540 Meter ragt Europas höchster Fernsehturm über Moskau. Damit übertrifft der Ostankino-Turm den zweitplatzierten Fernsehturm von Kyjiw um 155 Meter und den Berliner Fernsehturm sogar um mehr als 170 Meter. Europas höchste Fernsehtürme entstanden überwiegend zwischen den 1960er- und frühen 1980er-Jahren, als terrestrisches Fernsehen, UKW-Radio und Richtfunk enorme Reichweiten verlangten. Viele wurden gleichzeitig zu nationalen Wahrzeichen mit Aussichtsplattformen und Restaurants.
Sortiert wird nach der Gesamthöhe einschließlich fest installierter Antennenspitze. Berücksichtigt werden dauerhaft errichtete Fernseh- und Rundfunktürme in geografisch eindeutig Europa gelegenen Städten. Klassische abgespannte Sendemasten ohne ausgeprägten Turmbaukörper bleiben ausgeschlossen. Russland wird westlich des Urals berücksichtigt; der Südkaukasus wird dagegen nicht einbezogen. Datenstand ist August 2026. Aktuelle Umbauten und Besuchersperrungen werden separat genannt. Weitere Rekorde zu hohen Bauwerken finden sich in der Kategorie Gebäude.
So wurde gewertet
Ranking-Kriterium ist ausschließlich die bauliche Gesamthöhe des Fernsehturms vom Fußpunkt bis zur Antennenspitze. Die Höhe über dem Meeresspiegel zählt nicht. Deshalb profitiert beispielsweise Barcelonas Torre de Collserola nicht davon, dass sie bereits auf dem Tibidabo-Höhenzug steht. Bei nachträglich ausgetauschten Antennen wird die aktuelle Höhe verwendet: Der Münchner Olympiaturm wuchs 2005 durch eine neue Antenne auf 291,28 m, der Fernsehturm Sankt Petersburg erreichte nach einem Antennenumbau 2011 rund 326 m. Die Rangfolge beruht auf aktuellen Betreiberangaben, Fachinstitutionen und technischen Quellen. Reine abgespannte Gittermasten werden ausgeschlossen; die Torre de Collserola bleibt berücksichtigt, da sie einen eigenständigen tragenden Turmschaft mit mehrgeschossigem Betriebskorb besitzt.
Übersicht
| Rang | Fernsehturm | Stadt / Land | Höhe | Bauart | Aussicht | Eröffnung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Ostankino-Turm | Moskau, Russland | 540 m | Spannbeton | 337 m | 1967 | höchster freistehender Turm Europas |
| 2 | Fernsehturm Kyjiw | Kyjiw, Ukraine | 385 m | Stahlfachwerk | nicht öffentlich | 1973 | höchster freistehender Gitterturm der Welt |
| 3 | Fernsehturm Riga | Riga, Lettland | 368,5 m | Stahl | derzeit geschlossen | 1986/1989 | höchster Fernsehturm der EU |
| 4 | Berliner Fernsehturm | Berlin, Deutschland | 368 m | Stahlbeton | 203 m | 1969 | höchstes Bauwerk Deutschlands |
| 5 | Emley Moor / Arqiva Tower | West Yorkshire, Großbritannien | 330,4 m | Stahlbeton | nicht öffentlich | 1971 | höchstes freistehendes Bauwerk Großbritanniens |
| 6 | Fernsehturm Vilnius | Vilnius, Litauen | 326,4 m | Stahlbeton | ca. 165–170 m | 1980 | Schauplatz der Ereignisse vom Januar 1991 |
| 7 | Fernsehturm Sankt Petersburg | Sankt Petersburg, Russland | 326 m | Stahlfachwerk | nicht öffentlich | 1963 | erste große sowjetische TV-Turm-Sendeanlage |
| 8 | Fernsehturm Tallinn | Tallinn, Estland | 314 m | Stahlbeton + Stahlantenne | 175 m | 1980 | Olympiabau und Symbol der Unabhängigkeit |
| 9 | Olympiaturm München | München, Deutschland | 291,28 m | Stahlbeton | ca. 190 m | 1968 | bis 2027 wegen Sanierung geschlossen |
