Die 10 populärsten Scheinkorrelationen

Die 10 populärsten Scheinkorrelationen

Warum lieben Menschen kuriose Diagramme? Weil starke Korrelationen verführerisch wirken. Diese Top-10 zeigt die populärsten Scheinkorrelationen – sortiert nach statistischer Prominenz (Häufigkeit in Lehrbüchern, Vorlesungen und Medien). Zu jedem Beispiel: kurzer Kontext, warum kein Kausalzusammenhang vorliegt, und die typische Fehlerquelle (Konfundierung, gemeinsamer Trend, Zufall).

Legende: konfundiert = dritter Faktor erklärt beide Größen • gemeinsamer Trend = beide steigen/fallen aus externen Gründen • Zufall = rein zufällige Parallelität ohne plausible Verbindung

Übersicht

  1. Eisverkauf vs. Ertrinken/Haibisse
  2. Nicolas-Cage-Filme vs. Pool-Ertrinken (USA)
  3. Margarineverbrauch (USA) vs. Scheidungsrate Maine
  4. Käseverbrauch vs. „im Bettlaken verhedelt“-Todesfälle
  5. US-Wissenschaftsbudget vs. Suizide durch Erhängen
  6. Schokoladenkonsum vs. Nobelpreisträger je Land
  7. Storchenpaare vs. Geburtenrate
  8. Schuhgröße von Kindern vs. Lesekompetenz
  9. Anzahl Kirchen vs. Kriminalität einer Stadt
  10. Zahl der Piraten vs. globale Temperatur

Eisverkauf vs. Ertrinken/Haibisse

Rang: 1

konfundiert

Der Klassiker aus fast jedem Statistik-Kurs: Steigen die Umsätze für Speiseeis, nehmen auch Ertrinkungsfälle und Haibisse zu. Der scheinbare Zusammenhang verschwindet, sobald man den lurking variable Sommer/Wetter kontrolliert. Wärme erhöht Badetage und Menschenmengen am Wasser und damit das Risiko – nicht das Eis.

  • Mechanismus: gemeinsamer Treiber „Hitze/Badewetter“
  • Lektion: saisonale Muster zuerst prüfen
  • Typischer Fehler: Kausalschluss aus zwei Zeitreihen derselben Jahreszeit
Fehlerquelle
Konfundierung durch Wetter/Saison
Beobachtungstyp
gleichlaufende Saisonkurven
Quelle
Penn State STAT 200 – Lurking & Confounding

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Nicolas-Cage-Filme vs. Pool-Ertrinken (USA)

Rang: 2

zufall

Eine berüchtigte Kuriosität: In Jahren mit mehr Nicolas-Cage-Filmen starben in den USA zufällig mehr Menschen durch Ertrinken in Schwimmbecken. Die Serie ist bewusst absurd, illustriert aber perfekt, wie hochdimensionale Datensammlungen zwangsläufig spektakuläre, aber sinnlose Treffer produzieren.

  • Mechanismus: multiple Vergleiche → einige starke, aber zufällige Koinzidenzen
  • Lektion: Korrelation ≠ Kausalität; immer vorab Hypothesen definieren
  • Typischer Fehler: p-Hacking, Data-Dredging
Fehlerquelle
Zufall bei vielen Zeitreihen
Beobachtungstyp
spurious match in Popdaten
Quelle
Tyler Vigen – Spurious Correlations

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Margarineverbrauch (USA) vs. Scheidungsrate Maine

Rang: 3

gemeinsamer trend

Beide Zeitreihen fallen über mehrere Jahre – was zusammen eine hohe Korrelation erzeugt. Ein gemeinsamer Trend (Ernährungswandel bzw. langfristige demografische und rechtliche Faktoren) genügt, um eine beeindruckende Korrelation zu liefern, ohne jegliche kausale Brücke zwischen Margarine und Ehen.

  • Mechanismus: geteilte Abwärtstrends
  • Lektion: erst Differenzen/bereinigte Reihen analysieren
  • Typischer Fehler: Trend-Korrelationen als „Beweis“ lesen
Fehlerquelle
gemeinsamer Trend
Beobachtungstyp
langsame Parallelabnahme
Quelle
Tyler Vigen – Spurious Correlations

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Käseverbrauch vs. „im Bettlaken verhedelt“-Todesfälle

Rang: 4

zufall

Ein weiteres Meme-Beispiel: Pro-Kopf-Käseverbrauch und kuriose Haushaltsunfälle laufen scheinbar synchron. Die visuelle Pointe zeigt, wie leicht sich Menschen von Story-Fit täuschen lassen, wenn zwei Linien verblüffend ähnlich aussehen.

