Die 10 dümmsten Verbrecher aller Zeiten

Die 10 dümmsten Verbrecher aller Zeiten

Was passiert, wenn ein Bankräuber Zitronensaft für eine Tarnkappe hält? Oder wenn Einbrecher die Bank vorher anrufen, damit das Geld bei ihrer Ankunft schon bereitliegt? Einige reale Kriminalfälle wirken so unwahrscheinlich, dass sie wie erfundene Filmkomödien klingen. Doch hinter den zehn Fällen dieser Liste stehen Polizeiberichte, Gerichtsverfahren, Behördenangaben oder etablierte Nachrichtenquellen.

Die „10 dümmsten Verbrecher aller Zeiten“ sind zwangsläufig ein augenzwinkerndes Ranking: Intelligenz lässt sich aus einer Straftat weder seriös messen noch diagnostizieren. Gewertet wird deshalb ausschließlich die nachweisbare Fehlentscheidung im jeweiligen Fall. Kriterien sind Selbstidentifikation am Tatort, vermeidbare Spuren, Fehlplanung, Widerspruch zwischen Plan und Realität, unmittelbarer Beitrag des Fehlers zur Festnahme sowie die außergewöhnliche Bekanntheit des Falls. Besonders hoch rangieren Fälle, in denen der Täter den Ermittlern praktisch selbst die entscheidende Information lieferte. Moderne Internetlegenden ohne belastbare Quelle wurden ausgeschlossen. Datenstand: September 2026. Weitere ungewöhnliche Geschichten finden sich in der Kategorie Gesellschaft.

So wurde gewertet

Das Ranking bewertet nicht die Intelligenz einer Person, sondern die dokumentierte Fehlentscheidung während oder nach einer Straftat. Der Redaktionsscore umfasst maximal 100 Punkte: Absurdität des Fehlers (30 Prozent), Bedeutung des eigenen Fehlers für Identifizierung oder Festnahme (30 Prozent), Vermeidbarkeit (20 Prozent), internationale Bekanntheit beziehungsweise außergewöhnliche Geschichte (10 Prozent) und dokumentarische Belegbarkeit (10 Prozent). Bevorzugt wurden abgeschlossene Fälle mit Geständnis, Verurteilung oder eindeutig dokumentierter Festnahme. Bei ursprünglichen Polizeiberichten wird zwischen Tatvorwurf und später nachgewiesener Schuld unterschieden. Gewalttaten werden nicht verharmlost; humoristisch ist ausschließlich die Fehlplanung der Täter gemeint.

Übersicht

  1. McArthur Wheeler – Tarnung mit Zitronensaft
  2. Albert Bailey – der angekündigte Bankraub
  3. Peter Addison – Name am Tatort
  4. Le Artis Johnson – Adresse auf dem Überfallzettel
  5. Christopher Wallace – Snapchat aus dem Versteck
  6. Trevor Jones – Facebook beim Einbruch
  7. Derrick Mosley – Baseballschläger im Waffenladen
  8. Dennis Hawkins – Clownhose und Farbbombe
  9. Kasey Kazee – der Duct-Tape-Bandit
  10. Jason Englen – der „Spelling Bee Bandit“
Rang Name Jahr Ort Delikt Entscheidender Fehler Folge
1 McArthur Wheeler 1995 Pittsburgh, USA Bankraub Zitronensaft sollte Gesicht vor Kameras verbergen Überwachungskamera zeigte ihn deutlich
2 Albert Bailey 2010 Fairfield, USA Bankraub Bank etwa 10 Minuten vorher angerufen Polizei wurde vorgewarnt
3 Peter Addison 2007 Adlington, England Einbruch Eigenen Namen an die Wand geschrieben Schnell identifiziert
4 Le Artis Johnson 1988 Buena Park, USA Bankraub Einzahlungsschein mit Name und Adresse zurückgelassen Noch am selben Tag festgenommen
5 Christopher Wallace 2015 Fairfield, Maine Gesucht wegen Einbruchs Snapchat verriet erst Haus, dann Versteck Im Küchenschrank gefunden
6 Trevor Jones 2011 Gwinnett County, USA Einbruch Auto, Ausweis und Facebook-Spuren Polizei konnte ihn identifizieren
7 Derrick Mosley 2013 Oregon, USA Raub Mit Baseballschläger in Waffenladen Vom Manager festgehalten
8 Dennis Hawkins 2010 Swissvale, USA Bankraub Auffällige Verkleidung plus explodierende Farbbombe Kurz darauf festgenommen
9 Kasey Kazee 2007 Ashland, USA Raub Kopf mit Klebeband umwickelt Am Tatort überwältigt
10 Jason Englen 2016 Massachusetts, USA Vier Banküberfälle Wiederholt nahezu identische, falsch geschriebene Zettel Serienmuster half bei Zuordnung

