55s nachgedacht
Schon eine einzige Weide kann im zeitigen Frühjahr mehr bewirken als ein ganzes Beet spät blühender Zierpflanzen. Für Bienen zählt nicht nur, wie auffällig eine Blüte aussieht. Entscheidend sind erreichbarer Nektar, eiweißreicher Pollen, die Blühdauer und vor allem der Zeitpunkt. Besonders wertvoll sind Pflanzen, die Nahrungslücken zwischen Winterende und Herbst schließen.
Dieses Ranking bewertet zehn besonders bienenfreundliche Pflanzen für Gärten und Balkone in Deutschland. Berücksichtigt wurden ihr Angebot an Nektar und Pollen, die Zahl der profitierenden Bienenarten, die Länge und Lage der Blütezeit, Standorttoleranz, Pflegeaufwand und zusätzlicher ökologischer Nutzen. Heimische Arten wurden bevorzugt, wenn sie neben Honigbienen auch spezialisierten Wildbienen, Raupen oder Vögeln helfen. Gefüllte Sorten mit schwer zugänglichen oder sterilen Blüten wurden ausgeschlossen. Ebenso wenig reicht es, nur Sommerblumen zu pflanzen: Ein funktionierender Bienengarten benötigt ein durchgehendes Blütenangebot vom Februar bis in den späten Herbst. Datenstand ist Juli 2026.
So wurde gewertet
Die Gesamtwertung basiert zu 30 Prozent auf dem Nektar- und Pollenangebot, zu 25 Prozent auf der Bedeutung der Blütezeit, zu 20 Prozent auf dem Nutzen für unterschiedliche Wild- und Honigbienen, zu 15 Prozent auf Blühdauer und Blütenmenge sowie zu 10 Prozent auf Gartentauglichkeit. Pflanzen mit früher oder sehr später Blüte erhielten einen Bonus, weil in diesen Perioden besonders wenige Alternativen vorhanden sind. Heimische Arten wurden zusätzlich für ihren Nutzen als Raupenfutter, Niststruktur oder Vogelnahrung berücksichtigt. Bewertet wird jeweils die ungefüllte Wildform oder eine offen blühende Sorte.
Übersicht
| Rang | Pflanze | Blütezeit | Nahrung | Standort | Wuchshöhe | Geeignet für | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Salweide | März bis April | Sehr viel Pollen und Nektar | Sonne bis Halbschatten | Bis etwa 10 m | Garten, Hecke, großer Kübel nur als Jungpflanze | Extrem wichtige Frühtracht |
| 2 | Efeu | September bis Oktober, teils November | Reichlich Nektar und Pollen | Sonne bis Schatten | Kletternd bis über 10 m | Mauer, Zaun, alter Baum, Bodendecker | Eine der letzten großen Nahrungsquellen |
| 3 | Kornelkirsche | Februar bis April | Früher Pollen und Nektar | Sonne bis Halbschatten | 3 bis 7 m | Hecke, Einzelstrauch, Naturgarten | Blüht vor dem Laubaustrieb |
| 4 | Phacelia | Juni bis Oktober, abhängig von Aussaat | Sehr nektarreich, guter Pollen | Sonnig | 40 bis 80 cm | Beet, Acker, Hochbeet, Gründüngung | Blühzeit durch gestaffelte Aussaat steuerbar |
| 5 | Echter Lavendel | Juni bis August | Vor allem Nektar | Sonnig und trocken | 30 bis 70 cm | Beet, Kübel, Kiesgarten, Balkon | Trockenheitsverträglicher Insektenmagnet |
| 6 | Gewöhnlicher Dost | Juli bis September | Nektar und Pollen | Sonnig, trocken bis frisch | 30 bis 80 cm | Kräuterbeet, Naturgarten, Kübel | Heimisches Küchenkraut |
| 7 | Borretsch | Mai bis September | Kontinuierlicher Nektar und Pollen | Sonnig | 50 bis 80 cm | Gemüsebeet, Kräuterbeet, Kübel | Samt sich leicht selbst aus |
| 8 | Geflecktes Lungenkraut | März bis Mai | Früher Nektar und Pollen | Halbschattig, frisch | 20 bis 40 cm | Gehölzrand, Schattenbeet, Bodendecker | Wertvolle Nahrung im Halbschatten |
| 9 | Ungefüllte Sonnenblume | Juli bis Oktober | Viel Pollen und Nektar | Sonnig | Je nach Sorte 40 cm bis über 3 m | Beet, Acker, großer Kübel | Samen ernähren später Vögel |
| 10 | Herbstaster | August bis Oktober | Später Nektar und Pollen | Sonnig | 30 bis 150 cm | Staudenbeet, Kübel, Bauerngarten | Schließt die spätsommerliche Trachtlücke |
Ein bienenfreundlicher Garten braucht Vielfalt statt einer einzigen Rekordpflanze: Salweide und Kornelkirsche versorgen frühe Wildbienen, Lavendel und Dost decken den Sommer ab, Efeu und Herbstastern verlängern das Angebot bis in den Herbst. Kombiniert werden sollten unterschiedliche Blütenformen, damit kurz- und langrüsselige Arten passende Nahrung finden.
