Fast acht Jahrhunderte: Manche historischen Kriegsserien dauerten länger als ganze Staaten existierten. Doch bei den längsten Kriegen aller Zeiten steckt eine entscheidende Falle im Begriff „Dauer“. Die Reconquista, die römisch-germanischen Auseinandersetzungen oder die englisch-französischen Kriege bestanden keineswegs aus ununterbrochenen Schlachten. Zwischen einzelnen Feldzügen lagen teilweise Jahrzehnte des Friedens, wechselnde Herrscher, neue Bündnisse und sogar völlig andere politische Systeme.
Dieses Ranking vergleicht deshalb historisch zusammengefasste Konfliktkomplexe nach ihrer chronologischen Spanne: vom Beginn der ersten regelmäßig zugerechneten Kriegsphase bis zum Ende der letzten. So werden wiederkehrende Kriege zwischen denselben politischen oder kulturellen Gegnern vergleichbar, ohne sie fälschlich als jahrhundertelangen Dauerkrieg darzustellen. Entscheidend sind die gebräuchlichen Eckdaten der jeweiligen Konfliktserie; abweichende Datierungen werden ausdrücklich erwähnt. Die Liste reicht von der Reconquista auf der Iberischen Halbinsel bis zu den spanisch-morischen Kriegen auf den Philippinen und zeigt, wie sehr langfristige Rivalitäten Grenzen, Staaten, Religionen und Militärtechnik veränderten. Weitere historische Ranglisten gibt es in der Kategorie Katastrophen.
So wurde gewertet
Gewertet wird die chronologische Gesamtspanne eines historisch benannten Konfliktkomplexes zwischen der ersten und letzten ihm zugerechneten Kriegsphase. Friedenszeiten innerhalb dieser Spanne werden ausdrücklich nicht als aktive Kriegsjahre verstanden. Das ist wichtig, weil mehrere Einträge aus vielen einzelnen Kriegen bestehen. Für die Reconquista verwenden wir den weiten Rahmen 711 bis 1492; bei einer engeren Datierung ab der traditionell um 718/722 angesetzten Schlacht von Covadonga ergibt sich entsprechend eine kürzere Dauer. Ebenso werden die römisch-germanischen, englisch-französischen, römisch-persischen und russisch-osmanischen Auseinandersetzungen als Konfliktserien und nicht als ein einziger ununterbrochener Krieg behandelt. Bürgerkriege ohne dauerhaft vergleichbare Konfliktparteien sowie rein diplomatische Kriegszustände ohne langjährige Kampfgeschichte wurden ausgeschlossen.
Übersicht
| Rang | Krieg / Konfliktserie | Zeitraum | Spanne | Region | Hauptgegner | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Reconquista | 711–1492 | 781 Jahre | Iberische Halbinsel | christliche Reiche / muslimische Herrschaften | Granada fällt 1492 |
| 2 | Römisch-germanische Kriege | 113 v. Chr.–596 n. Chr. | 708 Jahre | Mittel- und Westeuropa | Rom / zahlreiche germanische Gruppen | Teutoburger Wald stoppt römische Expansion östlich des Rheins |
| 3 | Englisch-französische Kriege | 1109–1815 | 706 Jahre | Europa und Übersee | England/Großbritannien / Frankreich | umfasst unter anderem den Hundertjährigen Krieg |
| 4 | Römisch-persische Kriege | 54 v. Chr.–628 n. Chr. | 681 Jahre | Naher Osten | Rom/Byzanz / Parther und Sasaniden | einer der längsten Großmachtkonflikte der Antike |
| 5 | Byzantinisch-bulgarische Kriege | 680–1355 | 675 Jahre | Balkan | Byzantinisches Reich / Bulgarische Reiche | lange Friedensphasen zwischen intensiven Kriegen |
| 6 | Arabisch-byzantinische Kriege | 629–ca. 1050 | 421 Jahre | Levant, Anatolien, Mittelmeer | Byzanz / verschiedene Kalifate | zwei große Angriffe auf Konstantinopel |
| 7 | Yaqui-Kriege | 1533–1929 | 396 Jahre | Sonora / Arizona | Yaqui / Spanien und Mexiko | 270 dokumentierte Yaqui- oder Mayo-Kriegsereignisse bis 1902 |
| 8 | Marokkanisch-portugiesische Konflikte | 1415–1769 | 354 Jahre | Marokko | Portugal / marokkanische Dynastien | von Ceuta bis zur Aufgabe Mazagans |
| 9 | Russisch-osmanische Kriege | 1568–1918 | 350 Jahre | Schwarzmeerraum, Balkan, Kaukasus | Russland / Osmanisches Reich | Serie zahlreicher eigenständiger Kriege |
| 10 | Spanisch-morische Kriege | 1565–1898 | 333 Jahre | Philippinen | Spanien / muslimische Sultanate | Widerstand in Mindanao und Sulu über drei Jahrhunderte |
1. Die Reconquista – bis zu 781 Jahre
Rang: 1 Längste Konfliktspanne
Die Reconquista erreicht in der weiten historischen Zählweise eine Spanne von 711 bis 1492 und damit 781 Jahren. Gemeint ist die jahrhundertelange Verschiebung der Machtverhältnisse auf der Iberischen Halbinsel nach der muslimischen Eroberung des westgotischen Reiches. Wer den eigentlichen Beginn erst mit der traditionell auf 718 oder 722 datierten Schlacht von Covadonga ansetzt, kommt auf ungefähr 770 Jahre. Schon diese Abweichung zeigt, weshalb das Ranking nicht so exakt verstanden werden darf wie eine Stoppuhr.
