36,5 Meter vom Schirm bis zur Spitze der Tentakel: Die größten Quallen der Welt können länger werden als ein Blauwal. Dabei führt ihre weiche, fast vollständig aus Wasser bestehende Anatomie zu extrem unterschiedlichen Formen. Manche Arten entwickeln meterweit nachschleppende Tentakel, andere werden vor allem durch eine tonnenschwere Glocke beziehungsweise einen gewaltigen Schirm zum Giganten.
Für dieses Ranking zählt die maximal belastbar veröffentlichte Gesamtausdehnung eines lebenden beziehungsweise dokumentierten Exemplars. Bei Arten mit langen Fangtentakeln bedeutet das die Entfernung vom Schirm bis zur Tentakelspitze; bei Wurzelmundquallen ohne solche Tentakel wird die größte sicher dokumentierte Körperdimension herangezogen. Glockendurchmesser und Gewicht werden zusätzlich genannt, weil eine 200 Kilogramm schwere Nomura-Qualle trotz deutlich geringerer Länge körperlich massiver ist als manche höher platzierte Art. Staatsquallen wie die Portugiesische Galeere sowie Rippenquallen bleiben ausgeschlossen, da sie zoologisch keine echten Quallen der hier behandelten Gruppen sind. Datenstand ist August 2026. Weitere Tierrekorde finden sich in der Kategorie Tiere.
So wurde gewertet
Sortiert wird nach der größten zuverlässig veröffentlichten Gesamtausdehnung adulter Quallen. Bei Nesseltieren mit langen Randtentakeln oder Mundarmen wird deren maximale Länge mit dem Schirm zusammen betrachtet. Historische Extremwerte werden nur verwendet, wenn sie von einer anerkannten Fachinstitution ausdrücklich weitergeführt werden. Das betrifft besonders die Löwenmähnenqualle mit ihrem berühmten 36,5-Meter-Rekord. Neuere Feldangaben wie die bis zu 70 Fuß langen Tentakel der Pink Meanie werden als aktuelle Extremangaben gekennzeichnet und nicht mit klassischen Museumsmessungen gleichgesetzt. Bei Arten ohne lange Tentakel – etwa Nomuras Qualle oder der Wurzelmundqualle – ist der Schirmdurchmesser die besser reproduzierbare Größenkennzahl. Gewicht ist kein Sortierkriterium, wird aber zur Einordnung genutzt. Genau deshalb liegt die bis etwa 200 Kilogramm schwere Nomura-Qualle hinter wesentlich leichteren, aber langtentakeligen Arten.
Übersicht
| Rang | Art | Max. Ausdehnung | Schirm | Gewicht | Verbreitung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Löwenmähnenqualle | 36,5 m | historisch fast 2 m | stark variabel | kalte Nordmeere | längste dokumentierte Qualle |
| 2 | Pink Meanie | bis ca. 21,3 m | große Glocke | bis ca. 23 kg berichtet | Golf von Mexiko, Atlantik | frisst andere Quallen |
| 3 | Riesen-Phantomqualle | über 10 m | über 1 m | sehr groß, selten gewogen | Tiefsee weltweit | vier gigantische Mundarme statt Randtentakeln |
| 4 | Schwarze Kompassqualle | mind. 7,6 m | ca. 0,9–1 m | nicht zuverlässig dokumentiert | Ostpazifik | erst 1997 wissenschaftlich beschrieben |
| 5 | Spiegeleiqualle | bis ca. 6 m | 61 cm | massige Großqualle | mehrere gemäßigte Meeresregionen | frisst andere Quallen |
| 6 | Pazifische Kompassqualle | bis 4,6 m | 45 cm | vergleichsweise leicht | Nordostpazifik | lange Mundarme als Fangapparat |
| 7 | Südamerikanische Kompassqualle | über 3 m | selten bis 1 m | nicht einheitlich dokumentiert | Südamerika | eine der größten Chrysaora-Arten |
| 8 | Japanische Kompassqualle | bis 3 m | ca. 30 cm | deutlich leichter als Wurzelmundquallen | Nordwestpazifik | lange Tentakel trotz relativ kleinem Schirm |
| 9 | Nomuras Qualle | ca. 2 m Schirmbreite | bis 2 m | bis ca. 200 kg | Ostasien | eine der schwersten Quallen der Welt |
| 10 | Wurzelmundqualle | über 1,8 m möglich | bis 90 cm | sehr massig | Nordostatlantik | keine langen Randtentakel |
1. Löwenmähnenqualle – 36,5 Meter
Rang: 1 Weltrekord
Die Löwenmähnenqualle Cyanea capillata hält einen Größenrekord, der selbst im Vergleich mit Walen absurd wirkt. Smithsonian Ocean führt das größte bekannte Exemplar mit 120 Fuß beziehungsweise 36,5 Metern Gesamtlänge. Gemessen wurde vom oberen Bereich des Schirms bis zum Ende der längsten Tentakel. Der Schirm selbst kann bei extrem großen Exemplaren annähernd zwei Meter erreichen. Damit besteht der überwiegende Teil des Rekords aus einem regelrechten Vorhang hauchdünner Fangfäden.
