10.779 Meter unter der Erde: Deutschlands längster bestehender Verkehrstunnel liegt nicht unter einer Großstadt und ist auch kein Autobahntunnel. Der Landrückentunnel in Hessen führt die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg durch einen Mittelgebirgszug und ist nur 254 Meter länger als der zweitplatzierte Mündener Tunnel. Die Rangliste zeigt zugleich, wie stark der deutsche Hochgeschwindigkeitsverkehr den modernen Tunnelbau geprägt hat: Neun der zehn längsten Tunnel werden von Eisenbahnen genutzt. Nur der Rennsteigtunnel auf der A 71 durchbricht diese Dominanz.
Sortiert wird nach der baulichen Länge des längsten durchgehenden Tunnelbauwerks. Bei zweiröhrigen Anlagen zählt nicht die Summe beider Röhren, sondern die Länge der längeren Hauptröhre beziehungsweise die veröffentlichte Bauwerkslänge. Berücksichtigt werden Tunnel, die mit Datenstand August 2026 regulär in Betrieb sind. Noch nicht eröffnete Bauwerke wie der Fildertunnel des Projekts Stuttgart 21 bleiben deshalb außen vor. Das ist aktuell besonders relevant: Die Deutsche Bahn hat im Juni 2026 die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 erneut verschoben; wesentliche Teile sollen erst ab 2031 regulär genutzt werden. Weitere Größenvergleiche finden sich in der Kategorie Gebäude.
So wurde gewertet
Ranking-Kriterium ist ausschließlich die Tunnellänge, nicht Baukosten, Querschnitt, Zahl der Röhren oder Tiefe. Eisenbahn-, Straßen- und andere dauerhaft für den öffentlichen Verkehr genutzte Tunnel werden gemeinsam verglichen. Bei zweiröhrigen Anlagen wie dem Katzenberg- oder Rennsteigtunnel wird die Länge einer durchgehenden Hauptröhre angesetzt und nicht die Gesamtlänge beider Röhren addiert. Bauprojekte ohne reguläre Inbetriebnahme sind ausgeschlossen. Dadurch gehört beispielsweise der rund 9,5 Kilometer lange Fildertunnel im August 2026 noch nicht in das Ranking. Der Datenvergleich basiert auf Betreiberangaben, der Deutschen Bahn, der Fachprojektdatenbank des Deutschen Ausschusses für unterirdisches Bauen, Fachmedien und aktuellen Verkehrsquellen. Längenunterschiede durch spätere Portalbauwerke werden dort erläutert, wo verschiedene Fachquellen unterschiedliche Werte nennen.
Übersicht
| Rang | Tunnel | Länge | Bundesland | Nutzung | Röhren | Strecke | In Betrieb seit | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Landrückentunnel | 10.779 m | Hessen | Eisenbahn | 1, zweigleisig | Hannover–Würzburg | 1991 | längster Tunnel Deutschlands |
| 2 | Mündener Tunnel | 10.525 m | Niedersachsen | Eisenbahn | 1, zweigleisig | Hannover–Würzburg | 1991 | aus zwei ursprünglich geplanten Tunneln entstand ein langer |
| 3 | Katzenbergtunnel | 9.385 m | Baden-Württemberg | Eisenbahn | 2, eingleisig | Karlsruhe–Basel | 2012 | 19 Querschläge zwischen den Röhren |
| 4 | Boßlertunnel | 8.806 m | Baden-Württemberg | Eisenbahn | 2, eingleisig | Wendlingen–Ulm | 2022 | jüngster Tunnel in den Top 5 |
| 5 | Bleßbergtunnel | 8.314 m | Thüringen | Eisenbahn | 1, zweigleisig | Ebensfeld–Erfurt | 2017 | bis 330 m Überdeckung |
| 6 | Albvorlandtunnel | 8.176 m | Baden-Württemberg | Eisenbahn | 2, eingleisig | Wendlingen–Ulm | 2022 | Teil der neuen Hochgeschwindigkeitsachse |
