Die 10 größten Gletscher in Europa

Die 10 größten Gletscher in Europa

Mehr als 18.000 Quadratkilometer Eis bedecken den größten Gletscher Europas nach der in diesem Ranking verwendeten geographischen Abgrenzung. Damit ist er mehr als doppelt so groß wie der berühmte Vatnajökull auf Island. Überraschend ist auch, wo Europas größte Gletscher liegen: Nicht in den Alpen, sondern fast vollständig in der europäischen Arktis und auf Island. Svalbard allein stellt sechs der zehn größten zusammenhängenden Eiskappen dieser Liste.

Sortiert wird nach der Fläche eines eigenständig benannten Gletschers beziehungsweise einer zusammenhängenden Eiskappe. Auslassgletscher werden nicht zusätzlich gelistet, wenn sie Bestandteil einer bereits gewerteten Eiskappe sind. Dadurch tauchen beispielsweise Bråsvellbreen oder einzelne Vatnajökull-Auslassgletscher nicht noch einmal auf. Grönland wird ausgeschlossen, da es geographisch Nordamerika zugerechnet wird. Die russische Doppelinsel Nowaja Semlja wird dagegen berücksichtigt; sie liegt im arktischen Übergangsraum Europas und ihr Severny-Eisschild wird in Fachliteratur ausdrücklich mit dem europäischen Größenvergleich diskutiert. Da Gletscherflächen durch Abschmelzen laufend schrumpfen, nennt die Liste möglichst den Messzeitpunkt der Flächenangabe. Der Artikel gehört zur Kategorie Natur.

So wurde gewertet

Entscheidend ist die dokumentierte Oberfläche eines eigenständig benannten Gletscherkörpers oder einer Eiskappe. Größere Eiskappen dürfen mehrere Abflussbecken und Auslassgletscher besitzen; diese werden nicht separat gewertet, um Doppelzählungen zu verhindern. Historische und aktuelle Flächenangaben sind nicht vollständig direkt vergleichbar, weil Inventare unterschiedliche Aufnahmejahre, Satellitendaten und Grenzziehungen verwenden. Wo aktuelle Werte vorhanden sind, werden sie bevorzugt. Bei älteren Svalbard-Inventaren wird das Bezugsjahr genannt. Nicht berücksichtigt werden der grönländische Eisschild sowie komplette vergletscherte Regionen, die keinen einzelnen Gletscherkörper darstellen. Datenstand der Recherche: August 2026.

Übersicht

  1. Severny-Island-Eiskappe – Russland
  2. Austfonna – Svalbard
  3. Vatnajökull – Island
  4. Vestfonna – Svalbard
  5. Edgeøyjøkulen – Svalbard
  6. Åsgårdfonna – Svalbard
  7. Langjökull – Island
  8. Hofsjökull – Island
  9. Kvitøyjøkulen – Svalbard
  10. Lomonosovfonna – Svalbard
Rang Gletscher Region Fläche Datenstand Typ Höhe / Mächtigkeit Besonderheit
1 Severny-Island-Eiskappe Nowaja Semlja, Russland ca. 18.661 km² 2021 arktische Eiskappe mehrere hundert Meter mächtig größter Gletscher Europas bei Einbeziehung Nowaja Semljas
2 Austfonna Nordaustlandet, Svalbard ca. 8.450 km² Inventarwert Eiskappe bis über 700 m Höhe größte Eiskappe Svalbards
3 Vatnajökull Island ca. 7.600 km² 2023 Eiskappe bis über 900 m Eisdicke größter Gletscher Islands
4 Vestfonna Nordaustlandet, Svalbard ca. 2.445 km² Inventarwert Eiskappe mehrere hundert Meter mächtig zweitgrößte Eiskappe Nordaustlandets
5 Edgeøyjøkulen Edgeøya, Svalbard ca. 1.365 km² 1985 Plateaugletscher niedrige arktische Eiskappe fast dreimal so groß wie Jostedalsbreen
6 Åsgårdfonna Spitsbergen, Svalbard ca. 1.230 km² aktuelle Fachangabe Eiskappe Bohrungen bis über 180 m wichtiges Klimaarchiv Nordost-Spitsbergens
7 Langjökull Island ca. 820 km² 2023 Eiskappe bis rund 1.450 m Höhe zweitgrößter Gletscher Islands
8 Hofsjökull Island ca. 795 km² 2023 Eiskappe bis rund 1.765 m Höhe bedeckt einen großen Zentralvulkan
9 Kvitøyjøkulen Kvitøya, Svalbard ca. 680–705 km² je nach Inventar Inseleiskappe bis etwa 400 m Höhe bedeckt fast die gesamte Insel
10 Lomonosovfonna Spitsbergen, Svalbard ca. 600 km² Inventarwert Eiskappe Gipfelbereich über 1.200 m mehrjähriger Firn-Aquifer im Inneren