Diese Tentakel hängen in mehreren dichten Gruppen unter dem Schirm und erinnern an eine Löwenmähne. Jeder einzelne ist mit zahllosen Nesselzellen besetzt. Berührt ein Fisch oder ein anderes Planktontier den Fangapparat, schießen mikroskopisch kleine Nesselkapseln aus und injizieren Gift. Anschließend wird die Beute zu den Mundarmen transportiert. Trotz der spektakulären Länge ist die Qualle kein aktiver Verfolger, sondern ein pulsierender, driftender Fangschirm.
Die größten Tiere leben in kalten nördlichen Gewässern. Weiter südlich bleiben Löwenmähnenquallen meist erheblich kleiner. Körpergröße ist bei Quallen stark von Temperatur, Nahrungsangebot und Alter abhängig, weshalb ein einzelnes Extremtier nicht für die gesamte Art steht.
Der berühmte Rekord illustriert außerdem das größte Problem jeder Quallen-Rangliste: Ein 36 Meter langes Tier ist nicht annähernd so massig wie ein gleich langer Wal. Quallengewebe besteht überwiegend aus Wasser, und die Tentakel sind extrem dünn. Nach reiner Gesamtlänge ist Cyanea capillata dennoch unangefochten die Nummer eins.
- 36,5 Meter maximale dokumentierte Gesamtlänge
- Schirm bei Extremtieren annähernd zwei Meter breit
- Bevorzugt kalte nördliche Meeresregionen
- Tausende Nesselzellen sitzen auf den langen Fangtentakeln
- Wissenschaftlicher Name
- Cyanea capillata
- Rekordlänge
- 36,5 m
- Rekordmaß
- Schirmoberseite bis Tentakelspitze
- Schirmdurchmesser
- bei Extremtieren annähernd 2 m möglich
- Klasse
- Scyphozoa
- Verbreitung
- kalte und gemäßigt-kalte Meere der Nordhalbkugel
- Nahrung
- Zooplankton, kleine Fische und andere gelatinöse Tiere
- Rekord
- längste dokumentierte Qualle der Welt
- Quelle
- Smithsonian Ocean
2. Pink Meanie – bis etwa 21,3 Meter
Rang: 2 aktueller Extremwert
Die Pink Meanie Drymonema larsoni ist der ungewöhnlichste Neueinsteiger unter den Quallen-Giganten. Smithsonian Magazine berichtete 2025 unter Berufung auf Jace Tunnell vom Harte Research Institute, dass die rosafarbenen Quallen Tentakel bis zu 70 Fuß beziehungsweise etwa 21,3 Meter entwickeln können. Außerdem werden Körpermassen bis ungefähr 50 Pfund, rund 23 Kilogramm, genannt. Dieser jüngere Feldwert ist nicht mit einem klassischen historischen Museumsexemplar vermessen worden, wird hier deshalb ausdrücklich als aktueller Extremwert eingeordnet.
Die Art ist biologisch mindestens ebenso außergewöhnlich wie ihre Länge. Erwachsene Pink Meanies fressen überwiegend andere Quallen. Besonders Mondquallen werden von den langen Fangstrukturen erfasst, eingewickelt und zu den Mundarmen transportiert. Forschende beobachteten einzelne Tiere mit zahlreichen gleichzeitig gefangenen Quallen. Damit steht Drymonema larsoni in einem ungewöhnlichen Räuber-Beute-Verhältnis: Eine riesige Qualle macht Jagd auf andere Quallen.
Die Art wurde erst im 21. Jahrhundert als eigenständig erkannt. Tiere aus dem nördlichen Golf von Mexiko waren zunächst mit einer mediterranen Form verwechselt worden. Genetische und anatomische Analysen zeigten jedoch, dass es sich um eine eigene Art und sogar um eine auffallend eigenständige Entwicklungslinie handelt.
2025 wurden entlang der texanischen Küste ungewöhnlich viele Pink Meanies beobachtet. Ihr Auftreten folgt häufig großen Beständen von Mondquallen. Verschwinden diese Beutetiere oder sinken die Wassertemperaturen, brechen auch die Bestände der Pink Meanie schnell zusammen. Der zweite Rang ist damit nicht nur ein Größenrekord, sondern das Ergebnis einer extrem spezialisierten räuberischen Lebensweise.