| 7 | Rennsteigtunnel | 7.916 m | Thüringen | Straße | 2 | A 71 | 2003 | längster Straßentunnel Deutschlands |
| 8 | Euerwangtunnel | 7.700 m | Bayern | Eisenbahn | 1, zweigleisig | Nürnberg–Ingolstadt | 2006 | Feste Fahrbahn für bis zu 300 km/h ausgelegt |
| 9 | Tunnel Silberberg | 7.407 m | Thüringen | Eisenbahn | 1, zweigleisig | Ebensfeld–Erfurt | 2017 | acht Notausgänge |
| 10 | Irlahülltunnel | 7.260 m | Bayern | Eisenbahn | 1, zweigleisig | Nürnberg–Ingolstadt | 2006 | Vortrieb durch stark verkarsteten Jura |
1. Landrückentunnel – 10.779 Meter
Rang: 1 Rekordhalter
Der Landrückentunnel hält einen Rekord, der seit Jahrzehnten Bestand hat: Mit 10.779 Metern ist er Deutschlands längster regulär genutzter Verkehrstunnel. Er führt die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg unter dem namensgebenden Landrücken in Osthessen hindurch. Die einzige Röhre nimmt zwei Gleise auf. Für Fahrgäste ist die Durchfahrt unspektakulär kurz; bei Hochgeschwindigkeit verschwindet ein ICE nur für wenige Minuten im Berg. Aus ingenieurtechnischer Sicht ist das Bauwerk dagegen eines der Schlüsselprojekte der ersten deutschen Neubaustrecken-Generation.
Gebaut wurde der Tunnel in den 1980er-Jahren überwiegend mit konventionellen Vortriebsmethoden. Beim Streckenbau musste sehr unterschiedliches Gebirge bewältigt werden. Die moderne Schnellfahrstrecke ging 1991 vollständig in Betrieb. Bis heute beträgt der Vorsprung auf Rang 2 lediglich 254 Meter. Der Abstand zum fast 40 Jahre jüngeren Boßlertunnel auf Rang 4 liegt dagegen bei knapp zwei Kilometern. Historisch bekannt wurde der Landrückentunnel auch durch den ICE-Unfall vom April 2008: Ein ICE kollidierte nach der Einfahrt mit einer Schafherde und entgleiste teilweise. Das Ereignis führte erneut vor Augen, wie aufwendig Rettung, Evakuierung und technische Sicherung bei mehr als zehn Kilometer langen unterirdischen Bauwerken sind.
- Mit 10.779 m längster bestehender Tunnel Deutschlands.
- Nur 254 m länger als der zweitplatzierte Mündener Tunnel.
- Teil der ersten großen deutschen ICE-Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg.
- Länge
- 10.779 m
- Nutzung
- Eisenbahntunnel, zwei Gleise
- Strecke
- Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg
- Lage
- Landkreis Fulda, Hessen
- Inbetriebnahme
- 1991 mit dem vollständigen Schnellfahrstreckenbetrieb
- Rangabstand
- 254 m vor dem Mündener Tunnel
- Besonderheit
- längster Tunnel Deutschlands
- Quelle
- Frankfurter Rundschau – Landrückentunnel
2. Mündener Tunnel – 10.525 Meter
Rang: 2 Naturpark-Lösung
Der 10.525 Meter lange Mündener Tunnel ist nicht nur der zweitlängste Tunnel Deutschlands, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Umwelt- und Landschaftsschutz die Geometrie eines Großprojekts vollständig verändern können. Ursprünglich sollten südlich von Hann. Münden zwei getrennte Tunnel entstehen. Zwischen ihnen war im Steinbachtal eine Brücke vorgesehen. Weil die Strecke jedoch durch einen Naturpark führt, wurde die Bahntrasse um etwa 35 Meter abgesenkt. Dadurch konnte auch das Tal unterquert werden – aus zwei Tunnelprojekten entstand ein einziges, mehr als zehn Kilometer langes Bauwerk.
