10 Gangsterfilme stechen im Kino besonders heraus, weil sie weit mehr sind als Kriminalgeschichten über Mafia, Banden oder Aufstieg und Fall von Verbrechern. Die besten Werke des Genres zeigen Macht als Familiensystem, Gewalt als Geschäftsmodell und Loyalität als Währung – oft mit einem Blick auf Einwanderung, Kapitalismus, Korruption und den Mythos des „amerikanischen Traums“. Genau deshalb ist das Genre so langlebig: Ein großer Gangsterfilm funktioniert gleichzeitig als Thriller, Gesellschaftsdrama und Charakterstudie.
Für dieses Ranking wurden nicht nur Kultstatus und Beliebtheit berücksichtigt, sondern vor allem filmhistorische Bedeutung, Kritikeranerkennung, Auszeichnungen, Einfluss auf spätere Filme und die Qualität der Figurenzeichnung. Reine Heist-Filme ohne klares Gangster-Milieu wurden nicht aufgenommen, ebenso wenig moderne Crime-Thriller, in denen das organisierte Verbrechen nur eine Nebenrolle spielt. Das Ergebnis ist eine Top-10-Liste, die Klassiker der Mafia- und Unterweltfilme mit einigen moderneren Meilensteinen verbindet – inklusive Fakten, Einordnung und den Gründen für die jeweilige Platzierung.
So wurde gewertet
Das Ranking kombiniert fünf Kriterien: filmhistorische Bedeutung, Kritiker- und Publikumseinfluss, Qualität von Drehbuch, Regie und Figurenzeichnung, Auszeichnungen bzw. Anerkennung durch Institutionen sowie Nachwirkung im Gangster-Genre. Als Datenbasis dienten unter anderem das AFI-Genre-Ranking der Gangsterfilme, Oscar- und BAFTA-Informationen, Einträge der Library of Congress, BFI-Daten sowie Box-Office-Angaben. Berücksichtigt wurden Spielfilme, in denen organisierte Kriminalität, Mafia-Strukturen oder klassische Gangsterkarrieren zentral für Handlung und Inszenierung sind. Reine Polizeithriller oder Actionfilme ohne klaren Gangsterfokus blieben außen vor.
Übersicht
| Rang | Film | Jahr | Regie | Laufzeit | Zentrales Milieu | Auszeichnungen / Fakten | Warum relevant? |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Der Pate (The Godfather) | 1972 | Francis Ford Coppola | 175 Min. | Italoamerikanische Mafiafamilie in New York | 3 Oscars; Platz 1 im AFI-Gangster-Ranking | Definiert das Mafia-Epos bis heute |
| 2 | Goodfellas | 1990 | Martin Scorsese | 145 Min. | Lucchese-nahe New Yorker Mafiawelt | Joe Pesci gewann den Oscar; National Film Registry | Rasantester und präzisester Mob-Film der Moderne |
| 3 | Der Pate – Teil II | 1974 | Francis Ford Coppola | 202 Min. | Corleone-Familie zwischen New York, Nevada und Kuba | 6 Oscars; erster Sequel-Oscar als Bester Film | Verbindet Aufstieg und Zerfall der Machtfamilie |
| 4 | Es war einmal in Amerika | 1984 | Sergio Leone | 229 Min. (Langfassung) | Jüdische Gangster in New York | Leones letzter Film; epische Zeitstruktur über Jahrzehnte | Melancholischster Gangsterfilm der Liste |
| 5 | Scarface | 1983 | Brian De Palma | 170 Min. | Drogenkartelle und Unterwelt in Miami | Anfangs umstritten, später Kultfilm; Al-Pacino-Paraderolle | Prägte das Bild des exzessiven Aufstiegs-Gangsters |
| 6 | Casino | 1995 | Martin Scorsese | 178 Min. | Las Vegas und Mafia-Geldströme | Sharon-Stone-Oscar-Nominierung; auf realen Figuren basierend | Gangsterfilm als Wirtschaftsgeschichte von Las Vegas |
| 7 | The Departed | 2006 | Martin Scorsese | 151 Min. | Irische Gangster und Polizei in Boston | 4 Oscars, darunter Bester Film und Beste Regie | Modernisiert das Genre mit Undercover-Paranoia |
| 8 | Scarface – Narbengesicht | 1932 | Howard Hawks, Richard Rosson | 93 Min. | Chicagoer Gangsterwelt der Prohibitionszeit | Früher Genreklassiker; stark von Al Capone inspiriert | Grundstein des klassischen Gangsterkinos |
