Mehr als 800 Millionen Menschen leben weltweit höchstens 100 Kilometer von einem potenziell aktiven Vulkan entfernt. Trotzdem ist der gefährlichste Feuerberg nicht automatisch der größte oder explosivste. Für dieses Ranking wurden geologische Gefahr und gesellschaftliches Risiko zusammengeführt: Eruptionsart, mögliche Stärke, Geschwindigkeit gefährlicher Prozesse, Zahl exponierter Menschen, Evakuierbarkeit, historische Katastrophen und Qualität der Überwachung.
Berücksichtigt werden einzelne Vulkane und klar abgrenzbare Calderen, die heute dicht besiedelte Regionen bedrohen. Reine Extremszenarien sehr großer Calderen ohne konkrete kurzfristige Anzeichen wurden nicht bevorzugt. Auch abgelegene, häufig ausbrechende Vulkane fallen zurück, wenn nur wenige Menschen in ihren Gefahrenzonen leben. Die Platzierungen sind daher keine Vorhersage der nächsten Eruption, sondern eine transparente Risikobewertung. Datenstand ist August 2026. Erhöhte Unruhe, Erdbeben oder Bodenhebung bedeuten ausdrücklich nicht, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht.
So wurde gewertet
Bevölkerungsexposition und Evakuierbarkeit zählen zusammen 35 Prozent. Eruptionsstärke, Prozessgeschwindigkeit und Reichweite der Hauptgefahren machen 25 Prozent aus. Historische Aktivität und Katastrophenbilanz fließen mit 20 Prozent ein. Aktuelle Unruhe zählt 10 Prozent, Überwachung, Warnsysteme und Krisenvorsorge weitere 10 Prozent. Bevölkerungsangaben sind Näherungswerte, weil Gefahrenzonen international unterschiedlich definiert werden. Historische VEI-Werte beschreiben die Explosivität einzelner Eruptionen, nicht das gesamte heutige Risiko eines Vulkans.
Übersicht
| Rang | Vulkan | Land / Region | Vulkantyp | Höhe | Letzte Eruption / Aktivitätsphase | Historische Explosivität | Aktueller Status | Exponierte Bevölkerung / Gefahrenzone | Hauptgefahren | Historische Katastrophe | Entscheidende Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Campi Flegrei | Italien, Metropolregion Neapel | Große Caldera | bis 458 m | Letzte Eruption 1538; aktuelle Unruhe seit 2005 | Bis VEI 7 in der geologischen Vergangenheit; 1538 etwa VEI 3 | Gelbe Alarmstufe; anhaltender Bradyseismus | Rote Zone umfasst sieben Gemeinden ganz oder teilweise; mehrere Hunderttausend Menschen | Pyroklastische Ströme, Asche, Erdbeben, Bodenhebung und Gas | Monte-Nuovo-Eruption 1538; starke Bodenbewegungen 1982 bis 1984 | Mögliche neue Schlote können an unterschiedlichen Stellen der Caldera entstehen |
| 2 | Vesuv | Italien, Kampanien | Somma-Stratovulkan | 1.281 m | 1944 | Mehrfach VEI 4 bis 5; Eruption 79 n. Chr. etwa VEI 5 | Grundzustand; intensive Überwachung | Rote Zone mit Gebieten von 25 Gemeinden und rund 670.000 Einwohnern nach Planungsdaten | Pyroklastische Ströme, Lapilli, Asche und Dachlasten | Pompeji und Herculaneum 79 n. Chr.; schwere Eruption 1631 | Explosiver Vulkan unmittelbar in einer dicht besiedelten Millionenregion |
| 3 | Popocatépetl | Mexiko, Zentralmexiko | Stratovulkan | 5.426 m | Andauernde Eruptionsphase seit 2005 | Mehrere plinianische Eruptionen im Holozän | Regelmäßige Explosionen, Gas- und Ascheemissionen | Millionen Menschen in der weiteren Region; kleinere Orte liegen deutlich näher am Krater | Asche, pyroklastische Ströme, Lahare, Explosionen und Flugverkehrsstörungen | Große prähistorische Eruptionen; Evakuierungen seit der Reaktivierung der 1990er-Jahre | Zwischen den Ballungsräumen Mexiko-Stadt, Puebla und Tlaxcala gelegen |
| 4 | Merapi | Indonesien, Zentraljava | Stratovulkan | ca. 2.910 m | Andauernde Eruptionsphase seit Ende 2020 | Eruption 2010 etwa VEI 4 | Level III „Siaga“; anhaltendes Domwachstum | Dicht besiedelte Hänge; Großraum Yogyakarta südlich des Vulkans | Domkollaps, Glutlawinen, pyroklastische Ströme und Lahare | Mehr als 300 Todesopfer bei der Eruption 2010 | Der „Merapi-Typ“ kombiniert Lavadomwachstum mit plötzlich kollabierenden Domteilen |
| 5 | Taal | Philippinen, Luzon | Caldera mit Vulkaninsel | 311 m | Wiederholte kurze Eruptionsereignisse 2024 bis 2026 | Historisch bis etwa VEI 6 | Alarmstufe 1; niedriggradige Unruhe und episodische Explosionen | Zahlreiche Gemeinden rund um den See; etwa 65 km südlich von Manila | Phreatomagmatische Explosionen, Surges, Asche, Gas und ballistische Blöcke | Schwere Eruptionen 1754, 1911 und 1965; große Evakuierung 2020 | Wasser-Magma-Kontakt kann auch bei geringer Gipfelhöhe hoch explosive Prozesse auslösen |