Noch wichtiger: Es gab niemals einen einzigen Staat namens „Spanien“, der 781 Jahre lang denselben Gegner bekämpfte. Auf christlicher Seite entstanden und verschwanden unter anderem Asturien, León, Kastilien, Aragón, Navarra und Portugal; auf muslimischer Seite folgten auf das Emirat und Kalifat von Córdoba zahlreiche Taifa-Reiche sowie almoravidische, almohadische und schließlich nasridische Herrschaften. Dazwischen gab es Bündnisse über Religionsgrenzen hinweg und lange Phasen relativer Stabilität. Ein entscheidender Wendepunkt war 1212 die Schlacht bei Las Navas de Tolosa. Danach fielen große Zentren wie Córdoba 1236 und Sevilla 1248. Granada blieb noch mehr als zwei Jahrhunderte bestehen, bevor Muhammad XII. die Stadt im Januar 1492 an Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón übergab. Gerade diese Mischung aus Krieg, Diplomatie und wechselnden Staaten macht die Reconquista zum längsten, aber auch begrifflich schwierigsten Eintrag der Liste.
- Weite Datierung: 711 bis 1492 – 781 Jahre.
- Traditioneller Beginn der eigentlichen Reconquista: etwa 718/722 bei Covadonga.
- Schlüsseljahr: 1212 – Las Navas de Tolosa.
- Endpunkt: Einnahme beziehungsweise Übergabe Granadas 1492.
- Zeitraum im Ranking
- 711–1492
- Chronologische Spanne
- 781 Jahre
- Alternative Berechnung
- ca. 770 Jahre bei Beginn um 722
- Region
- Iberische Halbinsel
- Wichtige christliche Reiche
- Asturien, León, Kastilien, Aragón, Navarra und Portugal
- Wichtige muslimische Herrschaften
- al-Andalus, Taifa-Reiche, Almoraviden, Almohaden und Nasriden
- Entscheidender Einschnitt
- Schlacht bei Las Navas de Tolosa 1212
- Ende
- Fall des Nasridenreichs Granada 1492
- Quelle
- EBSCO Research – Reconquista
2. Römisch-germanische Kriege – rund 708 Jahre
Rang: 2 Antike Großkonflikte
Vom ersten großen Zusammenstoß Roms mit Kimbern und Teutonen im späten 2. Jahrhundert v. Chr. bis zu den Auseinandersetzungen mit germanischen Nachfolgereichen in der Spätantike lässt sich eine Konfliktspanne von ungefähr 113 v. Chr. bis 596 n. Chr. konstruieren. Das ergibt ohne ein historisches Jahr null rund 708 Jahre. Allerdings ist der Ausdruck „römisch-germanische Kriege“ noch stärker als die Reconquista ein Sammelbegriff: Rom kämpfte nicht gegen einen einheitlichen germanischen Staat, sondern gegen zahlreiche Völker und Koalitionen, darunter Kimbern, Teutonen, Cherusker, Markomannen, Goten, Vandalen, Franken und Langobarden.
Der berühmteste Einschnitt ereignete sich im Jahr 9 n. Chr. Im Teutoburger Wald vernichtete eine germanische Koalition unter Arminius drei römische Legionen unter Publius Quinctilius Varus. Schätzungen zufolge umfasste die römische Streitmacht etwa 10.000 bis 15.000 Mann. Rom führte anschließend noch Vergeltungsfeldzüge unter Germanicus, gab aber die dauerhafte Eroberung des Gebiets weit östlich des Rheins auf. Jahrhunderte später hatte sich das Verhältnis vollständig verändert: Germanische Verbände dienten in römischen Armeen, gründeten eigene Reiche auf ehemals römischem Boden und spielten eine zentrale Rolle beim Zerfall des Weströmischen Reiches. Platz 2 beruht daher auf einer außergewöhnlich langen Serie von Grenzkriegen, Migrationen und Machtverschiebungen – nicht auf einem einzigen Krieg zwischen zwei unveränderten Staaten.
