Die 10 längsten Flüsse in Asien

Die 10 längsten Flüsse in Asien

Mehr als 6.300 Kilometer legt der längste Fluss Asiens zwischen dem tibetischen Hochland und dem Ostchinesischen Meer zurück. Doch schon hinter dem Jangtse wird das Ranking kompliziert: Bei einigen Strömen hängt die veröffentlichte Länge davon ab, welcher Quellfluss als Anfang gilt, ob Deltakanäle einbezogen werden und ob ein gesamtes Flusssystem oder nur der namentlich bezeichnete Hauptstrom gemessen wird.

Diese Liste ordnet die zehn längsten Flüsse Asiens nach der gebräuchlichen Gesamtlänge des jeweils eigenständigen Flusses. Flusssysteme wurden nicht künstlich verlängert, indem mehrere unterschiedlich benannte Zuflüsse addiert wurden. Deshalb erscheint der Ob mit 3.650 Kilometern und nicht als 5.410 Kilometer langes Ob-Irtysch-System. Der Irtysch wird separat gewertet, weil er selbst über 4.200 Kilometer lang ist. Neben Länge und Einzugsgebiet zeigt das Ranking auch Quellregion, Mündung, durchflossene Staaten, wirtschaftliche Bedeutung und ökologische Besonderheiten. Datenstand ist Juli 2026; abweichende Literaturwerte werden dort erklärt, wo unterschiedliche Messweisen das Ergebnis beeinflussen.

So wurde gewertet

Sortiert wurde nach der verbreitetsten Länge des namentlich bezeichneten Hauptflusses von der anerkannten Quelle bis zur Mündung. Bei Flüssen mit mehreren möglichen Quellarmen wurde der längste allgemein zugeordnete Quelllauf berücksichtigt. Kombinationen wie Ob–Irtysch oder Jenissei–Angara–Selenga wurden ausgeschlossen, weil sie mehrere eigenständig benannte Flüsse zusammenfassen und sonst zu Doppelzählungen führen würden. Längenangaben wurden mit erreichbaren Quellen von Behörden, Forschungsinstitutionen, Flusskommissionen und Fachportalen abgeglichen. Rundungen und unterschiedliche Vermessungsmethoden können Abweichungen von mehreren Dutzend oder sogar Hunderten Kilometern verursachen.

Übersicht

  1. Jangtse
  2. Gelber Fluss
  3. Mekong
  4. Lena
  5. Irtysch
  6. Brahmaputra
  7. Ob
  8. Jenissei
  9. Salween
  10. Indus
Rang Fluss Länge Einzugsgebiet Staaten Quelle Mündung Besonderheit
1 Jangtse ca. 6.300 km ca. 1,81 Mio. km² China Tanggula-Gebirge, Tibetisches Hochland Ostchinesisches Meer Längster Fluss Asiens und längster vollständig in einem Staat verlaufender Fluss
2 Gelber Fluss 5.464 km ca. 752.000 km² China Bayan-Har-Gebirge Bohai-Meer Historische Lebensader Nordchinas und extrem sedimentreicher Strom
3 Mekong ca. 4.900 km ca. 795.000 km² China, Myanmar, Laos, Thailand, Kambodscha, Vietnam Tibetisches Hochland Südchinesisches Meer Längster Fluss Südostasiens
4 Lena 4.294 km ca. 2,49 Mio. km² Russland Baikalgebirge Laptevsee Längster vollständig in Russland verlaufender Fluss
5 Irtysch 4.248 km ca. 1,64 Mio. km² China, Kasachstan, Russland Altai Ob bei Chanty-Mansijsk Längster Nebenfluss der Erde
6 Brahmaputra ca. 3.969 km ca. 580.000 km² China, Indien, Bangladesch Tibetisches Hochland Gangesdelta und Golf von Bengalen Extrem wasserreicher verflochtener Strom
7 Ob 3.650 km ca. 2,99 Mio. km² Russland Zusammenfluss von Bija und Katun Karasee Bildet mit dem Irtysch eines der größten Flusssysteme Asiens
8 Jenissei 3.487 km ca. 2,58 Mio. km² Russland Zusammenfluss von Großem und Kleinem Jenissei Karasee Wasserreichster der großen sibirischen Nordströme
9 Salween ca. 3.289 km ca. 320.000 km² China, Myanmar, Thailand Tibetisches Hochland Andamanensee Einer der längsten weitgehend frei fließenden Ströme Südostasiens
10 Indus ca. 3.180 km ca. 1,16 Mio. km² China, Indien, Pakistan Westliches Tibet Arabisches Meer Namensgeber Indiens und Grundlage der Indus-Kultur
Warum manche Ranglisten anders aussehen: Werden komplette Flusssysteme addiert, rücken Jenissei–Angara–Selenga und Ob–Irtysch weit nach vorn. Dieses Ranking zählt dagegen jeden namentlich eigenständigen Fluss separat. Auch beim Brahmaputra, Mekong, Salween und Indus schwanken veröffentlichte Längen wegen unterschiedlicher Quellzuordnung und Vermessung.

