Die größten Ölpesten der Welt

Die 10 schlimmsten Ölpesten der Geschichte

Wusstest du, dass manche Ölpesten nicht nur Meere, sondern ganze Landstriche über Jahre prägen? Diese Liste zeigt die 10 größten Ölpesten der Welt – sortiert nach der geschätzten freigesetzten Ölmenge (Barrel bzw. bei Tankerunglücken zusätzlich Tonnen; Barrel-Äquivalente sind grob gerundet).

Hinweis zur Vergleichbarkeit: Einige Quellen nennen Tonnen, andere Barrel oder Gallonen. Wo nötig, wird ein Barrel-Äquivalent (≈) angegeben, um die Größenordnungen anschaulich zu machen.

Übersicht

  1. Ölseenkatas­trophe in Kuwait (1991)
  2. Lakeview Gusher, Kalifornien (1910–1911)
  3. Ölpest im Persischen Golf (1991)
  4. Deepwater Horizon, Golf von Mexiko (2010)
  5. IXTOC I, Bucht von Campeche (1979–1980)
  6. Atlantic Empress, vor Tobago (1979)
  7. Mingbulak/Fergana Valley, Usbekistan (1992)
  8. Amoco Cadiz, Bretagne (1978)
  9. Torrey Canyon, Cornwall (1967)
  10. Nowruz-Ölfeld, Persischer Golf (1983–1985)
Rang Ereignis Jahr(e) Region Typ Geschätzte Menge Barrel (≈ / direkt) Dauer / Verlauf Betroffene Küste / Fläche Visual: Größenordnung
#1 Ölseenkatas­trophe in Kuwait 1991 Kuwait (Land) Ölseen / Sabotage 25–40 Mio. Barrel in Pools/Ölseen 25–40.000.000 Jan–Nov 1991 (Zerstörung/Brände, Ölseenbildung) 100+ Ölseen, u. a. >16 km²
Max der Liste
#2 Lakeview Gusher 1910–1911 Kern County, USA (Land) Bohrloch-Blowout 9,4 Mio. Barrel 9.400.000 14.03.1910 bis 09.09.1911 Wüste/San Joaquin Valley (Boden)
≈23,5% von #1
#3 Ölpest im Persischen Golf 1991 Arabischer (Persischer) Golf Kriegsschaden 6–8 Mio. Barrel ins Meer 6.000.000–8.000.000 Jan 1991 (Freisetzung in kurzer Zeit) Großflächig im Golf (Wasser)
≈20% von #1
#4 Deepwater Horizon (Macondo) 2010 Golf von Mexiko, USA Offshore-Blowout 4,9 Mio. Barrel 4.900.000 87 Tage (bis zur Kappung am 15.07.2010) ≈1.032 km geölte Küste
≈12,25% von #1
#5 IXTOC I 1979–1980 Bucht von Campeche, Mexiko Offshore-Blowout ≈140 Mio. Gallonen ≈3.333.333 03.06.1979 bis 23.03.1980 (Kappung) Öl driftete bis in US-Küstengewässer
≈8,33% von #1
#6 Atlantic Empress 1979 Vor Tobago (Westindies) Tanker-Kollision ≈287.000 Tonnen ≈2.103.710 19.07.–02.08.1979 (Brand, Schleppung, Sinken) Nur geringe Küstenverschmutzung gemeldet
≈5,26% von #1
#7 Mingbulak / Fergana Valley 1992 Usbekistan (Land) Bohrloch-Blowout ≈285.000 Tonnen; 320.000 m³ hinter Dämmen gesammelt ≈2.089.050 2 Monate; bis zu 150.000 Barrel/Tag, stoppte von selbst Land/Umfeld, Notdämme
≈5,22% von #1
#8 Amoco Cadiz 1978 Bretagne, Frankreich Tanker-Havarie 223.000 t Rohöl + 4.000 t Bunker ≈1.634.590 2 Wochen (vollständiger Cargo-Verlust) ≈320 km Küste kontaminiert
≈4,09% von #1
#9 Torrey Canyon 1967 Cornwall / Ärmelkanal Tanker-Grundberührung ≈119.000 Tonnen Rohöl ≈872.270 12 Tage (Cargo-Verlust; u. a. Bombardierung) SW England, Kanalinseln, Bretagne
≈2,18% von #1
#10 Nowruz-Ölfeld 1983–1985 Persischer Golf (Iran) Kriegsschaden (Plattformen) ≈733.000 Barrel ins Meer 733.000 1983 Angriff; Kapp-/Plug-Arbeiten bis 1985 Offshore, wiederholte Leckraten
≈1,83% von #1

