Mehr als 6.300 Kilometer legt der längste Fluss Asiens zwischen dem tibetischen Hochland und dem Ostchinesischen Meer zurück. Doch schon hinter dem Jangtse wird das Ranking kompliziert: Bei einigen Strömen hängt die veröffentlichte Länge davon ab, welcher Quellfluss als Anfang gilt, ob Deltakanäle einbezogen werden und ob ein gesamtes Flusssystem oder nur der namentlich bezeichnete Hauptstrom gemessen wird.
Diese Liste ordnet die zehn längsten Flüsse Asiens nach der gebräuchlichen Gesamtlänge des jeweils eigenständigen Flusses. Flusssysteme wurden nicht künstlich verlängert, indem mehrere unterschiedlich benannte Zuflüsse addiert wurden. Deshalb erscheint der Ob mit 3.650 Kilometern und nicht als 5.410 Kilometer langes Ob-Irtysch-System. Der Irtysch wird separat gewertet, weil er selbst über 4.200 Kilometer lang ist. Neben Länge und Einzugsgebiet zeigt das Ranking auch Quellregion, Mündung, durchflossene Staaten, wirtschaftliche Bedeutung und ökologische Besonderheiten. Datenstand ist Juli 2026; abweichende Literaturwerte werden dort erklärt, wo unterschiedliche Messweisen das Ergebnis beeinflussen.
So wurde gewertet
Sortiert wurde nach der verbreitetsten Länge des namentlich bezeichneten Hauptflusses von der anerkannten Quelle bis zur Mündung. Bei Flüssen mit mehreren möglichen Quellarmen wurde der längste allgemein zugeordnete Quelllauf berücksichtigt. Kombinationen wie Ob–Irtysch oder Jenissei–Angara–Selenga wurden ausgeschlossen, weil sie mehrere eigenständig benannte Flüsse zusammenfassen und sonst zu Doppelzählungen führen würden. Längenangaben wurden mit erreichbaren Quellen von Behörden, Forschungsinstitutionen, Flusskommissionen und Fachportalen abgeglichen. Rundungen und unterschiedliche Vermessungsmethoden können Abweichungen von mehreren Dutzend oder sogar Hunderten Kilometern verursachen.
Übersicht
| Rang | Fluss | Länge | Einzugsgebiet | Staaten | Quelle | Mündung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Jangtse | ca. 6.300 km | ca. 1,81 Mio. km² | China | Tanggula-Gebirge, Tibetisches Hochland | Ostchinesisches Meer | Längster Fluss Asiens und längster vollständig in einem Staat verlaufender Fluss |
| 2 | Gelber Fluss | 5.464 km | ca. 752.000 km² | China | Bayan-Har-Gebirge | Bohai-Meer | Historische Lebensader Nordchinas und extrem sedimentreicher Strom |
| 3 | Mekong | ca. 4.900 km | ca. 795.000 km² | China, Myanmar, Laos, Thailand, Kambodscha, Vietnam | Tibetisches Hochland | Südchinesisches Meer | Längster Fluss Südostasiens |
| 4 | Lena | 4.294 km | ca. 2,49 Mio. km² | Russland | Baikalgebirge | Laptevsee | Längster vollständig in Russland verlaufender Fluss |
| 5 | Irtysch | 4.248 km | ca. 1,64 Mio. km² | China, Kasachstan, Russland | Altai | Ob bei Chanty-Mansijsk | Längster Nebenfluss der Erde |
| 6 | Brahmaputra | ca. 3.969 km | ca. 580.000 km² | China, Indien, Bangladesch | Tibetisches Hochland | Gangesdelta und Golf von Bengalen | Extrem wasserreicher verflochtener Strom |