1. Jangtse: Asiens längster Fluss verbindet Chinas Westen mit dem Meer

Rang: 1 Asien-Rekord

Der Jangtse, auf Chinesisch Chang Jiang, erreicht mit rund 6.300 Kilometern unangefochten Rang 1. Er ist etwa 836 Kilometer länger als der Gelbe Fluss und gilt nach Nil und Amazonas als drittlängster Fluss der Erde. Vom tibetischen Hochland fließt er vollständig durch China bis zum Ostchinesischen Meer bei Shanghai. Damit ist er zugleich der längste Fluss der Welt, dessen gesamter Lauf innerhalb eines einzigen Staates liegt.

Seine Bedeutung reicht weit über die reine Länge hinaus. Das rund 1,81 Millionen Quadratkilometer große Einzugsgebiet umfasst Gebirge, Becken, Schluchten, Seenlandschaften und dicht besiedelte Ebenen. Städte wie Chongqing, Wuhan und Nanjing liegen an seiner Hauptachse. Für Schifffahrt, Landwirtschaft, Industrie und Stromerzeugung ist der Jangtse eine zentrale Infrastruktur Chinas. Der Drei-Schluchten-Damm besitzt eine der größten installierten Wasserkraftleistungen der Welt, bleibt wegen Umsiedlungen, Sedimentverlagerungen und ökologischer Folgen jedoch umstritten.

Der Spitzenplatz beruht nicht auf einem zusammengesetzten System, sondern auf dem durchgehend als Jangtse bezeichneten Strom. Selbst wenn neuere Vermessungen einzelne Quellarme etwas anders bewerten, bleibt sein Vorsprung auf Rang 2 so groß, dass die Platzierung nicht gefährdet ist.

6.300 kmGesamtlänge
1,81 Mio. km²Einzugsgebiet
11 Regionenchinesische Provinzebene
Rang 3weltweit nach Länge

Länge im Vergleich zum Spitzenreiter: 100 Prozent
  • Der Jangtse entspringt im Hochland von Tibet und mündet nahe Shanghai ins Meer.
  • Sein Einzugsgebiet gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Regionen der Erde.
  • Der Drei-Schluchten-Damm veränderte Abfluss, Schifffahrt und Lebensräume dauerhaft.
Länge
rund 6.300 km
Einzugsgebiet
rund 1,81 Mio. km²
Quellregion
Tanggula-Gebirge auf dem Tibetischen Hochland
Mündung
Ostchinesisches Meer bei Shanghai
Wichtige Städte
Chongqing, Wuhan, Nanjing und Shanghai
Hauptnutzung
Schifffahrt, Bewässerung, Industrie und Wasserkraft
Quelle
Chinesisches Umweltministerium: Yangtze River

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2. Gelber Fluss: Chinas sedimentreiche Wiege der Zivilisation

Rang: 2 historische Lebensader

Mit 5.464 Kilometern belegt der Gelbe Fluss, Huang He, Rang 2. Er entspringt im Bayan-Har-Gebirge auf dem Tibetischen Hochland, durchquert neun chinesische Provinzen beziehungsweise autonome Gebiete und mündet in das Bohai-Meer. Gegenüber dem Jangtse fehlen ihm rund 836 Kilometer, doch kulturell ist sein Einfluss kaum geringer.

