Diese Pflanzen sind schön und tödlich zugleich. Wir ordnen die 10 giftigsten Pflanzen der Welt nach Gefährlichkeit für den Menschen, Toxizität der Inhaltsstoffe und globaler Verbreitung. Stand: Oktober 2025.
Übersicht
- Rizinus (Ricinus communis)
- Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)
- Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)
- Manchinelbaum (Hippomane mancinella)
- Segenbaum (Cerbera odollam)
- Oleander (Nerium oleander)
- Giftlattich (Lactuca virosa)
- Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum)
- Jequiritybohne (Abrus precatorius)
- Tollkirsche (Atropa belladonna)
Gefährlichkeitsindex der Top-10
| Rizinus | 100 | |
| Roter Fingerhut | 86 | |
| Blauer Eisenhut | 83 | |
| Manchinelbaum | 82 | |
| Segenbaum | 79 | |
| Oleander | 74 | |
| Giftlattich | 57 | |
| Herkulesstaude | 55 | |
| Jequiritybohne | 52 | |
| Tollkirsche | 50 |
Vergleichender Index, keine medizinische Dosistabelle. Die Quellen pro Eintrag stehen unten.
1. Rizinus (Ricinus communis)
Rang: 1
Aus harmlos wirkenden Bohnen wird ein hocheffizientes Zellgift: Ricin inaktiviert Ribosomen und blockiert die Proteinsynthese. Unbehandelt drohen massive Gastroenteritis, Hypotonie und Multiorganversagen. Das Risiko entsteht vor allem durch zerkaute Samen oder kontaminierte Zubereitungen; intakte Samen passieren häufig unauffällig. Rizinusöl ist hingegen nicht giftig, da das wasserlösliche Ricin im Presskuchen verbleibt.
- Giftstoffklasse: Ribosomen-inaktivierendes Protein (RIP)
- Gefahr: oral, inhalativ, parenteral
- Hinweis: Öl ungiftig; Samen und Presskuchen hochtoxisch
- Verbreitung
- Tropen/Subtropen; weltweit als Zier- und Ölpflanze
- Symptome
- Übelkeit, blutige Diarrhö, Hypotonie, Organversagen
- Quelle
- CDC – Ricin Fact Sheet
2. Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)
Rang: 2
Heil- und Giftpflanze zugleich: Herzglykoside aus Digitalis wirken in Mikrodosen therapeutisch, in Überdosierung arrhythmogen bis letal. Alle Pflanzenteile sind riskant, getrocknet ebenfalls. Vergiftungen zeigen gastrointestinale Symptome, Sehstörungen („Gelbsehen“) und komplexe Brady-/Tachyarrhythmien.
- Giftstoffklasse: Digitalis-Glykoside
- Leitsymptome: Übelkeit, Sehstörungen, Rhythmusstörungen
- Besonderheit: Toxisch auch in Trockengestecken
- Kontakt-Risiko
- Hautkontakt i. d. R. unkritisch; Verzehr toxisch
- Haustiere
- gefährlich für Hund und Katze
- Quelle
- RHS – Digitalis purpurea
3. Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)
Rang: 3
Alpen-Schönheit mit Todespotenzial. Aconitin hält Natriumkanäle offen und kann so Kribbeln, Erbrechen, schwere Hypotonie und Kammerarrhythmien bis zum Atemstillstand auslösen. Hautkontakt mit Wurzeln oder Tinkturen kann bereits Beschwerden verursachen; orale Aufnahme ist hochgefährlich.
- Giftstoffklasse: Diterpen-Alkaloide
- Onset: häufig 15–30 Min nach Aufnahme
- Therapie: supportiv, Antiarrhythmika; kein spezifisches Antidot
- Gefahr
- hoch bei Wurzel/Tinkturen
- Fallbelege
- mehrfach tödliche Intoxikationen dokumentiert
- Quelle
- PubMed – Fatal Aconite Poisoning
4. Manchinelbaum (Hippomane mancinella)
Rang: 4
„Baum des Todes“: Latex mit stark reizenden Diterpenen. Regen, der über Blätter läuft, kann Haut und Augen verätzen; Rauch des Holzes reizt Schleimhäute. Früchte erinnern an Äpfel und sind gefährlich.
- Giftstoffklasse: Phorbolester u. a.
