34 Meter Wasserwand mitten auf dem offenen Meer: Monsterwellen gehören zu den spektakulärsten und gefährlichsten Naturphänomenen der Ozeane. Anders als Tsunamis werden sie nicht durch Erdbeben oder große Unterwasser-Rutschungen erzeugt. Wissenschaftlich spricht man von Rogue Waves, Freak Waves oder abnormalen Wellen – einzelnen Wellen, die außergewöhnlich hoch gegenüber dem sie umgebenden Seegang sind. Eine gebräuchliche Definition verlangt eine Wellenhöhe von mehr als dem Doppelten der signifikanten Wellenhöhe.
Dieses Ranking sortiert zehn besonders große dokumentierte Monsterwellen nach ihrer gemeldeten oder instrumentell gemessenen Gesamthöhe vom Wellental bis zum Wellenkamm. Dabei ist die Beweislage nicht überall gleich gut: Moderne Plattformen und Messbojen liefern Zentimeter-genaue Zeitreihen, während ältere Schiffsbegegnungen zwangsläufig auf nautischen Messungen und rekonstruierten Höhen beruhen. Deshalb nennt die Tabelle zusätzlich die Dokumentationsqualität. Tsunamis, Sturmfluten und reine Surfrekorde wurden ausgeschlossen. Besonders bemerkenswert: Satellitendaten des ESA-Projekts MaxWave fanden innerhalb nur drei Wochen mehr als zehn Wellen über 25 Meter – Monsterwellen sind also keineswegs bloß Seemannsgarn. Weitere Naturrekorde finden sich in der Kategorie Natur.
So wurde gewertet
Entscheidend ist die größte belastbar veröffentlichte Wellenhöhe von Tal zu Kamm. Bei fest installierten Lasersensoren und Messbojen wird der Instrumentenwert verwendet. Historische Begegnungen mit Schiffen werden aufgenommen, wenn Behörden oder wissenschaftliche Institutionen sie als außergewöhnlich gut dokumentierte Monsterwellen führen; sie erhalten jedoch eine niedrigere Dokumentationsklasse. Die moderne Rogue-Wave-Definition bezieht sich nicht allein auf absolute Meterwerte, sondern auf das Verhältnis zur signifikanten Wellenhöhe Hs: Häufig gilt H/Hs > 2 beziehungsweise in strengeren Arbeiten H/Hs > 2,2. Deshalb kann eine 17,6-Meter-Welle wissenschaftlich extremer sein als eine 30-Meter-Welle in einem ohnehin gewaltigen Sturm. Datenstand: August 2026.
Übersicht
| Rang | Monsterwelle | Höhe | Jahr | Ort | Messung / Nachweis | Umgebender Seegang | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | USS Ramapo | 34,1 m | 1933 | Nordpazifik | nautische Messung vom Schiff | schwerer Sturm, Wind 60–68 kn | 112 Fuß; historischer NOAA-Rekord |
| 2 | Bremen | 30 m | 2001 | Südatlantik | Schiffsbegegnung und Schadensbild | schwere See | Brückenfenster zerstört; zwei Stunden manövrierunfähig |
| 3 | Caledonian Star | 30 m | 2001 | Südatlantik | Schiffsbegegnung und Schadensbild | schwere See | nur wenige Tage und unter 1.000 km von Bremen-Ereignis entfernt |
| 4 | Queen Elizabeth 2 | 29 m | 1995 | Nordatlantik | Schiffsbeobachtung | Hurrikan Luis | Welle erschien wie eine senkrechte Wasserwand |
| 5 | Biskaya-Wellenpaket | 27,8 m | 2014 | Golf von Biskaya | Messboje | Hs 11,1 m | Wellenpaket fast 2 km lang; zweite Welle 23,4 m |
| 6 | Killard-Welle | ca. 26,1 m | 2014 | Irische Westküste | Waverider-Messboje | Hs 11,4 m | H/Hs etwa 2,29 |
| 7 | Draupner-Welle | 25,6 m | 1995 | Nordsee | Laser an Offshoreplattform | Hs rund 11,9–12 m | erste weltberühmte zweifelsfreie Instrumentalmessung |
| 8 | Andrea-Welle | 21,1 m | 2007 | Ekofisk, Nordsee | vier Lasersensoren | Hs rund 9,2 m | Messsystem mit ±4 mm Genauigkeit |
| 9 | North-Alwyn-Welle | 18,04 m | 1997 | östlich der Shetlandinseln | Laser auf Offshoreplattform | rund 5,64 m Vergleichswert | etwa 3,19-mal so hoch wie die Vergleichswellen |
| 10 | Ucluelet-Welle | 17,6 m | 2020 | Vancouver Island, Kanada | IMU und GPS-Messboje | Hs 6,05 m | H/Hs 2,9 – proportional außergewöhnlich extrem |
1. USS Ramapo – 34,1 Meter im Nordpazifik
Rang: 1 Historischer Höhenrekord
Am 7. Februar 1933 befand sich der US-Tanker USS Ramapo auf der langen Route von Manila nach San Diego, als sich im Nordpazifik ein außergewöhnlich schwerer Seegang aufgebaut hatte. Die Besatzung dokumentierte eine Welle von 112 Fuß Höhe – umgerechnet rund 34,1 Meter. NOAA führte dieses Ereignis später als die höchste mit einem gewissen Grad an Sicherheit gemessene Meereswelle seiner Zeit. Zum Vergleich: 34 Meter entsprechen ungefähr einem elfgeschossigen Gebäude.