Die gelbliche Farbe stammt von feinem Löss, den der Strom aus dem nordchinesischen Lössplateau mitführt. Diese außergewöhnlich hohe Sedimentfracht lagerte sich im Unterlauf ab und hob das Flussbett stellenweise über die umgebende Ebene. Deiche wurden deshalb über Jahrhunderte erhöht. Brachen sie, konnte der Fluss seinen Lauf großräumig verlagern. Historische Überschwemmungen forderten enorme Opferzahlen und brachten ihm den Beinamen „Kummer Chinas“ ein.

Gleichzeitig schufen Löss, Bewässerung und fruchtbare Schwemmebenen die Grundlage früher chinesischer Staaten. Heute wird das Wasser intensiv für Landwirtschaft, Städte und Industrie genutzt. Staudämme reduzieren Hochwasserrisiken und erzeugen Strom, halten aber Sedimente zurück und verändern die Ökosysteme. Platz 2 entsteht durch seine klar dokumentierte Hauptstromlänge; zusammengesetzte sibirische Systeme können ihn nur übertreffen, wenn mehrere Flüsse addiert werden.

5.464 kmGesamtlänge
752.000 km²Einzugsgebiet
9 Regionenauf Provinzebene
LössUrsache der gelben Farbe

Länge im Vergleich zum Jangtse: rund 86,7 Prozent
  • Der Gelbe Fluss ist Chinas zweitlängster Strom.
  • Seine Sedimentfracht gehört zu den höchsten großer Flüsse weltweit.
  • Der Unterlauf wurde über Jahrtausende durch Deiche und Laufverlagerungen geprägt.
Länge
5.464 km
Einzugsgebiet
rund 752.000 km²
Quelle
Bayan-Har-Gebirge in der Provinz Qinghai
Mündung
Bohai-Meer in der Provinz Shandong
Historische Bedeutung
Kernraum früher chinesischer Hochkulturen
Besonderheit
Extrem hohe Löss- und Sedimentfracht
Quelle
Chinesische Akademie der Wissenschaften: Yellow River

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3. Mekong: Südostasiens längster und internationalster Strom

Rang: 3 sechs Staaten

Der Mekong erreicht nach Angaben der Mekong River Commission ungefähr 4.900 Kilometer und belegt damit Rang 3. Ältere Quellen nennen häufig nur 4.350 oder 4.500 Kilometer. Der Unterschied beruht vor allem darauf, welcher Quellarm auf dem tibetischen Hochland als Beginn des Stroms gilt. Die aktuell verwendete Größenordnung von nahezu 5.000 Kilometern verschafft ihm einen deutlichen Vorsprung vor der Lena.

Kein anderer Fluss in diesem Ranking verbindet so viele südostasiatische Staaten. Als Lancang fließt er durch China, berührt Myanmar und bildet lange Grenzabschnitte zwischen Laos und Thailand. Anschließend durchquert er Kambodscha und bildet in Vietnam ein weit verzweigtes Delta. Das etwa 795.000 Quadratkilometer große Becken versorgt Millionen Menschen mit Fisch, Reis, Wasser und Transportwegen.

Ein ökologischer Schlüsselbereich ist der Tonle Sap in Kambodscha. Während der Regenzeit kehrt sich die Fließrichtung seines Verbindungsflusses um, wodurch sich der See stark vergrößert und produktive Überschwemmungsgebiete entstehen. Staudämme am Oberlauf und an Nebenflüssen verändern jedoch Sedimenttransport, Fischwanderungen und saisonale Abflüsse. Der Mekong ist deshalb nicht nur ein geografischer Rekordhalter, sondern eines der wichtigsten grenzüberschreitenden Gewässermanagement-Projekte Asiens.

4.900 kmungefähre Länge
795.000 km²Einzugsgebiet
6 Staatenentlang des Flusses
475 km³mittlerer Jahresabfluss

Länge im Vergleich zum Jangtse: rund 77,8 Prozent
  • Der Mekong ist der längste Fluss Südostasiens.
  • Sein Unterlauf beherbergt eine der produktivsten Binnenfischereien der Erde.
  • Neue Staudämme führen zu internationalen Konflikten über Sedimente, Fischbestände und Wasserstände.
Länge
rund 4.900 km
Einzugsgebiet
rund 795.000 km²
Staaten
China, Myanmar, Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam
Quelle
Tibetisches Hochland
Mündung
Südchinesisches Meer im Mekongdelta
Besonderheit
Größtes grenzüberschreitendes Flusssystem Südostasiens
Quelle
Mekong River Commission: Geography