- Ranking-Spanne: rund 708 Jahre.
- Beginn: Konflikte mit Kimbern und Teutonen ab 113 v. Chr.
- Berühmtester Einschnitt: Teutoburger Wald, 9 n. Chr.
- Verlust Roms: drei Legionen bei der Varusschlacht.
- Zeitraum
- 113 v. Chr.–596 n. Chr.
- Chronologische Spanne
- ca. 708 Jahre
- Konflikttyp
- Serie zahlreicher römisch-germanischer Kriege
- Region
- Rhein, Donau, Mitteleuropa und später Teile des Römischen Reiches
- Schlüsselereignis
- Schlacht im Teutoburger Wald 9 n. Chr.
- Römische Verluste dort
- 3 Legionen; geschätzte Armeegröße etwa 10.000–15.000 Mann
- Langfristige Folge
- keine dauerhafte römische Provinz tief im rechtsrheinischen Germanien
- Besonderheit
- Gegner waren zahlreiche unterschiedliche germanische Gruppen, kein einheitliches Reich
- Quelle
- World History Encyclopedia – Battle of Teutoburg Forest
3. Englisch-französische Kriege – rund 706 Jahre Rivalität
Rang: 3 Jahrhunderterivalität
Zwischen 1109 und 1815 kehrten England beziehungsweise später Großbritannien und Frankreich immer wieder als Hauptgegner auf europäische und globale Schlachtfelder zurück. Als zusammenfassende Konfliktspanne ergeben sich etwa 706 Jahre. Auch hier wäre es falsch, von einem einzigen Krieg zu sprechen: Lange Friedenszeiten trennten feudale Auseinandersetzungen des Mittelalters, den Hundertjährigen Krieg, Kolonialkriege des 17. und 18. Jahrhunderts, den Siebenjährigen Krieg sowie die Revolutions- und Napoleonischen Kriege.
Der berühmteste Abschnitt allein dauerte länger als ein Jahrhundert. Der Hundertjährige Krieg zwischen 1337 und 1453 war nach Darstellung der Royal Armouries selbst keine ununterbrochene Auseinandersetzung, sondern eine Folge von Belagerungen, Überfällen sowie Land- und Seeschlachten. Er brachte einige der bekanntesten militärischen Ereignisse des Mittelalters hervor: Crécy 1346, Poitiers 1356, Agincourt 1415 und den französischen Umschwung um Jeanne d’Arc bei Orléans 1429. Gleichzeitig wandelte sich die Kriegführung grundlegend. Langbögen, professionelle Soldaten, Plattenrüstung und frühe Feuerwaffen gewannen an Bedeutung; bei Belagerungen wurden im 14. Jahrhundert bereits schwere Geschütze eingesetzt. Jahrhunderte später kämpften beide Mächte nicht mehr primär um französische Lehen, sondern um Kolonien, Seeherrschaft und die europäische Ordnung. Das symbolische Ende der langen Rivalität bildet 1815 Napoleons endgültige Niederlage im Waterloo-Feldzug.
- Gesamtspanne: etwa 706 Jahre von 1109 bis 1815.
- Bekanntester Teil: Hundertjähriger Krieg 1337–1453.
- Schlüsselereignisse: Crécy, Agincourt, Orléans und Castillon.
- Militärische Entwicklung: Langbogen, Plattenrüstung und frühe Feuerwaffen prägten das Mittelalter.
- Zeitraum im Ranking
- 1109–1815
- Chronologische Spanne
- ca. 706 Jahre
- Konflikttyp
- Serie eigenständiger englisch-französischer beziehungsweise britisch-französischer Kriege
- Berühmtester Einzelkrieg
- Hundertjähriger Krieg, 1337–1453
- Dauer dieses Einzelkriegs
- 116 Jahre
- Schlüsseljahr
- 1415 – Schlacht von Agincourt
- Technischer Wandel
- Langbogen, Plattenpanzerung, Artillerie und frühe Handfeuerwaffen
- Symbolischer Endpunkt
- Napoleonische Kriege und Waterloo 1815
- Quelle
- Royal Armouries – The Hundred Years‘ War
4. Römisch-persische Kriege – 681 Jahre Kampf um den Nahen Osten
Rang: 4 Antiker Großmachtkampf
Kaum eine geopolitische Rivalität der Antike war so dauerhaft wie die zwischen Rom und den iranischen Großreichen. Vom Feldzug des römischen Feldherrn Crassus gegen die Parther im Jahr 54 v. Chr. bis zum Ende des letzten großen römisch-sasanidischen Krieges 628 n. Chr. ergibt sich eine Spanne von rund 681 Jahren. Die Gegner wechselten ihre Namen: Aus der Römischen Republik wurde das Römische Kaiserreich und im Osten schließlich das Byzantinische Reich; auf persischer Seite löste 224 n. Chr. das Sasanidenreich die parthische Arsakidendynastie ab. Die geopolitische Kernfrage blieb erstaunlich ähnlich.