| 6 | Nyiragongo | Demokratische Republik Kongo, Virunga | Stratovulkan | 3.470 m | 2021 | Meist geringe Explosivität, aber extreme Lavaflussgefahr | Aktiver Vulkan mit wiederkehrendem Lavasee | Goma liegt etwa 15 km südlich; dicht besiedelter Grenzraum | Sehr schnelle Lava, Spalteneruptionen, Gase und Erdbeben | Eruptionen 1977, 2002 und 2021; 2021 wurden Tausende Gebäude zerstört | Lava erreichte an steilen Oberhängen geschätzte Geschwindigkeiten bis etwa 100 km/h |
| 7 | Nevado del Ruiz | Kolumbien, Caldas / Tolima | Vereister Stratovulkan | 5.321 m | Andauernde Aktivität mit häufigen Ascheemissionen | Eruption 1985 etwa VEI 3 | Gelbe Alarmstufe; verändertes Aktivitätsniveau | Mehrere Städte und Täler liegen in weitreichenden Lahar-Gefahrenzonen | Lahare, Asche, pyroklastische Ströme und Gletscherschmelze | Armero-Katastrophe 1985 mit rund 23.000 Todesopfern | Bereits kleine Eruptionen können durch Eis- und Schneeschmelze sehr große Lahare erzeugen |
| 8 | Mount Rainier | USA, Bundesstaat Washington | Vereister Stratovulkan | 4.392 m | Letzte magmatische Eruption vor ungefähr 1.000 Jahren | Historisch meist moderate explosive Eruptionen | USGS-Einstufung „Very High Threat“ | Mehr als 90.000 Menschen leben in kartierten Lahar-Gefahrenzonen | Lahare, Flankenkollaps, Asche, Lawinen und pyroklastische Ströme | Mindestens elf große Lahare erreichten in 6.000 Jahren das Umland | Große Gletscherfläche über dicht besiedelten Tälern und wichtiger Infrastruktur |
| 9 | Sakurajima | Japan, Präfektur Kagoshima | Stratovulkan in der Aira-Caldera | 1.117 m | Anhaltende Aktivität; häufige Eruptionen 2026 | Eruption 1914 etwa VEI 4 | JMA-Warnstufe 3: Vulkan nicht betreten | Kagoshima liegt etwa acht Kilometer vom aktiven Gipfelbereich entfernt | Asche, ballistische Blöcke, Explosionen, pyroklastische Ströme und Lava | Taishō-Eruption 1914 mit großen Lavaflüssen und schweren Erdbeben | Eine der höchsten Eruptionsfrequenzen in unmittelbarer Nähe einer Großstadt |
| 10 | Fuji | Japan, Honshū | Stratovulkan | 3.776 m | 1707 bis 1708 | Hōei-Eruption etwa VEI 5 | Ruhiger aktiver Vulkan; umfassende Notfallplanung | Gemeinden in drei Präfekturen; möglicher Ascheniederschlag bis in den Großraum Tokio | Asche, Lava, Schlammströme, ballistische Blöcke und Infrastrukturstörungen | Hōei-Eruption 1707 bis 1708 mit starkem Ascheniederschlag in Edo | Seltene Eruptionen, aber außergewöhnlich großes Verkehrs- und Wirtschaftsrisiko |
Gefahr und Risiko sind nicht identisch: Geologische Gefahr beschreibt mögliche Prozesse und ihre Intensität. Das Risiko steigt zusätzlich durch Bevölkerungsdichte, verwundbare Gebäude, begrenzte Fluchtwege, Armut und kritische Infrastruktur. Deshalb stehen einige kleinere Vulkane vor geologisch größeren oder häufiger ausbrechenden Feuerbergen.
Campi Flegrei: Die urbane Caldera unter Neapel
Rang: 1 urbane Caldera
Die Campi Flegrei erreichen Platz eins, weil eine große aktive Caldera direkt unter einem dicht bebauten Teil der Metropolregion Neapel liegt. Das System besitzt keinen einzelnen zentralen Gipfel. Neue Schlote könnten sich an unterschiedlichen Stellen innerhalb der etwa 12 bis 15 Kilometer breiten Caldera öffnen. Dadurch ist die Gefahrenverteilung schwerer zu planen als beim benachbarten Vesuv. Die rote Zone umfasst Pozzuoli, Bacoli, Monte di Procida und Quarto sowie Teile von Neapel, Marano di Napoli und Giugliano in Campania.
Seit 2005 hebt sich der Boden erneut. Das als Bradyseismus bezeichnete Phänomen wird von Erdbebenschwärmen, Gasfreisetzung und Veränderungen des hydrothermalen Systems begleitet. 2025 wurden unter anderem Beben der Magnituden 4,4 und 4,6 registriert; im Mai 2026 folgte erneut ein Ereignis der Magnitude 4,4. Diese Werte belegen Unruhe, aber keine unmittelbar bevorstehende Eruption. Für Rang eins ist die schwierige Evakuierbarkeit entscheidender als ein Extremszenario. Der Vesuv auf Rang zwei besitzt einen klarer begrenzten Zentralbau, während in den Campi Flegrei sowohl die mögliche Ausbruchsstelle als auch der Verlauf pyroklastischer Ströme variabler sind.
- Die Caldera misst ungefähr 12 bis 15 Kilometer im Durchmesser.
- Die letzte Eruption bildete 1538 innerhalb weniger Tage den Monte Nuovo.
- Die aktuelle Phase der Bodenhebung begann 2005.