- Bis rund 21,3 m lange Tentakel berichtet
- Bis etwa 23 kg Körpermasse bei großen Tieren
- Erwachsene fressen bevorzugt andere Quallen
- Erst im 21. Jahrhundert als eigene Art erkannt
- Wissenschaftlicher Name
- Drymonema larsoni
- Maximale Tentakellänge
- bis ca. 70 ft beziehungsweise 21,3 m berichtet
- Maximalgewicht
- bis ca. 50 lb beziehungsweise 22,7 kg berichtet
- Verbreitung
- vor allem Golf von Mexiko und westlicher Atlantik
- Hauptbeute
- Mondquallen und andere Quallen
- Artstatus
- seit 2010/2011 als eigenständige Art etabliert
- Auftreten
- stark an das Vorkommen großer Beutequallen-Bestände gekoppelt
- Besonderheit
- riesiger spezialisierter Quallenjäger
- Quelle
- Smithsonian Magazine
3. Riesen-Phantomqualle – mehr als 10 Meter
Rang: 3 Tiefsee-Phantom
Mehr als zehn Meter lange Arme, ein Schirm von über einem Meter Breite und trotzdem jahrzehntelang kaum beobachtet: Stygiomedusa gigantea ist die vielleicht geheimnisvollste Großqualle der Welt. Das Monterey Bay Aquarium Research Institute gibt eine maximale Länge von mehr als zehn Metern an. Anders als Löwenmähnen- oder Kompassquallen besitzt sie jedoch keine klassischen langen Randtentakel. Stattdessen hängen vier breite, bandförmige Mundarme vom dunkelroten Schirm herab.
Diese Arme wirken unter Wasser wie riesige wehende Vorhänge. Forschende vermuten, dass sie kleine Fische und Plankton nicht durch einen Wald dünner Nesselfäden, sondern über ihre große Oberfläche erfassen und umschließen. Damit repräsentiert die Riesen-Phantomqualle einen völlig anderen Fangapparat als die meisten bekannten Großquallen.
Der Lebensraum erklärt ihre Seltenheit in Sammlungen. Stygiomedusa gigantea lebt überwiegend im freien Tiefenwasser, häufig in der sogenannten Midnight Zone. MBARI gibt einen Tiefenbereich von der Oberfläche bis ungefähr 6.700 Meter an, wobei die meisten Beobachtungen wesentlich tiefer als gewöhnliche Sporttaucher reichen. Klassische Fangnetze sind für solche weichen Tiere ungeeignet, weil sie beim Heraufholen beschädigt oder zerstört werden.
ROV-Aufnahmen veränderten deshalb unser Wissen über die Art. MBARI beobachtete sogar kleine Fische, die sich in unmittelbarer Nähe der riesigen Qualle aufhielten und offenbar Schutz zwischen ihren Mundarmen suchten. Rang drei gehört damit einem Tier, das trotz zehn Meter langer Körperanhänge bis heute seltener direkt beobachtet wurde als viele wesentlich kleinere Tiefseetiere.
- Über 10 m Gesamtlänge
- Schirm mehr als 1 m breit
- Vier breite Mundarme statt langer Randtentakel
- Beobachtungen bis in mehrere Kilometer Tiefe
- Wissenschaftlicher Name
- Stygiomedusa gigantea
- Maximallänge
- über 10 m
- Schirmbreite
- über 1 m
- Tiefenbereich
- bis etwa 6.700 m dokumentiert
- Lebensraum
- freies Tiefenwasser
- Fangapparat
- vier lange, breite Mundarme
- Verbreitung
- weltweit mit Ausnahme der Arktis nachgewiesen
- Besonderheit
- eine der seltensten direkt beobachteten Großquallen
- Quelle
- Monterey Bay Aquarium Research Institute
4. Schwarze Kompassqualle – mindestens 7,6 Meter
Rang: 4 riesige Fangfäden
Die Schwarze Kompassqualle Chrysaora achlyos kann ihre Fangtentakel laut Monterey Bay Aquarium auf mindestens 25 Fuß beziehungsweise rund 7,6 Meter ausstrecken. Die rosafarbenen, stark gefalteten Mundarme erreichen zusätzlich ungefähr sechs Meter. Der Schirm kann fast einen Meter breit werden. Damit ist die Art nicht nur lang, sondern auch deutlich massiger als viele andere Kompassquallen.
Das Erstaunliche ist ihr spätes wissenschaftliches Debüt. Obwohl Fotografien bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts existierten und zeitweise große Schwärme vor Kalifornien auftauchten, wurde Chrysaora achlyos erst 1997 offiziell beschrieben. Eine fast acht Meter lange Qualle konnte damit bis zum Ende des 20. Jahrhunderts ohne formalen Artnamen bleiben.