1. Severny-Island-Eiskappe: Europas arktischer Eisgigant auf Nowaja Semlja

Rang: 1 Flächenrekord

Wer beim größten Gletscher Europas sofort an Island denkt, übersieht einen gewaltigen weißen Streifen im russischen Nordpolarmeer. Über den nördlichen Teil von Nowaja Semlja zieht sich die Severny-Island-Eiskappe auf einer Länge von mehreren hundert Kilometern. Neuere Inventare geben für 2021 noch rund 18.661 Quadratkilometer Gletscherfläche an. Damit besitzt sie mehr als die doppelte Oberfläche des Vatnajökull und ist der eindeutige Spitzenreiter dieses Rankings, sofern Nowaja Semlja dem europäischen Arktisraum zugerechnet wird.

Der Eiskörper ist kein flacher Schneefleck, sondern ein komplexes System aus Hochflächen und zahlreichen Auslassgletschern. Viele dieser Gletscher fließen durch Täler bis an die Barents- oder Karasee und verlieren dort Eis durch Kalbung. Satellitenmessungen zeigen zugleich erheblichen Rückzug. Wissenschaftliche Rekonstruktionen der letzten rund 90 Jahre dokumentieren, wie stark sich die Gletschergrenzen des Archipels verändert haben. Ein zusätzlicher historischer Aspekt macht das Gebiet ungewöhnlich: Auf Nowaja Semlja fanden während des Kalten Krieges zahlreiche sowjetische Kernwaffentests statt. Wissenschaftler untersuchen deshalb auch Radionuklide, die während dieser Epoche auf der Eiskappe abgelagert wurden. Rang eins entsteht dennoch aus einer nüchternen Kennzahl: Selbst nach jahrzehntelangem Eisverlust bleibt die Fläche größer als die von Austfonna und Vatnajökull zusammen betrachtet jeweils einzeln.

  • 2021 noch rund 18.661 Quadratkilometer groß.
  • Mehrere Auslassgletscher enden direkt im Meer und verlieren Eis durch Kalbung.
  • Die Eiskappe stellt mehr als 90 Prozent der vergletscherten Fläche des nördlichen Nowaja-Semlja-Teils.
Staat
Russland
Region
Severny Island, Nowaja Semlja
Fläche
ca. 18.661 km²
Datenstand Fläche
2021
Typ
arktische Eiskappe mit zahlreichen Auslassgletschern
Meeresräume
Barentssee und Karasee
Entwicklung
langfristiger Flächen- und Massenverlust
Besonderheit
größter Gletscher dieses Europa-Rankings
Quelle
Polar Research

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2. Austfonna: 8.450 Quadratkilometer Eis auf einer einzigen Svalbard-Insel

Rang: 2 Svalbard-Rekord

Fast die gesamte Osthälfte von Nordaustlandet wirkt aus der Luft wie eine einzige weiße Kuppel. Diese Kuppel ist Austfonna, die größte Eiskappe Svalbards. Das Norwegische Polarinstitut gibt für Austfonna einschließlich Vegafonna eine Fläche von rund 8.450 Quadratkilometern an. Damit bedeckt das Eis ungefähr 58 Prozent der zweitgrößten Insel des Archipels. Selbst der Vatnajökull ist nach heutigen Flächenangaben kleiner.