Umkämpft waren vor allem Armenien, Mesopotamien, Syrien und die Handels- und Festungsstädte zwischen Euphrat und Tigris. Beide Großmächte konnten spektakuläre Siege erringen, aber keine Seite beseitigte den Rivalen dauerhaft. 260 geriet mit Kaiser Valerian sogar ein amtierender römischer Kaiser in persische Gefangenschaft. Der letzte Krieg von 602 bis 628 eskalierte besonders stark: Sasanidische Truppen eroberten zeitweise Syrien, Jerusalem und Ägypten und bedrohten Konstantinopel. Kaiser Herakleios schlug jedoch zurück und zwang Persien zum Frieden. Der Sieg erwies sich als Pyrrhussieg. Beide Reiche waren militärisch und finanziell geschwächt; nur wenige Jahre später verloren die Byzantiner große orientalische Provinzen an arabisch-muslimische Armeen, während das Sasanidenreich vollständig unterging. Die 681-jährige Rivalität endete damit kurz vor einer völlig neuen Machtordnung im Nahen Osten.
- Zeitraum: 54 v. Chr. bis 628 n. Chr.
- Spanne: rund 681 Jahre.
- Persische Gegner: zunächst Parther, später Sasaniden.
- Folge des letzten Krieges: beide Großmächte waren vor den arabischen Eroberungen massiv geschwächt.
- Zeitraum
- 54 v. Chr.–628 n. Chr.
- Chronologische Spanne
- 681 Jahre
- Römische Akteure
- Römische Republik, Römisches Reich und Byzantinisches Reich
- Persische Akteure
- Partherreich und Sasanidenreich
- Hauptregionen
- Armenien, Mesopotamien, Syrien und Kaukasus
- Berühmter Zwischenfall
- Gefangennahme Kaiser Valerians durch Schapur I. im Jahr 260
- Letzte große Phase
- Römisch-sasanidischer Krieg 602–628
- Langfristige Folge
- Schwächung beider Reiche unmittelbar vor den frühen islamischen Eroberungen
- Quelle
- The Metropolitan Museum of Art – Historical Chronology
5. Byzantinisch-bulgarische Kriege – rund 675 Jahre Balkanrivalität
Rang: 5 Balkan-Machtkampf
Die byzantinisch-bulgarischen Auseinandersetzungen zeigen besonders gut, warum bei langen Kriegen zwischen Kalenderspanne und tatsächlicher Kampfzeit unterschieden werden muss. In einer häufig verwendeten engeren Zählung reicht die Serie von 680 bis 1355 und damit über rund 675 Jahre. EBSCO fasst die Beziehungen sogar noch weiter und nennt sporadische Auseinandersetzungen zwischen 493 und 1364. Gleichzeitig listet die Quelle die eigentlichen Hauptkriegsphasen deutlich enger: 756–775, 809–814, 894–924, 966–971, 991–1016 und 1185–1202.
Der Konflikt begann, nachdem bulgarische Gruppen südlich der Donau dauerhaft Fuß fassten. Konstantin IV. führte 680/681 Krieg und musste die neue Macht schließlich anerkennen. Besonders dramatisch verlief die Regierungszeit des bulgarischen Khans Krum. 811 vernichtete er im Gebiet des Warbiza-Passes die Armee Kaiser Nikephoros I.; der Kaiser selbst fiel. Unter Zar Simeon I. erreichte Bulgarien im frühen 10. Jahrhundert einen weiteren Höhepunkt und bedrohte Konstantinopel mehrfach. Später drehte Byzanz das Kräfteverhältnis um: Basileios II. zerschlug das Erste Bulgarische Reich, das für etwa 170 Jahre unter byzantinische Kontrolle geriet. Mit dem Zweiten Bulgarischen Reich ab 1185 begann eine neue Konfliktphase. Dass am Ende weder Bulgarien noch Byzanz den historischen Machtkampf „gewann“, ist die Pointe des fünften Platzes: Beide wurden schließlich vom expandierenden Osmanischen Reich überwältigt.
- Ranking-Spanne: 680–1355, etwa 675 Jahre.
- Weiter gefasste Fachchronologie: sporadische Konflikte 493–1364.
- Große Friedensphase: nach 814 nahezu das gesamte restliche 9. Jahrhundert.
- Byzantinische Herrschaft über Bulgarien: rund 170 Jahre nach der Eroberung im 11. Jahrhundert.
