6.000 Megawatt an einem einzigen Standort: Europas größte Kraftwerke erreichen Leistungen, die dem Strombedarf ganzer Staaten entsprechen können. Auffällig ist, wie stark Kernkraftwerke die Spitze bestimmen. Acht der zehn größten Standorte dieses Rankings sind Atomkraftwerke; nur Bełchatów und Kozienice erzeugen ihren Strom aus Kohle. Gleichzeitig zeigt die Liste einen entscheidenden Unterschied zwischen installierter Leistung und tatsächlicher Stromproduktion: Das leistungsstärkste Kraftwerk Europas, das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja, erzeugt seit 2022 keinen Strom mehr.
Sortiert wird nach der aktuell am Standort vorhandenen elektrischen Nennleistung. Dauerhaft stillgelegte Kraftwerksblöcke werden nicht mehr mitgerechnet. Kurzfristige Wartungsabschaltungen verändern die Platzierung dagegen nicht. Bei Saporischschja wird die technisch vorhandene Leistung von sechs VVER-1000-Blöcken gewertet, zugleich aber der vollständige Stillstand transparent ausgewiesen. Geografisch umfasst Europa auch den europäischen Teil Russlands westlich des Urals. Anlagen im asiatischen Russland und im asiatischen Teil der Türkei bleiben ausgeschlossen. Bei gleicher Leistung dient die zuletzt dokumentierte Jahreserzeugung als Zusatzkriterium. Datenstand: August 2026. Der Artikel gehört zur Kategorie Gebäude.
So wurde gewertet
Hauptkriterium ist die aktuell installierte elektrische Leistung des Kraftwerksstandorts in Megawatt. Bereits dauerhaft stillgelegte Blöcke zählen nicht mehr, während aktive Blöcke auch dann berücksichtigt werden, wenn sie wegen Revision, Reparatur oder außergewöhnlicher politischer Umstände zeitweise keinen Strom erzeugen. Entscheidend ist also die technische Standortgröße und nicht die momentane Einspeisung. Bei identischer Leistung werden zuletzt dokumentierte Produktionswerte und anschließend die Zahl beziehungsweise Größe der aktiven Blöcke zur Reihenfolge herangezogen. Zusätzlich vergleichen wir Reaktortypen beziehungsweise Brennstoffe, Inbetriebnahme, Jahreserzeugung, Wirkungsgrad, Kühlung, aktuelle Entwicklungen und besondere technische oder politische Aspekte. Geografischer Datenstand und Anlagenstatus: August 2026.
Übersicht
- Kernkraftwerk Saporischschja – Ukraine
- Kernkraftwerk Gravelines – Frankreich
- Kernkraftwerk Paluel – Frankreich
- Kernkraftwerk Cattenom – Frankreich
- Kraftwerk Bełchatów – Polen
- Kernkraftwerk Leningrad – Russland
- Kernkraftwerk Flamanville – Frankreich
- Kraftwerk Kozienice – Polen
- Kernkraftwerk Balakowo – Russland
- Kernkraftwerk Rostow – Russland
| Rang | Kraftwerk | Land | Installierte Leistung | Technik | Blöcke | Produktion / Status | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Saporischschja | Ukraine | 6.000 MW | Kernkraft, VVER-1000 | 6 | seit September 2022 ohne Stromproduktion | größtes Kernkraftwerk Europas |
| 2 | Gravelines | Frankreich | 5.400 MW | Kernkraft, Druckwasserreaktoren | 6 × 900 MW | 32,27 TWh im Jahr 2025 | größtes produzierendes Kraftwerk der EU nach Standortleistung |
| 3 | Paluel | Frankreich | 5.200 MW | Kernkraft, Druckwasserreaktoren | 4 × 1.300 MW | 36 TWh im Jahr 2025 | 2025 einer der produktivsten französischen Kernkraftstandorte |
| 4 | Cattenom | Frankreich | 5.200 MW | Kernkraft, Druckwasserreaktoren | 4 × 1.300 MW | über 30 TWh im Jahr 2025 | nur rund 20 km von Luxemburg entfernt |
| 5 | Bełchatów | Polen | 5.096,7 MW installiert | Braunkohle | mehrere Großblöcke | weiterhin in Betrieb | größtes Braunkohlekraftwerk Europas |
