185 Meter liegen zwischen Talgrund und Fahrbahn: Wer über Deutschlands höchste Brücke fährt, sitzt damit höher über dem Boden als die Spitze des Ulmer Münsters. Die Kochertalbrücke an der A 6 verteidigt diesen Rekord seit 1979. Dahinter folgen mit der Hochmoselbrücke und der Moseltalbrücke bei Winningen zwei spektakuläre Querungen in Rheinland-Pfalz. Doch nicht nur Autobahnen schaffen es in die Top 10: Die historische Müngstener Brücke ist mit 107 Metern die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands und bereits seit dem 19. Jahrhundert in Betrieb.
Entscheidend für dieses Ranking ist die maximale Höhe der Fahrbahn beziehungsweise Schienen über dem tiefsten Punkt des überbrückten Tals oder Gewässers. Die Höhe einzelner Pfeiler wird zusätzlich genannt, bestimmt aber nicht den Rang. Berücksichtigt werden bestehende und regulär genutzte Straßen- und Eisenbahnbrücken mit Datenstand August 2026. Bei den beiden 100 Meter hohen Bauwerken auf den Plätzen 9 und 10 erfolgt die Reihenfolge alphabetisch. Weitere Rekordbauwerke finden sich in der Kategorie Gebäude.
So wurde gewertet
Verglichen wird die maximale vertikale Distanz von der Verkehrsfläche bis zum tiefsten überbrückten Gelände- oder Gewässerpunkt. Dieser Wert ist nicht mit der Pfeilerhöhe zu verwechseln: Bei der Kochertalbrücke liegt die Fahrbahn etwa 185 m über dem Talgrund, während der höchste Pfeiler rund 178 m misst. Ebenso wenig entscheidet die Länge oder größte Spannweite über den Rang. Die Müngstener Brücke wird als Eisenbahnbrücke gemeinsam mit Straßenbrücken berücksichtigt. Für die Spitzengruppe wurden Behörden-, Betreiber- und Ingenieurangaben miteinander abgeglichen. Bei geringfügig abweichenden Rundungen wird der für das Bauwerk etablierte offizielle Höhenwert verwendet. Noch nicht für den Regelverkehr freigegebene Neubauten werden nicht zusätzlich als eigene Brücken gezählt.
Übersicht
| Rang | Brücke | Höhe | Länge | Verkehrsweg | Bundesland | Bauart | Eröffnung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Kochertalbrücke | 185 m | 1.128 m | A 6 | Baden-Württemberg | Spannbeton-Hohlkasten | 1979 | höchste Brücke Deutschlands |
| 2 | Hochmoselbrücke | 158 m | 1.702 m | B 50 | Rheinland-Pfalz | Stahl-Hohlkasten | 2019 | höchster Pfeiler rund 150,7 m |
| 3 | Moseltalbrücke Winningen | 136 m | 935 m | A 61 | Rheinland-Pfalz | Stahlbalkenbrücke | 1972 | 218 m maximale Spannweite |
| 4 | Neckartalbrücke Weitingen | 127 m | ca. 900 m | A 81 | Baden-Württemberg | unterspannte Stahlbalkenbrücke | 1978 | 264-m-Randfeld ohne Hangpfeiler |
| 5 | Talbrücke Nuttlar | 115 m | 660 m | A 46 | Nordrhein-Westfalen | Stahlverbundbrücke | 2019 | höchste Brücke Nordrhein-Westfalens |
| 6 | Talbrücke Wilde Gera | 110 m | 552 m | A 71 | Thüringen | Stahlbetonbogen | 2003 | 252 m Bogenspannweite |
| 7 | Müngstener Brücke | 107 m | 465 m | Eisenbahn | Nordrhein-Westfalen | Stahlbogenbrücke | 1897 | höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands |
| 8 | Siegtalbrücke | ca. 106 m | 1.050 m | A 45 | Nordrhein-Westfalen | Spannbeton-Balkenbrücke | 1969/1976 | Ersatzneubau wird vorbereitet |
| 9 | Lösterbachtalbrücke | 100 m | 644 m | A 1 | Saarland / Rheinland-Pfalz | Balkenbrücke | 1974 | steht auf einer Landesgrenze |
| 10 | Schwarzbachtalbrücke | 100 m | 601,5 m | A 62 | Rheinland-Pfalz | Spannbeton-Hohlkasten | 1981 / späterer Streckenbetrieb | Teil der historischen Aktion Lindwurm |
1. Kochertalbrücke – 185 Meter
Rang: 1 Deutschlandrekord
Die Kochertalbrücke bei Geislingen am Kocher ist der Maßstab für alle anderen deutschen Talbrücken. Ihre Fahrbahn liegt an der höchsten Stelle 185 Meter über dem Talgrund. Damit ist sie höher als der 161,5 Meter hohe Turm des Ulmer Münsters. Auf 1.128 Metern Länge führt sie die A 6 zwischen Heilbronn und Nürnberg über Kocher, Landes- und Kreisstraßen. Acht mächtige Stahlbetonpfeiler tragen den Spannbetonüberbau; der höchste erreicht rund 178 Meter. Bis zur Fertigstellung des französischen Viaduc de Millau gehörten diese Pfeiler zu den höchsten Brückenpfeilern weltweit.