McArthur Wheeler – der Bankräuber mit der Zitronensaft-Tarnung

Rang: 1 Psychologie-Klassiker

Kein Fall passt besser an die Spitze dieser Liste. McArthur Wheeler beteiligte sich 1995 an Banküberfällen im Raum Pittsburgh – ohne klassische Maske. Stattdessen hatte er sein Gesicht mit Zitronensaft eingerieben. Seine Überlegung beruhte offenbar auf einer erstaunlichen Fehlübertragung: Weil Zitronensaft als unsichtbare Tinte verwendet werden kann, glaubte Wheeler, die Flüssigkeit könne auch sein Gesicht für Überwachungskameras unsichtbar machen. Die Kameras hielten ihn jedoch ganz normal fest. Nachdem Bilder veröffentlicht worden waren, wurde er identifiziert und festgenommen.

Der Fall wäre schon als Kriminalanekdote bemerkenswert. Berühmt wurde er aber durch seine Verbindung zur Psychologie. Die Sozialpsychologen Justin Kruger und David Dunning eröffneten ihre 1999 veröffentlichte Studie über Selbstüberschätzung mit Wheelers Geschichte. Daraus entwickelte sich der heute weithin bekannte Begriff des Dunning-Kruger-Effekts: Menschen mit geringer Kompetenz in einem bestimmten Gebiet können Schwierigkeiten haben, gerade diese mangelnde Kompetenz bei sich selbst zu erkennen. Wichtig ist dabei eine populäre Fehlinterpretation: Der Effekt bedeutet nicht, dass „dumme Menschen immer besonders selbstbewusst“ seien. Er beschreibt wesentlich spezifischer Schwierigkeiten bei der realistischen Selbsteinschätzung. Wheeler landet auf Rang eins, weil seine Fehlannahme nicht nur zur Identifizierung beitrug, sondern sogar Eingang in die psychologische Fachliteratur fand.

  • Der Überfall ereignete sich 1995 im Großraum Pittsburgh.
  • Wheeler glaubte, Zitronensaft könne sein Gesicht für Videokameras unsichtbar machen.
  • Sein Fall wurde zum Ausgangspunkt der berühmten Studie von Kruger und Dunning.
Name
McArthur Wheeler
Jahr
1995
Ort
Pittsburgh, Pennsylvania
Delikt
Bankraub
„Tarnmittel“
Zitronensaft
Fehlannahme
Unsichtbare Tinte wurde fälschlich auf Kameraaufnahmen übertragen
Beweismittel
Aufnahmen der Überwachungskameras
Wissenschaftlicher Bezug
Kruger & Dunning, 1999
Besonderheit
Fall wurde zum berühmten Einstieg in die Forschung zum Dunning-Kruger-Effekt
Quelle
Nature / British Dental Journal

Zurück zur Übersicht


Albert Bailey – der Bankräuber, der seine Ankunft ankündigte

Rang: 2 Vorankündigung

Eine Bank vor einem Überfall anzurufen klingt zunächst wie eine Szene aus einer Parodie. Albert Bailey und ein 16-jähriger Komplize taten im März 2010 in Fairfield im US-Bundesstaat Connecticut genau das. Etwa zehn Minuten vor dem geplanten Überfall erhielt eine Filiale der People’s United Bank einen Anruf. Die Bank sollte Geld bereitlegen. Zugleich wurde damit gedroht, dass es zu einem „Blutbad“ kommen könne, falls die Anweisungen nicht befolgt würden.

Das Problem der Strategie lag auf der Hand: Die Vorwarnung gab den Bankmitarbeitern genau die Zeit, die Polizei einzuschalten. Ein Angestellter blieb nach dem Anruf mit den Beamten in Verbindung und konnte aktuelle Informationen liefern. Der jugendliche Beteiligte betrat tatsächlich die Bank, während Bailey in einem Fahrzeug in der Nähe wartete. Als der Jugendliche zurückkam, griff die Polizei ein. Beide wurden festgenommen. Bailey war zudem bereits wegen eines früheren Bankraubs vorbestraft und auf Bewährung. Später bekannte er sich schuldig und erhielt eine weitere mehrjährige Haftstrafe. Rang zwei entsteht aus dem nahezu perfekten Widerspruch zwischen Ziel und Methode: Die Täter wollten den Überfall offenbar beschleunigen – und verschafften der Polizei stattdessen einen organisatorischen Vorsprung.