- Zeitraum im Ranking
- 680–1355
- Chronologische Spanne
- ca. 675 Jahre
- Alternative Fachdatierung
- sporadisch 493–1364
- Hauptkriegsphasen laut EBSCO
- 756–775, 809–814, 894–924, 966–971, 991–1016 und 1185–1202
- Schlüsselereignis
- Tod Kaiser Nikephoros I. im Feldzug gegen Khan Krum 811
- Byzantinischer Höhepunkt
- Eroberung Bulgariens unter Basileios II.
- Dauer byzantinischer Kontrolle
- etwa 170 Jahre
- Endphase
- beide Mächte geraten im Spätmittelalter unter osmanischen Druck
- Quelle
- EBSCO Research – Bulgarian-Byzantine Wars
6. Arabisch-byzantinische Kriege – rund 421 Jahre
Rang: 6 Kampf um Konstantinopel
Von den ersten militärischen Zusammenstößen um 629 bis etwa 1050 erstreckten sich die arabisch-byzantinischen Kriege über rund 421 Jahre. Hier traf das bereits jahrhundertealte Oströmische beziehungsweise Byzantinische Reich auf eine neue politische und religiöse Macht. Innerhalb weniger Jahrzehnte verloren die Byzantiner große Teile ihrer seit römischer Zeit beherrschten orientalischen Provinzen: Syrien, Palästina und Ägypten gingen an arabisch-muslimische Armeen verloren. Princeton bezeichnet Byzanz entsprechend als den ersten und hartnäckigsten großen Gegner der frühen islamischen Staaten.
Die entscheidende Besonderheit dieses Konflikts war seine geografische Dimension. Nach den raschen Landverlusten verlagerte sich der Krieg zunehmend an befestigte Grenzen in Anatolien und auf das Mittelmeer. Konstantinopel selbst wurde zum strategischen Hauptziel. Arabische Angriffe beziehungsweise Belagerungsphasen in den Jahren 674–678 und 717–718 scheiterten; insbesondere der zweite Angriff gilt als entscheidend für das Fortbestehen des Byzantinischen Reiches. Im späteren Verlauf stabilisierte sich die Grenze im Taurusgebirge. Jahrzehntelang gehörten saisonale Überfälle fast zum militärischen Alltag, bis Byzanz im 10. Jahrhundert unter der makedonischen Dynastie wieder offensiver wurde. Kreta wurde 961 zurückerobert, weitere Gebiete in Nordsyrien folgten. Im Vergleich zu den fünf längeren Konfliktserien war die Spanne mit rund vier Jahrhunderten deutlich kürzer – historisch veränderte sie den Mittelmeerraum aber mindestens ebenso tiefgreifend.
- Zeitraum: ungefähr 629 bis in die 1050er-Jahre.
- Spanne: rund 421 Jahre.
- Frühe Verluste Byzanz‘: Syrien, Palästina, Ägypten und große Teile Nordafrikas.
- Schlüsselereignis: Scheitern des großen Angriffs auf Konstantinopel 717–718.
- Zeitraum
- 629–ca. 1050
- Chronologische Spanne
- ca. 421 Jahre
- Hauptgegner
- Byzantinisches Reich und wechselnde islamische Kalifate beziehungsweise Emirate
- Schauplätze
- Levant, Ägypten, Nordafrika, Anatolien und Mittelmeer
- Angriffe auf Konstantinopel
- unter anderem 674–678 und 717–718
- Grenzzone
- lange Zeit Taurusgebirge und östliches Anatolien
- Byzantinische Gegenoffensive
- besonders im 10. Jahrhundert
- Rückeroberung Kretas
- 961
- Quelle
- Princeton University – Arab-Byzantine Relations in Early Islamic Times
7. Die Yaqui-Kriege – 396 Jahre Widerstand
Rang: 7 Indigener Widerstand
Die Yaqui-Kriege unterscheiden sich grundlegend von den vorangegangenen Großmachtkonflikten. Hier stand kein Imperium einem ähnlich großen Rivalen gegenüber. Vielmehr verteidigten die Yaqui im heutigen mexikanischen Bundesstaat Sonora über Generationen ihr Siedlungsgebiet und ihre politische Autonomie gegen spanische und später mexikanische Herrschaft. Die weit gefasste Konfliktchronologie reicht von ersten spanischen Vorstößen 1533 bis zu den letzten militärischen Operationen 1929 – eine Spanne von rund 396 Jahren.
