1m 27s nachgedacht
Mehr als 800 Meter Höhenunterschied überwinden Europas extremste Wasserfälle – doch eine scheinbar einfache Rangliste wird schnell kompliziert. Zählt die gesamte Kaskade oder nur der freie Fall? Gehört ein Bach, der nur während der Schneeschmelze Wasser führt, überhaupt in dieselbe Kategorie wie ein ganzjähriger Wasserfall? Und was passiert mit Fällen, deren Wasser heute für Kraftwerke abgeleitet wird? Gerade in Norwegen können unterschiedliche Messmethoden Höhenangaben um mehr als 100 Meter verschieben.
Für diese Top 10 ist die dokumentierte Gesamthöhe eines klar benannten Wasserfalls entscheidend. Extrem kurzlebige Rinnsale und rein hypothetische Höhenwerte werden nicht höher eingestuft als dauerhaft dokumentierte Fälle. Bei kontroversen Angaben nennen wir deshalb sowohl den verwendeten Rankingwert als auch wichtige Alternativmessungen. Auffällig ist das Ergebnis trotzdem: Fast alle europäischen Giganten liegen in Norwegen. Steile, während der Eiszeiten übertiefte Fjordtäler schaffen dort ideale Bedingungen für Fallhöhen von mehreren hundert Metern. Wasserführung, längster Einzelsturz, Speisung und Regulierung ergänzen den Vergleich. Der Artikel gehört zur Kategorie Natur.
So wurde gewertet
Sortiert wird nach der dokumentierten Gesamthöhe vom Beginn der zusammenhängenden Fallstrecke bis zum Ende des Wasserfalls. Bei mehrstufigen Kaskaden werden eindeutig zusammengehörige Stufen addiert. Da verschiedene Quellen Zwischenstrecken unterschiedlich behandeln, können Höhenangaben voneinander abweichen. Extrem saisonale Kleinstbäche mit kaum dauerhaftem Abfluss werden nicht allein aufgrund eines theoretischen Höhenprofils vor etablierte Wasserfälle gesetzt. Regulierte Wasserfälle bleiben berücksichtigt, wenn der natürliche Wasserfall historisch eindeutig dokumentiert und weiterhin zeitweise wasserführend ist. Zusätzlich werden größter Einzelsturz, Wasserquelle, Regulierung und landschaftliche Besonderheiten verglichen. Datenstand: August 2026.
Übersicht
| Rang | Wasserfall | Land | Gesamthöhe | Größter Einzelsturz | Typ | Speisung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Vinnufossen | Norwegen | ca. 845–860 m | ca. 575 m nach Fachmessung | mehrstufiger Schleierfall | Vinnufonna-Gletscher | meist als höchster etablierter Wasserfall Europas geführt |
| 2 | Ramnefjellsfossen | Norwegen | 808 m nach regionaler Angabe | rund 600 m Steilabschnitt | mehrstufig | Ramnefjellsbreen | liegt am Schauplatz der Loen-Felssturzkatastrophen |
| 3 | Mongefossen | Norwegen | 773 m | sehr langer Hauptfall | Steil- und Schleierfall | Mongeelva | durch Wasserkraft stark reduziert |
| 4 | Kjelfossen | Norwegen | 755 m nach touristischer Angabe | 149 m | sechsstufig | Gebirgsseen und Schneeschmelze | drei parallele Fallarme bei Gudvangen |
| 5 | Kjeragfossen | Norwegen | ca. 715 m | nahezu gesamte Höhe | freier Fall | Schnee und Niederschlag | einer der höchsten freien Fälle Europas |
| 6 | Mardalsfossen | Norwegen | 655 m | 297 m | mehrstufig | Mardøla | kontrollierte Sommerwasserführung |
| 7 | Langfoss | Norwegen | 612 m | lange zusammenhängende Kaskade | Kaskadenfall | Gebirgssee und Niederschlag | stürzt direkt zum Åkrafjord |