Austfonna ist glaziologisch besonders interessant, weil ein erheblicher Teil ihres Randes direkt zum Meer hin entwässert. Dort entstehen breite Gletscherfronten, an denen Eisberge abbrechen können. Gleichzeitig zeigt die Eiskappe sogenannte Surge-Ereignisse: Dabei beschleunigen einzelne Abflussgebiete für einige Jahre oder Jahrzehnte stark, obwohl sich die klimatische Gesamtbilanz kaum im selben Tempo verändert. Ein spektakuläres Beispiel aus der Region ist Bråsvellbreen, dessen historische Beschleunigung große Teile der Gletscherfront verschob. Austfonna besitzt zudem ein enormes Süßwasserreservoir und reagiert sensibel auf die außergewöhnlich schnelle Erwärmung der europäischen Arktis. Satelliten- und Höhenmessungen zeigen sowohl starke räumliche Unterschiede als auch erhebliche Massenverluste. Der Abstand zu Rang eins ist trotzdem groß: Die Severny-Eiskappe umfasst mehr als das Doppelte der Fläche. Gegenüber Vatnajökull beträgt Austfonnas Vorsprung dagegen nur noch ungefähr 850 Quadratkilometer.

  • Rund 8.450 Quadratkilometer einschließlich Vegafonna.
  • Bedeckt etwa 58 Prozent von Nordaustlandet.
  • Große Teile der Eiskappe entwässern über Gletscherfronten direkt ins Meer.
Staat
Norwegen
Archipel
Svalbard
Insel
Nordaustlandet
Fläche
ca. 8.450 km² inklusive Vegafonna
Anteil an Nordaustlandet
ca. 58 %
Typ
große arktische Eiskappe
Abfluss
zahlreiche land- und meerendende Auslassgletscher
Besonderheit
größte zusammenhängende Eiskappe Svalbards
Quelle
Norwegian Polar Institute

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3. Vatnajökull: Islands 7.600 Quadratkilometer großer Gletscher über aktiven Vulkanen

Rang: 3 UNESCO

Vatnajökull ist der berühmteste Großgletscher Europas und mit rund 7.600 Quadratkilometern im Jahr 2023 weiterhin Islands größter Eiskörper. Dass er in dieser Liste nur Rang drei belegt, liegt an der Einbeziehung der europäischen Hocharktis. Außerhalb der russischen Arktis und Svalbards bleibt Vatnajökull jedoch ein Ausnahmefall: Unter seiner Oberfläche liegen aktive Vulkansysteme, tiefe Calderas und ein Netzwerk aus subglazialen Seen und Schmelzwasserwegen.

Besonders bekannt ist Grímsvötn, eines der aktivsten Vulkansysteme Islands. Geothermische Wärme schmilzt dort Eis von unten. Sammelt sich genügend Wasser unter der Eiskappe, kann es plötzlich als Jökulhlaup ausbrechen. Solche Gletscherläufe haben in Island Straßen, Brücken und große Sanderebenen geprägt. Auch die Dimensionen des Eises sind außergewöhnlich: Das Volumen wird auf ungefähr 3.000 Kubikkilometer geschätzt, und einzelne Bereiche erreichen mehrere hundert Meter bis über 900 Meter Eisdicke. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts schrumpft Vatnajökull jedoch deutlich; allein seine Fläche hat sich um viele hundert Quadratkilometer verringert. Der Gletscher ist Teil des Vatnajökull-Nationalparks, dessen Kombination aus Vulkanismus und Gletscherlandschaft als UNESCO-Welterbe geschützt ist. Sein Abstand zu Austfonna beträgt heute weniger als 1.000 Quadratkilometer.