Ölseenkatas­trophe in Kuwait (1991)

Rang: 1

Wenn man an Ölpesten denkt, sieht man oft eine schwarze Spur auf dem Meer. Kuwait 1991 zeigt das Gegenteil: Eine der größten Ölkatastrophen spielte sich vor allem an Land ab – in Form von riesigen, stehenden Ölseenkörpern. Während des Golfkriegs wurden hunderte kuwaitische Ölquellen gezielt beschädigt oder in Brand gesetzt. Das Ergebnis waren nicht nur Rauch und Feuer, sondern auch eine zweite, „schleichende“ Katastrophe: ausströmendes Rohöl sammelte sich in Senken, Gräben und großflächigen Pools. In den Berichten wird beschrieben, dass solche Ölseen teils über einen Meter tief sein konnten und sich in großer Zahl bildeten. Besonders bedrückend ist, dass diese Seen nicht einfach „einmal ausgelaufen und dann weg“ waren: Sie wurden zu dauerhaften Landschaftselementen – toxisch, brandgefährlich, schwer zugänglich und mit massivem Einfluss auf Boden und Grundwasser. In Zahlen wirkt das fast surreal: Allein für die Pools und Ölseen wird eine Größenordnung von 25 bis 40 Millionen Barrel genannt. Damit übertrifft dieses Ereignis jede bekannte einzelne Tankerhavarie um ein Vielfaches. Und es zeigt, wie schnell Öl aus industrieller Infrastruktur – unter Kriegseinwirkung – zum Umweltproblem wird, das sich nicht mehr wie ein Fleck „wegwischen“ lässt, sondern ganze Ökosysteme und Flächen nachhaltig verändert.

  • Geschätzter Inhalt der Pools/Ölseen: 25–40 Mio. Barrel
  • Ölseen teils >1,5 m tief; Bildung zahlreicher Seen über mehrere Felder
  • Die Zerstörung betraf große Teile der kuwaitischen Öl-Infrastruktur
Ort
Kuwait (an Land; Ölseen/Pools)
Größenordnung
25–40 Mio. Barrel (Pools/Ölseen)
Kontext
Sabotage/Schäden an Ölquellen und Infrastruktur im Golfkrieg
Quelle
GulfLINK (U.S. DoD) – Oil Well Fires, Section 3

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Lakeview Gusher, Kalifornien (1910–1911)

Rang: 2

Es klingt wie eine Szene aus einem alten Schwarzweißfilm – nur dass sie sehr real war: In Kalifornien verwandelte ein außer Kontrolle geratenes Bohrloch die Landschaft in ein Meer aus Öl. Der Lakeview Gusher gilt als die größte „accidental oil spill“-Katastrophe, die je dokumentiert wurde. Anders als bei Tankerunfällen passierte hier das, wovor Ingenieur:innen bei Bohrungen am meisten Respekt haben: ein Blowout. Über Monate war das Rohöl nicht nur ein logistisches Problem, sondern ein permanenter Druck im Untergrund, der sich nach oben Bahn brach – Tag für Tag, Woche für Woche. Entscheidend ist dabei nicht nur die spektakuläre Geschichte, sondern die Menge: Zwischen dem 14. März 1910 und dem 9. September 1911 wurden laut Eintrag 9,4 Millionen Barrel freigesetzt. Und selbst das Ende ist kein Happy End im klassischen Sinn: Es wird ausdrücklich erwähnt, dass weniger als die Hälfte des Öls zurückgewonnen werden konnte. Der Rest versickerte im Boden, verteilte sich in der Umgebung oder blieb als Rückstand in der Landschaft. Das macht Lakeview so relevant für eine „Top 10 der Ölpesten“: Es ist ein historisches Beispiel dafür, dass Ölpesten nicht erst mit moderner Schifffahrt oder Offshore-Plattformen begannen – sondern dass ein einziger technischer Kontrollverlust reichen kann, um eine Region mit einer gigantischen Menge Rohöl zu überziehen.