| 10 | Torre de Collserola | Barcelona, Spanien | 288,4 m | Betonschaft + Stahl + Abspannungen | ca. 560 m ü. NN | 1992 | von Norman Foster für Olympia entworfen |
1. Ostankino-Turm in Moskau – 540 Meter
Rang: 1 Europarekord
Der Ostankino-Turm ist mit 540 Metern der unangefochten höchste Fernsehturm Europas. Als er 1967 fertiggestellt wurde, löste er sogar das Empire State Building als höchstes freistehendes Bauwerk der Welt ab. Erst der CN Tower in Toronto nahm ihm diesen globalen Rekord später wieder ab. Der Entwurf des Ingenieurs Nikolai Nikitin war für seine Zeit radikal: Der Turm besteht überwiegend aus vorgespanntem Stahlbeton und besitzt einen vergleichsweise schmalen Schaft, der durch zahlreiche Stahlseile unter Vorspannung stabilisiert wird. Die Konstruktion wiegt mehr als 55.000 Tonnen.
Eine Aussichtsplattform befindet sich auf etwa 337 Metern. Besucher erreichen sie laut Institution of Civil Engineers in weniger als einer Minute. Die enorme Höhe diente ursprünglich vor allem einem Ziel: Radio- und Fernsehsignale über einen möglichst großen Teil der dicht besiedelten Region Moskau zu verbreiten. 2000 geriet der Turm durch einen schweren Brand international in die Schlagzeilen; danach folgten umfangreiche Sanierungsarbeiten. Sein Vorsprung bleibt selbst heute gewaltig: Der zweitplatzierte Fernsehturm von Kyjiw ist 155 Meter niedriger. Der Berliner Fernsehturm würde mit seiner kompletten Höhe gerade einmal bis knapp zwei Drittel von Ostankino reichen.
- Mit 540 m höchster Fernsehturm und höchstes freistehendes Bauwerk Europas.
- War nach seiner Fertigstellung zeitweise das höchste freistehende Bauwerk der Welt.
- Aussichtsplattform auf rund 337 m Höhe.
- Standort
- Moskau, Russland
- Höhe
- 540 m
- Bauweise
- vorgespannter Stahlbeton
- Ingenieur
- Nikolai Nikitin
- Aussichtsplattform
- rund 337 m
- Fertigstellung
- 1967
- Historischer Rekord
- zeitweise höchstes freistehendes Bauwerk der Welt
- Quelle
- Institution of Civil Engineers – Ostankino TV Tower
2. Fernsehturm Kyjiw – 385 Meter
Rang: 2 Stahlfachwerk-Rekord
Kyjiws Fernsehturm wirkt völlig anders als Ostankino. Statt eines massiven Betonschafts besteht das 385 Meter hohe Bauwerk aus einer offenen, geschweißten Stahlfachwerkkonstruktion. Genau diese Bauart macht ihn außergewöhnlich: Das Ukrainian Institute bezeichnet ihn als höchsten freistehenden Gitterturm der Welt. Errichtet wurde er zwischen 1968 und 1973. Der Sendebereich war ursprünglich für einen Radius von nahezu 100 Kilometern konzipiert. Anders als zahlreiche klassische Aussichtstürme ist die Konstruktion nicht regulär für Touristen geöffnet.
Historisch ist das Bauwerk inzwischen untrennbar mit dem russischen Angriff auf die Ukraine verbunden. Am 1. März 2022 trafen Raketen das Gelände des Fernsehturms nahe Babyn Jar. Die Stahlkonstruktion selbst überstand den Angriff, technische Anlagen und die Stromversorgung wurden jedoch beschädigt; fünf Menschen kamen ums Leben. Die Robustheit der geschweißten Fachwerkkonstruktion wurde damit unter tragischen Umständen sichtbar. Bereits die Errichtung war ungewöhnlich: Das Ukrainian Institute beschreibt ein Montageverfahren, bei dem Teile ohne klassische Großkräne oder Hubschrauber von unten beziehungsweise innerhalb der Konstruktion nach oben gebaut wurden. Mit 385 Metern liegt der Turm 16,5 Meter über Riga und bleibt damit klar auf Rang 2 Europas.