Gebaut wurde das neunfeldrige Bauwerk von 1976 bis 1979. Die größte Stützweite beträgt 138 Meter. Besonders interessant ist, dass die Brücke trotz ihrer extremen Dimension nicht durch einen Neubau ersetzt werden musste. Zwischen 2013 und 2015 wurde sie für rund 22,4 Millionen Euro umfassend instand gesetzt und statisch ertüchtigt. Für diese Lösung erhielt das Projekt 2016 den Deutschen Brückenbaupreis. Der Abstand zu Rang 2 beträgt 27 Meter – ungefähr die Höhe eines neunstöckigen Wohnhauses. Damit bleibt die Kochertalbrücke auch fast fünf Jahrzehnte nach ihrer Eröffnung Deutschlands unangefochtene Nummer 1.
- 185 m maximale Höhe über dem Kochertal.
- 1.128 m Gesamtlänge und 138 m größte Stützweite.
- Der höchste Pfeiler erreicht rund 178 m.
- Standort
- Geislingen am Kocher / Braunsbach, Baden-Württemberg
- Höhe
- 185 m über Talgrund
- Länge
- 1.128 m
- Höchster Pfeiler
- rund 178 m
- Größte Stützweite
- 138 m
- Bauart
- neunfeldrige Spannbeton-Hohlkastenbrücke
- Bauzeit
- 1976 bis 1979
- Quelle
- Regierungspräsidium Stuttgart – Kochertalbrücke
2. Hochmoselbrücke – 158 Meter
Rang: 2 modernes Megabauwerk
Die Hochmoselbrücke zwischen Ürzig und Zeltingen-Rachtig ist die jüngste Brücke in der Spitzengruppe. Seit 2019 führt sie die B 50 neu in bis zu 158 Meter Höhe über das tief eingeschnittene Moseltal. Ihre Dimensionen sind außergewöhnlich: Der stählerne Überbau ist rund 1,7 Kilometer lang, wird von nur zehn Pfeilern getragen und besitzt elf Felder. Der höchste Pfeiler erreicht rund 150,7 Meter. Das größte Feld überspannt gut 209 Meter – mehr als zwei Fußballfelder hintereinander.
Der Überbau wurde nicht vollständig über dem Tal montiert, sondern abschnittsweise am Widerlager auf der Hunsrückseite zusammengesetzt und anschließend im Taktschiebeverfahren über die Pfeiler geschoben. Diese Methode war wegen der enormen Höhe und der steilen Moselhänge besonders anspruchsvoll. Auch politisch war die Brücke jahrzehntelang umstritten. Kritiker warnten vor Eingriffen in das weltbekannte Weinbau- und Kulturlandschaftsbild; Befürworter verwiesen auf die neue Verbindung zwischen Benelux-Staaten und Rhein-Main-Gebiet. Heute fehlen der Hochmoselbrücke 27 Meter zum deutschen Höhenrekord, sie überragt die drittplatzierte Moseltalbrücke bei Winningen jedoch um 22 Meter.
- 158 m maximale Höhe und rund 1,7 km Gesamtlänge.
- Nur zehn Pfeiler tragen den elfteiligen Brückenzug.
- Der höchste Pfeiler erreicht rund 150,7 m.
