31.000 Quadratkilometer Eis: Der größte jemals gemeldete Eisberg war größer als Belgien. Als die Besatzung der USS Glacier den gigantischen Tafeleisberg 1956 im Südpolarmeer sichtete, existierten allerdings noch keine Satelliten, mit denen sich seine Fläche präzise bestimmen ließ. Der Rekord beruht deshalb auf einer zeitgenössischen Schätzung. Der größte zuverlässig per Satellit vermessene Eisberg ist B-15, der im März 2000 mit rund 11.000 Quadratkilometern vom Ross-Schelfeis abbrach.
Dieses Ranking der größten Eisberge der Welt sortiert zehn außergewöhnliche Eisriesen nach ihrer größten dokumentierten beziehungsweise rekonstruierten Fläche. Entscheidend ist die Größe des ursprünglichen Eisbergs unmittelbar nach dem Kalben; spätere Teilstücke werden nur dann berücksichtigt, wenn sie als eigenständig dokumentierte Rekordberge eine besondere wissenschaftliche Bedeutung besitzen. Historische Schätzungen werden ausdrücklich von Satellitenmessungen unterschieden. Fast alle Rekordhalter stammen aus der Antarktis und gehören zur Klasse der Tafeleisberge. Neben Fläche, Länge und Breite berücksichtigt der Artikel Entstehung, Drift, Zerfall und Auswirkungen auf Meereis und Ökosysteme. Datenstand: September 2026. Weitere Naturrekorde gibt es in der Kategorie Natur.
So wurde gewertet
Sortiert wird primär nach der maximal dokumentierten Oberfläche in Quadratkilometern. Bei modernen Eisbergen stammen die Werte aus Satellitenbeobachtungen, wissenschaftlichen Publikationen und Angaben von NASA, ESA, British Antarctic Survey sowie weiteren Forschungseinrichtungen. Bei älteren Ereignissen können die Werte aus Länge und Breite rekonstruiert oder geschätzt worden sein. Besonders wichtig ist deshalb Rang 1: Der Eisberg von 1956 ist der größte jemals gemeldete, B-15 dagegen der größte zuverlässig mit Satellitendaten vermessene Eisberg. Flächenwerte verschiedener Quellen können leicht voneinander abweichen, weil Eisberge unregelmäßige Umrisse besitzen, sich laufend verändern und historische Angaben teilweise aus maximaler Länge und Breite berechnet wurden. Bei nahezu unmittelbar zerbrochenen Eisbergen wird die Fläche vor dem Zerfall verwendet, sofern sie wissenschaftlich dokumentiert ist.
Übersicht
| Rang | Eisberg | Max. Fläche | Länge | Breite | Kalbung / Sichtung | Ursprung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Unbenannter Eisberg 1956 | >31.000 km² | ca. 335 km | ca. 97 km | 1956 | Antarktis | Größter jemals gemeldeter Eisberg; Fläche geschätzt |
| 2 | B-15 | ca. 11.000 km² | ca. 295 km | ca. 37–40 km | 2000 | Ross-Schelfeis | Größter zuverlässig per Satellit vermessener Eisberg |
| 3 | A-43 | ca. 9.250 km² | ca. 257 km | ca. 36 km | 2000 | Ronne-Schelfeis | Zerbrach kurz nach der Kalbung |
| 4 | A-38 | ca. 6.900–7.500 km² | ca. 150 km | ca. 50 km | 1998 | Filchner-Ronne-Schelfeis | Trug eine deutsche Forschungsstation davon |
| 5 | C-19 | ca. 6.400 km² | ca. 200 km | ca. 32 km | 2002 | Ross-Schelfeis | Beeinflusste Meereis und Ökosystem des Rossmeers |
| 6 | A-68 | ca. 5.800 km² | ca. 175 km | bis ca. 50 km | 2017 | Larsen-C-Schelfeis | Verlor später 152 Mrd. Tonnen Süßwasser |
| 7 | B-9 | ca. 5.390 km² | 154 km | 35 km | 1987 | Ross-Schelfeis | Driftete rund 2.000 km |
| 8 | A-76 | ca. 4.320 km² | ca. 170 km | ca. 25 km | 2021 | Ronne-Schelfeis | Bei Kalbung größer als Mallorca |
| 9 | A23a | ca. 4.000 km² | ca. 75 km | ca. 60 km | 1986 | Filchner-Schelfeis | Über 30 Jahre am Meeresboden festgesetzt |
| 10 | D15A | ca. 3.050 km² | ca. 94 km | ca. 40 km | 2016 | West-Schelfeis | Seit Ende 2025 größter noch existierender Eisberg |
1. Der Eisberg von 1956 – ein Eisgigant größer als Belgien
Rang: 1 historischer Rekord
Am 12. November 1956 sichtete die Besatzung des US-amerikanischen Eisbrechers USS Glacier westlich von Scott Island einen Eisberg, dessen Dimensionen selbst für antarktische Verhältnisse außergewöhnlich waren. Seine Länge wurde auf rund 335 Kilometer, seine Breite auf etwa 97 Kilometer geschätzt. Daraus ergab sich eine Fläche von mehr als 31.000 Quadratkilometern – größer als Belgien und fast dreimal so groß wie der später per Satellit vermessene Rekordhalter B-15.