  • Freigesetzte Menge: 9,4 Mio. Barrel
  • Zeitraum: 14.03.1910 bis 09.09.1911
  • Weniger als die Hälfte wurde zurückgewonnen
Ort
Kern County, Kalifornien (USA)
Zeitraum
14.03.1910 – 09.09.1911
Menge
9,4 Mio. Barrel (laut Datensatz)
Quelle
Guinness World Records – Largest accidental oil spill

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Ölpest im Persischen Golf (1991)

Rang: 3

Manche Ölpesten sind nicht das Ergebnis eines Sturms oder eines Navigationsfehlers – sondern Teil eines Konflikts. Im Jahr 1991, während des Golfkriegs, kam es im Arabischen (Persischen) Golf zu einer Freisetzung, die bis heute als eine der größten marinen Ölkatastrophen gilt. Entscheidend ist dabei die Trennlinie zwischen „Öl an Land“ (Ölquellen, Brände, Infrastruktur) und „Öl im Wasser“: Für die Meeresverschmutzung wird eine Größenordnung von 6 bis 8 Millionen Barrel genannt. Das ist ein Volumen, das man kaum greifen kann – und das zugleich die Dynamik von Öl im Meer verdeutlicht: Strömungen, Winde und Küstenformen entscheiden darüber, wo die schwarze Masse auftrifft, wie lange sie sichtbar bleibt und welche Lebensräume akut bedroht werden. In den Incident-Daten wird zudem das Produkt als Kuwait crude oil beschrieben – und es wird sogar eine konkrete Position (Koordinaten) angegeben, was zeigt, wie stark sich moderne Dokumentation bemüht, solche Ereignisse nachvollziehbar zu erfassen. Interessant ist auch, dass in den Angaben Bioremediation als angewandte Methode auftaucht. Das klingt nach Hightech – bedeutet aber im Kern: Mit biologischen Prozessen (oft mikrobiell) versucht man, den Abbau von Öl zu unterstützen. Gerade bei riesigen Ereignissen ist das ein Hinweis darauf, dass mechanische Maßnahmen allein häufig nicht ausreichen. Diese Ölpest steht damit symbolisch für „Umwelt im Krieg“ – und für die brutale Erkenntnis, wie schnell industrielle Mengen Rohöl in einem Konflikt zur Waffe gegen Ökosysteme werden können.

  • Geschätzte Menge im Wasser: 6–8 Mio. Barrel
  • Produkt: Kuwait crude oil
  • Bioremediation ist als Maßnahme aufgeführt
Ort
Arabischer (Persischer) Golf
Menge
6–8 Mio. Barrel (ins Wasser)
Kontext
Schäden an Tankern/Terminals im Golfkrieg 1991
Quelle
NOAA IncidentNews – Arabian Gulf Spills (Incident 6786)

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Deepwater Horizon, Golf von Mexiko (2010)

