Mehr als 10.000 Megawatt Windleistung vereint der größte Windparkkomplex der Welt bereits heute – ungefähr so viel Nennleistung wie mehrere große Kernkraftwerke zusammen. Die Dimensionen moderner Windenergieprojekte haben sich innerhalb von zwei Jahrzehnten radikal verändert: Während ein 500-Megawatt-Windpark Anfang der 2000er-Jahre noch als gigantisch galt, erreichen einzelne heutige Projekte 1,5 bis 2 Gigawatt. Gleichzeitig entstehen Offshore-Anlagen mit Turbinen, deren einzelne Generatoren mehr leisten als komplette frühe Windparks.
Dieses Ranking sortiert die größten vollständig oder weitgehend in Betrieb befindlichen Windparks und klar abgegrenzten Windparkkomplexe nach installierter Nennleistung. Geplante Endausbaustufen werden separat genannt, zählen aber nicht zur Platzierung. Großräumige Provinz- oder Staatsprogramme mit vielen voneinander unabhängigen Windparks werden ausgeschlossen. Eine Ausnahme ist die international als zusammenhängender Projektkomplex geführte Jiuquan Wind Power Base. Dogger Bank wird trotz geplanter 3,6 Gigawatt noch nicht eingestuft, da im August 2026 weiterhin Turbinen installiert und Projektphasen fertiggestellt werden. Datenstand: August 2026. Der Artikel gehört zur Kategorie Technik.
So wurde gewertet
Entscheidend ist die installierte beziehungsweise kommerziell nutzbare Nennleistung in Megawatt. Berücksichtigt werden Onshore- und Offshore-Windparks sowie historisch als ein Projekt entwickelte Windparkcluster. Reine Ausbaupläne fließen nicht in die Rangfolge ein. Bei Projekten aus mehreren Bauphasen werden nur realisierte Teilprojekte addiert. Die tatsächliche jährliche Stromproduktion kann erheblich von der Nennleistung abweichen, da Windangebot, technische Verfügbarkeit, Netzengpässe und Abschaltungen den Kapazitätsfaktor beeinflussen. Neben der Leistung werden Turbinenzahl, Standort, Fläche, Inbetriebnahme, Technik, Stromproduktion und besondere wirtschaftliche oder ökologische Aspekte eingeordnet. Datenstand: August 2026.
Übersicht
| Rang | Windpark | Land | Leistung | Typ | Turbinen | In Betrieb seit | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Jiuquan Wind Power Base | China | über 10.000 MW | Onshore-Cluster | mehrere Tausend | seit 2009/10 schrittweise | größter etablierter Windkraftkomplex der Welt |
| 2 | Markbygden | Schweden | rund 2.000 MW realisiert | Onshore-Cluster | knapp 500 realisierte Anlagen | seit 2010 schrittweise | größter Onshore-Windparkkomplex Europas |
| 3 | Yangjiang Shapa | China | 1.700 MW | Offshore | 269 | vollständig 2021 | erster chinesischer Offshore-Komplex im Gigawattmaßstab |
| 4 | Jaisalmer Wind Park | Indien | ca. 1.600 MW | Onshore-Cluster | zahlreiche Baureihen | seit 2001 | über Jahrzehnte stufenweise ausgebaut |
| 5 | Alta Wind Energy Center | USA | 1.550 MW | Onshore | ca. 600 | 2010–2014 | größter Windparkkomplex der USA |
| 6 | Hollandse Kust Zuid | Niederlande | 1.509 MW | Offshore | 139 | vollständig 2024 | ohne klassische staatliche Betriebssubvention gebaut |
| 7 | Muppandal Wind Farm | Indien | ca. 1.500 MW | Onshore-Cluster | sehr große Zahl unterschiedlicher Anlagen | seit 1986 | Pionierregion der indischen Windenergie |
| 8 | Hornsea 2 | Großbritannien | ca. 1.320 MW | Offshore | 165 | 2022 | 462 km² Offshore-Fläche |
| 9 | Fosen Vind | Norwegen | 1.057 MW gebaut | Onshore-Cluster | 277 ursprünglich | 2021 | großes nordisches Windprojekt mit Sámi-Konflikt |
| 10 | Shepherds Flat | USA | 845 MW | Onshore | 338 | 2012 | frühes amerikanisches Gigaprojekt |
1. Jiuquan Wind Power Base: Mehr als 10 Gigawatt Windkraft in der Gobi
Rang: 1 Weltrekord
In der trockenen Landschaft rund um Jiuquan in der chinesischen Provinz Gansu stehen Windräder nicht in Reihen von einigen Dutzend, sondern in Dimensionen einer ganzen Energielandschaft. Die Jiuquan Wind Power Base, oft auch Gansu Wind Farm genannt, überschritt bereits vor mehreren Jahren die Marke von 10 Gigawatt installierter Leistung. Damit ist der Komplex um ein Vielfaches größer als jeder einzelne klassische Windpark der übrigen Top 10. Langfristig war ursprünglich ein Ausbau auf 20 Gigawatt vorgesehen.