- Standort
- Zeltingen-Rachtig / Ürzig, Rheinland-Pfalz
- Höhe
- 158 m
- Gesamtlänge
- rund 1.702 m
- Pfeiler
- 10
- Höchster Pfeiler
- rund 150,7 m
- Größte Stützweite
- rund 209,5 m
- Verkehrsweg
- B 50 neu
- Quelle
- Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz – Hochmoselbrücke
3. Moseltalbrücke Winningen – 136 Meter
Rang: 3 Mosel-Klassiker
Die Moseltalbrücke Winningen führt die A 61 in 136 Metern Höhe über die Mosel und gehört seit mehr als fünf Jahrzehnten zu den spektakulärsten Autobahnbrücken Deutschlands. Das 935 Meter lange Stahlbauwerk besitzt sechs Felder. Die größte Spannweite erreicht fast 220 Meter – für eine klassische Balkenbrücke der frühen 1970er-Jahre ein bemerkenswerter Wert. Der Überbau ist als stählerner Hohlkasten ausgeführt, dessen Konstruktionshöhe je nach Position zwischen sechs und 8,5 Metern variiert.
Die Brücke wurde zwischen 1969 und 1972 errichtet. Ihre Pfeiler sind bis zu etwa 123 Meter hoch. Im Gegensatz zur 2019 eröffneten Hochmoselbrücke weiter flussaufwärts stammt Winningen aus der ersten großen Autobahnausbauphase Westdeutschlands und zeigt eine entsprechend andere Ingenieursästhetik: massive Pfeiler, klarer Stahlüberbau und nur wenige große Felder. Heute steht vor allem die Erhaltung im Mittelpunkt. Seit 2024 laufen umfangreiche Instandsetzungsarbeiten; im August 2026 befindet sich das Projekt weiterhin in der Umsetzung. Mit 136 Metern liegt Winningen neun Meter vor der Neckartalbrücke Weitingen und bleibt damit Deutschlands dritthöchste Brücke.
- 136 m Fahrbahnhöhe über der Mosel.
- 935 m Gesamtlänge mit sechs Brückenfeldern.
- Größte Stützweite knapp 220 m.
- Standort
- Winningen / Dieblich, Rheinland-Pfalz
- Höhe
- 136 m über der Mosel
- Länge
- 935 m
- Breite
- 30,5 m
- Felder
- 6
- Größte Spannweite
- knapp 220 m
- Aktueller Status
- 2026 in umfangreicher Instandsetzung
- Quelle
- Autobahn GmbH – Moseltalbrücke Winningen
4. Neckartalbrücke Weitingen – 127 Meter
Rang: 4 Leonhardt-Entwurf
Die Neckartalbrücke Weitingen trägt die A 81 bei Horb in bis zu 127 Metern Höhe über den Neckar. Ihre technische Besonderheit liegt jedoch weniger in der Höhe als in den ungewöhnlich großen Randfeldern. Das südliche Feld überspannt etwa 264 Meter. Statt zusätzliche Pfeiler in geologisch schwierige Talhänge zu stellen, wurde der Stahlhohlkasten mit einer Seilunterspannung ergänzt. Damit entstand in den 1970er-Jahren eine für Balkenbrücken äußerst ungewöhnliche Kombination aus Balken- und seilgestützter Tragwirkung.
Der Entwurf wird dem bedeutenden Brückeningenieur Fritz Leonhardt zugeschrieben, der zahlreiche deutsche Nachkriegsbrücken prägte. Die rund 900 Meter lange Konstruktion besitzt fünf große Felder und eine Überbaubreite von etwa 31,5 Metern. Der zentrale Stahlhohlkasten ist mehrere Meter hoch und trägt die vierspurige Autobahn zwischen Stuttgart und Singen. Eröffnet wurde die Brücke 1978. Damit entstand sie fast zeitgleich mit der Kochertalbrücke, folgt aber einer völlig anderen konstruktiven Philosophie. 2026 wird das Bauwerk in Fahrtrichtung Stuttgart instand gesetzt. Mit neun Metern Abstand zur Moseltalbrücke und zwölf Metern Vorsprung auf Nuttlar liegt Weitingen stabil auf Rang 4.
- 127 m maximale Höhe über dem Neckartal.
- Rund 900 m lang und bis zu etwa 264 m weit gespannt.
- Unterspannte Randfelder vermeiden Pfeiler in problematischen Talhängen.