Rang: 4

Deepwater Horizon ist die Art von Katastrophe, die sich wie eine lange, zähe Krise anfühlt – weil sie es war. Kein einzelner Moment, kein „einmaliger“ Spill, sondern ein über Wochen anhaltender Ausstrom aus großer Tiefe. In den offiziellen Angaben wird ein Zeitraum von 87 Tagen genannt, in dem Öl aus dem Macondo-Reservoir austrat, bis die Quelle schließlich am 15. Juli 2010 gekappt wurde; das endgültige Plugging per Entlastungsbohrung wird mit 19. September 2010 angegeben. Allein diese Daten zeigen, wie komplex die technische Kontrolle in rund 5.000 Fuß Wassertiefe ist – und wie viel Zeit in einer solchen Lage „verloren“ gehen kann, während Öl weiter ins Meer gelangt. Als Gesamtsumme wird eine ungefähre Gesamtfreisetzung von 4,9 Millionen Barrel genannt. Dazu kommen konkrete, gut nachvollziehbare Zusatzdaten, die den Ausnahmezustand greifbar machen: Tausende Einsatzkräfte und Schiffe, ausgedehnte Sperrgebiete – und vor allem die Küstenwirkung. Es wird dokumentiert, dass etwa 641 Meilen (rund 1.032 km) Küstenlinie geölt wurden, mit Aufschlüsselung nach Bundesstaaten. Genau das macht Deepwater Horizon zu einem Lehrstück: Nicht nur die Menge ist gigantisch – sondern die Kombination aus Dauer, Ausbreitung und gesellschaftlicher Betroffenheit. Wer die Bilder von öligen Marschlandschaften und gesperrten Stränden im Kopf hat, versteht: Bei einer Ölpest zählen nicht nur Barrel, sondern auch Zeit. Jede weitere Stunde verändert, wo das Öl landet, wie es verwittert – und wie schwer es später zu entfernen ist.

  • Gesamtfreisetzung: ≈4,9 Mio. Barrel über 87 Tage
  • Kappung: 15.07.2010; Plugging: 19.09.2010
  • Geölte Küstenlinie: ≈1.032 km
Ort
Golf von Mexiko (USA)
Menge
≈4,9 Mio. Barrel
Dauer
87 Tage bis zur Kappung
Quelle
BOEM – Oil Spill Discussion (Appendix)

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IXTOC I, Bucht von Campeche (1979–1980)

Rang: 5

IXTOC I ist ein Klassiker unter den Großereignissen – nicht, weil man ihn „kennen sollte“, sondern weil er zeigt, wie lange ein Offshore-Blowout dauern kann, bis er wirklich unter Kontrolle ist. Der Blowout begann am 3. Juni 1979 in der Bucht von Campeche (Mexiko) und wurde laut Executive Summary erst am 23. März 1980 endgültig gekappt. In dieser Zeit gelangten riesige Mengen Öl in den Golf von Mexiko. Besonders anschaulich ist die doppelte Mengenangabe: Es ist von half a million metric tons die Rede – und zusätzlich von 140 Millionen Gallonen Öl, die in den Golf gelangten. Allein diese Gallonen-Zahl entspricht grob über 3,3 Millionen Barrel und verdeutlicht die Größenordnung. Spannend (und beunruhigend) ist auch die dokumentierte Ausbreitung: Es wird festgehalten, dass Oberflächenöl am 6. August 1979 in US-Gewässern ankam. Das macht IXTOC I zu einem frühen, sehr klaren Beispiel dafür, dass nationale Grenzen für Ölteppiche keine Rolle spielen: Strömungen tragen das Problem weiter, und aus einem mexikanischen Offshore-Unfall wird ein Ereignis, das bis in US-Küstenkontexte hineinwirkt. Der Bericht betont zudem, dass ein Teil des Öls an Stränden und offshore in Tar Mats landete, während vieles „verschwand“ – im Sinne von: verwitterte, sich verteilte, sank oder chemisch/biologisch umgewandelt wurde. IXTOC I ist damit nicht nur „eine große Zahl“, sondern ein Ereignis, das die Frage aufwirft, die bei jeder Ölpest mitschwingt: Wie viel Öl kann man überhaupt jemals wieder einfangen – und wie viel bleibt als unsichtbares Erbe im System?

  • Freisetzung: 140 Mio. Gallonen (≈3,33 Mio. Barrel)
  • Zeitraum: 03.06.1979 bis 23.03.1980
  • Oberflächenöl erreichte US-Gewässer am 06.08.1979
Ort
Bucht von Campeche (Mexiko)
Menge
140 Mio. Gallonen Öl (Executive Summary)
Dauer
Juni 1979 – März 1980
Quelle
GovInfo – IXTOC Oil Spill Assessment (Executive Summary, PDF)

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Atlantic Empress, vor Tobago (1979)