Der Tunnel besteht aus einer Röhre mit zwei Gleisen und wurde zwischen 1983 und 1989 gebaut. Die Fachprojektdatenbank des DAUB nennt einen Querschnitt von 124 m² und damalige Herstellungskosten von rund 240 Millionen D-Mark. Geologisch verläuft die Röhre weitgehend durch Formationen des Mittleren Buntsandsteins. Weil das Bauwerk so lang ist, wurde nicht nur von den beiden Portalen gearbeitet: Ein zusätzlicher Zwischenangriff im Steinbachtal ermöglichte parallele Vortriebe. Dieser Zugang wurde anschließend als Notausgang und für die Instandhaltung weitergenutzt. Mit maximal rund 170 Metern Gesteinsüberdeckung liegt der Tunnel deutlich tiefer als viele Stadttunnel. Sein Abstand zum Landrückentunnel beträgt nur 254 Meter, zum drittplatzierten Katzenbergtunnel dagegen bereits 1.140 Meter.
- 10.525 m lang und damit nur 254 m kürzer als Rang 1.
- Ursprünglich waren zwei Tunnel mit einer Brücke im Steinbachtal vorgesehen.
- Der Zwischenangriff im Steinbachtal dient heute als Rettungs- und Wartungszugang.
- Länge
- 10.525 m
- Nutzung
- zweigleisiger Eisenbahntunnel mit ICE-Verkehr
- Bundesland
- Niedersachsen
- Röhren
- 1
- Querschnitt
- 124 m²
- Maximale Überdeckung
- rund 170 m
- Bauzeit
- 1983 bis 1989
- Quelle
- DAUB – Mündener Tunnel
3. Katzenbergtunnel – 9.385 Meter
Rang: 3 Doppelröhre
Der Katzenbergtunnel zwischen Bad Bellingen und Efringen-Kirchen markiert einen technischen Generationswechsel gegenüber den beiden längeren Tunneln aus der frühen ICE-Ära. Er besteht aus zwei getrennten, jeweils 9.385 Meter langen eingleisigen Röhren. Die Achsen liegen etwa 26 Meter auseinander und sind über 19 Querschläge in Abständen von ungefähr 500 Metern miteinander verbunden. Diese Bauform verbessert vor allem das Rettungskonzept: Bei einem Ereignis kann die jeweils andere Röhre als geschützter Bereich dienen. Züge fahren seit Dezember 2012 mit bis zu etwa 250 km/h durch das Bauwerk.
Für den bergmännischen Abschnitt von 8.984 Metern kamen zwei Schild-Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz. Die Fachbeschreibung nennt rund 63.000 Betonsegmente – sogenannte Tübbinge – für die Auskleidung. Jeder Segmentring bildet die dauerhafte Innenschale der Röhre; der fertige Innendurchmesser beträgt rund 9,60 Meter. Der Katzenbergtunnel ist Teil der Aus- und Neubaustrecke Karlsruhe–Basel und beseitigte einen betrieblichen Engpass der Rheintalbahn. Seine Bedeutung geht deshalb über die Reisezeit hinaus: Die Strecke gehört zu einer der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Güterverkehrsachsen. Mit 9.385 Metern liegt der Tunnel 1.140 Meter hinter dem Mündener Tunnel, ist aber 579 Meter länger als der Boßlertunnel auf Rang 4.
- Zwei getrennte eingleisige Röhren mit jeweils 9.385 m Länge.
- 19 Querschläge verbinden die Röhren im Abstand von etwa 500 m.
- Rund 63.000 Tübbingsegmente bilden die innere Tunnelschale.
- Länge
- 9.385 m
- Nutzung
- Eisenbahn
- Röhren
- 2 eingleisige Röhren
- Querschläge
- 19, etwa alle 500 m
- Innendurchmesser
- rund 9,60 m
- Bergmännischer Vortrieb
- 8.984 m
- Inbetriebnahme
- Dezember 2012
- Quelle
- tunnel – Technik des Katzenbergtunnels
4. Boßlertunnel – 8.806 Meter
Rang: 4 modern
Der Boßlertunnel hat die Rangliste der längsten deutschen Tunnel erst Ende 2022 neu sortiert. Seit der Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm gehört das 8.806 Meter lange Bauwerk zu den vier längsten Tunneln Deutschlands. Die Strecke überwindet den steilen Albaufstieg zwischen dem Neckarraum und der Schwäbischen Alb. Gerade dort wäre eine oberirdische Hochgeschwindigkeitstrasse aufgrund von Topografie, Landschaftsschutz und Steigungen nur schwer realisierbar gewesen. Der Tunnel führt deshalb einen großen Teil des Anstiegs tief durch den Berg. Die Deutsche Bahn bestätigt 8.806 Meter als Bauwerkslänge.