- Kontakt: Dermatitis, Blasenbildung, Keratokonjunktivitis
- Inhalation: Rauch stark reizend
- Standorte
- Küsten/Brackwasser, mangrovennahe Bereiche
- Warnhinweis
- rote Markierungen/Schilder an Naturstandorten
- Quelle
- UF/IFAS – Manchineel
5. Segenbaum (Cerbera odollam)
Rang: 5
„Suicide tree“ Südasiens. Samen enthalten Cerberin, ein kardenolides Herzglykosid. Rasch toxische Bradykardien bis Asystolie möglich; Verwechslungen mit essbaren Samen sind dokumentiert.
- Giftstoffklasse: Herzglykoside
- Exposition: v. a. Samen, Öl, Latex
- Therapie: Antiarrhythmika, ggf. Digoxin-Antikörper
- Habitat
- Küsten/Brackwasser Süd- und Südostasien
- Verwechslung
- mit essbaren Samen möglich – hohe Gefahr
- Quelle
- Kew Science – POWO Cerbera odollam
6. Oleander (Nerium oleander)
Rang: 6
Beliebte Zierpflanze, gefährlich bei Verzehr. Cardenolide verursachen Übelkeit, Hyperkaliämie und lebensbedrohliche Rhythmusstörungen. Auch Schnittwasser und Rauch sind problematisch; alle Pflanzenteile sind toxisch.
- Giftstoffklasse: Cardenolide (u. a. Oleandrin)
- Exposition: Blätter, Blüten, Holz, Rauch
- Besonders gefährdet: Kinder, Haustiere, Weidetiere
- Klinik
- Brady/AV-Block, Erbrechen, Sehstörungen
- Fallberichte
- menschliche und tierische Letalität dokumentiert
- Quelle
- NIH/PMC – Oleander Poisoning Review
7. Giftlattich (Lactuca virosa)
Rang: 7
„Wilder Lattich“ mit milchigem Latex. In Selbstmedikation wegen sedierender Effekte missbraucht; Überdosierung führt zu Benommenheit, Halluzinationen, Krämpfen und Atemproblemen. Für eine sichere Selbsttherapie gibt es keine Evidenz.
- Giftstoffklasse: Sesquiterpenlactone (z. B. Lactucin)
- Symptome: Benommenheit, Krämpfe, Atemdepression
- Risiko: v. a. bei Rohpräparaten/Tees
- Verbreitung
- Europa/Westasien; verwildert global
- Hinweis
- keine anerkannte sichere Selbsttherapie
- Quelle
- NIH/PMC – Wild lettuce toxicity
8. Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum)
Rang: 8
Fototoxischer Riesen-Doldenblütler: Furanocumarine im Saft reagieren mit UV-Licht und verursachen tiefe Verbrennungen und Hyperpigmentierungen. Zusätzlich invasive Art mit rechtlichen Auflagen in mehreren Ländern.
- Giftstoffklasse: Furanocumarine
- Exposition: Hautkontakt + Sonne
- Rechtliches (UK): Förderung/Verbreitung verboten
- Schutz
- lange Kleidung, Handschuhe; Waschen binnen 10 Min
- Standorte
- Flussufer, Wegränder, Brachflächen
- Quelle
- RHS – Giant hogweed
9. Jequiritybohne (Abrus precatorius)
Rang: 9
Schwarz-rote Schmuckbohne mit extrem toxischem Protein. Abrin wirkt wie Ricin, teils stärker. Unzerkaut oft harmlos, gekaut lebensgefährlich. Besonders riskant in Schmuck/Spielzeug, wenn Samen aufbrechen.
- Giftstoffklasse: RIP (Abrin)
- Gefahr: Schmuckketten, Spielzeug, Samen
- Symptome: schwere Gastroenteritis, Organversagen
- Verbreitung
- Tropen Alte Welt bis N-Australien; vielfach verwildert
- Sicherheit
- kein Hausmittel – sofort medizinische Hilfe
- Quelle
- CDC – Abrin Fact Sheet
10. Tollkirsche (Atropa belladonna)
Rang: 10
Klassiker der Giftgeschichte. Tropanalkaloide verursachen eine anticholinerge Symptomatik: trockene Haut, Mydriasis, Delir bis Atemlähmung. Die süßen, schwarzen Beeren locken Kinder; bereits wenige können gefährlich sein.
- Giftstoffklasse: Atropin, Scopolamin, Hyoscyamin
- Gefährdet: besonders Kinder und Haustiere
- Therapie-Hinweis: Antidot-Optionen nur ärztlich
- Vorkommen
- Europa/Westasien; stellenweise verwildert
- Erkennung
- schwarze Einzelbeeren, große Kelchzipfel
- Quelle
- National Capital Poison Center – Poisonous Plants