Die meteorologischen Bedingungen waren enorm. NOAA nennt Windgeschwindigkeiten zwischen 60 und 68 Knoten, also etwa 111 bis 126 km/h, die über eine mehrere Tausend Meilen lange freie Wasserfläche wirkten. Ein derart großer Fetch erlaubt Windwellen, über sehr lange Distanzen Energie aufzunehmen. Gleichzeitig muss die Messmethode historisch eingeordnet werden: 1933 existierten weder GPS-Messbojen noch Laser-Altimeter. Eine Messung von einem fahrenden Schiff ist deutlich unsicherer als moderne Instrumentaldaten; NOAA weist selbst darauf hin, dass die Genauigkeit bei extremem Seegang abnimmt. Deshalb gewinnt Ramapo zwar das Ranking der dokumentierten Höhenangaben, nicht aber den Titel der am präzisesten vermessenen Rogue Wave. Ob die Welle das heutige H/Hs-Kriterium erfüllt, lässt sich mangels vollständiger Zeitreihe nicht sicher bestimmen.
- Höhe: 112 Fuß beziehungsweise rund 34,1 Meter.
- Datum: 7. Februar 1933.
- Route: Manila nach San Diego.
- Wind: 60 bis 68 Knoten über einen mehrere Tausend Meilen langen Fetch.
- Gemeldete Wellenhöhe
- 112 ft / ca. 34,1 m
- Datum
- 7. Februar 1933
- Ozean
- Nordpazifik
- Schiff
- USS Ramapo
- Windgeschwindigkeit
- 60–68 kn / etwa 111–126 km/h
- Messart
- nautische Messung beziehungsweise Beobachtung vom Schiff
- Dokumentationsqualität
- historisch gut dokumentiert, aber keine moderne Instrumentalmessung
- Vergleich
- etwa Höhe eines elfgeschossigen Gebäudes
- Quelle
- NOAA – Questions About the Oceans
2. Bremen – 30 Meter Wasser gegen die Kommandobrücke
Rang: 2 Schwer beschädigt
Ende Februar 2001 geriet das Expeditionskreuzfahrtschiff Bremen im Südatlantik in eine Situation, die bis dahin viele Ingenieure für extrem unwahrscheinlich hielten. Eine etwa 30 Meter hohe Monsterwelle traf das Schiff frontal beziehungsweise schräg und schlug die Fenster der hoch gelegenen Kommandobrücke ein. Wasser drang ein und legte elektronische Systeme lahm. Die Bremen verlor zeitweise sowohl Navigation als auch Antrieb und trieb etwa zwei Stunden in schwerer See.
Der Vorfall wurde später zu einem der prominentesten Fallbeispiele des europäischen MaxWave-Projekts. Besonders brisant war nämlich, dass nur wenige Tage später weniger als 1.000 Kilometer entfernt ein zweites robustes Expeditionsschiff, die Caledonian Star, von einer ähnlich großen Welle getroffen wurde. Daraufhin untersuchten Forscher mit den ERS-Radarsatelliten der ESA rund 30.000 Bildausschnitte der Meeresoberfläche aus einem Zeitraum von drei Wochen. Das Ergebnis erschütterte die damalige Vorstellung von der Seltenheit des Phänomens: Mehr als zehn einzelne Wellen über 25 Meter wurden gefunden. Für die Bremen selbst liegt allerdings keine mit Draupner vergleichbare Laser-Zeitreihe vor. Die 30 Meter beruhen auf Begegnung und Schadensrekonstruktion und sind daher mit größerer Unsicherheit behaftet als moderne Bojenmessungen.
