Mehr als 3.000 Kilometer zu Fuß: Die längsten Pilgerwege der Welt verbinden nicht nur Heiligtümer, sondern ganze Länder, Klimazonen und Kulturräume. Wer eine dieser Routen vollständig bewältigt, ist oft mehrere Monate unterwegs. Mittelalterliche Handelsstraßen, Bergpässe, Tempelpfade und moderne Fernwanderwege werden dabei zu einer einzigen spirituellen Reise.
Dieses Ranking ordnet zehn klar benannte Pilgerrouten nach ihrer dokumentierten Gesamtlänge. Berücksichtigt wurden religiös oder spirituell geprägte Wege mit historischem Ziel, nachvollziehbarem Verlauf und öffentlich zugänglichen Etappeninformationen. Bei Routennetzen zählt nicht die Summe aller Nebenwege, sondern die längste etablierte Hauptverbindung. Wo ein historischer Korridor heute nicht lückenlos markiert oder sicher begehbar ist, wird dies ausdrücklich erläutert. Entfernungen schwanken je nach Variante, Umleitung und Startpunkt; die Werte sind deshalb auf sinnvolle Größenordnungen gerundet. Reine Fernwanderwege ohne Pilgertradition, motorisierte Wallfahrtsrouten und beliebig verlängerbare Zubringer wurden ausgeschlossen. Datenstand ist Juli 2026.
So wurde gewertet
Entscheidend ist die Länge einer benannten, durchgehenden Hauptroute vom anerkannten Ausgangspunkt bis zum religiösen Ziel. Offizielle Verbands- und Betreiberangaben haben Vorrang. Weichen Quellen voneinander ab, wird ein gerundeter Wert verwendet und die Ursache erläutert. Internationale Routen erhielten keinen Bonus allein für die Zahl der durchquerten Länder. Bei verbundenen historischen Wegen, etwa von Le Puy-en-Velay über den Camino Francés nach Santiago, wurde nur dann addiert, wenn Pilger die Abschnitte als fortlaufende Reise begehen können. Sicherheitslage, Wegmarkierung und Infrastruktur beeinflussen nicht die Rangposition, werden aber bei jedem Eintrag eingeordnet.
Übersicht
| Rang | Pilgerweg | Länge | Start | Ziel | Länder | Typische Gehzeit | Religion/Tradition |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Via Francigena | über 3.000 km, Gesamtroute ca. 3.200 km | Canterbury | Santa Maria di Leuca über Rom | 5 | ca. 4–6 Monate | Christlich |
| 2 | Via Romea Germanica | ca. 2.200 km | Stade | Rom | 3 | ca. 3–4 Monate | Christlich |
| 3 | Abraham Path | über 2.000 km entwickelt | Regionale Abschnitte im Nahen Osten | Historische Abraham-Orte | Mehrere | Nur abschnittsweise planbar | Jüdisch, christlich und islamisch geprägt |
| 4 | Le Puy–Santiago | ca. 1.550–1.570 km | Le Puy-en-Velay | Santiago de Compostela | 2 | ca. 65–80 Tage | Christlich |
| 5 | Shikoku-Pilgerweg | ca. 1.150–1.200 km | Ryōzen-ji | 88 Tempel, Rundweg | 1 | ca. 40–60 Tage | Buddhistisch |
| 6 | Vía de la Plata | ca. 1.000 km | Sevilla | Santiago de Compostela | 1 | ca. 40–50 Tage | Christlich |
| 7 | Camino del Norte | ca. 803 km | Irún | Santiago de Compostela | 1 | ca. 35–45 Tage | Christlich |
| 8 | Camino Francés | ca. 780–800 km | Saint-Jean-Pied-de-Port | Santiago de Compostela | 2 | ca. 30–40 Tage | Christlich |
| 9 | Camino Ignaciano | über 650 km | Loyola | Manresa | 1 | ca. 27–35 Tage | Christlich, ignatianisch |
| 10 | Gudbrandsdalsleden | 643 km | Oslo | Trondheim | 1 | ca. 30–40 Tage | Christlich, St.-Olav-Tradition |
Längenangaben sind bei Pilgerwegen nie vollkommen statisch: Hochwasser, Straßenbau, neue Markierungen und alternative Etappen verändern den tatsächlich gegangenen Weg. Besonders große Unterschiede entstehen, wenn ein Name sowohl eine historische Route als auch ein modernes Routennetz bezeichnet. Die Tabelle verwendet die jeweils etablierte Hauptstrecke.