  • Die Bank wurde ungefähr zehn Minuten vor dem Überfall telefonisch gewarnt.
  • Bankmitarbeiter verständigten daraufhin unmittelbar die Polizei.
  • Bailey war bereits wegen eines früheren Bankraubs vorbestraft.
Name
Albert Bailey
Alter beim Fall
27 Jahre
Datum
23. März 2010
Ort
Fairfield, Connecticut
Ziel
People’s United Bank
Vorlauf
Telefonanruf etwa 10 Minuten vor dem Überfall
Forderung
Geld sollte vorab bereitgelegt werden
Entscheidender Fehler
Die Bank erhielt Zeit, Polizei zu alarmieren und Täterbeschreibung weiterzugeben
Folge
Festnahme im Umfeld der Bank
Quelle
Stamford Advocate

Zurück zur Übersicht


Peter Addison – „Peter Addison was here!“

Rang: 3 Selbstidentifikation

Fingerabdrücke, DNA, Überwachungskameras: Ermittler besitzen viele Möglichkeiten, einen Einbrecher zu identifizieren. Peter Addison ersparte ihnen 2007 einen Teil dieser Arbeit. Der damals 18-Jährige und sein ebenfalls 18-jähriger Begleiter Mark Ridgeway brachen in ein Gebäude eines Kinder-Camps im englischen Adlington ein. Sie zerstörten Geschirr, versprühten Feuerlöscher und hinterließen Graffiti. Eines davon war kriminalistisch besonders ergiebig: „Peter Addison was here!“

Damit nicht genug, wurde auch noch der Name der Gruppe „The Adlington Massiv!“ hinterlassen. Die Polizei konnte Addison entsprechend schnell ermitteln. Beide jungen Männer bekannten sich vor dem Macclesfield Magistrates‘ Court des Einbruchs schuldig. Addison erhielt eine zwölfmonatige conditional discharge und musste Schadenersatz sowie Kosten zahlen; Ridgeway wurde unter anderem zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Selbst die Polizei kommentierte die außergewöhnliche Spurensicherung ungewöhnlich deutlich: Inspector Gareth Woods ordnete den Fall sinngemäß weit oben in der Rangliste besonders unkluger Straftaten ein. Rang drei ist deshalb gerechtfertigt, weil hier nicht nur ein indirekter Hinweis liegen blieb. Der Täter schrieb seinen tatsächlichen Namen selbst an den Tatort – eine Form der Selbstidentifikation, die Ermittler normalerweise kaum erwarten dürfen.

  • Addison war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt.
  • Er schrieb seinen eigenen Namen an eine Wand des Tatorts.
  • Addison und sein Begleiter bekannten sich anschließend des Einbruchs schuldig.
Name
Peter Addison
Alter
18 Jahre
Jahr
2007
Ort
Adlington, Cheshire, England
Delikt
Einbruch und Sachbeschädigung
Entscheidende Spur
Eigener Name als Graffiti
Zusätzliche Spur
Name der Gruppe „The Adlington Massiv!“
Gericht
Macclesfield Magistrates‘ Court
Ausgang
Schuldbekenntnis; conditional discharge und Schadenersatz für Addison
Quelle
ABC News Australia

Zurück zur Übersicht


Le Artis Johnson – Bankraub mit Name und Adresse

Rang: 4 Eigene Adresse

Am 6. September 1988 betrat ein Mann eine Filiale der Security Pacific Bank in Buena Park, Kalifornien. Er übergab einem Angestellten einen Zettel mit seiner Geldforderung und verließ die Bank mit Bargeld. Bis dahin entsprach der Ablauf einem klassischen Banküberfall. Doch beim Verlassen blieb ein Dokument zurück, das die Ermittlungen erheblich vereinfachte: ein Einzahlungsschein mit Name und Adresse.