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4. Lena: mehr als 4.000 Kilometer durch den sibirischen Permafrost

Rang: 4 längster Fluss Russlands

Die Lena ist 4.294 Kilometer lang, wenn der Hauptstrom bis zum Beginn seines Deltas gemessen wird. Wird ein rund 106 Kilometer langer Deltaarm hinzugerechnet, nennen manche Quellen etwa 4.400 Kilometer. Für dieses Ranking gilt die konservative Hauptstromlänge von 4.294 Kilometern. Damit liegt die Lena 46 Kilometer vor dem Irtysch und belegt knapp Rang 4.

Der Fluss entspringt im Baikalgebirge nur wenige Kilometer westlich des Baikalsees, fließt jedoch nicht in den See. Stattdessen zieht er in einem weiten Bogen nach Norden und mündet durch ein gewaltiges Delta in die Laptevsee. Das Einzugsgebiet umfasst etwa 2,49 Millionen Quadratkilometer. Große Teile liegen auf dauerhaft gefrorenem Boden; mehr als drei Viertel des Beckens werden von kontinuierlichem Permafrost unterlagert.

Die Lena ist im Winter über lange Strecken zugefroren. Im Frühjahr taut der südliche Oberlauf früher als der Norden, wodurch Eisdämme und extreme Hochwasser entstehen können. Berühmt sind die Lena-Felsen südlich von Jakutsk, eine kilometerlange Landschaft aus senkrechten Kalksteinsäulen. Wirtschaftlich dient der Fluss als wichtige Verkehrsachse in einer Region mit wenigen ganzjährig befahrbaren Straßen.

4.294 kmHauptstromlänge
2,49 Mio. km²Einzugsgebiet
über 75 %kontinuierlicher Permafrost
Russlandgesamter Flusslauf

Länge im Vergleich zum Jangtse: rund 68,2 Prozent
  • Die Lena ist der längste Fluss, der vollständig innerhalb Russlands verläuft.
  • Ihr Delta gehört zu den größten arktischen Flussdeltas der Erde.
  • Frühjährliche Eisbarrieren können enorme Überschwemmungen auslösen.
Länge
4.294 km; mit einem Deltaarm häufig rund 4.400 km
Einzugsgebiet
rund 2,49 Mio. km²
Quelle
Baikalgebirge in der Oblast Irkutsk
Mündung
Laptevsee im Arktischen Ozean
Wichtigste Stadt
Jakutsk
Klima
Kontinental, subarktisch und stark durch Permafrost geprägt
Quelle
Arktikfish: Lena River

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5. Irtysch: der längste Nebenfluss der Erde

Rang: 5 Nebenfluss-Rekord

Der Irtysch misst 4.248 Kilometer und ist damit nur 46 Kilometer kürzer als die Lena. Obwohl er in den Ob mündet, übertrifft er den Ob-Hauptstrom um fast 600 Kilometer. Damit gilt er als längster Nebenfluss der Erde. Genau diese ungewöhnliche Konstellation rechtfertigt seine eigenständige Aufnahme: Würde nur das Ob-Irtysch-System betrachtet, verschwände einer der geografisch bemerkenswertesten Flüsse Asiens aus dem Ranking.

Der Irtysch entspringt als Schwarzer Irtysch im chinesischen Altai, fließt durch den Saissansee in Kasachstan und anschließend über Öskemen, Semei, Pawlodar und Omsk nach Russland. Bei Chanty-Mansijsk trifft er auf den Ob. Sein Einzugsgebiet umfasst rund 1,64 Millionen Quadratkilometer und reicht über trockene Steppen, Industriegebiete und west­sibirische Feuchtgebiete.

Für Kasachstan ist der Irtysch eine strategische Wasserquelle. Kanäle leiten Wasser in trockene Industrie- und Hauptstadtregionen, während Stauseen Strom erzeugen und den Abfluss regulieren. Weil China, Kasachstan und Russland denselben Strom nutzen, spielen grenzüberschreitende Entnahmen, Wasserqualität und Schifffahrt eine wachsende politische Rolle. Mit dem Ob bildet der Irtysch ein rund 5.410 Kilometer langes Flusssystem, das in Systemrankings weit vor der Lena erscheinen kann.