Der Boßlertunnel besteht aus zwei eingleisigen Röhren und bildet zusammen mit dem Steinbühltunnel und der spektakulären Filstalbrücke eine der markantesten Ingenieurbauwerk-Ketten des Projekts. Die 485 Meter lange Filstalbrücke liegt unmittelbar zwischen beiden Tunneln und erreicht eine Höhe von 85 Metern. Dadurch wechselt die Strecke innerhalb kürzester Distanz von kilometerlangem Tunnel zu einer der höchsten Eisenbahnbrücken Deutschlands und wieder in den Berg. Die gesamte Neubaustrecke Wendlingen–Ulm umfasst zwölf Tunnel und rund 61 Kilometer Tunnelröhren. Seit Dezember 2022 verkürzt sie die Fernverkehrsreise zwischen Stuttgart und Ulm bereits um etwa eine Viertelstunde. Mit 8.806 Metern liegt der Boßlertunnel 492 Meter vor dem Bleßbergtunnel.
- 8.806 m lang und seit Dezember 2022 im Regelbetrieb.
- Teil der rund 60 km langen Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm.
- Direkt mit der 85 m hohen Filstalbrücke und dem Steinbühltunnel verknüpft.
- Länge
- 8.806 m
- Nutzung
- Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn
- Strecke
- Wendlingen–Ulm
- Bundesland
- Baden-Württemberg
- Röhren
- 2 eingleisige Röhren
- Inbetriebnahme
- Dezember 2022
- Nachbarbauwerk
- Filstalbrücke und Steinbühltunnel
- Quelle
- Deutsche Bahn – Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm
5. Bleßbergtunnel – 8.314 Meter
Rang: 5 Thüringer Wald
Der Bleßbergtunnel führt auf 8.314 Metern unter dem Hauptkamm des Thüringer Waldes hindurch und ist das längste Tunnelbauwerk der Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt. Die zweigleisige Röhre erreicht eine maximale Gesteinsüberdeckung von rund 330 Metern. Damit liegt stellenweise ein ganzer kleiner Berg über den Zügen. Das Südportal befindet sich laut Fachbeschreibung auf etwa 502 Metern Höhe, das Nordportal aufgrund der steigenden Trasse bereits bei rund 593 Metern. Der Tunnel ist also nicht horizontal, sondern übernimmt selbst einen Teil des Höhengewinns der Schnellfahrstrecke.
Der Durchschlag gelang am 29. Juni 2011. Regulärer Hochgeschwindigkeitsverkehr fährt seit der vollständigen Inbetriebnahme der Strecke im Dezember 2017 durch den Tunnel. Das Bauwerk gehört zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8, mit dem die Schienenachse zwischen Nürnberg, Erfurt, Halle/Leipzig und Berlin massiv beschleunigt wurde. Historisch interessant ist auch die Bauphase: Beim Vortrieb wurden im Berg natürliche Hohlräume entdeckt, darunter die später als Bleßberghöhle bekannt gewordene Karststruktur. Solche Funde sind im Tunnelbau keine touristische Nebensache, sondern können Sicherung, Entwässerung und Vortrieb erheblich beeinflussen. Mit 8.314 Metern liegt der Bleßbergtunnel 138 Meter vor dem Albvorlandtunnel und knapp 500 Meter hinter dem Boßlertunnel.
- 8.314 m Länge bei bis zu rund 330 m Gesteinsüberdeckung.
- Längster Tunnel der Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt.
- Seit 2017 Teil der schnellen Bahnverbindung Nürnberg–Berlin.