- Höhe: rund 30 Meter.
- Jahr: 2001.
- Folge: Brückenfenster zerstört und Elektronik ausgefallen.
- Manövrierunfähigkeit: ungefähr zwei Stunden.
- Wellenhöhe
- ca. 30 m
- Zeitraum
- Ende Februar 2001
- Region
- Südatlantik
- Schiff
- Bremen
- Schaden
- Fenster der Kommandobrücke zerstört
- Technische Folge
- Navigation und Antrieb zeitweise ausgefallen
- Dauer des Driftens
- etwa 2 Stunden
- Forschungsbezug
- zentraler Anlass für Auswertungen im MaxWave-Projekt
- Quelle
- European Space Agency – Ship-sinking monster waves revealed by ESA satellites
3. Caledonian Star – ebenfalls rund 30 Meter
Rang: 3 Doppelereignis
Die Caledonian Star liefert einen der stärksten Hinweise darauf, dass die Bremen-Welle kein isolierter Zufall war. Innerhalb derselben Woche um den Monatswechsel Februar/März 2001 traf im Südatlantik eine weitere geschätzte 30-Meter-Welle das Expeditionsschiff. Auch hier wurden Fenster der hoch gelegenen Kommandobrücke zertrümmert. Dass zwei für raue See ausgelegte Schiffe innerhalb weniger Tage und in weniger als 1.000 Kilometern Entfernung praktisch dieselbe außergewöhnliche Schadensart erlitten, machte den Fall wissenschaftlich besonders interessant.
Die Ereignisse fielen genau in die Phase, in der Forscher begannen, die lange als übertrieben abgetanen Erzählungen von „Wasserwänden“ systematisch mit Satellitenradar zu überprüfen. Im MaxWave-Projekt nutzte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt Bilddaten der ESA-Satelliten ERS-1 und ERS-2. Die Sensoren konnten die Meeresoberfläche in kleinen Radar-Ausschnitten erfassen. Aus nur drei Wochen Daten wurden weltweit mehr als zehn Wellen über 25 Meter identifiziert. Damit änderte sich die Diskussion grundlegend: Es ging nicht mehr darum, ob extreme Einzelwellen existieren, sondern wie häufig sie sind und unter welchen Bedingungen sie entstehen. Im Höhenranking teilen Bremen und Caledonian Star praktisch den zweiten Platz; die Reihenfolge ist lediglich redaktionell.
- Höhe: rund 30 Meter.
- Region: Südatlantik.
- Abstand zum Bremen-Vorfall: weniger als 1.000 Kilometer.
- Schaden: Fenster der Kommandobrücke eingeschlagen.
- Wellenhöhe
- ca. 30 m
- Zeitraum
- Februar/März 2001
- Schiff
- Caledonian Star
- Region
- Südatlantik
- Schadensbild
- zerstörte Brückenfenster
- Entfernung zum Bremen-Ereignis
- unter 1.000 km
- Dokumentationsart
- Schiffsbeobachtung und Schadensrekonstruktion
- Wissenschaftliche Bedeutung
- Teil der Fallserie, die durch das MaxWave-Projekt untersucht wurde
- Quelle
- European Space Agency – MaxWave
4. Queen Elizabeth 2 – 29 Meter während eines Hurrikans
Rang: 4 Ozeanriese getroffen
Am 11. September 1995 kämpfte sich die Queen Elizabeth 2 durch den Nordatlantik, während die Ausläufer des Hurrikans Luis enorme See erzeugten. Dann erschien vor dem mehr als 290 Meter langen Passagierschiff eine Welle, deren Höhe später mit etwa 29 Metern angegeben wurde. Kapitän Ronald Warwick verglich die Erscheinung mit einer gewaltigen weißen Wand. Der Bug tauchte in die Wassermasse ein, das Schiff hielt der Belastung jedoch stand.