| 9 | Road to Perdition | 2002 | Sam Mendes | 117 Min. | Irisch-amerikanische Unterwelt der 1930er | Oscar für Kamera; Tom Hanks gegen sein Saubermann-Image | Stilistisch eleganter Gangsterfilm über Vater und Sohn |
| 10 | A Bronx Tale | 1993 | Robert De Niro | 121 Min. | Bronx-Milieu zwischen Familie und Mob | Regiedebüt von De Niro; basierend auf Chazz-Palminteri-Stück | Kleiner, aber sehr präziser Coming-of-Age-Gangsterfilm |
Der Pate (The Godfather)
Rang: 1 Genre-Referenz
Der Pate steht an der Spitze, weil der Film das moderne Bild des Mafiafilms praktisch neu definiert hat. Francis Ford Coppola erzählt die Geschichte der Corleone-Familie nicht als bloßen Krimi, sondern als Familiensaga über Machtübergabe, Loyalität und moralischen Zerfall. Genau darin liegt die Größe des Films: Er zeigt organisierte Kriminalität als Parallelgesellschaft mit eigenen Ritualen, ökonomischen Regeln und politischem Einfluss. Die Hochzeitssequenz zu Beginn, die Attentate, die Verhandlungen zwischen den Familien und Michael Corleones langsamer Wandel vom Außenseiter zum Machtmenschen sind nicht nur ikonisch, sondern bis heute das Grundmodell unzähliger Gangsterfilme und -serien.
Für Rang 1 spricht außerdem die institutionelle Anerkennung. Das American Film Institute setzte The Godfather auf Platz 1 seiner besten Gangsterfilme. Der Film gewann drei Oscars, darunter Bester Film und Bester Hauptdarsteller für Marlon Brando. Noch wichtiger ist aber die Langzeitwirkung: Viele Mafiafilme nach 1972 stehen in direkter oder indirekter Beziehung zu diesem Werk – ob als Nachahmung, Variation oder Gegenentwurf. Gegenüber Goodfellas ist Der Pate weniger nervös und weniger alltagsnah, aber als großes Mafia-Epos mit kultureller Wucht und filmischer Präzision bleibt er die klarste Nummer 1.
- AFI führt den Film auf Platz 1 der US-Gangsterfilme
- Gewann 3 Oscars, darunter Bester Film
- Verwandelte den Gangsterfilm in eine epische Familiensaga
- Jahr
- 1972
- Regie
- Francis Ford Coppola
- Entscheidende Kennzahl
- Maximale Kombination aus Einfluss, Kritikerstatus und Genreprägung
- Besonderheit
- AFI-Rang 1 unter den Gangsterfilmen; bis heute Referenz für Mafia-Erzählungen
- Quelle
- AFI – 10 Top 10: Gangster
Goodfellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia
Rang: 2 Mob-Alltag
Goodfellas ist der Gegenpol zum pathetischen Mafia-Epos – und gerade deshalb so stark. Martin Scorsese zeigt das Gangsterleben nicht als majestätische Familienherrschaft, sondern als fiebrigen Alltag aus Geld, Drogen, Statussymbolen, Paranoia und plötzlicher Gewalt. Die Perspektive von Henry Hill macht den Film besonders wirksam: Man erlebt den Reiz des Milieus von innen, inklusive der Anziehungskraft, die Kriminalität auf junge Männer ausüben kann. Das legendäre Copacabana-Tracking, der „Funny how?“-Dialog und die hektische Finalhälfte mit Kokain, Hubschrauber und Zusammenbruch gehören zu den am häufigsten zitierten Szenen des Genres.
Dass Goodfellas nur auf Platz 2 landet, liegt nicht an mangelnder Qualität, sondern an der fast unantastbaren Stellung des ersten Paten. In Sachen Tempo, Voice-over, Popmusik-Einsatz und psychologischer Nähe ist Scorseses Film sogar moderner und für viele Zuschauer zugänglicher. Joe Pesci gewann den Oscar als bester Nebendarsteller, der Film wurde 2000 ins National Film Registry aufgenommen. Besonders stark ist seine Wirkung auf spätere Mafiafilme und Serien wie The Sopranos: Viele Tonlagen des modernen Mob-Kinos – schwarzer Humor, banaler Alltag, eruptive Brutalität – wurden hier in Reinform vorgeführt.