Auch diese fast vier Jahrhunderte waren keineswegs permanente Kriegszeit. Eine detaillierte historische Zusammenstellung verweist auf eine Regierungsstudie von 1905, die zwischen 1529 und 1902 insgesamt 270 Fälle von Yaqui- oder Mayo-Kriegshandlungen registrierte – zugleich aber 85 Jahre relativen Friedens zwischen 1740 und 1825 ausnahm. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eskalierte die staatliche Repression erheblich. Yaqui wurden deportiert und unter anderem auf Plantagen im Süden Mexikos eingesetzt. Noch 1926/27 musste die mexikanische Armee einen größeren Aufstand bekämpfen. Im Oktober 1927 kapitulierten wichtige Yaqui-Führer; kleinere Kampfhandlungen dauerten bis 1929 an und wurden teilweise mit Flugzeugen bekämpft. Der Konflikt ist deshalb nicht nur wegen seiner Dauer bemerkenswert. Er zeigt, wie koloniale Landnahme, indigene Selbstbestimmung, wirtschaftliche Interessen und staatliche Zwangspolitik über Jahrhunderte dieselbe Region destabilisieren konnten.
- Zeitraum: 1533–1929.
- Spanne: etwa 396 Jahre.
- Dokumentierte Konfliktereignisse: 270 Yaqui- oder Mayo-Kriegshandlungen zwischen 1529 und 1902 laut einer historischen Regierungsstudie.
- Relativer Frieden: etwa 85 Jahre zwischen 1740 und 1825.
- Zeitraum
- 1533–1929
- Chronologische Spanne
- 396 Jahre
- Region
- Sonora in Mexiko sowie angrenzende Gebiete
- Hauptgegner
- Yaqui gegen spanische Kolonialmacht und später mexikanische Regierungen
- Dokumentierte Kriegsfälle
- 270 Yaqui- oder Mayo-Konflikte zwischen 1529 und 1902
- Relative Friedensphase
- etwa 1740–1825
- Große Endphase
- Aufstand 1926/27
- Letzte kleinere Kämpfe
- bis 1929
- Quelle
- Indigenous Mexico – The Enduring Legacy of the Yaquis
8. Marokkanisch-portugiesische Konflikte – 354 Jahre
Rang: 8 Frühe Kolonialexpansion
1415 eroberte Portugal die nordafrikanische Hafenstadt Ceuta. 1769 wurde mit Mazagan, dem heutigen El Jadida, der letzte portugiesische Stützpunkt in Marokko aufgegeben. Dazwischen liegen 354 Jahre – und damit Platz 8 dieses Rankings. Die Universität Bologna beschreibt genau diese außergewöhnliche Spanne: Ceuta war Portugals erste Stadt im Maghreb, Mazagan die letzte, die aufgegeben wurde. Aus der Eroberung Ceutas entwickelte sich zugleich ein Schlüsselmoment der portugiesischen Expansion außerhalb Europas.
Portugal errichtete entlang der marokkanischen Küste eine Reihe befestigter Stützpunkte. Dazu zählten zeitweise Tanger, Arzila, Safi, Azamor und Mazagan. Doch die Präsenz war nie unangefochten. Unterschiedliche marokkanische Dynastien versuchten, die portugiesischen Plätze zurückzuerobern, während Portugal seine Interessen zunehmend auf Atlantikinseln, Westafrika, Indien und Brasilien verlagerte. Der spektakulärste Zusammenstoß fand 1578 bei Alcácer Quibir statt. König Sebastian von Portugal fiel in der Schlacht; sein Tod ohne direkten Erben trug zur dynastischen Krise bei, die 1580 in die Personalunion Portugals mit der spanischen Krone mündete. Im 18. Jahrhundert war von der einstigen Kette portugiesischer Besitzungen kaum etwas übrig. Die Aufgabe Mazagans 1769 beendete eine mehr als dreieinhalb Jahrhunderte umfassende Phase militärischer Konkurrenz an der marokkanischen Atlantikküste.
- Zeitraum: 1415–1769.
- Spanne: 354 Jahre.
- Beginn: portugiesische Eroberung Ceutas 1415.
- Ende: Aufgabe Mazagans 1769.
- Zeitraum
- 1415–1769
- Chronologische Spanne
- 354 Jahre
- Region
- marokkanische Atlantik- und Mittelmeerküste
- Erster Stützpunkt
- Ceuta, erobert 1415
- Letzter Stützpunkt
- Mazagan / El Jadida, aufgegeben 1769
- Weitere portugiesische Plätze
- unter anderem Tanger, Arzila, Safi und Azamor
- Schlüsselereignis
- Schlacht von Alcácer Quibir 1578
- Historische Bedeutung
- frühe Phase der portugiesischen Expansion außerhalb Europas
- Quelle
- Universität Bologna – The Cistern of the Portuguese Fortress of Mazagan
9. Russisch-osmanische Kriege – 350 Jahre Machtkampf
Rang: 9 Zwölf Kriege
Die Rivalität zwischen Russland und dem Osmanischen Reich prägte den Schwarzmeerraum über Jahrhunderte. Die übliche Konfliktserie beginnt mit dem Krieg von 1568 bis 1570 um Astrachan und reicht bis zu den Kämpfen des Ersten Weltkriegs 1918. Damit ergibt sich eine chronologische Spanne von rund 350 Jahren. Innerhalb dieses Rahmens lagen jedoch zahlreiche Friedensperioden; die beiden Mächte führten eine ganze Folge eigenständiger Kriege mit unterschiedlichen Ursachen und Bündnissystemen.