- Länge
- 8.314 m
- Nutzung
- zweigleisiger Eisenbahntunnel
- Strecke
- Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt
- Bundesland
- Thüringen
- Maximale Überdeckung
- rund 330 m
- Durchschlag
- 29. Juni 2011
- Projekt
- Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8
- Quelle
- tunnel – Bleßbergtunnel
6. Albvorlandtunnel – 8.176 Meter
Rang: 6 Neubaustrecke
Mit 8.176 Metern ist der Albvorlandtunnel der zweitlängste Tunnel der Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm. Er liegt zwischen Wendlingen am Neckar und Kirchheim unter Teck und bildet gewissermaßen das unterirdische Eingangstor zur Schwäbischen Alb. Anders als der Boßlertunnel durchstößt er noch nicht den eigentlichen Albaufstieg, sondern führt die Hochgeschwindigkeitsstrecke durch das dicht genutzte Vorland. Die zwei getrennten eingleisigen Röhren gehören zu einer Trasse, die in diesem Abschnitt bewusst eng mit bestehenden Verkehrsachsen und Siedlungsräumen abgestimmt werden musste. Die Deutsche Bahn gibt die Bauwerkslänge mit exakt 8.176 Metern an.
Seit Dezember 2022 fahren Fern- und Regionalzüge durch den Tunnel. Die Gesamtstrecke ist rund 60 Kilometer lang und umfasst zwölf neue Tunnel. Zusammen ergeben deren Röhren eine Länge von etwa 61 Kilometern – praktisch ebenso viel Tunnelröhre wie die komplette Streckenlänge. Das verdeutlicht den Unterschied zwischen Strecken- und Tunnelkilometern: Bei zweiröhrigen Bauwerken wird jeder separate Tunnelstrang mitgerechnet. Für das Ranking zählt dagegen nur die Bauwerkslänge von Portal zu Portal. Der Albvorlandtunnel liegt lediglich 138 Meter hinter dem Bleßbergtunnel. Zum nächsten Platz, dem Rennsteigtunnel, beträgt der Vorsprung 260 Meter. Seine Inbetriebnahme 2022 schob damit mehrere ältere Großtunnel in der deutschen Rangliste um eine Position nach hinten.
- 8.176 m lang und seit Dezember 2022 in Betrieb.
- Zweitlängster Tunnel der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm.
- Nur 138 m kürzer als der Bleßbergtunnel auf Rang 5.
- Länge
- 8.176 m
- Nutzung
- Eisenbahn
- Strecke
- Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm
- Lage
- zwischen Wendlingen am Neckar und Kirchheim unter Teck
- Röhren
- 2 eingleisige Röhren
- Inbetriebnahme
- Dezember 2022
- Rangabstand
- 138 m hinter Bleßberg, 260 m vor Rennsteig
- Quelle
- Deutsche Bahn – Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm
7. Rennsteigtunnel – 7.916 Meter
Rang: 7 Straßenrekord
Der Rennsteigtunnel ist der Außenseiter dieser Top 10: Er ist der einzige Straßentunnel zwischen neun Eisenbahnbauwerken. Seine längere Weströhre misst 7.916 Meter, die parallele Oströhre 7.878 Meter. Damit ist er Deutschlands längster Autobahntunnel. Er führt die A 71 unter dem Thüringer Wald und dem berühmten Höhenweg Rennsteig hindurch. Im Jahr 2026 ist das Bauwerk weiterhin regulär in Betrieb; wegen Wartungs- und Modernisierungsarbeiten kommt es allerdings regelmäßig zu nächtlichen Sperrungen. Der ADAC bestätigt die Länge von 7.916 Metern und den Status als längster Autobahntunnel Deutschlands.
Der Tunnel wurde 2003 für den Verkehr freigegeben. Seine zwei Röhren sind auf den Straßenverkehr zugeschnitten und über Rettungsverbindungen gekoppelt. Besonders aufwendig ist die Lüftung: Wegen der außergewöhnlichen Länge reicht eine reine Portalbelüftung nicht aus. Im Berg befinden sich Luftaustauschzentralen, die den fast acht Kilometer langen Verkehrsraum technisch in mehrere Lüftungsabschnitte teilen. Ein überraschendes Detail liegt nochmals tiefer: Der Rennsteigtunnel kreuzt den historischen Eisenbahn-Brandleitetunnel mit nur wenigen Metern Gestein dazwischen. Für Autofahrer ist der Rekord dagegen unmittelbarer wahrnehmbar als für ICE-Passagiere im Landrückentunnel – selbst bei 80 km/h dauert die Durchfahrt fast sechs Minuten.