Nach Angaben der Polizei gehörten die Daten offenbar dem später festgenommenen Le Artis Johnson. Die Ermittler begannen daraufhin, Motels in Buena Park anzurufen, und fanden einen Mann unter demselben Namen im Sunshine Inn. Johnson wurde noch am Nachmittag festgenommen; auch das gestohlene Geld wurde laut zeitgenössischem Bericht sichergestellt. Besonders bemerkenswert: Johnson war nach Polizeiangaben regulärer Kunde einer anderen Filiale derselben Bank. Der Fall stammt aus einer Zeit lange vor Smartphone-Ortung, sozialen Netzwerken und flächendeckender digitaler Überwachung. Gerade deshalb waren Name und Anschrift auf einem am Tatort zurückgelassenen Dokument ein nahezu ideales Ermittlungsinstrument. Rang vier liegt knapp hinter Addison: Beide Fälle beruhen auf direkter Selbstidentifikation, doch Addison schrieb seinen Namen sogar aktiv an den Tatort, während Johnson offenbar einen bereits ausgefüllten Einzahlungsschein zurückließ.

  • Der Bankraub fand 1988 in Buena Park, Kalifornien, statt.
  • Zurück blieb ein Einzahlungsschein mit Name und Adresse.
  • Der Verdächtige wurde noch am selben Tag in einem Motel festgenommen.
Name
Le Artis Johnson
Alter
35 Jahre
Datum
6. September 1988
Ort
Buena Park, Kalifornien
Ziel
Security Pacific Bank
Entscheidende Spur
Einzahlungsschein mit Name und Anschrift
Festnahme
Am selben Nachmittag
Fundort
Sunshine Inn in Buena Park
Beute
Nach Polizeiangaben wiedergefunden
Quelle
Los Angeles Times

Zurück zur Übersicht


Christopher Wallace – der Flüchtige, der sein Versteck auf Snapchat verriet

Rang: 5 Social-Media-Fail

Soziale Medien haben die Fahndungsarbeit verändert – manchmal ganz ohne komplizierte digitale Forensik. Christopher Wallace wurde 2015 im US-Bundesstaat Maine im Zusammenhang mit einem Einbruch gesucht. Wochenlang konnte ihn die Polizei nicht finden. Dann veröffentlichte der 24-Jährige auf Snapchat die Information, dass er wieder in einem Haus in Fairfield sei. Personen, die den Beitrag sahen, informierten die Behörden. Beamte fuhren zum Haus und begannen mit der Suche.

Wallace hätte nun nur noch still bleiben müssen. Stattdessen folgte die zweite und entscheidende Veröffentlichung: Während die Polizei bereits im Haus suchte, teilte er über Snapchat mit, dass die Beamten ihn nicht gefunden hätten und er sich in einem Schrank verstecke. Wieder informierten Nutzer die Polizei. Die Beamten kontrollierten daraufhin die Küchenschränke und fanden Wallace tatsächlich dort. Der Fall illustriert einen wichtigen Unterschied zwischen klassischen und digitalen Spuren. Ein Fingerabdruck wird oft unabsichtlich hinterlassen; Wallace erzeugte seine entscheidende Spur während der laufenden Fahndung selbst und aktualisierte sie sogar. Rang fünf erhält er, weil der zweite Beitrag nicht nur seine ungefähre Position, sondern die Art seines Verstecks verriet. Aus der Suche wurde damit fast eine Wegbeschreibung.

  • Wallace wurde 2015 im Zusammenhang mit einem Einbruch gesucht.
  • Ein Snapchat-Beitrag verriet zunächst seine Rückkehr in das Haus.
  • Ein zweiter Beitrag verriet während der Polizeisuche sein Versteck in einem Schrank.
Name
Christopher Wallace
Alter
24 Jahre
Jahr
2015
Ort
Fairfield, Maine
Ausgangslage
Wegen eines Einbruchs gesucht
Plattform
Snapchat
Fehler 1
Eigene Anwesenheit im Haus öffentlich gemacht
Fehler 2
Während der Suche verraten, dass er in einem Schrank versteckt war
Folge
Im Küchenschrank entdeckt und festgenommen
Quelle
Portland Press Herald

Zurück zur Übersicht


Trevor Jones – Auto, Ausweis und Facebook als Spurensammlung

Rang: 6 Digitale Spur

Trevor Jones‘ Fall aus Georgia zeigt, wie mehrere kleine Fehlentscheidungen zusammen eine beinahe vollständige Täterakte ergeben können. Nach Angaben der Polizei stellte Jones 2011 sein Fahrzeug in der Einfahrt eines Hauses ab, in das er eingebrochen sein soll – mit laufendem Motor. Als die Bewohnerin zurückkehrte, entdeckte sie das fremde Auto. Darin befand sich ein Portemonnaie mit Identifikationsdokumenten. Sie nahm Schlüssel und Geldbörse an sich und brachte sich in Sicherheit.