- Die vulkanische Alarmstufe steht seit 2012 auf Gelb.
- Die rote Zone umfasst sieben Gemeinden vollständig oder teilweise.
- Vulkanname
- Campi Flegrei, deutsch Phlegräische Felder
- Vulkantyp
- Große, teilweise im Golf von Pozzuoli liegende Caldera
- Lage
- Westlicher Teil der Metropolregion Neapel, Italien
- Ausdehnung
- Ungefähr 12 bis 15 Kilometer Durchmesser
- Höchste Erhebung
- Monte Gauro, etwa 458 Meter
- Letzte Eruption
- Monte Nuovo, 1538; ungefähr VEI 3
- Aktueller Status
- Gelbe Alarmstufe und anhaltender Bradyseismus
- Gefahrenzone
- Rote Zone mit sieben Gemeinden ganz oder teilweise; zusätzliche gelbe Aschezone
- Hauptgefahren
- Pyroklastische Ströme, Asche, lokale Explosionen, Erdbeben, Bodenverformung und Gase
- Besonderheit
- Mögliche neue Eruptionsschlote sind nicht auf einen Gipfelkrater beschränkt
- Quelle
- Dipartimento della Protezione Civile: Bradyseismus in den Campi Flegrei
Vesuv: Explosiver Vulkan in einer Millionenregion
Rang: 2 historisches Katastrophensymbol
Der Vesuv ist der bekannteste gefährliche Vulkan Europas. Seine hohe Platzierung beruht vor allem auf dem außergewöhnlichen Schadenspotenzial in der dicht bebauten Region östlich von Neapel. Bei der plinianischen Eruption des Jahres 79 wurden Pompeji, Herculaneum und weitere römische Siedlungen von Asche, Bims und pyroklastischen Strömen getroffen. Auch 1631 kam es zu einer schweren explosiven Eruption. Der letzte Ausbruch ereignete sich 1944 und erzeugte Lava, Asche und Schäden in umliegenden Orten.
Die rote Planungszone umfasst Gebiete von 25 Gemeinden in den Provinzen Neapel und Salerno. Nach den zugrunde liegenden Planungsdaten leben dort ungefähr 670.000 Menschen. Präventive Evakuierung gilt als einzige wirksame Schutzmaßnahme gegen pyroklastische Ströme. Zusätzlich umfasst die Zone Bereiche, in denen schwere Asche- und Lapillilasten Dächer zum Einsturz bringen könnten. Gegenüber den Campi Flegrei ist der Vesuv räumlich eindeutiger, da ein zentraler Vulkankomplex die Gefahrenverteilung bestimmt. Das vereinfacht Modellierung und Planung etwas, ändert aber nichts an der logistischen Herausforderung, Hunderttausende Menschen rechtzeitig aus einer hochverdichteten Region zu bringen.
- Der Gipfel liegt etwa 1.281 Meter über dem Meeresspiegel.
- Die Eruption von 79 n. Chr. erreichte ungefähr VEI 5.
- Die letzte Eruption fand im März 1944 statt.
- Die rote Zone umfasst Gebiete von 25 Gemeinden.
- Die gelbe Aschezone erstreckt sich über 63 Gemeinden und drei Neapler Stadtbezirke.
- Vulkanname
- Vesuv
- Vulkantyp
- Somma-Stratovulkan mit dem älteren Monte Somma
- Lage
- Kampanien, etwa neun Kilometer östlich von Neapel
- Höhe
- Etwa 1.281 Meter
- Letzte Eruption
- März 1944; ungefähr VEI 3
- Historische Referenz
- Plinianische Eruption 79 n. Chr.; etwa VEI 5
- Rote Zone
- Gebiete von 25 Gemeinden in den Provinzen Neapel und Salerno
- Planungsbevölkerung
- Ungefähr 670.000 Einwohner nach den verwendeten Planungsdaten
- Hauptgefahren
- Pyroklastische Ströme, Asche, Lapilli, Lava und einstürzende Dächer
- Besonderheit
- Eine präventive großräumige Evakuierung ist vor einer explosiven Eruption erforderlich
- Quelle
- Dipartimento della Protezione Civile: Nationaler Vesuv-Notfallplan
Popocatépetl: Daueraktive Bedrohung im Zentrum Mexikos
Rang: 3 daueraktiv
Der Popocatépetl erhebt sich zwischen mehreren großen mexikanischen Ballungsräumen. Mexiko-Stadt liegt ungefähr 70 Kilometer nordwestlich, Puebla deutlich näher östlich des Vulkans. Besonders gefährdet sind kleinere Gemeinden an den unteren Flanken, während Asche auch weit entfernte Städte, Flughäfen und Verkehrsachsen beeinträchtigen kann. Der Gipfel erreicht etwa 5.426 Meter und enthält einen steilwandigen Krater von ungefähr 400 mal 600 Metern.
Die aktuelle Eruptionsphase begann nach Smithsonian-Angaben im Januar 2005. Typisch sind Gas- und Aschewolken, Explosionen, glühende Auswürfe sowie wiederholtes Wachstum und Zerbrechen von Lavadomen. Im Holozän erzeugte Popocatépetl mehrere plinianische Eruptionen mit pyroklastischen Strömen und großen Laharen. Diese geologische Geschichte ist entscheidend für Rang drei: Die heutige Aktivität ist meist moderat, doch das System kann wesentlich größere Ereignisse hervorbringen. Gegenüber dem Vesuv ist der unmittelbare Nahbereich weniger dicht bebaut und die Überwachung seit Jahrzehnten etabliert. Im Vergleich zum Merapi auf Rang vier besitzt Popocatépetl dagegen ein größeres potenzielles Asche- und Lahar-Einflussgebiet.