- Oscar für Joe Pesci als Tommy DeVito
- National Film Registry wegen kultureller und ästhetischer Bedeutung
- Prägte den schnellen, nervösen Stil moderner Mafiafilme
- Jahr
- 1990
- Regie
- Martin Scorsese
- Entscheidende Kennzahl
- Außergewöhnlicher Einfluss auf Erzählstil, Schnitt und moderne Gangsterästhetik
- Besonderheit
- Laut AFI-Katalog auf dem Sachbuch Wiseguy basierend; Hill nannte den Film laut AFI „99 % accurate“
- Quelle
- AFI Catalog – Goodfellas
Der Pate – Teil II (The Godfather Part II)
Rang: 3 Das große Sequel
Kaum ein zweiter Teil ist so ehrgeizig wie Der Pate – Teil II. Coppola erzählt parallel den Aufstieg des jungen Vito Corleone in New York und den moralischen Abstieg seines Sohnes Michael als kalter Machtverwalter. Damit ist der Film nicht einfach eine Fortsetzung, sondern ein Spiegel des ersten Teils: Hier wird sichtbar, wie aus dem Einwanderer, der Schutz und Einfluss aufbaut, eine Dynastie wird, deren Nachfolger zwar mächtiger, aber innerlich zerstörter ist. Gerade diese Doppelstruktur macht den Film zu einem Sonderfall im Genre.
Der Film gewann sechs Oscars, darunter als erster Sequel überhaupt den Preis für den besten Film. Robert De Niro erhielt den Oscar als junger Vito Corleone, Al Pacino liefert als Michael eine der finstersten Gangsterfilm-Performances überhaupt. Warum nicht vor Goodfellas? Weil Teil II trotz seiner Größe stärker als Erweiterung des ersten Films funktioniert und etwas weniger geschlossen wirkt als die beiden Spitzenplätze. Dennoch ist er in Sachen Figurenzeichnung, historischer Spannweite und Tragik des Machtverlusts einer der bedeutendsten Gangsterfilme aller Zeiten.
- 6 Oscars, darunter Bester Film
- Erster zweiter Teil, der den Oscar für den besten Film gewann
- Erzählt zugleich Herkunftsmythos und Familienzerfall
- Jahr
- 1974
- Regie
- Francis Ford Coppola
- Entscheidende Kennzahl
- Historische Tiefe und außergewöhnliche Parallelstruktur von Aufstieg und Niedergang
- Besonderheit
- Robert De Niro gewann den Oscar als junger Vito Corleone
- Quelle
- Oscars – Academy Awards 1975
Es war einmal in Amerika (Once Upon a Time in America)
Rang: 4 Epos
Es war einmal in Amerika ist der melancholischste Film dieser Liste. Sergio Leone erzählt nicht den coolen Alltag eines Mobs, sondern ein großes Erinnerungsdrama über Freundschaft, Verrat, Schuld und verlorene Zeit. Der Film springt zwischen Kindheit in der Lower East Side, kriminischem Aufstieg in der Prohibitionszeit und einem späten Wiedersehen mit der Vergangenheit. Gerade diese gebrochene Zeitstruktur macht ihn so besonders: Die Gangsterwelt erscheint hier nicht als rasantes Geschäft, sondern als Ruinenlandschaft aus Entscheidungen, die Jahrzehnte später noch nachhallen.
Im Ranking steht der Film hinter den beiden Pate-Filmen und Goodfellas, weil seine Wirkung stärker über Atmosphäre und Tragik als über direkte Genreprägung läuft. Er ist sperriger, langsamer und emotional schwerer zugänglich. Gleichzeitig macht ihn genau das zum Ausnahmefilm. Robert De Niro, James Woods und Ennio Morricones Musik tragen ein Werk, das den Gangsterfilm fast in Richtung elegischer Literatur verschiebt. Wer klassische Mafia-Hierarchien sucht, findet hier weniger davon; wer ein großes Kinoepos über Erinnerung und Kriminalität sucht, landet bei einem der stilvollsten Genrebeiträge überhaupt.
