Nebendarsteller
Jahr
2019
Entscheidende Kennzahl
10 Oscar-Nominierungen und 393.900.000 US-Dollar weltweites Box Office
Warum Rang 4?
Großes Spätwerk und Liebeserklärung ans Kino, aber weniger stilprägend als die Top 3
Quelle
Oscars – Academy Awards 2020

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Django Unchained

Rang: 5 Publikumserfolg

Django Unchained ist Tarantinos populärster und zugleich einer seiner umstrittensten Filme. Auf der Oberfläche ist er ein Rachewestern mit enormer Energie: Django wird vom Sklaven zum Kopfgeldjäger und schließlich zum mythologischen Rächer. Darunter steckt aber ein Film, der den Western, die Sklavereigeschichte und Tarantinos Lust an Genrekino auf explosive Weise verschaltet. Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson liefern ein Dreieck aus Charme, Sadismus und kalkulierter Überzeichnung, das den Film ständig zwischen Komödie, Gewaltoper und bitterem Historienstoff pendeln lässt. Gerade diese Spannung aus Unterhaltung und historischem Material macht ihn so wirkungsvoll – und so diskutabel.

Mit über 426 Millionen US-Dollar ist Django Unchained Tarantinos erfolgreichster Film an den Kinokassen. Er gewann zwei Oscars, darunter Tarantinos zweiten für das beste Originaldrehbuch. Warum reicht es trotzdem „nur“ für Platz 5? Weil der Film in seinem letzten Drittel etwas ausfranst und seine Gewaltästhetik stärker polarisiert als bei den höheren Plätzen. Dennoch ist Django zentral für Tarantinos Werk: Er zeigt, wie konsequent Tarantino historische Traumata in Genremythen übersetzt – und wie weit er dabei im Mainstream gehen kann.

  • 2 Oscars bei 5 Nominierungen
  • Mit 426.079.005 US-Dollar Tarantinos größter Box-Office-Erfolg
  • Verbindet Italo-Western, Blaxploitation und Rachemythos in einem Film
Jahr
2012
Entscheidende Kennzahl
426.079.005 US-Dollar weltweites Einspiel
Warum Rang 5?
Wuchtig und einflussreich, aber dramaturgisch etwas weniger geschlossen als die Filme darüber
Quelle
Box Office Mojo – Django Unchained

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Reservoir Dogs

Rang: 6 Ursprung

Reservoir Dogs ist der Film, mit dem Tarantino sein Vokabular schlagartig auf die Landkarte setzte. Das Budget war klein, die Handlung bewusst reduziert, und doch steckt in diesem Debüt schon fast alles, was später zum Tarantino-Markenzeichen wurde: popkulturell aufgeladene Dialoge, Zeitsprünge, plötzliche Brutalität, stilisierte Männlichkeitsrituale und ein obsessives Interesse daran, wie Menschen unter Druck reden, lügen und sich verraten. Bemerkenswert ist dabei, dass der eigentliche Raubüberfall gar nicht gezeigt wird – Tarantino interessiert sich stärker für Nachbeben, Paranoia und Misstrauen als für die Tat selbst. Der Film ist also nicht nur cool, sondern bereits eine programmatische Verweigerung konventioneller Heist-Mechanik.

Warum nicht höher, obwohl der Film so wichtig ist? Weil Reservoir Dogs als Debüt zwar enorm einflussreich, aber in Umfang und emotionaler Bandbreite kleiner ist als die späteren Spitzenwerke. Er ist ein Kammerspiel mit ikonischen Momenten, aber noch kein voll entfaltetes Tarantino-Epos. Genau das macht Rang 6 plausibel: historisch unverzichtbar, handwerklich brillant, aber nicht ganz so reich, komplex und nachhallend wie Pulp Fiction, Jackie Brown oder Inglourious Basterds. Dass der Film mit rund 1,2 Millionen US-Dollar Budget entstand und zunächst nur knapp 3 Millionen weltweit einspielte, zeigt zudem, wie klein Tarantinos Ausgangspunkt war – und wie groß seine Wirkung trotzdem wurde.