| 6 | Leningrad | Russland | 4.400 MW | Kernkraft, RBMK + VVER-1200 | 4 aktive Blöcke | laufender Betrieb | einziger Top-10-Standort mit zwei Reaktorgenerationen |
| 7 | Flamanville | Frankreich | 4.200 MW Nennleistung | Kernkraft, PWR + EPR | 2 × 1.300 MW + 1 × 1.600 MW | 16,4 TWh 2025 während EPR-Hochlauf | Europas erster EPR am Netz |
| 8 | Kozienice | Polen | 4.016 MW | Steinkohle | 11 Blöcke | laufender Betrieb | 1.075-MW-Block gehört zu Europas größten Kohleblöcken |
| 9 | Balakowo | Russland | 4.000 MW | Kernkraft, VVER-1000 | 4 × 1.000 MW | 2025 mehr als 33,6 TWh Jahresplanziel erreicht | einer der produktivsten russischen Kernkraftstandorte |
| 10 | Rostow | Russland | 4.000 MW | Kernkraft, VVER-1000 | 4 × 1.000 MW | 2025 mehr als 32,5 TWh Jahresplanziel erreicht | jüngster Vierblock-VVER-1000-Standort Russlands |
1. Saporischschja: 6.000 Megawatt Leistung – aber seit 2022 ohne Stromproduktion
Rang: 1 Europa-Rekord
Das Kernkraftwerk Saporischschja ist ein außergewöhnlicher Spitzenreiter: Mit sechs VVER-1000-Reaktoren und zusammen 6.000 Megawatt besitzt der Standort die größte installierte Kraftwerksleistung Europas, produziert aber gegenwärtig keinen Strom. Das ukrainische Unternehmen Energoatom bezeichnet Saporischschja ausdrücklich als größtes Kernkraftwerk der Ukraine und Europas. Die sechs Blöcke gingen zwischen 1984 und 1995 in Betrieb und erzeugten im Laufe ihrer Betriebszeit zusammen mehr als 1,1 Billionen Kilowattstunden Elektrizität.
Seit September 2022 befinden sich sämtliche Reaktoren infolge des russischen Angriffskrieges und der Besetzung des Standorts im Abschaltzustand. Dadurch unterscheidet sich Rang eins grundlegend von allen folgenden Plätzen: Die 6.000 Megawatt beschreiben die vorhandene technische Kraftwerkskapazität, nicht eine aktuell abrufbare Erzeugungsleistung. Auch ein abgeschalteter Kernreaktor benötigt weiterhin Strom für Kühlung, Sicherheitssysteme und Überwachung. Genau deshalb spielt die Versorgung über externe Hochspannungsleitungen eine zentrale Rolle. Die Internationale Atomenergie-Organisation begleitet den Standort permanent und warnt regelmäßig vor Risiken durch beschädigte Stromleitungen und militärische Aktivitäten. Rein baulich und elektrisch bleibt Saporischschja dennoch Europas größter Kraftwerkskomplex.
- Sechs VVER-1000-Blöcke mit jeweils 1.000 MW.
- Gesamtleistung des Standorts: 6.000 MW.
- Alle Reaktoren befinden sich seit September 2022 im Abschaltzustand und erzeugen derzeit keinen Strom.
- Land
- Ukraine
- Standort
- Enerhodar, Oblast Saporischschja
- Installierte Leistung
- 6.000 MW
- Reaktoren
- 6
- Reaktortyp
- VVER-1000/320
- Inbetriebnahmen
- 1984–1995
- Historische Erzeugung
- mehr als 1,1 Billionen kWh
- Aktueller Status
- keine Stromproduktion
- Besonderheit
- größtes Kernkraftwerk und größter Kraftwerksstandort Europas nach installierter Leistung
- Quelle
- Energoatom – Zaporizhzhia NPP
2. Gravelines: 5.400 Megawatt Kernkraft direkt an der Nordsee
Rang: 2 Frankreich-Rekord
Zwischen Dunkerque und Calais stehen sechs nahezu baugleiche Reaktorblöcke unmittelbar hinter der Nordseeküste. Das Kernkraftwerk Gravelines verfügt laut EDF über sechs Druckwasserreaktoren mit jeweils 900 Megawatt und erreicht damit 5.400 Megawatt Nennleistung. Da Saporischschja gegenwärtig keinen Strom erzeugt, ist Gravelines der leistungsstärkste aktiv produzierende Kraftwerksstandort der Europäischen Union. 2025 lieferte die Anlage 32,27 Terawattstunden Strom.