| 8 | Strupenfossen | Norwegen | bis 820 m traditionelle Angabe; enger Fallbereich ca. 505 m | ca. 140–250 m je nach Abgrenzung | Gletscherkaskade | Myklebustbreen | Beispiel für stark umstrittene Höhenmessungen |
| 9 | Mattenbachfall | Schweiz | ca. 300–500 m enger Fallbegriff; traditionelle Kaskadenangabe bis 840 m | mehrere Stufen | Kaskadenfall | Gletscher und Schneeschmelze | extrem saisonaler Fall im Lauterbrunnental |
| 10 | Staubbachfall | Schweiz | 297 m | 297 m | freier Fall | Staubbach | höchster frei fallender Wasserfall der Schweiz |
1. Vinnufossen: Europas berühmter 800-Meter-Gigant
Rang: 1 Europa-Rekord
Wer durch das Sunndalen in Møre og Romsdal fährt, blickt auf einen Wasserfall, dessen Dimensionen sich aus der Nähe nur schwer erfassen lassen. Vinnufossen, auch Vinnufallet genannt, zieht sich in mehreren weiß schimmernden Stufen über die steile Nordflanke des Tales. Visit Norway nennt rund 845 Meter Fallhöhe; andere etablierte Angaben liegen bei ungefähr 860 Metern. Genau diese Messdifferenz zeigt das Grundproblem aller Rekordlisten: Bei einer langen Kaskade ist nicht immer eindeutig, welche flacheren Zwischenstücke noch zum Wasserfall gehören.
Unstrittig ist dagegen die Herkunft des Wassers. Die Vinnu wird vom kleinen Vinnufonna-Gletscher gespeist. Deshalb erreicht der Wasserfall während der Schnee- und Gletscherschmelze im Frühsommer seine eindrucksvollste Wasserführung. Das Wasser teilt sich auf der Felswand mehrfach in feine Stränge und erinnert eher an einen kilometerhohen Schleier als an einen kompakten Strom. Der Höhenunterschied ist so enorm, dass der Hauptabschnitt allein mehrere hundert Meter überwindet. Anders als bei regulierten Fällen wie Mongefossen oder Mardalsfossen wird die Wirkung nicht primär von einer sommerlichen Kraftwerksfreigabe bestimmt. Genau diese Kombination aus außergewöhnlicher Höhe, klarer Benennung, natürlicher Wasserzufuhr und dauerhafter geographischer Anerkennung macht Vinnufossen zum belastbarsten Kandidaten für Rang eins.
- Je nach Messkonvention ungefähr 845 bis 860 Meter Gesamthöhe.
- Das Wasser stammt zu einem wesentlichen Teil aus dem Vinnufonna-Gletscher.
- Der Wasserfall ist besonders während Schnee- und Gletscherschmelze im Frühsommer eindrucksvoll.
- Land
- Norwegen
- Region
- Sunndal, Møre og Romsdal
- Gesamthöhe
- ca. 845–860 m
- Rankingwert
- 845 m
- Typ
- mehrstufiger Schleier- und Kaskadenfall
- Wasserlauf
- Vinnu
- Speisung
- Vinnufonna-Gletscher und Schneeschmelze
- Beste Wasserführung
- Früh- bis Hochsommer
- Besonderheit
- meist als höchster etablierter Wasserfall Europas geführt
- Quelle
- Visit Norway – Vinnu Waterfall
2. Ramnefjellsfossen: 808 Meter Wasserfall vor einer dramatischen Felssturzgeschichte
Rang: 2 Historisch
Ramnefjellsfossen, auch Utigardsfossen genannt, fällt oberhalb des Lovatnet in einer Landschaft hinab, die zu den spektakulärsten und zugleich tragischsten Norwegens gehört. Die regionale Tourismusorganisation Nordfjord nennt eine Gesamthöhe von 808 Metern über mehrere Stufen. Der steilste Abschnitt wird dort mit ungefähr 600 Metern beschrieben. Andere moderne Vermessungen grenzen den eigentlichen Wasserfall enger ab und gelangen zu deutlich niedrigeren Werten. Für die Platzierung wird die etablierte regionale Gesamthöhe verwendet, die Messkontroverse aber ausdrücklich berücksichtigt.