Salweide: unverzichtbare Starthilfe für das Bienenjahr
Rang: 1 Frühtracht-Sieger
Die Salweide gewinnt das Ranking, weil sie zu einem Zeitpunkt große Mengen Pollen und Nektar bereitstellt, an dem viele überwinterte Bienenköniginnen und früh fliegende Wildbienen dringend Energie benötigen. Ihre flauschigen Kätzchen erscheinen meist im März und April, oft noch bevor die Blätter austreiben. Während Blumenwiesen zu dieser Zeit kaum Nahrung bieten, kann eine blühende Weide von zahlreichen Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlingen besucht werden.
Weiden sind zweihäusig. Ein Exemplar trägt entweder männliche oder weibliche Blüten. Männliche Kätzchen liefern besonders viel Pollen, weibliche vor allem Nektar. Für einen Garten mit ausreichend Platz ist es daher sinnvoll, mehrere Weiden oder unterschiedliche Geschlechter in der Umgebung zu haben. Die ökologische Bedeutung geht weit über die Blüte hinaus: Blätter und Holz dienen vielen Insektenarten als Nahrung oder Lebensraum, alte Kopfweiden entwickeln wertvolle Höhlen. Der erste Platz entsteht vor allem durch die saisonale Schlüsselrolle. Phacelia oder Lavendel können im Sommer zwar länger blühen, ersetzen aber keine Nahrungsquelle im März. Wer wenig Platz hat, kann kompakter wachsende Weidenarten verwenden und regelmäßig fachgerecht schneiden. Die beliebten Palmkätzchen sollten während der Blüte nicht in großen Mengen abgeschnitten werden, weil dadurch genau die dringend benötigte Nahrung verloren geht.
- Weidenkätzchen liefern bereits mehrere Wochen vor vielen Wiesenblumen Nahrung.
- Männliche Pflanzen bieten vor allem Pollen, weibliche stärker Nektar.
- Zahlreiche spezialisierte Wildbienen sammeln bevorzugt oder ausschließlich an Weiden.
- Alte Weiden schaffen durch Höhlen und Totholz zusätzliche Lebensräume.
- Botanischer Name
- Salix caprea
- Blütezeit
- Meist März bis April
- Wuchshöhe
- Als Baum oder Großstrauch häufig 5 bis 10 m
- Standort
- Sonnig bis halbschattig; anpassungsfähiger als viele andere Weiden
- Ökologischer Schwerpunkt
- Sehr frühes Angebot an energiereichem Nektar und eiweißreichem Pollen
- Pflegehinweis
- Ausreichend Raum einplanen und blühende Zweige nicht unnötig entfernen
- Quelle
- NABU Bremen
Efeu: die lebenswichtige Tankstelle des Spätherbstes
Rang: 2 Spättracht
Efeu erreicht Rang zwei, weil seine unscheinbaren gelbgrünen Blüten erst im September und Oktober erscheinen. In milden Jahren reicht die Blüte bis in den November. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Sommerstauden bereits verblüht. Honigbienen, Hummeln, Wildbienen, Schwebfliegen und Wespen finden am Efeu deshalb eine der letzten großen Quellen für Nektar und Pollen.
Die Pflanze zeigt dabei zwei deutlich unterschiedliche Lebensphasen. Junge, kriechende oder kletternde Triebe besitzen die bekannten gelappten Blätter und bilden noch keine Blüten. Erst ältere, ausreichend belichtete Triebe entwickeln ungelappte Blätter und kugelige Blütenstände. Wer Efeu jährlich radikal zurückschneidet, verhindert daher möglicherweise genau die ökologisch wertvolle Altersform. Nach der Blüte reifen dunkle Beeren, die im Winter von Vögeln gefressen werden. Als immergrüne Kletterpflanze bietet Efeu außerdem ganzjährig Schutz und Verstecke. Rang eins verpasst er nur, weil die Salweide für zahlreiche früh aktive und spezialisierte Bienenarten noch unersetzlicher ist. Für kleine Gärten ist Efeu dagegen oft einfacher unterzubringen: Er nutzt Fassaden, Zäune und schattige Ecken, benötigt aber eine tragfähige Unterlage. An intaktem Mauerwerk verursacht er nicht automatisch Schäden; Risse und lockerer Putz sollten dennoch vorher saniert werden.