Die sechs Reaktoren gingen zwischen 1980 und 1985 ans Netz. Ihre Kühlung profitiert von der unmittelbaren Lage am Meer, bringt aber zugleich besondere Anforderungen mit sich. Im August 2025 mussten mehrere Blöcke zeitweise abgeschaltet werden, nachdem große Mengen Quallen die Wasseransaugsysteme beeinträchtigt hatten. Das Ereignis zeigt, dass selbst ein riesiger Industriestandort von lokalen ökologischen Bedingungen abhängig bleibt. Gravelines ist zugleich für die Zukunft des französischen Kernkraftprogramms vorgesehen: EDF plant hier im Rahmen des EPR2-Programms zwei neue Reaktoren. Damit könnte der Standort langfristig deutlich über seine heutige Leistung hinauswachsen. Gegenüber Saporischschja fehlen nominell 600 Megawatt; gegenüber Paluel beträgt der Vorsprung lediglich 200 Megawatt.
- Sechs Druckwasserreaktoren mit jeweils 900 MW.
- 5.400 MW installierte Gesamtleistung.
- 32,27 TWh Stromproduktion im Jahr 2025.
- Land
- Frankreich
- Region
- Hauts-de-France
- Installierte Leistung
- 5.400 MW
- Reaktoren
- 6 × 900 MW
- Reaktortyp
- Druckwasserreaktor
- Inbetriebnahme
- 1980–1985
- Produktion 2025
- 32,27 TWh
- Kühlung
- Nordseewasser
- Zukunft
- Standort für zwei geplante EPR2-Reaktoren
- Besonderheit
- leistungsstärkster aktiver Kernkraftstandort Frankreichs
- Quelle
- EDF – Centrale nucléaire de Gravelines
3. Paluel: Vier 1.300-MW-Reaktoren und 36 TWh Jahresproduktion
Rang: 3 Produktionsstark
Paluel erreicht mit nur vier Reaktoren fast die Leistung des sechsblöckigen Gravelines. Der Grund liegt in der Reaktorgröße: Jeder der vier französischen Druckwasserreaktoren liefert 1.300 Megawatt. Zusammen entstehen 5.200 Megawatt installierte Leistung. 2025 produzierte das Kraftwerk nach EDF-Angaben rund 36 Terawattstunden – deutlich mehr als das nominell größere Gravelines im selben Jahr.
Die Anlage liegt an der normannischen Ärmelkanalküste und wurde zwischen 1984 und 1986 in Betrieb genommen. Paluel gehört zur sogenannten französischen P4-Baureihe, mit der EDF nach den frühen 900-MW-Anlagen deutlich größere Standardblöcke einführte. Die Leistung von vier Einheiten entspricht ungefähr der Größenordnung von fünf bis sechs älteren Reaktoren. Gleichzeitig bringt diese Konzentration einen Nachteil: Fällt ein einzelner Block wegen Wartung aus, fehlen auf einen Schlag 1,3 Gigawatt. Besonders deutlich wurde das 2016, als bei Wartungsarbeiten ein etwa 465 Tonnen schwerer Dampferzeuger im Reaktorgebäude von Block 2 abstürzte. Der Block blieb anschließend fast zwei Jahre außer Betrieb. Heute gehören die vier Einheiten wieder zu den tragenden Säulen der französischen Stromversorgung. Rang drei teilen Paluel und Cattenom nominell; die höhere 2025er Stromproduktion setzt Paluel davor.
- Vier Druckwasserreaktoren mit jeweils 1.300 MW.
- Gesamtleistung: 5.200 MW.
- Stromproduktion 2025: rund 36 TWh.