- 385 m hoher, freistehender Stahlfachwerkturm.
- Höchstes Bauwerk der Ukraine und zweithöchster Fernsehturm Europas.
- Überstand den Raketenangriff vom 1. März 2022 als Tragstruktur.
- Standort
- Kyjiw, Ukraine
- Höhe
- 385 m
- Bauweise
- geschweißtes Stahlfachwerk
- Bauzeit
- 1968 bis 1973
- Nutzung
- Fernseh- und Rundfunkübertragung
- Zugang
- keine reguläre öffentliche Aussichtsplattform
- Besonderheit
- höchster freistehender Gitterturm der Welt
- Quelle
- Ukrainian Institute – Kyiv television tower
3. Fernsehturm Riga – 368,5 Meter
Rang: 3 höchster Turm der EU
Der Radio- und Fernsehturm von Riga erreicht technisch rund 368,5 Meter; der staatliche Betreiber LVRTC rundet in aktuellen Mitteilungen auf 368 Meter. Damit liegt der Turm nur etwa einen halben Meter vor Berlin – einer der knappsten Abstände dieser Rangliste. Seit dem Austritt Großbritanniens aus der EU ist Riga zugleich der höchste Fernsehturm und eines der höchsten freistehenden Bauwerke der Europäischen Union. Besonders auffällig sind die drei weit auseinanderstehenden Stahlbeine, die den Turmkörper auf der Insel Zaķusala in der Daugava tragen.
Die ersten Fernsehsendungen gingen Ende 1985 vom neuen Standort auf Sendung, vollständig in Betrieb genommen wurde der Komplex 1989. Seit 2019 ist die Besucherplattform geschlossen. Der Sendebetrieb läuft dagegen weiter und versorgt laut LVRTC ungefähr die Hälfte des lettischen Staatsgebiets mit Radio- und Fernsehsignalen. Zusätzlich dient der Turm heute als bedeutender Standort für Daten- und Telekommunikationsdienste. 2026 befindet sich eine umfassende Modernisierung in Vorbereitung beziehungsweise Umsetzung; die Wiedereröffnung für Besucher ist nach Abschluss der Arbeiten vorgesehen. Ein interessantes Detail: An lettischen Feiertagen wird an der Spitze die Nationalflagge gehisst – auf dem höchsten Flaggenmast der Europäischen Union.
- Technische Gesamthöhe rund 368,5 m; Betreiberangaben runden häufig auf 368 m.
- Seit 2019 für Besucher geschlossen, Sendebetrieb läuft weiter.
- Höchster Fernsehturm innerhalb der Europäischen Union.
- Standort
- Zaķusala, Riga, Lettland
- Höhe
- rund 368,5 m; LVRTC rundet aktuell auf 368 m
- Bauweise
- Stahlkonstruktion mit drei Standbeinen
- Sendebetrieb
- seit Ende 1985
- Vollständige Inbetriebnahme
- 1989
- Besucherstatus
- seit 2019 geschlossen, Modernisierung läuft
- Besonderheit
- höchster Fernsehturm der Europäischen Union
- Quelle
- LVRTC – Radio- und Fernsehturm Riga
4. Berliner Fernsehturm – 368 Meter
Rang: 4 Deutschlands Nummer 1
Nur wenige Zentimeter beziehungsweise rund ein halber Meter trennen Berlin vom Fernsehturm in Riga. Der Turm am Alexanderplatz erreicht 368 Meter und ist damit Deutschlands höchstes Bauwerk. Er wurde 1969 in Ost-Berlin eröffnet und sollte nicht nur die Rundfunkversorgung verbessern, sondern zugleich die technische Leistungsfähigkeit der DDR demonstrieren. Seine charakteristische Kugel entwickelte sich jedoch weit über diesen politischen Ursprung hinaus zu einem gesamtberliner Wahrzeichen.