Der Grund liegt im unregelmäßigen Auftreten. In manchen Jahren scheint die Art fast verschwunden, in anderen bilden sich große Ansammlungen vor Südkalifornien und Baja California. Wissenschaftler vermuten, dass Meeresströmungen, Wassertemperatur und Nahrungsangebot beeinflussen, wann die Tiere in Küstennähe sichtbar werden.
Gejagt wird mit einem gewaltigen dreidimensionalen Fangnetz. Die langen Tentakel tragen Nesselzellen, während die breiten Mundarme Beute transportieren und weiterverarbeiten. Gefressen werden Zooplankton und andere gelatinöse Tiere. Gleichzeitig nutzen junge Fische die Qualle teilweise als Schutzraum und bewegen sich zwischen den Fangstrukturen.
Der vierte Rang zeigt damit, warum die scheinbar einfache Frage nach der „Größe“ bei Quallen so kompliziert ist: Der Schirm misst weniger als einen Meter, das vollständige Tier beansprucht im Wasser jedoch einen Raum von vielen Metern Länge.
- Tentakel mindestens 7,6 m lang
- Mundarme bis etwa 6 m
- Schirm ungefähr 0,9–1 m breit
- Erst 1997 wissenschaftlich beschrieben
- Wissenschaftlicher Name
- Chrysaora achlyos
- Max. Tentakellänge
- mindestens 7,6 m
- Max. Mundarmlänge
- ca. 6 m
- Schirmdurchmesser
- ca. 0,9 m, teils größer angegeben
- Verbreitung
- Ostpazifik von Mexiko bis Kalifornien
- Artbeschreibung
- 1997
- Nahrung
- Zooplankton und andere Quallen
- Besonderheit
- eine der größten erst spät beschriebenen Meeresarten
- Quelle
- Monterey Bay Aquarium
5. Spiegeleiqualle – bis etwa 6 Meter
Rang: 5 Quallenjäger
Die Spiegeleiqualle Phacellophora camtschatica sieht aus, als hätte jemand ein riesiges Ei ins Meer geschlagen: In der Mitte des transparenten Schirms sitzt ein kräftig gelber Bereich, während hunderte Tentakel nach unten hängen. Der Schirm erreicht laut Monterey Bay Aquarium bis zu 61 Zentimeter Durchmesser, die Fangtentakel können jedoch rund sechs Meter lang werden. Damit landet die Art auf Platz fünf.
Trotz dieses riesigen Fangapparats ist ihr Stich für Menschen im Allgemeinen schwächer als der vieler Kompassquallen. Für ihre bevorzugte Beute reicht er dennoch aus. Spiegeleiquallen ernähren sich zu einem großen Teil von anderen Quallen. Sie treiben relativ langsam durch das Wasser und spannen dabei ihre Tentakel wie ein Unterwassernetz aus. Gerät eine andere Qualle hinein, bleibt sie hängen und wird anschließend zu den Mundstrukturen transportiert.
Besonders interessant sind die zahlreichen Tiere, die selbst an oder unter einer Spiegeleiqualle leben. Junge Fische, kleine Krebse und Flohkrebse wurden zwischen den Tentakeln beobachtet. Einige nutzen den Fangapparat als Schutz vor größeren Räubern, andere fressen möglicherweise sogar Teile ihrer Gastgeberin oder abgefangene Nahrung.
Die Art ist weit verbreitet und wurde aus verschiedenen gemäßigten Meeresregionen gemeldet. Gerade deshalb ist ihre genaue Systematik historisch mehrfach diskutiert worden. Moderne genetische Untersuchungen haben bei zahlreichen vermeintlich weltweit verbreiteten Quallen gezeigt, dass hinter einem Namen manchmal mehrere ähnliche Arten stecken.
Mit sechs Metern langen Fangfäden bleibt die Spiegeleiqualle zwar hinter dem Phantom und der Schwarzen Kompassqualle zurück, überragt aber die meisten bekannten Küstenquallen deutlich.
- Schirm bis 61 cm Durchmesser
- Tentakel bis ungefähr 6 m
- Frisst bevorzugt andere Quallen
- Jungfische und kleine Krebse nutzen sie als Schutzraum
- Wissenschaftlicher Name
- Phacellophora camtschatica
- Maximale Tentakellänge
- ca. 6 m
- Schirmdurchmesser
- bis 61 cm
- Typ
- Schirmqualle
- Verbreitung
- verschiedene gemäßigte Meeresgebiete
- Nahrung
- vor allem andere Quallen
- Stichwirkung
- für Menschen meist vergleichsweise mild
- Besonderheit
- riesiger Fangapparat bei relativ moderatem Schirmdurchmesser
- Quelle
- Monterey Bay Aquarium
6. Pazifische Kompassqualle – bis 4,6 Meter
Rang: 6 Fangnetz
Chrysaora fuscescens, die Pazifische Kompassqualle oder Pacific Sea Nettle, erreicht laut Monterey Bay Aquarium einen Schirmdurchmesser bis etwa 45 Zentimeter. Die Mundarme können dagegen 3,6 bis 4,6 Meter lang werden. Dieser extreme Unterschied zwischen Schirm und Körperanhängen erklärt Rang sechs: Die Qualle ist im Zentrum kaum breiter als ein großer Esstisch, ihr Fangapparat reicht aber über mehrere Meter Wasserraum.