  • 2023 rund 7.600 Quadratkilometer groß.
  • Das Eisvolumen liegt ungefähr bei 3.000 Kubikkilometern.
  • Unter der Eiskappe befinden sich aktive Vulkane wie Grímsvötn und Bárðarbunga.
Staat
Island
Fläche
ca. 7.600 km²
Datenstand
2023
Volumen
ca. 3.000 km³
Typ
temperierte Eiskappe
Bekannte Vulkane darunter
Grímsvötn, Bárðarbunga, Öræfajökull
Naturgefahr
subglaziale Eruptionen und Jökulhlaups
Besonderheit
größter Gletscher Islands
Quelle
Vatnajökull National Park

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4. Vestfonna: Die zweite riesige Eiskappe von Nordaustlandet

Rang: 4 Hocharktis

Nur wenige Landschaften Europas beherbergen zwei Gletscherkörper, die jeweils größer sind als ganze Gebirgsregionen. Nordaustlandet schafft genau das. Westlich der mächtigen Austfonna liegt Vestfonna mit rund 2.445 Quadratkilometern Fläche. Das entspricht ungefähr dem Dreifachen des heutigen Langjökull auf Island. Trotzdem wirkt Vestfonna neben dem benachbarten Eisgiganten beinahe klein – Austfonna besitzt mehr als die dreifache Fläche.

Vestfonna ist eine typische arktische Eiskappe mit mehreren Abflussbecken. Die Oberfläche bildet ein relativ flaches Hochplateau, von dem Eis radial in verschiedene Richtungen strömt. Einige Gletscherzungen erreichen Fjorde oder Küstenbereiche, andere enden an Land. Ein erheblicher Teil der wissenschaftlichen Bedeutung liegt in der Lage Nordaustlandets zwischen dem relativ warmen Atlantikeinfluss und kalten arktischen Luft- und Meeresströmungen. Kleine Änderungen der Temperatur oder des Niederschlags können dort große Unterschiede bei Akkumulation und Schmelze verursachen. Eisbohrkerne und geophysikalische Untersuchungen werden deshalb genutzt, um frühere Klimabedingungen zu rekonstruieren. Gleichzeitig sind die Gletscherfronten keine statischen Linien: Satellitendaten dokumentieren Rückzug, Fließgeschwindigkeitsänderungen und lokale Surge-Dynamik. Rang vier ergibt sich aus der enormen Fläche – mehr als 1.000 Quadratkilometer Vorsprung auf Edgeøyjøkulen.

  • Rund 2.445 Quadratkilometer groß.
  • Liegt im Nordwesten der Insel Nordaustlandet.
  • Zusammen mit Austfonna prägt Vestfonna den größten Teil der vergletscherten Landschaft der Insel.
Staat
Norwegen
Archipel
Svalbard
Insel
Nordaustlandet
Fläche
ca. 2.445 km²
Typ
arktische Plateaueiskappe
Abflussstruktur
mehrere radiale Gletscherbecken
Nachbar
Austfonna
Besonderheit
zweitgrößte Eiskappe Nordaustlandets
Quelle
Norwegian Polar Institute

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5. Edgeøyjøkulen: Eine Eiskappe fast dreimal so groß wie Jostedalsbreen

Rang: 5 Plateaugletscher

Auf der Ostseite von Edgeøya liegt ein Gletscher, dessen Dimensionen auf Europakarten leicht unterschätzt werden. Edgeøyjøkulen bedeckt nach der etablierten Inventarangabe rund 1.365 Quadratkilometer. Damit ist die Eiskappe fast dreimal so groß wie Jostedalsbreen, der größte Gletscher des norwegischen Festlands. Dieser Vergleich zeigt besonders deutlich, warum die arktischen Teile Norwegens das gesamte europäische Flächenranking dominieren.