Das Wasser stammt aus dem Ramnefjellsbreen, einem Gletscher im Umfeld des Jostedalsbreen-Gebietes, und fließt schließlich in den smaragdgrünen Lovatnet. Der Name Ramnefjellet ist jedoch nicht nur wegen des Wasserfalls bekannt. 1905 und 1936 brachen riesige Gesteinsmassen vom Berg ab und stürzten in den See. Die dadurch ausgelösten Flutwellen zerstörten Siedlungen am Ufer und forderten zusammen mehr als hundert Todesopfer. Heute wirkt das Tal friedlich, doch die steilen Felswände erinnern an die gewaltigen geologischen Kräfte. Im Vergleich mit Vinnufossen ist Ramnefjellsfossen stärker von der Abgrenzung einzelner Stufen abhängig. Die offiziell-touristisch dokumentierten 808 Meter sichern ihm dennoch Rang zwei in dieser Liste.
- Nordfjord nennt 808 Meter Gesamthöhe über mehrere Stufen.
- Gespeist wird der Wasserfall vom Ramnefjellsbreen.
- Der benachbarte Ramnefjellet war Ausgangspunkt katastrophaler Felsstürze in den Jahren 1905 und 1936.
- Land
- Norwegen
- Region
- Stryn, Vestland
- Alternativname
- Utigardsfossen
- Gesamthöhe
- 808 m nach regionaler Angabe
- Steilster Abschnitt
- rund 600 m nach regionaler Beschreibung
- Speisung
- Ramnefjellsbreen
- Zielgewässer
- Lovatnet
- Typ
- mehrstufiger Gletscherwasserfall
- Besonderheit
- unmittelbar am historischen Schauplatz der Loen-Felsstürze
- Quelle
- Nordfjord – Ramnefjellsfossen
3. Mongefossen: 773 Meter Fallhöhe – aber kaum noch natürlicher Abfluss
Rang: 3 Reguliert
Mongefossen zeigt besonders drastisch, wie Wasserkraft das Erscheinungsbild eines Rekordwasserfalls verändern kann. Der Wasserfall liegt im berühmten Romsdalen und überwindet nach der World Waterfall Database ungefähr 773 Meter. Unter natürlichen Bedingungen wäre er damit einer der höchsten und eindrucksvollsten Fälle Europas. Der Wasserlauf Mongeelva wird jedoch seit Jahrzehnten für die Energieerzeugung genutzt, sodass der sichtbare Abfluss stark reduziert sein kann.
Das Einzugsgebiet oberhalb des Falls umfasst mehrere kleine Seen und Gletscherflächen. Früher konnte das Wasser nach Schneeschmelze und starken Niederschlägen in einem mächtigen Schleier über die nahezu senkrechte Talwand stürzen. Heute erleben Besucher häufig nur einen dünnen Wasserfaden oder sogar eine weitgehend trockene Felswand. Gerade deshalb ist Mongefossen ein interessantes Beispiel für den Unterschied zwischen geomorphologischer Größe und heutiger Wasserführung. Die Fallhöhe verändert sich durch die Regulierung nicht – wohl aber das Naturerlebnis. In historischen Fotografien aus der Zeit vor der stärkeren Wasserableitung wirkt der Fall wesentlich mächtiger. Rang drei basiert daher auf dem natürlichen Wasserfallsystem und seiner vermessenen Höhe, nicht auf dem aktuellen durchschnittlichen Wasservolumen. Gegenüber Vinnufossen fehlen rund 70 Meter, gegenüber Kjelfossen beträgt der Vorsprung nur wenige Meter.
- Etwa 773 Meter dokumentierte Gesamthöhe.
- Der natürliche Wasserfluss wurde für Wasserkraft stark reduziert.
- Mongefossen liegt direkt im tief eingeschnittenen Romsdalen.