- Efeu blüht erst im erwachsenen Entwicklungsstadium.
- Die Blüten erscheinen, wenn viele andere Nektar- und Pollenquellen fehlen.
- Späte Beeren sind eine wichtige Winternahrung für verschiedene Vogelarten.
- Immergrünes Laub bietet Insekten und Vögeln Schutz.
- Botanischer Name
- Hedera helix
- Blütezeit
- September bis Oktober, in milden Lagen teils bis November
- Wuchshöhe
- Kletternd häufig 10 m und mehr
- Standort
- Sonne bis Schatten; Blütenbildung an ausreichend belichteten älteren Trieben
- Ökologischer Schwerpunkt
- Sehr spätes Nektar- und Pollenangebot
- Pflegehinweis
- Blühfähige Alttriebe erhalten und Rückschnitt erst nach der Blüte planen
- Quelle
- Royal Horticultural Society
Kornelkirsche: gelbe Blüten vor dem Frühlingserwachen
Rang: 3 heimischer Frühblüher
Die Kornelkirsche belegt Rang drei. Ihre kleinen gelben Blüten öffnen sich je nach Region und Witterung bereits im Februar und erscheinen stets vor dem Laub. Dadurch sind sie leicht sichtbar und für früh fliegende Bestäuber gut zugänglich. Hummelköniginnen, Mauerbienen und Honigbienen nutzen den Strauch, wenn im übrigen Garten oft nur wenige Krokusse oder Schneeglöckchen blühen.
Anders als viele exotische Ziersträucher verbindet die Kornelkirsche ihr frühes Blütenangebot mit einem hohen Nutzen im weiteren Jahresverlauf. Im Spätsommer reifen rote, längliche Früchte. Sie sind botanisch keine echten Kirschen, können aber zu Saft, Konfitüre oder Kompott verarbeitet werden. Auch Vögel und andere Tiere fressen die Früchte. Der robuste Großstrauch verträgt Schnitt, Hitze und zeitweise Trockenheit vergleichsweise gut und kann als frei wachsende Hecke, Solitär oder kleiner Baum erzogen werden. Im Ranking bleibt er hinter der Salweide, weil diese ein noch größeres Pollenvolumen und eine besondere Bedeutung für spezialisierte Wildbienen besitzt. Gegenüber Efeu verliert die Kornelkirsche durch ihre kürzere Blüte. Ihr Vorteil ist die einfache Integration in naturnahe Hecken. Mehrere Pflanzen ergeben während der Blüte eine auffällige gelbe Nahrungsinsel, ohne den Pflegeaufwand empfindlicher Ziergehölze zu verursachen.
- Die Blüten erscheinen vor den Blättern und sind dadurch weithin sichtbar.
- Kornelkirschen liefern Pollen und Nektar zu Beginn des Bienenjahres.
- Die roten Früchte sind essbar und gleichzeitig wertvolle Tiernahrung.
- Der heimische Strauch eignet sich für geschnittene und frei wachsende Hecken.
- Botanischer Name
- Cornus mas
- Blütezeit
- Je nach Witterung Februar bis April
- Wuchshöhe
- Meist 3 bis 7 m
- Standort
- Sonnig bis halbschattig; wärmeliebend und robust
- Ökologischer Schwerpunkt
- Frühe Nahrung plus spätere Früchte für Vögel und Säugetiere
- Pflegehinweis
- Möglichst außerhalb der Blüte schneiden und frei wachsende Partien erhalten
- Quelle
- NABU Baden-Württemberg
Phacelia: der Bienenfreund mit steuerbarer Blütezeit
Rang: 4 Nektarspender
Phacelia trägt den deutschen Namen „Bienenfreund“ nicht ohne Grund. Die einjährige Pflanze entwickelt zahlreiche blauviolette Blüten, die von Honigbienen, Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen intensiv besucht werden. Besonders wertvoll ist ihre flexibel planbare Blüte: Von der Aussaat bis zum Blühbeginn vergehen meist nur wenige Wochen. Wird zwischen Frühjahr und Hochsommer mehrfach ausgesät, können neue Blütenbestände bis in den Herbst hinein entstehen.