- Land
- Frankreich
- Region
- Normandie
- Installierte Leistung
- 5.200 MW
- Reaktoren
- 4 × 1.300 MW
- Reaktortyp
- Druckwasserreaktor
- Inbetriebnahme
- 1984–1986
- Produktion 2025
- 36 TWh
- Kühlung
- Ärmelkanal
- Mitarbeitende
- rund 2.200 EDF- und Partnerbeschäftigte
- Besonderheit
- 2025 höhere Stromerzeugung als das leistungsstärkere Gravelines
- Quelle
- EDF – Centrale nucléaire de Paluel
4. Cattenom: 5.200 Megawatt nur 20 Kilometer von Luxemburg entfernt
Rang: 4 Grenzstandort
Cattenom besitzt technisch fast dieselbe Grundkonfiguration wie Paluel: vier Druckwasserreaktoren mit jeweils 1.300 Megawatt ergeben zusammen 5.200 Megawatt. Der Standort erreicht deshalb nominell denselben Leistungswert wie Rang drei. Die Platzierung hinter Paluel ergibt sich aus der niedrigeren 2025er Jahresproduktion von etwas mehr als 30 Terawattstunden gegenüber 36 Terawattstunden in Paluel.
Geografisch ist Cattenom außergewöhnlich. Das Kraftwerk liegt an der Mosel nur etwa 20 Kilometer von Luxemburg und wenige Dutzend Kilometer von Deutschland entfernt. Ein Störfall wäre deshalb unmittelbar ein internationales Thema; entsprechend eng arbeiten französische, luxemburgische und deutsche Behörden bei Notfallschutz und Umweltüberwachung zusammen. Die vier Reaktoren gingen zwischen 1986 und 1991 in Betrieb. Anders als die am Meer gelegenen Kraftwerke Gravelines und Paluel nutzt Cattenom einen künstlichen Kühlwassersee und vier große Kühltürme. EDF gibt an, dass die Jahresproduktion des Standorts rechnerisch mehr als drei Viertel des Strombedarfs der französischen Region Grand Est decken kann. Besonders auffällig ist die Flächenkonzentration: Auf wenigen Quadratkilometern steht mehr elektrische Nennleistung als in manchen nationalen Stromsystemen kleinerer Staaten.
- Vier Reaktoren mit jeweils 1.300 MW.
- 5.200 MW installierte Gesamtleistung.
- 2025 mehr als 30 TWh Stromerzeugung.
- Land
- Frankreich
- Region
- Grand Est, Moselle
- Installierte Leistung
- 5.200 MW
- Reaktoren
- 4 × 1.300 MW
- Reaktortyp
- Druckwasserreaktor
- Inbetriebnahme
- 1986–1991
- Produktion 2025
- mehr als 30 TWh
- Kühlung
- Kühltürme und Mirgenbach-Stausee
- Entfernung zu Luxemburg
- rund 20 km
- Besonderheit
- einer der größten europäischen Kraftwerksstandorte unmittelbar an mehreren Staatsgrenzen
- Quelle
- EDF – Centrale nucléaire de Cattenom
5. Bełchatów: Europas größtes Braunkohlekraftwerk mit mehr als fünf Gigawatt
Rang: 5 Braunkohle-Rekord
Bełchatów ist der einzige Kraftwerksstandort in den ersten fünf Plätzen, der seinen Strom nicht aus Kernenergie erzeugt. Die polnische PGE gibt eine installierte Leistung von 5.096,7 Megawatt und eine erreichbare Leistung von 5.102 Megawatt an. Damit ist Bełchatów das größte Braunkohlekraftwerk Europas und eines der leistungsstärksten fossilen Kraftwerke der Welt.