- Land
- Norwegen
- Region
- Rauma, Møre og Romsdal
- Gesamthöhe
- 773 m
- Wasserlauf
- Mongeelva
- Typ
- hoher Steil- und Schleierfall
- Einzugsgebiet
- Gebirgsseen und kleine Gletscher
- Wasserführung heute
- stark durch Wasserkraft reduziert
- Landschaft
- Romsdalen
- Besonderheit
- einer der höchsten natürlichen Wasserfallabstürze Europas
- Quelle
- World Waterfall Database – Mongefossen
4. Kjelfossen: Drei Wasserarme über Gudvangen
Rang: 4 Fjordkulisse
Am innersten Ende des Nærøyfjord-Systems erhebt sich unmittelbar über Gudvangen eine Felswand, an der sich das Wasser in mehrere lange Bänder aufteilt. Das System wird als Kjelfossen bezeichnet. Visit Norway nennt eine Gesamthöhe von 755 Metern und einen höchsten Einzelsturz von 149 Metern. Fachverzeichnisse kommen je nach Abgrenzung auf leicht andere Werte, doch der Fall gehört bei nahezu jeder Messweise zu den höchsten Europas.
Kjelfossen ist nicht ein einziger kompakter Wasserstrahl. Besonders gut sichtbar sind mehrere parallele Arme; der größte wird Stor Kjelfoss genannt, daneben liegt Vetle Kjelfoss. Während trockener Perioden kann ein Teil der kleineren Wasserläufe fast verschwinden. Nach der Schneeschmelze dagegen verwandelt sich die Wand oberhalb Gudvangens in eine eindrucksvolle Kaskadenlandschaft. Der geologische Hintergrund ist typisch für Westnorwegen: Eiszeitliche Gletscher haben das Haupttal wesentlich tiefer ausgeschürft als kleinere Nebentäler. Nach dem Abschmelzen blieben sogenannte Hängetäler zurück, deren Bäche heute über hohe Talstufen in die Tiefe stürzen. Nur wenige Kilometer entfernt liegt der UNESCO-geschützte Nærøyfjord. Kjelfossen verbindet damit Rekordhöhe und eine der bekanntesten Fjordlandschaften Europas. Gegenüber Mongefossen fehlen nur rund 18 Meter nach den hier verwendeten Angaben.
- Visit Norway nennt 755 Meter Gesamthöhe.
- Der höchste Einzelsturz beträgt etwa 149 Meter.
- Mehrere parallele Wasserfallarme prägen die Felswand bei Gudvangen.
- Land
- Norwegen
- Region
- Gudvangen, Aurland, Vestland
- Gesamthöhe
- 755 m
- Höchster Einzelsturz
- 149 m
- Anzahl Stufen
- mehrere; häufig sechs Fallabschnitte angegeben
- Bekannte Arme
- Stor Kjelfoss und Vetle Kjelfoss
- Landschaft
- Nærøyfjord-Gebiet
- Speisung
- Gebirgswasser, Schnee- und Regenwasser
- Besonderheit
- direkt von Gudvangen und der E16 sichtbar
- Quelle
- Visit Norway – Kjelfossen
5. Kjeragfossen: Europas extremer freier Fall am Lysefjord
Rang: 5 Freier Fall
Beim Kjeragfossen geht es weniger um Wassermenge als um reine Vertikale. Der kleine Wasserlauf stürzt unmittelbar von den fast senkrechten Felswänden des Kjerag in Richtung Lysefjord. Die World Waterfall Database beziffert die Höhe auf ungefähr 715 Meter und beschreibt den Fall als nahezu vollständig frei fallend. Damit gehört er zu den höchsten freien Wasserstürzen Europas und weltweit zu den außergewöhnlichsten Fällen dieser Bauart.
Der Superlativ besitzt allerdings einen entscheidenden Haken: Kjeragfossen ist äußerst wasserarm und zeitweise vollständig trocken. Sein kleines Einzugsgebiet liefert vor allem während der Schneeschmelze oder nach längeren Niederschlagsperioden genügend Wasser. Anders als Vinnufossen besitzt der Fall keinen großen Gletscher als dauerhafte Quelle. Gerade deshalb wird er in manchen touristischen Listen gar nicht berücksichtigt. Geomorphologisch ist die Fallkante dennoch real und beeindruckend. Die enorme Steilwand entstand durch die eiszeitliche Überformung des Lysefjords; der Hauptgletscher vertiefte das Fjordtal und hinterließ fast senkrechte Felswände. Berühmt ist Kjerag heute vor allem wegen des Kjeragbolten, eines zwischen zwei Felswänden eingeklemmten Blocks weit über dem Fjord. Der Wasserfall ist also weniger verlässlich sichtbar als die ersten vier Plätze, erreicht aufgrund seiner nachgewiesenen vertikalen Fallhöhe aber Rang fünf.