  • Gedreht für rund 1,2 Mio. US-Dollar, weltweites Box Office nur rund 2,9 Mio.
  • Prägte das US-Independent-Kino der 1990er trotz bescheidener Kassenwerte
  • Bis heute eines der bekanntesten Regiedebüts des modernen Kinos
Jahr
1992
Entscheidende Kennzahl
1,2 Mio. US-Dollar Budget; 2.942.225 US-Dollar weltweites Box Office
Warum Rang 6?
Das Urmodell des Tarantino-Kinos, aber als Gesamtwerk noch kleiner als seine späteren Meisterfilme
Quelle
Box Office Mojo – Reservoir Dogs

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Kill Bill: Vol. 1

Rang: 7 Stilrausch

Kill Bill: Vol. 1 ist Tarantinos reinster Formrausch. Der Film funktioniert weniger über psychologische Vertiefung als über Bewegung, Farbdramaturgie, Sound, Split-Screens, Anime-Einschübe und eine fast obsessive Lust daran, Kinogeschichte zu remixen. Samurai-Film, Shaw-Brothers-Kino, Italowestern, Exploitation und Rachemelodram werden nicht bloß zitiert, sondern in eine sehr körperliche, unmittelbare Actionmaschine verwandelt. Das House-of-Blue-Leaves-Finale gehört zu den berühmtesten Actionsequenzen der 2000er und zeigt Tarantino auf dem Höhepunkt seines Interesses an Choreografie, Oberflächenreiz und Rhythmus.

Warum hinter Reservoir Dogs? Weil Kill Bill: Vol. 1 zwar visuell überwältigend ist, aber als Film stärker von Stil- und Energieentladung lebt als von erzählerischer Geschlossenheit. Gegenüber Kill Bill: Vol. 2 liegt Vol. 1 vorne, weil hier Tarantinos Inszenierungskraft am unmittelbarsten zündet: Jede Szene will größer, kühner oder cooler sein als die vorige. Im Gesamtwerk ist das ein Glücksfall – aber eben nicht ganz die Art von dichter, reifer Meisterschaft, die die Top 5 auszeichnet. Mit rund 180,9 Millionen US-Dollar weltweit ist der Film zudem ein Beleg dafür, wie marktfähig Tarantinos radikale Genremischung geworden war.

  • 180.949.045 US-Dollar weltweites Box Office
  • Das House-of-Blue-Leaves-Kapitel ist eines der großen Tarantino-Set-Pieces
  • Ein Paradebeispiel für Tarantinos Genre-Sampling auf Höchstdrehzahl
Jahr
2003
Entscheidende Kennzahl
180.949.045 US-Dollar weltweites Einspiel
Warum Rang 7?
Visuell elektrisierend und ikonisch, aber weniger reich an Figuren und Ambivalenz als die höher platzierten Filme
Quelle
Box Office Mojo – Kill Bill: Vol. 1

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The Hateful Eight

Rang: 8 Kammerspiel-Western

The Hateful Eight ist Tarantinos bösartigstes Kammerspiel. Ein Schneesturm, eine Hütte, acht potenziell mörderische Figuren – mehr braucht der Film nicht, um über fast drei Stunden ein Geflecht aus Lügen, Ressentiments, Rassismus und taktischem Sprechen aufzubauen. Bemerkenswert ist, wie sehr Tarantino hier gegen die Erwartung des „großen weiten Westerns“ arbeitet: Statt Landschaften dominiert Enge, statt heroischer Bewegung Misstrauen, statt Abenteuer eine zähe, giftige Gesprächsschlacht. Der Film ist deshalb weniger Western als Versuchsanordnung darüber, wie Sprache, Gewalt und Macht sich in einem abgeschlossenen Raum gegenseitig vergiften.