- Der Gipfel erreicht ungefähr 5.426 Meter.
- Mexiko-Stadt liegt rund 70 Kilometer nordwestlich.
- Der Gipfelkrater misst etwa 400 mal 600 Meter.
- Die gegenwärtige Eruptionsphase begann im Januar 2005.
- Mindestens drei große plinianische Eruptionen ereigneten sich seit der Mitte des Holozäns.
- Vulkanname
- Popocatépetl
- Vulkantyp
- Gletschergeprägter Stratovulkan
- Lage
- Zentralmexiko zwischen den Bundesstaaten México, Puebla und Morelos
- Höhe
- Etwa 5.426 Meter
- Kratergröße
- Ungefähr 400 mal 600 Meter
- Entfernung zu Mexiko-Stadt
- Rund 70 Kilometer südöstlich der Metropole
- Aktuelle Eruptionsphase
- Seit Januar 2005
- Historische Explosivität
- Mehrere plinianische Eruptionen im Holozän
- Hauptgefahren
- Asche, Explosionen, pyroklastische Ströme, Lahare und ballistische Blöcke
- Besonderheit
- Hohe Aktivität in einer Region mit mehreren Millionenstädten und starkem Flugverkehr
- Quelle
- Smithsonian Global Volcanism Program: Popocatépetl
Merapi: Gefährliche Lavadome über Yogyakarta
Rang: 4 hochaktiv
Merapi zählt zu den aktivsten und am engsten überwachten Vulkanen Indonesiens. Er liegt unmittelbar nördlich von Yogyakarta in einer fruchtbaren, dicht besiedelten Kulturlandschaft. Charakteristisch ist der sogenannte Merapi-Eruptionstyp: Zähflüssige Lava sammelt sich als Dom am Gipfel. Werden Teile des Doms instabil, kollabieren sie und erzeugen Glutlawinen sowie pyroklastische Ströme, die mit hoher Geschwindigkeit den Tälern folgen.
Die Eruption von 2010 erreichte ungefähr VEI 4, erzwang großräumige Evakuierungen und forderte mehr als 300 Todesopfer. Ende 2020 begann erneut eine länger anhaltende Eruptionsphase. Die indonesische Vulkanbehörde führte Merapi dabei auf Level III „Siaga“, der zweithöchsten Stufe des vierstufigen Systems. Der Unterschied zu Popocatépetl liegt in der kleineren, aber akuteren Gefahrenzone: Domkollapse können rasch einsetzen und lassen nahe am Berg wenig Reaktionszeit. Zusätzlich verwandelt tropischer Starkregen abgelagerte Asche und Gesteinsbruchstücke in Lahare. Die umfangreiche lokale Erfahrung mit Sperrzonen und Evakuierungen verhindert häufig höhere Opferzahlen, kann das geologische Risiko aber nicht beseitigen.
- Der heutige Gipfel liegt ungefähr 2.910 Meter hoch.
- Die Eruption von 2010 war die stärkste seit mehr als einem Jahrhundert.
- Die aktuelle Eruptionsphase begann Ende 2020.
- Domwachstum und Domkollaps erzeugen die typischen Glutlawinen.
- Regenzeit-Lahare können auch nach einer explosiven Phase Täler gefährden.
- Vulkanname
- Merapi
- Vulkantyp
- Andesitischer Stratovulkan mit aktivem Lavadom
- Lage
- Grenzgebiet von Zentraljava und der Sonderregion Yogyakarta, Indonesien
- Höhe
- Ungefähr 2.910 Meter; durch Eruptionen veränderlich
- Aktuelle Eruptionsphase
- Seit Ende 2020
- Warnstatus
- Level III „Siaga“ in der anhaltenden Aktivitätsphase
- Historische Referenz
- Eruption 2010, ungefähr VEI 4 und mehr als 300 Todesopfer
- Hauptgefahren
- Domkollaps, pyroklastische Ströme, Glutlawinen, Asche und Lahare
- Risikoregion
- Dicht besiedelte Süd- und Südwestflanken nördlich von Yogyakarta
- Besonderheit
- Häufige Eruptionen verbinden sich mit sehr kurzen Reaktionszeiten in den oberen Tälern
- Quelle
- Indonesisches Energieministerium: Aktivität des Merapi
Taal: Explosiver Inselvulkan in einer wassergefüllten Caldera
Rang: 5 phreatomagmatisch
Taal zeigt, warum die Höhe eines Vulkans wenig über seine Gefährlichkeit aussagt. Der aktive Kegel erreicht nur etwa 311 Meter, liegt jedoch auf einer ungefähr fünf Kilometer breiten Vulkaninsel innerhalb des Taal-Sees. Der See füllt eine 15 mal 20 Kilometer große Caldera und bedeckt etwa 267 Quadratkilometer. Treffen aufsteigendes Magma und Wasser aufeinander, können schlagartige phreatomagmatische Explosionen und bodennahe pyroklastische Surges entstehen.
Bei der Eruption im Januar 2020 stieg eine große Aschewolke auf, der Luftverkehr im Großraum Manila wurde erheblich beeinträchtigt und Hunderttausende Menschen verließen zeitweise gefährdete Gebiete. Auch zwischen 2024 und 2026 wurden wiederholt kurze Eruptionsereignisse erfasst. Im Juli 2026 galt Alarmstufe 1, also niedriggradige Unruhe; dennoch wurden einzelne phreatomagmatische Explosionen registriert. Gegenüber Merapi sind große zerstörerische Ereignisse seltener, ihre Prozessvielfalt ist jedoch größer. Surges können Wasserflächen überqueren, während Schwefeldioxid, vulkanischer Smog und plötzliche Dampferuptionen selbst ohne große Magmaförderung gesundheitliche Risiken erzeugen.