- 7.916 m in der längeren Weströhre und 7.878 m in der Oströhre.
- Längster Straßentunnel und Autobahntunnel Deutschlands.
- Seit 2003 Teil der A 71 durch den Thüringer Wald.
- Länge
- 7.916 m längere Röhre
- Zweite Röhre
- 7.878 m
- Nutzung
- Autobahntunnel
- Autobahn
- A 71 Erfurt–Schweinfurt
- Bundesland
- Thüringen
- Inbetriebnahme
- 2003
- Aktueller Status 2026
- in Betrieb, regelmäßige Wartungs- und Modernisierungsarbeiten
- Quelle
- ADAC – Rennsteigtunnel 2026
8. Euerwangtunnel – 7.700 Meter
Rang: 8 300-km/h-Trasse
Der Euerwangtunnel ist mit 7.700 Metern das längste unterirdische Bauwerk der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt. Er gehört zu einer Strecke, die großteils parallel zur Autobahn A 9 angelegt wurde. Diese Bündelung reduziert neue Landschaftszerschneidungen, zwingt die Bahntrasse aber durch die bewegte Topografie des Fränkischen Juras. Insgesamt liegen auf dem Neubauabschnitt neun Tunnel. Fast ein Drittel der Strecke verläuft dadurch unterirdisch. Der Euerwangtunnel besteht aus einer einzigen Röhre mit zwei Gleisen und besitzt einen ungewöhnlich großen Querschnitt von 146 m².
Seine Geologie stellte die Ingenieure vor wechselnde Bedingungen. Auf langen Abschnitten durchquert der Tunnel Eisensandstein und tonige Schichten, im Süden folgen Kalk- und Mergelgesteine. Zusätzlich existieren zwei Grundwasserhorizonte. Damit nicht dauerhaft große Wassermengen in den Tunnel gelangen, wurde das umgebende Gebirge gezielt abgedichtet. Für den Notfall verfügt die Anlage über sieben zusätzliche Rettungsgänge und Notschächte mit Querschnitten von bis zu 30 m². Die Feste Fahrbahn wurde für Geschwindigkeiten von 300 km/h ausgelegt. Gebaut wurde zwischen 1998 und 2002; seit Eröffnung der Schnellfahrstrecke 2006 gehört der Tunnel zur schnellsten Bahnachse zwischen Nürnberg und München. Gegenüber dem Rennsteigtunnel fehlen 216 Meter.
- 7.700 m lang und größter Tunnel der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt.
- 146 m² Tunnelquerschnitt und sieben zusätzliche Rettungswege.
- Feste Fahrbahn für Geschwindigkeiten bis 300 km/h konzipiert.
- Länge
- 7.700 m
- Nutzung
- zweigleisiger Bahntunnel mit ICE-Verkehr
- Bundesland
- Bayern
- Querschnitt
- 146 m²
- Rettungswege
- 7 zusätzliche Rettungsgänge und Notschächte
- Bauzeit
- 1998 bis 2002
- Auslegung
- Feste Fahrbahn für 300 km/h
- Quelle
- DAUB – Tunnel Euerwang
9. Tunnel Silberberg – 7.407 Meter
Rang: 9 VDE 8
Beim Tunnel Silberberg lohnt sich ein genauer Blick auf die Zahlen. Ältere Planungs- und Fachunterlagen nennen häufig 7.391 Meter; nach Ausführung zusätzlicher Portalbauwerke wird die Gesamtlänge heute auch mit 7.407 Metern angegeben. Für die aktuelle Rangliste verwenden wir diesen vollständigen Bauwerkswert. An der Position ändert die Differenz von 16 Metern nichts: Der Tunnel bleibt hinter dem 7.700 Meter langen Euerwangtunnel und vor dem 7.260 Meter langen Irlahülltunnel. Die ursprüngliche DAUB-Dokumentation beschreibt das Bauwerk als zweigleisige Röhre mit einem Ausbruchquerschnitt von 130 bis 180 m² und 92 m² Nutzquerschnitt.