Warum nur Platz 8? Weil der Film seine Sperrigkeit bewusst kultiviert und dadurch weniger elegant wirkt als Jackie Brown oder Once Upon a Time in Hollywood. Zugleich ist genau diese Sperrigkeit seine Stärke. Ennio Morricones Oscar-prämierter Score verleiht dem Film eine fast horrorhafte Grundspannung, und die Ultra-Panavision-70-Fotografie erzeugt einen reizvollen Widerspruch zwischen epischem Format und klaustrophobischem Inhalt. Im Tarantino-Kanon ist The Hateful Eight vielleicht nicht der zugänglichste Film, aber einer der konzentriertesten, wenn es um Sprache als Machtinstrument geht.

  • 1 Oscar für Ennio Morricones Musik bei 3 Nominierungen
  • Gedreht in Ultra Panavision 70 und teilweise als Roadshow-Version veröffentlicht
  • Western, Whodunit und Kammerspiel zugleich
Jahr
2015
Entscheidende Kennzahl
Oscar-Gewinn für die Filmmusik und 155,8 Mio. US-Dollar weltweites Box Office
Warum Rang 8?
Formal stark und bitterböse, aber weniger beweglich und publikumsnah als die Filme davor
Quelle
Oscars – Academy Awards 2016

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Kill Bill: Vol. 2

Rang: 9 Charakterstück

Kill Bill: Vol. 2 ist der Film, der aus der Rachemaschine des ersten Teils ein Gespräch über Elternschaft, Schuld, Mythos und Selbsterfindung macht. Statt immer weiter zu eskalieren, fährt Tarantino das Tempo herunter und verlagert die Energie in Dialoge, Rückblenden und Konfrontationen. Das ist klug, weil es die Braut-Figur öffnet und Bill selbst als charismatischen, verletzlichen und zugleich manipulativen Gegenspieler ernst nimmt. Tarantino verschiebt das Projekt hier stärker in Richtung Western, Melodram und Kammerspiel – und beweist damit, dass Kill Bill eben nicht nur als Blutballett funktioniert.

Warum steht Vol. 2 hinter Vol. 1? Weil Tarantinos Kernstärke als Regisseur oft dann am stärksten wirkt, wenn Sprache, Bild und Gewalt in unmittelbarer Reibung stehen – und Vol. 1 darin einfach elektrischer ist. Vol. 2 ist in mancher Hinsicht der „bessere“ Abschluss, aber nicht der zwingendere Einzel-Film. Trotzdem ist er unverzichtbar für das Verständnis von Kill Bill: Erst hier zeigt sich, dass Tarantino hinter all dem Blut und den Referenzen auch ein melodramatisches Interesse an Familie, Wahlverwandtschaft und Lebenslügen verfolgt.

  • 152.159.461 US-Dollar weltweites Einspiel
  • Mehr Western, Melodram und Dialogduell als Actionfilm
  • Das Gespräch zwischen Bill und Beatrix gehört zu Tarantinos stärksten Finalen
Jahr
2004
Entscheidende Kennzahl
152.159.461 US-Dollar weltweites Box Office
Warum Rang 9?
Figurenreicher als Vol. 1, aber weniger unmittelbar und stilistisch weniger zwingend
Quelle
Box Office Mojo – Kill Bill: Vol. 2

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Death Proof

Rang: 10 Underrated

Death Proof ist Tarantinos schmalster Film – und zugleich einer seiner missverstandensten. Als Teil des Grindhouse-Projekts mit Robert Rodriguez gebaut, wirkt er zunächst wie eine Fingerübung in Exploitation-Nostalgie: viel Gerede, ein sadistischer Stuntfahrer, zwei Frauengruppen, dazwischen bewusst „kaputte“ Filmästhetik. Doch der Film gewinnt enorm, wenn man ihn nicht als großen Tarantino-Wurf, sondern als formale Versuchsanordnung liest. Er interessiert sich dafür, wie Kino über Autos, Körper und Geschwindigkeit Spannung erzeugt, und wie sich männlicher Gewaltfetisch in einen weiblichen Gegenangriff verkehren lässt. Die zweite Hälfte ist deshalb fast eine Demonstration praktischer Actionmechanik.