Der spektakuläre Rekord benötigt allerdings ein Sternchen. 1956 gab es keine kontinuierliche Satellitenbeobachtung der Antarktis. Die Besatzung konnte die Ausdehnung deshalb nur aus ihren Beobachtungen und Navigationsdaten abschätzen. Der Umriss des Eisbergs wurde nicht so präzise kartiert, wie dies heute mit Radarsatelliten möglich wäre. Guinness World Records führt den Fund dennoch als größten jemals beobachteten Tafeleisberg und trennt ihn ausdrücklich vom Satellitenrekord B-15.
Der Größenvergleich bleibt beeindruckend: Würde ein 335 Kilometer langer Eisberg auf einer Deutschlandkarte liegen, könnte er beispielsweise eine Strecke überbrücken, die mehreren großen Ballungsräumen entspricht. Anders als moderne Rekorde besitzt der Koloss keinen heute gebräuchlichen antarktischen Eisbergnamen. Sein Platz eins beruht deshalb auf historischer Beobachtung – nicht auf einer modernen Flächenvermessung.
- Geschätzte Fläche: mehr als 31.000 km²
- Geschätzte Länge: rund 335 km
- Geschätzte Breite: rund 97 km
- Gesichtet am 12. November 1956 von der USS Glacier
- Name
- kein offizieller Name überliefert
- Rang
- 1
- Fläche
- >31.000 km²
- Länge
- ca. 335 km
- Breite
- ca. 97 km
- Sichtung
- 12. November 1956
- Position
- ca. 240 km westlich von Scott Island
- Beobachter
- USS Glacier
- Messqualität
- historische Schätzung, keine Satellitenmessung
- Größenvergleich
- größer als Belgien
- Rekord
- größter jemals gemeldeter Eisberg
- Quelle
- Guinness World Records
2. B-15 – der größte zuverlässig vermessene Eisberg
Rang: 2 Satellitenrekord
Was der Eisberg von 1956 bei der geschätzten Größe ist, ist B-15 bei den modernen Messdaten. Im März 2000 löste sich der gigantische Tafeleisberg vom Ross-Schelfeis. Er war ungefähr 295 Kilometer lang und rund 37 bis 40 Kilometer breit. Seine Oberfläche betrug etwa 11.000 Quadratkilometer. Damit gilt B-15 als größter Eisberg, dessen Dimensionen zuverlässig mit moderner Satellitentechnik dokumentiert wurden.
B-15 blieb allerdings kein monolithischer Block. Schon bald zerbrach der Eisberg in mehrere Teile. Das größte davon, B-15A, besaß noch ungefähr 6.400 Quadratkilometer Fläche und rund 160 Kilometer Länge. Seine spätere Position im Rossmeer hatte weitreichende Folgen: Zusammen mit anderen Eisbergen beeinflusste B-15A die Meereisverteilung und zeitweise auch die traditionellen Schifffahrtswege zur McMurdo-Station.
Die Geschichte dauerte erstaunlich lange. Teile der B-15-Familie wurden noch Jahre später verfolgt; kleine Überreste gelangten weit vom Ursprungsgebiet weg. Für die Forschung war B-15 damit nicht nur ein Größenrekord, sondern ein gigantisches natürliches Experiment. Satelliten ermöglichten erstmals, Drift, Zerfall und Wechselwirkungen eines Eisbergs dieser Dimension über lange Zeiträume zu beobachten.