Ursprünglich stammt Phacelia tanacetifolia aus Nordamerika. In Europa wird sie als Gründüngung, Zwischenfrucht und Bestandteil von Blühmischungen angebaut. Ihre Wurzeln lockern den Oberboden, während die oberirdische Masse nach dem Einarbeiten organisches Material liefert. Da sie mit den meisten mitteleuropäischen Gemüsearten nicht eng verwandt ist, lässt sie sich gut in Fruchtfolgen integrieren. Rang drei verpasst Phacelia, weil sie nicht heimisch ist und für spezialisierte Wildbienen weniger Bedeutung besitzt als Salweide oder Kornelkirsche. Dafür produziert sie in kurzer Zeit enorme Blütenmengen und eignet sich selbst für vorübergehend freie Beete. Wichtig ist die richtige Aussaatmenge: Zu dichte Bestände bleiben schwächer und können schneller umfallen. Wer eine Selbstaussaat vermeiden möchte, schneidet die Pflanzen nach der Blüte, aber vor der Samenreife zurück.
- Gestaffelte Aussaaten verlängern das Blütenangebot bis in den Herbst.
- Phacelia wird gleichzeitig als Bienenweide und Gründüngung genutzt.
- Die Pflanze wächst schnell und bedeckt offene Böden.
- Sie ist nicht winterhart, kann sich aber bei Samenreife selbst aussäen.
- Botanischer Name
- Phacelia tanacetifolia
- Blütezeit
- Abhängig vom Saattermin etwa Juni bis Oktober
- Wuchshöhe
- Meist 40 bis 80 cm
- Standort
- Sonnig; auf vielen Gartenböden anbaubar
- Ökologischer Schwerpunkt
- Große Mengen leicht erreichbaren Nektars über eine steuerbare Blühperiode
- Pflegehinweis
- Für eine lange Saison in mehreren zeitlich versetzten Sätzen aussäen
- Quelle
- Mein schöner Garten
Echter Lavendel: Bienenmagnet für trockene Sommer
Rang: 5 trockenheitsverträglich
Echter Lavendel erreicht Rang fünf, weil seine zahlreichen Lippenblüten über Wochen hinweg Nektar anbieten und selbst auf trockenen, nährstoffarmen Standorten zuverlässig blühen können. Im Hochsommer summt ein größerer Lavendelbestand oft ununterbrochen. Honigbienen, verschiedene Hummelarten und andere Bestäuber besuchen die violetten Blütenstände besonders intensiv.
Die Pflanze stammt aus dem Mittelmeerraum und ist an Sonne, Hitze und durchlässige Böden angepasst. Das silbrig behaarte Laub reduziert die Verdunstung, ätherische Öle erzeugen den charakteristischen Duft. Diese Eigenschaften machen Lavendel angesichts trockenerer Sommer zu einer interessanten Gartenpflanze. Allerdings ist nicht jede Art gleich winterhart. Lavandula angustifolia und robuste Hybriden überstehen mitteleuropäische Winter meist besser als Schopflavendel. Staunässe ist gefährlicher als kurzfristige Trockenheit. Im Ranking bleibt Lavendel hinter Phacelia, weil seine Blütezeit weniger flexibel steuerbar ist und er in schweren, feuchten Böden schnell ausfällt. Dafür ist er mehrjährig und auch für Balkonkästen oder große Töpfe geeignet. Ein Rückschnitt direkt nach der Hauptblüte kann einen zweiten, schwächeren Flor fördern. Dabei sollte niemals tief in völlig verholztes, blattloses Holz geschnitten werden, weil die Pflanze daraus häufig schlecht wieder austreibt.
- Lavendelblüten werden besonders häufig von Honigbienen und Hummeln besucht.
- Silbriges Laub und ätherische Öle sind Anpassungen an trockene, sonnige Standorte.
- Echter Lavendel ist winterhärter als viele mediterrane Zierlavendelarten.
- Ein maßvoller Rückschnitt fördert kompakten Wuchs und kann eine Nachblüte anregen.