Edgeøyjøkulen ist relativ niedrig gelegen. Genau das macht ihn empfindlich gegenüber wärmeren Sommern. Auf Edgeøya wurden in den vergangenen Jahrzehnten beträchtliche Verluste der Gletscherhöhe gemessen. Besonders interessant ist Stonebreen, ein Abflussgebiet der Eiskappe. Satellitenbeobachtungen zeigten dort nach 2012 eine starke Beschleunigung der Eisbewegung, gleichzeitig verringerte sich das Eisvolumen. Solche Veränderungen demonstrieren, dass Gletscher nicht einfach nur langsam am Rand abschmelzen: Veränderungen der Eisdicke, Schmelzwasser am Untergrund und wärmeres Meerwasser können auch die Fließdynamik beeinflussen. Teile der Insel liegen im streng geschützten Søraust-Svalbard-Naturreservat. Wegen Meereis, Wetter und großer Entfernung zu Siedlungen gehört die Region zu den schwer zugänglichen Gletscherlandschaften Europas. Mit rund 135 Quadratkilometern Vorsprung landet Edgeøyjøkulen vor Åsgårdfonna.

  • Rund 1.365 Quadratkilometer groß.
  • Fast dreimal so groß wie Jostedalsbreen auf dem norwegischen Festland.
  • Stonebreen als Teil des Systems zeigte seit 2012 stark veränderte Fließgeschwindigkeiten.
Staat
Norwegen
Archipel
Svalbard
Insel
Edgeøya
Fläche
ca. 1.365 km²
Typ
Plateaugletscher / Eiskappe
Bekannter Abflussgletscher
Stonebreen
Vergleich
fast dreimal so groß wie Jostedalsbreen
Besonderheit
starke dynamische Veränderungen einzelner Abflussbereiche
Quelle
Store norske leksikon

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6. Åsgårdfonna: 1.230 Quadratkilometer Klimaarchiv auf Spitsbergen

Rang: 6 Klimaarchiv

Åsgårdfonna bedeckt im Nordosten Spitsbergens etwa 1.230 Quadratkilometer und ist damit größer als manche kleinere europäische Gebirgsgruppe. Die Eiskappe liegt zwischen Wijdefjorden und Lomfjorden und gehört zu einem ausgedehnten vergletscherten Hochland. Ihre Position ist klimatologisch besonders interessant: Svalbard liegt im Grenzbereich zwischen relativ warmem Atlantikwasser und kalten arktischen Luft- und Meeresströmungen. Veränderungen dieses Systems schlagen sich schnell in Schneefall, Schmelze und Eisdicke nieder.

Genau deshalb nutzen Forschende Åsgårdfonna als Klimaarchiv. Sedimentkerne aus Seen in der Umgebung und Eisbohrungen erlauben Rückschlüsse darauf, wie weit sich die Eiskappe während früherer Warm- und Kaltphasen ausdehnte. Untersuchungen an Femmilsjøen sollen beispielsweise rekonstruieren, wie Åsgårdfonna seit dem Ende der letzten Eiszeit reagiert hat. Das ist für heutige Prognosen relevant: Wenn bekannt ist, wie arktische Eiskappen auf frühere natürliche Wärmeperioden reagierten, lässt sich ihre Sensitivität gegenüber der heutigen Erwärmung besser einordnen. Die Eiskappe ist flächenmäßig nur etwa zehn Prozent kleiner als Edgeøyjøkulen, aber deutlich größer als die isländischen Eiskappen Langjökull und Hofsjökull. Rang sechs zeigt damit erneut, wie stark Svalbard das europäische Gletscherranking prägt.

  • Fläche von rund 1.230 Quadratkilometern.
  • Liegt im Nordosten von Spitsbergen zwischen großen Fjordsystemen.
  • See- und Eisarchive werden zur Rekonstruktion der Gletschergeschichte seit der letzten Eiszeit genutzt.
Staat
Norwegen
Archipel
Svalbard
Insel
Spitsbergen
Fläche
ca. 1.230 km²
Typ
arktische Eiskappe
Lage
zwischen Wijdefjorden und Lomfjorden
Forschungsgebiet
Paläoklima und langfristige Gletscherschwankungen
Besonderheit
wichtiges Archiv früherer arktischer Warmphasen
Quelle
University Centre in Svalbard

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7. Langjökull: Islands zweitgrößter Gletscher schrumpft besonders schnell