4.248 kmGesamtlänge
1,64 Mio. km²Einzugsgebiet
3 StaatenChina, Kasachstan, Russland
Nr. 1längster Nebenfluss weltweit

Länge im Vergleich zum Jangtse: rund 67,4 Prozent
  • Der Irtysch ist länger als der Ob, in den er mündet.
  • Er ist über Tausende Kilometer schiffbar.
  • Wasserentnahmen am Oberlauf besitzen Bedeutung für alle drei Anrainerstaaten.
Länge
4.248 km
Einzugsgebiet
rund 1,64 Mio. km²
Quelle
Altai im chinesischen Xinjiang
Mündung
Ob bei Chanty-Mansijsk in Russland
Wichtige Städte
Öskemen, Semei, Pawlodar und Omsk
Rekord
Längster transnationaler Nebenfluss der Erde
Quelle
Eurasian Development Bank: Irtysh River Basin

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6. Brahmaputra: ein Hochgebirgsstrom mit gewaltiger Wassermenge

Rang: 6 Monsun-Gigant

Für den Brahmaputra werden je nach Quellzuordnung Längen zwischen etwa 2.900 und 3.969 Kilometern veröffentlicht. Neuere Vermessungen, die einen weiter entfernten Quellarm auf dem Tibetischen Hochland einbeziehen, kommen auf rund 3.969 Kilometer. Mit diesem Wert erreicht der Fluss Rang 6. Selbst die kürzeren Angaben ändern nichts an seiner enormen hydrologischen Bedeutung.

In Tibet heißt er Yarlung Tsangpo und fließt über lange Strecken parallel zum Himalaya nach Osten. Am Namcha Barwa schneidet er eine der tiefsten Schluchten der Erde und dreht abrupt nach Süden. In Indien wird er zum Brahmaputra, verbreitert sich in Assam zu einem verflochtenen Strom mit zahlreichen Sandbänken und vereinigt sich in Bangladesch als Jamuna mit dem Ganges-System.

Sein mittlerer Abfluss übertrifft den vieler längerer Flüsse. Schneeschmelze, Gletscherwasser und Monsunregen erzeugen extreme saisonale Schwankungen. Hochwasser verlagert Inseln, Ufer und Flussarme, schafft aber zugleich fruchtbare Überschwemmungsflächen. Der Brahmaputra unterscheidet sich damit deutlich vom längeren, stärker regulierten Mekong: Nicht die Länge, sondern Wassermenge, Dynamik und Sedimenttransport machen ihn zu einem der mächtigsten Flüsse Asiens.

3.969 kmneuere Längenangabe
580.000 km²ungefähres Einzugsgebiet
3 StaatenChina, Indien, Bangladesch
19.800 m³/sungefährer mittlerer Abfluss

Länge im Vergleich zum Jangtse: rund 63 Prozent
  • Der Brahmaputra ändert auf seinem Weg mehrfach den Namen.
  • Sein Unterlauf gehört zum gemeinsamen Ganges-Brahmaputra-Meghna-System.
  • Starke Erosion und Ablagerung verändern Inseln und Ufer nahezu jedes Jahr.
Länge
je nach Messung etwa 2.900–3.969 km; hier 3.969 km
Einzugsgebiet
rund 580.000 km²
Quelle
Tibetisches Hochland nahe dem Kailash-Manasarovar-Raum
Mündung
Über das Gangesdelta in den Golf von Bengalen
Regionale Namen
Yarlung Tsangpo, Siang beziehungsweise Dihang, Brahmaputra und Jamuna
Besonderheit
Sehr hoher Abfluss und stark verflochtener Flusslauf
Quelle
WorldAtlas: Brahmaputra River

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7. Ob: Westsibiriens Strom mit einem riesigen Einzugsgebiet

Rang: 7 größtes Sibirien-Becken

Der Ob ist vom Zusammenfluss von Bija und Katun bis zum Obbusen etwa 3.650 Kilometer lang. Damit landet er hinter dem Brahmaputra auf Rang 7. In vielen internationalen Ranglisten wird jedoch das 5.410 Kilometer lange Ob-Irtysch-System aufgeführt. Diese Zahl umfasst den Irtysch als längeren Quellweg. Da der Irtysch in dieser Liste separat erscheint, wird für den Ob nur der namentliche Hauptstrom gezählt.