Die Art kommt an der nordamerikanischen Pazifikküste von Alaska bis Kalifornien sowie in weiteren Bereichen des Nordpazifiks vor. Die goldbraune Glocke und die hellen, spiralförmig herabhängenden Mundarme machen sie zu einer der bekanntesten Schauquallen großer Aquarien.
In freier Natur dienen Tentakel und Mundarme als hochwirksames Netz für junge Fische, Fischlarven, Eier, Ruderfußkrebse und andere Quallen. Berührt ein Beutetier einen Tentakel, feuern Nesselzellen ihre mikroskopisch kleinen Harpunen ab. Der gelähmte Organismus wird anschließend in Richtung Magen transportiert.
Interessant ist die vertikale Bewegung mancher Populationen. Monterey Bay Aquarium beschreibt tägliche Wanderungen von mehr als 1.000 Metern in der Wassersäule. Solche Bewegungen erlauben es den Quallen, zwischen unterschiedlich planktonreichen Tiefenschichten zu wechseln.
Für das Ökosystem kann eine große Population erhebliche Bedeutung haben. Wenn tausende Kompassquallen gleichzeitig Fischlarven und Zooplankton fressen, beeinflussen sie die Nahrungsketten des Küstenmeeres. Umgekehrt dienen sie selbst Schildkröten, Fischen und Seevögeln als Nahrung. Ihre 4,6 Meter langen Fangarme machen sie damit nicht nur groß, sondern auch ökologisch äußerst wirkungsvoll.
- Schirm bis etwa 45 cm
- Mundarme bis 4,6 m
- Lebt im Nordpazifik
- Kann erhebliche vertikale Wanderungen durchführen
- Wissenschaftlicher Name
- Chrysaora fuscescens
- Max. Mundarmlänge
- ca. 4,6 m
- Schirmdurchmesser
- bis ca. 45 cm
- Verbreitung
- Nordpazifik
- Nahrung
- Fischlarven, Zooplankton und andere Quallen
- Fangapparat
- Nesseltentakel und lange Mundarme
- Lebensweise
- pelagisch
- Besonderheit
- eine der bekanntesten großen Schauquallen
- Quelle
- Monterey Bay Aquarium
7. Südamerikanische Kompassqualle – mehr als 3 Meter
Rang: 7 Südamerika-Gigant
Die Südamerikanische Kompassqualle Chrysaora plocamia gehört zu den größten Arten ihrer Gattung. Aquarium Pula nennt für ausgewachsene Tiere typischerweise 50 bis 60 Zentimeter Schirmdurchmesser und zwei bis drei Meter Gesamtlänge. Seltene Exemplare können einen Schirm von etwa einem Meter und eine Gesamtlänge von mehr als drei Metern erreichen. Dieser gut eingeordnete Extremwert bringt die Art auf Platz sieben.
Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich entlang großer Teile der südamerikanischen Küsten, insbesondere vor Peru und Chile sowie um die Südspitze des Kontinents. In produktiven Auftriebsgebieten kann enorm viel Plankton entstehen. Für räuberische Quallen bedeutet das zeitweise ein reiches Nahrungsangebot, und große Ansammlungen sind möglich.
Wie andere Kompassquallen fängt Chrysaora plocamia Zooplankton, Fischlarven und kleinere gelatinöse Tiere mit Nesselzellen. Junge Fische und kleine Krebstiere können gleichzeitig in unmittelbarer Nähe der Qualle Schutz suchen. Das Tier ist damit zugleich Räuber, Lebensraum und potenzielle Nahrungsquelle für größere Meerestiere.
Aquarium Pula hält und vermehrt die Art seit mehreren Jahren. Solche kontrollierten Populationen liefern wichtige Informationen über Wachstumsraten, Lebensdauer und Fütterung. Die eigentliche Medusenphase ist erstaunlich kurz: Unter natürlichen und künstlichen Bedingungen lebt der ausgewachsene frei schwimmende Körper häufig nur einige Monate.
Die Kombination aus meterbreitem Schirm und mehreren Metern Gesamtlänge macht die Südamerikanische Kompassqualle deutlich massiger als die japanische Art auf Rang acht. Gleichzeitig bleibt sie weit hinter den extremen Fangfäden der nordpazifischen und kalifornischen Großquallen zurück.