Der Gigant entstand ab 2009 als eines der chinesischen „Wind Power Base“-Programme. Bereits die frühe Ausbauphase sollte mehr als fünf Gigawatt erreichen. Der Standort ist ideal für großflächige Onshore-Windkraft: Die Gobi bietet viel Platz, geringe Siedlungsdichte und kräftige Winde. Das eigentliche technische Problem lag deshalb nicht bei den Turbinen, sondern beim Netz. Zeitweise konnte ein erheblicher Teil der potentiellen Produktion nicht abtransportiert werden. Eine mehr als 2.000 Kilometer lange Hochspannungs-Gleichstromleitung Richtung Zentralchina verbesserte die Situation entscheidend. Jiuquan steht deshalb nicht nur für gigantische Erzeugungsleistung, sondern auch für die Frage, wie Strom aus entlegenen erneuerbaren Energiezentren zu den Verbrauchsregionen gelangt. Gegenüber dem zweitplatzierten Markbygden besitzt der Komplex mehr als die fünffache installierte Leistung.
- Mehr als 10 GW Windleistung sind im Projektkomplex realisiert.
- Der ursprüngliche langfristige Ausbauplan sah rund 20 GW vor.
- Die große Entfernung zu Chinas Verbrauchszentren machte leistungsfähige Fernübertragung entscheidend.
- Land
- China
- Provinz
- Gansu
- Region
- Jiuquan, Guazhou und Yumen
- Installierte Leistung
- über 10.000 MW
- Langfristiges Ausbauziel
- ca. 20.000 MW
- Typ
- Onshore-Windparkkomplex
- Baubeginn
- 2009
- Erste Großphase
- über 5 GW
- Netzanbindung
- unter anderem über Fernübertragung nach Zentralchina
- Besonderheit
- mit großem Abstand leistungsstärkster etablierter Windparkkomplex
- Quelle
- Energy Digital – Biggest Wind Farms 2026
2. Markbygden: Rund zwei Gigawatt Windkraft in Nordschwedens Wäldern
Rang: 2 Europa-Rekord
Westlich der nordschwedischen Stadt Piteå erstreckt sich eine Windenergielandschaft über hunderte Quadratkilometer Wald und Moor. Markbygden wurde unter der Bezeichnung „Markbygden 1101“ entwickelt – eine Anspielung auf die ursprünglich mögliche Größenordnung von bis zu 1.101 Windenergieanlagen. Dieser Endausbau wurde bislang nicht erreicht. Die tatsächlich fertiggestellten Teilprojekte kommen jedoch auf rund 2,0 Gigawatt installierte Leistung und machen Markbygden zum größten realisierten Onshore-Windparkkomplex Europas.
Der technologische Wandel lässt sich hier besonders gut ablesen. In frühen Abschnitten wurden Turbinen mit ungefähr 2 bis 3,6 Megawatt eingesetzt, während spätere Anlagen bereits mehr als fünf Megawatt pro Turbine erreichen. Dadurch lässt sich mit deutlich weniger Maschinen erheblich mehr Leistung installieren als zu Beginn der Planung erwartet. Zu den großen Teilprojekten gehören Markbygden Ett und Önusberget. Letzteres umfasst allein 137 leistungsstarke GE-Turbinen. Gleichzeitig zeigt Markbygden, dass technische Größe keine wirtschaftliche Erfolgsgarantie ist. Teile des Projekts gerieten wegen langfristiger Stromlieferverträge, niedrigerer Produktion als erwartet und hoher Kosten in finanzielle Schwierigkeiten. Diese Kontroverse macht den Windpark zu einem Lehrstück über das Zusammenspiel von Erzeugungsprognosen, Strompreisen und Projektfinanzierung. Mit ungefähr zwei Gigawatt liegt Markbygden deutlich vor Yangjiang Shapa, aber weit hinter Jiuquan.