Via Francigena: mehr als 3.000 Kilometer bis an Italiens Stiefelabsatz
Rang: 1 längste Gesamtroute
Die Via Francigena führt das Ranking mit einer heutigen Gesamtlänge von ungefähr 3.200 Kilometern an. Ihr nördlicher Ausgangspunkt liegt im englischen Canterbury. Von dort führt sie über den Ärmelkanal durch Frankreich und die Schweiz nach Rom. Die moderne südliche Fortsetzung folgt anschließend der Via Francigena del Sud bis Santa Maria di Leuca an der äußersten Spitze Apuliens. Wer die vollständige Verbindung geht, durchquert England, Frankreich, die Schweiz, den Vatikan und Italien.
Historische Grundlage ist unter anderem das Reisetagebuch des Erzbischofs Sigerich von Canterbury, der seine Rückreise von Rom um das Jahr 990 in 79 Aufenthaltsorten dokumentierte. Der heutige Weg folgt nicht exakt jedem mittelalterlichen Straßenstück, rekonstruiert aber den europäischen Pilgerkorridor. Landschaftlich reicht die Reise von den Kreideküsten Südenglands über französische Agrarregionen, den Jura, den Großen Sankt Bernhard, die Toskana und den Apennin bis zu den Olivenlandschaften Süditaliens. Die Passage über den Alpenpass ist saisonabhängig und im Winter nicht regulär begehbar. Rang eins entsteht durch die offizielle Verlängerung über Rom hinaus. Der klassische Abschnitt Canterbury–Rom ist mit ungefähr 2.200 Kilometern deutlich kürzer als die vollständige Route bis Leuca.
- Die Strecke Canterbury–Rom umfasst ungefähr 2.200 Kilometer und mehr als 100 offizielle Etappen.
- Mit der südlichen Fortsetzung wächst das Routensystem auf rund 3.200 Kilometer.
- Der Große Sankt Bernhard erreicht eine Höhe von fast 2.500 Metern.
- Rom ist historisches Hauptziel, heute aber zugleich Zwischenstation der Gesamtroute.
- Gesamtlänge
- Mehr als 3.000 km, in der vollständigen Nord-Süd-Verbindung ungefähr 3.200 km
- Historische Hauptroute
- Canterbury–Rom, ca. 2.200 km
- Länder
- Vereinigtes Königreich, Frankreich, Schweiz, Vatikanstadt und Italien
- Höchster Abschnitt
- Großer Sankt Bernhard, knapp 2.500 m
- Wichtigste Ziele
- Petersdom in Rom und Santa Maria de Finibus Terrae in Leuca
- Besonderheit
- Verbindet Nordwesteuropa mit Rom und dem historischen Einschiffungspunkt Richtung Jerusalem
- Quelle
- European Association of the Via Francigena Ways
Via Romea Germanica: 2.200 Kilometer von Norddeutschland nach Rom
Rang: 2 mittelalterlich
Die Via Romea Germanica belegt mit ungefähr 2.200 Kilometern Rang zwei. Sie beginnt in Stade an der Elbe, durchquert Deutschland von Nord nach Süd, passiert Österreich und erreicht über den Brenner Italien. Nach rund 94 offiziellen Etappen endet sie am Petersdom in Rom. Ihre historische Grundlage ist die Reise des Abtes Albert von Stade, der im 13. Jahrhundert nach Rom pilgerte und den Verlauf in seinen Annalen beschrieb.
Der Weg verbindet sehr unterschiedliche Landschaften: norddeutsche Ebenen, die Lüneburger Heide, Thüringer Kulturlandschaften, fränkische Städte, das Alpenvorland, den Brennerpass, die Poebene, den Apennin und das Tibertal. Anders als bei stärker touristisch erschlossenen Jakobswegen ist die Infrastruktur regional ungleichmäßig. Manche Abschnitte verfügen über Pilgerherbergen und dichte Markierungen, andere verlangen genaue Kartenarbeit und längere Tagesetappen. Der Brenner ist niedriger als viele andere Alpenübergänge, bleibt bei Schnee und Eis aber eine ernsthafte Barriere. Rang eins verpasst die Via Romea Germanica, weil die erweiterte Via Francigena rund 1.000 Kilometer länger ist. Historisch besitzt sie dennoch besondere Bedeutung: Sie war einer der wichtigsten Wege für Pilger aus Nordeuropa, die zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus nach Rom reisten.
- Die moderne Hauptroute ist in rund 94 Etappen gegliedert.