Das Kraftwerk bildet gemeinsam mit dem unmittelbar benachbarten Tagebau ein riesiges Energiesystem. Braunkohle besitzt einen hohen Wasseranteil und einen vergleichsweise niedrigen Heizwert, weshalb weite Transporte wirtschaftlich ungünstig wären. Der Brennstoff gelangt deshalb über Förderanlagen direkt vom Tagebau ins Kraftwerk. Diese Verbindung machte Bełchatów jahrzehntelang zu einer zentralen Säule der polnischen Stromversorgung. Gleichzeitig verursacht gerade Braunkohle besonders hohe Kohlendioxidemissionen je erzeugter Kilowattstunde. Bełchatów wurde deshalb zu einem Symbol des europäischen Konflikts zwischen Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Polen plant den schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung am Standort; PGE entwickelt für die Region neue Energieprojekte und Strukturhilfen. Die Dimension des Umbaus ist enorm: Allein die heutige Kraftwerksleistung entspricht ungefähr fünf großen Kernkraftwerksblöcken oder mehreren Tausend modernen Windenergieanlagen.
- 5.096,7 MW installierte und rund 5.102 MW erreichbare Leistung.
- Größtes Braunkohlekraftwerk Europas.
- Der Brennstoff stammt direkt aus dem angrenzenden Tagebau Bełchatów.
- Land
- Polen
- Region
- Woiwodschaft Łódź
- Installierte Leistung
- 5.096,7 MW
- Erreichbare Leistung
- 5.102 MW
- Brennstoff
- Braunkohle
- Betreiber
- PGE GiEK
- Brennstoffquelle
- Tagebau Bełchatów
- Kraftwerkstyp
- Dampfkraftwerk
- Zukunft
- schrittweiser Übergang weg von der Braunkohle vorgesehen
- Besonderheit
- größtes Braunkohlekraftwerk Europas
- Quelle
- PGE GiEK – Elektrownia Bełchatów
6. Kernkraftwerk Leningrad: 4.400 Megawatt aus zwei Reaktorgenerationen
Rang: 6 Technikwechsel
Das Kernkraftwerk Leningrad bei Sosnowy Bor ist technologisch der ungewöhnlichste Nuklearstandort dieser Top 10. Rosenergoatom nennt für 2026 eine installierte Leistung von 4.400 Megawatt. Der Standort betreibt gleichzeitig ältere RBMK-1000-Reaktoren und neue VVER-1200-Blöcke. Damit lässt sich hier der Generationswechsel der russischen Kernkrafttechnik praktisch nebeneinander beobachten.
Ursprünglich besaß Leningrad vier RBMK-Blöcke desselben Grundtyps wie die Reaktoren von Tschernobyl. Die ältesten Einheiten 1 und 2 wurden nach rund 45 Betriebsjahren 2018 beziehungsweise 2020 endgültig abgeschaltet. Parallel entstanden zwei moderne VVER-1200-Druckwasserreaktoren. Zusammen mit den noch arbeitenden älteren Blöcken ergibt sich die heutige Standortleistung von rund 4,4 Gigawatt. Die neuen Reaktoren verfügen über passive Sicherheitssysteme und einen sogenannten Core Catcher, der bei einem extremen Kernschmelzunfall geschmolzenes Material auffangen soll. Der Standort liegt am Finnischen Meerbusen rund 70 Kilometer westlich von Sankt Petersburg und spielt eine zentrale Rolle für die Stromversorgung Nordwestrusslands. Weitere Neubauten sind vorgesehen, sodass Leningrad langfristig zu einem vollständig auf moderne VVER-Technik umgestellten Großstandort werden soll.
- 4.400 MW installierte Leistung im Jahr 2026.
- Aktive Blöcke aus älterer RBMK- und moderner VVER-Generation.
- Die ersten beiden RBMK-Reaktoren wurden bereits dauerhaft stillgelegt.
- Land
- Russland
- Region
- Leningrader Oblast
- Standort
- Sosnowy Bor
- Installierte Leistung
- 4.400 MW
- Aktive Reaktoren
- 4
- Reaktortypen
- RBMK-1000 und VVER-1200
- Kühlung
- Finnischer Meerbusen
- Älteste stillgelegte Blöcke
- 2018 und 2020
- Entfernung zu Sankt Petersburg
- rund 70 km
- Besonderheit
- Parallelbetrieb zweier grundlegend unterschiedlicher russischer Reaktorgenerationen
- Quelle
- Rosenergoatom – Leningrad Nuclear Power Plant
7. Flamanville: Der neue EPR hebt den Standort auf 4.200 Megawatt
Rang: 7 EPR
Flamanville gehört erst seit kurzem in diese Top 10. Jahrzehntelang bestand der Standort aus zwei 1.300-Megawatt-Reaktoren und erreichte damit 2.600 Megawatt. Mit dem Anschluss des neuen EPR Flamanville 3 an das französische Stromnetz im Dezember 2024 stieg die offizielle Standortleistung auf 4.200 Megawatt: zweimal 1.300 MW plus 1.600 MW Nennleistung für den EPR. Bei Leistungstests erreichte Block 3 im Dezember 2025 sogar 1.669 MW elektrische Bruttoleistung.