Die Aussichtsplattform liegt auf 203 Metern. Vier Meter darüber befindet sich das Drehrestaurant, das sich heute als Sphere Tim Raue gastronomisch neu positioniert hat. Die Drehkonstruktion macht eine vollständige Runde ungefähr zweimal pro Stunde. Technisch interessant ist die aktuelle Gesamthöhe: Ursprünglich war der Fernsehturm 365 Meter hoch; ein Antennenaustausch erhöhte ihn später auf 368 Meter. Im europäischen Vergleich reicht das für Rang 4. Der Vorsprung auf Emley Moor beträgt immerhin 37,6 Meter, während Riga praktisch auf Augenhöhe liegt. Auch 2026 bleibt der Berliner Fernsehturm regulär als Aussichtsbauwerk geöffnet und gehört damit – anders als Riga, München oder Sankt Petersburg – zu den höchsten tatsächlich öffentlich zugänglichen Fernsehtürmen Europas.
- 368 m Gesamthöhe und damit Deutschlands höchstes Bauwerk.
- Aussichtsplattform auf 203 m, Drehrestaurant auf 207 m.
- 1969 eröffnet und bis heute regulär öffentlich zugänglich.
- Standort
- Alexanderplatz, Berlin, Deutschland
- Höhe
- 368 m
- Aussichtsplattform
- 203 m
- Drehrestaurant
- 207 m
- Eröffnung
- 1969
- Bauart
- Stahlbetonschaft mit kugelförmigem Turmkopf
- Aktueller Status
- 2026 regulär für Besucher geöffnet
- Quelle
- Berliner Fernsehturm – offizielle Website
5. Emley Moor / Arqiva Tower – 330,4 Meter
Rang: 5 britischer Rekord
Der Arqiva Tower bei Emley Moor in West Yorkshire ist mit 330,4 Metern das höchste freistehende Bauwerk Großbritanniens. Der massive Betonturm unterscheidet sich deutlich von der filigranen Konstruktion, die zuvor am gleichen Standort stand. 1969 brach dort ein abgespannter Sendemast unter der Last von Eis und starken Schwingungen zusammen. Der Neubau musste deshalb besonders robust werden. Seit 1971 sendet der heutige Stahlbetonturm Fernsehsignale weit über Yorkshire hinaus.
Die Konstruktion ist nicht als touristischer Aussichtsturm gedacht. Ihr Hauptzweck bleibt die terrestrische Übertragung von Fernsehen und Radio. Arqiva betreibt einen der wichtigsten Senderstandorte des britischen Netzes; Umbauten im Rahmen der 700-MHz-Frequenzumstellung betrafen Millionen Haushalte. Bemerkenswert ist auch der Denkmalschutz: Der Turm besitzt Grade-II-Status – ungewöhnlich für eine rein technische Infrastruktur aus den frühen 1970er-Jahren. Seine charakteristische Form verjüngt sich nach oben stark und endet in einer Stahlantennenkonstruktion. Mit 330,4 Metern liegt Emley Moor rund 38 Meter hinter Berlin, aber noch vier Meter vor Vilnius. Damit verhindert der britische Sendeturm eine rein osteuropäisch-baltische Folge auf den Plätzen 5 bis 8.
- 330,4 m hoch und höchstes freistehendes Bauwerk Großbritanniens.
- Seit 1971 im Sendebetrieb.
- Entstand nach dem spektakulären Einsturz des Vorgängermasts von 1969.