Rang: 7 Starker Rückgang

Langjökull bedeutet schlicht „langer Gletscher“. Mit rund 820 Quadratkilometern im Jahr 2023 ist die Eiskappe Islands zweitgrößter Gletscher und die Nummer sieben in Europa. Historische Vergleichswerte zeigen jedoch, wie schnell sich diese Kennzahl verändert. Um 2019 wurden noch rund 835 Quadratkilometer angegeben; ältere Karten und Inventare kamen auf mehr als 900 Quadratkilometer. Diese Differenzen entstehen teilweise durch Messmethoden, hauptsächlich aber durch realen Eisverlust.

Langjökull liegt im westlichen isländischen Hochland und ist deutlich niedriger als große Bereiche des Vatnajökull. Dadurch reagiert die Eiskappe besonders empfindlich auf steigende Sommertemperaturen. Modellrechnungen zeigen, dass Langjökull bei anhaltender Erwärmung schneller an Volumen verliert als die höher gelegenen Eiskappen Hofsjökull und Vatnajökull. Unter dem Eis befindet sich zudem vulkanisch geprägtes Gelände; an seinen Rändern liegen junge Lavafelder und geothermale Regionen. Für Island ist der Gletscher außerdem hydrologisch wichtig, weil sein Schmelzwasser Flüsse und Grundwassersysteme speist. Touristisch ist Langjökull einer der am leichtesten erreichbaren Großgletscher des Landes. Sein Rang gegenüber Hofsjökull ist knapp: Nach den 2023 veröffentlichten Flächenwerten trennen die beiden nur rund 25 Quadratkilometer. Im Vergleich zu Austfonna besitzt Langjökull allerdings weniger als ein Zehntel der Fläche.

  • 2023 etwa 820 Quadratkilometer groß.
  • Zweitgrößte Eiskappe Islands.
  • Langfristige Messungen zeigen einen besonders ausgeprägten Flächen- und Volumenverlust.
Staat
Island
Fläche
ca. 820 km²
Datenstand
2023
Typ
temperierte Eiskappe
Rang in Island
2
Fläche 2019
ca. 835 km²
Entwicklung
deutlicher langfristiger Rückgang
Besonderheit
vergleichsweise niedrige und damit klimatisch empfindliche Groß-Eiskappe
Quelle
Natural Science Institute of Iceland

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8. Hofsjökull: Islands drittgrößte Eiskappe verbirgt einen Zentralvulkan

Rang: 8 Vulkangletscher

Nur etwa 25 Quadratkilometer trennen Hofsjökull vom größeren Langjökull. Die isländische Naturforschungsbehörde gibt für 2023 eine Fläche von ungefähr 795 Quadratkilometern an. Damit erreicht Hofsjökull Rang acht. Noch 2019 wurden rund 810 Quadratkilometer angegeben. Der Rückgang innerhalb weniger Jahre passt zum langfristigen Bild der isländischen Gletscher, die seit Ende des 19. Jahrhunderts insgesamt Tausende Quadratkilometer verloren haben.

Hofsjökull ist glaziologisch und vulkanologisch gleichermaßen interessant. Unter der annähernd kreisförmigen Eiskappe liegt ein großer Zentralvulkan mit Caldera. Der höchste Bereich erreicht ungefähr 1.765 Meter über dem Meer. Das relativ hoch gelegene Zentrum sorgt dafür, dass Hofsjökull auf Erwärmung etwas langsamer reagiert als der niedrigere Langjökull. Gleichzeitig speist die Eiskappe mehrere bedeutende Flusssysteme. Besonders Þjórsá, der längste Fluss Islands, erhält Wasser aus der Region. Langjährige Massenbilanzmessungen gehören deshalb nicht nur zur Klimaforschung, sondern sind auch für Wasserwirtschaft und Wasserkraft relevant. Wissenschaftliche Daten zeigen, dass Hofsjökull seit den 1990er-Jahren in den meisten Jahren eine negative Massenbilanz hatte. Im europäischen Vergleich wirkt eine Fläche von knapp 800 Quadratkilometern gewaltig; gegenüber der Severny-Eiskappe entspricht sie jedoch nur gut vier Prozent.