- Die Taal-Caldera misst ungefähr 15 mal 20 Kilometer.
- Der Taal-See besitzt eine Fläche von etwa 267 Quadratkilometern.
- Die aktive Vulkaninsel ist ungefähr fünf Kilometer breit.
- Taal liegt rund 65 Kilometer südlich von Manila.
- Die historische Eruption von 1754 zählt zu den größten dokumentierten Ereignissen des Systems.
- Vulkanname
- Taal
- Vulkantyp
- Komplexe Caldera mit Vulkaninsel und mehreren Eruptionszentren
- Lage
- Provinz Batangas auf Luzon, Philippinen
- Höhe
- Etwa 311 Meter
- Calderagröße
- Ungefähr 15 mal 20 Kilometer
- Seefläche
- Etwa 267 Quadratkilometer
- Entfernung zu Manila
- Ungefähr 65 Kilometer südlich
- Aktueller Status
- Alarmstufe 1 mit niedriggradiger Unruhe und episodischen Explosionen
- Hauptgefahren
- Phreatomagmatische Explosionen, pyroklastische Surges, Gas, Asche und Blöcke
- Besonderheit
- Wasser-Magma-Kontakt kann sehr explosive Ereignisse aus einem niedrigen Vulkankomplex erzeugen
- Quelle
- PHIVOLCS: Aktuelle und archivierte Vulkanbulletins
Nyiragongo: Extrem schnelle Lava vor den Toren Gomas
Rang: 6 schnelle Lava
Nyiragongo besitzt ein anderes Risikoprofil als die explosiven Vulkane auf den höheren Plätzen. Seine nephelinitische Lava ist besonders dünnflüssig und kann auf den steilen Flanken außergewöhnlich schnell abfließen. Bei der Eruption von 1977 wurden auf den oberen Hängen Geschwindigkeiten von bis zu ungefähr 100 Kilometern pro Stunde geschätzt. Solche Spitzenwerte gelten nicht für den gesamten Fließweg, verdeutlichen aber die sehr kurze Reaktionszeit.
Die Großstadt Goma liegt etwa 15 Kilometer südlich des Gipfels. 2002 drang Lava in das Stadtgebiet ein. Bei der Eruption von 2021 wurden nach USGS-Angaben 3.629 Wohnhäuser, zwölf Schulen und drei Gesundheitseinrichtungen zerstört; 32 Menschen kamen ums Leben. Hunderttausende flohen zeitweise aus dem Grenzraum. Nyiragongo steht hinter Taal, weil seine Eruptionen meist weniger explosiv sind und kein vergleichbar großes Aschegebiet erzeugen. Lokal ist das Risiko dennoch extrem: Neue Spalten können sich an der Flanke näher an Goma öffnen, Erdbeben beschädigen Gebäude, und Kohlendioxid kann sich als nahezu unsichtbares Gas in Senken sammeln.
- Der Gipfel erreicht ungefähr 3.470 Meter.
- Goma liegt etwa 15 Kilometer südlich des Vulkans.
- Nyiragongo brach seit 1882 mindestens 34-mal aus.
- Der Gipfelkrater ist ungefähr 1,2 Kilometer breit.
- Die Eruption von 2021 zerstörte mehrere Tausend Gebäude.
- Vulkanname
- Nyiragongo
- Vulkantyp
- Steiler Stratovulkan mit wiederkehrendem Lavasee
- Lage
- Virunga-Gebirge, Demokratische Republik Kongo
- Höhe
- Etwa 3.470 Meter
- Entfernung zu Goma
- Ungefähr 15 Kilometer
- Kraterdurchmesser
- Ungefähr 1,2 Kilometer
- Letzte große Eruption
- 22. Mai 2021
- Schäden 2021
- 3.629 Wohnhäuser, zwölf Schulen und drei Gesundheitseinrichtungen zerstört
- Hauptgefahren
- Schnelle Lava, Flankenspalten, Erdbeben und vulkanische Gase
- Besonderheit
- Auf steilen Oberhängen wurden 1977 extreme Lavaflussgeschwindigkeiten geschätzt
- Quelle
- U.S. Geological Survey: Lavaflussgefahren und Nyiragongo 2021
Nevado del Ruiz: Die tödliche Lahar-Gefahr Kolumbiens
Rang: 7 Lahar-Katastrophe
Nevado del Ruiz wurde durch die Katastrophe von Armero zum Symbol unterschätzter Vulkanrisiken. Am 13. November 1985 schmolz eine relativ kleine explosive Eruption Teile der Gipfeleisdecke. Das Schmelzwasser vermischte sich mit Asche und lockerem Gestein. Die entstehenden Lahare folgten den Flusstälern und erreichten die etwa 70 Kilometer entfernte Stadt Armero. Rund 23.000 Menschen starben, obwohl vor der Gefahr grundsätzlich gewarnt worden war.