- Standort
- Emley Moor, West Yorkshire, Großbritannien
- Höhe
- 330,4 m
- Bauweise
- Stahlbetonturm mit Antennenspitze
- Sendebetrieb
- seit 1971
- Zugang
- nicht regulär öffentlich
- Denkmalschutz
- Grade II
- Besonderheit
- höchstes freistehendes Bauwerk Großbritanniens
- Quelle
- Arqiva – Emley Moor Tower
6. Fernsehturm Vilnius – 326,4 Meter
Rang: 6 historischer Erinnerungsort
Mit 326,4 Metern ist der Fernsehturm von Vilnius das höchste Bauwerk Litauens. Der erste Beton für das Fundament wurde 1974 gegossen, Ende 1980 wurde die Anlage offiziell abgenommen. Technisch sollte der neue Turm die Reichweite des litauischen Fernsehens deutlich vergrößern: Nach Betreiberangaben konnten mehrere Programme gleichzeitig ausgestrahlt und ein Radius von ungefähr 80 Kilometern zuverlässig versorgt werden. Heute ist der Turm zusätzlich Aussichtspunkt, Restaurantstandort und touristisches Wahrzeichen.
Seine größte historische Bedeutung entstand jedoch nicht durch Rundfunktechnik. In der Nacht zum 13. Januar 1991 versuchten sowjetische Kräfte, die Kontrolle über strategisch wichtige Einrichtungen in Vilnius zu übernehmen. Auch der Fernsehturm wurde gestürmt. Bei den Ereignissen am Turm starben zwölf namentlich dokumentierte Menschen; weitere Opfer gab es im Umfeld der Unabhängigkeitsbewegung. Der Turm wurde damit zu einem zentralen Symbol für Litauens Weg aus der Sowjetunion. Besucher begegnen dieser Geschichte heute ebenso wie der technischen Funktion. Im Höhenvergleich liegt Vilnius nur rund 40 Zentimeter über beziehungsweise je nach Messrundung praktisch gleichauf mit Sankt Petersburg. Die offizielle Telecentras-Angabe von 326,4 Metern entscheidet hier über Rang 6.
- 326,4 m und damit höchstes Bauwerk Litauens.
- Inbetriebnahme Ende 1980.
- Zentraler Erinnerungsort an die Ereignisse vom 13. Januar 1991.
- Standort
- Vilnius, Litauen
- Höhe
- 326,4 m
- Bauweise
- Stahlbetonschaft mit Turmkorb und Antenne
- Baubeginn
- 1974
- Inbetriebnahme
- 30. Dezember 1980
- Historische Bedeutung
- Schauplatz der Januarereignisse 1991
- Nutzung
- Rundfunk, Telekommunikation und Besucherbetrieb
- Quelle
- Telecentras – Geschichte des Fernsehturms Vilnius
7. Fernsehturm Sankt Petersburg – 326 Meter
Rang: 7 Stahlfachwerk
Der Fernsehturm von Sankt Petersburg erreicht heute rund 326 Meter. Damit liegt er nur wenige Dezimeter hinter Vilnius. Sein Erscheinungsbild erinnert eher an einen gigantischen, freistehenden Sendemast als an die Betontürme von Berlin oder Moskau: Sechs Stahlfachwerkbeine bilden einen schlanken, nach oben verjüngten Gitterturm. Die Anlage wurde Anfang der 1960er-Jahre errichtet und 1963 für den Fernsehbetrieb eröffnet. Sie war damit einer der frühesten spezialisierten Fernsehtürme der damaligen Sowjetunion.
Die heutige Höhe ist nicht identisch mit der ursprünglichen. Antennenumbauten veränderten das Bauwerk mehrfach; seit einer neuen Antennenkonstruktion von 2011 werden rund 326 Meter angegeben. Dadurch überholte der Turm mehrere westeuropäische Fernsehtürme und rückte unmittelbar an Vilnius heran. Ein Turmkorb befindet sich ungefähr zwischen 191 und 201 Metern, ist aber nicht als regulärer touristischer Aussichtspunkt zugänglich. Lange dominierte die Konstruktion die Silhouette der Stadt. Erst das 462 Meter hohe Lakhta Center übernahm den Titel des höchsten Bauwerks Sankt Petersburgs. Als reiner Fernsehturm bleibt die Stahlfachwerkkonstruktion jedoch eines der außergewöhnlichsten technischen Wahrzeichen Russlands.