| 7 | Ob | 3.650 km | ca. 2,99 Mio. km² | Russland | Zusammenfluss von Bija und Katun | Karasee | Bildet mit dem Irtysch eines der größten Flusssysteme Asiens |
| 8 | Jenissei | 3.487 km | ca. 2,58 Mio. km² | Russland | Zusammenfluss von Großem und Kleinem Jenissei | Karasee | Wasserreichster der großen sibirischen Nordströme |
| 9 | Salween | ca. 3.289 km | ca. 320.000 km² | China, Myanmar, Thailand | Tibetisches Hochland | Andamanensee | Einer der längsten weitgehend frei fließenden Ströme Südostasiens |
| 10 | Indus | ca. 3.180 km | ca. 1,16 Mio. km² | China, Indien, Pakistan | Westliches Tibet | Arabisches Meer | Namensgeber Indiens und Grundlage der Indus-Kultur |
1. Jangtse: Asiens längster Fluss verbindet Chinas Westen mit dem Meer
Rang: 1 Asien-Rekord
Der Jangtse, auf Chinesisch Chang Jiang, erreicht mit rund 6.300 Kilometern unangefochten Rang 1. Er ist etwa 836 Kilometer länger als der Gelbe Fluss und gilt nach Nil und Amazonas als drittlängster Fluss der Erde. Vom tibetischen Hochland fließt er vollständig durch China bis zum Ostchinesischen Meer bei Shanghai. Damit ist er zugleich der längste Fluss der Welt, dessen gesamter Lauf innerhalb eines einzigen Staates liegt.
Seine Bedeutung reicht weit über die reine Länge hinaus. Das rund 1,81 Millionen Quadratkilometer große Einzugsgebiet umfasst Gebirge, Becken, Schluchten, Seenlandschaften und dicht besiedelte Ebenen. Städte wie Chongqing, Wuhan und Nanjing liegen an seiner Hauptachse. Für Schifffahrt, Landwirtschaft, Industrie und Stromerzeugung ist der Jangtse eine zentrale Infrastruktur Chinas. Der Drei-Schluchten-Damm besitzt eine der größten installierten Wasserkraftleistungen der Welt, bleibt wegen Umsiedlungen, Sedimentverlagerungen und ökologischer Folgen jedoch umstritten.
Der Spitzenplatz beruht nicht auf einem zusammengesetzten System, sondern auf dem durchgehend als Jangtse bezeichneten Strom. Selbst wenn neuere Vermessungen einzelne Quellarme etwas anders bewerten, bleibt sein Vorsprung auf Rang 2 so groß, dass die Platzierung nicht gefährdet ist.
- Der Jangtse entspringt im Hochland von Tibet und mündet nahe Shanghai ins Meer.
- Sein Einzugsgebiet gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Regionen der Erde.
- Der Drei-Schluchten-Damm veränderte Abfluss, Schifffahrt und Lebensräume dauerhaft.
- Länge
- rund 6.300 km
- Einzugsgebiet
- rund 1,81 Mio. km²
- Quellregion
- Tanggula-Gebirge auf dem Tibetischen Hochland
- Mündung
- Ostchinesisches Meer bei Shanghai
- Wichtige Städte
- Chongqing, Wuhan, Nanjing und Shanghai
- Hauptnutzung
- Schifffahrt, Bewässerung, Industrie und Wasserkraft
- Quelle
- Chinesisches Umweltministerium: Yangtze River
2. Gelber Fluss: Chinas sedimentreiche Wiege der Zivilisation
Rang: 2 historische Lebensader
Mit 5.464 Kilometern belegt der Gelbe Fluss, Huang He, Rang 2. Er entspringt im Bayan-Har-Gebirge auf dem Tibetischen Hochland, durchquert neun chinesische Provinzen beziehungsweise autonome Gebiete und mündet in das Bohai-Meer. Gegenüber dem Jangtse fehlen ihm rund 836 Kilometer, doch kulturell ist sein Einfluss kaum geringer.