- Typisch 2–3 m Gesamtlänge
- Seltene Exemplare über 3 m
- Schirm normalerweise 50–60 cm, selten bis etwa 1 m
- Große Populationen können in produktiven Küstengewässern auftreten
- Wissenschaftlicher Name
- Chrysaora plocamia
- Maximale Gesamtlänge
- selten mehr als 3 m
- Typische Gesamtlänge groß
- ca. 2–3 m
- Schirmdurchmesser
- meist 50–60 cm, selten bis ca. 1 m
- Verbreitung
- pazifische und atlantische Küsten Südamerikas
- Nahrung
- Zooplankton, Fischlarven und gelatinöse Tiere
- Medusenphase
- oft nur wenige Monate
- Besonderheit
- eine der größten Arten der Gattung Chrysaora
- Quelle
- Aquarium Pula
8. Japanische Kompassqualle – bis 3 Meter
Rang: 8 Japan
Die Japanische Kompassqualle Chrysaora pacifica erreicht nach Angaben des Oceanogràfic in Valencia bis zu drei Meter vom Schirm bis zum Ende ihrer Tentakel. Damit liegt sie nur knapp hinter der südamerikanischen Verwandten. Der Schirm selbst bleibt dagegen relativ kompakt. Gerade dieses Verhältnis ist typisch für die Gattung: Ein großer Teil der sichtbaren Ausdehnung entfällt auf lange, bewegliche Fangstrukturen.
Das charakteristische Muster besteht aus dunklen, vom Zentrum nach außen laufenden Streifen. Dadurch wirkt der Schirm wie ein Sonnensymbol beziehungsweise eine Windrose. Diese Zeichnung führt immer wieder zu Verwechslungen mit anderen Arten der Gattung Chrysaora. Besonders die Nördliche Kompassqualle kann ähnlich aussehen, wird jedoch größer und lebt in kälteren Gewässern.
Japanische Kompassquallen ernähren sich von kleinen Krebsen, Fischlarven, Eiern, Rippenquallen und anderen planktonischen Tieren. Die langen Fangtentakel erzeugen dabei eine weitaus größere Fangfläche, als der relativ kleine Schirm vermuten lässt. Ein Tier muss seine Beute nicht verfolgen; es schwimmt und driftet durch planktonreiches Wasser und lässt den Fangapparat hinter sich herziehen.
Die Art ist vor allem aus dem nordwestlichen Pazifik und japanischen Gewässern bekannt. Aquariumspopulationen machten sie zu einer der bekanntesten Kompassquallen überhaupt. Gleichzeitig zeigen zoologische Untersuchungen, dass ältere Literatur die japanische und nördliche Form teilweise miteinander vermischte.
Rang acht entsteht daher aus einem heute vergleichsweise gut abgegrenzten Größenwert: ungefähr drei Meter maximale Gesamtausdehnung – beeindruckend, aber noch weit von den sieben bis zehn Metern der Spitzengruppe entfernt.
- Bis etwa 3 m Gesamtausdehnung
- Relativ kleiner Schirm im Verhältnis zu den Tentakeln
- Auffälliges dunkles Strahlenmuster
- Räuber von Zooplankton, Fischlarven und anderen Quallen
- Wissenschaftlicher Name
- Chrysaora pacifica
- Maximale Gesamtlänge
- bis ca. 3 m
- Typ
- Kompassqualle / Sea Nettle
- Verbreitung
- vor allem Gewässer um Japan und Nordwestpazifik
- Nahrung
- Zooplankton, kleine Krebstiere, Fischlarven und Quallen
- Fangmethode
- lange mit Nesselzellen besetzte Tentakel
- Merkmal
- strahlenförmige dunkle Zeichnung des Schirms
- Besonderheit
- bis zu drei Meter Gesamtlänge trotz relativ kompaktem Schirm
- Quelle
- Oceanogràfic Valencia
9. Nomuras Qualle – zwei Meter Schirm und 200 Kilogramm
Rang: 9 Gewichts-Gigant
Bei Nomuras Qualle Nemopilema nomurai führt die reine Länge fast in die Irre. Das Tier besitzt keine dutzende Meter langen Fangfäden wie die ersten Plätze, kann dafür aber einen Schirmdurchmesser von ungefähr zwei Metern und ein Nassgewicht von rund 200 Kilogramm erreichen. Eine Facharbeit der Hiroshima University bezeichnet genau diese beiden Werte als charakteristische Maxima. Damit gehört Nomuras Qualle zu den schwersten Quallen der Welt.
Der Körper wirkt wie eine riesige kompakte Glocke mit darunterliegenden massigen Mundarmen. Anders als Kompassquallen besitzen Wurzelmundquallen keine einzelnen langen Randtentakel. Stattdessen sind die ursprünglichen Mundstrukturen stark verzweigt und tragen zahlreiche kleine Mundöffnungen. Plankton und kleine Nahrungspartikel werden aus dem Wasser aufgenommen und über dieses komplexe System verarbeitet.
