Wie misst man die größten Kanäle der Welt? Diese Liste vergleicht künstlich angelegte, hauptsächlich für Schiffe genutzte Wasserwege anhand ihrer schiffbaren Länge. Ergänzend ordnet sie ihre Bedeutung für Handel und Verkehrsgeschichte ein.
Die Rangfolge orientiert sich primär an der Gesamtlänge der schiffbaren Kanalstrecke, bei ähnlichen Werten entscheidet die Rolle im Welthandel oder in der Verkehrsgeschichte. Historische Großprojekte wie der Eriekanal stehen neben heutigen Engpässen des globalen Güterverkehrs wie Sues oder Panama.
Übersicht
Methodik und Datenstand
Verglichen wird die schiffbare Gesamtlänge der benannten Wasserstraße. Kanalsysteme und Seewege werden nur aufgenommen, wenn sie als zusammenhängende Navigationsroute offiziell beschrieben sind; natürliche Flussabschnitte werden kenntlich gemacht. Bei abweichenden Angaben haben Betreiber und Behörden Vorrang. Datenstand: 31. Juli 2026.
Großer Kanal (China)
Rang: 1
Der Große Kanal zwischen Peking und Hangzhou ist die Mutter aller Wasserbauprojekte: ein über Jahrhunderte gewachsenes Netz aus künstlichen Wasserwegen, das Nord- und Südchina verbindet. Historisch wurden darüber Reis, Steuern und Truppen transportiert – heute sind lange Abschnitte modernisiert und weiterhin schiffbar.
- Älteste Teile über 2.000 Jahre alt, im 7. Jh. n. Chr. zur durchgehenden Reichsachse ausgebaut
- Längste künstliche Wasserstraße der Welt mit rund 1.794 km nomineller Länge
- UNESCO-Welterbestätte und bis heute wichtiger Binnenschifffahrtskorridor
Eriekanal (USA)
Rang: 2
Der Eriekanal verband ab 1825 den Hudson River mit dem Eriesee und machte New York zum „Empire State“. Mit gut 580 km war er das erste wirklich große Infrastrukturprojekt der USA und verkürzte Transportzeiten und -kosten dramatisch – ein Gamechanger für den Binnenhandel.
- Ursprüngliche Länge 363 Meilen (rund 584 km) zwischen Albany und Buffalo
- Überwindet rund 571 Fuß (174 m) Höhenunterschied mit Dutzenden Schleusen
- Heute Teil des New York State Canal System, touristisch und gewerblich genutzt
Sankt-Lorenz-Seeweg (Nordamerika)
Rang: 3
Der Sankt-Lorenz-Seeweg macht aus den Großen Seen einen Zugang zum Atlantik für Hochseeschiffe. Der tiefgangstaugliche Abschnitt zwischen Montreal und dem Ontariosee ist zwar „nur“ einige hundert Kilometer lang, ist aber Teil eines schiffbaren Gesamtsystems von über 3.700 km – eine der wichtigsten Exportachsen Nordamerikas.
- Tiefwasserstraße mit 15 Schleusen zwischen Montreal und dem Ontariosee
- Teil des Great-Lakes–St.-Lorenz-Systems von rund 3.700 km Länge
- Eröffnet 1959, verbindet industrielle Zentren mit dem Atlantik
Sueskanal (Ägypten)
Rang: 4
Der Sueskanal ist die Schnellspur des Welthandels zwischen Europa und Asien. Die 193 km lange, schleusenfreie Verbindung zwischen Mittelmeer und Rotem Meer erspart Schiffen den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung und bündelt rund ein Zehntel des weltweiten Seehandels in einem einzigen Nadelöhr.
- Länge etwa 193 km zwischen Port Said und Sues
- Seeschifffahrtskanal ohne Schleusen, seit 1869 in Betrieb
- Rund 10–12 % des weltweiten Warenhandels passieren die Route
Göta-Kanal (Schweden)
Rang: 5
Der Göta-Kanal ist das „Blaue Band“ Schwedens und verbindet Ostsee und Nordsee über Seen, Flüsse und 58 Schleusen. Die reine Kanallänge ist mit 190 km beachtlich, zusammen mit den angeschlossenen Wasserwegen entsteht eine 390 km lange Binnenroute quer durch Südschweden.