Der Tunnel liegt auf der Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt und gehört wie der Bleßbergtunnel zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8. Seine Geologie wechselt zwischen Ton- und Schluffschiefern, Quarziten, Grauwacken, Sandsteinen und vulkanischen Gesteinen. Deshalb wurden Spreng- und Baggervortrieb kombiniert. Besonders umfangreich ist das Rettungssystem: Acht Notausgänge liegen in Abständen von höchstens etwa 1.000 Metern. Dazu gehören mehr als drei Kilometer befahrbare Parallelstollen, ein 22 Meter tiefer Schacht und weitere begehbare Verbindungen. Seit Ende 2017 fahren ICE-Züge auf der Strecke. Die Feste Fahrbahn ist für bis zu 300 km/h ausgelegt.
- 7.407 m aktuelle Gesamtlänge einschließlich späterer Portalbereiche.
- Acht Notausgänge mit maximal etwa 1.000 m Abstand.
- Mehr als 3,2 km zusätzliche befahrbare Rettungsstollen.
- Länge
- 7.407 m einschließlich ausgeführter Portalbereiche; ältere Fachunterlagen 7.391 m
- Nutzung
- zweigleisiger Eisenbahntunnel
- Bundesland
- Thüringen
- Strecke
- Ebensfeld–Erfurt
- Notausgänge
- 8
- Rettungs-Parallelstollen
- insgesamt rund 3.213 m
- Bauzeit
- 2009 bis 2013
- Quelle
- Implenia – Tunnel Silberberg
10. Irlahülltunnel – 7.260 Meter
Rang: 10 Karst-Tunnel
Der Irlahülltunnel schließt die Top 10 mit 7.260 Metern ab. Zusammen mit dem Euerwangtunnel gehört er zu den beiden großen Tunnelbauwerken der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt. Auch hier nimmt eine einzige Röhre beide Gleise auf; der Querschnitt beträgt rund 146 m². Die Dimension allein erklärt seine technische Bedeutung jedoch nur teilweise. Der Tunnel durchquert über weite Strecken den Weißen Jura, dessen Kalk- und Dolomitgesteine stark verkarstet sein können. Beim Vortrieb trafen die Bauarbeiter tatsächlich auf unterschiedlich große Hohlräume – von kleinen Klüften bis zu offenen begehbaren Kavernen.
Karst ist für Tunnelbauer problematisch, weil Hohlräume Tragfähigkeit, Wasserführung und die Gründung der festen Fahrbahn beeinflussen können. Deshalb wurde der Untergrund besonders intensiv erkundet und für unterschiedliche Hohlraumgrößen ein eigener Maßnahmenkatalog entwickelt. In den ersten zwei bis drei Kilometern verläuft der Tunnel zudem im Grundwasser. Das anfallende Wasser wird drainiert und kontrolliert wieder im Gebirge versickert. Sechs zusätzliche Rettungsgänge und Notschächte ergänzen das Sicherheitskonzept. Wie im Euerwangtunnel ist die Feste Fahrbahn für 300 km/h ausgelegt. Der Bau dauerte von 1998 bis 2002; die Schnellfahrstrecke wurde 2006 für den regulären Verkehr eröffnet. Mit 147 Metern Abstand auf den Silberbergtunnel ist Rang 10 relativ knapp abgesichert.
- 7.260 m lang und zweigliedriges Spitzenbauwerk der Strecke Nürnberg–Ingolstadt.
- Stark verkarstetes Kalk- und Dolomitgestein erforderte besondere Erkundung.
- Sechs zusätzliche Rettungsgänge und Notschächte.
- Länge
- 7.260 m
- Nutzung
- zweigleisiger Bahntunnel mit ICE-Verkehr
- Bundesland
- Bayern
- Querschnitt
- ca. 146 m²
- Geologie
- Weißer Jura mit teilweise starkem Karst
- Rettungswege
- 6 zusätzliche Rettungsgänge und Notschächte
- Bauzeit
- 1998 bis 2002
- Quelle
- DAUB – Tunnel Irlahüll
Warum neun der zehn längsten deutschen Tunnel Eisenbahntunnel sind
Die Verteilung ist kein Zufall. Hochgeschwindigkeitszüge benötigen wesentlich größere Kurvenradien und flachere, gleichmäßigere Trassen als Straßenfahrzeuge. Eine Autobahn kann sich in engeren Bögen an ein Gebirge anpassen; eine für 250 oder 300 km/h geplante Bahnstrecke muss Landschaftshindernisse häufiger direkt durchqueren. Das erklärt, warum die Schnellfahrstrecken Hannover–Würzburg, Nürnberg–Ingolstadt, Ebensfeld–Erfurt und Wendlingen–Ulm allein neun Plätze dieser Top 10 stellen.