Am Anfang stand Russlands Expansion an die Wolga. Nachdem Ivan IV. Kasan und Astrachan erobert hatte, versuchten die Osmanen ihren Einfluss im Gebiet des Kaspischen und Schwarzen Meeres zu sichern. Im 18. Jahrhundert verlagerte sich das Kräfteverhältnis immer stärker zugunsten Russlands. Unter Katharina II. führte der Krieg von 1768 bis 1774 zu schweren osmanischen Niederlagen; wenig später annektierte Russland die Krim. Im 19. Jahrhundert wurde die sogenannte Orientalische Frage zu einem europäischen Machtproblem. Der Krimkrieg von 1853 bis 1856 war dabei eine Ausnahme vom langfristigen Trend: Großbritannien und Frankreich unterstützten das Osmanische Reich und zwangen Russland zum Rückzug. Doch weitere Kriege folgten. 1877/78 drangen russische Truppen bis nahe Konstantinopel vor. Erst der Zusammenbruch sowohl des Zarenreiches als auch des Osmanischen Reiches während und nach dem Ersten Weltkrieg beendete die jahrhundertelange Rivalität endgültig.
- Zeitraum: 1568–1918.
- Spanne: rund 350 Jahre.
- Erster Krieg: 1568–1570 um Astrachan.
- Schlüsselregionen: Schwarzes Meer, Balkan, Kaukasus und Donaugebiet.
- Zeitraum
- 1568–1918
- Chronologische Spanne
- 350 Jahre
- Konflikttyp
- Serie zahlreicher eigenständiger russisch-osmanischer Kriege
- Erste Kriegsphase
- 1568–1570
- Frühes Hauptziel
- Astrachan und Zugang zum Wolga-Kaspischen Raum
- Schlüsselkrieg
- 1768–1774 mit starkem russischem Machtgewinn
- Berühmte Ausnahme
- Krimkrieg 1853–1856 mit britisch-französischer Unterstützung der Osmanen
- Endpunkt
- Erster Weltkrieg und Zusammenbruch beider Kaiserreiche
- Quelle
- School History – Russo-Turkish Wars
10. Spanisch-morische Kriege auf den Philippinen – 333 Jahre
Rang: 10 Kolonialkonflikt
Als Spanien ab 1565 dauerhaft auf den Philippinen Fuß fasste, traf die Kolonialmacht im Süden des Archipels auf bereits etablierte muslimische Herrschaften. Besonders die Sultanate von Sulu und Maguindanao widersetzten sich spanischen Versuchen, politischen Einfluss, Tributpflicht und christliche Mission auszudehnen. Bis zum Ende der spanischen Kolonialherrschaft 1898 erstreckte sich diese Konfliktgeschichte über rund 333 Jahre – genug für Rang 10.
Die Bezeichnung „Moro“ stammte aus dem spanischen Sprachgebrauch und übertrug eine aus der iberischen Geschichte bekannte Bezeichnung für Muslime auf Südostasien. Genau darin liegt eine bemerkenswerte historische Verbindung zum ersten Platz dieses Rankings: Forschung zur spanischen Kolonialgeschichte zeigt, dass Erfahrungen und Vorstellungen aus der Reconquista die Wahrnehmung muslimischer Gesellschaften auf den Philippinen mitprägten. Dennoch waren die Verhältnisse völlig anders. Spanien kontrollierte große Teile Mindanaos und des Sulu-Archipels lange nur begrenzt. Küstenüberfälle, spanische Strafexpeditionen, Festungsbau und wechselnde Verträge bestimmten die Beziehungen. Im 19. Jahrhundert intensivierte Madrid seine militärischen Kampagnen und besetzte 1876 Jolo. Vollständig beenden konnte Spanien den Widerstand jedoch nicht. 1898 verlor es die Philippinen nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg an die Vereinigten Staaten – und die bewaffnete Auseinandersetzung im muslimisch geprägten Süden setzte sich unter einer neuen Kolonialmacht fort.
- Zeitraum: 1565–1898.
- Spanne: etwa 333 Jahre.
- Wichtige Gegner Spaniens: Sultanate von Sulu und Maguindanao sowie weitere muslimische Gruppen.
- Ende der spanischen Phase: Spanisch-Amerikanischer Krieg 1898.