Die gelbliche Farbe stammt von feinem Löss, den der Strom aus dem nordchinesischen Lössplateau mitführt. Diese außergewöhnlich hohe Sedimentfracht lagerte sich im Unterlauf ab und hob das Flussbett stellenweise über die umgebende Ebene. Deiche wurden deshalb über Jahrhunderte erhöht. Brachen sie, konnte der Fluss seinen Lauf großräumig verlagern. Historische Überschwemmungen forderten enorme Opferzahlen und brachten ihm den Beinamen „Kummer Chinas“ ein.
Gleichzeitig schufen Löss, Bewässerung und fruchtbare Schwemmebenen die Grundlage früher chinesischer Staaten. Heute wird das Wasser intensiv für Landwirtschaft, Städte und Industrie genutzt. Staudämme reduzieren Hochwasserrisiken und erzeugen Strom, halten aber Sedimente zurück und verändern die Ökosysteme. Platz 2 entsteht durch seine klar dokumentierte Hauptstromlänge; zusammengesetzte sibirische Systeme können ihn nur übertreffen, wenn mehrere Flüsse addiert werden.
- Der Gelbe Fluss ist Chinas zweitlängster Strom.
- Seine Sedimentfracht gehört zu den höchsten großer Flüsse weltweit.
- Der Unterlauf wurde über Jahrtausende durch Deiche und Laufverlagerungen geprägt.
- Länge
- 5.464 km
- Einzugsgebiet
- rund 752.000 km²
- Quelle
- Bayan-Har-Gebirge in der Provinz Qinghai
- Mündung
- Bohai-Meer in der Provinz Shandong
- Historische Bedeutung
- Kernraum früher chinesischer Hochkulturen
- Besonderheit
- Extrem hohe Löss- und Sedimentfracht
- Quelle
- Chinesische Akademie der Wissenschaften: Yellow River
3. Mekong: Südostasiens längster und internationalster Strom
Rang: 3 sechs Staaten
Der Mekong erreicht nach Angaben der Mekong River Commission ungefähr 4.900 Kilometer und belegt damit Rang 3. Ältere Quellen nennen häufig nur 4.350 oder 4.500 Kilometer. Der Unterschied beruht vor allem darauf, welcher Quellarm auf dem tibetischen Hochland als Beginn des Stroms gilt. Die aktuell verwendete Größenordnung von nahezu 5.000 Kilometern verschafft ihm einen deutlichen Vorsprung vor der Lena.
Kein anderer Fluss in diesem Ranking verbindet so viele südostasiatische Staaten. Als Lancang fließt er durch China, berührt Myanmar und bildet lange Grenzabschnitte zwischen Laos und Thailand. Anschließend durchquert er Kambodscha und bildet in Vietnam ein weit verzweigtes Delta. Das etwa 795.000 Quadratkilometer große Becken versorgt Millionen Menschen mit Fisch, Reis, Wasser und Transportwegen.
Ein ökologischer Schlüsselbereich ist der Tonle Sap in Kambodscha. Während der Regenzeit kehrt sich die Fließrichtung seines Verbindungsflusses um, wodurch sich der See stark vergrößert und produktive Überschwemmungsgebiete entstehen. Staudämme am Oberlauf und an Nebenflüssen verändern jedoch Sedimenttransport, Fischwanderungen und saisonale Abflüsse. Der Mekong ist deshalb nicht nur ein geografischer Rekordhalter, sondern eines der wichtigsten grenzüberschreitenden Gewässermanagement-Projekte Asiens.
- Der Mekong ist der längste Fluss Südostasiens.
- Sein Unterlauf beherbergt eine der produktivsten Binnenfischereien der Erde.
- Neue Staudämme führen zu internationalen Konflikten über Sedimente, Fischbestände und Wasserstände.