Der Weg dorthin war außergewöhnlich lang. Der Bau begann 2007; ursprünglich sollte der Reaktor bereits 2012 Strom liefern. Qualitätsprobleme bei Schweißnähten, Materialfragen, regulatorische Anforderungen und komplexe Nacharbeiten verzögerten das Projekt um mehr als ein Jahrzehnt und ließen die Kosten stark steigen. Am 21. Dezember 2024 wurde erstmals Strom ins Netz eingespeist, am 14. Dezember 2025 erreichte der EPR erstmals 100 Prozent nukleare Leistung. 2025 erzeugten die drei Blöcke zusammen 16,4 Terawattstunden – noch kein repräsentativer Vollbetriebswert, weil sich Block 3 während großer Teile des Jahres in der Anfahr- und Testphase befand. Flamanville zeigt damit eindrucksvoll, wie ein einziger moderner Großreaktor die Leistung eines bestehenden Standorts um mehr als 60 Prozent erhöhen kann.
- Zwei ältere Blöcke mit je 1.300 MW und ein EPR mit 1.600 MW Nennleistung.
- Gesamtleistung des Standorts: 4.200 MW.
- Der EPR erreichte am 14. Dezember 2025 erstmals volle nukleare Leistung.
- Land
- Frankreich
- Region
- Normandie
- Installierte Nennleistung
- 4.200 MW
- Reaktoren
- 3
- Flamanville 1 und 2
- je 1.300 MW
- Flamanville 3
- 1.600 MW Nennleistung
- EPR-Netzanschluss
- 21. Dezember 2024
- Volllast erstmals
- 14. Dezember 2025
- Produktion 2025
- 16,4 TWh
- Besonderheit
- erster EPR am französischen Stromnetz
- Quelle
- EDF – Centrale nucléaire de Flamanville
8. Kozienice: 4.016 Megawatt Steinkohle an der Weichsel
Rang: 8 Kohle-Gigant
Das Kraftwerk Kozienice gehört neben Bełchatów zu den beiden fossilen Kraftwerksriesen dieser Liste. Nach der Inbetriebnahme des neuen Blocks 11 stieg die erreichbare Leistung des Standorts auf 4.016 Megawatt. Damit liegt Kozienice knapp vor den vier Gigawatt starken russischen Kernkraftwerken Balakowo, Rostow und Kalinin.
Besonders interessant ist der Größenunterschied zwischen den Generationen. Der Standort wurde ab den 1970er-Jahren mit mehreren klassischen Kohleblöcken ausgebaut. 2017 kam ein moderner Großblock mit rund 1.075 Megawatt Leistung hinzu – nahezu so viel wie vier ältere Kraftwerksblöcke zusammen. Der neue Block arbeitet mit überkritischen Dampfparametern. Höhere Temperatur und höherer Druck steigern den Wirkungsgrad, sodass pro erzeugter Kilowattstunde weniger Kohle verbrannt wird als in älteren Anlagen. Klimaneutral wird das Kraftwerk dadurch allerdings nicht: Steinkohle bleibt ein emissionsintensiver Brennstoff, und der europäische Emissionshandel erhöht die wirtschaftlichen Kosten der Erzeugung. Kozienice liegt rund 80 Kilometer südöstlich von Warschau an der Weichsel, deren Wasser für die Kühlung genutzt wird. Langfristig steht auch dieser Standort vor der Frage, wie Polens Stromsystem von Kohle auf emissionsärmere Erzeugung umgestellt wird.
- 4.016 MW erreichbare Kraftwerksleistung.