- Sergio Leones letzter Regiefilm
- Erzählt über mehrere Jahrzehnte statt nur über einen Machtkampf
- Ennio Morricones Score gehört zu den berühmtesten des Genres
- Jahr
- 1984
- Regie
- Sergio Leone
- Entscheidende Kennzahl
- Außergewöhnliche epische Spannweite und melancholische Erzählform
- Besonderheit
- 229-minütige Langfassung gilt heute als die maßgebliche Version des Films
- Quelle
- Britannica – Once Upon a Time in America
Scarface
Rang: 5 Kultfilm
Brian De Palmas Scarface ist vielleicht der exzessivste Film der Top 10. Tony Montana verkörpert den Gangster als maßlosen Aufsteiger, der Einwanderungsbiografie, Drogengeld, Größenwahn und Selbstzerstörung in einer Figur bündelt. Der Film verlegt den Stoff aus dem klassischen Gangster-Milieu in das Kokain-Miami der 1980er – und genau das macht ihn so prägend. Aus dem Prohibitionskriminellen wird ein Drogenunternehmer, aus dem düsteren Schwarzweiß-Gangsterfilm ein grelles, blutiges Kapitalismusmärchen.
Bei Erscheinen war Scarface wegen seiner Gewalt und Sprache stark umstritten; langfristig wurde er jedoch zu einem der einflussreichsten Popkultur-Gangsterfilme überhaupt. Al Pacinos Darstellung ist größer, lauter und bewusster überzeichnet als die Performances in Der Pate oder Goodfellas. Das kostet etwas an realistischer Tiefe, liefert aber maximale Wiedererkennbarkeit. Gerade in Rap, Streetwear und Gaming wurde Tony Montana zu einer der langlebigsten Gangsterikonen des 20. Jahrhunderts. Platz 5 passt deshalb gut: weniger perfekt als die Top 4, aber kulturell kaum zu übersehen.
- Al Pacinos Tony Montana ist eine der bekanntesten Gangsterfiguren des Kinos
- Verlegte den Gangsterfilm ins Drogen- und Exzessmilieu der 1980er
- Vom umstrittenen Film zum Popkultur-Dauerbrenner
- Jahr
- 1983
- Regie
- Brian De Palma
- Entscheidende Kennzahl
- Außergewöhnliche Popkultur-Nachwirkung und ikonische Hauptfigur
- Besonderheit
- Lose Neuinterpretation des gleichnamigen Gangsterklassikers von 1932
- Quelle
- AFI Catalog – Scarface (1983)
Casino
Rang: 6 Las-Vegas-Chronik
Casino ist in vieler Hinsicht der große Nachfolger von Goodfellas, aber mit einem anderen Fokus. Wo Goodfellas den Alltag eines Mob-Mitläufers zeigt, beschreibt Casino die Mafia als Unternehmen. Es geht um Sportwetten, Geldwäsche, Hotelimperien, Kontrolle über Casinos und den Versuch, aus illegaler Macht eine glänzende Fassade zu bauen. Sam „Ace“ Rothstein und Nicky Santoro stehen dabei für zwei Pole desselben Systems: geschäftliche Rationalität und rohe Gewalt.
Der Film basiert lose auf realen Figuren aus dem Las-Vegas-Milieu und erzählt damit auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte der Stadt. Scorsese zeigt, wie die Mafia in Nevada Strukturen aufbaute und wie diese Ordnung in Gier, Drogen und Machtkämpfen zerfiel. Sharon Stone erhielt für ihre Rolle als Ginger eine Oscar-Nominierung, Joe Pesci spielt erneut eine furchteinflößende, unberechenbare Figur. Für die Top 5 reicht es knapp nicht, weil Casino erzählerisch stärker auf Bekanntes aus Goodfellas aufbaut. Als opulente Anatomie von Geld und Untergang ist er aber einer der reichsten Gangsterfilme überhaupt.
- Basierend auf realen Las-Vegas-Mobstrukturen
- Verbindet Gangsterfilm mit Glücksspiel- und Wirtschaftsgeschichte
- Sharon Stone erhielt eine Oscar-Nominierung
- Jahr
- 1995
- Regie
- Martin Scorsese
- Entscheidende Kennzahl
- Hohe Detailtiefe in der Darstellung von Mafia, Geld und Machtapparat
- Besonderheit
- Mit rund 178 Minuten einer der ausuferndsten Scorsese-Gangsterfilme
- Quelle
- Oscars – Academy Awards 1996
The Departed – Unter Feinden
Rang: 7 Oscar-Sieger
The Departed modernisiert das Gangstergenre, indem der Film weniger auf klassische Mafiafamilien und mehr auf Infiltration, Verrat und institutionelle Korruption setzt. Die irische Gangsterwelt von Boston ist hier eng mit Polizei und Staat verflochten. Zwei Maulwürfe – einer im Mob, einer bei der Polizei – machen den Film zu einem Paranoia-Thriller, der trotzdem fest im Gangstermilieu verankert bleibt. Gerade diese Doppelkonstruktion gibt dem Film ein anderes Tempo als den älteren Mafiaepen.