- Sie überquert die Alpen am Brennerpass auf etwa 1.370 Metern Höhe.
- Der historische Bericht Alberts von Stade stammt aus dem 13. Jahrhundert.
- Ab Montefiascone teilt sie Teile ihres Verlaufs mit der Via Francigena.
- Länge
- Ca. 2.200 km
- Start
- Stade in Niedersachsen
- Ziel
- Petersdom in Rom
- Länder
- Deutschland, Österreich und Italien
- Etappen
- Rund 94 offizielle Abschnitte
- Historische Grundlage
- Romreise des Abtes Albert von Stade im Jahr 1236
- Quelle
- Visit Tuscany
Abraham Path: mehr als 2.000 Kilometer auf den Spuren Abrahams
Rang: 3 interreligiös
Der Abraham Path erreicht Rang drei. Seit den 2000er-Jahren wurden entlang historischer Kultur- und Pilgerlandschaften im Nahen Osten mehr als 2.000 Kilometer an Wanderabschnitten entwickelt. Die Route orientiert sich symbolisch an den Reisen Abrahams, der in Judentum, Christentum und Islam als bedeutende Glaubensfigur gilt. Anders als Via Francigena oder Camino Francés ist der Abraham Path keine einzelne, durchgehend markierte Linie mit konstant begehbarer Infrastruktur.
Das Routenkonzept verbindet lokale Wege und Gemeinden in Regionen, die traditionell mit Abraham und seiner Familie verbunden werden. Dazu gehören unter anderem Abschnitte in der heutigen Türkei, Jordanien und Palästina. Ziel des Projekts war von Beginn an nicht nur religiöse Erinnerung, sondern auch kultureller Austausch und lokaler Wandertourismus. Gäste übernachten in Dörfern, essen bei Familien oder nutzen kleine lokale Unterkünfte. Die politische und sicherheitliche Lage verändert jedoch die praktische Begehbarkeit. Grenzübergänge, Reisewarnungen und militärische Konflikte können Verbindungen auf unbestimmte Zeit unterbrechen. Der dritte Rang bezieht sich deshalb auf die entwickelte Gesamtlänge des Weges, nicht auf eine aktuell ohne Unterbrechung mögliche Durchwanderung. Vor jeder Reise müssen offizielle Sicherheitshinweise und die Lage im jeweiligen Land geprüft werden.
- Das Projekt hat innerhalb von rund 18 Jahren mehr als 2.000 Kilometer lokaler Routen entwickelt.
- Abraham verbindet die Traditionen von Judentum, Christentum und Islam.
- Der Weg ist als kulturelles Netzwerk und nicht als einheitlicher Fernwanderweg angelegt.
- Lokale Gastgeber und Gemeinden sind ein zentraler Bestandteil des Konzepts.
- Entwickelte Länge
- Mehr als 2.000 km
- Geografischer Raum
- Naher Osten mit mehreren regionalen Teilwegen
- Religiöse Tradition
- Jüdisch, christlich und islamisch geprägt
- Wegtyp
- Netzwerk kultureller und historischer Wanderabschnitte
- Aktuelle Einschränkung
- Nicht durchgehend begehbar; Sicherheits- und Grenzlage regional wechselnd
- Besonderheit
- Interreligiöses Projekt mit Schwerpunkt auf Begegnung und lokaler Entwicklung
- Quelle
- Abraham Path Initiative
Von Le Puy-en-Velay nach Santiago: rund 1.560 Kilometer Jakobsweg
Rang: 4 europäischer Klassiker
Die durchgehende Pilgerreise von Le Puy-en-Velay nach Santiago de Compostela erreicht ungefähr 1.550 bis 1.570 Kilometer. Sie verbindet die französische Via Podiensis mit dem spanischen Camino Francés. Der französische Abschnitt führt über etwa 736 bis 764 Kilometer nach Saint-Jean-Pied-de-Port am Fuß der Pyrenäen. Dort beginnt der rund 780 bis 800 Kilometer lange spanische Hauptweg nach Santiago.