Rang: 6

Die größte „Ship-source“ Ölpest der Geschichte ist nicht zwangsläufig die, die ganze Strände schwarz färbt. Die Atlantic Empress zeigt genau diese bittere Ironie: Ein extrem großer Spill – aber vergleichsweise wenig dokumentierte Küstenwirkung. Am 19. Juli 1979 kollidierten zwei sehr große Rohöltanker, die Atlantic Empress und die Aegean Captain, rund 10 Meilen vor Tobago in einem tropischen Regensturm. Beide Schiffe begannen sofort Öl zu verlieren und gerieten in Brand. In den Angaben wird ausdrücklich erwähnt, dass mehrere Crewmitglieder dabei ums Leben kamen. Die Kernzahl macht den Eintrag jedoch zu einem Fixpunkt jeder Ölpest-Historie: Es werden 287.000 Tonnen Öl als ausgetretene Menge genannt – und damit die größte je als „ship-source“ registrierte Havarie. Gleichzeitig wird festgehalten, dass keine Impact-Studien durchgeführt wurden und daher unklar bleibt, wie viel Öl verbrannte oder sank. Genau darin steckt eine zweite, weniger offensichtliche Tragik: Ein Teil solcher Spills ist nicht „weg“, nur weil man ihn nicht mehr sieht. Öl kann verbrennen, sich in der Wassersäule verteilen oder in tieferen Schichten verbleiben – und die Beweislage wird schnell dünn, wenn systematische Untersuchungen fehlen. Trotzdem ist die Atlantic Empress ein Musterbeispiel dafür, wie Kombinationen aus Kollision, Feuer, Schleppmaßnahmen und Wetter einen Spill eskalieren lassen können. Dass am Ende nur „sehr geringe“ Küstenverschmutzung berichtet wurde, wirkt fast wie ein Paradox – aber es zeigt auch, wie stark die Wirkung einer Ölpest vom Ort, von Strömungen und von der Frage abhängt, ob Öl überhaupt Küsten erreicht.

  • Geschätzte Menge: 287.000 Tonnen (größter Ship-source Spill)
  • Kollision ca. 10 Meilen vor Tobago; anschließend Feuer
  • Mehrere Crewmitglieder verloren ihr Leben
Ort
Vor Tobago (Westindies)
Menge
287.000 Tonnen
Art
Kollision zweier VLCCs, Brand, Schleppung, Sinken
Quelle
ITOPF – Atlantic Empress (Case Study)

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Mingbulak/Fergana Valley, Usbekistan (1992)

Rang: 7

Ölpesten sind nicht nur „Meeresdramen“ – manchmal sind sie ein Kampf gegen Schwerkraft, Feuer und Zeit mitten auf dem Land. Der Mingbulak-Blowout im Fergana Valley (Usbekistan) wird in einer Übersicht zu Rohölereignissen als massiver Inland-Unfall beschrieben: Ein Blowout an Well No. 5 führte dazu, dass Öl freigesetzt wurde und zwei Monate lang brannte. In dieser Zeit werden Ausflussraten bis zu 150.000 Barrel pro Tag genannt, bevor der Fluss schließlich von selbst stoppte – eine Formulierung, die andeutet, wie begrenzt die unmittelbaren technischen Eingriffsmöglichkeiten waren. Besonders eindrücklich sind die zwei Mengenangaben, die zusammen das Bild einer Katastrophe ergeben, die zwar gigantisch war, aber zugleich notfallmäßig „eingefangen“ wurde: Einerseits wird eine Gesamtfreisetzung von 285.000 Tonnen genannt, andererseits werden 320.000 m³ Öl erwähnt, die hinter Notdämmen gesammelt wurden. Das ist die Art von improvisierter Großtechnik, die man sich bildlich vorstellen kann: Erde, Dämme, Barrieren – alles, um zu verhindern, dass Öl in weitere Landschaften abfließt oder in Gewässer gelangt. Gerade bei Inland-Spills entscheidet oft die Topografie darüber, ob aus einem „schlimmen“ Unfall ein „historischer“ wird. Mingbulak steht in dieser Liste deshalb so weit oben, weil er zeigt, wie groß die Mengen auch ohne Meer werden können – und wie sehr Notmaßnahmen auf dem Land auf Eindämmung statt „Bergung“ setzen. Wenn das Öl einmal im Boden- und Sedimentsystem angekommen ist, wird jede Reinigung zur Langstrecke.