- Ungefähr 715 Meter Fallhöhe.
- Der Wasserstrahl fällt über einen sehr großen Teil der Strecke nahezu frei.
- Wegen des kleinen Einzugsgebiets ist der Fall stark saisonal und kann vollständig trocken sein.
- Land
- Norwegen
- Region
- Kjerag, Lysefjord, Rogaland
- Gesamthöhe
- ca. 715 m
- Falltyp
- nahezu freier Einzelsturz
- Wasserführung
- stark saisonal
- Hauptquelle
- Schneeschmelze und Regen
- Einzugsgebiet
- sehr klein
- Nahe Attraktion
- Kjeragbolten
- Besonderheit
- einer der höchsten nahezu freien Wasserstürze Europas
- Quelle
- World Waterfall Database – Kjeragfossen
6. Mardalsfossen: Der Wasserfall, für den Aktivisten sich an Felsen ketteten
Rang: 6 Naturschutzgeschichte
Mardalsfossen ist nicht nur wegen seiner Höhe berühmt. Er wurde zu einem Symbol der norwegischen Umweltbewegung. Visit Norway nennt eine Gesamthöhe von 655 Metern, darunter einen spektakulären freien Fall von 297 Metern. Andere ältere Statistiken führen Gesamthöhen bis etwa 705 Meter, weil Beginn und Ende der Fallstrecke unterschiedlich definiert werden. Für die Rangfolge wird die konservativere und heute touristisch klar ausgewiesene Angabe von 655 Metern verwendet.
Anfang der 1970er-Jahre sollte das Wasser der Mardøla weitgehend für ein Wasserkraftprojekt abgeleitet werden. Gegner besetzten das Gebiet; Aktivisten ketteten sich an und versuchten, die Bauarbeiten aufzuhalten. Die Proteste konnten das Kraftwerk nicht verhindern, gelten aber als ein prägendes Ereignis des modernen norwegischen Umweltschutzes. Heute wird während eines festgelegten Sommerzeitraums wieder eine größere Wassermenge über den Fall geleitet. Außerhalb dieser Periode ist die Wasserführung wesentlich geringer. Landschaftlich wirkt der Fall besonders eindrucksvoll, weil er hoch über dem Eikesdalsvatnet aus einer steilen Bergwand austritt. Die umgebenden Gipfel erreichen 1.500 bis 1.800 Meter. Mardalsfossen ist damit zwar niedriger als Kjelfossen oder Kjeragfossen, besitzt aber eine deutlich verlässlichere und breitere sommerliche Wasserwand.
- 655 Meter Gesamthöhe nach aktueller Visit-Norway-Angabe.
- Der größte freie Einzelsturz beträgt 297 Meter.
- Die Auseinandersetzungen um seine Wasserkraftnutzung wurden zu einem Meilenstein der norwegischen Umweltbewegung.
- Land
- Norwegen
- Region
- Eikesdalen, Møre og Romsdal
- Gesamthöhe
- 655 m
- Alternative Angabe
- bis etwa 705 m in älteren Messsystemen
- Freier Einzelsturz
- 297 m
- Wasserlauf
- Mardøla
- Regulierung
- Wasser wird überwiegend für Wasserkraft genutzt
- Sommerfreigabe
- jährlich zeitlich begrenzte stärkere Wasserführung
- Besonderheit
- Symbol der frühen norwegischen Umweltbewegung
- Quelle
- Visit Norway – Mardalsfossen
7. Langfoss: 612 Meter direkt in den Åkrafjord
Rang: 7 Fjordfall
Langfoss besitzt einen Vorteil, den mehrere höher platzierte Rekordfälle nicht bieten: Er führt vergleichsweise zuverlässig Wasser und wurde nicht vollständig in ein Kraftwerkssystem gezwungen. Über 612 Meter zieht sich die lange weiße Kaskade von der Hochfläche hinunter bis fast unmittelbar an den Åkrafjord. Dadurch lässt sich die gesamte Fallstrecke auf einen Blick erfassen – besonders vom gegenüberliegenden Fjordufer oder vom Wasser aus.