- Botanischer Name
- Lavandula angustifolia
- Blütezeit
- Meist Juni bis August
- Wuchshöhe
- Etwa 30 bis 70 cm
- Standort
- Vollsonnig, warm und sehr gut drainiert
- Ökologischer Schwerpunkt
- Langes sommerliches Nektarangebot auf trockenen Flächen
- Pflegehinweis
- Staunässe vermeiden und regelmäßig, aber nicht bis ins alte Holz schneiden
- Quelle
- Royal Horticultural Society
Gewöhnlicher Dost: heimisches Küchenkraut voller Blüten
Rang: 6 heimische Staude
Der Gewöhnliche Dost, meist als Wilder Majoran oder Oregano bezeichnet, belegt Rang sechs. Seine kleinen rosafarbenen bis violetten Einzelblüten stehen in dichten Blütenständen zusammen und bieten vielen Insekten eine leicht erreichbare Nahrungsfläche. Bienen können auf einem Blütenstand mehrere Blüten hintereinander besuchen, ohne jedes Mal weit fliegen zu müssen. Von Juli bis September gehört ein blühender Dost deshalb zu den auffälligsten Insektenmagneten sonniger Naturgärten.
Anders als der mediterrane Eindruck des Namens vermuten lässt, ist Origanum vulgare in Deutschland heimisch. Die mehrjährige Pflanze wächst an sonnigen Wegrändern, auf Trockenrasen und an warmen Gebüschsäumen. Sie verträgt magere Böden besser als stark gedüngte, feuchte Flächen. Im Garten verbindet Dost drei Funktionen: Seine Blätter dienen als Gewürz, die Blüten ernähren Bestäuber, und die trockenen Stängel können im Winter Schutz für Insekten bieten. Gegenüber Lavendel kommt er mit etwas mehr Bodenfeuchtigkeit zurecht, bleibt aber hinter ihm, weil die dichten Lavendelbestände häufig eine größere sommerliche Massentracht bilden. Ökologisch besitzt der heimische Dost dafür eine stärkere regionale Einbindung. Wer ihn nach der Blüte nicht vollständig zurückschneidet, lässt Samenstände und hohle Stängel bis zum Frühjahr stehen.
- Dost ist eine heimische Wildstaude und zugleich ein aromatisches Küchenkraut.
- Dichte Blütenstände ermöglichen kurze Wege zwischen vielen Einzelblüten.
- Die Pflanze gedeiht besonders gut auf sonnigen, eher mageren Böden.
- Stehen gelassene Stängel schaffen über Winter zusätzliche Struktur.
- Botanischer Name
- Origanum vulgare
- Blütezeit
- Meist Juli bis September
- Wuchshöhe
- Etwa 30 bis 80 cm
- Standort
- Sonnig, warm und durchlässig
- Ökologischer Schwerpunkt
- Sommernahrung für Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge
- Pflegehinweis
- Nicht überdüngen und trockene Stängel möglichst bis zum Frühjahr erhalten
- Quelle
- Royal Horticultural Society
Borretsch: stetig nachwachsende Sternblüten
Rang: 7 Selbstaussäer
Borretsch belegt Rang sieben. Die einjährige Pflanze produziert über viele Wochen sternförmige blaue Blüten, an denen regelmäßig neuer Nektar bereitsteht. Während eine einzelne Blüte nur begrenzte Zeit geöffnet bleibt, entstehen fortlaufend neue Knospen. Dadurch kann ein Bestand vom späten Frühjahr bis in den September Nahrung liefern.
Die Pflanze gehört wie Lungenkraut und Natternkopf zu den Raublattgewächsen. Ihre Stängel und Blätter sind deutlich behaart, während die Blüten einen überraschend klaren Blauton besitzen. Borretsch wurde vermutlich aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa gebracht und ist seit Jahrhunderten als Küchen- und Heilpflanze bekannt. Die Blüten werden gelegentlich zur Dekoration von Salaten und Getränken verwendet. Für einen Bienengarten ist jedoch vor allem die unkomplizierte Kultur interessant. Borretsch wächst schnell, benötigt wenig Pflege und sät sich auf offenen Bodenstellen häufig selbst aus. Gegenüber Dost auf Rang sechs ist er weniger dauerhaft, kann aber Lücken im Gemüse- oder Kräuterbeet rasch schließen. Wegen seiner kräftigen Ausbreitung sollten überzählige Sämlinge früh entfernt werden. Die Pflanze enthält Pyrrolizidinalkaloide; als Lebensmittel sollte sie deshalb nicht in großen Mengen oder dauerhaft verzehrt werden.
- Die auffälligen Blüten werden von zahlreichen bestäubenden Insekten besucht.
- Borretsch ist einjährig, erscheint durch Selbstaussaat aber häufig jedes Jahr erneut.
- Die Blätter besitzen einen gurkenähnlichen Geruch.
- Die Pflanze eignet sich als blühender Lückenfüller zwischen Gemüsearten.