Der Vulkan ist 5.321 Meter hoch und liegt 28 Kilometer südöstlich von Manizales sowie etwa 140 Kilometer nordwestlich von Bogotá. Seine Entwicklungsgeschichte reicht ungefähr 1,8 Millionen Jahre zurück. Die entscheidende Rangkennzahl ist nicht die Explosivität, sondern die Reichweite der Lahare. Schon eine Eruption um VEI 3 kann durch Schnee- und Eisschmelze katastrophale Schlammströme auslösen. Gegenüber Nyiragongo sind diese Ströme meist langsamer, folgen aber über viele Dutzend Kilometer den Tälern. Mount Rainier besitzt ein ähnliches Gefahrenprofil, doch Nevado del Ruiz ist häufiger aktiv und hat die tödliche Wirkung dieses Szenarios 1985 unmittelbar gezeigt.
- Der Gipfel liegt 5.321 Meter über dem Meeresspiegel.
- Manizales befindet sich rund 28 Kilometer nordwestlich.
- Die vulkanische Entwicklung begann vor etwa 1,8 Millionen Jahren.
- Die Eruption von 1985 erreichte nur ungefähr VEI 3.
- Die Lahare legten bis Armero etwa 70 Kilometer zurück.
- Vulkanname
- Nevado del Ruiz
- Vulkantyp
- Aktiver, teilweise vergletscherter Stratovulkan
- Lage
- Grenzgebiet der kolumbianischen Departamentos Caldas und Tolima
- Höhe
- 5.321 Meter
- Entfernung zu Manizales
- Etwa 28 Kilometer südöstlich der Stadt
- Alter des Systems
- Ungefähr 1,8 Millionen Jahre eruptive Entwicklung
- Historische Katastrophe
- Armero, 13. November 1985, rund 23.000 Todesopfer
- Explosivität 1985
- Ungefähr VEI 3
- Hauptgefahren
- Lahare, Asche, pyroklastische Ströme und Schmelzwasser
- Besonderheit
- Eine mäßige Eruption kann durch Gletscherschmelze weitreichende Lahare erzeugen
- Quelle
- Servicio Geológico Colombiano: Nevado del Ruiz
Mount Rainier: Vereister Vulkan über dem Puget Sound
Rang: 8 sehr hohes Risiko
Mount Rainier ist mit 4.392 Metern der höchste Berg der Kaskadenkette. Sein größtes Risiko entsteht nicht durch häufige Eruptionen, sondern durch Lahare. Der Vulkan trägt 25 größere Gletscher und ausgedehnte Schneefelder. Gleichzeitig ist ein Teil seiner Flanken durch heiße, mineralreiche Flüssigkeiten chemisch verändert und geschwächt. Große Gesteinsmassen könnten deshalb kollabieren und sich mit Eis sowie Wasser zu schnell fließenden Schlammlawinen verbinden.
Mindestens elf große Lahare erreichten in den vergangenen 6.000 Jahren die Puget-Sound-Niederungen. Heute leben mehr als 90.000 Menschen in kartierten Lahar-Gefahrenzonen; dort befinden sich außerdem Autobahnen, Bahnlinien, Brücken, Häfen und Versorgungsleitungen. Der US Geological Survey führt Mount Rainier in der Kategorie „Very High Threat“. Er steht dennoch hinter Nevado del Ruiz, weil seine letzte größere magmatische Aktivität deutlich länger zurückliegt und die USA über ein enges Mess-, Alarm- und Übungsnetz verfügen. Die Gefahr bleibt ungewöhnlich, weil große Flankenkollapse theoretisch auch ohne klassische Eruption ausgelöst werden können.
- Mount Rainier ist 4.392 Meter hoch.
- Der Vulkan trägt 25 benannte größere Gletscher.
- Mehr als 90.000 Menschen leben in Lahar-Gefahrenzonen.
- Mindestens elf große Lahare erreichten in 6.000 Jahren das Umland.
- Der USGS bewertet den Vulkan als „Very High Threat“.
- Vulkanname
- Mount Rainier
- Vulkantyp
- Vereister Stratovulkan
- Lage
- Bundesstaat Washington, USA
- Höhe
- 4.392 Meter
- Gletscher
- 25 benannte größere Gletscher sowie ausgedehnte permanente Schneefelder
- Letzte magmatische Eruption
- Vor ungefähr 1.000 Jahren; zeitliche Angaben sind mit Unsicherheiten behaftet
- USGS-Bedrohungskategorie
- Very High Threat
- Bevölkerung in Lahar-Zonen
- Mehr als 90.000 Menschen
- Hauptgefahren
- Lahare, Flankenkollaps, Asche, Lawinen und pyroklastische Ströme
- Besonderheit
- Hydrothermal geschwächte Flanken können auch ohne große Eruption kollabieren
- Quelle
- U.S. Geological Survey: Lahar-Gefahr am Mount Rainier
Sakurajima: Dauernde Aschegefahr vor Kagoshima
Rang: 9 häufige Explosionen
Sakurajima liegt innerhalb der Aira-Caldera in der Bucht von Kagoshima. Die gleichnamige Großstadt befindet sich nur ungefähr acht Kilometer vom Gipfelbereich entfernt. Der Vulkan war ursprünglich eine Insel. Erst die große Taishō-Eruption von 1914 erzeugte so mächtige Lavaflüsse, dass eine dauerhafte Landverbindung zur Ōsumi-Halbinsel entstand. Die Eruption erreichte ungefähr VEI 4 und wurde von starken Erdbeben begleitet.