- Reine Kanallänge rund 190 km, davon 87 km ausgehoben oder gesprengt
- 58 Schleusen, heute vor allem touristisch genutzt
- Teil einer etwa 390 km langen Wasserstraße von Göteborg bis an die Ostsee
Wolga-Don-Kanal (Russland)
Rang: 6
Der Wolga–Don-Kanal schließt eine strategische Lücke: Er verbindet das Kaspische Meer über Wolga und Don mit Schwarzem Meer und Mittelmeer. Auf gut 100 km Länge, teils kanalisiert, teils durch Stauseen, überwindet er fast 90 m Höhenunterschied und ist Schlüsselstück des russischen Binnentransports.
- Länge etwa 101 km, davon rund 45 km künstlicher Kanal
- 13 Schleusen, eröffnet 1952
- Teil des „Unified Deep Water System“ des europäischen Russlands
Nord-Ostsee-Kanal (Deutschland)
Rang: 7
Der Nord-Ostsee-Kanal (international Kiel Canal) verbindet Elbe und Ostsee und ist gemessen an den Schiffsbewegungen die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt. Auf knapp 100 km Länge erspart er Schiffen den Umweg um Skagen und verkürzt die Strecke von Hamburg nach Kiel deutlich.
- Länge rund 98,6 km zwischen Brunsbüttel und Kiel-Holtenau
- Eröffnet 1895 als Kaiser-Wilhelm-Kanal, später ausgebaut und vertieft
- Jährlich zehntausende Durchfahrten von See- und Binnenschiffen
Panamakanal (Panama)
Rang: 8
Der Panamakanal schneidet den amerikanischen Doppelkontinent an seiner schmalsten Stelle auf. Obwohl nur 82 km lang, gehört er zu den „größten“ Kanälen der Welt, weil er Atlantik und Pazifik verbindet und damit eine der wichtigsten Ost–West-Achsen des Welthandels bildet.
- Künstliche Wasserstraße von rund 82 km Länge mit Schleusen auf beiden Seiten
- Seit 1914 in Betrieb, 2016 durch Neopanamax-Schleusen erweitert
- Verbindet Karibik (Atlantik) und Pazifik über den Gatunsee
Wellandkanal (Kanada)
Rang: 9
Der Wellandkanal ist das Rückgrat der Seeschifffahrt zwischen Eriesee und Ontariosee. Er erlaubt Schiffen, den Höhenunterschied der Niagarafälle zu umgehen, und ist damit ein unverzichtbares Bindeglied im System aus Großen Seen und Sankt-Lorenz-Seeweg.
- Länge rund 43,5 km zwischen Port Weller (Ontariosee) und Port Colborne (Eriesee)
- Acht große Schleusen überwinden knapp 100 m Höhendifferenz
- Erste Fassung 1829, aktuelle vierte Kanalgeneration seit 1932 in Betrieb
Isthmus-Kanal von Korinth (Griechenland)
Rang: 10
Der Kanal von Korinth ist kurz, aber spektakulär: Er schneidet die Peloponnes von Griechenlands Festland ab und erspart kleineren Schiffen den langen Weg um Kap Malea. Die bis zu 80 m hohen Felswände links und rechts machen die 6,4 km zu einem der ikonischsten Kanäle der Welt.
- Länge etwa 6,4 km, Breite rund 24,6 m an der Wasseroberfläche
- Ohne Schleusen auf Meereshöhe, eröffnet 1893
- Für viele moderne Frachter zu schmal, aber touristisch und für kleinere Schiffe bedeutsam
Häufige Fragen
Nach welchem Kriterium wurden die Kanäle gereiht?
Die Rangfolge orientiert sich primär an der schiffbaren Gesamtlänge der künstlichen Kanäle. Bei ähnlichen Längen wurde zusätzlich ihre Rolle im internationalen Schiffsverkehr und ihre historische Bedeutung berücksichtigt.
Warum sind auch historische oder teilweise nur noch begrenzt genutzte Kanäle aufgeführt?
Einige Kanäle wie der Eriekanal oder Teile des Großen Kanals in China haben ihren ursprünglichen Güterverkehr zugunsten moderner Routen verloren, gelten aber wegen ihrer Dimensionen und Wirkungsgeschichte weiterhin als Großprojekte und werden heute teils touristisch, teils regionalwirtschaftlich genutzt.
Was ist der Unterschied zwischen einem Kanal und einer Seewasserstraße wie dem Sankt-Lorenz-Seeweg?
Ein Kanal ist eine künstliche Wasserstraße, die natürliche Gewässer verbindet oder abkürzt. Systeme wie der Sankt-Lorenz-Seeweg kombinieren solche Kanäle und Schleusen mit natürlichen Flüssen und Seen. In der Liste wurden nur Abschnitte berücksichtigt, in denen der künstliche Ausbau prägend für die Schifffahrt ist.