  • 2023 rund 795 Quadratkilometer groß.
  • 2019 wurden noch etwa 810 Quadratkilometer angegeben.
  • Unter dem Eis befindet sich ein großer Zentralvulkan mit Caldera.
Staat
Island
Fläche
ca. 795 km²
Datenstand
2023
Fläche 2019
ca. 810 km²
Höchster Bereich
ca. 1.765 m
Typ
temperierte Eiskappe
Untergrund
großer Zentralvulkan mit Caldera
Besonderheit
wichtig für Islands Gletscher- und Wasserhaushaltsforschung
Quelle
Frontiers in Earth Science

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9. Kvitøyjøkulen: Eine Eiskappe, die fast eine ganze Insel verschwinden lässt

Rang: 9 Fast vollständig vereist

Kvitøya heißt übersetzt „Weiße Insel“ – und selten ist ein geographischer Name treffender. Die östlichste größere Insel Svalbards wird nahezu vollständig von Kvitøyjøkulen bedeckt. Ältere Gletscherinventare geben für die Eiskappe ungefähr 705 Quadratkilometer an; modernere Insel- und Küstenvermessungen führen wegen Rückzug, unterschiedlichen Küstenlinien und der Definition des Gletscherrands zu etwas kleineren Größenordnungen. Für das Ranking wird deshalb ein Bereich von ungefähr 680 bis 705 Quadratkilometern angegeben.

Abseits weniger felsiger Küstenpunkte ist Kvitøyjøkulen praktisch die gesamte Landschaft. Das unterscheidet die Eiskappe deutlich von Langjökull oder Hofsjökull, die von großen eisfreien Hochländern umgeben sind. Kvitøya liegt weit östlich im Nordost-Svalbard-Naturreservat und nur wenige Dutzend Kilometer von russischen Arktisgebieten entfernt. Das Klima ist entsprechend streng, und die Insel ist wegen Meereis und Wetter nur schwer erreichbar. Historisch wurde Kvitøya berühmt, weil 1930 dort die Überreste der gescheiterten Ballonexpedition von Salomon August Andrée gefunden wurden. Andrée und seine Begleiter hatten 1897 versucht, den Nordpol im Wasserstoffballon zu überqueren. Heute ist Kvitøyjøkulen vor allem ein empfindlicher Indikator für Veränderungen der europäischen Hocharktis. Seine Fläche reicht trotz der kleinen Insel klar für Rang neun.

  • Bedeckt fast die gesamte Insel Kvitøya.
  • Je nach Inventar und Grenzziehung ungefähr 680 bis 705 Quadratkilometer groß.
  • Liegt im streng geschützten Nordost-Svalbard-Naturreservat.
Staat
Norwegen
Archipel
Svalbard
Insel
Kvitøya
Fläche
ca. 680–705 km² je nach Inventar
Typ
Inseleiskappe
Eisbedeckung
nahezu die gesamte Insel
Schutzstatus
Nordost-Svalbard-Naturreservat
Historische Besonderheit
Fundort der Andrée-Expedition von 1897
Quelle
Norwegian Polar Institute

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10. Lomonosovfonna: Unter dem Firn verbirgt sich flüssiges Wasser

Rang: 10 Forschungsrekord

Mit ungefähr 600 Quadratkilometern komplettiert Lomonosovfonna auf Spitsbergen die Top 10. Die Eiskappe liegt im zentralen bis nordöstlichen Teil der Insel und steigt in ihrem höchsten Bereich auf mehr als 1.200 Meter. Flächenmäßig liegt sie deutlich hinter Kvitøyjøkulen, bleibt aber größer als Islands Mýrdalsjökull, der nach aktuellen Angaben 2023 nur noch rund 510 Quadratkilometer umfasste. Dadurch fällt der bekannte Katla-Gletscher knapp aus dieser Europa-Top-10 heraus.