- Standort
- Weitingen bei Horb am Neckar, Baden-Württemberg
- Höhe
- 127 m
- Länge
- rund 900 m
- Größte Stützweite
- rund 264 m
- Überbaubreite
- 31,5 m
- Bauweise
- Stahlhohlkasten mit unterspannten Randfeldern
- Eröffnung
- 1978
- Quelle
- Structurae – Neckartalbrücke Weitingen
5. Talbrücke Nuttlar – 115 Meter
Rang: 5 NRW-Rekord
Die Talbrücke Nuttlar brachte 2019 einen neuen Höhenrekord nach Nordrhein-Westfalen. Mit maximal 115 Metern über dem Talgrund übernahm sie den Landesrekord von der Siegtalbrücke. Die A-46-Brücke bei Bestwig ist 660 Meter lang und besitzt sieben Felder. Auffällig ist der einteilige Überbau: Statt zwei vollständig separater Autobahnbrücken trägt ein einzelner Stahlverbund-Hohlkasten die gesamte Fahrbahnbreite. Außenliegende Schrägstreben stützen die weit auskragende Fahrbahnplatte.
Auch die Pfeiler sind ungewöhnlich gestaltet. Sie bestehen aus jeweils zwei leicht geneigten Rundstützen aus Stahlbeton und erreichen ebenfalls Größenordnungen von über 100 Metern. Dadurch wirkt die Konstruktion trotz ihrer Masse vergleichsweise transparent. Die Brücke wurde im Taktschiebeverfahren hergestellt: Der Überbau entstand abschnittsweise hinter einem Widerlager und wurde schrittweise über die Pfeiler geschoben. Bereits 2013 war der Überbau weitgehend hergestellt, doch der gesamte neue A-46-Abschnitt wurde erst im November 2019 für den Verkehr freigegeben. Nuttlar liegt fünf Meter über der Wilden Gera und zwölf Meter unter Weitingen. Damit markiert die Brücke zugleich die Mitte dieser Top 10.
- 115 m über dem Talgrund – höchste Brücke Nordrhein-Westfalens.
- 660 m Gesamtlänge bei sieben Feldern.
- Einteiliger Stahlverbundüberbau über die gesamte Autobahnbreite.
- Standort
- Bestwig-Nuttlar, Nordrhein-Westfalen
- Höhe
- 115 m über Talgrund
- Länge
- 660 m
- Stützweiten
- 77 m, 2 × 95 m, 115 m, 2 × 97,5 m, 83 m
- Überbau
- einteiliger Stahlverbundquerschnitt
- Bauverfahren
- Taktschiebeverfahren
- Rekord
- höchste Talbrücke Nordrhein-Westfalens
- Quelle
- Ingenieurbüro Grassl – Talbrücke Nuttlar
6. Talbrücke Wilde Gera – 110 Meter
Rang: 6 preisgekrönt
Die Talbrücke Wilde Gera gehört zu den elegantesten deutschen Autobahnbrücken. Sie führt die A 71 im Thüringer Wald in maximal 110 Metern Höhe über Fluss, Bahnstrecke und Landesstraße. Ihr prägendes Element ist der 252 Meter weit gespannte Stahlbetonbogen. Als das Bauwerk fertiggestellt wurde, war dies die größte Spannweite einer Betonbogenbrücke in Deutschland. Erst 2011 erreichten andere deutsche Bahnbrücken noch größere beziehungsweise gleich große Betonbögen.
Die Brücke ist insgesamt 552 Meter lang und besitzt einen 14-feldrigen, auf dem Bogen aufgeständerten Überbau. Konstruktiv wurden mehrere Verfahren kombiniert: Der Betonbogen entstand im Freivorbau mit temporären Hilfsabspannungen, der Fahrbahnüberbau anschließend im Taktschiebeverfahren. Diese Lösung vermied problematische Pfeilergründungen im Tal, wo unter anderem eine alte Deponie und ein empfindlicher Bahndamm lagen. Für die technische und gestalterische Qualität erhielt die Brücke 2006 den erstmals vergebenen Deutschen Brückenbaupreis. Seit 2003 ist sie Bestandteil der A 71 zwischen Erfurt und Schweinfurt. Mit 110 Metern liegt die Wilde Gera nur drei Meter über der historischen Müngstener Brücke.
- 110 m maximale Höhe bei 552 m Gesamtlänge.
- 252 m weit gespannter Stahlbetonbogen.
- Gewinner des ersten Deutschen Brückenbaupreises 2006.