Jones floh laut Polizei und gelangte später in ein zweites Haus. Dort fand die Bewohnerin ihren Laptop eingeschaltet vor. Jemand hatte sich bei Facebook angemeldet. Außerdem lag dort eine Digitalkamera, die aus dem ersten Haus stammte. Für die Ermittler fügte sich das Puzzle entsprechend schnell zusammen: Fahrzeug, Portemonnaie und Facebook-Konto führten zur selben Person. Die Polizei erwirkte Haftbefehle wegen Einbruchs und Hausfriedensbruchs; Jones war zu diesem Zeitpunkt außerdem wegen eines früheren Einbruchs auf Bewährung. Der Fall steht auf Rang sechs, weil nicht ein einzelner kurioser Fehler entscheidend war. Es war die Kumulation: eigenes Fahrzeug, eigener Ausweis, digitales Konto und ein Gegenstand aus einem anderen Tatort erzeugten eine außergewöhnlich dichte Beweiskette.

  • Das Fahrzeug blieb mit laufendem Motor an einem Tatort zurück.
  • Im Wagen lag ein Portemonnaie mit Identifikationsdokumenten.
  • In einem zweiten Haus wurde ein Facebook-Konto auf dem Computer benutzt.
Name
Trevor Jones
Alter
34 Jahre
Jahr
2011
Ort
Gwinnett County, Georgia
Vorwurf
Einbruch und Hausfriedensbruch
Physische Spur
Eigenes Fahrzeug und Portemonnaie mit Ausweis
Digitale Spur
Facebook-Anmeldung auf einem Computer im zweiten Haus
Verbindung der Tatorte
Gestohlene Digitalkamera aus dem ersten Haus im zweiten Haus gefunden
Folge
Haftbefehle gegen Jones
Quelle
Gwinnett County Police

Zurück zur Übersicht


Derrick Mosley – mit Baseballschläger in den Waffenladen

Rang: 7 Fehlplanung

Der alte Spruch, man solle kein Messer zu einer Schießerei mitbringen, bekam 2013 in Oregon eine ungewöhnliche Variante. Derrick Mosley betrat nach Angaben des Washington County Sheriff’s Office ein Waffengeschäft mit einem Baseballschläger. Mit dem Schläger zertrümmerte er eine Glasvitrine und nahm eine Handfeuerwaffe heraus. Zusätzlich trug er ein rund neun Zoll langes Messer bei sich.

Die fundamentale Schwäche des Plans war der Ort. Der Manager eines Waffengeschäfts hatte selbst eine Schusswaffe. Er zog seine persönliche Pistole und hielt Mosley in Schach. Dieser ließ die entnommene Waffe, den Baseballschläger und das Messer fallen und legte sich auf den Boden, wo er bis zum Eintreffen der Polizei blieb. Verletzt wurde bei dem Vorfall glücklicherweise niemand. Mosley wurde unter anderem wegen Raubes ersten Grades, Diebstahls und unerlaubten Waffenbesitzes festgenommen; seine Kaution wurde zunächst auf 250.000 Dollar festgesetzt. Im Unterschied zu den Spitzenplätzen verriet Mosley weder seinen Namen noch seinen Aufenthaltsort. Sein Fehler war grundlegender strategischer Natur: Er wählte für einen mit Schlag- und Stichwaffen begonnenen Raub ausgerechnet einen Ort, an dem mit bewaffnetem Personal gerechnet werden musste.

  • Mosley betrat den Laden mit Baseballschläger und Messer.
  • Er zertrümmerte eine Vitrine und nahm daraus eine Handfeuerwaffe.
  • Der bewaffnete Manager hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest.
Name
Derrick Mosley
Alter
22 Jahre
Datum
25. Juli 2013
Ort
Raleigh Hills, Oregon
Ziel
Waffengeschäft
Mitgebracht
Baseballschläger und etwa 9 Zoll langes Messer
Tathandlung
Vitrine eingeschlagen und Handfeuerwaffe entnommen
Festnahme
Vom Manager bis zum Eintreffen der Deputies festgehalten
Anfängliche Kaution
250.000 US-Dollar
Quelle
Washington County Sheriff’s Office

Zurück zur Übersicht


Dennis Hawkins – blonde Perücke, Clownhose und eine Farbbombe

Rang: 8 Auffälligste Flucht

Eine gute Verkleidung soll einen Täter unauffälliger machen. Dennis Hawkins erreichte 2010 in Pennsylvania nahezu das Gegenteil. Nach Angaben der Polizei trug er eine blonde Frauenperücke, künstliche Brüste unter einem Pullover und eine Clownhose. Zuvor soll er in einem Geschäft eine BB-Pistole gestohlen haben, die er anschließend beim Überfall auf eine Bank in Swissvale verwendete.