Die Reise startet an der Kathedrale Notre-Dame du Puy, einem der traditionsreichsten französischen Ausgangspunkte des Jakobswegs. Durch das Zentralmassiv, das Aubrac-Hochland, das Lot-Tal und die Gascogne erreicht der Weg die Pyrenäen. Danach folgen Navarra, die Weinlandschaften der Rioja, die kastilische Meseta und das grüne Galicien. Der Übergang von Frankreich nach Spanien führt häufig über den Col de Lepoeder und ist bei Sturm, Schnee oder Nebel anspruchsvoll. Rang vier entsteht aus der Addition zweier historisch miteinander verbundener, klar markierter Wege. Im Gegensatz zum Abraham Path ist die Strecke weitgehend durchgehend begehbar und besitzt ein dichtes Netz aus Unterkünften. Wer täglich durchschnittlich 22 Kilometer geht, benötigt ohne Ruhetage rund zehn Wochen. Viele Pilger teilen die Route deshalb auf mehrere Jahre auf.
- Die Via Podiensis ist einer der vier großen historischen Jakobswege Frankreichs.
- In Saint-Jean-Pied-de-Port geht sie praktisch in den Camino Francés über.
- Der gesamte Weg umfasst Mittelgebirge, Hochflächen, Weinregionen und Atlantikklima.
- Der französische Abschnitt ist stellenweise ruhiger und teurer als der spanische Camino.
- Gesamtlänge
- Je nach Varianten ungefähr 1.550 bis 1.570 km
- Französischer Abschnitt
- Via Podiensis, rund 736 bis 764 km
- Spanischer Abschnitt
- Camino Francés, rund 780 bis 800 km
- Start
- Kathedrale von Le Puy-en-Velay
- Ziel
- Kathedrale von Santiago de Compostela
- Typische Dauer
- Etwa 65 bis 80 Wandertage
- Quelle
- CaminoWays
Shikoku-Pilgerweg: 88 Tempel auf rund 1.200 Kilometern
Rang: 5 buddhistischer Rundweg
Der Shikoku-Pilgerweg in Japan belegt mit ungefähr 1.150 bis 1.200 Kilometern Rang fünf. Er verbindet 88 buddhistische Haupttempel auf der Insel Shikoku und wird mit dem Mönch Kūkai verbunden, der nach seinem Tod als Kōbō Daishi verehrt wurde. Im Unterschied zu den europäischen Wegen ist Shikoku ein Rundkurs. Viele Pilger beginnen am Tempel Ryōzen-ji und kehren nach dem 88. Tempel Ōkubo-ji zum Ausgangspunkt zurück.
Die Route ist traditionell in vier spirituelle Provinzen gegliedert: Erwachen in Tokushima, Askese in Kōchi, Erleuchtung in Ehime und Nirwana in Kagawa. Die Landschaft reicht von Städten und Küstenstraßen bis zu steilen Bergpfaden. Einige Tempel liegen nur wenige Kilometer auseinander, andere erfordern lange Tagesetappen. Der Weg ist nicht überall ein abgeschiedener Wanderpfad; beträchtliche Abschnitte verlaufen auf Asphalt und entlang befahrener Straßen. Weißes Pilgergewand, Strohhut, Pilgerstab und Tempelbuch prägen das sichtbare Ritual. An jedem Tempel können Gebete gesprochen, Sutren rezitiert und Stempel gesammelt werden. Rang vier verpasst Shikoku deutlich, ist aber der längste geschlossene Tempelpilgerweg dieser Auswahl. Für eine vollständige Fußpilgerreise werden meist sechs bis acht Wochen eingeplant.
- Der Rundweg verbindet 88 Haupttempel und zahlreiche zusätzliche Kultstätten.
- Die Tradition wird mit dem buddhistischen Mönch Kūkai verbunden.
- Ein großer Teil der Pilger nutzt Bus, Auto oder Fahrrad; die Fußpilger heißen Aruki Henro.
- Die Gastfreundschaft gegenüber Pilgern wird als Osettai bezeichnet.
- Länge
- Je nach Variante ungefähr 1.150 bis 1.200 km
- Tempel
- 88 Haupttempel
- Region
- Insel Shikoku, Japan
- Wegform
- Rundpilgerweg
- Typische Gehzeit
- Etwa 40 bis 60 Tage
- Besonderheit
- Verbindet Landschaftswanderung mit wiederkehrenden Tempelritualen
- Quelle
- Shikoku 88 Japan
Vía de la Plata: rund 1.000 Kilometer durch Westspanien
Rang: 6 längster spanischer Camino
Die Vía de la Plata erreicht mit ungefähr 1.000 Kilometern Rang sechs und gilt als längste etablierte Jakobsroute innerhalb Spaniens. Sie beginnt in Sevilla und führt nordwärts durch Andalusien, Extremadura und Kastilien-León. Bei Granja de Moreruela zweigen viele Pilger auf den Camino Sanabrés ab, der über Ourense nach Santiago de Compostela führt. Eine andere historische Variante erreicht zunächst Astorga und trifft dort auf den Camino Francés.