- Länge
- rund 4.900 km
- Einzugsgebiet
- rund 795.000 km²
- Staaten
- China, Myanmar, Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam
- Quelle
- Tibetisches Hochland
- Mündung
- Südchinesisches Meer im Mekongdelta
- Besonderheit
- Größtes grenzüberschreitendes Flusssystem Südostasiens
- Quelle
- Mekong River Commission: Geography
4. Lena: mehr als 4.000 Kilometer durch den sibirischen Permafrost
Rang: 4 längster Fluss Russlands
Die Lena ist 4.294 Kilometer lang, wenn der Hauptstrom bis zum Beginn seines Deltas gemessen wird. Wird ein rund 106 Kilometer langer Deltaarm hinzugerechnet, nennen manche Quellen etwa 4.400 Kilometer. Für dieses Ranking gilt die konservative Hauptstromlänge von 4.294 Kilometern. Damit liegt die Lena 46 Kilometer vor dem Irtysch und belegt knapp Rang 4.
Der Fluss entspringt im Baikalgebirge nur wenige Kilometer westlich des Baikalsees, fließt jedoch nicht in den See. Stattdessen zieht er in einem weiten Bogen nach Norden und mündet durch ein gewaltiges Delta in die Laptevsee. Das Einzugsgebiet umfasst etwa 2,49 Millionen Quadratkilometer. Große Teile liegen auf dauerhaft gefrorenem Boden; mehr als drei Viertel des Beckens werden von kontinuierlichem Permafrost unterlagert.
Die Lena ist im Winter über lange Strecken zugefroren. Im Frühjahr taut der südliche Oberlauf früher als der Norden, wodurch Eisdämme und extreme Hochwasser entstehen können. Berühmt sind die Lena-Felsen südlich von Jakutsk, eine kilometerlange Landschaft aus senkrechten Kalksteinsäulen. Wirtschaftlich dient der Fluss als wichtige Verkehrsachse in einer Region mit wenigen ganzjährig befahrbaren Straßen.
- Die Lena ist der längste Fluss, der vollständig innerhalb Russlands verläuft.
- Ihr Delta gehört zu den größten arktischen Flussdeltas der Erde.
- Frühjährliche Eisbarrieren können enorme Überschwemmungen auslösen.
- Länge
- 4.294 km; mit einem Deltaarm häufig rund 4.400 km
- Einzugsgebiet
- rund 2,49 Mio. km²
- Quelle
- Baikalgebirge in der Oblast Irkutsk
- Mündung
- Laptevsee im Arktischen Ozean
- Wichtigste Stadt
- Jakutsk
- Klima
- Kontinental, subarktisch und stark durch Permafrost geprägt
- Quelle
- Arktikfish: Lena River
5. Irtysch: der längste Nebenfluss der Erde
Rang: 5 Nebenfluss-Rekord
Der Irtysch misst 4.248 Kilometer und ist damit nur 46 Kilometer kürzer als die Lena. Obwohl er in den Ob mündet, übertrifft er den Ob-Hauptstrom um fast 600 Kilometer. Damit gilt er als längster Nebenfluss der Erde. Genau diese ungewöhnliche Konstellation rechtfertigt seine eigenständige Aufnahme: Würde nur das Ob-Irtysch-System betrachtet, verschwände einer der geografisch bemerkenswertesten Flüsse Asiens aus dem Ranking.
Der Irtysch entspringt als Schwarzer Irtysch im chinesischen Altai, fließt durch den Saissansee in Kasachstan und anschließend über Öskemen, Semei, Pawlodar und Omsk nach Russland. Bei Chanty-Mansijsk trifft er auf den Ob. Sein Einzugsgebiet umfasst rund 1,64 Millionen Quadratkilometer und reicht über trockene Steppen, Industriegebiete und westsibirische Feuchtgebiete.
Für Kasachstan ist der Irtysch eine strategische Wasserquelle. Kanäle leiten Wasser in trockene Industrie- und Hauptstadtregionen, während Stauseen Strom erzeugen und den Abfluss regulieren. Weil China, Kasachstan und Russland denselben Strom nutzen, spielen grenzüberschreitende Entnahmen, Wasserqualität und Schifffahrt eine wachsende politische Rolle. Mit dem Ob bildet der Irtysch ein rund 5.410 Kilometer langes Flusssystem, das in Systemrankings weit vor der Lena erscheinen kann.