Das Ereignis ist deshalb bemerkenswert, weil die QE2 selbst ein sehr großes Hochseeschiff war. Eine 29-Meter-Welle erreicht ungefähr die Höhe eines neun- bis zehnstöckigen Gebäudes und kann selbst bei massiven Schiffen Decks und Aufbauten erreichen, die bei normalem Seegang weit außerhalb des Wassers liegen. Nur acht Monate zuvor war die Draupner-Welle erstmals so eindeutig instrumentell dokumentiert worden, dass die Existenz von Rogue Waves endgültig nicht mehr als Seemannsgarn abgetan werden konnte. Der QE2-Vorfall lieferte nahezu zeitgleich ein spektakuläres Praxisbeispiel dafür, was solche Wellen für die Schifffahrt bedeuten. Anders als bei Draupner wurde die Wellenform allerdings nicht als vollständige Laser-Zeitreihe aufgezeichnet. Daher ist die 29-Meter-Angabe als gut dokumentierte nautische Schätzung und nicht als Zentimeter-genauer Messwert zu verstehen.
- Höhe: rund 29 Meter.
- Jahr: 1995.
- Region: Nordatlantik.
- Wetterlage: schwerer Seegang im Zusammenhang mit Hurrikan Luis.
- Wellenhöhe
- ca. 29 m
- Jahr
- 1995
- Schiff
- Queen Elizabeth 2
- Region
- Nordatlantik
- Wetter
- Hurrikanbedingungen
- Beobachter
- Kapitän Ronald Warwick und Schiffsbesatzung
- Dokumentationsart
- nautische Beobachtung / Schätzung
- Größenvergleich
- etwa Höhe eines neun- bis zehnstöckigen Gebäudes
- Quelle
- European Space Agency – Rogue-wave encounters
5. Biskaya-Wellenpaket – 27,8 Meter und fast zwei Kilometer lang
Rang: 5 Instrumentell gemessen
Am 6. Januar 2014 registrierte eine Messboje vor der Nordwestküste Spaniens etwas, das selbst unter den Monsterwellen außergewöhnlich ist. Statt einer einzelnen isolierten Spitze erschien ein zusammenhängendes Wellenpaket aus drei extrem großen Wellen. Die größte erreichte 27,8 Meter vom Wellental bis zum Kamm. Eine weitere direkt folgende Welle kam auf 23,4 Meter. Das Paket erstreckte sich in Ausbreitungsrichtung über fast zwei Kilometer; einzelne Wellenkämme bewegten sich mit mehr als 100 km/h.
Die Messung erfolgte an der Villano-Sisargas-Bojestation bei Cabo Vilán in rund 383 Metern Wassertiefe. Die signifikante Wellenhöhe lag bei 11,1 Metern. Damit beträgt das Verhältnis H/Hs etwa 2,5 – die zentrale Welle erfüllt also klar die klassische Rogue-Wave-Definition. Meteorologisch entstand das Ereignis während eines der stärksten Nordatlantikstürme des Winters 2013/14. Der Luftdruck des Tiefs sank zeitweise auf rund 934 hPa, während Windgeschwindigkeiten bis 28 m/s gemessen wurden. Besonders spannend ist der physikalische Charakter: Die Forscher beschrieben das Ereignis nicht einfach als zufällige Einzelspitze, sondern als großes nichtlineares Wellenpaket. Nach absoluten instrumentellen Messwerten ist es einer der stärksten modernen Fälle überhaupt und übertrifft sogar die berühmte Draupner-Welle um mehr als zwei Meter.
- Maximale Höhe: 27,8 Meter.
- Zweite Extremwelle: 23,4 Meter.
- Signifikante Wellenhöhe: 11,1 Meter.
- Ausdehnung: Wellenpaket fast zwei Kilometer lang.
- Maximale Wellenhöhe
- 27,8 m
- Zweite große Welle
- 23,4 m
- Datum
- 6. Januar 2014
- Messstation
- Villano-Sisargas / Cabo Vilán
- Wassertiefe
- 383 m
- Signifikante Wellenhöhe
- 11,1 m
- Verhältnis H/Hs
- ca. 2,5
- Ausdehnung
- nahezu 2 km in Ausbreitungsrichtung
- Quelle
- Scientific Reports – Giant nonlinear wave-packet in the Bay of Biscay
6. Killard-Welle – rund 26,1 Meter vor Irland
Rang: 6 Bojenmessung
Die irische Atlantikküste erlebte im Winter 2013/14 eine außergewöhnliche Serie schwerer Stürme. Am 28. Januar 2014 registrierte eine Waverider-Messboje bei Killard vor County Clare eine der wissenschaftlich wichtigsten Monsterwellen dieser Zeit. Die Fachliteratur nennt eine signifikante Wellenhöhe von etwa 11,4 Metern und ein Verhältnis H/Hs von rund 2,29. Daraus ergibt sich eine Gesamthöhe von ungefähr 26,1 Metern. Anders als bei historischen Schiffsmeldungen stammt der Wert aus einem kontinuierlichen Instrumentendatensatz.