- 326 m heutige Gesamthöhe nach Antennenumbau.
- 1963 als früher sowjetischer Fernsehsendeturm eröffnet.
- Freistehende, sechseckig angelegte Stahlfachwerkkonstruktion.
- Standort
- Sankt Petersburg, Russland
- Höhe
- rund 326 m
- Bauweise
- freistehendes Stahlfachwerk
- Eröffnung
- 1963
- Antennenumbau
- 2011
- Turmkorb
- etwa 191 bis 201 m
- Zugang
- kein regulärer öffentlicher Aussichtsbetrieb
- Quelle
- Wikimedia Commons – technische Basisdaten Fernsehturm Sankt Petersburg
8. Fernsehturm Tallinn – 314 Meter
Rang: 8 Olympia & Unabhängigkeit
Der 314 Meter hohe Fernsehturm von Tallinn wurde rechtzeitig zu den Olympischen Sommerspielen 1980 fertiggestellt. Obwohl Moskau Gastgeberstadt war, fanden die olympischen Segelwettbewerbe in Tallinn statt. Der Fernsehturm wurde deshalb als offizielles Olympiaprojekt priorisiert. Sein Aufbau ist klar ablesbar: Ein etwa 190 Meter hoher Stahlbetonschaft trägt eine 124 Meter lange Stahlantenne. Die Aussichts- und Restaurantbereiche liegen um 170 bis 175 Meter über dem Boden.
Auch Tallinns Fernsehturm wurde später zu einem Symbol nationaler Geschichte. Während des sowjetischen Putschversuchs im August 1991 wollten sowjetische Truppen die Rundfunkinfrastruktur kontrollieren. Estnische Verteidiger und Bürger schützten das Bauwerk, während Estland seine staatliche Unabhängigkeit wiederherstellte. Diese Ereignisse gehören heute fest zur Ausstellung im Turm. Nach einer längeren Schließung wegen veralteter Brandschutztechnik wurde das Gebäude für 6,6 Millionen Euro modernisiert und 2012 wieder eröffnet. Heute können Besucher auf 175 Metern Höhe ins Freie treten. Ingenieurtechnisch eindrucksvoll ist auch die Windbewegung: An der Spitze sind planmäßig Ausschläge von bis zu etwa 1,5 Metern zulässig. Das Bauwerk bleibt dabei elastisch und standsicher.
- 314 m hoch und höchstes Bauwerk Estlands.
- Für die olympischen Segelwettbewerbe 1980 rechtzeitig fertiggestellt.
- Seit 2012 nach umfassender Modernisierung wieder öffentlich zugänglich.
- Standort
- Tallinn, Estland
- Höhe
- 314 m
- Betonschaft
- rund 190 m
- Stahlantenne
- rund 124 m
- Aussicht
- öffentlicher Bereich bis etwa 175 m
- Eröffnung
- 11. Juli 1980
- Wiedereröffnung
- 2012 nach Modernisierung
- Quelle
- Tallinn TV Tower – offizielle Standortdaten
9. Olympiaturm München – 291,28 Meter
Rang: 9 Sanierung 2024–2027
Münchens Olympiaturm misst heute 291,28 Meter. Er wurde bereits 1968 eröffnet – vier Jahre vor den Olympischen Sommerspielen – und war ursprünglich vor allem als Fernmeldeturm der Deutschen Bundespost gedacht. Die spätere Einbindung in das Olympiagelände machte ihn jedoch zu einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Auf etwa 190 Metern befinden sich Aussichtsbereiche; vor Beginn der aktuellen Sanierung waren seit der Eröffnung rund 45 Millionen Menschen hinaufgefahren.