- Der moderne Block 11 erreicht rund 1.075 MW.
- Zweitgrößter fossiler Kraftwerksstandort dieses Rankings nach Bełchatów.
- Land
- Polen
- Region
- Masowien
- Installierte / erreichbare Leistung
- ca. 4.016 MW
- Brennstoff
- Steinkohle
- Großblock 11
- ca. 1.075 MW
- Technologie Block 11
- überkritische Dampftechnik
- Fluss
- Weichsel
- Betreibergruppe
- ENEA
- Ausbau um Block 11
- 2017
- Besonderheit
- einer der leistungsstärksten Steinkohlekraftwerksstandorte Europas
- Quelle
- ENEA – Kozienice Block 11
9. Balakowo: Vier VVER-1000 und mehr als 33 Milliarden Kilowattstunden
Rang: 9 Produktionsrekord
Balakowo an der Wolga besitzt vier baugleiche VVER-1000-Druckwasserreaktoren und damit exakt 4.000 Megawatt installierte Leistung. Drei russische Kernkraftwerke erreichen diesen Wert: Balakowo, Rostow und Kalinin. Für die Rangfolge dient deshalb die zuletzt veröffentlichte 2025er Produktion beziehungsweise Zielerfüllung als Zusatzkriterium. Balakowo lag mit mehr als 33,6 Milliarden Kilowattstunden vor Rostow und Kalinin und erhält Rang neun.
Die vier Blöcke gingen zwischen 1985 und 1993 in Betrieb. VVER steht für einen wassergekühlten, wassermoderierten Druckwasserreaktor – technisch also dieselbe Grundfamilie wie westliche PWR-Anlagen, allerdings mit sowjetisch-russischer Konstruktion. Der Standort liegt am Saratower Stausee und nutzt die Wolga-Region als Kühlwasser- und Netzknoten. Seine hohe Jahresproduktion zeigt einen wichtigen Punkt: Zwei Kraftwerke mit derselben Nennleistung können abhängig von Wartungsdauer, Ausfällen und Betriebsführung deutlich unterschiedliche Energiemengen erzeugen. Ein vier Gigawatt großes Kraftwerk würde bei theoretischer Volllast das ganze Jahr über 35,04 Terawattstunden liefern. Balakowos Werte liegen regelmäßig erstaunlich nahe an dieser theoretischen Obergrenze, was auf hohe Verfügbarkeit hinweist.
- Vier VVER-1000-Reaktoren mit insgesamt 4.000 MW.
- Inbetriebnahme der Blöcke zwischen 1985 und 1993.
- 2025 wurde ein Erzeugungsziel von mehr als 33,6 TWh bereits vor Jahresende erreicht.
- Land
- Russland
- Region
- Oblast Saratow
- Installierte Leistung
- 4.000 MW
- Reaktoren
- 4 × 1.000 MW
- Reaktortyp
- VVER-1000/V-320
- Inbetriebnahme
- 1985–1993
- 2025er Erzeugungsmarke
- mehr als 33,6 TWh Jahresziel vorzeitig erreicht
- Kühlwasserregion
- Wolga / Saratower Stausee
- Betreiber
- Rosenergoatom
- Besonderheit
- höchste gemeldete 2025er Produktion unter den europäischen 4-GW-VVER-Standorten
- Quelle
- Rosenergoatom – Balakovo Nuclear Power Plant
10. Rostow: Vier Gigawatt Kernkraft am Zimljansker Stausee
Rang: 10 Modernisiert
Das Kernkraftwerk Rostow erreicht mit vier VVER-1000-Blöcken ebenfalls 4.000 Megawatt. Es liegt damit technisch exakt gleichauf mit Balakowo und Kalinin. Als Zusatzkriterium setzt es sich mit einer im Dezember 2025 gemeldeten Jahreserzeugung von mehr als 32,5 Milliarden Kilowattstunden vor Kalinin und komplettiert die Top 10.