- Rund 2 GW Leistung wurden in mehreren Teilprojekten realisiert.
- Das ursprüngliche Konzept sah bis zu 1.101 Windkraftanlagen vor.
- Neuere Bauabschnitte nutzen deutlich leistungsstärkere Turbinen als die ersten Projektphasen.
- Land
- Schweden
- Region
- Piteå, Norrbotten
- Realisierte Leistung
- rund 2.000 MW
- Typ
- Onshore-Windparkcluster
- Projektfläche
- mehrere hundert km²
- Ursprüngliches Konzept
- bis zu 1.101 Turbinen
- Große Teilprojekte
- Markbygden Ett, Önusberget, Ersträsk und weitere
- Turbinenleistung
- je nach Bauphase etwa 2 bis über 5 MW
- Besonderheit
- größter realisierter Onshore-Windparkkomplex Europas
- Quelle
- SVEVIND Energy – Markbygden 1101
3. Yangjiang Shapa: 269 Offshore-Turbinen und 1,7 Gigawatt
Rang: 3 Offshore-Gigant
Vor der Küste der südchinesischen Provinz Guangdong entstand innerhalb weniger Jahre ein Windpark, der die Verschiebung des weltweiten Offshore-Marktes nach Asien symbolisiert. Yangjiang Shapa verfügt nach Angaben der China Three Gorges Corporation über 1,7 Gigawatt installierte Leistung. Insgesamt stehen 269 Windenergieanlagen im Meer sowie mehrere Offshore-Umspannplattformen. Damit ist der Komplex der leistungsstärkste vollständig in Betrieb befindliche Offshore-Windpark dieser Top 10.
Die erwartete Jahresproduktion liegt bei ungefähr 4,7 Milliarden Kilowattstunden. China Three Gorges vergleicht dies mit dem Strombedarf von etwa zwei Millionen Haushalten. Gleichzeitig sollen jährlich rund vier Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden werden. Yangjiang war technologisch wichtig, weil China hier den Schritt von einzelnen hundert-Megawatt-Offshore-Projekten in den Gigawattmaßstab vollzog. Die Offshore-Bedingungen in Südchina unterscheiden sich deutlich von Nordseeprojekten: Tropische Wirbelstürme stellen besonders hohe Anforderungen an Fundamente, Rotoren und Regelungstechnik. Turbinen müssen nicht nur effizient, sondern auch taifunsicher sein. Der Park ist Teil eines sehr viel größeren Ausbaus der chinesischen Offshore-Windenergie. China besitzt inzwischen weltweit die größte Offshore-Windkapazität. Im Ranking fehlen Yangjiang rund 300 Megawatt zu Markbygden, während der Abstand zum Jaisalmer Wind Park nur etwa 100 Megawatt beträgt.
- 1.700 MW installierte Offshore-Leistung.
- 269 Windenergieanlagen und drei Offshore-Boosterstationen.
- Erwartete Stromproduktion von rund 4,7 Milliarden kWh jährlich.
- Land
- China
- Provinz
- Guangdong
- Standort
- vor Shapa, Yangjiang
- Installierte Leistung
- 1.700 MW
- Turbinen
- 269
- Offshore-Stationen
- 3
- Jahresproduktion
- ca. 4,7 Mrd. kWh
- Versorgungsvergleich
- etwa 2 Mio. Haushalte
- CO₂-Minderung
- ca. 4 Mio. Tonnen pro Jahr laut Betreiber
- Besonderheit
- erster chinesischer Offshore-Windkomplex im Gigawattmaßstab
- Quelle
- China Three Gorges Corporation – Yangjiang Shapa
4. Jaisalmer Wind Park: 1,6 Gigawatt Windkraft in der Thar-Wüste
Rang: 4 Indien-Gigant
Jaisalmer ist für seine goldgelbe Festungsstadt am Rand der Thar-Wüste bekannt. Rund um die historische Handelsstadt entstand seit 2001 aber zugleich eines der größten Windenergiezentren Asiens. Der Jaisalmer Wind Park erreicht heute ungefähr 1.600 Megawatt installierte Leistung. Im Gegensatz zu einem in einem Zug errichteten Windpark ist Jaisalmer über viele Jahre gewachsen und enthält Turbinen verschiedener Generationen und Leistungsklassen.