Der Name wird häufig mit römischem Silberhandel verbunden, leitet sich wahrscheinlich aber von einem Begriff für einen befestigten Weg ab. Die Route folgt teilweise antiken Straßenkorridoren und passiert bedeutende Römerstädte wie Mérida und Cáparra. Ihre größte Schwierigkeit ist weniger das Gebirge als die Distanz zwischen Versorgungsorten. In Andalusien und Extremadura können Hitze, fehlender Schatten und lange Etappen den Weg erheblich erschweren. Im Frühjahr blühen Weiden und Dehesas, während sommerliche Temperaturen regelmäßig extreme Werte erreichen. Gegenüber dem Shikoku-Weg fehlen rund 150 bis 200 Kilometer. Dafür besitzt die Vía de la Plata ein klares lineares Ziel und eine jahrhundertealte Verbindung zum Jakobusgrab. Mit rund sechs bis acht Wochen Gehzeit ist sie deutlich einsamer als der Camino Francés.
- Die Route folgt abschnittsweise dem Korridor einer bedeutenden römischen Nord-Süd-Straße.
- Mérida besitzt einige der wichtigsten römischen Monumente Spaniens.
- Der Camino Sanabrés ist die direkte nordwestliche Fortsetzung nach Santiago.
- Hitze und große Abstände zwischen Orten erfordern sorgfältige Wasserplanung.
- Länge
- Ungefähr 1.000 km bis Santiago
- Start
- Sevilla
- Ziel
- Santiago de Compostela
- Regionen
- Andalusien, Extremadura, Kastilien-León und Galicien
- Typische Dauer
- Etwa 40 bis 50 Tage
- Beste Reisezeit
- Frühjahr und Herbst; Hochsommer häufig extrem heiß
- Quelle
- CaminoWays
Camino del Norte: 803 Kilometer entlang der spanischen Atlantikküste
Rang: 7 Küstenweg
Der Camino del Norte belegt mit etwa 803 Kilometern Rang sieben. Er beginnt in Irún an der französisch-spanischen Grenze und folgt der Nordküste durch das Baskenland, Kantabrien und Asturien, bevor er nach Galicien ins Landesinnere abbiegt. Der Weg entstand teilweise als nördliche Alternative, als große Teile der Iberischen Halbinsel noch unter muslimischer Herrschaft standen.
Die Atlantiklandschaft macht ihn zu einem der spektakulärsten Jakobswege: Steilküsten, Strände, Fischerdörfer, grüne Hügel und Hafenstädte wechseln sich ab. Die Nähe zum Meer bedeutet jedoch nicht, dass die Strecke flach ist. Zahlreiche kurze Anstiege summieren sich zu erheblichen Höhenmetern. Asphalt, häufige Straßenpassagen und feuchtes Wetter belasten Füße und Ausrüstung. Kulturelle Höhepunkte sind San Sebastián, Bilbao, Santander und die vorromanischen Kirchen Asturiens. Der Camino del Norte ist nur wenige Kilometer länger als der Camino Francés, wird aber meist als körperlich anspruchsvoller wahrgenommen. Seine Herbergsdichte hat sich verbessert, bleibt in einzelnen Regionen jedoch geringer. Rang sechs verpasst er, weil die Vía de la Plata ungefähr 200 Kilometer länger ist. Wer Atlantiklandschaft und weniger Pilgerverkehr sucht, findet hier eine der eindrucksvollsten Langstrecken Europas.
- Der Weg verläuft durch vier spanische Regionen.
- Viele Tagesetappen enthalten mehrere kurze, steile Auf- und Abstiege.
- Teile des Küstenwegs gehören zum UNESCO-Welterbe der Jakobswege.
- In Villaviciosa kann auf den Camino Primitivo nach Oviedo gewechselt werden.
- Länge
- Ca. 803 km
- Start
- Irún
- Ziel
- Santiago de Compostela
- Landschaft
- Atlantikküste, Strände, Steilküsten und grünes Hügelland
- Typische Dauer
- Etwa 35 bis 45 Tage
- Hauptschwierigkeit
- Viele kumulierte Höhenmeter und wechselhaftes Küstenwetter
- Quelle
- CaminoWays
Camino Francés: fast 800 Kilometer und die berühmteste Pilgerroute
Rang: 8 weltbekannt
Der Camino Francés erreicht mit rund 780 bis 800 Kilometern Rang acht. Obwohl er nicht der längste Jakobsweg ist, gilt er als bekannteste Pilgerroute der Gegenwart. Der klassische Start liegt in Saint-Jean-Pied-de-Port auf der französischen Seite der Pyrenäen. Von dort führt der Weg über Roncesvalles, Pamplona, Logroño, Burgos, León und O Cebreiro nach Santiago de Compostela.