- Fläche bei der Kalbung: rund 11.000 km²
- Länge: rund 295 km
- Breite: etwa 37–40 km
- Kalbung: März 2000 vom Ross-Schelfeis
- Name
- B-15
- Rang
- 2
- Fläche
- ca. 11.000 km²
- Länge
- ca. 295 km
- Breite
- ca. 37–40 km
- Kalbung
- März 2000
- Ursprung
- Ross-Schelfeis, Antarktis
- Größtes Teilstück
- B-15A, etwa 6.400 km²
- Messung
- Satellitenbeobachtung
- Rekord
- größter zuverlässig per Satellit vermessener Eisberg
- Besonderheit
- beeinflusste später Meereis und Schifffahrt im Rossmeer
- Quelle
- National Snow and Ice Data Center
3. A-43 – 257 Kilometer Eis, die schnell zerbrachen
Rang: 3 Mega-Kalbung
Das Jahr 2000 produzierte gleich mehrere Eisberge von historischer Dimension. Nur wenige Wochen nach B-15 kalbten im Mai am westlichen Rand des Ronne-Schelfeises die Eisberge A-43 und A-44. Vor seinem Zerbrechen maß A-43 ungefähr 257 Kilometer mal 36 Kilometer. Aus diesen Dimensionen ergibt sich eine Fläche von rund 9.250 Quadratkilometern.
Damit war A-43 größer als viele bekanntere Eisberge, darunter A-68 und A-76. Dass sein Name heute weniger geläufig ist, hat einen einfachen Grund: Der Gigant blieb nicht lange als ein einzelner spektakulärer Block bestehen. Bereits kurz nach seiner Entstehung zerbrach er in Teilstücke. Dadurch fehlte ihm jene jahrelange mediale Reise, die beispielsweise A-68A oder A23a später berühmt machte.
Wissenschaftlich war das Ereignis dennoch enorm. Zusammen mit dem gleichzeitig entstandenen A-44 enthielt das abgebrochene Eis nach Berechnungen ungefähr 2.075 Milliarden Tonnen Masse. Eine Studie im Journal of Glaciology setzte diese Größenordnung in Relation zu ungefähr einem Jahr Schneezuwachs über die gesamte Antarktis. Solche Kalbungsereignisse gehören zum natürlichen Massenverlust großer Schelfeise. Sie zeigen zugleich, wie trügerisch der Begriff „Eisberg“ sein kann: Bei A-43 handelte es sich nicht um einen Berg im klassischen Sinn, sondern um eine schwimmende Eisplatte von regionalen Dimensionen.
- Ursprüngliche Dimensionen: etwa 257 × 36 km
- Rechnerische Fläche: rund 9.250 km²
- Kalbung: Mai 2000
- Entstand zusammen mit A-44 am Ronne-Schelfeis
- Name
- A-43
- Rang
- 3
- Fläche
- ca. 9.250 km²
- Länge
- ca. 257 km
- Breite
- ca. 36 km
- Kalbung
- Mai 2000
- Ursprung
- Ronne-Schelfeis
- Begleitereignis
- gleichzeitige Entstehung von A-44
- A-44-Größe
- ca. 72 × 31 km
- Schicksal
- A-43 zerbrach kurz nach der Kalbung
- Besonderheit
- einer der größten satellitengestützt dokumentierten Kalbungsblöcke
- Quelle
- Portland State University – wissenschaftliche Arbeit zu A-43 und A-44
4. A-38 – der Eisberg, der eine Forschungsstation mitnahm
Rang: 4 Forschungsdrama
Als sich A-38 im Oktober 1998 vom Filchner-Ronne-Schelfeis löste, entstand eine Eisplatte von ungefähr 150 Kilometern Länge und 50 Kilometern Breite. Je nach Rekonstruktion und verwendeter Umrissmessung wird seine Fläche mit etwa 6.900 bis 7.500 Quadratkilometern angegeben. Damit gehörte A-38 zu den größten Eisbergen, die zu diesem Zeitpunkt mit Satelliten beobachtet worden waren.
Seine berühmteste Besonderheit befand sich direkt auf dem Eis: die deutsche Filchner-Sommerstation. Weil die Station auf dem später abgebrochenen Schelfeisabschnitt stand, wurde sie mit dem Eisberg aufs Meer hinausgetragen. Deutschland organisierte anschließend eine Bergungsaktion. Aus einem geophysikalischen Kalbungsereignis wurde damit plötzlich ein logistisches Problem für die Polarforschung.
A-38 zerbrach kurz nach seiner Entstehung in A-38A und A-38B. Die Teilstücke drifteten im Weddellwirbel nach Westen und später entlang der Antarktischen Halbinsel nach Norden. Jahre später erreichten sie die Umgebung Südgeorgiens. Dort lief A-38B in flacherem Wasser auf Grund und beeinflusste die Wege von Pinguinen und Robben zu ihren Nahrungsgebieten. Der Eisberg verbindet damit drei außergewöhnliche Kapitel: Schelfeisdynamik, Forschungslogistik und ökologische Folgen Tausende Kilometer vom Entstehungsort entfernt.