Der Name bedeutet treffend „langer Wasserfall“. Statt eines einzigen senkrechten Absturzes rauscht das Wasser über eine extrem steile Felsfläche, verzweigt sich, sammelt sich wieder und bildet zahlreiche kleine Zwischenstufen. Der Höhenunterschied zwischen Fjord und Hochfläche ist ein Produkt der eiszeitlichen Fjordbildung: Ein mächtiger Gletscher schürfte das Haupttal tief aus, während kleinere Nebentäler höher liegen blieben. Nach dem Rückzug des Eises mussten deren Bäche plötzlich hunderte Meter bis zum neuen Talboden überwinden. Langfoss gilt deshalb geradezu als Lehrbuchbeispiel eines Fjordwasserfalls. Visit Norway führt ihn mit 612 Metern und bezeichnet ihn als einen der höchsten Fälle Norwegens. Im Gegensatz zu Mardalsfossen hängt sein sommerliches Erscheinungsbild nicht von einer festgelegten Kraftwerksfreigabe ab. Das macht Rang sieben zugleich zu einem der zuverlässigsten Naturerlebnisse der gesamten Liste.
- 612 Meter dokumentierte Fallhöhe.
- Die Kaskade endet unmittelbar am Åkrafjord.
- Langfoss ist im Vergleich zu mehreren höheren Fällen nur begrenzt durch Wasserkraftregulierung beeinflusst.
- Land
- Norwegen
- Region
- Etne, Vestland
- Gesamthöhe
- 612 m
- Typ
- lange Felskaskade
- Zielgewässer
- Åkrafjord
- Wasserführung
- natürlich schwankend
- Beste Zeit
- Frühling und Frühsommer
- Straße
- E134 verläuft unmittelbar am unteren Fallbereich
- Besonderheit
- nahezu vollständige 600-Meter-Kaskade vom Fjord aus sichtbar
- Quelle
- Visit Norway – Langfoss
8. Strupenfossen: Warum 820 Meter nicht automatisch 820 Meter Wasserfall bedeuten
Rang: 8 Messkontroverse
Strupenfossen ist der perfekte Fall, um die Schwierigkeiten von Wasserfallrekorden zu verstehen. Die Tourismusorganisation Nordfjord beschreibt den Wasserlauf als eine Folge mehrerer Fälle mit einer Gesamthöhe von 820 Metern. Eine strengere geomorphologische Analyse der World Waterfall Database grenzt die tatsächlich zusammenhängende Wasserfallstrecke dagegen auf ungefähr 505 Meter ein. Würde man ausschließlich die traditionelle 820-Meter-Angabe verwenden, müsste Strupenfossen wesentlich weiter oben stehen.
Der Unterschied entsteht, weil zwischen den steilen Abschnitten flachere Bachstrecken liegen. Zählt man den kompletten Höhenverlust des Strupenbachs vom Hochgebiet bis zum Talboden, ergibt sich ein spektakulärer Gesamtwert. Misst man nur jene Abschnitte, die tatsächlich als Wasserfall gelten, schrumpft die Zahl erheblich. Für diese Liste wird deshalb der engere Fallbegriff für die Platzierung verwendet, während der traditionelle Wert sichtbar erhalten bleibt. Gespeist wird das System unter anderem vom Myklebustbreen und hoch gelegenen Seen. In der warmen Jahreszeit steigt die Wassermenge durch Schnee- und Gletscherschmelze deutlich. Zusammen mit weiteren Fällen macht Strupenfossen das Myklebustdalen zu einer außergewöhnlichen Wasserfalllandschaft. Rang acht ist somit bewusst konservativ – und gleichzeitig ein gutes Beispiel dafür, warum vermeintlich exakte globale Rankings kritisch gelesen werden sollten.
- Regional wird eine Gesamtfallstrecke von 820 Metern angegeben.
- Eine strengere Abgrenzung des eigentlichen Wasserfalls kommt auf ungefähr 505 Meter.
- Die Wasserzufuhr hängt stark von Schnee- und Gletscherschmelze am Myklebustbreen ab.