  • Ausfluss/Verlauf: bis zu 150.000 Barrel/Tag, 2 Monate, stoppte von selbst
  • Gesamt: 285.000 Tonnen freigesetzt
  • 320.000 m³ hinter Notdämmen gesammelt
Ort
Fergana Valley, Usbekistan (Inland)
Menge
285.000 Tonnen freigesetzt; 320.000 m³ gesammelt
Dauer
2 Monate (Brand/Flow), dann Stopp
Quelle
NCCEH – Guidance for the Environmental Public Health Management of Crude Oil Incidents (PDF)

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Amoco Cadiz, Bretagne (1978)

Rang: 8

Die Amoco Cadiz ist einer jener Namen, die in Frankreich noch lange nachhallen – weil die Ölpest nicht nur groß war, sondern Küste für Küste „durchdeklinierte“. Am 16. März 1978 lief der Tanker vor der Bretagne nach einem Steuerungs-/Ruderproblem auf Grund. Was dann folgte, war das Worst-Case-Szenario: Über einen Zeitraum von zwei Wochen ging die gesamte Ladung verloren – laut Fallstudie 223.000 Tonnen leichtes iranisches und arabisches Rohöl sowie zusätzlich 4.000 Tonnen Bunkerfuel. Unter rauer See entwickelte sich ein Teil der Verschmutzung schnell zu einer zähen Wasser-in-Öl-Emulsion, deren Volumen sich vervielfachen kann – ein Albtraum für jede Reinigungslogistik. Bis Ende April wurden 320 km Küste in der Bretagne kontaminiert, und die Verschmutzung reichte sogar bis zu den Kanalinseln. Die Beschreibung macht außerdem klar, warum manche Ölpesten „schmutziger“ wirken als andere: Nicht jede Küste ist ein Sandstrand, den man abtragen kann. Betroffen waren ganz unterschiedliche Uferformen – von Fels- und Steinbereichen über Dämme und Jetties bis zu Wattflächen und Salzmarschen. Und die Folgen gingen weit über Naturbilder hinaus: Es werden massenhaft tote Organismen und Vögel erwähnt (nahezu 20.000 geborgene tote Vögel), außerdem schwere Effekte auf Muschel- und Fischerei sowie Tourismus. Amoco Cadiz steht damit in dieser Liste nicht nur wegen der Menge, sondern wegen der „klassischen“ Küstenkatastrophe: viel Öl, viel Emulsion, viel Küste – und jahrelange Aufarbeitung.

  • Menge: 223.000 t Rohöl + 4.000 t Bunkerfuel
  • Kontamination: ≈320 km Bretagne-Küste bis Ende April
  • Geborgene tote Vögel: nahezu 20.000
Ort
Bretagne (Frankreich)
Menge
223.000 t Rohöl + 4.000 t Bunkerfuel
Betroffene Küste
≈320 km (bis Ende April)
Quelle
ITOPF – Amoco Cadiz (Case Study)

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Torrey Canyon, Cornwall (1967)

Rang: 9

Die Torrey Canyon ist ein Einschnitt in der Geschichte der Ölkatastrophen – nicht nur wegen der Menge, sondern weil sie weltweit sichtbar machte, wie unvorbereitet die Welt auf einen großen Tankerunfall war. Am 18. März 1967 lief der Tanker auf dem Seven Stones Reef nahe Land’s End (Cornwall) auf Grund. Schon kurz danach strömten „tausende Tonnen“ aus beschädigten Tanks – und innerhalb von 12 Tagen ging die gesamte Ladung verloren: etwa 119.000 Tonnen Kuwait-Rohöl. Die Reaktion war in vielerlei Hinsicht „frühindustriell“: Zahlreiche Methoden wurden ausprobiert, inklusive eines drastischen Schritts – die britische Regierung ordnete an, das Schiff durch Bombardierung aus der Luft zu zerstören, in der Hoffnung, das Öl an Bord zu verbrennen. Der Text beschreibt offen, dass dies nur teilweise gelang und die Verschmutzung dennoch weite Teile der Südwestküste Englands traf, später auch die Kanalinseln und die Bretagne. Besonders prägend war aber ein anderer Punkt: Die Torrey Canyon wurde zum Symbol für die Risiken der damaligen Dispergatoren. Es wird von „exzessivem“ und teils undifferenziertem Einsatz früher, deutlich toxischerer Mittel berichtet – mit zusätzlichem Umweltschaden als Konsequenz. Genau dieses Detail erklärt, warum Torrey Canyon bis heute in Fach- und Umweltdebatten auftaucht: Eine Ölpest ist nicht nur die Menge des Rohöls, sondern auch das, was wir zur Bekämpfung einsetzen. Wer hier liest, versteht, warum moderne Response-Strategien heute so stark auf abgestufte Verfahren, Umwelttoxikologie und evidenzbasierte Entscheidungen setzen. Torrey Canyon war – leider – ein weltweites Lehrstück im Echtbetrieb.