Martin Scorsese gewann für The Departed endlich den Regie-Oscar, der Film selbst erhielt vier Oscars, darunter Bester Film. Das ist ein starkes Argument für die Top 10, auch wenn Puristen den Film eher als Crime-Thriller denn als klassischen Mafiafilm lesen. Für die Platzierung ist entscheidend, dass der Film das Genre in die 2000er transportiert hat: weniger Ritual, mehr Misstrauen; weniger patriarchale Familie, mehr Netzwerk aus Informanten und Gegenspionage. Im Vergleich zu Casino ist The Departed weniger episch, aber dafür dichter und unmittelbarer.
- Gewann 4 Oscars, darunter Bester Film
- Scorseses erster Regie-Oscar
- Verbindet Gangsterfilm und Undercover-Thriller besonders effektiv
- Jahr
- 2006
- Regie
- Martin Scorsese
- Entscheidende Kennzahl
- Starke Modernisierung des Genres bei gleichzeitig hoher Oscar-Anerkennung
- Besonderheit
- US-Remake des Hongkong-Films Infernal Affairs, aber klar im amerikanischen Gangstermilieu verankert
- Quelle
- Oscars – Academy Awards 2007
Scarface – Narbengesicht
Rang: 8 Urklassiker
Der Scarface von 1932 ist einer der wichtigsten Urtexte des Gangsterkinos. Der Film orientiert sich deutlich an Al Capone und gehört zu jenen frühen Werken, die den Gangster als modernen, brutalen Aufsteiger ins Zentrum rückten. Schon hier sind viele spätere Genremuster vorhanden: der schnelle Aufstieg, die sexuelle Aggression, die Faszination für Luxus und die Unfähigkeit, Macht zu begrenzen. Dass der Film in der Pre-Code-Ära entstand, macht ihn zusätzlich interessant, weil er in seiner Härte und Ambivalenz freier agieren konnte als viele spätere Studiofilme.
Warum nur Rang 8? Weil das Werk historisch enorm wichtig, für heutige Zuschauer aber naturgemäß distanzierter ist als die großen Mafiaepen ab den 1970ern. Trotzdem wäre eine Liste der besten Gangsterfilme ohne diesen Titel unvollständig. Brian De Palmas Version von 1983 funktioniert gerade deshalb so gut, weil sie Motive dieses Films in ein neues Zeitalter übersetzt. Als Grundstein des klassischen Gangsterkinos und frühe Blaupause für den Aufstiegs- und Fall-Mythos gehört Scarface von 1932 klar in die Top 10.
- Stark von Al Capone und der Chicagoer Unterwelt inspiriert
- Wichtiger Pre-Code-Gangsterfilm der frühen Tonfilmzeit
- Vorlage für Brian De Palmas spätere Neuinterpretation
- Jahr
- 1932
- Regie
- Howard Hawks, Richard Rosson
- Entscheidende Kennzahl
- Sehr hoher historischer Einfluss auf das frühe Gangsterkino
- Besonderheit
- Frühes Musterbeispiel für den Gangster als antiheldischen Aufsteiger
- Quelle
- AFI Catalog – Scarface (1932)
Road to Perdition
Rang: 9 Visuell stark
Road to Perdition ist kein lauter Mafiafilm, sondern ein elegisches Vater-Sohn-Drama im Gewand eines Gangsterfilms. Sam Mendes erzählt von einem Auftragskiller im Dienst einer irisch-amerikanischen Verbrecherorganisation, der mit seinem Sohn fliehen muss, nachdem die Gewalt der Erwachsenenwelt die Familie erreicht. Die Handlung spielt in den 1930er-Jahren und verbindet klassische Gangsterbilder mit einem fast poetischen Blick auf Verlust, Schweigen und Schuld.