Gerade darin liegt sein technischer Reiz. Frühe Anlagen leisteten teilweise nur einige hundert Kilowatt, während spätere Suzlon-Maschinen zwei Megawatt und mehr erreichen. Ein moderner Rotor kann dadurch ein Vielfaches des Stroms früher Anlagen erzeugen. Der Standort profitiert von trockener, offener Landschaft und saisonal kräftigen Windströmungen in Rajasthan. Gleichzeitig demonstriert Jaisalmer ein Thema, das für ältere Windparks weltweit zunehmend wichtig wird: Repowering. Werden kleine Altanlagen durch größere moderne Turbinen ersetzt, kann die Leistung steigen, obwohl weniger Türme benötigt werden. Indien gehört inzwischen zu den größten Windenergiemärkten der Welt, und der Jaisalmer-Komplex war ein wichtiger Baustein dieser Entwicklung. Nach installierter Leistung liegt er etwa 100 Megawatt hinter Yangjiang Shapa und rund 50 Megawatt vor dem Alta Wind Energy Center in Kalifornien.
- Rund 1.600 MW installierte Leistung.
- Seit 2001 in zahlreichen Ausbaustufen entwickelt.
- Enthält Turbinen mehrerer Generationen – vom frühen Kilowatt- bis zum modernen Megawattmaßstab.
- Land
- Indien
- Bundesstaat
- Rajasthan
- Region
- Jaisalmer / Thar-Wüste
- Installierte Leistung
- ca. 1.600 MW
- Typ
- Onshore-Windparkcluster
- Ausbau seit
- 2001
- Entwickler
- maßgeblich Suzlon
- Turbinen
- mehrere Generationen und Leistungsklassen
- Zukunftsthema
- Repowering älterer Anlagen
- Besonderheit
- eines der größten langjährig gewachsenen Windenergiezentren Indiens
- Quelle
- Energy Digital – Jaisalmer Wind Park
5. Alta Wind Energy Center: Kaliforniens 1.550-Megawatt-Windmaschine
Rang: 5 USA-Rekord
Der Tehachapi Pass nördlich von Los Angeles gehört zu den historischen Zentren der amerikanischen Windenergie. Hier standen schon in den 1980er-Jahren Tausende kleiner Windräder. Das moderne Gegenstück ist das Alta Wind Energy Center, auch als Mojave Wind Farm bekannt. Der über mehrere Phasen entwickelte Komplex erreicht eine installierte Leistung von ungefähr 1.550 Megawatt und gilt weiterhin als größter Windparkkomplex der USA.
Rund 600 Turbinen verteilen sich über die windreichen Ausläufer der Tehachapi Mountains. Der Standort funktioniert wie ein natürlicher Windkanal: Luftdruckunterschiede zwischen dem kalifornischen Binnenland und den Küstenregionen sorgen regelmäßig für kräftige Strömungen durch den Gebirgspass. Große Teile des Projekts wurden zwischen 2010 und 2013 errichtet. Für die Stromvermarktung spielte ein langfristiger Abnahmevertrag mit Southern California Edison eine entscheidende Rolle. Solche Power Purchase Agreements ermöglichen Investoren eine relativ gut kalkulierbare Finanzierung über Jahrzehnte. Alta kostete über mehrere Projektstufen mehrere Milliarden US-Dollar und markierte den Übergang der US-Windindustrie zu Projekten im Gigawattbereich. Heute wirken einzelne Turbinen mit drei Megawatt Leistung vergleichsweise klein gegenüber neuesten Offshore-Maschinen mit mehr als 15 Megawatt. Genau dieser technische Fortschritt zeigt, wie schnell sich die Branche seit Altas Bau verändert hat.