Die Höhe änderte sich 2005. Beim Austausch der Antenne wurde die Spitze um 1,75 Meter verlängert, wodurch aus ursprünglich rund 289,5 Metern die heutigen 291,28 Meter wurden. Das reicht knapp für Rang 9 vor Barcelona. Seit dem 1. Juni 2024 ist der Olympiaturm allerdings für Besucher geschlossen. Die Sanierung betrifft unter anderem Fassade, Brandschutz, Aufzüge, Lüftung, Sprinkler sowie Versorgungsleitungen. Nach der aktuelleren Betreiberinformation ist eine Wiedereröffnung voraussichtlich im vierten Quartal 2027 vorgesehen. Die Verzögerung gegenüber früheren Planungen zeigt, wie aufwendig die Modernisierung eines fast 300 Meter hohen Bestandsbauwerks ist: Technische Anlagen müssen erneuert werden, ohne die statische und architektonische Identität des Turms zu verändern.
- 291,28 m hoch und damit zweithöchster Fernsehturm Deutschlands.
- Seit Juni 2024 wegen umfassender Sanierung geschlossen.
- Wiedereröffnung nach aktuellem Stand im vierten Quartal 2027 geplant.
- Standort
- München, Deutschland
- Höhe
- 291,28 m
- Eröffnung
- 22. Februar 1968
- Aussichtsplattformen
- etwa 190 m
- Aktueller Status
- seit 1. Juni 2024 für Besucher geschlossen
- Sanierung
- Fassade, Aufzüge, Brandschutz, Lüftung und technische Infrastruktur
- Wiedereröffnung
- voraussichtlich 4. Quartal 2027
- Quelle
- Olympiapark München – Olympiaturm
10. Torre de Collserola – 288,4 Meter
Rang: 10 Norman Foster
Die Torre de Collserola schließt Europas Top 10 mit 288,4 Metern ab. Der Turm entstand für den Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1992 in Barcelona. Entworfen wurde die außergewöhnliche Konstruktion von Norman Foster mit den Ingenieuren Julio Martínez Calzón und Manuel Julià Vilardell. Statt einen massiven Betonschaft mit großem Durchmesser zu bauen, wählte das Team einen sehr schlanken Kern, an dem ein mehrgeschossiger Plattformkörper hängt und der zusätzlich durch Abspannungen stabilisiert wird.
Gerade diese Bauweise macht Collserola zum Sonderfall dieser Liste. Er ist kein klassischer abgespannter Sendemast, aber auch kein vollständig freistehender Betonturm wie Berlin oder München. Der eigentliche Stahlbetonschaft besitzt nur wenige Meter Durchmesser; der 13-geschossige Betriebskorb ist an einer zentralen Konstruktion aufgehängt. Hinzu kommt die Lage auf dem Tibidabo-Höhenzug. Dadurch befindet sich die Aussichtszone rund 560 Meter über dem Meeresspiegel – obwohl der Turm selbst niedriger ist als München. Für Besucher entsteht dadurch eine der höchsten Aussichtsperspektiven Barcelonas. Mit lediglich knapp drei Metern Abstand zum Olympiaturm ist Rang 10 äußerst knapp vergeben.
- 288,4 m hohe Telekommunikations- und Fernsehturm-Konstruktion.
- Für die Olympischen Spiele 1992 geplant.
- Entwurf von Foster + Partners mit schlankem Betonschaft und Abspannungen.
- Standort
- Serra de Collserola, Barcelona, Spanien
- Höhe
- 288,4 m
- Architekt
- Norman Foster / Foster + Partners
- Ingenieure
- Julio Martínez Calzón und Manuel Julià Vilardell
- Turmkorb
- 13 Ebenen
- Bauart
- schlanker Stahlbetonschaft, Stahlkonstruktion und Abspannungen
- Historischer Kontext
- Telekommunikationsausbau für Barcelona 1992
- Quelle
- Foster + Partners – Torre de Collserola
Warum Osteuropa die Spitze der Fernsehtürme dominiert
Sieben der acht höchsten Fernsehtürme Europas stehen in Russland, der Ukraine, dem Baltikum oder im ehemaligen Ost-Berlin. Das ist kein Zufall. In der Sowjetunion und den mit ihr verbundenen Staaten wurden hohe Fernsehtürme nicht nur als technische Infrastruktur verstanden, sondern häufig auch als Symbole für Modernisierung und Ingenieurkunst. Große Reichweiten waren besonders wichtig, weil terrestrische Fernsehnetze vor Satelliten- und Kabelversorgung möglichst weite Gebiete mit wenigen leistungsfähigen Senderstandorten abdecken sollten.