Der Grund für Platz 10 ist simpel: Kein anderer Tarantino-Film ist so absichtlich minor, so verspielt und so wenig auf große Bedeutung angelegt. Gleichzeitig wäre es falsch, ihn als bloßen Nachzügler abzutun. Die finale Verfolgungsjagd gehört zu den besten Actionsequenzen seiner Karriere, fast komplett praktisch gedreht und getragen von Stuntarbeit statt digitaler Überwältigung. Death Proof ist nicht Tarantinos bester Film – aber einer, der sehr gut zeigt, wie ernst er das Kino der Nebensorten nimmt und wie viel Lust ihm das reine Filmemachen bereitet.

  • 31.126.421 US-Dollar weltweites Einspiel
  • Das Finale ist eine der stärksten praktischen Car-Chase-Sequenzen des 21. Jahrhunderts
  • Aus einem vermeintlichen B-Movie wird eine Reflexion über Blick, Risiko und Körperarbeit
Jahr
2007
Entscheidende Kennzahl
31.126.421 US-Dollar weltweites Box Office
Warum Rang 10?
Unterhaltsam und formal spannend, aber als Gesamtwerk schmaler und weniger nachwirkend als die übrigen neun Tarantino-Filme
Quelle
Box Office Mojo – Death Proof

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Knapp verpasst? Bei Tarantino gibt es kein „knapp verpasst“ – aber es gibt Grenzfälle

Weil Quentin Tarantino bislang genau zehn Langfilme inszeniert hat, besteht diese Liste automatisch aus seinem vollständigen Regiewerk. Die eigentliche Spannung liegt deshalb nicht im „Wer fehlt?“, sondern in der Platzierung. Der größte Grenzfall ist Jackie Brown: Für manche Kritiker gehört er auf Platz 1 oder 2, weil er Tarantinos reifster Figurenfilm ist. Ein zweiter Streitpunkt ist die Behandlung von Kill Bill. Tarantino selbst sieht das Projekt oft als einen Film, im Kino erschienen jedoch zwei sehr unterschiedliche Werke – deshalb werden sie hier getrennt bewertet. Und schließlich ist Death Proof der klassische Spätzünder: bei Erscheinen eher als Nebenwerk behandelt, heute aber deutlich höher geschätzt, gerade wegen seiner praktischen Action und seiner kompromisslosen Grindhouse-Logik.

FAQ: Die besten Quentin-Tarantino-Filme

Was ist der beste Quentin-Tarantino-Film?

In diesem Ranking steht Pulp Fiction auf Platz 1, weil der Film Tarantinos Stil, seine Erzählweise und seinen Einfluss auf das moderne Kino am vollständigsten bündelt.

Warum ist Jackie Brown so hoch platziert?

Jackie Brown steht so weit oben, weil er Tarantinos reifster Figurenfilm ist: weniger Effekthascherei, mehr Charaktertiefe, Geduld und emotionale Präzision.

Wird Kill Bill als ein oder zwei Filme gezählt?

Hier werden Kill Bill: Vol. 1 und Kill Bill: Vol. 2 als zwei Filme behandelt, weil sie separat veröffentlicht wurden und sich in Ton, Tempo und Wirkung deutlich unterscheiden. Tarantino selbst betrachtet sie dagegen oft als ein Gesamtwerk.

Welcher Tarantino-Film war am erfolgreichsten im Kino?

Django Unchained war mit 426.079.005 US-Dollar weltweit Tarantinos größter Box-Office-Erfolg als Regisseur.

Warum steht Death Proof auf dem letzten Platz?

Death Proof ist keineswegs schlecht, aber im Vergleich zu Tarantinos übrigen Filmen das schmalste Werk. Seine Bedeutung liegt stärker im formalen Experiment und in der finalen Verfolgungsjagd als in erzählerischer Größe.

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