- 1.550 MW installierte Leistung.
- Rund 600 Turbinen in mehreren Bauphasen.
- Der Tehachapi Pass wird seit Jahrzehnten wegen seiner außergewöhnlich guten Windbedingungen genutzt.
- Land
- USA
- Bundesstaat
- Kalifornien
- Region
- Tehachapi Pass, Kern County
- Installierte Leistung
- 1.550 MW
- Turbinen
- ca. 600
- Typ
- Onshore
- Hauptausbau
- 2010–2013/14
- Entwickler
- Terra-Gen Power
- Stromabnehmer
- Southern California Edison
- Besonderheit
- größter Windparkkomplex der USA
- Quelle
- Power Technology – Alta Wind Energy Center
6. Hollandse Kust Zuid: 1,5 Gigawatt ohne klassischen Offshore-Fördertarif
Rang: 6 Subventionsfrei
Zwischen Scheveningen und Zandvoort drehen sich vor der niederländischen Nordseeküste 139 Siemens-Gamesa-Turbinen. Zusammen erreicht Hollandse Kust Zuid eine installierte Leistung von exakt rund 1.509 Megawatt. Damit übertrifft der Offshore-Windpark den indischen Muppandal-Komplex knapp und erreicht Rang sechs. Die Turbinen stehen zwischen etwa 18 und 36 Kilometer vor der Küste und verteilen sich auf rund 225 Quadratkilometer Meeresfläche.
Technisch bemerkenswert ist die Leistung jeder einzelnen Maschine: Mit ungefähr elf Megawatt ersetzen 139 Turbinen eine Zahl von Anlagen, für die ein älterer Windpark mehrere hundert Türme benötigt hätte. Wirtschaftlich wurde Hollandse Kust Zuid vor allem wegen seines Fördermodells bekannt. Vattenfall gewann die Ausschreibung ohne einen klassischen staatlichen Strompreis-Zuschuss. Das Projekt wurde deshalb als erster großer Offshore-Windpark dieser Größenordnung ohne traditionelle Betriebssubvention vermarktet. Eigentümer sind Vattenfall, BASF und Allianz. BASF sicherte sich damit gleichzeitig erneuerbaren Strom für industrielle Prozesse. Der Betreiber erwartet eine Jahresproduktion in einer Größenordnung, die dem Verbrauch von mehr als 1,5 Millionen niederländischen Haushalten entspricht. Neben der Stromerzeugung werden im Windpark zudem Konzepte für Biodiversität und Kombinationen mit anderen marinen Nutzungen erprobt. Hollandse Kust Zuid zeigt damit, wie Offshore-Windparks zunehmend zu komplexen Energie- und Meeresinfrastrukturen werden.
- 1.509 MW installierte Leistung.
- 139 Offshore-Turbinen mit jeweils rund 11 MW.
- Liegt ungefähr 18 bis 36 Kilometer vor der niederländischen Küste.
- Land
- Niederlande
- Meer
- Nordsee
- Installierte Leistung
- 1.509 MW
- Turbinen
- 139
- Turbinenleistung
- ca. 11 MW je Anlage
- Fläche
- ca. 225 km²
- Küstenentfernung
- ca. 18–36 km
- Eigentümer
- Vattenfall, BASF und Allianz
- Versorgungsvergleich
- mehr als 1,5 Mio. Haushalte
- Besonderheit
- großer Offshore-Windpark ohne klassischen staatlichen Betriebspreiszuschuss
- Quelle
- Vattenfall – Hollandse Kust Zuid
7. Muppandal Wind Farm: Indiens Windenergie-Pionier seit den 1980er-Jahren
Rang: 7 Pionier
Am südlichsten Ende Indiens treffen das Arabische Meer, der Indische Ozean und die Gebirgskette der Westghats aufeinander. Genau dort liegt Muppandal, eine Region, deren besondere Windverhältnisse bereits früh für die Stromerzeugung genutzt wurden. Seit Mitte der 1980er-Jahre entstand ein weitläufiger Windparkkomplex mit heute ungefähr 1.500 Megawatt installierter Leistung. Damit gehört Muppandal trotz seines hohen Alters weiterhin zu den größten Windenergiegebieten der Welt.