Die Bauformen zeigen dabei unterschiedliche technische Schulen. Ostankino setzt auf vorgespannten Beton, Kyjiw und Sankt Petersburg auf freistehendes Stahlfachwerk. Riga besitzt eine auffällige dreibeinige Stahlkonstruktion, während Vilnius und Tallinn typische Stahlbetontürme mit großen Besucherplattformen sind. Berlin verbindet einen schlanken Betonschaft mit der weltbekannten Kugel. Die Höhe allein sagt daher wenig über den konstruktiven Aufwand aus: Ein 326 Meter hoher Gitterturm verhält sich unter Wind völlig anders als ein gleich hoher Betonturm.
Aussichtsturm oder reine Sendeanlage?
Auch bei der Nutzung unterscheiden sich die Top 10 erheblich. Berlin und Tallinn sind regulär für Besucher geöffnet, während Kyjiw, Emley Moor und Sankt Petersburg primär technische Anlagen sind. Riga bleibt seit 2019 wegen Modernisierungsarbeiten geschlossen. München wird umfassend saniert und soll nach aktuellem Stand erst Ende 2027 wieder zugänglich sein.
Die Besucherplattform liegt dabei längst nicht an der Turmspitze. Beim Berliner Fernsehturm befindet sie sich auf 203 Metern – also rund 165 Meter unter dem höchsten Antennenpunkt. In Tallinn liegt die öffentliche Aussicht auf etwa 175 Metern, in Moskau auf rund 337 Metern. Diese Differenzen sind notwendig, weil der obere Turmabschnitt fast vollständig Antennen, Sendertechnik, Wartungsbereichen und Blitzschutz vorbehalten ist.
FAQ: Die höchsten Fernsehtürme Europas
Welcher ist der höchste Fernsehturm Europas?
Der Ostankino-Turm in Moskau ist mit 540 Metern der höchste Fernsehturm Europas. Er überragt den Fernsehturm von Kyjiw auf Rang 2 um 155 Meter.
Welcher ist der höchste Fernsehturm der Europäischen Union?
Der Radio- und Fernsehturm von Riga ist mit rund 368,5 Metern der höchste Fernsehturm der Europäischen Union. Der Berliner Fernsehturm folgt mit 368 Metern nur knapp dahinter.
Welcher ist der höchste Fernsehturm Deutschlands?
Der Berliner Fernsehturm ist 368 Meter hoch und damit Deutschlands höchster Fernsehturm sowie höchstes Bauwerk. Der Olympiaturm München folgt innerhalb Deutschlands mit 291,28 Metern.
Welcher Fernsehturm hat die höchste Aussichtsplattform?
Innerhalb dieser Top 10 besitzt der Ostankino-Turm eine öffentlich genutzte Aussichtsplattform in rund 337 Metern Höhe. Die Plattform liegt damit deutlich höher als in Berlin, Tallinn oder München.
Warum fehlen hohe Sendemasten in dieser Liste?
Klassische abgespannte Sendemasten sind statisch keine Fernsehtürme im engeren Sinn. Sie werden durch weit ausgreifende Halteseile stabilisiert und besitzen meist keinen eigenständigen Turmkörper mit dauerhaft nutzbaren Betriebs- oder Besucherebenen. Die Rangliste beschränkt sich deshalb auf Fernsehtürme und vergleichbare Turmbauwerke.