- Ursprünglich etwa 150 × 50 km groß
- Fläche ungefähr 6.900–7.500 km²
- Kalbung im Oktober 1998
- Trug die deutsche Filchner-Sommerstation auf das Meer hinaus
- Name
- A-38
- Rang
- 4
- Fläche
- ca. 6.900–7.500 km²
- Länge
- ca. 150 km
- Breite
- ca. 50 km
- Kalbung
- Oktober 1998
- Ursprung
- Filchner-Ronne-Schelfeis
- Teilstücke
- A-38A und A-38B, später weitere Fragmente
- Drift
- Weddellmeer bis Südgeorgien
- Forschungsbezug
- Filchner-Sommerstation befand sich auf dem abgebrochenen Eis
- Besonderheit
- spätere ökologische Auswirkungen vor Südgeorgien
- Quelle
- Journal of Glaciology / Cambridge University Press
5. C-19 – ein Eisberg verändert ein ganzes Meeresgebiet
Rang: 5 Ökosystem-Effekt
Im Mai 2002 löste sich mit C-19 erneut ein gewaltiger Block vom Ross-Schelfeis. Der Eisberg war ungefähr 200 Kilometer lang und 32 Kilometer breit. Aus diesen Dimensionen ergeben sich rund 6.400 Quadratkilometer; andere Flächenbestimmungen des unregelmäßigen Umrisses liegen etwas niedriger. Unabhängig von der exakten Abgrenzung gehörte C-19 zu den größten Eisbergen der Satellitenära.
Seine Bedeutung geht weit über die Fläche hinaus. C-19 bewegte sich zunächst langsam nach Norden und lief zeitweise nahe der Pennell Bank auf Grund. Zusammen mit B-15A veränderte der riesige Eisblock die Bewegung des Meereises im Rossmeer. Eis, das normalerweise durch Wind und Strömungen abtransportiert wurde, blieb länger liegen. Dadurch verringererten sich offene Wasserflächen und die Lichtbedingungen für Phytoplankton.
Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigte für das betroffene Gebiet einen drastischen Rückgang der Primärproduktion. Damit wirkte ein einzelner Eisberg indirekt auf das Fundament der marinen Nahrungskette. C-19 demonstriert deshalb besonders anschaulich, dass Rieseneisberge keine passiven Eiswürfel sind. Mit 200 Kilometern Länge können sie Strömungen und Meereistransport auf regionaler Ebene verändern – und damit biologische Prozesse beeinflussen, obwohl sie selbst nur langsam durch das Meer treiben.
- Dimensionen: etwa 200 × 32 km
- Maximale Größenordnung: rund 6.400 km²
- Kalbung: Mai 2002
- Beeinflusste Meereisverteilung und Primärproduktion im Rossmeer
- Name
- C-19
- Rang
- 5
- Fläche
- bis ca. 6.400 km² nach Länge × Breite
- Länge
- ca. 200 km
- Breite
- ca. 32 km
- Kalbung
- Mai 2002
- Ursprung
- Ross-Schelfeis
- Driftrichtung
- zunächst nordwärts durch das Rossmeer
- Interaktion
- stieß beziehungsweise interagierte mit B-15A
- Umwelteffekt
- veränderte Meereistransport und Lichtverhältnisse
- Besonderheit
- messbare Auswirkungen auf die marine Primärproduktion
- Quelle
- Geophysical Research Letters / Wiley
6. A-68 – vom Larsen-C-Schelfeis bis vor Südgeorgien
Rang: 6 Satellitenstar
Kaum ein Eisberg wurde weltweit so intensiv verfolgt wie A-68. Am 12. Juli 2017 löste sich der Koloss vom Larsen-C-Schelfeis an der Antarktischen Halbinsel. Seine Fläche betrug ungefähr 5.800 Quadratkilometer – etwa doppelt so viel wie Luxemburg. Mit der Kalbung verlor Larsen C auf einen Schlag ungefähr ein Zehntel seiner damaligen Fläche.
A-68 zerbrach zunächst nur wenig und blieb rund zwei Jahre relativ nahe am Schelfeis. Das Hauptstück A-68A gelangte anschließend in offeneres Wasser und beschleunigte. Ende 2020 näherte es sich Südgeorgien. Forschende befürchteten, der Eisberg könne auf dem flachen Schelf vor der Insel stranden und den Zugang von Pinguinen und Robben zu ihren Nahrungsgebieten erschweren.