Der Fluss entsteht im Altai und zieht durch die flache Westsibirische Tiefebene nach Norden. Sein Einzugsgebiet erreicht rund 2,99 Millionen Quadratkilometer und ist damit erheblich größer als das des deutlich längeren Jangtse. Sümpfe, Taiga und Tundra prägen weite Teile des Beckens. Der Obbusen, in den der Fluss mündet, erstreckt sich als langgezogener Ästuarbereich weit in das Festland.

Novosibirsk, die größte Stadt Sibiriens, liegt am oberen Ob. Staudämme liefern Strom und regulieren den Abfluss, während Erdöl- und Erdgasförderung das Becken wirtschaftlich prägen. Gleichzeitig gelangen Industrieabfälle und Schadstoffe in Nebenflüsse und Feuchtgebiete. Der Ob ist damit ein gutes Beispiel dafür, warum Länge allein die Größe eines Flusses nicht vollständig beschreibt: Sein Einzugsgebiet übertrifft das des Jangtse um mehr als eine Million Quadratkilometer.

3.650 kmHauptstromlänge
2,99 Mio. km²Einzugsgebiet
5.410 kmOb-Irtysch-System
KaraseeMündungsmeer

Länge im Vergleich zum Jangtse: rund 57,9 Prozent
  • Der Ob entsteht aus den Altai-Flüssen Bija und Katun.
  • Sein Becken umfasst einen großen Teil der Westsibirischen Tiefebene.
  • Der Obbusen zählt zu den längsten Flussästuarien der Erde.
Länge
3.650 km
Systemlänge mit Irtysch
rund 5.410 km
Einzugsgebiet
rund 2,99 Mio. km²
Quelle
Zusammenfluss von Bija und Katun im Altai
Mündung
Über den Obbusen in die Karasee
Wichtigste Stadt
Novosibirsk
Quelle
Mapy: Ob River

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8. Jenissei: der wasserreichste sibirische Nordstrom

Rang: 8 Systemstreit

Der Jenissei misst vom Zusammenfluss des Großen und Kleinen Jenissei bei Kysyl bis zur Mündung 3.487 Kilometer. Damit belegt er Rang 8. Auch bei diesem Strom existieren wesentlich höhere Zahlen: Mit Großem Jenissei erreicht er rund 4.092 Kilometer; zählt man Ider, Selenga, Baikalsee und Angara als zusammenhängenden längsten Wasserweg hinzu, entstehen Werte von ungefähr 5.500 bis 5.940 Kilometern.

Für dieses Ranking bleibt es bei 3.487 Kilometern, weil Selenga und Angara eigenständig benannte Flüsse sind. Der Jenissei selbst durchquert Zentralsibirien von Süden nach Norden und trennt geografisch die Westsibirische Tiefebene vom Mittelsibirischen Bergland. Gemeinsam mit Ob und Lena bildet er das Trio der großen sibirischen Ströme zum Arktischen Ozean.

Obwohl er kürzer als Ob und Lena ist, führt der Jenissei im Mittel mehr Wasser. Große Wasserkraftwerke bei Sajano-Schuschensk und Krasnojarsk gehören zu den leistungsstärksten Anlagen Russlands. Sie erzeugen enorme Strommengen, überfluteten jedoch Täler und veränderten Temperatur und Eisregime flussabwärts. Historisch belasteten zudem nukleare Anlagen bei Krasnojarsk Teile des Flusses mit Radionukliden.

3.487 kmnamentlicher Hauptstrom
2,58 Mio. km²Einzugsgebiet
ca. 19.600 m³/smittlerer Abfluss
bis 5.940 kmerweiterte Systemmessung

Länge im Vergleich zum Jangtse: rund 55,3 Prozent
  • Der Jenissei führt mehr Wasser als Ob und Lena.
  • Seine Länge hängt stark davon ab, ob Angara und Selenga einbezogen werden.
  • Großstaudämme machen ihn zu einer wichtigen Energieachse Sibiriens.
Länge
3.487 km ab dem Zusammenfluss der Quellflüsse
Mit Großem Jenissei
rund 4.092 km
Erweitertes Flusssystem
je nach Methode ungefähr 5.500–5.940 km
Einzugsgebiet
rund 2,58 Mio. km²
Quelle
Zusammenfluss von Großem und Kleinem Jenissei bei Kysyl
Mündung
Jenisseigolf der Karasee
Quelle
Freshwater Ecoregions of the World: Yenisei