Lomonosovfonna ist wissenschaftlich besonders spannend, weil sich im Firn der Eiskappe mehrjährig flüssiges Wasser halten kann. Firn ist verdichteter Altschnee, der noch nicht vollständig zu Gletschereis geworden ist. In seinen Poren kann Schmelz- und Regenwasser versickern. Forschende konnten auf Lomonosovfonna einen sogenannten perennial firn aquifer nachweisen und seine Entwicklung modellieren. Messungen zeigen, dass dieses unterirdische Wasserreservoir schon in der Mitte des 20. Jahrhunderts vorhanden war und sich unter veränderten Klimabedingungen weiterentwickelt hat. Solche Aquifere beeinflussen, wie schnell Schmelzwasser durch einen Gletscher transportiert wird und möglicherweise auch dessen Fließverhalten. Zusätzlich wurden auf Lomonosovfonna tiefe Eisbohrkerne gewonnen, die Informationen über vergangene Luftverschmutzung und Klimaschwankungen konservieren. Damit erreicht Rang zehn trotz geringerer Fläche einen besonders hohen wissenschaftlichen Informationswert.

  • Ungefähr 600 Quadratkilometer große Eiskappe auf Spitsbergen.
  • Im Firn existiert ein mehrjähriger Speicher aus flüssigem Wasser.
  • Eisbohrkerne liefern Informationen über Klima und atmosphärische Verschmutzung vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte.
Staat
Norwegen
Archipel
Svalbard
Insel
Spitsbergen
Fläche
ca. 600 km²
Typ
arktische Eiskappe
Maximale Höhe
mehr als 1.200 m
Hydrologische Besonderheit
mehrjähriger Firn-Aquifer
Forschung
Radar, Firnhydrologie und Eisbohrkerne
Besonderheit
flüssiges Wasser kann ganzjährig im Firn gespeichert bleiben
Quelle
The Cryosphere

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Häufige Fragen zu den größten Gletschern Europas

Welcher ist der größte Gletscher Europas?

Bei Einbeziehung von Nowaja Semlja ist die Severny-Island-Eiskappe mit rund 18.661 Quadratkilometern im Jahr 2021 der größte Gletscher Europas. Sie ist damit mehr als doppelt so groß wie Vatnajökull auf Island.

Ist Vatnajökull der größte Gletscher Europas?

Vatnajökull wird häufig als größter Gletscher Europas beziehungsweise als größte Eiskappe Europas außerhalb der Hocharktis bezeichnet. Werden Svalbard und Nowaja Semlja einbezogen, liegen jedoch die Severny-Island-Eiskappe und Austfonna nach Fläche vor ihm.

Welcher ist der größte Gletscher auf dem europäischen Festland?

Jostedalsbreen in Norwegen ist der größte Gletscher des europäischen Festlands beziehungsweise des norwegischen Festlands. Seine Fläche liegt heute bei deutlich unter 500 Quadratkilometern. Damit ist er wesentlich kleiner als die großen Eiskappen Svalbards und Islands.

Warum schrumpfen die Flächenangaben der Gletscher ständig?

Gletscher verlieren bei negativer Massenbilanz langfristig mehr Eis durch Schmelzen und Kalbung, als durch Schneefall neu hinzukommt. Zusätzlich werden Gletscherflächen mit immer genaueren Satellitendaten neu vermessen. Deshalb können neuere Flächenwerte kleiner sein als ältere Angaben, ohne dass die Differenz ausschließlich auf unterschiedliche Messmethoden zurückgeht.

Warum stehen keine Alpengletscher in der Top 10?

Selbst die größten Alpengletscher sind im Vergleich zu den arktischen Eiskappen klein. Der Große Aletschgletscher in der Schweiz umfasst nur einen Bruchteil der Fläche von Lomonosovfonna, dem zehntplatzierten Gletscher dieser Liste. Die größten europäischen Eisflächen konzentrieren sich deshalb klar auf die Hocharktis und Island.

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