Seine Popularität beruht auf einer ungewöhnlich dichten Mischung aus Geschichte, Infrastruktur und Landschaft. Romanische Kirchen, mittelalterliche Brücken, Klöster und alte Pilgerstädte liegen entlang einer durchgehend markierten Route. Gelbe Pfeile und Jakobsmuscheln erleichtern die Orientierung, während zahlreiche Herbergen flexible Etappen ermöglichen. Die Kehrseite ist der starke Andrang, besonders auf den letzten 100 Kilometern ab Sarria. Der Weg wurde seit den 1980er-Jahren international wiederbelebt und durch Bücher und Filme zu einem globalen Symbol für Auszeit, Selbstsuche und langsames Reisen. Gegenüber dem Camino del Norte fehlen nur wenige Kilometer, doch das Gelände ist insgesamt berechenbarer. Die Pyrenäen, die heiße Meseta und der Anstieg nach O Cebreiro bleiben dennoch ernsthafte Herausforderungen. Für die vollständige Route planen viele Pilger fünf Wochen ein.
- Die klassische Strecke beginnt in Frankreich und überquert bereits am ersten oder zweiten Tag die Pyrenäen.
- Die letzten 100 Kilometer zu Fuß reichen für die traditionelle Compostela-Urkunde.
- Der Weg ist Teil des UNESCO-Welterbes.
- Die Infrastruktur ist dichter als auf fast allen anderen langen Pilgerwegen.
- Länge
- Je nach Variante ungefähr 780 bis 800 km
- Start
- Saint-Jean-Pied-de-Port
- Ziel
- Kathedrale von Santiago de Compostela
- Typische Dauer
- Etwa 30 bis 40 Tage
- Markierung
- Gelbe Pfeile und Jakobsmuscheln
- Besonderheit
- International bekanntester und infrastrukturell am stärksten erschlossener Jakobsweg
- Quelle
- Follow the Camino
Camino Ignaciano: über 650 Kilometer auf den Spuren des Ignatius
Rang: 9 spirituelle Neuschöpfung
Der Camino Ignaciano belegt mit mehr als 650 Kilometern Rang neun. Er rekonstruiert die Reise, die Ignatius von Loyola im Jahr 1522 von seiner baskischen Heimat bis nach Manresa in Katalonien unternahm. Nach einer schweren Kriegsverletzung hatte der frühere Soldat eine religiöse Neuorientierung begonnen. Die Reise wurde später zu einem entscheidenden Kapitel in der Entstehung der ignatianischen Spiritualität und des Jesuitenordens.
Der moderne Pilgerweg wurde ab etwa 2010 ausgearbeitet und in 27 Hauptetappen gegliedert. Er beginnt am Geburtshaus des Heiligen in Loyola, durchquert das Baskenland, La Rioja, Navarra und Aragón und endet an der Höhle von Manresa. Unterwegs passiert er unter anderem das Kloster Montserrat. Teile verlaufen entgegen der üblichen Richtung auf Jakobswegen, da Ignatius sich von Nordwestspanien nach Osten bewegte. Die Landschaft reicht von grünen Bergtälern über Weinregionen bis zur trockenen Ebene des Ebro. Im Hochsommer können Hitze und lange schattenlose Abschnitte anspruchsvoll sein. Rang acht verpasst der Camino Ignaciano knapp, ist aber stärker biografisch fokussiert als der Camino Francés. Spirituelle Übungen und tägliche Reflexionen sind bewusst in das Routenkonzept integriert.
- Die Route folgt einer Reise des späteren Ordensgründers Ignatius von Loyola.
- Der Weg ist in ungefähr 27 Hauptetappen gegliedert.
- Montserrat und die Höhle von Manresa gehören zu den zentralen geistlichen Orten.
- Orangefarbene Pfeile und ein stilisiertes Sonnensymbol markieren Teile der Strecke.