  • Verlorene Ladung: ≈119.000 Tonnen Kuwait crude
  • Verlauf: 12 Tage bis zum vollständigen Cargo-Verlust
  • Bekämpfung: u. a. Bombardierung; problematischer Dispergator-Einsatz
Ort
Cornwall (UK), später Ärmelkanal / Bretagne
Menge
≈119.000 Tonnen
Besonderheit
Frühe, toxische Dispergatoren; große mediale Wirkung
Quelle
ITOPF – Torrey Canyon (Case Study)

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Nowruz-Ölfeld, Persischer Golf (1983–1985)

Rang: 10

Die Nowruz-Ölpest ist ein Beispiel dafür, wie Krieg nicht nur Infrastruktur zerstört, sondern Ölkatastrophen in eine gefährliche, langwierige Abfolge verwandelt. Laut Incident-Darstellung wurde die Plattform im März 1983 angegriffen; der daraus resultierende Slick geriet in Brand. Ein Well wurde schließlich am 18. September 1983 gekappt – doch die Lage blieb über lange Zeit kritisch, weil weitere Aktivitäten und Schäden die Leckraten beeinflussten. Dokumentiert sind mehrere Phasen: Eine anfängliche Ausflussrate von etwa 5.000 Barrel pro Tag, später ein Rückgang auf etwa 1.500 Barrel pro Tag in den zwei Jahren vor der Kappung. Besonders erschütternd sind die humanitären Eckdaten: Bei den Kapp- und Plug-Arbeiten starben 11 Menschen (1983) und später noch einmal 9 bei weiteren Operationen. Insgesamt wird eine Menge von etwa 733.000 Barrel angegeben, die in das Meer gelangte. Das ist zwar deutlich weniger als die Spitzenplätze dieser Liste – aber es reicht, um Nowruz unter die größten dokumentierten Ölpesten einzuordnen, vor allem weil die Freisetzung nicht „sauber“ zu datieren ist wie bei einem einzelnen Tankerbruch. Es ist ein Ereignis, das über Zeit läuft, mit wechselnden Leckraten, Bränden, gefährlichen Einsätzen und wiederholten Eingriffen. Die Beschreibung zeigt außerdem, dass aus der Not heraus Kooperationen für großskalige Trajektorienmodellierung entstanden – ein Hinweis darauf, dass bei solchen Spills nicht nur Skimmer und Booms zählen, sondern auch das Wissen darüber, wohin sich Öl überhaupt bewegen wird. Nowruz steht damit für die Kategorie „komplexe Ölpest“: technisch, politisch, menschlich riskant – und in Summe verheerend.

  • Geschätzte Gesamtmenge: ≈733.000 Barrel
  • Leckraten: anfänglich ≈5.000 bbl/Tag, später ≈1.500 bbl/Tag
  • Todesopfer bei Arbeiten: 11 (1983) und 9 (später)
Ort
Nowruz Oil Field, Persischer Golf (Iran)
Menge
≈733.000 Barrel
Kontext
Angriffe/Brand; Kapp- und Plug-Operationen
Quelle
NOAA IncidentNews – Nowruz Oil Field (Incident 6262)

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