Seit 1955 zeigt vor allem der Gipfelbereich von Minamidake anhaltende Aktivität. Im Juli 2026 veröffentlichte das Tokyo Volcanic Ash Advisory Center zahlreiche Aschewarnungen. Die Japan Meteorological Agency führte Sakurajima im August 2026 auf Warnstufe 3: Der Vulkan darf nicht betreten werden. Ballistische Blöcke können in Kraternähe niedergehen, während Asche regelmäßig Kagoshima und den regionalen Verkehr beeinträchtigt. Gegenüber Mount Rainier ist die Aktivität wesentlich häufiger, aber die unmittelbar tödliche Gefahrenzone kleiner. Japans engmaschige Überwachung, robuste Infrastruktur und eingeübte Schutzmaßnahmen reduzieren das Risiko, obwohl eine größere Flankeneruption wie 1914 weiterhin möglich bleibt.
- Sakurajima liegt ungefähr acht Kilometer von Kagoshima entfernt.
- Der höchste Gipfel Kitadake erreicht etwa 1.117 Meter.
- Die Aira-Caldera misst ungefähr 17 mal 23 Kilometer.
- Die Eruption von 1914 verband die frühere Insel mit dem Festland.
- Im August 2026 galt Warnstufe 3.
- Vulkanname
- Sakurajima, Teil des Vulkansystems Aira
- Vulkantyp
- Stratovulkan innerhalb einer großen Caldera
- Lage
- Bucht von Kagoshima, Kyūshū, Japan
- Höhe
- Etwa 1.117 Meter am Kitadake
- Entfernung zu Kagoshima
- Ungefähr acht Kilometer
- Calderagröße
- Etwa 17 mal 23 Kilometer
- Aktivitätsphase
- Anhaltende Gipfelaktivität seit 1955
- Warnstatus
- JMA-Warnstufe 3: Vulkan nicht betreten
- Hauptgefahren
- Asche, ballistische Blöcke, Explosionen, pyroklastische Ströme und Lava
- Besonderheit
- Sehr häufige explosive Aktivität in unmittelbarer Nähe einer Großstadt
- Quelle
- Japan Meteorological Agency: Aktuelle Vulkanwarnungen
Fuji: Seltene Eruption mit enormem Infrastrukturpotenzial
Rang: 10 Infrastrukturrisiko
Der Fuji ist mit 3.776 Metern der höchste Berg Japans und seit der Hōei-Eruption von 1707 bis 1708 nicht mehr ausgebrochen. Damals öffnete sich ein neuer Schlot an der Südostflanke. Die ungefähr als VEI 5 eingestufte Eruption förderte große Mengen Asche und Bims. Selbst im damaligen Edo, dem heutigen Tokio, ging Asche nieder. Die lange Ruhephase bedeutet nicht, dass der Vulkan erloschen ist.
Für Rang zehn ist weniger die aktuelle Aktivität als das mögliche wirtschaftliche Schadensausmaß entscheidend. Asche könnte Straßen blockieren, Bahn- und Flugverkehr unterbrechen, Stromanlagen stören und Wasseraufbereitungssysteme beeinträchtigen. Lava und schneeschmelzbedingte Schlammströme würden vor allem Gemeinden an den Flanken betreffen. Der Mount Fuji Volcanic Disaster Risk Management Council erweiterte 2021 die Gefahrenkarte und überarbeitete 2023 den Evakuierungsplan. Fuji liegt hinter Sakurajima, weil derzeit keine eruptive Phase besteht und seine Ausbrüche wesentlich seltener sind. Bei ungünstiger Windrichtung könnte eine neue Eruption jedoch den Großraum Tokio und damit eines der wichtigsten Wirtschafts- und Verkehrszentren der Welt erheblich beeinträchtigen.
- Fuji ist 3.776 Meter hoch.
- Die letzte Eruption dauerte von Dezember 1707 bis Anfang 1708.
- Die Hōei-Eruption erreichte ungefähr VEI 5.
- Die Gefahrenkarte wurde 2021 erweitert.
- Der gemeinsame Evakuierungsplan wurde 2023 überarbeitet.
- Vulkanname
- Fuji
- Vulkantyp
- Basaltischer bis andesitischer Stratovulkan
- Lage
- Honshū zwischen den Präfekturen Shizuoka und Yamanashi, Japan
- Höhe
- 3.776 Meter
- Letzte Eruption
- Hōei-Eruption, 1707 bis 1708
- Historische Explosivität
- Ungefähr VEI 5
- Letzte Gefahrenkartenrevision
- 2021
- Letzte große Planrevision
- Gemeinsamer Evakuierungsplan 2023
- Hauptgefahren
- Asche, Lava, Schlammströme, ballistische Blöcke und Infrastrukturstörungen
- Besonderheit
- Seltene Eruptionen können den Großraum Tokio und nationale Lieferketten beeinträchtigen
- Quelle
- Cabinet Office Japan: Vorbereitung auf Vulkankatastrophen
Warum häufige Eruptionen nicht automatisch das höchste Risiko bedeuten
Die Anzahl der Eruptionen ist nur ein Teil der Bewertung. Ein häufig aktiver Vulkan kann überwiegend kleine, gut beobachtbare Lavaflüsse erzeugen und relativ wenige Menschen bedrohen. Ein seltener ausbrechendes System kann dagegen hochexplosive Magmen, instabile Flanken oder große Eisflächen besitzen und in einer dicht besiedelten Region liegen.
In der Vulkanologie wird deshalb zwischen geologischer Gefahr und Risiko unterschieden. Die Gefahr beschreibt Wahrscheinlichkeit, Reichweite und Intensität eines Prozesses. Das Risiko berücksichtigt zusätzlich, welche Menschen, Gebäude und Infrastrukturen betroffen wären und wie verwundbar sie sind. Genau deshalb erreichen Campi Flegrei und Vesuv Spitzenplätze, obwohl Merapi und Sakurajima wesentlich häufiger eruptieren.