Gleichzeitig hat sich die Bauphilosophie verändert. Landrücken und Münden entstanden als große zweigleisige Einzelröhren. Jüngere Hochgeschwindigkeitstunnel wie Katzenberg, Boßler oder Albvorland setzen dagegen auf zwei getrennte eingleisige Röhren. Damit lässt sich die jeweils andere Röhre im Notfall leichter als geschützter Rettungsbereich nutzen. Der Rennsteigtunnel folgt bei der Autobahn demselben Grundprinzip. Bei allen modernen Großtunneln gehört deshalb nicht nur die eigentliche Röhre zum Bauwerk: Querschläge, Rettungsstollen, Schächte, Lüftungsanlagen, technische Räume und Zufahrten können zusätzlich mehrere Kilometer unterirdische Infrastruktur erzeugen.
Welche neuen Tunnel könnten die Rangliste verändern?
Die Liste bleibt nicht dauerhaft unverändert. Besonders Stuttgart 21 bringt mehrere lange neue Bahntunnel. Der Fildertunnel wird rund 9,5 Kilometer lang und würde nach regulärer Inbetriebnahme voraussichtlich zwischen Mündener Tunnel und Katzenbergtunnel auf Rang 3 einsteigen. Im August 2026 zählt er jedoch noch nicht: Die Deutsche Bahn gab am 26. Juni 2026 einen neuen Stufenplan bekannt, nach dem der neue Stuttgarter Hauptbahnhof erst Ende 2031 in Betrieb gehen soll. Auch der geplante Pfaffensteigtunnel soll künftig mehr als zehn Kilometer lang werden, ist jedoch ein späteres Projekt mit geplanter Inbetriebnahme erst 2033.
Damit dürfte sich die deutsche Tunnelrangliste in den kommenden Jahren nochmals deutlich verschieben. Der seit Jahrzehnten bestehende Rekord des 10.779 Meter langen Landrückentunnels könnte dabei erstmals ernsthaft unter Druck geraten. Für den aktuellen Datenstand bleibt er jedoch klar der längste fertiggestellte und regulär genutzte Tunnel Deutschlands.
FAQ: Die größten Tunnel in Deutschland
Welcher ist der längste Tunnel Deutschlands?
Der Landrückentunnel in Hessen ist mit 10.779 Metern der längste regulär genutzte Tunnel Deutschlands. Er gehört zur Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg.
Welcher ist der längste Straßentunnel Deutschlands?
Der Rennsteigtunnel auf der A 71 in Thüringen ist mit 7.916 Metern in seiner längeren Röhre Deutschlands längster Straßentunnel.
Warum ist der Fildertunnel nicht in der Top 10?
Der Fildertunnel gehört zum Projekt Stuttgart 21 und ist im August 2026 noch nicht regulär in Betrieb. Die Deutsche Bahn hat die Inbetriebnahme wesentlicher Teile des neuen Stuttgarter Bahnknotens auf die Jahre ab 2031 verschoben. Deshalb wird er in einer Rangliste bestehender Verkehrstunnel noch nicht berücksichtigt.
Wie viele der zehn längsten Tunnel Deutschlands sind Eisenbahntunnel?
Neun der zehn längsten Tunnel sind Eisenbahntunnel. Der Rennsteigtunnel auf Rang 7 ist als Autobahntunnel die einzige Ausnahme.
Warum haben moderne Bahntunnel oft zwei Röhren?
Zwei getrennte eingleisige Röhren erleichtern unter anderem das Rettungskonzept. Im Notfall können Fahrgäste über Querschläge in die nicht betroffene Nachbarröhre gelangen. Bei älteren Hochgeschwindigkeitstunneln wurden dagegen häufig beide Gleise in einer einzigen großen Röhre angeordnet.