- Botanischer Name
- Borago officinalis
- Blütezeit
- Meist Mai bis September
- Wuchshöhe
- Etwa 50 bis 80 cm
- Standort
- Sonnig; normaler, nicht dauerhaft nasser Gartenboden
- Ökologischer Schwerpunkt
- Fortlaufend neu gebildete Sommerblüten
- Pflegehinweis
- Einige Pflanzen aussamen lassen, überzählige Sämlinge rechtzeitig entfernen
- Quelle
- Royal Horticultural Society
Geflecktes Lungenkraut: Frühjahrsnahrung im Halbschatten
Rang: 8 Schatten-Spezialist
Geflecktes Lungenkraut erreicht Rang acht, weil es eine Standortlücke schließt, in der viele klassische Bienenpflanzen versagen. Unter laubabwerfenden Bäumen und Sträuchern erhält die Staude im zeitigen Frühjahr ausreichend Licht. Dort öffnet sie zwischen März und Mai rosafarbene Blüten, die sich später violett bis blau färben. Besonders langrüsselige Hummeln und verschiedene Wildbienen erreichen den Nektar in den röhrenförmigen Blüten.
Der Farbwechsel ist kein bloßer Ziereffekt. Er hängt mit Veränderungen des Zellsafts nach der Bestäubung zusammen und kann Insekten Hinweise auf den Zustand einer Blüte geben. Die Pflanze bleibt niedrig und breitet sich an geeigneten Standorten langsam zu einem Bodendecker aus. Ihre silbrig gefleckten Blätter schmücken das Beet noch lange nach dem Ende der Blüte. Gegenüber Borretsch und Dost bietet Lungenkraut weniger Blütenmasse, erhält aber einen hohen Platz wegen seiner frühen Blüte und Schattenverträglichkeit. Es ergänzt Salweide und Kornelkirsche auf Bodenhöhe. In sonnigen, trockenen Beeten leidet die Waldpflanze dagegen schnell. Optimal sind humose, frische bis feuchte Böden ohne Staunässe. Wird das Laub von Schnecken oder Trockenheit beschädigt, kann ein Rückschnitt nach der Blüte einen frischen Austrieb fördern.
- Lungenkraut blüht bereits, bevor viele Laubbäume ihr vollständiges Blätterdach bilden.
- Die Blüten wechseln häufig von Rosa zu Violett oder Blau.
- Die Staude ist eine wertvolle Wildbienenpflanze für halbschattige Gartenbereiche.
- Das gefleckte Laub bleibt nach der Blüte dekorativ.
- Botanischer Name
- Pulmonaria officinalis
- Blütezeit
- März bis Mai
- Wuchshöhe
- Etwa 20 bis 40 cm
- Standort
- Halbschattig, humos, frisch bis feucht
- Ökologischer Schwerpunkt
- Frühe Nahrung an schattigeren Standorten
- Pflegehinweis
- Vor Sommertrockenheit schützen und nicht in staunassen Boden setzen
- Quelle
- Mein schöner Garten
Ungefüllte Sonnenblume: große Blütenscheibe mit Hunderten Einzelblüten
Rang: 9 Doppelnutzen
Die ungefüllte Sonnenblume belegt Rang neun. Was wie eine einzelne riesige Blüte aussieht, ist tatsächlich ein Korb aus Hunderten kleinen Röhrenblüten. Sie öffnen sich schrittweise vom Rand zur Mitte. Dadurch steht ein Blütenkopf über längere Zeit als Nektar- und Pollenquelle zur Verfügung. Honigbienen, Hummeln und verschiedene Wildbienen können denselben Kopf nacheinander nutzen.
Sonnenblumen stammen ursprünglich aus Nordamerika und wurden dort bereits lange vor ihrer Einführung nach Europa als Kulturpflanzen genutzt. Heute existieren Sorten von weniger als einem halben Meter Höhe bis zu mehr als drei Metern. Für Bienen sind ungefüllte, pollenbildende Sorten besonders wertvoll. Manche moderne Schnittblumensorten wurden dagegen auf Pollenarmut oder Pollenfreiheit gezüchtet, damit sie in Innenräumen weniger Flecken verursachen. Solche Pflanzen erfüllen ihren dekorativen Zweck, bieten Bestäubern aber weniger. Im Ranking bleibt die Sonnenblume hinter Lungenkraut, weil sie erst im Sommer blüht, wenn das Nahrungsangebot meist größer ist. Dafür besitzt sie einen wichtigen Zusatznutzen: Werden die Samenstände im Herbst stehen gelassen, fressen Finken und andere Vögel die ölreichen Kerne. Mehrere zeitversetzte Aussaaten können die Blüte bis in den Oktober verlängern.