Nach dem Verlassen der Bank kam der zweite Teil der Pannenserie. Hawkins öffnete das erbeutete Geld und löste dabei eine Farbbombe aus. Roter Farbstoff verteilte sich über ihn und einen Teil der Beute. Anschließend versuchte er, an einer Tankstelle eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen. Schließlich setzte er sich in ein fremdes Auto. Dessen Besitzerin stieg aus, nahm ihre Schlüssel mit und verständigte die Polizei. Als Beamte eintrafen, saß Hawkins noch immer im Fahrzeug – in der auffälligen Kleidung und mit Spuren der roten Farbe. Polizeichef Greg Geppert bezeichnete ihn gegenüber der Presse als seinen Kandidaten für den „dümmsten Verbrecher Amerikas“. Rang acht erhält Hawkins, weil sich gleich mehrere Fehler gegenseitig verstärkten: auffällige Verkleidung, Farbbombe und fehlende funktionierende Fluchtmöglichkeit.

  • Verkleidung mit blonder Perücke, künstlichen Brüsten und Clownhose.
  • Eine Farbbombe explodierte nach dem Bankraub in der Beute.
  • Hawkins wurde kurz darauf in einem fremden Auto an einer Tankstelle gefunden.
Name
Dennis Hawkins
Alter
48 Jahre
Jahr
2010
Ort
Swissvale, Pennsylvania
Delikt
Bankraub
Verkleidung
Blonde Perücke, künstliche Brüste, Clownhose
Waffe
BB-Pistole, laut Polizei zuvor gestohlen
Sicherungssystem
Farbbombe in der Beute
Festnahme
An einer nahe gelegenen Tankstelle
Quelle
Pittsburgh Post-Gazette

Zurück zur Übersicht


Kasey Kazee – der „Duct Tape Bandit“

Rang: 9 Klebeband-Maske

Masken sollen schnell aufzusetzen sein, Bewegungsfreiheit lassen und vor allem die Identität verbergen. Kasey Kazees improvisierte Lösung erfüllte diese Anforderungen nur eingeschränkt: Beim Überfall auf Shamrock Liquors in Ashland, Kentucky, im August 2007 war sein Kopf nach Polizeiangaben weitgehend mit silbernem Klebeband umwickelt. Lediglich Öffnungen für Augen und Mund blieben frei. Die ungewöhnliche Tarnung brachte ihm rasch den Spitznamen „Duct Tape Bandit“ ein.

Der Überfall verlief ebenfalls nicht nach Plan. Kazee bedrohte eine Angestellte und erhielt Geld, doch noch bevor er erfolgreich entkommen konnte, wurde er verfolgt und auf dem Parkplatz überwältigt. Mitarbeiter und ein weiterer Helfer hielten ihn fest, bis die Polizei eintraf. 2008 bekannte sich Kazee schließlich des Raubes zweiten Grades schuldig und wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der Fall ist ein gutes Beispiel dafür, warum dieses Ranking nicht einfach die optisch absurdesten Geschichten nach oben setzt: Die Klebebandmaske war zwar spektakulär, für die Festnahme aber weniger entscheidend als Wheelers Zitronensaft-Irrtum oder Addisons Namens-Graffiti. Deshalb reicht es trotz enormer Bekanntheit „nur“ für Rang neun.

  • Kazees Kopf war bis auf Öffnungen für Augen und Mund mit Klebeband umwickelt.
  • Der Überfall fand im August 2007 in einem Spirituosengeschäft in Kentucky statt.
  • 2008 erhielt er nach einem Schuldbekenntnis zehn Jahre Haft.
Name
Kasey G. Kazee
Alter beim Überfall
24 Jahre
Datum
10. August 2007
Ort
Ashland, Kentucky
Ziel
Shamrock Liquors
Verkleidung
Klebeband um den Kopf
Spitzname
„Duct Tape Bandit“
Festnahme
Nach Überwältigung im Umfeld des Geschäfts
Späteres Urteil
10 Jahre Haft nach Schuldbekenntnis wegen Raubes zweiten Grades
Quelle
WLKY

Zurück zur Übersicht


Jason Englen – der „Spelling Bee Bandit“

Rang: 10 Serienfehler

Ein Rechtschreibfehler allein macht einen Bankräuber natürlich nicht „dumm“. Kriminalistisch interessant wird er aber, wenn dieselbe auffällige Vorgehensweise bei einer ganzen Serie wiederholt wird. Jason S. Englen überfiel im Herbst 2016 vier Banken im Großraum Boston. Beim ersten Überfall in Arlington übergab er einer Angestellten einen auf einen Einzahlungsschein geschriebenen Zettel. Das Wort „robbery“ – Raub – war darauf als „ROBERY“ geschrieben.