- Länge
- Mehr als 650 km
- Start
- Loyola bei Azpeitia
- Ziel
- Manresa in Katalonien
- Etappen
- Etwa 27 Hauptetappen
- Historisches Vorbild
- Reise des Ignatius von Loyola im Jahr 1522
- Besonderheit
- Verbindet körperliches Pilgern mit Elementen der ignatianischen Exerzitien
- Quelle
- Camino Ignaciano
Gudbrandsdalsleden: 643 Kilometer zum Grab des heiligen Olav
Rang: 10 skandinavisch
Der Gudbrandsdalsleden schließt die Top 10 mit exakt 643 Kilometern ab. Der gut markierte Pilgerweg beginnt in Oslo und endet am Nidarosdom in Trondheim, der über dem traditionellen Grab des heiligen Olav errichtet wurde. Olav Haraldsson fiel 1030 in der Schlacht von Stiklestad und wurde bereits kurz darauf als Heiliger verehrt. Trondheim entwickelte sich im Mittelalter zu einem der wichtigsten Pilgerziele Nordeuropas.
Der Weg führt zunächst durch Kulturlandschaften und Wälder, folgt dem Mjøsa-See und dem Gudbrandsdal und überquert anschließend das Dovrefjell. Dieses Hochplateau ist der anspruchsvollste und wetterempfindlichste Abschnitt. Selbst im Sommer können Kälte, starker Wind und rasche Wetterwechsel auftreten. Unterkünfte liegen dort weiter auseinander als auf dem Camino Francés, weshalb Etappen und Verpflegung genauer geplant werden müssen. Die lange nordische Dämmerung und die dünn besiedelte Landschaft geben der Route einen anderen Charakter als südliche Pilgerwege. Rang neun verpasst Gudbrandsdalsleden nur um wenige Kilometer. Dafür besitzt er eine besonders klare historische Zielsetzung und eine offizielle, durchgehend beschilderte Hauptroute. Die reguläre Wandersaison ist wegen Schnee und Klima wesentlich kürzer als in Spanien oder Italien.
- Der Weg ist die meistbegangene Route des norwegischen St.-Olav-Netzes.
- Das Dovrefjell bildet den höchsten und abgelegensten Abschnitt.
- Endpunkt ist der mittelalterliche Nidarosdom in Trondheim.
- Die Hauptsaison reicht gewöhnlich nur vom späten Frühjahr bis zum frühen Herbst.
- Länge
- 643 km
- Start
- Oslo
- Ziel
- Nidarosdom in Trondheim
- Landschaft
- Wälder, Agrarlandschaften, Flusstäler und Dovrefjell-Hochplateau
- Typische Dauer
- Etwa 30 bis 40 Tage
- Historisches Ziel
- Traditionelle Grabstätte des heiligen Olav
- Quelle
- St. Olav Ways
Warum die Länge eines Pilgerwegs nicht eindeutig ist
Historische Pilger besaßen selten eine einzige verbindliche GPS-Route. Sie nutzten Straßen, Pässe, Fähren und Unterkünfte, die sich über Jahrhunderte veränderten. Moderne Verbände rekonstruieren diese Korridore und verlegen Wege aus Sicherheitsgründen teilweise auf Nebenstraßen, Waldpfade oder neue Brücken. Dadurch können zwei seriöse Quellen für denselben Weg unterschiedliche Entfernungen nennen.
Auch Startpunkte sind nicht immer festgelegt. Der Camino de Santiago kann grundsätzlich an der eigenen Haustür beginnen. Für Ranglisten wird deshalb ein etablierter Ausgangspunkt benötigt. Beim Camino Francés ist dies gewöhnlich Saint-Jean-Pied-de-Port, bei der Via Francigena Canterbury. Zubringer und freiwillige Verlängerungen werden nur berücksichtigt, wenn sie als benannte Route institutionalisiert sind.
Wie lange dauert ein Pilgerweg von 1.000 Kilometern?
Bei durchschnittlich 20 bis 25 Kilometern pro Wandertag dauert eine Strecke von 1.000 Kilometern mindestens 40 bis 50 reine Gehtage. Ruhetage, Krankheit, Besichtigungen und wetterbedingte Pausen verlängern die Reise. Auf flachen Wegen können erfahrene Pilger mehr als 30 Kilometer schaffen, während Gebirge, Hitze oder schweres Gepäck die Tagesleistung deutlich reduzieren.
Für mehrere Monate lange Routen ist die Belastungssteuerung wichtiger als ein schneller Start. Viele Überlastungsverletzungen entstehen in der ersten Woche, wenn untrainierte Pilger zu lange Etappen gehen. Ein moderater Beginn, leichte Ausrüstung und früh behandelte Druckstellen erhöhen die Chance, das Ziel zu erreichen.