Die Topographie wirkt wie ein natürlicher Beschleuniger. Luftmassen strömen durch Lücken in den Westghats und erreichen dort höhere Geschwindigkeiten. Über Jahrzehnte installierten verschiedene Betreiber Anlagen von Enercon, Suzlon, Vestas und weiteren Herstellern. Entsprechend heterogen ist das Bild: Neben moderneren Anlagen stehen kleine Turbinen aus früheren Windkraftgenerationen. Genau darin liegt heute eine große Chance. Würden ältere Maschinen mit einigen hundert Kilowatt Leistung durch moderne Mehr-Megawatt-Turbinen ersetzt, könnte die Stromproduktion deutlich steigen, ohne die Windparkfläche proportional ausweiten zu müssen. Dieses Repowering gilt als eines der wichtigsten Zukunftsthemen der indischen Windbranche. Muppandal ist deshalb gleichzeitig Museum und Zukunftslabor der Windtechnik. Mit rund 1,5 Gigawatt liegt der Komplex nur knapp hinter Hollandse Kust Zuid, nutzt dafür aber eine wesentlich größere Zahl einzelner Turbinen.
- Rund 1.500 MW installierte Leistung.
- Windkraftnutzung in der Region bereits seit den 1980er-Jahren.
- Viele ältere Anlagen machen Muppandal zu einem bedeutenden Repowering-Kandidaten.
- Land
- Indien
- Bundesstaat
- Tamil Nadu
- Region
- Kanyakumari
- Installierte Leistung
- ca. 1.500 MW
- Typ
- Onshore-Windparkcluster
- Entwicklung seit
- 1986
- Windursache
- starke Strömungen an und durch die Westghats
- Hersteller
- unter anderem Suzlon, Enercon und Vestas
- Zukunftsthema
- Repowering
- Besonderheit
- eines der ältesten Windenergiezentren im heutigen Gigawattmaßstab
- Quelle
- Energy Digital – Muppandal Wind Farm
8. Hornsea 2: 165 Turbinen auf 462 Quadratkilometern Nordsee
Rang: 8 Offshore-Pionier
Als Hornsea 2 im August 2022 vollständig in Betrieb ging, war der Park der größte operative Offshore-Windpark der Welt. Inzwischen haben größere Projekte aufgeholt oder befinden sich im Bau, doch seine Dimensionen bleiben enorm: 165 Siemens-Gamesa-Turbinen erzeugen gemeinsam ungefähr 1,3 Gigawatt Leistung. Die Anlagen stehen rund 89 Kilometer vor der Küste Yorkshires und verteilen sich auf etwa 462 Quadratkilometer Nordsee.
Jede Turbine besitzt eine Nennleistung von ungefähr acht Megawatt. Das war zur Bauzeit Spitzenklasse; nur wenige Jahre später werden Offshore-Maschinen mit 14 bis über 20 Megawatt entwickelt und installiert. Hornsea 2 illustriert daher eindrucksvoll die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts. Ørsted gibt an, dass der Park rechnerisch mehr als 1,4 Millionen britische Haushalte mit Strom versorgen kann. Besonders anspruchsvoll war die Bauphase während der COVID-19-Pandemie, als Offshore-Schichten, internationale Lieferketten und Hafenlogistik unter besonderen Sicherheitsbedingungen organisiert werden mussten. Hornsea 2 gehört zu einem größeren Windenergiegebiet vor der britischen Ostküste. Der Nachfolger Hornsea 3 befindet sich in Entwicklung und wird mit modernerer Turbinentechnik noch deutlich größer. Rang acht wirkt deshalb weniger wie ein Endpunkt als wie eine Momentaufnahme einer Branche, deren Projektgrößen sich innerhalb weniger Jahre verdoppeln können.
- Rund 1,3 GW installierte Leistung.
- 165 Offshore-Windenergieanlagen.
- Der Windpark umfasst ungefähr 462 Quadratkilometer Meeresfläche.