Die Killard-Welle ist für Forscher besonders interessant, weil sie gemeinsam mit Draupner und Andrea immer wieder als Testfall für physikalische Modelle genutzt wird. Alle drei Ereignisse entstanden in hoher See, unterscheiden sich aber in Wassertiefe, Richtungsspektrum und Wellenform. Killard wurde in nur rund 39 Metern Wassertiefe aufgezeichnet – deutlich flacher als Draupner oder Ekofisk. Modellstudien zeigen, dass eine Kombination aus konstruktiver Überlagerung vieler Einzelwellen und nichtlinearen Effekten die beobachtete Form erstaunlich gut reproduzieren kann. Damit widerspricht der Fall der einfachen Vorstellung, Monsterwellen müssten durch einen exotischen Einzelmechanismus entstehen. Häufig genügt eine sehr seltene, aber physikalisch mögliche Kombination gewöhnlicher Wellenkomponenten, deren Energie sich für Sekunden extrem konzentriert.
- Höhe: aus den publizierten Kennzahlen rund 26,1 Meter.
- Datum: 28. Januar 2014.
- Signifikante Wellenhöhe: etwa 11,4 Meter.
- Wassertiefe: rund 39 Meter.
- Wellenhöhe
- ca. 26,1 m
- Datum
- 28. Januar 2014
- Region
- vor der Westküste Irlands bei Killard
- Messinstrument
- Waverider-Boje
- Wassertiefe
- ca. 39 m
- Signifikante Wellenhöhe
- ca. 11,4 m
- H/Hs
- ca. 2,29
- Forschungsstatus
- häufig untersuchter Referenzfall neben Draupner und Andrea
- Quelle
- Scientific Reports – Real world ocean rogue waves
7. Draupner-Welle – 25,6 Meter, die die Wissenschaft überzeugten
Rang: 7 Wissenschaftlicher Wendepunkt
Keine Monsterwelle ist berühmter als die Draupner-Welle. Am Neujahrstag 1995 registrierte ein nach unten gerichteter Lasersensor an der Draupner-E-Plattform in der Nordsee plötzlich eine Wellenhöhe von 25,6 Metern. Die signifikante Wellenhöhe des umgebenden Seegangs betrug nur etwa 11,9 bis 12 Meter. Der einzelne Kamm ragte ungefähr 18,5 Meter über das mittlere Wasserniveau hinaus. Was Seeleute seit Jahrhunderten beschrieben hatten, war damit erstmals in einer derart klaren digitalen Messkurve festgehalten.
Die historische Bedeutung übertrifft deshalb den siebten Platz im reinen Höhenranking. Vor 1995 galten viele Berichte über plötzlich auftauchende 20- oder 30-Meter-Wände als Übertreibungen, Messfehler oder statistisch nahezu unmögliche Ausnahmefälle. Draupner änderte das Forschungsfeld. Die Welle wurde zum Standardtest für numerische Modelle, Wellenkanalexperimente und Theorien über nichtlineare Wechselwirkungen. Forschende diskutieren bis heute, welchen Anteil sich kreuzende Wellensysteme, konstruktive Interferenz und gebundene nichtlineare Komponenten hatten. Bemerkenswert ist zudem, dass Draupner nach einer strengeren Definition mit H/Hs von ungefähr 2,15 beim Gesamthöhenkriterium knapp unter 2,2 liegen kann, während ihr extrem hoher Wellenkamm das Rogue-Kriterium eindeutig erfüllt. Das demonstriert, warum Wissenschaftler neben der Gesamthöhe auch die Kammhöhe betrachten.
- Höhe: 25,6 Meter.
- Datum: 1. Januar 1995.
- Signifikante Wellenhöhe: etwa 11,9 bis 12 Meter.
- Kammhöhe: ungefähr 18,5 Meter über dem mittleren Wasserniveau.