- Land
- Norwegen
- Region
- Myklebustdalen, Nordfjord, Vestland
- Traditionelle Gesamthöhe
- 820 m
- Engere Wasserfallmessung
- ca. 505 m
- Typ
- mehrteilige Gletscherkaskade
- Speisung
- Myklebustbreen, Seen und Schneeschmelze
- Wasserführung
- stark saisonal
- Umgebung
- Myklebustdalen
- Besonderheit
- einer der deutlichsten europäischen Fälle widersprüchlicher Höhenmessungen
- Quelle
- Nordfjord – Myklebustdalen und Strupenfossen
9. Mattenbachfall: Der Schweizer Kaskadenrekord mit Fragezeichen
Rang: 9 Schweiz-Rekord
Das Lauterbrunnental ist berühmt für seine fast senkrechten Talwände und mehr als 70 Wasserfälle. Einer der höchsten, aber deutlich weniger bekannten Fälle ist der Mattenbachfall bei Stechelberg. Historisch wird für die gesamte Kaskade häufig eine Höhe von rund 840 Metern genannt; einzelne neuere Begehungen kamen sogar auf größere Werte. Eine strengere Betrachtung des tatsächlich kontinuierlichen Wasserfallbereichs schätzt dagegen eher 300 bis 500 Meter. Genau deshalb landet Mattenbachfall trotz spektakulärer Rohdaten nicht auf einem der ersten Plätze.
Der Mattenbach wird vor allem durch Schnee- und Eisschmelze unterhalb der Jungfrau gespeist. Oberhalb liegen der Silberhorngletscher und weitere kleine Eisflächen. In warmen Frühsommerwochen kann der Fall als lange weiße Linie über mehrere Felsstufen sichtbar sein; in trockenen Perioden sinkt die Wasserführung stark und der Bach kann beinahe verschwinden. Der Fall zeigt damit dieselbe Problematik wie Kjeragfossen, nur in einer noch komplexeren Kaskadenform. Geologisch verdankt er seine enorme Höhendifferenz dem tief von Gletschern ausgeschürften Lauterbrunnental. Interessant ist der Vergleich mit Staubbachfall: Dieser ist deutlich niedriger, aber sein 297-Meter-Absturz lässt sich eindeutig als einzelner freier Fall messen. Mattenbachfall gewinnt beim gesamten Relief, verliert aber bei der Eindeutigkeit der Wasserfalldefinition.
- Traditionell werden bis zu etwa 840 Meter Kaskadenhöhe angegeben.
- Der eindeutig als Wasserfall erkennbare Bereich wird von Fachbeobachtern deutlich niedriger eingeschätzt.
- Die Wasserführung stammt überwiegend aus Schnee- und Gletscherschmelze unterhalb der Jungfrau.
- Land
- Schweiz
- Region
- Lauterbrunnental, Berner Oberland
- Traditionelle Kaskadenhöhe
- bis ca. 840 m
- Konservative Fallhöhe
- ca. 300–500 m
- Typ
- mehrstufiger saisonaler Kaskadenfall
- Wasserlauf
- Mattenbach
- Speisung
- Schneeschmelze und Gletscher
- Nahe Gletscher
- Silberhorngletscher
- Besonderheit
- einer der höchsten, aber messmethodisch umstrittensten Fälle Mitteleuropas
- Quelle
- European Waterfalls – Mattenbachfall
10. Staubbachfall: 297 Meter freier Fall und ein literarischer Weltruhm
Rang: 10 Freifall-Rekord
Der Staubbachfall ist mit 297 Metern erheblich niedriger als die norwegischen Giganten, besitzt dafür einen Vorteil: Seine Fallhöhe lässt sich ungewöhnlich klar definieren. Das Wasser verlässt oberhalb von Lauterbrunnen eine markante Felskante und fällt nahezu frei bis zum Talboden. Die offizielle Tourismusorganisation Lauterbrunnen bezeichnet ihn mit 297 Metern als höchsten frei fallenden Wasserfall der Schweiz.