So kam es nicht: A-68A zerbrach und schmolz zunehmend. Gerade dieser Zerfall lieferte einen außergewöhnlichen Datensatz. Satellitenmessungen zeigten, dass das Hauptstück auf seiner Reise erheblich dünner wurde. Eine spätere Analyse ergab, dass A-68A in der Umgebung Südgeorgiens etwa 152 Milliarden Tonnen Süßwasser freisetzte. Der Eisberg war damit nicht nur ein schwimmender Rekordblock, sondern ein gigantischer Süßwassertransporteur, dessen Schmelzwasser lokal physikalische und biologische Prozesse beeinflussen konnte.
- Fläche bei Kalbung: rund 5.800 km²
- Kalbung am 12. Juli 2017
- Ursprung: Larsen-C-Schelfeis
- A-68A setzte später rund 152 Milliarden Tonnen Süßwasser frei
- Name
- A-68
- Rang
- 6
- Fläche
- ca. 5.800 km²
- Länge
- ca. 175 km
- Maximale Breite
- ca. 50 km
- Kalbung
- 12. Juli 2017
- Ursprung
- Larsen-C-Schelfeis
- Größenvergleich
- etwa doppelte Fläche Luxemburgs
- Hauptstück
- A-68A
- Süßwasserfreisetzung
- rund 152 Milliarden Tonnen nahe Südgeorgien
- Besonderheit
- einer der am intensivsten per Satellit beobachteten Eisberge
- Quelle
- European Space Agency
7. B-9 – 154 Kilometer Eis auf einer 2.000-Kilometer-Reise
Rang: 7 Langstrecken-Drifter
B-9 löste sich im Oktober 1987 vom Ross-Schelfeis und war mit ungefähr 154 Kilometern Länge und 35 Kilometern Breite einer der größten Eisberge seiner Zeit. Die daraus resultierende Fläche betrug etwa 5.390 Quadratkilometer. Erst A-38 übertraf ihn gut ein Jahrzehnt später wieder deutlich.
Seine Geschichte zeigt, dass die größte Entfernung eines Eisbergs nicht unbedingt geradlinig zurückgelegt wird. B-9 driftete zunächst nach Nordwesten, wurde anschließend durch Strömungen wieder nach Süden geführt und kollidierte 1988 mit dem Ross-Schelfeis. Danach setzte er seine Reise fort. Innerhalb von rund 22 Monaten legte der Eisberg ungefähr 2.000 Kilometer zurück.
Im August 1989 zerbrach B-9 nördlich von Cape Adare in drei große Fragmente. Eines davon, B-9B, entwickelte anschließend eine erstaunliche zweite Karriere: Das Teilstück gelangte in die Commonwealth Bay in der Ostantarktis und blieb dort über lange Zeit festgesetzt. Solche Strandungen können die lokale Meereisdynamik erheblich verändern. B-9 ist damit ein frühes Beispiel dafür, wie Satelliten und automatische Positionssysteme begannen, die Lebensgeschichte eines gigantischen Eisbergs über Jahre statt nur während einer einzelnen Sichtung zu dokumentieren.
- Fläche: etwa 5.390 km²
- Dimensionen: rund 154 × 35 km
- Kalbung: Oktober 1987
- Driftete innerhalb von 22 Monaten ungefähr 2.000 km
- Name
- B-9
- Rang
- 7
- Fläche
- ca. 5.390 km²
- Länge
- 154 km
- Breite
- 35 km
- Kalbung
- Oktober 1987
- Ursprung
- Ross-Schelfeis
- Beobachtete Drift
- ca. 2.000 km in 22 Monaten
- Zerfall
- August 1989
- Große Fragmente
- drei
- Besonderheit
- einer der größten Eisberge der frühen Satellitenbeobachtung
- Quelle
- Cambridge University Press / Annals of Glaciology
8. A-76 – größer als Mallorca und trotzdem nur kurz die Nummer eins
Rang: 8 Rekordhalter 2021
Am 13. Mai 2021 brach A-76 von der Westseite des Ronne-Schelfeises ab. Copernicus-Sentinel-1-Aufnahmen zeigten einen ungefähr 170 Kilometer langen und 25 Kilometer breiten Eisblock. Die ESA bestimmte seine Fläche auf rund 4.320 Quadratkilometer. Damit war A-76 zum Zeitpunkt seiner Entstehung der größte existierende Eisberg der Erde – und sogar etwas größer als die spanische Insel Mallorca.