- Wellenhöhe
- 25,6 m
- Datum
- 1. Januar 1995
- Ort
- Draupner-E-Plattform, Nordsee
- Messung
- Laser-Altimeter
- Signifikante Wellenhöhe
- ca. 11,9–12 m
- Kammhöhe
- ca. 18,5 m über mittlerem Meeresspiegel
- Historische Bedeutung
- entscheidender instrumenteller Nachweis für die reale Existenz von Rogue Waves
- Forschungsrolle
- internationaler Referenzfall für Modelle und Laborexperimente
- Quelle
- University College Dublin – Forschung zu Draupner, Andrea und Killard
8. Andrea-Welle – 21,1 Meter unter vier Lasersensoren
Rang: 8 Präzisionsmessung
Am 9. November 2007 um kurz nach Mitternacht lief ein schwerer Sturm über das Ekofisk-Feld in der Nordsee. Zwischen zwei Offshoreplattformen arbeitete ein ungewöhnlich hochwertiges Messsystem: vier laserbasierte Entfernungssensoren in einer quadratischen Anordnung. Genau dieses System registrierte die später Andrea genannte Monsterwelle. Bei einer signifikanten Wellenhöhe von ungefähr 9,2 Metern erreichte die Einzelwelle rund 21,1 Meter. Das Verhältnis H/Hs lag bei etwa 2,3 – eindeutig im Rogue-Wave-Bereich.
Andrea ist wissenschaftlich wertvoller als viele größere historische Ereignisse, weil nicht nur eine einzelne Höhe überliefert wurde. Das Sensorfeld konnte räumliche Eigenschaften der Wellenkomponenten erfassen; die Lasersensoren arbeiteten mit einer Genauigkeit von etwa ±4 Millimetern. Forschende konnten dadurch rekonstruieren, wie mehrere Wellengruppen zusammenliefen und für einen kurzen Moment einen außergewöhnlich hohen Kamm erzeugten. Während des Sturms wurden über viele Stunden Tausende einzelne Wellen erfasst, sodass Andrea mit dem normalen Hintergrund statistisch verglichen werden konnte. Die Welle erreichte eine Kammhöhe von knapp 15 Metern und war deutlich asymmetrischer als gewöhnliche Wellen. Gegenüber Draupner fällt Andrea absolut etwa 4,5 Meter kleiner aus, besitzt aber ein höheres Verhältnis zur umgebenden signifikanten Wellenhöhe. Für die Forschung zählt eben nicht nur, wie hoch eine Welle ist, sondern wie unerwartet sie innerhalb ihres jeweiligen Seegangs erscheint.
- Höhe: rund 21,1 Meter.
- Datum: 9. November 2007.
- Signifikante Wellenhöhe: rund 9,2 Meter.
- Messung: vier Laser-Entfernungssensoren mit etwa ±4 mm Genauigkeit.
- Wellenhöhe
- ca. 21,1 m
- Datum
- 9. November 2007
- Ort
- Ekofisk-Feld, Nordsee
- Signifikante Wellenhöhe
- ca. 9,2 m
- H/Hs
- ca. 2,3
- Kammhöhe
- knapp 15 m
- Sensoren
- mehrere nach unten gerichtete Lasermessgeräte
- Besonderheit
- außergewöhnlich detaillierte räumliche Instrumentaldaten
- Quelle
- Natural Hazards and Earth System Sciences – The North Sea Andrea storm
9. North-Alwyn-Welle – 18,04 Meter und mehr als das Dreifache des Vergleichsseegangs
Rang: 9 Super-Rogue
Die North-Alwyn-Plattform östlich der Shetlandinseln lieferte im November 1997 eine der auffälligsten Rogue-Wave-Aufzeichnungen überhaupt. Lasersensoren registrierten eine Einzelwelle von 18,04 Metern. Absolut ist sie deutlich kleiner als Draupner oder Andrea. Relativ zum damals ermittelten Vergleichswert des Seegangs war sie jedoch außergewöhnlich: In späteren Analysen wird ein Verhältnis H/Hs von ungefähr 3,19 genannt. Genau deshalb taucht North Alwyn in wissenschaftlichen Diskussionen häufig als „Super-Rogue“-Fall auf.
Der Unterschied zwischen absoluter und relativer Größe ist hier entscheidend. Würde man nur nach Metern sortieren, erscheint Platz 9 wenig spektakulär. Für ein Schiff, das sich auf Wellen von etwa fünf bis sechs Metern eingestellt hat, kann eine plötzlich auftauchende 18-Meter-Welle jedoch wesentlich unerwarteter sein als eine 25-Meter-Welle in einem ohnehin zwölf Meter hohen Sturmseegang. North Alwyn gehört außerdem zu einer wertvollen Gruppe von Offshore-Datensätzen, weil Plattformen ihre Umgebung über lange Zeiträume kontinuierlich vermessen. So lassen sich nicht nur spektakuläre Einzelereignisse, sondern auch Millionen normaler Wellen statistisch vergleichen. Der Fall unterstreicht damit die moderne Definition von Monsterwellen: Rogue Waves werden nicht durch eine feste Mindesthöhe definiert, sondern durch ihre extreme Abweichung vom jeweiligen Hintergrundmeer.