- Der Irtysch ist länger als der Ob, in den er mündet.
- Er ist über Tausende Kilometer schiffbar.
- Wasserentnahmen am Oberlauf besitzen Bedeutung für alle drei Anrainerstaaten.
- Länge
- 4.248 km
- Einzugsgebiet
- rund 1,64 Mio. km²
- Quelle
- Altai im chinesischen Xinjiang
- Mündung
- Ob bei Chanty-Mansijsk in Russland
- Wichtige Städte
- Öskemen, Semei, Pawlodar und Omsk
- Rekord
- Längster transnationaler Nebenfluss der Erde
- Quelle
- Eurasian Development Bank: Irtysh River Basin
6. Brahmaputra: ein Hochgebirgsstrom mit gewaltiger Wassermenge
Rang: 6 Monsun-Gigant
Für den Brahmaputra werden je nach Quellzuordnung Längen zwischen etwa 2.900 und 3.969 Kilometern veröffentlicht. Neuere Vermessungen, die einen weiter entfernten Quellarm auf dem Tibetischen Hochland einbeziehen, kommen auf rund 3.969 Kilometer. Mit diesem Wert erreicht der Fluss Rang 6. Selbst die kürzeren Angaben ändern nichts an seiner enormen hydrologischen Bedeutung.
In Tibet heißt er Yarlung Tsangpo und fließt über lange Strecken parallel zum Himalaya nach Osten. Am Namcha Barwa schneidet er eine der tiefsten Schluchten der Erde und dreht abrupt nach Süden. In Indien wird er zum Brahmaputra, verbreitert sich in Assam zu einem verflochtenen Strom mit zahlreichen Sandbänken und vereinigt sich in Bangladesch als Jamuna mit dem Ganges-System.
Sein mittlerer Abfluss übertrifft den vieler längerer Flüsse. Schneeschmelze, Gletscherwasser und Monsunregen erzeugen extreme saisonale Schwankungen. Hochwasser verlagert Inseln, Ufer und Flussarme, schafft aber zugleich fruchtbare Überschwemmungsflächen. Der Brahmaputra unterscheidet sich damit deutlich vom längeren, stärker regulierten Mekong: Nicht die Länge, sondern Wassermenge, Dynamik und Sedimenttransport machen ihn zu einem der mächtigsten Flüsse Asiens.
- Der Brahmaputra ändert auf seinem Weg mehrfach den Namen.
- Sein Unterlauf gehört zum gemeinsamen Ganges-Brahmaputra-Meghna-System.
- Starke Erosion und Ablagerung verändern Inseln und Ufer nahezu jedes Jahr.
- Länge
- je nach Messung etwa 2.900–3.969 km; hier 3.969 km
- Einzugsgebiet
- rund 580.000 km²
- Quelle
- Tibetisches Hochland nahe dem Kailash-Manasarovar-Raum
- Mündung
- Über das Gangesdelta in den Golf von Bengalen
- Regionale Namen
- Yarlung Tsangpo, Siang beziehungsweise Dihang, Brahmaputra und Jamuna
- Besonderheit
- Sehr hoher Abfluss und stark verflochtener Flusslauf
- Quelle
- WorldAtlas: Brahmaputra River
7. Ob: Westsibiriens Strom mit einem riesigen Einzugsgebiet
Rang: 7 größtes Sibirien-Becken
Der Ob ist vom Zusammenfluss von Bija und Katun bis zum Obbusen etwa 3.650 Kilometer lang. Damit landet er hinter dem Brahmaputra auf Rang 7. In vielen internationalen Ranglisten wird jedoch das 5.410 Kilometer lange Ob-Irtysch-System aufgeführt. Diese Zahl umfasst den Irtysch als längeren Quellweg. Da der Irtysch in dieser Liste separat erscheint, wird für den Ob nur der namentliche Hauptstrom gezählt.