Sein Aufenthalt an der Spitze war allerdings außergewöhnlich kurz. Bereits Ende Mai verlor A-76 große Teilstücke. Aus ihnen entstanden unter anderem A-76B und A-76C. Nachdem der ursprüngliche Eisberg genügend Fläche verloren hatte, ging der Titel des größten existierenden Eisbergs wieder an A23a.
Das Beispiel zeigt, warum aktuelle Eisberg-Rekorde wesentlich flüchtiger sind als Ranglisten von Bergen oder Seen. Die Fläche eines Eisbergs kann sich innerhalb weniger Tage um Hunderte Quadratkilometer ändern. A-76 blieb dennoch wissenschaftlich relevant. Später driftete das große Teilstück A-76A nach Norden, wo Forschende Wasserproben in seiner Umgebung nehmen konnten. Untersuchungen zeigten, dass schmelzende Mega-Eisberge Nährstoffe und Spurenelemente in den Ozean einbringen können – allerdings nicht jeder Eisberg unter allen Bedingungen den gleichen biologischen Effekt erzeugt.
- Fläche bei Kalbung: etwa 4.320 km²
- Länge: rund 170 km
- Breite: rund 25 km
- Nur wenige Tage nach der Kalbung begann der Zerfall in große Teilstücke
- Name
- A-76
- Rang
- 8
- Fläche
- ca. 4.320 km²
- Länge
- ca. 170 km
- Breite
- ca. 25 km
- Kalbung
- 13. Mai 2021
- Ursprung
- Ronne-Schelfeis
- Entdeckung
- British Antarctic Survey; bestätigt durch Satellitendaten
- Größenvergleich
- etwas größer als Mallorca
- Rekordstatus
- im Mai 2021 kurzzeitig größter existierender Eisberg
- Teilstücke
- unter anderem A-76A, A-76B und A-76C
- Quelle
- European Space Agency
9. A23a – der Eisberg, der drei Jahrzehnte nicht vom Fleck kam
Rang: 9 40 Jahre Geschichte
A23a ist nicht der größte Eisberg aller Zeiten, aber wahrscheinlich einer der ungewöhnlichsten. Er löste sich 1986 vom Filchner-Schelfeis und besaß ursprünglich eine Fläche von ungefähr 4.000 Quadratkilometern. Kurz nach seiner Entstehung lief der riesige Tafeleisberg im südlichen Weddellmeer auf dem Meeresboden auf. Dort blieb er mehr als 30 Jahre nahezu an derselben Stelle.
Erst ab 2020 wurde eine deutliche Bewegung sichtbar. 2023 gelangte A23a schließlich in offeneres Wasser und wurde erneut zum größten frei driftenden Eisberg der Welt. Forschende des British Antarctic Survey passierten ihn mit der RRS Sir David Attenborough und beschrieben eine Eiswand, die sich bis zum Horizont erstreckte. Die damalige Fläche lag noch bei rund 3.900 Quadratkilometern; die Dicke wurde auf mehrere Hundert Meter geschätzt.
2024 folgte die nächste Überraschung: A23a geriet über einem unterseeischen Hindernis in eine sogenannte Taylor-Säule – einen rotierenden Wasserkörper – und drehte sich monatelang nahezu auf der Stelle. 2025 strandete er zeitweise vor Südgeorgien. Danach beschleunigte sich sein Zerfall dramatisch. Ende 2025 verlor A23a seinen Titel als größter existierender Eisberg; Anfang 2026 war nur noch ein Bruchteil der einstigen Fläche vorhanden. Kaum ein Eisberg dokumentiert besser, wie lang und zugleich abrupt der Lebenszyklus eines Eisgiganten verlaufen kann.
- Ursprüngliche Fläche: ungefähr 4.000 km²
- Kalbung: 1986
- Mehr als 30 Jahre am Meeresboden festgesetzt
- 2024 monatelang in einer Taylor-Säule gefangen
- Name
- A23a / A-23A
- Rang
- 9
- Ursprüngliche Fläche
- ca. 4.000 km²
- Fläche 2023
- ca. 3.900 km²
- Kalbung
- 1986
- Ursprung
- Filchner-Schelfeis
- Grundberührung
- mehr als 30 Jahre im Weddellmeer
- Freie Drift
- ab den frühen 2020er Jahren
- Besonderheit 2024
- in einer Taylor-Säule gefangen
- Status 2026
- weitgehend zerfallen und stark abgeschmolzen
- Historische Bedeutung
- einer der langlebigsten intensiv beobachteten Mega-Eisberge
- Quelle
- British Antarctic Survey
10. D15A – der neue größte Eisberg der Erde
Rang: 10 aktuell größter
Die Geschichte der größten Eisberge endet nicht mit den berühmten Namen A-68 oder A23a. Seit dem starken Zerfall von A23a trägt D15A den Titel des größten noch existierenden Eisbergs. Guinness World Records nennt für April 2026 Dimensionen von rund 94 mal 40 Kilometern und eine Fläche von ungefähr 3.050 Quadratkilometern.