- Land
- Großbritannien
- Meer
- Nordsee
- Installierte Leistung
- ca. 1.320 MW
- Turbinen
- 165
- Hersteller
- Siemens Gamesa
- Entfernung zur Küste
- ca. 89 km
- Windparkfläche
- ca. 462 km²
- Vollbetrieb
- August 2022
- Versorgungsvergleich
- mehr als 1,4 Mio. Haushalte
- Besonderheit
- bei Inbetriebnahme größter Offshore-Windpark der Welt
- Quelle
- Ørsted – Hornsea 2
9. Fosen Vind: 1.057 Megawatt und ein grundlegender Konflikt um Sámi-Rechte
Rang: 9 Kontroverse
Fosen Vind zeigt wie kaum ein anderes Großprojekt, dass erneuerbare Energie nicht automatisch konfliktfrei ist. Das in Trøndelag errichtete Projekt bestand ursprünglich aus sechs großen Windparks mit zusammen 1.057 Megawatt Leistung und 277 Windenergieanlagen. Damit wurde Fosen als größtes landgestütztes Windkraftprojekt Europas eröffnet, bevor größere Cluster wie Markbygden weiter ausgebaut wurden.
Technisch profitiert die Region von den starken und gleichmäßigen Winden an der norwegischen Küste. Die erwartete Jahresproduktion des Gesamtprojekts lag bei ungefähr 3,6 Terawattstunden. Die größere Geschichte spielt sich jedoch am Boden ab. Teile der Anlagen wurden in traditionellen Winterweidegebieten samischer Rentierhalter errichtet. Norwegens Oberster Gerichtshof urteilte 2021, dass die Genehmigungen zweier Teilwindparks die kulturellen Rechte der betroffenen Sámi verletzten. Es folgten jahrelange Proteste und Verhandlungen über Ausgleich, Weiderechte und weitere Nutzung. Der Fall wurde international zu einem wichtigen Beispiel für Zielkonflikte zwischen Klimapolitik, Infrastruktur und indigenen Rechten. Nach dem Verkauf des Windparks Roan besteht die Betriebsgesellschaft Fosen Vind heute aus fünf Anlagenkomplexen; die historischen 1.057 Megawatt beschreiben das ursprünglich gemeinsam realisierte Gesamtprojekt. Für das Ranking zählt diese gebaute Projektgröße.
- Ursprünglich sechs Windparks mit zusammen 1.057 MW.
- 277 Turbinen wurden für das Gesamtprojekt errichtet.
- Der Sámi-Konflikt führte zu einem wegweisenden Urteil des norwegischen Obersten Gerichtshofs.
- Land
- Norwegen
- Region
- Trøndelag
- Gebauter Gesamtkomplex
- 1.057 MW
- Ursprüngliche Windparks
- 6
- Ursprüngliche Turbinenzahl
- 277
- Typ
- Onshore
- Fertigstellung
- 2020/2021
- Jahresproduktion
- rund 3,6 TWh für den ursprünglichen Gesamtkomplex
- Aktueller Betreiberverbund
- nach Verkauf von Roan fünf Windparks
- Besonderheit
- international beachteter Konflikt zwischen Windkraft und Sámi-Rentierhaltung
- Quelle
- Statkraft – Fosen Vind
10. Shepherds Flat: 338 Turbinen und ein 1,3-Milliarden-Dollar-Kreditprogramm
Rang: 10 US-Pionier
Als Shepherds Flat in Oregon geplant wurde, war ein Windpark mit 845 Megawatt eine Dimension, die selbst für die schnell wachsende US-Windbranche außergewöhnlich war. Im November 2012 erreichte der Komplex den vollständigen kommerziellen Betrieb. Insgesamt wurden 338 GE-Turbinen mit jeweils 2,5 Megawatt Leistung errichtet. Heute reicht diese enorme Projektgröße gerade noch für Platz zehn – ein anschaulicher Beleg dafür, wie schnell Windparks gewachsen sind.