Besonders berüchtigt ist die Art wegen ihrer Massenvermehrungen in Ostasien. Seit den frühen 2000er-Jahren wurden im Gelben Meer, Ostchinesischen Meer und Japanischen Meer wiederholt enorme Schwärme beobachtet. Fischer berichten dann von Netzen, die durch das Gewicht der Quallen beschädigt werden. Fänge können verdorben werden, wenn zahlreiche Tiere im Netz zerquetscht werden.
Die Entwicklung zum 200-Kilogramm-Giganten erfolgt erstaunlich schnell. Wie andere Schirmquallen beginnt Nemopilema nomurai als winzige Meduse und wächst innerhalb einer Saison zu enormer Größe heran. Hohe Produktivität und günstige Temperaturbedingungen können dieses Wachstum zusätzlich fördern.
Rang neun ist daher nur ein Längenrang. Würde das Ranking nach Masse sortiert, würde Nomuras Qualle weit nach oben rücken und zahlreiche langtentakelige Arten deutlich übertreffen.
- Bis etwa 2 m Schirmdurchmesser
- Bis ungefähr 200 kg Nassgewicht
- Wiederkehrende Massenvermehrungen in ostasiatischen Meeren
- Kann Fischernetze beschädigen und Küstenfischerei massiv beeinträchtigen
- Wissenschaftlicher Name
- Nemopilema nomurai
- Max. Schirmdurchmesser
- ca. 2 m
- Max. Nassgewicht
- ca. 200 kg
- Ordnung
- Rhizostomeae
- Verbreitung
- Bohai-, Gelbes, Ostchinesisches und Japanisches Meer
- Nahrung
- Plankton und kleinere pelagische Organismen
- Aktuelle Bedeutung
- wiederkehrende Massenauftreten seit den 2000er-Jahren
- Besonderheit
- eine der schwersten bekannten Quallen
- Quelle
- Plankton and Benthos Research / J-STAGE
10. Wurzelmundqualle – Schirm bis 90 Zentimeter
Rang: 10 Atlantik-Gigant
Die Wurzelmundqualle Rhizostoma octopus erreicht einen Schirmdurchmesser von bis zu 90 Zentimetern und gehört damit zu den größten Quallen des Nordostatlantiks. Der Plymouth Marine Science Electronic Archive beschreibt ihre acht Mundarme ausdrücklich als länger als den Schirmdurchmesser. Ein großes Tier kann dadurch insgesamt weit über anderthalb Meter ausgedehnt sein und bei maximalen Proportionen in die Nähe von zwei Metern gelangen.
Der Körperbau unterscheidet sich grundlegend von den Kompassquallen der höheren Plätze. Klassische lange Randtentakel fehlen vollständig. Unter dem glatten, festen Schirm hängen stattdessen vier Paare massiger Mundarme mit zahlreichen kleinen Öffnungen. Diese Strukturen filtrieren und transportieren winzige Nahrungspartikel. Das Tier wirkt deshalb eher wie ein riesiger pulsierender Pilz als wie ein Schirm mit langen Fäden.
Die feste Gallertmasse macht Wurzelmundquallen außergewöhnlich kompakt. Ein Exemplar von 90 Zentimetern Schirmbreite kann deshalb wesentlich schwerer wirken als eine zwei oder drei Meter lange Kompassqualle, deren Länge größtenteils aus hauchdünnen Tentakeln besteht.
In Großbritannien und Irland werden die Tiere häufig als „dustbin lid jellyfish“ bezeichnet – Mülltonnendeckelqualle. Der Name beschreibt die flache, große Scheibe erstaunlich treffend. Im Frühjahr und Sommer können einzelne Jahre besonders viele Beobachtungen bringen.
Große Wurzelmundquallen sind außerdem wichtige Beute für Lederschildkröten. Was für einen Menschen wie ein riesiger gallertiger Körper wirkt, stellt für die Schildkröte eine wasserreiche, aber in großer Menge verfügbare Nahrungsquelle dar. Rang zehn gehört damit einer Qualle, die nicht durch rekordverdächtige Tentakel, sondern durch ihren gewaltigen kompakten Schirm auffällt.