- Ein Sonnenblumenkorb besteht aus zahlreichen einzelnen Röhrenblüten.
- Die Einzelblüten öffnen sich ringförmig über mehrere Tage.
- Pollenfreie Schnittsorten sind für Bienen weniger wertvoll.
- Reife Samenstände liefern Vögeln im Herbst und Winter Nahrung.
- Botanischer Name
- Helianthus annuus
- Blütezeit
- Je nach Aussaat Juli bis Oktober
- Wuchshöhe
- Je nach Sorte etwa 40 cm bis über 3 m
- Standort
- Vollsonnig, warm und ausreichend nährstoffreich
- Ökologischer Schwerpunkt
- Sommerliche Pollen- und Nektarquelle plus Vogelfutter
- Pflegehinweis
- Ungefüllte, pollenbildende Sorten wählen und Samenstände stehen lassen
- Quelle
- Royal Horticultural Society
Herbstaster: Blütenreserve für das Saisonfinale
Rang: 10 Spätblüher
Herbstastern schließen die Top 10 ab. Ihre Bedeutung liegt weniger in einem außergewöhnlichen Einzelwert als im Blühzeitpunkt. Viele Sorten öffnen ihre körbchenförmigen Blüten erst ab August und halten bis in den Oktober durch. In dieser Phase nimmt die Zahl blühender Stauden bereits deutlich ab, während Honigbienen Wintervorräte ergänzen und spät aktive Wildbienen weiterhin Nahrung suchen.
Unter dem Namen Herbstaster werden heute mehrere Arten und Hybriden geführt, vor allem aus der Gattung Symphyotrichum. Sie unterscheiden sich stark in Höhe, Wuchsform, Krankheitsanfälligkeit und Blühbeginn. Niedrige Kissenaster-Sorten eignen sich für Beetränder und große Kübel, hohe Glattblatt- oder Raublattastern bilden ausgedehnte Horste. Entscheidend sind ungefüllte oder nur schwach gefüllte Sorten, bei denen die gelben Röhrenblüten in der Mitte gut erreichbar bleiben. Stark gefüllte Formen können zwar spektakulär aussehen, bieten aber oft weniger Nahrung. Rang neun verpasst die Herbstaster, weil Efeu die späte Trachtlücke meist noch konsequenter und mit größerer Blütenmasse schließt. Als farbenreiche Staude ist sie jedoch leichter in kleine Gärten zu integrieren. Eine Teilung älterer Horste erhält die Blühfreude und verhindert, dass die Pflanzen von innen verkahlen.
- Herbstastern blühen, wenn viele Sommerstauden bereits verblüht sind.
- Ungefüllte Sorten bieten leichter erreichbaren Nektar und Pollen.
- Die Gattung umfasst niedrige Kissenformen und hohe Beetstauden.
- Späte Blüten werden häufig von Honigbienen, Hummeln und Schwebfliegen besucht.
- Botanische Gruppe
- Vor allem Symphyotrichum-Arten und -Hybriden
- Blütezeit
- Je nach Sorte August bis Oktober
- Wuchshöhe
- Etwa 30 bis 150 cm
- Standort
- Sonnig, nährstoffreich und je nach Art frisch bis mäßig trocken
- Ökologischer Schwerpunkt
- Spätes Pollen- und Nektarangebot am Ende der Gartensaison
- Pflegehinweis
- Offene Sorten wählen und ältere Horste regelmäßig teilen
- Quelle
- Royal Horticultural Society
Warum Blütezeit wichtiger sein kann als Blütengröße
Eine Pflanze mit riesigen Blüten ist nicht automatisch besonders bienenfreundlich. Viele stark gezüchtete Zierformen besitzen zusätzliche Blütenblätter, aber kaum zugängliche Staubgefäße oder Nektarien. Für Bienen kann eine kleine, offene Wildblüte wertvoller sein als eine gefüllte Dahlie oder Rose. Entscheidend ist, ob Nahrung vorhanden und mit dem jeweiligen Rüssel erreichbar ist.
Ebenso wichtig ist der Kalender. Zwischen Februar und April benötigen überwinterte Hummelköniginnen und frühe Wildbienen sofort Nahrung. Im Spätsommer und Herbst entstehen erneut Engpässe. Ein Garten, der ausschließlich im Juni blüht, kann in diesem Monat stark besucht sein und trotzdem über das ganze Jahr betrachtet wenig helfen. Idealerweise überschneiden sich die Blütezeiten mehrerer Arten.