Seinen Namen verdankt der Fall der Tatsache, dass sich der Wasserstrahl bei Wind und geringer Wasserführung in feinen Sprühnebel – „Staub“ – auflöst. Schon im 18. und 19. Jahrhundert gehörte dieses Schauspiel zu den berühmtesten Natursehenswürdigkeiten der Alpen. Johann Wolfgang von Goethe besuchte Lauterbrunnen 1779 und ließ sich vom Wasserfall zu seinem Gedicht „Gesang der Geister über den Wassern“ inspirieren. Später wurde das gesamte Tal zum klassischen Ziel der europäischen Alpenreisen. Geologisch ist Staubbachfall ein typischer Hängetal-Wasserfall: Während der Eiszeiten grub der mächtige Hauptgletscher das Lauterbrunnental wesentlich tiefer aus als die kleinen Seitentäler. Nach seinem Rückzug blieben ihre Bäche hoch über dem Talboden zurück. Im Höhenranking schafft Staubbachfall nur Rang zehn, bei kultureller Bekanntheit und klar messbarem freien Fall gehört er jedoch zu Europas wichtigsten Wasserfällen.
- 297 Meter nahezu freier Fall.
- Offiziell als höchster frei fallender Wasserfall der Schweiz bezeichnet.
- Goethes Besuch im Jahr 1779 inspirierte das Gedicht „Gesang der Geister über den Wassern“.
- Land
- Schweiz
- Region
- Lauterbrunnen, Berner Oberland
- Fallhöhe
- 297 m
- Höchster Einzelsturz
- 297 m
- Typ
- nahezu freier Fall
- Wasserlauf
- Staubbach
- Wasserführung
- stark saisonabhängig
- Kulturgeschichte
- Goethe besuchte den Fall 1779
- Besonderheit
- höchster frei fallender Wasserfall der Schweiz
- Quelle
- Lauterbrunnen Tourism – Staubbachfall
Häufige Fragen zu Europas größten Wasserfällen
Welcher ist der höchste Wasserfall Europas?
Vinnufossen beziehungsweise Vinnufallet in Norwegen gilt in etablierten touristischen und geographischen Quellen als höchster Wasserfall Europas. Je nach Messmethode werden etwa 845 bis 860 Meter Gesamthöhe genannt. Einige extrem saisonale norwegische Bäche besitzen nominell ähnlich große oder größere Höhenunterschiede, sind aber hinsichtlich Abgrenzung und dauerhafter Wasserführung problematischer.
Warum unterscheiden sich Höhenangaben bei Wasserfällen so stark?
Bei mehrstufigen Wasserfällen ist nicht eindeutig festgelegt, wie viel Bachlauf zwischen zwei Fallstufen noch zum Wasserfall zählt. Manche Messungen verwenden den gesamten Höhenunterschied zwischen oberstem und unterstem Punkt, andere nur tatsächlich steile Fallabschnitte. Dadurch können bei sehr langen Kaskaden Differenzen von mehreren hundert Metern entstehen.
Warum liegen so viele der höchsten Wasserfälle Europas in Norwegen?
Norwegens Fjordlandschaft wurde während der Eiszeiten von mächtigen Gletschern tief ausgeschürft. Kleine Seitentäler wurden deutlich weniger stark erodiert und blieben hoch über dem Haupttal liegen. Ihre Flüsse müssen deshalb über sehr hohe Felsstufen zum Fjord oder Talboden hinabstürzen. Schneefall, Gletscher und hohe Niederschläge liefern zusätzlich Wasser.
Welcher europäische Wasserfall besitzt einen besonders hohen freien Fall?
Kjeragfossen wird mit ungefähr 715 Metern nahezu freiem Absturz beschrieben, ist allerdings extrem saisonal und wasserarm. Unter den verlässlich wasserführenden und touristisch gut dokumentierten Fällen sind Mardalsfossens 297-Meter-Stufe und der 297 Meter hohe Staubbachfall besonders bedeutend.
Welcher ist Europas wasserreichster Wasserfall?
Der höchste Wasserfall ist nicht automatisch der wasserreichste. Bei der Durchflussmenge spielen breite Flusswasserfälle eine wesentlich größere Rolle als die dünnen norwegischen Höhenrekordhalter. Ein bekanntes Beispiel ist der Rheinfall bei Schaffhausen, der nur rund 23 Meter hoch, dafür aber ungefähr 150 Meter breit ist und enorme Wassermengen führt.