- Höhe: 18,04 Meter.
- Jahr: 1997.
- Ort: North-Alwyn-Plattform östlich der Shetlandinseln.
- Extremverhältnis: ungefähr 3,19 zur Vergleichswellenhöhe.
- Wellenhöhe
- 18,04 m
- Datum
- November 1997
- Region
- östlich der Shetlandinseln
- Messort
- North-Alwyn-Offshoreplattform
- Messart
- Laser-Altimeter
- Vergleichswert Hs
- etwa 5,6 m in publizierten Analysen
- H/Hs
- ca. 3,19
- Besonderheit
- außergewöhnlich extreme relative Höhe trotz geringerer absoluter Höhe
- Quelle
- Springer Nature – Observation of Rogue Waves
10. Ucluelet-Welle – 17,6 Meter, aber fast dreimal so hoch wie der Seegang
Rang: 10 Proportional extrem
Am 17. November 2020 zeichnete eine Messboje etwa sieben Kilometer vor Ucluelet auf Vancouver Island eine 17,6 Meter hohe Rogue Wave auf. Damit ist sie die kleinste Welle dieser Top 10 nach absoluten Metern – und gleichzeitig eine der wissenschaftlich spektakulärsten. Die signifikante Wellenhöhe betrug nämlich nur 6,05 Meter. Mit einem Verhältnis von H/Hs = 2,9 ragte das Ereignis fast dreimal über den charakteristischen Seegang hinaus. Die Kammhöhe allein erreichte 11,96 Meter über dem mittleren Wasserniveau.
Die Messung ist hervorragend dokumentiert. Eine 0,9 Meter große CoastScout-Boje erfasste ihre Bewegung mit einer inertialen Messeinheit sowie Differential-GPS bei fünf Messungen pro Sekunde. Interessanterweise entstand die Monsterwelle nicht durch ein allmähliches Anwachsen: Die direkt vorhergehenden Kämme waren nur 3,27 beziehungsweise nachfolgend 4,13 Meter hoch. Der extreme Kamm erschien mitten in einer Gruppe von ungefähr zehn Wellen. Computersimulationen sprechen dafür, dass sich Wellen verschiedener Frequenzen für einen kurzen Moment konstruktiv überlagerten. Die oft zitierte Besonderheit der Ucluelet-Welle liegt daher nicht im absoluten Höhenrekord, sondern in ihrem Verhältnis zur Umgebung. Eine riesige Sturmwelle von 25 Metern kann statistisch weniger ungewöhnlich sein als diese „nur“ 17,6 Meter hohe Wasserwand.
- Höhe: 17,6 Meter nach vorausgehendem Wellental.
- Kammhöhe: 11,96 Meter.
- Signifikante Wellenhöhe: 6,05 Meter.
- H/Hs: rund 2,9.
- Wellenhöhe
- 17,6 m
- Datum
- 17. November 2020
- Ort
- Amphitrite Bank bei Ucluelet, Vancouver Island
- Entfernung zur Küste
- ca. 7 km
- Wassertiefe
- 45 m
- Kammhöhe
- 11,96 m
- Signifikante Wellenhöhe
- 6,05 m
- H/Hs
- 2,9
- Quelle
- Scientific Reports – Generation mechanism and prediction of an observed extreme rogue wave
Was genau ist eine Monsterwelle?
Die Alltagssprache suggeriert, eine Monsterwelle müsse einfach besonders hoch sein. Wissenschaftlich ist das zu ungenau. Entscheidend ist vielmehr, wie stark sich eine Einzelwelle vom umgebenden Seegang unterscheidet. Die sogenannte signifikante Wellenhöhe Hs beschreibt vereinfacht die charakteristische Höhe der größeren Wellen eines Seegangs. Häufig gilt eine Welle als Rogue Wave, wenn ihre Gesamthöhe mehr als doppelt so groß wie Hs ist. Einige Facharbeiten verwenden den strengeren Grenzwert 2,2. Alternativ kann die Höhe des einzelnen Wellenkamms betrachtet werden.