Seine Platzierung erklärt sich aus der besonderen Mischung: Der Film ist stilistisch hervorragend, aber weniger prägend für das Genre als Scarface oder Casino. Dafür punktet er mit einer starken visuellen Handschrift. Conrad L. Hall gewann den Oscar für die Kamera, und Tom Hanks spielt gegen sein damaliges Saubermann-Image einen Mann, der zugleich Täter und fürsorglicher Vater ist. Road to Perdition ist damit weniger ein Film über Mafia-Organisationen als über die familiären Schäden, die aus diesem Milieu entstehen – und genau das macht ihn zu einem wertvollen, etwas leiseren Top-10-Kandidaten.
- Oscar-prämierte Kamera von Conrad L. Hall
- Verbindet Gangsterfilm mit Roadmovie und Familiendrama
- Tom Hanks in einer ungewöhnlich düsteren Rolle
- Jahr
- 2002
- Regie
- Sam Mendes
- Entscheidende Kennzahl
- Hohe filmische Qualität und ungewöhnliche Perspektive auf Gewalt und Familie
- Besonderheit
- Basierend auf einer Graphic Novel von Max Allan Collins und Richard Piers Rayner
- Quelle
- Oscars – Academy Awards 2003
A Bronx Tale
Rang: 10 Coming-of-Age
A Bronx Tale ist kleiner als die meisten Filme in dieser Liste, aber gerade deshalb so interessant. Robert De Niro erzählt keinen großen Mafia-Krieg, sondern die Geschichte eines Jungen im Bronx-Milieu der 1960er, der zwischen dem ehrlichen Vater und dem charismatischen Gangster Sonny aufwächst. Das macht den Film zu einem Gangsterfilm über Verführung: Nicht die Gewalt selbst steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, warum kriminelle Macht für Jugendliche überhaupt attraktiv wirkt.
Der Film basiert auf Chazz Palminteris autobiografisch geprägtem Bühnenstück und besitzt eine bemerkenswerte Intimität. Im Vergleich zu den epischen Mafiafilmen fehlt ihm die historische Wucht, dafür ist er in der Milieubeobachtung sehr präzise. Themen wie Rassismus, Loyalität, Männlichkeitsbilder und Nachbarschaftskultur bekommen mehr Raum als in vielen spektakuläreren Genrevertretern. Platz 10 ist deshalb kein Trostpreis, sondern eine bewusste Entscheidung für einen Film, der zeigt, wie tief das Gangstergenre in Familien- und Sozialgeschichten hineinreichen kann.
- Regiedebüt von Robert De Niro
- Basierend auf einem erfolgreichen Bühnenstück von Chazz Palminteri
- Zeigt das Gangstermilieu aus der Perspektive eines Jugendlichen
- Jahr
- 1993
- Regie
- Robert De Niro
- Entscheidende Kennzahl
- Hohe Milieugenauigkeit und starke Verbindung von Coming-of-Age und Gangsterfilm
- Besonderheit
- Weniger Mafiaepos als Sozialstudie über Vorbilder, Herkunft und Verführung
- Quelle
- Britannica – A Bronx Tale
FAQ: Die besten Gangster-Filme
Was ist der beste Gangsterfilm aller Zeiten?
In diesem Ranking liegt Der Pate auf Platz 1, weil der Film Mafia, Familiengeschichte und Machtpolitik so prägend verbunden hat wie kein anderer Genrebeitrag.
Warum ist Goodfellas nicht auf Platz 1?
Goodfellas ist rasanter und moderner als Der Pate, erreicht aber nicht ganz dessen epische Wucht und übergreifende Genreprägung. Deshalb landet er knapp auf Rang 2.
Zählt The Departed wirklich als Gangsterfilm?
Ja. Obwohl der Film stark als Undercover-Thriller funktioniert, ist das organisierte Verbrechen in Boston zentral für Handlung, Figuren und Machtstruktur. Deshalb gehört er ins Genre.
Warum fehlen Filme wie Heat oder Carlito’s Way?
Heat ist eher ein Heist- und Cop-Thriller, Carlito’s Way war ein enger Kandidat für die Top 10. Im Gesamtvergleich hatten die hier gelisteten Filme aber den größeren Einfluss auf das Gangster-Genre.
Welcher Gangsterfilm ist am besten für Einsteiger?
Für Einsteiger eignen sich vor allem Der Pate, Goodfellas und The Departed. Sie decken drei wichtige Formen des Genres ab: Mafiaepos, realistischer Mob-Film und moderner Undercover-Gangsterthriller.