Rostow ist jünger als Balakowo. Der Bau des ersten Blocks begann noch in sowjetischer Zeit, wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion jedoch für Jahre unterbrochen. Block 1 ging schließlich 2001 ans Netz, Block 2 folgte 2010, Block 3 im Jahr 2015 und Block 4 im Jahr 2018. Damit erstreckte sich die Fertigstellung des Standorts über fast zwei Jahrzehnte. Alle vier Blöcke gehören zur VVER-1000-Familie und nutzen Wasser aus dem Zimljansker Stausee. Das Kraftwerk ist ein entscheidender Stromlieferant für den Süden Russlands. Rosenergoatom gibt für jeden Block eine typische Tagesproduktion von ungefähr 25 Millionen Kilowattstunden an. Vier Blöcke können bei entsprechendem Betrieb also täglich rund 100 Millionen Kilowattstunden liefern. Dass Rostow trotz vier Gigawatt nur Rang zehn erreicht, verdeutlicht die enorme Leistungskonzentration an Europas größten Standorten.
- Vier VVER-1000-Reaktoren mit insgesamt 4.000 MW.
- Blöcke gingen 2001, 2010, 2015 und 2018 in Betrieb.
- 2025 wurde ein Jahreserzeugungsziel von mehr als 32,5 TWh vorzeitig erreicht.
- Land
- Russland
- Region
- Oblast Rostow
- Standort
- nahe Wolgodonsk
- Installierte Leistung
- 4.000 MW
- Reaktoren
- 4 × 1.000 MW
- Reaktortyp
- VVER-1000
- Inbetriebnahmen
- 2001, 2010, 2015, 2018
- 2025er Erzeugungsmarke
- mehr als 32,5 TWh Jahresziel vorzeitig erreicht
- Tagesproduktion je Block
- rund 25 Mio. kWh
- Besonderheit
- einer der jüngsten vollständig ausgebauten 4-GW-VVER-Standorte Europas
- Quelle
- Rosenergoatom – Rostov Nuclear Power Plant
Häufige Fragen zu den größten Kraftwerken Europas
Welches ist das größte Kraftwerk Europas?
Nach installierter technischer Leistung ist das Kernkraftwerk Saporischschja in der Ukraine mit sechs Reaktoren und insgesamt 6.000 Megawatt der größte Kraftwerksstandort Europas. Die Reaktoren erzeugen seit September 2022 jedoch keinen Strom. Das größte aktiv produzierende Kraftwerk der Europäischen Union ist Gravelines in Frankreich mit 5.400 Megawatt.
Warum ist Saporischschja auf Rang eins, obwohl es keinen Strom produziert?
Das Ranking misst die installierte Kraftwerksleistung und nicht die aktuelle Einspeisung. Die sechs 1.000-MW-Reaktorblöcke sind weiterhin physisch am Standort vorhanden. Ihr Abschaltzustand wird deshalb als aktuelle Besonderheit ausgewiesen. Würde ausschließlich tatsächlich verfügbare Produktion bewertet, wäre Saporischschja nicht auf Rang eins.
Welches ist das größte Kohlekraftwerk Europas?
Bełchatów in Polen ist mit rund 5,1 Gigawatt das größte Braunkohlekraftwerk Europas. Es liegt auf Rang fünf der Gesamtwertung und ist damit deutlich leistungsstärker als Kozienice, das größte weitere Kohlekraftwerk in dieser Top 10.
Warum dominieren Kernkraftwerke die Liste?
Kernreaktoren erreichen hohe Einzelleistungen und werden häufig mit mehreren baugleichen Blöcken an einem Standort errichtet. Vier 1.300-MW-Reaktoren ergeben beispielsweise bereits 5,2 Gigawatt. Wind- und Solarparks können ähnlich große Gesamtleistungen erreichen, werden jedoch meist über viel größere Flächen verteilt und sind wetterabhängig.
Welches Kraftwerk produziert am meisten Strom?
Nennleistung und Jahresproduktion sind nicht identisch. Wartungen, ungeplante Ausfälle, Brennstoffkosten, Netzbedarf und Verfügbarkeit beeinflussen die tatsächliche Erzeugung. Paluel produzierte beispielsweise 2025 etwa 36 TWh und damit mehr als das nominell größere Gravelines mit 32,27 TWh. Saporischschja produzierte trotz der höchsten installierten Leistung überhaupt keinen Strom.