Welche Pilgerwege vollständig begehbar sind
Die europäischen Routen dieser Liste verfügen überwiegend über durchgehende Markierung, aktuelle Karten und ein wachsendes Netz an Unterkünften. Jahreszeitliche Sperren sind dennoch möglich, besonders am Großen Sankt Bernhard und im Dovrefjell. Shikoku ist vollständig bereisbar, enthält aber lange Straßenabschnitte und steile Tempelzugänge.
Beim Abraham Path ist die Situation grundlegend anders. Das Projekt umfasst entwickelte regionale Wege, aber keine jederzeit durchgehend begehbare internationale Linie. Politische Konflikte, Grenzregelungen und Sicherheitsrisiken können Reisen unmöglich machen. Vor internationalen Pilgerreisen sind deshalb aktuelle Hinweise der zuständigen Außenministerien unverzichtbar.
Pilgerweg oder Fernwanderweg: Wo liegt der Unterschied?
Ein Pilgerweg besitzt ein spirituelles Motiv, ein religiöses Ziel oder eine historisch gewachsene Wallfahrtstradition. Die körperliche Reise ist mit Ritualen, Gebet, innerer Reflexion oder dem Besuch heiliger Orte verbunden. Ein Fernwanderweg wird dagegen primär für Naturerlebnis und sportliche Bewegung angelegt.
In der Praxis überschneiden sich beide Formen. Viele Menschen gehen den Camino de Santiago ohne konfessionelle Bindung, während religiöse Pilger dieselbe Strecke als Glaubensweg erleben. Entscheidend ist nicht allein die Motivation des Einzelnen, sondern die Geschichte und Funktion der Route.
Ausrüstung für monatelange Pilgerreisen
Das Rucksackgewicht sollte möglichst niedrig bleiben. Als grobe Orientierung werden häufig zehn Prozent des Körpergewichts genannt, doch leichte und individuell passende Ausrüstung ist wichtiger als eine starre Formel. Gut eingelaufene Schuhe, Regenschutz, Erste-Hilfe-Material, Sonnenschutz, Wasserbehälter und eine Navigationsmöglichkeit gehören zur Grundausstattung.
Auf Wegen mit dichter Infrastruktur kann weniger Proviant getragen werden. In Nordnorwegen, auf der Vía de la Plata und in einzelnen Abschnitten des Abraham Path liegen Versorgungspunkte weiter auseinander. Für Alpen- und Hochlandpassagen sind zusätzliche warme Kleidung und ein realistischer Wetterplan erforderlich. Weitere Ranglisten zu Landschaften, Naturwegen und außergewöhnlichen Reisezielen finden sich in der Kategorie Natur.
Häufige Fragen zu den längsten Pilgerwegen
Welcher ist der längste Pilgerweg der Welt?
In diesem Ranking führt die vollständige Via Francigena von Canterbury über Rom bis Santa Maria di Leuca. Das heutige Routensystem umfasst ungefähr 3.200 Kilometer. Der klassische Abschnitt Canterbury–Rom ist rund 2.200 Kilometer lang.
Welcher Pilgerweg ist der längste durchgehend gut markierte Weg?
Die Via Francigena und die Via Romea Germanica besitzen weitgehend dokumentierte Hauptrouten. Die Infrastruktur und Markierungsqualität können regional schwanken. Der Abraham Path ist dagegen nicht als durchgehend begehbare internationale Linie zu verstehen.
Wie viele Kilometer schafft ein Pilger pro Tag?
Viele Pilger gehen durchschnittlich 20 bis 25 Kilometer täglich. In Gebirgen, bei Hitze oder zu Beginn der Reise können 15 bis 20 Kilometer sinnvoller sein. Ruhetage sollten in langen Zeitplänen berücksichtigt werden.
Welcher lange Pilgerweg ist für Anfänger geeignet?
Der Camino Francés bietet die dichteste Infrastruktur, regelmäßige Unterkünfte und eine klare Markierung. Die vollständigen 800 Kilometer bleiben körperlich anspruchsvoll, lassen sich aber problemlos in kürzere Abschnitte teilen.
Muss man religiös sein, um einen Pilgerweg zu gehen?
Nein. Viele Menschen pilgern aus kulturellen, persönlichen oder sportlichen Gründen. Die historischen und religiösen Orte sollten dennoch respektvoll behandelt werden.