In den folgenden Wochen wurden Banken in Reading, Burlington und Peabody auf nahezu identische Weise überfallen. Wegen der wiederkehrenden Vorgehensweise und der Täterbeschreibung verbanden Ermittler die Fälle miteinander. Englen wurde im Dezember 2016 festgenommen, bekannte sich später zu vier Banküberfällen schuldig und erhielt im März 2018 eine Haftstrafe von 84 Monaten sowie drei Jahre überwachte Freilassung. Der Spitzname „Spelling Bee Bandit“ blieb hängen. Rang zehn ist bewusst zurückhaltend gewählt: Die falsche Schreibweise war nicht allein der Grund seiner Festnahme und Rechtschreibfähigkeit ist kein Intelligenztest. Der eigentliche taktische Fehler war vielmehr die wiederholte Verwendung eines charakteristischen Tatmusters, das Ermittlern half, mehrere Überfälle als Serie zu erkennen.

  • Vier Banküberfälle zwischen Oktober und November 2016.
  • Beim ersten dokumentierten Zettel stand „ROBERY“ statt „ROBBERY“.
  • Englen wurde 2018 zu 84 Monaten Bundesgefängnis verurteilt.
Name
Jason S. Englen
Alter bei Verurteilung
34 Jahre
Tatzeitraum
31. Oktober bis 13. November 2016
Region
Großraum Boston, Massachusetts
Anzahl Banküberfälle
4
Auffälligkeit
Wiederkehrende Tatweise mit Forderungszetteln
Berühmter Schreibfehler
„ROBERY“
Schuldbekenntnis
November 2017
Strafe
84 Monate Haft plus 3 Jahre supervised release
Quelle
U.S. Department of Justice

Zurück zur Übersicht


Warum Täter so offensichtliche Fehler machen

Die Fälle wirken im Rückblick oft absurd einfach. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich daraus zuverlässig auf die allgemeine Intelligenz einer Person schließen lässt. Straftäter können unter Zeitdruck handeln, Risiken falsch einschätzen, impulsiv reagieren, unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen oder von einem Plan so überzeugt sein, dass sie offensichtliche Gegenargumente ignorieren. Deshalb bewertet dieses Ranking konkrete Entscheidungen und keine psychologischen Diagnosen.

Besonders interessant ist der Unterschied zwischen Planungsfehler und Spurenfehler. McArthur Wheeler scheiterte schon an einer fundamental falschen Vorstellung davon, wie Kameras funktionieren. Peter Addison und Le Artis Johnson hinterließen dagegen Informationen, die ihre Identifizierung vereinfachten. Christopher Wallace und Trevor Jones zeigen eine modernere Variante: Digitale Kommunikation kann dieselbe Funktion übernehmen wie früher ein liegen gelassener Ausweis.

Der Fall Wheeler ist wissenschaftlich besonders bekannt geworden. Die 1999 veröffentlichte Studie von Justin Kruger und David Dunning untersuchte, warum Menschen ihre Fähigkeiten teilweise falsch einschätzen. Die Forscher zeigten in mehreren Experimenten, dass geringe Kompetenz in bestimmten Aufgaben auch die Fähigkeit beeinträchtigen kann, die eigene Leistung korrekt einzuschätzen. Die populäre Kurzform „Dumme Menschen wissen nicht, dass sie dumm sind“ ist allerdings eine grobe und wissenschaftlich irreführende Vereinfachung.

Vom Fingerabdruck zum Social-Media-Post

Die zehn Fälle überspannen mehrere Jahrzehnte und zeigen nebenbei, wie sich Ermittlungsarbeit verändert hat. 1988 führte bei Le Artis Johnson noch ein physischer Einzahlungsschein mit Namen und Adresse zum entscheidenden Hinweis. Bei Peter Addison war es 2007 eine handgeschriebene Botschaft an der Wand. Nur wenige Jahre später erzeugten Facebook und Snapchat neue Möglichkeiten, sich selbst mit einem Tatort oder Aufenthaltsort zu verbinden.