- Standort
- Thüringer Wald bei Gräfenroda / Gehlberg
- Höhe
- 110 m
- Länge
- 552 m
- Bogenspannweite
- 252 m
- Bauart
- Stahlbetonbogen mit Stahl-Beton-Verbundüberbau
- Bogenbau
- Freivorbau mit Hilfsabspannung
- Auszeichnung
- Deutscher Brückenbaupreis 2006
- Quelle
- KHP Ingenieure – Talbrücke Wilde Gera
7. Müngstener Brücke – 107 Meter
Rang: 7 historisch
Die Müngstener Brücke ist der historische Gegenpol zu den modernen Autobahnriesen. Seit 1897 überspannt sie das Wuppertal zwischen Solingen und Remscheid. Die Gleise liegen 107 Meter über dem Wasserspiegel der Wupper, womit sie bis heute Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke ist. Das 465 Meter lange Stahlbauwerk besitzt einen 170 Meter weit gespannten Mittelbogen. Mehr als 5.000 Tonnen Stahl wurden verarbeitet; die Konstruktion besteht aus etwa 10.000 Stäben und Tausenden Knotenpunkten.
Beim Bau Ende des 19. Jahrhunderts standen weder moderne Großkräne noch temporäre Hochgerüste zur Verfügung. Der Mittelbogen wurde deshalb von beiden Talseiten im freien Vorbau montiert, bis sich die Konstruktion in der Mitte schloss. Ursprünglich hieß das Bauwerk Kaiser-Wilhelm-Brücke. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich der heutige Name durch. Eine Legende erzählt von einem goldenen Niet irgendwo in der Konstruktion – gefunden wurde er nie. Von 2013 bis 2021 investierte die Deutsche Bahn mehr als 30 Millionen Euro in eine umfassende Sanierung. Rund 52.000 m² Stahlfläche erhielten neuen Korrosionsschutz. Rang 7 zeigt eindrucksvoll, wie langlebig sorgfältig erhaltene Ingenieurbauwerke sein können.
- 107 m über der Wupper und höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands.
- 465 m lang mit 170 m weit gespanntem Stahlbogen.
- Mehr als 5.000 t Stahl und etwa 10.000 Stäbe.
- Standort
- Solingen / Remscheid, Nordrhein-Westfalen
- Höhe
- 107 m über der Wupper
- Länge
- 465 m
- Mittlere Bogenspannweite
- 170 m
- Gewicht
- mehr als 5.000 t Stahl
- Verkehrsfreigabe
- 15. Juli 1897
- Sanierung
- 2013 bis 2021, mehr als 30 Mio. Euro DB-Investitionen
- Quelle
- Deutsche Bahn – Müngstener Brücke
8. Siegtalbrücke – rund 106 Meter
Rang: 8 im Wandel
Die Siegtalbrücke der A 45 bei Siegen war bei ihrer Errichtung Deutschlands höchste Straßenbrücke. Ihre Fahrbahn liegt je nach Messpunkt ungefähr 100 bis 106 Meter über dem Tal; für die historische Vergleichsrangfolge wird der verbreitete Maximalwert von rund 106 Metern angesetzt. Das Bauwerk ist 1.050 Meter lang und überspannt mit zwölf Feldern nicht nur die Sieg, sondern auch Bebauung, Straßen und technische Infrastruktur. Dadurch gehört sie zu den stadtbildprägenden Großbrücken des Siegerlands.
Die Konstruktion stammt aus der ersten Ausbauphase der sogenannten Sauerlandlinie. Zwei getrennte Spannbetonüberbauten tragen die Richtungsfahrbahnen. Die größten Felder erreichen 105 Meter Stützweite. Inzwischen steht allerdings nicht mehr die ursprüngliche Ingenieursleistung, sondern die Zukunft der Verbindung im Fokus. Die Autobahn GmbH plant einen vollständigen Ersatzneubau im Zuge des sechsstreifigen Ausbaus. Vorgesehen ist eine Schrägseilbrücke mit deutlich weniger Pfeilern und Hauptspannweiten von etwa 192 Metern. Besonders schwierig: Unter der bestehenden Brücke liegen Wohn- und Gewerbeflächen, weshalb eine einfache Sprengung ausscheidet. Rang 8 ist somit gleichzeitig eine der anspruchsvollsten kommenden Brückenbaustellen Deutschlands.
- Maximal etwa 106 m hoch und 1.050 m lang.
- Die bestehende Brücke besitzt zwölf Felder.