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9. Salween: ein nahezu ungezähmter Strom durch tiefe Gebirgsschluchten

Rang: 9 weitgehend frei fließend

Der Salween, in China Nu Jiang und in Myanmar Thanlwin genannt, wird in neueren geografischen Darstellungen mit rund 3.289 Kilometern angegeben. Ältere Institutionen nennen häufig nur etwa 2.400 bis 2.800 Kilometer. Die Differenz entsteht durch unterschiedliche Quellpunkte auf dem Tibetischen Hochland und die Frage, welche Oberläufe dem Salween zugerechnet werden. Mit der längeren, heute verbreiteten Messung liegt er auf Rang 9 vor dem Indus.

Der Fluss entspringt nahe den Quellregionen von Jangtse und Mekong. In Yunnan verlaufen die drei großen Ströme über Hunderte Kilometer nahezu parallel, ohne sich zu vereinigen. Der Salween schneidet sich anschließend durch schwer zugängliche Gebirge Myanmars und bildet kurzzeitig die Grenze zu Thailand, bevor er bei Mawlamyine in die Andamanensee mündet.

Anders als Jangtse und Mekong ist sein Hauptlauf bislang nur wenig durch große Talsperren unterbrochen. Dadurch bleiben natürliche Sedimentbewegungen, Wanderwege für Fische und saisonale Überschwemmungen vergleichsweise intakt. Geplante Staudämme sind jedoch politisch umstritten, weil sie artenreiche Landschaften, indigene Siedlungsräume und Konfliktregionen betreffen. Seine besondere Stellung entsteht daher weniger durch Metropolen als durch Wildnis, Schluchten und grenzüberschreitende Ökologie.

3.289 kmverbreitete neuere Länge
ca. 320.000 km²Einzugsgebiet
3 StaatenChina, Myanmar, Thailand
AndamanenseeMündungsgebiet

Länge im Vergleich zum Jangtse: rund 52,2 Prozent
  • Salween, Nu Jiang und Thanlwin sind Namen desselben Flusses.
  • Sein Lauf führt durch einige der tiefsten und abgelegensten Schluchten Südostasiens.
  • Er gilt als einer der längsten noch weitgehend frei fließenden Ströme der Region.
Länge
rund 3.289 km; ältere Quellen teils deutlich kürzer
Einzugsgebiet
ungefähr 320.000 km²
Quelle
Tibetisches Hochland
Mündung
Andamanensee bei Mawlamyine
Staaten
China, Myanmar und Thailand
Besonderheit
Über lange Strecken unregulierter Gebirgsfluss
Quelle
FISHBIO: The Salween River

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10. Indus: der Strom, der einem ganzen Land den Namen gab

Rang: 10 Wiege einer Hochkultur

Der Indus erreicht nach einer häufig verwendeten modernen Vermessung rund 3.180 Kilometer und schließt die Top 10 ab. Andere Quellen nennen etwa 2.880 oder 3.200 Kilometer. Selbst mit den niedrigeren Angaben bleibt er einer der längsten Ströme Südasiens. Der Salween liegt in der hier verwendeten Messung rund 109 Kilometer vor ihm.

Der Indus entspringt im westlichen Tibet, fließt durch das Hochgebirge von Ladakh und anschließend fast durch die gesamte Länge Pakistans. Sein Wasser stammt aus Gletschern, Schneeschmelze, Winterregen und dem südasiatischen Monsun. In der trockenen Ebene Pakistans bildet es die Grundlage eines der größten zusammenhängenden Bewässerungssysteme der Welt.

An seinen Nebenflüssen entstanden vor mehr als 4.000 Jahren Städte der Indus-Kultur, darunter Harappa und Mohenjo-Daro. Auch die Bezeichnungen Indien und Hindu gehen sprachgeschichtlich auf den Namen des Flusses zurück. Heute ist das Induswasser zwischen Indien und Pakistan durch den Indus-Wasservertrag geregelt. Bevölkerungswachstum, Grundwasserentnahme, Gletscherschwund und veränderte Niederschläge erhöhen jedoch den Druck auf das System. Das Delta leidet zusätzlich unter geringerem Süßwasser- und Sedimentnachschub sowie eindringendem Meerwasser.