Was der Vulkanexplosivitätsindex tatsächlich aussagt
Der Vulkanexplosivitätsindex, kurz VEI, ordnet explosive Eruptionen hauptsächlich nach ausgeworfenem Material, Höhe der Eruptionssäule und qualitativer Beschreibung ein. Die Skala reicht von 0 bis 8 und ist logarithmisch aufgebaut. Eine Stufe mehr steht deshalb typischerweise für ungefähr das Zehnfache des ausgeworfenen Materials.
Der VEI erfasst jedoch keine schnellen Lavaflüsse, giftigen Gase oder die genaue Zahl gefährdeter Menschen. Die Nyiragongo-Eruptionen besitzen meist einen niedrigen VEI und sind dennoch lebensbedrohlich. Umgekehrt kann eine große explosive Eruption in einer abgelegenen Region weniger direkte Opfer fordern als eine kleine Eruption über einem Gletscher, die weitreichende Lahare auslöst.
Welche Vulkanprozesse am tödlichsten sind
Pyroklastische Ströme gehören zu den gefährlichsten direkten Eruptionsprozessen. Die heißen Gemische aus Gas, Asche und Gestein bewegen sich schnell und zerstören nahezu alles in ihrer Bahn. Schutz in Gebäuden reicht in den direkt betroffenen Zonen meist nicht aus. Eine rechtzeitige Evakuierung ist deshalb entscheidend.
Lahare können noch größere Entfernungen zurücklegen. Sie folgen Fluss- und Talsystemen und erreichen dadurch Orte, die weit vom Krater entfernt liegen. Asche verursacht häufig weniger unmittelbare Todesfälle, kann aber Dächer einstürzen lassen, Atemwege belasten und Strom-, Wasser- und Verkehrsnetze großräumig stören. Lava ist oft langsamer, zerstört jedoch Gebäude und Infrastruktur dauerhaft.
Warum sich ein Vulkanausbruch nicht exakt vorhersagen lässt
Überwachungsstationen registrieren Erdbeben, Bodenverformung, vulkanische Gase, Temperaturänderungen und Veränderungen von Kraterseen. Mehrere gleichzeitig auftretende Signale können anzeigen, dass Magma oder heiße Flüssigkeiten aufsteigen. Sie liefern aber keine sichere Uhrzeit und meist auch keine exakte Eruptionsgröße.
Unruhe kann über Jahre anhalten, wieder abklingen oder in eine Eruption übergehen. Kleine phreatische Explosionen sind besonders schwer vorherzusagen, weil sie durch überhitztes Wasser entstehen können. Warnstufen beschreiben deshalb Gefährdung und notwendige Vorsorge, nicht die Gewissheit eines unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs.
Wie sich Bewohner und Reisende vorbereiten sollten
Menschen in Vulkanregionen sollten offizielle Gefahrenkarten, Warnstufen und Evakuierungsrouten kennen. Sinnvoll sind Schutzmasken gegen Asche, geschlossene Schutzbrillen, Trinkwasser, Medikamente, ein batteriebetriebenes Radio und ein Plan für Kinder, ältere Personen, Haustiere sowie Menschen ohne eigenes Fahrzeug. Bei Ascheniederschlag sollten Fenster geschlossen und unnötige Fahrten vermieden werden.
Reisende dürfen Sperrzonen auch bei scheinbar ruhigem Wetter nicht betreten. Gase, ballistische Blöcke und phreatische Explosionen können ohne deutlich sichtbare Lava auftreten. Weitere Ranglisten zu Geologie, Naturgefahren und außergewöhnlichen Landschaften finden sich in der Kategorie Natur.
Häufige Fragen zu den gefährlichsten Vulkanen der Welt
Welcher Vulkan ist aktuell der gefährlichste der Welt?
Eine verbindliche weltweite Nummer eins existiert nicht. In dieser Risikobewertung stehen die Campi Flegrei vorn, weil eine große aktive Caldera, anhaltender Bradyseismus, eine variable mögliche Ausbruchsstelle und die dichte Besiedlung der Region Neapel zusammentreffen.
Ist ein Supervulkan automatisch gefährlicher als ein Stratovulkan?
Nein. Sehr große Caldera-Eruptionen hätten globale Folgen, sind aber äußerst selten. Für das heutige Risiko sind realistische Eruptionsszenarien, Zahl der exponierten Menschen, Geschwindigkeit der Prozesse und Evakuierbarkeit entscheidender.
Was bedeutet VEI 5 bei einem Vulkanausbruch?
VEI 5 bezeichnet eine sehr große explosive Eruption mit typischerweise mindestens einem Kubikkilometer ausgeworfenem Material und einer hohen Eruptionssäule. Der Index beschreibt aber nicht automatisch die Opferzahl oder das gesamte Risiko.
Was ist gefährlicher: Lava oder ein pyroklastischer Strom?
Pyroklastische Ströme sind für Menschen meist deutlich gefährlicher, weil sie extrem heiß und schnell sind. Lava bewegt sich häufig langsamer, kann jedoch Häuser, Straßen, Leitungen und landwirtschaftliche Flächen vollständig zerstören.
Warum fehlt Yellowstone in der Rangliste?
Yellowstone besitzt ein außergewöhnlich großes geologisches Potenzial, doch eine Supereruption gilt nicht als realistisches kurzfristiges Szenario. Das Ranking gewichtet heutige Bevölkerungsexposition und plausible kurz- bis mittelfristige Gefahren stärker.