Der Fluss entsteht im Altai und zieht durch die flache Westsibirische Tiefebene nach Norden. Sein Einzugsgebiet erreicht rund 2,99 Millionen Quadratkilometer und ist damit erheblich größer als das des deutlich längeren Jangtse. Sümpfe, Taiga und Tundra prägen weite Teile des Beckens. Der Obbusen, in den der Fluss mündet, erstreckt sich als langgezogener Ästuarbereich weit in das Festland.
Novosibirsk, die größte Stadt Sibiriens, liegt am oberen Ob. Staudämme liefern Strom und regulieren den Abfluss, während Erdöl- und Erdgasförderung das Becken wirtschaftlich prägen. Gleichzeitig gelangen Industrieabfälle und Schadstoffe in Nebenflüsse und Feuchtgebiete. Der Ob ist damit ein gutes Beispiel dafür, warum Länge allein die Größe eines Flusses nicht vollständig beschreibt: Sein Einzugsgebiet übertrifft das des Jangtse um mehr als eine Million Quadratkilometer.
- Der Ob entsteht aus den Altai-Flüssen Bija und Katun.
- Sein Becken umfasst einen großen Teil der Westsibirischen Tiefebene.
- Der Obbusen zählt zu den längsten Flussästuarien der Erde.
- Länge
- 3.650 km
- Systemlänge mit Irtysch
- rund 5.410 km
- Einzugsgebiet
- rund 2,99 Mio. km²
- Quelle
- Zusammenfluss von Bija und Katun im Altai
- Mündung
- Über den Obbusen in die Karasee
- Wichtigste Stadt
- Novosibirsk
- Quelle
- Mapy: Ob River
8. Jenissei: der wasserreichste sibirische Nordstrom
Rang: 8 Systemstreit
Der Jenissei misst vom Zusammenfluss des Großen und Kleinen Jenissei bei Kysyl bis zur Mündung 3.487 Kilometer. Damit belegt er Rang 8. Auch bei diesem Strom existieren wesentlich höhere Zahlen: Mit Großem Jenissei erreicht er rund 4.092 Kilometer; zählt man Ider, Selenga, Baikalsee und Angara als zusammenhängenden längsten Wasserweg hinzu, entstehen Werte von ungefähr 5.500 bis 5.940 Kilometern.
Für dieses Ranking bleibt es bei 3.487 Kilometern, weil Selenga und Angara eigenständig benannte Flüsse sind. Der Jenissei selbst durchquert Zentralsibirien von Süden nach Norden und trennt geografisch die Westsibirische Tiefebene vom Mittelsibirischen Bergland. Gemeinsam mit Ob und Lena bildet er das Trio der großen sibirischen Ströme zum Arktischen Ozean.
Obwohl er kürzer als Ob und Lena ist, führt der Jenissei im Mittel mehr Wasser. Große Wasserkraftwerke bei Sajano-Schuschensk und Krasnojarsk gehören zu den leistungsstärksten Anlagen Russlands. Sie erzeugen enorme Strommengen, überfluteten jedoch Täler und veränderten Temperatur und Eisregime flussabwärts. Historisch belasteten zudem nukleare Anlagen bei Krasnojarsk Teile des Flusses mit Radionukliden.
- Der Jenissei führt mehr Wasser als Ob und Lena.
- Seine Länge hängt stark davon ab, ob Angara und Selenga einbezogen werden.
- Großstaudämme machen ihn zu einer wichtigen Energieachse Sibiriens.