3.180 kmhäufig verwendete Länge
1,16 Mio. km²Einzugsgebiet
3 StaatenChina, Indien, Pakistan
1960Indus-Wasservertrag

Länge im Vergleich zum Jangtse: rund 50,5 Prozent
  • Der Indus ist der wichtigste Fluss Pakistans.
  • Sein Bewässerungsnetz versorgt große Teile der pakistanischen Landwirtschaft.
  • Die Indus-Kultur entwickelte bereits komplexe Städte, Kanalisationen und Handelsnetze.
Länge
rund 3.180 km; je nach Quelle etwa 2.880–3.200 km
Einzugsgebiet
rund 1,16 Mio. km²
Quelle
Westliches Tibet nahe dem Kailash-Manasarovar-Raum
Mündung
Arabisches Meer südöstlich von Karatschi
Staaten
China, Indien und Pakistan
Historische Bedeutung
Lebensraum der bronzezeitlichen Indus-Kultur
Quelle
Vajiram & Ravi: Indus River System

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Warum die Länge eines Flusses keine feste Zahl ist

Eine Flusslänge wirkt wie eine eindeutige geografische Kennzahl, ist in der Praxis aber das Ergebnis mehrerer Entscheidungen. Zunächst muss festgelegt werden, welcher Quellbach als Ursprung gilt. In schwer zugänglichen Hochgebirgen können Satellitendaten einen entfernteren Quellarm zeigen als ältere Karten. Anschließend muss die tatsächliche Mittellinie durch jede Flussschlinge vermessen werden. Je detaillierter die Karte, desto länger fällt ein gewundener Verlauf aus.

Auch die Mündung ist nicht immer eindeutig. Deltas teilen sich in zahlreiche Arme, während arktische Flüsse in lange Ästuare übergehen. Bei Flusssystemen kommt eine weitere Frage hinzu: Wird der traditionell benannte Hauptstrom gemessen oder der längste Weg durch einen Nebenfluss? So ist der Irtysch länger als der Ob, obwohl er als dessen Nebenfluss gilt. Der Jenissei wird durch Angara und Selenga um Tausende Kilometer verlängert, wenn das gesamte hydrologische System zählt.

Dieses Ranking verwendet deshalb einheitlich die Länge des eigenständigen Hauptflusses. Dadurch bleiben die Werte vergleichbar und einzelne Flüsse werden nicht doppelt gezählt. Weitere geografische Rekorde und Natur-Rankings finden Sie in der Kategorie Natur.

Häufige Fragen zu den längsten Flüssen Asiens

Welcher ist der längste Fluss Asiens?

Der Jangtse ist mit rund 6.300 Kilometern der längste Fluss Asiens. Er fließt vollständig durch China und mündet bei Shanghai in das Ostchinesische Meer.

Ist der Jangtse länger als der Gelbe Fluss?

Ja. Der Jangtse ist ungefähr 6.300 Kilometer lang, der Gelbe Fluss 5.464 Kilometer. Der Unterschied beträgt damit rund 836 Kilometer.

Warum ist das Ob-Irtysch-System nicht auf Rang 2?

Das Ob-Irtysch-System ist ungefähr 5.410 Kilometer lang, besteht aber aus zwei eigenständig benannten Flüssen. In diesem Ranking werden Ob und Irtysch separat gewertet, um Doppelzählungen zu vermeiden.

Welcher ist der längste Fluss Südostasiens?

Der Mekong ist mit ungefähr 4.900 Kilometern der längste Fluss Südostasiens. Er fließt durch oder entlang von sechs Staaten und mündet in Vietnam in das Südchinesische Meer.

Warum unterscheiden sich Angaben zur Länge des Brahmaputra oder Salween?

Die Werte hängen davon ab, welcher Quellarm als Ursprung gilt und mit welcher Kartengenauigkeit gemessen wird. Beim Brahmaputra reichen verbreitete Angaben von etwa 2.900 bis knapp 4.000 Kilometern, beim Salween von etwa 2.400 bis 3.289 Kilometern.

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