- Ein neuer Schrägseilbrücken-Überbau mit wesentlich größeren Spannweiten ist geplant.
- Standort
- Siegen-Eiserfeld, Nordrhein-Westfalen
- Höhe
- etwa 100 m laut aktueller Projektangabe; historische Maximalangaben rund 106 m
- Länge
- 1.050 m
- Bestandsbauart
- zwei getrennte Spannbetonüberbauten
- Verkehrsweg
- A 45
- Geplanter Neubau
- Schrägseilbrücke mit Hauptspannweiten um 192 m
- Besonderheit
- beim Bau höchste Straßenbrücke Deutschlands
- Quelle
- Autobahn GmbH – Ersatzneubau Siegtalbrücke
9. Lösterbachtalbrücke – 100 Meter
Rang: 9 Grenzbrücke
Die Lösterbachtalbrücke erreicht exakt 100 Meter Höhe und gehört damit gemeinsam mit der Schwarzbachtalbrücke zur unteren Grenze dieser Top 10. Das 644 Meter lange Bauwerk führt die A 1 über das tief eingeschnittene Lösterbachtal bei Nonnweiler. Eine geografische Besonderheit verläuft mitten durch die Konstruktion: Die Brücke liegt teilweise im Saarland und teilweise in Rheinland-Pfalz. Ihre Mitte markiert ungefähr die Landesgrenze.
Errichtet wurde die Balkenbrücke 1973 und 1974 – in einer Zeit, in der viele der höchsten deutschen Autobahnbrücken entstanden. Sie überspannt neben dem Bach auch die Trasse der früheren Hochwaldbahn. Die Höhe von 100 Metern entspricht zugleich ungefähr der Höhe des höchsten Pfeilers. Im bundesweiten Vergleich wirkt der Wert heute weniger spektakulär als die 185 Meter der Kochertalbrücke, doch ein Gedankenexperiment verdeutlicht die Dimension: Ein 30-stöckiges Hochhaus könnte nahezu unter die Fahrbahn gestellt werden. Bei gleicher Höhe wie die Schwarzbachtalbrücke entscheidet in dieser Liste die alphabetische Sortierung über Rang 9. Direkt dahinter folgen bereits Straßenbrücken mit weniger als 100 Metern Höhe.
- 100 m hoch und rund 644 m lang.
- Die Brücke steht auf der Grenze zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz.
- Sie führt die A 1 über Löster und ehemalige Hochwaldbahn.
- Standort
- Nonnweiler / Gusenburg, Saarland und Rheinland-Pfalz
- Höhe
- 100 m
- Länge
- 644 m
- Verkehrsweg
- A 1
- Fertigstellung
- 1974
- Querung
- Löstertal und ehemalige Hochwaldbahn
- Besonderheit
- Landesgrenze verläuft durch den Brückenbereich
- Quelle
- Bayerische Ingenieurekammer-Bau – höchste Brücken Deutschlands
10. Schwarzbachtalbrücke – 100 Meter
Rang: 10 historische Route
Auch die Schwarzbachtalbrücke bei Thaleischweiler-Fröschen erreicht rund 100 Meter Höhe. Das 601,5 Meter lange Bauwerk trägt die A 62 über Schwarzbach, Landesstraße 477 und die Bahnstrecke Landau–Rohrbach. Anders als viele andere Autobahnbrücken dieser Größenordnung ist der betreffende A-62-Abschnitt bis heute nur zweistreifig ausgebaut: Auf der Brücke gibt es eine Fahrspur pro Richtung ohne baulich getrennte Richtungsfahrbahnen.
Die elf Felder des Spannbeton-Hohlkastens ruhen auf zehn Pfeilern. Der Bau begann 1978, 1981 war die Brücke fertig. Die anschließende Autobahnverbindung wurde allerdings erst später vollständig nutzbar. Eine ungewöhnliche historische Episode ereignete sich 1990: Während der „Aktion Lindwurm“ nutzten US-Streitkräfte die noch nicht regulär voll in Betrieb befindliche Strecke zum Abtransport chemischer Munition aus dem Sonderwaffenlager Clausen. Jahrzehnte später sorgte die Brücke erneut für Schlagzeilen, als 2021 ein Kleinflugzeug nach Motorausfall auf der Fahrbahn notlandete. Im eigentlichen Größenvergleich liegt sie gleichauf mit der Lösterbachtalbrücke; durch die alphabetische Tie-Break-Regel schließt Schwarzbach die Top 10 ab.