- Schirm bis 90 cm Durchmesser
- Mundarme länger als der Schirmdurchmesser
- Keine langen Randtentakel
- Eine der größten regelmäßig im Nordostatlantik beobachteten Quallen
- Wissenschaftlicher Name
- Rhizostoma octopus
- Max. Schirmdurchmesser
- 90 cm
- Mundarme
- länger als der Schirmdurchmesser
- Ordnung
- Rhizostomeae
- Verbreitung
- Nordostatlantik
- Färbung
- weißlich bis bläulich, teilweise rötlich oder grau
- Randtentakel
- fehlen
- Besonderheit
- sehr massige Großqualle mit acht Mundarmen
- Quelle
- Plymouth Marine Science Electronic Archive
Warum Länge und Gewicht bei Quallen völlig unterschiedliche Ranglisten ergeben
Bei kaum einer Tiergruppe ist „Größe“ so schwer eindeutig zu definieren. Die Löwenmähnenqualle erreicht ihre 36,5 Meter vor allem durch extrem dünne Tentakel. Nomuras Qualle bleibt in der maximalen linearen Dimension dagegen bei ungefähr zwei Metern, kann aber etwa 200 Kilogramm wiegen. Ein Längenranking und ein Gewichtsranking würden deshalb fast gegensätzlich aussehen.
Hinzu kommt die enorme Verformbarkeit. Quallen besitzen kein starres Skelett. Ein Fangtentakel kann sich zusammenziehen oder stark strecken, ein Schirm beim Pulsieren seine Form verändern. Tote und konservierte Tiere schrumpfen oder werden durch mechanische Belastung verlängert. Historische Größenangaben sind deshalb deutlich schwieriger zu vergleichen als etwa die Länge eines Hais.
Am zuverlässigsten ist häufig der Schirmdurchmesser. Er wird in wissenschaftlichen Untersuchungen standardisiert gemessen. Für die Frage nach den „größten“ Quallen wäre es jedoch irreführend, einen zehn Meter langen Tiefseeorganismus nur über seinen ein Meter breiten Schirm zu bewerten. Diese Liste nutzt daher die größte natürliche Gesamtausdehnung und zeigt Schirmgröße und Gewicht zusätzlich.
Warum können Quallen trotz ihres einfachen Körperbaus so riesig werden?
Ein entscheidender Vorteil ist das Wasser selbst. Quallengewebe besteht überwiegend aus Wasser und besitzt annähernd dieselbe Dichte wie die Umgebung. Die Tiere müssen ihr Gewicht deshalb nicht wie Landtiere mit Knochen und massiver Muskulatur tragen. Selbst ein 200 Kilogramm schwerer Körper kann im Meer mit vergleichsweise wenig tragendem Gewebe auskommen.
Auch lange Tentakel sind biomechanisch billig. Ein Wal müsste für einen 20 Meter langen Körper enorme Mengen Muskeln und Skelett aufbauen. Eine Qualle kann einen großen Fangraum mit dünnen, wasserreichen Fäden abdecken. Der Nutzen ist erheblich: Je größer der dreidimensionale Fangapparat, desto höher die Wahrscheinlichkeit, auf Plankton oder kleine Fische zu treffen.
Gleichzeitig wachsen Quallen sehr schnell. Bei ausreichendem Planktonangebot können manche Arten innerhalb weniger Monate von winzigen Jungmedusen zu enormen Tieren werden. Das erklärt, warum Massenauftreten großer Quallen scheinbar plötzlich entstehen können.
Häufige Fragen zu den größten Quallen der Welt
Welche ist die größte Qualle der Welt?
Die Löwenmähnenqualle Cyanea capillata hält den bekanntesten dokumentierten Längenrekord. Smithsonian Ocean nennt ein Exemplar mit 36,5 Metern Gesamtlänge vom Schirm bis zu den längsten Tentakeln.
Welche ist die schwerste Qualle der Welt?
Zu den schwersten gehört Nomuras Qualle Nemopilema nomurai. Wissenschaftliche Fachliteratur nennt bis etwa zwei Meter Schirmdurchmesser und rund 200 Kilogramm Nassgewicht.
Ist eine 36 Meter lange Qualle größer als ein Blauwal?
Nur nach maximaler Länge. Die Löwenmähnenqualle kann durch ihre dünnen Tentakel länger als viele Blauwale sein, besitzt aber nur einen winzigen Bruchteil ihrer Körpermasse. Ein Blauwal kann mehr als 100 Tonnen wiegen.
Sind die größten Quallen auch die gefährlichsten?
Nein. Körpergröße und Giftwirkung hängen kaum direkt zusammen. Einige sehr kleine Würfelquallen besitzen wesentlich gefährlicheres Gift als die riesigen Arten dieser Liste. Große Kompass- und Löwenmähnenquallen können dennoch schmerzhafte Stiche verursachen.
Ist die Portugiesische Galeere eine Qualle?
Nein. Sie wird umgangssprachlich häufig als Qualle bezeichnet, ist zoologisch aber eine Staatsqualle beziehungsweise ein Siphonophor – eine Kolonie hoch spezialisierter Einzelorganismen. Deshalb wird sie in diesem Ranking nicht berücksichtigt.