D15A entstand bereits im Januar 2016 am West-Schelfeis in der Ostantarktis. Fast ein Jahrzehnt lang stand er medial im Schatten anderer Mega-Eisberge. Erst als A23a Ende 2025 so stark zerfiel, dass dessen Fläche unter die von D15A sank, rückte der ältere Eisberg an die Spitze der aktuellen Rangliste.
Das verdeutlicht einen wichtigen Unterschied zwischen „größter jemals gemessener“ und „größter heute existierender“ Eisberg. B-15 war bei seiner Entstehung mehr als dreimal so groß wie D15A im Jahr 2026. Selbst A-76 besaß 2021 über 1.200 Quadratkilometer mehr Fläche. Der aktuelle Rekord ist also historisch keineswegs außergewöhnlich groß. Wissenschaftlich interessant ist vielmehr, dass die Spitzenposition laufend wechseln kann, ohne dass ein neuer Eisberg kalben muss: Es genügt, wenn der bisherige Rekordhalter schneller zerfällt als ein älterer Konkurrent.
- Fläche im April 2026: etwa 3.050 km²
- Dimensionen: rund 94 × 40 km
- Kalbung: Januar 2016
- Seit Ende 2025 größter noch existierender Eisberg
- Name
- D15A
- Rang historisch
- 10 in diesem Ranking
- Fläche April 2026
- ca. 3.050 km²
- Länge
- ca. 94 km
- Breite
- ca. 40 km
- Kalbung
- Januar 2016
- Ursprung
- West-Schelfeis, Ostantarktis
- Aktueller Rekord
- größter existierender Eisberg
- Rekordübernahme
- Ende 2025 nach dem Zerfall von A23a
- Vergleich mit B-15
- weniger als ein Drittel von dessen ursprünglicher Fläche
- Datenstand
- April 2026
- Quelle
- Guinness World Records – aktueller Rekord
Warum kommen fast alle Rekord-Eisberge aus der Antarktis?
Der Grund liegt in der Geometrie der antarktischen Schelfeise. Gewaltige Gletscherströme transportieren Eis vom Kontinent in Richtung Küste. Dort schwimmt das Eis als oft Hunderte Meter dickes Schelfeis auf dem Meer. An seiner Front entstehen über Jahre oder Jahrzehnte Risse, bis sich schließlich riesige Platten lösen. Dieser Prozess heißt Kalben.
Das Ergebnis sind häufig Tafeleisberge: flache, oben relativ ebene Eisplatten mit steilen Seiten. Ihre Dimensionen können weit über jene der typischen Eisberge im Nordatlantik hinausgehen. Ein antarktischer Mega-Eisberg kann deshalb die Fläche eines kleinen Staates erreichen, obwohl über dem Meeresspiegel oft nur einige Dutzend Meter seiner gesamten Dicke sichtbar sind.
Wie werden antarktische Eisberge benannt?
Die Bezeichnungen wirken kryptisch, folgen aber einem geografischen System. Große antarktische Eisberge erhalten einen Buchstaben für den Quadranten, in dem sie erstmals beobachtet werden, gefolgt von einer fortlaufenden Nummer. A bezeichnet den Sektor von 0 bis 90 Grad westlicher Länge, B den Bereich von 90 bis 180 Grad West, C von 180 bis 90 Grad Ost und D von 90 bis 0 Grad Ost.
Zerbricht ein bereits benannter Eisberg in ausreichend große Teile, kommen zusätzliche Buchstaben hinzu. Aus A-68 wurde deshalb unter anderem A-68A, A-68B und A-68C. Bei weiterem Zerfall können daraus zusätzliche Bezeichnungen entstehen. Das System macht die Familiengeschichte großer Eisberge teilweise noch Jahrzehnte später nachvollziehbar.
Wie viel eines Eisbergs liegt unter Wasser?
Der berühmte Vergleich mit der „Spitze des Eisbergs“ besitzt eine physikalische Grundlage. Eis hat eine geringere Dichte als Meerwasser und schwimmt deshalb, doch der größte Teil seines Volumens befindet sich unterhalb der Wasseroberfläche. Als grobe Faustregel werden häufig rund 90 Prozent unter Wasser angegeben. Der genaue Anteil hängt von der Dichte des Eises, dem Salzgehalt des Wassers und der Struktur des Eisbergs ab.