Honigbienen und Wildbienen haben unterschiedliche Ansprüche
Honigbienen leben in großen, vom Menschen gehaltenen Staaten und können ergiebige Blütenbestände über mehrere Kilometer Entfernung nutzen. Viele Wildbienen leben dagegen allein und besitzen wesentlich kleinere Aktionsradien. Einige Arten sammeln Pollen nur an bestimmten Pflanzengattungen. Die Weiden-Sandbiene ist beispielsweise eng an Weiden gebunden.
Ein bienenfreundlicher Garten sollte deshalb nicht ausschließlich auf Honigertrag oder besonders nektarreiche Kulturpflanzen ausgerichtet sein. Heimische Wildpflanzen, offene Bodenstellen, markhaltige Stängel, Totholz und kleine Wasserstellen ergänzen das Blütenangebot. Auch der Verzicht auf Insektizide ist entscheidend. Pflanzenschutzmittel sollten niemals auf geöffnete Blüten gelangen.
Gefüllte Blüten erkennen und vermeiden
Bei gefüllten Sorten wurden Staubblätter durch Züchtung teilweise in zusätzliche Blütenblätter umgewandelt. Die Blüte wirkt dadurch größer, dichter und dekorativer, produziert aber oft weniger Pollen. Zugleich versperren die vielen Blütenblätter den Zugang zum Nektar. Besonders bei Rosen, Dahlien, Chrysanthemen und Pfingstrosen lohnt ein genauer Blick.
Offene Blüten zeigen eine gut sichtbare Mitte mit Staubgefäßen. Dort lassen sich häufig schon beim Kauf Bienen oder Schwebfliegen beobachten. Nicht jede Zuchtsorte ist wertlos: Einfach blühende, pollenbildende Sorten können ausgezeichnete Insektenpflanzen sein. Entscheidend ist die Blütenstruktur und nicht allein die Herkunft.
Ein Blühkalender für den bienenfreundlichen Garten
Eine einfache Kombination beginnt im Februar mit Kornelkirsche, Krokussen und Schneeheide. Im März folgen Salweide und Lungenkraut. Obstgehölze, Wildrosen und Kräuter überbrücken das Frühjahr. Lavendel, Dost, Borretsch, Phacelia und Sonnenblumen bilden den Schwerpunkt des Sommers. Herbstastern, Fetthenne und Efeu verlängern das Angebot bis Oktober oder November.
Wer nur einen Balkon besitzt, kann das Prinzip im Kleinformat umsetzen. Früh blühende Zwiebelpflanzen, Lavendel, Dost, Glockenblumen, Borretsch und niedrige Herbstastern wachsen auch in Gefäßen. Wichtig sind ausreichend große Töpfe, Abflusslöcher und der Verzicht auf torfreiche Einweg-Bepflanzungen. Weitere Ranglisten zu Pflanzen, Tieren und natürlichen Lebensräumen finden sich in der Kategorie Natur.
Häufige Fragen zu bienenfreundlichen Pflanzen
Welche Pflanze ist am bienenfreundlichsten?
Die Salweide steht in diesem Ranking an erster Stelle. Sie liefert bereits im zeitigen Frühjahr große Mengen Pollen und Nektar und ist für zahlreiche frühe sowie spezialisierte Wildbienen besonders wichtig.
Welche bienenfreundlichen Pflanzen eignen sich für den Balkon?
Lavendel, Dost, Borretsch, niedrige Sonnenblumen, Glockenblumen und kompakte Herbstastern wachsen gut in ausreichend großen Gefäßen. Mehrere Arten mit unterschiedlichen Blütezeiten sind wertvoller als eine einzige Sorte.
Warum sind gefüllte Blüten häufig schlecht für Bienen?
Bei gefüllten Sorten wurden Staubblätter teilweise zu zusätzlichen Blütenblättern umgezüchtet. Dadurch entsteht weniger Pollen, und der Zugang zum Nektar kann versperrt sein.
Welche Pflanze hilft Bienen im Herbst?
Efeu ist eine der wichtigsten späten Nahrungsquellen. Ergänzend bieten Herbstastern und Fetthenne im Spätsommer und Herbst Pollen und Nektar.
Sind nicht heimische Pflanzen grundsätzlich schlecht für Bienen?
Nein. Lavendel und Phacelia können viel Nektar liefern. Heimische Pflanzen besitzen jedoch häufig zusätzlichen Nutzen für spezialisierte Wildbienen, Raupen und andere Tiere. Eine Mischung aus geeigneten heimischen und nicht invasiven Gartenpflanzen ist sinnvoll.