- Zeitraum
- 1565–1898
- Chronologische Spanne
- 333 Jahre
- Region
- Mindanao, Sulu und angrenzende Inselräume
- Kolonialmacht
- Spanisches Weltreich
- Wichtige muslimische Staaten
- Sultanat Sulu und Sultanat Maguindanao
- Spanische Dauerpräsenz
- ab 1565
- Besetzung Jolos
- 1876
- Ende der spanischen Herrschaft
- 1898
- Quelle
- Boston College – Jesuit Online Bibliography: Moros and the Making of the Philippines
Warum ein 700-jähriger Krieg nicht 700 Jahre Kampf bedeutet
Die größten Zahlen dieses Rankings entstehen, weil Historiker wiederkehrende Konflikte zwischen denselben politischen Räumen unter gemeinsamen Begriffen zusammenfassen. Genau deshalb sind etwa die 706 Jahre der englisch-französischen Kriege nicht mit den 116 Jahren des Hundertjährigen Krieges gleichzusetzen. Selbst dieser bestand bereits aus mehreren Kriegsphasen und langen Waffenruhen. Bei den byzantinisch-bulgarischen Kriegen dokumentieren historische Chronologien sogar ausdrücklich jahrzehntelange Friedensperioden.
Trotzdem ist die Gesamtspanne historisch aufschlussreich. Sie zeigt, welche geopolitischen Gegensätze mehrere Generationen oder sogar völlig unterschiedliche Herrschaftssysteme überdauerten. Rom kämpfte zunächst gegen Parther und später gegen Sasaniden; aus Rom wurde im Osten Byzanz. England entwickelte sich zu Großbritannien, während die Rivalität mit Frankreich vom Streit um Lehen zum Kampf um Kolonial- und Seemacht wurde. Bei den Yaqui wiederum wechselte der Gegner von der spanischen Kolonialmacht zur mexikanischen Republik. Die längsten Kriege der Geschichte waren deshalb häufig weniger ein einzelner Krieg als ein immer wieder aufflammendes strukturelles Problem.
Welche Einzelkriege waren wirklich besonders lang?
Wer ausschließlich klar abgegrenzte Einzelkriege betrachtet, erhält eine deutlich andere Rangliste. Der Hundertjährige Krieg von 1337 bis 1453 kommt auf 116 Kalenderjahre, obwohl auch er durch Waffenruhen unterbrochen war. Viele andere berühmte Kriege waren wesentlich kürzer: Der Dreißigjährige Krieg dauerte von 1618 bis 1648 tatsächlich ziemlich genau drei Jahrzehnte, während die beiden Weltkriege zusammen weniger als zwölf Jahre aktiver Kampfzeit umfassten. Die spektakulären Werte von 300 bis fast 800 Jahren entstehen hauptsächlich bei übergeordneten Konfliktserien.
FAQ: Die längsten Kriege aller Zeiten
Was war der längste Krieg aller Zeiten?
In einer weit gefassten historischen Betrachtung erreicht die Reconquista von 711 bis 1492 mit 781 Jahren die längste Konfliktspanne. Beginnt man erst mit der traditionell um 718 beziehungsweise 722 angesetzten Schlacht von Covadonga, sind es ungefähr 770 Jahre.
Wurde bei der Reconquista wirklich 781 Jahre ununterbrochen gekämpft?
Nein. Die Reconquista bestand aus zahlreichen regionalen Kriegen, Feldzügen, Bündnissen und langen Friedensphasen. Zudem wechselten die beteiligten christlichen und muslimischen Staaten mehrfach.
Warum dauerte der Hundertjährige Krieg 116 Jahre?
Der Hundertjährige Krieg wird von 1337 bis 1453 datiert und umfasst damit 116 Kalenderjahre. Auch hier wurde nicht ununterbrochen gekämpft: Der Konflikt bestand aus mehreren Kriegsphasen, Waffenruhen, Belagerungen und Feldzügen.
Welcher lange Krieg dauerte tatsächlich ohne größere Unterbrechungen?
Jahrhunderte lange Konflikte waren praktisch nie kontinuierliche Kriege. Je strenger man „Krieg“ als zusammenhängende Phase aktiver Feindseligkeiten definiert, desto kürzer werden die Rekordhalter. Deshalb unterscheidet dieser Artikel ausdrücklich zwischen Konfliktspanne und tatsächlicher Kampfzeit.
Welche Regionen tauchen besonders häufig in langen Kriegsserien auf?
Europa, der Mittelmeerraum und der Nahe Osten dominieren die oberen Plätze. Das liegt auch an der außergewöhnlich langen und detaillierten schriftlichen Überlieferung römischer, byzantinischer, europäischer und islamischer Staaten. Mit den Yaqui-Kriegen und den Moro-Kriegen sind aber auch langjährige koloniale Konflikte in Amerika und Südostasien vertreten.