- Länge
- 3.487 km ab dem Zusammenfluss der Quellflüsse
- Mit Großem Jenissei
- rund 4.092 km
- Erweitertes Flusssystem
- je nach Methode ungefähr 5.500–5.940 km
- Einzugsgebiet
- rund 2,58 Mio. km²
- Quelle
- Zusammenfluss von Großem und Kleinem Jenissei bei Kysyl
- Mündung
- Jenisseigolf der Karasee
- Quelle
- Freshwater Ecoregions of the World: Yenisei
9. Salween: ein nahezu ungezähmter Strom durch tiefe Gebirgsschluchten
Rang: 9 weitgehend frei fließend
Der Salween, in China Nu Jiang und in Myanmar Thanlwin genannt, wird in neueren geografischen Darstellungen mit rund 3.289 Kilometern angegeben. Ältere Institutionen nennen häufig nur etwa 2.400 bis 2.800 Kilometer. Die Differenz entsteht durch unterschiedliche Quellpunkte auf dem Tibetischen Hochland und die Frage, welche Oberläufe dem Salween zugerechnet werden. Mit der längeren, heute verbreiteten Messung liegt er auf Rang 9 vor dem Indus.
Der Fluss entspringt nahe den Quellregionen von Jangtse und Mekong. In Yunnan verlaufen die drei großen Ströme über Hunderte Kilometer nahezu parallel, ohne sich zu vereinigen. Der Salween schneidet sich anschließend durch schwer zugängliche Gebirge Myanmars und bildet kurzzeitig die Grenze zu Thailand, bevor er bei Mawlamyine in die Andamanensee mündet.
Anders als Jangtse und Mekong ist sein Hauptlauf bislang nur wenig durch große Talsperren unterbrochen. Dadurch bleiben natürliche Sedimentbewegungen, Wanderwege für Fische und saisonale Überschwemmungen vergleichsweise intakt. Geplante Staudämme sind jedoch politisch umstritten, weil sie artenreiche Landschaften, indigene Siedlungsräume und Konfliktregionen betreffen. Seine besondere Stellung entsteht daher weniger durch Metropolen als durch Wildnis, Schluchten und grenzüberschreitende Ökologie.
- Salween, Nu Jiang und Thanlwin sind Namen desselben Flusses.
- Sein Lauf führt durch einige der tiefsten und abgelegensten Schluchten Südostasiens.
- Er gilt als einer der längsten noch weitgehend frei fließenden Ströme der Region.
- Länge
- rund 3.289 km; ältere Quellen teils deutlich kürzer
- Einzugsgebiet
- ungefähr 320.000 km²
- Quelle
- Tibetisches Hochland
- Mündung
- Andamanensee bei Mawlamyine
- Staaten
- China, Myanmar und Thailand
- Besonderheit
- Über lange Strecken unregulierter Gebirgsfluss
- Quelle
- FISHBIO: The Salween River
10. Indus: der Strom, der einem ganzen Land den Namen gab
Rang: 10 Wiege einer Hochkultur
Der Indus erreicht nach einer häufig verwendeten modernen Vermessung rund 3.180 Kilometer und schließt die Top 10 ab. Andere Quellen nennen etwa 2.880 oder 3.200 Kilometer. Selbst mit den niedrigeren Angaben bleibt er einer der längsten Ströme Südasiens. Der Salween liegt in der hier verwendeten Messung rund 109 Kilometer vor ihm.
Der Indus entspringt im westlichen Tibet, fließt durch das Hochgebirge von Ladakh und anschließend fast durch die gesamte Länge Pakistans. Sein Wasser stammt aus Gletschern, Schneeschmelze, Winterregen und dem südasiatischen Monsun. In der trockenen Ebene Pakistans bildet es die Grundlage eines der größten zusammenhängenden Bewässerungssysteme der Welt.
An seinen Nebenflüssen entstanden vor mehr als 4.000 Jahren Städte der Indus-Kultur, darunter Harappa und Mohenjo-Daro. Auch die Bezeichnungen Indien und Hindu gehen sprachgeschichtlich auf den Namen des Flusses zurück. Heute ist das Induswasser zwischen Indien und Pakistan durch den Indus-Wasservertrag geregelt. Bevölkerungswachstum, Grundwasserentnahme, Gletscherschwund und veränderte Niederschläge erhöhen jedoch den Druck auf das System. Das Delta leidet zusätzlich unter geringerem Süßwasser- und Sedimentnachschub sowie eindringendem Meerwasser.