Darum ist die Ucluelet-Welle mit 17,6 Metern wissenschaftlich besonders extrem: Sie erreichte etwa das 2,9-Fache der signifikanten Wellenhöhe. Draupner war mit 25,6 Metern absolut fast acht Meter höher, entstand aber in einem Seegang von ungefähr zwölf Metern. Monsterwellen sind also statistische Ausreißer und keine eigene Art von Wasser.
Wie entstehen Rogue Waves?
Eine einzige universelle Ursache gibt es nach heutigem Forschungsstand nicht. Ein wichtiger Mechanismus ist konstruktive Interferenz: Wellen unterschiedlicher Perioden und Richtungen können sich so überlagern, dass sich ihre Höhen für kurze Zeit addieren. Nichtlineare Effekte verstärken dabei häufig die hohen, spitzen Kämme. Strömungen können Wellen zusätzlich zusammenstauchen und fokussieren. In bestimmten Regionen treffen außerdem unterschiedliche Wellensysteme aufeinander.
Moderne Forschung zeigt, dass eine Monsterwelle nicht zwingend langsam aus einer Reihe immer höherer Wellen hervortritt. Ucluelet demonstrierte das eindrucksvoll: Die unmittelbar benachbarten Kämme waren drastisch kleiner. Das erklärt auch den traditionellen Seemannsbericht, eine Wasserwand sei scheinbar „aus dem Nichts“ erschienen. Die Physik ist nicht übernatürlich – der Zeitpunkt der extremen Überlagerung bleibt für ein einzelnes Schiff dennoch schwer vorhersehbar.
Warum sind Monsterwellen so gefährlich?
Neben der Höhe ist vor allem die Steilheit problematisch. Ein Schiff kann sich auf langgezogenen schweren Seegang einstellen und mit den Wellen heben und senken. Eine außergewöhnlich steile Einzelwelle erzeugt dagegen sehr hohe dynamische Lasten auf Bug, Deck, Aufbauten und Brückenfenster. Hinzu kommt die geringe Vorwarnzeit. Bei einer Wellenperiode von etwa zehn bis 15 Sekunden bleiben zwischen Erkennen und Auftreffen oft nur Sekunden.
Die Bremen-Episode zeigt die praktische Konsequenz: Selbst ein für extreme See ausgelegtes Expeditionsschiff verlor nach dem Treffer zeitweise zentrale Systeme. Offshoreplattformen sind ebenfalls gefährdet. Genau deshalb beschäftigen sich Forschung und maritime Ingenieurwissenschaft inzwischen intensiv mit extremen Einzelwellen – nicht nur mit der durchschnittlichen Höhe eines Sturms.
FAQ: Die größten Monsterwellen
Wie hoch war die größte jemals gemessene Monsterwelle?
Die USS Ramapo meldete 1933 eine 112 Fuß beziehungsweise rund 34,1 Meter hohe Welle. Diese historische Messung ist allerdings weniger präzise als heutige Instrumentaldaten. Unter modernen Bojenmessungen dieser Liste erreicht das Biskaya-Wellenpaket 27,8 Meter.
Was war die berühmteste Monsterwelle?
Die Draupner-Welle von 1995 gilt als bekanntester wissenschaftlicher Referenzfall. Ein Laser auf einer Nordseeplattform maß 25,6 Meter und lieferte den entscheidenden modernen Nachweis, dass außergewöhnliche Rogue Waves tatsächlich existieren.
Sind Monsterwellen dasselbe wie Tsunamis?
Nein. Tsunamis entstehen meist durch plötzliche Verlagerungen großer Wassermassen infolge von Seebeben, Erdrutschen oder Vulkanismus und besitzen sehr lange Wellenlängen. Rogue Waves entstehen innerhalb eines normalen oder stürmischen Wellensystems und sind lokal begrenzte Extremwellen.
Wie hoch muss eine Welle sein, um als Rogue Wave zu gelten?
Es gibt keine feste Mindesthöhe in Metern. Häufig gilt eine Welle als Rogue Wave, wenn sie mehr als doppelt so hoch ist wie die signifikante Wellenhöhe des umgebenden Seegangs. Manche Studien verwenden den Grenzwert H/Hs > 2,2.
Kann man Monsterwellen vorhersagen?
Eine exakte Vorhersage einer einzelnen Rogue Wave ist weiterhin schwierig. Moderne Modelle können jedoch Seegänge identifizieren, in denen die Wahrscheinlichkeit außergewöhnlich großer Einzelwellen erhöht ist. Messbojen, Satelliten, Radar und numerische Wellenmodelle verbessern diese Risikoeinschätzung laufend.