Bei einem mehrere Hundert Meter dicken Tafeleisberg kann der unsichtbare Kiel deshalb weit in die Tiefe reichen. Genau das erklärt, warum Eisberge wie A23a über Jahrzehnte auf dem Meeresboden festsitzen können und warum Unterwasserplateaus ihre Drift abrupt stoppen.
Machen kalbende Eisberge den Meeresspiegel höher?
Wenn sich ein Eisberg von einem bereits schwimmenden Schelfeis löst, erhöht dieser Kalbungsvorgang den Meeresspiegel nicht unmittelbar in der Weise, wie das Abschmelzen von Eis auf festem Land es tut. Das Schelfeis schwamm bereits zuvor im Meer. Vergleichbar ist das grundsätzlich mit einem Eiswürfel, der bereits in einem Glas Wasser schwimmt.
Schelfeise spielen dennoch eine wichtige Rolle für den Meeresspiegel. Sie bremsen vielerorts den Abfluss von Gletschern und Eisschilden vom Land. Wird ein Schelfeis dünner, instabil oder bricht großflächig zusammen, können dahinterliegende Gletscher schneller ins Meer fließen. Dieses zusätzliche Landeis trägt dann sehr wohl zum globalen Meeresspiegelanstieg bei.
Ist ein riesiger Eisberg automatisch ein Zeichen des Klimawandels?
Nein. Das Kalben großer Tafeleisberge ist grundsätzlich ein natürlicher Teil des Lebenszyklus antarktischer Schelfeise. Ein außergewöhnlich großer Eisberg allein beweist deshalb keinen klimabedingten Kollaps. Forschende betrachten langfristige Veränderungen von Eisdicke, Fließgeschwindigkeit, Temperatur, Kalbungsrate und Schelfeisfläche.
Der British Antarctic Survey weist darauf hin, dass Analysen der Satellitenära keinen einfachen steigenden Trend bei der Größe der jeweils größten jährlichen Eisberge zeigen. Besonders große Einzelkalbungen können sogar von lange stabilen Schelfeisen stammen, die über Jahrzehnte Eis vorgeschoben haben. Gleichzeitig kann die menschengemachte Erwärmung Schelfeise regional schwächen und dadurch die Dynamik des antarktischen Eisschilds verändern. Einzelereignis und langfristiger Klimatrend müssen deshalb wissenschaftlich getrennt betrachtet werden.
FAQ: Häufige Fragen zu den größten Eisbergen der Welt
Was war der größte Eisberg aller Zeiten?
Der größte jemals gemeldete Eisberg wurde am 12. November 1956 von der USS Glacier westlich von Scott Island gesichtet. Seine Fläche wurde auf mehr als 31.000 Quadratkilometer geschätzt. Da damals keine Satellitenbilder verfügbar waren, ist diese Größenangabe weniger präzise als bei modernen Eisbergen.
Was war der größte exakt vermessene Eisberg?
B-15 gilt als größter zuverlässig per Satellit vermessener Eisberg. Er löste sich im März 2000 vom Ross-Schelfeis und besaß eine Fläche von ungefähr 11.000 Quadratkilometern bei etwa 295 Kilometern Länge.
Welcher ist 2026 der größte Eisberg der Welt?
Nach dem starken Zerfall von A23a ist D15A der größte noch existierende Eisberg. Guinness World Records nennt für April 2026 eine Fläche von ungefähr 3.050 Quadratkilometern bei Dimensionen von rund 94 mal 40 Kilometern.
Wie groß war A23a?
A23a besaß ursprünglich ungefähr 4.000 Quadratkilometer Fläche. Ende 2023 waren noch rund 3.900 Quadratkilometer vorhanden. 2025 und Anfang 2026 zerbrach und schmolz der Eisberg stark, sodass nur noch ein Bruchteil seiner früheren Fläche übrig blieb.
Warum zerbrechen große Eisberge?
Wellen, Meeresströmungen, Temperaturunterschiede, Schmelzwasser und mechanische Spannungen erzeugen Risse im Eis. Besonders wenn ein Tafeleisberg in wärmere und bewegtere Gewässer driftet, können diese Belastungen große Fragmente abbrechen lassen. Aus einem einzigen Mega-Eisberg entsteht dadurch häufig eine ganze Familie benannter Teilstücke.
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