Digitale Spuren besitzen eine besondere Eigenschaft: Sie können weit über den ursprünglichen Tatort hinaus entstehen. Wer während einer Fahndung seinen Aufenthaltsort veröffentlicht, muss nicht einmal mehr physisch etwas zurücklassen. Bei Christopher Wallace kamen die Hinweise nicht aus komplizierter Überwachungstechnik, sondern von Personen, die seine eigenen Snapchat-Beiträge gesehen hatten und die Polizei informierten.

Auch wiederkehrende Muster sind kriminalistisch wertvoll. Jason Englens Banküberfälle wurden durch ähnliche Abläufe miteinander verbunden. Ermittler suchen bei Serien nicht nur nach Fingerabdrücken oder DNA, sondern nach charakteristischen Vorgehensweisen: Kleidung, Formulierungen, Zielauswahl, Fluchtrouten oder wiederkehrende Verhaltensweisen können verschiedene Taten miteinander verknüpfen.

Nicht jeder spektakuläre Fehler führt sofort zur Festnahme

Ein kurioser Fehler ist nicht automatisch ein Geständnis. Deshalb unterscheidet die Liste zwischen Fällen, in denen die eigene Panne direkt zur Festnahme führte, und solchen, in denen sie nur Teil der Beweiskette war. Trevor Jones etwa wurde durch eine ungewöhnliche Kombination aus Fahrzeug, Ausweisdokumenten, Facebook-Nutzung und einem gestohlenen Gegenstand identifiziert. Beim „Spelling Bee Bandit“ war der Rechtschreibfehler vor allem ein auffälliges Element eines wiederkehrenden Tatmusters.

Umgekehrt kann ein aufwendiger Plan an einem winzigen Detail scheitern. Das ist ein wiederkehrendes Thema in der Kriminalgeschichte: Je komplexer ein Plan, desto mehr mögliche Fehlerquellen entstehen. Fluchtfahrzeuge, Verkleidungen, Kommunikationswege und der Umgang mit der Beute müssen funktionieren. Ein einzelner Zeuge, ein zurückgelassener Gegenstand oder eine digitale Aktivität kann einen ansonsten sorgfältigen Plan entwerten.

Genau deshalb wurden für diese Liste keine bloßen Internetanekdoten übernommen. Geschichten über besonders ungeschickte Kriminelle werden seit Jahrzehnten ausgeschmückt, kopiert und teilweise komplett erfunden. Die hier aufgeführten Fälle lassen sich dagegen auf Nachrichtenberichte, Behördenangaben oder dokumentierte Gerichtsverfahren zurückführen.

Häufige Fragen zu ungewöhnlich ungeschickten Verbrechern

Wer gilt als einer der dümmsten Bankräuber der Geschichte?

McArthur Wheeler ist einer der bekanntesten Fälle. Er glaubte 1995, Zitronensaft auf seinem Gesicht könne ihn für Überwachungskameras unsichtbar machen. Seine Geschichte wurde später sogar im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Arbeit von Justin Kruger und David Dunning bekannt.

Hat ein Bankräuber wirklich vorher bei der Bank angerufen?

Ja. Albert Bailey und ein jugendlicher Komplize kündigten 2010 telefonisch an, dass Geld für einen Banküberfall bereitgelegt werden sollte. Die Bank verständigte daraufhin die Polizei, die beim Eintreffen der Täter bereits informiert war.

Hat ein Einbrecher wirklich seinen eigenen Namen am Tatort hinterlassen?

Ja. Der damals 18-jährige Peter Addison schrieb 2007 nach einem Einbruch in England „Peter Addison was here!“ an eine Wand. Er und sein Begleiter bekannten sich später des Einbruchs schuldig.

Kann Social Media zur Festnahme eines gesuchten Straftäters führen?

Ja. Ein besonders ungewöhnliches Beispiel ist Christopher Wallace. Er verriet 2015 über Snapchat zunächst, dass er sich wieder in einem bestimmten Haus befand, und anschließend während der Polizeisuche sogar, dass er sich in einem Schrank versteckte.

Ist der Dunning-Kruger-Effekt nach einem Bankräuber benannt?

Nein. Der Effekt ist nach den Psychologen Justin Kruger und David Dunning benannt. Die Geschichte des Bankräubers McArthur Wheeler inspirierte jedoch die Fragestellung ihrer bekannten Studie über Kompetenz und Selbsteinschätzung.

Blogverzeichnis Bloggerei.de - Funnyblogs
Top-10-Listen
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.