Shepherds Flat erstreckt sich über landwirtschaftlich und als Ranchland genutzte Flächen in Gilliam und Morrow County. Anders als bei Offshore-Projekten kann ein großer Teil des Bodens zwischen den Anlagen weiter genutzt werden. Landwirtschaft und Stromerzeugung schließen sich deshalb nicht grundsätzlich aus; Grundeigentümer können zusätzliche Pachteinnahmen erzielen. Finanziell war das Projekt ebenso bemerkenswert wie technisch. Das US-Energieministerium unterstützte Shepherds Flat mit einer Kreditgarantie von rund 1,3 Milliarden US-Dollar. Sie half, eines der damals größten privaten Windinvestments des Landes zu finanzieren. Die prognostizierte Jahresproduktion wurde mit rund 1,8 Millionen Megawattstunden angegeben. Als Shepherds Flat eröffnet wurde, gehörte es zur absoluten Weltspitze. Im heutigen Ranking besitzt Jiuquan mehr als zwölfmal so viel Nennleistung – innerhalb kaum mehr als eines Jahrzehnts hat sich der Maßstab also drastisch verschoben.
- 845 MW installierte Leistung.
- 338 GE-Windturbinen mit jeweils 2,5 MW.
- Vollständiger kommerzieller Betrieb seit November 2012.
- Land
- USA
- Bundesstaat
- Oregon
- Countys
- Gilliam und Morrow
- Installierte Leistung
- 845 MW
- Turbinen
- 338
- Leistung je Turbine
- 2,5 MW
- Vollbetrieb
- November 2012
- DOE-Kreditgarantie
- ca. 1,3 Mrd. US-Dollar
- Prognostizierte Jahreserzeugung
- ca. 1,8 Mio. MWh
- Besonderheit
- eines der prägenden amerikanischen Wind-Großprojekte der frühen 2010er-Jahre
- Quelle
- U.S. Department of Energy – Shepherds Flat
Häufige Fragen zu den größten Windparks der Welt
Welcher ist der größte Windpark der Welt?
Die Jiuquan Wind Power Base in der chinesischen Provinz Gansu ist mit mehr als 10 Gigawatt realisierter Windleistung der größte etablierte Windparkkomplex der Welt. Langfristige Planungen sahen einen Ausbau auf rund 20 Gigawatt vor. Es handelt sich allerdings um einen großräumigen Verbund vieler Teilwindparks und nicht um ein einzelnes kompaktes Turbinenfeld.
Welcher ist der größte Offshore-Windpark der Welt?
Die Antwort hängt 2026 vom Bau- und Betriebsstatus ab. Dogger Bank in der britischen Nordsee soll nach Fertigstellung 3,6 Gigawatt erreichen und damit zum größten Offshore-Windpark werden. Im August 2026 laufen dort jedoch weiterhin Installations- und Inbetriebnahmearbeiten. Unter den vollständig etablierten Großprojekten gehören Yangjiang Shapa mit 1,7 Gigawatt und Hollandse Kust Zuid mit rund 1,5 Gigawatt zur Weltspitze.
Warum zählt Dogger Bank nicht zu dieser Top 10?
Dogger Bank wird in drei Phasen mit zusammen 3,6 Gigawatt gebaut. Zwar speisen bereits Turbinen Strom ein und Dogger Bank A ist weit fortgeschritten, doch im August 2026 laufen bei den weiteren Phasen weiterhin Turbineninstallationen und Inbetriebnahmen. Dieses Ranking vergleicht realisierte beziehungsweise weitgehend vollständig betriebsbereite Windparks und wertet zukünftige Endleistungen nicht vorzeitig.
Wie viel Strom erzeugt ein Windpark mit 1 Gigawatt Leistung?
Ein Gigawatt Nennleistung bedeutet nicht, dass der Windpark ständig ein Gigawatt liefert. Entscheidend ist der Kapazitätsfaktor. Bei beispielsweise 40 Prozent würden 1.000 Megawatt Windleistung rechnerisch rund 3,5 Terawattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Moderne Offshore-Windparks erreichen wegen gleichmäßigerer Winde häufig höhere Kapazitätsfaktoren als viele Onshore-Anlagen.
Sind Offshore-Windparks leistungsfähiger als Onshore-Windparks?
Einzelne Offshore-Turbinen sind heute meist deutlich größer und leistungsstärker. Offshore herrschen außerdem häufig gleichmäßigere Windverhältnisse. Onshore-Windparks sind dafür in der Regel günstiger zu errichten und zu warten. Sehr große Landflächen erlauben Windparkcluster wie Jiuquan oder Markbygden, deren Gesamtleistung trotz kleinerer Einzelturbinen enorm ist.