- 100 m Höhe und 601,5 m Gesamtlänge.
- Elf Felder und zehn Betonpfeiler.
- Historisch mit der Aktion Lindwurm von 1990 verbunden.
- Standort
- Thaleischweiler-Fröschen, Rheinland-Pfalz
- Höhe
- 100 m
- Länge
- 601,5 m
- Bauart
- elf-feldrige Spannbeton-Hohlkastenbrücke
- Verkehrsweg
- A 62
- Fertigstellung
- 1981
- Historisches Ereignis
- Route der Aktion Lindwurm 1990
- Quelle
- Bayerische Ingenieurekammer-Bau – höchste Brücken Deutschlands
Warum die höchste Brücke nicht den höchsten Pfeiler haben muss
Die Begriffe Brückenhöhe und Pfeilerhöhe werden häufig verwechselt. Für die Brückenhöhe zählt der Abstand der Fahrbahn vom darunterliegenden Tal beziehungsweise Gewässer. Ein Pfeiler beginnt dagegen auf seinem Fundament und endet unter dem Überbau. Da Fundamente höher als der tiefste Talpunkt liegen können und der Überbau selbst mehrere Meter Konstruktionshöhe besitzt, sind beide Werte selten identisch.
Das beste Beispiel liefert die Kochertalbrücke: Die Fahrbahn liegt etwa 185 Meter über dem Talgrund, der höchste Pfeiler misst rund 178 Meter. Bei der Hochmoselbrücke beträgt die maximale Brückenhöhe etwa 158 Meter, während der höchste Pfeiler rund 150,7 Meter erreicht. Wer ausschließlich nach Pfeilerhöhe sortiert, erhält deshalb eine leicht andere Rangliste. Für Fahrer und Bahnreisende beschreibt die Fahrbahnhöhe dagegen am besten, wie weit der Verkehrsweg tatsächlich über dem Tal schwebt.
Autobahnbrücken dominieren die deutsche Höhenrangliste
Neun der zehn Plätze entfallen auf Straßenbrücken, sieben davon führen Autobahnen. Das hat historische Gründe. Vor allem beim Ausbau des westdeutschen Autobahnnetzes zwischen den 1960er- und frühen 1980er-Jahren wurden Strecken möglichst schnell und mit großen Kurvenradien durch Mittelgebirge geführt. Tiefe Täler mussten deshalb häufig direkt überspannt werden. Besonders A 6, A 45, A 61 und A 81 stehen für diese Epoche.
Die Müngstener Brücke beweist jedoch, dass extreme Höhe keine Erfindung des Autobahnzeitalters ist. Schon 1897 konnte eine Eisenbahnstrecke 107 Meter über dem Wuppertal geführt werden. Moderne Hochgeschwindigkeits-Bahnbrücken sind zwar häufig länger, erreichen aber nicht zwangsläufig dieselben Höhen: Die 2022 eröffnete Filstalbrücke der Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm liegt beispielsweise rund 85 Meter über dem Tal.
FAQ: Die höchsten Brücken in Deutschland
Welche ist die höchste Brücke Deutschlands?
Die Kochertalbrücke der A 6 bei Geislingen am Kocher ist mit rund 185 Metern über dem Talgrund Deutschlands höchste Brücke.
Welche ist die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands?
Die Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid ist 107 Meter hoch. Sie wurde 1897 eröffnet und ist bis heute die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands.
Welche ist die höchste Brücke in Nordrhein-Westfalen?
Seit ihrer Verkehrsfreigabe 2019 hält die Talbrücke Nuttlar diesen Rekord. Sie führt die A 46 bis zu 115 Meter über dem Talgrund.
Ist die Kochertalbrücke höher als die Hochmoselbrücke?
Ja. Die Kochertalbrücke erreicht rund 185 Meter, die Hochmoselbrücke etwa 158 Meter. Der Unterschied beträgt damit ungefähr 27 Meter.
Was ist der Unterschied zwischen Brückenhöhe und Pfeilerhöhe?
Die Brückenhöhe beschreibt den maximalen Abstand der Fahrbahn oder Schiene zum Talgrund beziehungsweise Gewässer. Die Pfeilerhöhe misst dagegen nur einen einzelnen Pfeiler von seinem Fundament bis zum Überbau. Beide Werte können daher deutlich voneinander abweichen.