- Der Indus ist der wichtigste Fluss Pakistans.
- Sein Bewässerungsnetz versorgt große Teile der pakistanischen Landwirtschaft.
- Die Indus-Kultur entwickelte bereits komplexe Städte, Kanalisationen und Handelsnetze.
- Länge
- rund 3.180 km; je nach Quelle etwa 2.880–3.200 km
- Einzugsgebiet
- rund 1,16 Mio. km²
- Quelle
- Westliches Tibet nahe dem Kailash-Manasarovar-Raum
- Mündung
- Arabisches Meer südöstlich von Karatschi
- Staaten
- China, Indien und Pakistan
- Historische Bedeutung
- Lebensraum der bronzezeitlichen Indus-Kultur
- Quelle
- Vajiram & Ravi: Indus River System
Warum die Länge eines Flusses keine feste Zahl ist
Eine Flusslänge wirkt wie eine eindeutige geografische Kennzahl, ist in der Praxis aber das Ergebnis mehrerer Entscheidungen. Zunächst muss festgelegt werden, welcher Quellbach als Ursprung gilt. In schwer zugänglichen Hochgebirgen können Satellitendaten einen entfernteren Quellarm zeigen als ältere Karten. Anschließend muss die tatsächliche Mittellinie durch jede Flussschlinge vermessen werden. Je detaillierter die Karte, desto länger fällt ein gewundener Verlauf aus.
Auch die Mündung ist nicht immer eindeutig. Deltas teilen sich in zahlreiche Arme, während arktische Flüsse in lange Ästuare übergehen. Bei Flusssystemen kommt eine weitere Frage hinzu: Wird der traditionell benannte Hauptstrom gemessen oder der längste Weg durch einen Nebenfluss? So ist der Irtysch länger als der Ob, obwohl er als dessen Nebenfluss gilt. Der Jenissei wird durch Angara und Selenga um Tausende Kilometer verlängert, wenn das gesamte hydrologische System zählt.
Dieses Ranking verwendet deshalb einheitlich die Länge des eigenständigen Hauptflusses. Dadurch bleiben die Werte vergleichbar und einzelne Flüsse werden nicht doppelt gezählt. Weitere geografische Rekorde und Natur-Rankings finden Sie in der Kategorie Natur.
Häufige Fragen zu den längsten Flüssen Asiens
Welcher ist der längste Fluss Asiens?
Der Jangtse ist mit rund 6.300 Kilometern der längste Fluss Asiens. Er fließt vollständig durch China und mündet bei Shanghai in das Ostchinesische Meer.
Ist der Jangtse länger als der Gelbe Fluss?
Ja. Der Jangtse ist ungefähr 6.300 Kilometer lang, der Gelbe Fluss 5.464 Kilometer. Der Unterschied beträgt damit rund 836 Kilometer.
Warum ist das Ob-Irtysch-System nicht auf Rang 2?
Das Ob-Irtysch-System ist ungefähr 5.410 Kilometer lang, besteht aber aus zwei eigenständig benannten Flüssen. In diesem Ranking werden Ob und Irtysch separat gewertet, um Doppelzählungen zu vermeiden.
Welcher ist der längste Fluss Südostasiens?
Der Mekong ist mit ungefähr 4.900 Kilometern der längste Fluss Südostasiens. Er fließt durch oder entlang von sechs Staaten und mündet in Vietnam in das Südchinesische Meer.
Warum unterscheiden sich Angaben zur Länge des Brahmaputra oder Salween?
Die Werte hängen davon ab, welcher Quellarm als Ursprung gilt und mit welcher Kartengenauigkeit gemessen wird. Beim Brahmaputra reichen verbreitete Angaben von etwa 2.900 bis knapp 4.000 Kilometern, beim Salween von etwa 2.400 bis 3.289 Kilometern.