  • Mechanismus: zufällige Kopplung seltener Ereignisse mit breiter Konsumreihe
  • Lektion: Basisrate und Plausibilität prüfen
  • Typischer Fehler: „Looks convincing“ statt Modellprüfung
Fehlerquelle
Zufall/Multiple Tests
Beobachtungstyp
anektotische Spurious-Charts
Quelle
Tyler Vigen – Spurious Correlations

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US-Wissenschaftsbudget vs. Suizide durch Erhängen

Rang: 5

gemeinsamer trend

Beide Reihen steigen in den 2000er Jahren – das genügt für eine hohe Korrelation. Diese Beispiele sind didaktisch wertvoll, weil sie zeigen, dass gemeinsame Drift (Inflation, Bevölkerungswachstum, Meldepraktiken) Korrelationen erzeugen kann, wo keine Kausalität existiert.

  • Mechanismus: parallele Aufwärtstrends
  • Lektion: Trends entfernen (Differenzieren, Detrending)
  • Typischer Fehler: Zeitreihen ohne Stationaritätscheck korrelieren
Fehlerquelle
gemeinsamer Trend
Beobachtungstyp
nichtstationäre Reihen
Quelle
Tyler Vigen – Spurious Correlations

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Schokoladenkonsum vs. Nobelpreisträger je Land

Rang: 6

konfundiert

Die berühmte Korrelationsanalyse aus einem Medizinjournal verband pro-Kopf-Schokoladenkonsum mit Nobelpreis-Dichte. Plausibler ist eine Drittvariable: wirtschaftliche Entwicklung/ Bildungsniveau treibt beides – Genussmittelkonsum und Forschungserfolg. Das Beispiel wird häufig zitiert, weil es in einem seriösen Journal erschien und die Auslegung lustvoll überspitzte.

  • Mechanismus: Wohlstand/Bildung als Konfounder
  • Lektion: ecological fallacy vermeiden
  • Typischer Fehler: Länderaggregate kausal fehlinterpretieren
Fehlerquelle
Konfundierung (Wohlstand/Bildung)
Beobachtungstyp
Länderaggregate (ökologisches Niveau)
Quelle
NEJM – Chocolate Consumption & Nobel Laureates (Messerli, 2012)

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Storchenpaare vs. Geburtenrate

Rang: 7

konfundiert

„Störche bringen Babys“ als statistischer Gag: In Regionen mit mehr ländlichen Häusern mit Schornsteinen brüten auch mehr Störche – und dort leben oft mehr Familien mit mehreren Kindern. Der Konfounder „Siedlungsstruktur“ erzeugt die Korrelation zwischen Storchenzahl und Geburten, nicht ein mythischer Lieferdienst.

  • Mechanismus: ländliche Bebauung/Schornsteine erhöhen Storchennester und Kinderzahl
  • Lektion: räumliche Autokorrelation und Strukturmerkmale prüfen
  • Typischer Fehler: ökologische Korrelation als Individualkausalität lesen
Fehlerquelle
Konfundierung durch Siedlungsstruktur
Beobachtungstyp
räumliche Aggregation
Quelle
Wikipedia – Correlation ≠ Causation (Stork-Baby-Beispiel)

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Schuhgröße von Kindern vs. Lesekompetenz

Rang: 8

konfundiert

Kinder mit größeren Füßen lesen im Mittel besser – aber nicht wegen der Füße. Der Konfounder „Alter“ erklärt beides: Ältere Kinder haben größere Schuhgrößen und höhere Lesefähigkeit. Dieses Beispiel illustriert ideal die Notwendigkeit, innerhalb von Altersgruppen zu vergleichen oder Alter zu kontrollieren.

  • Mechanismus: Alter → Schuhgröße und Lesen
  • Lektion: stratifizieren oder multivariat modellieren
  • Typischer Fehler: Aggregatvergleich über Altersmischungen
Fehlerquelle
Konfundierung durch Alter
Beobachtungstyp
Individualdaten ohne Kontrolle
Quelle
OpenIntro Statistics – Confounding & Lurking Variables

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Anzahl Kirchen vs. Kriminalität einer Stadt

Rang: 9

konfundiert

Mehr Kirchen, mehr Kriminalität – klingt provokant, ist aber ein Bevölkerungs-Konfounder: Große Städte haben mehr Menschen, mehr Kirchen und mehr Straftaten. Korrigiert man auf Einwohnerzahl (pro-Kopf-Raten), verschwindet der Zusammenhang.

  • Mechanismus: Stadtgröße/Bevölkerungsdichte als Treiber beider Variablen
  • Lektion: Raten statt Rohzahlen vergleichen
  • Typischer Fehler: Rohzählungen ohne Skalierung
Fehlerquelle
Konfundierung durch Population
Beobachtungstyp
Aggregatdaten Stadtvergleich
Quelle
Penn State STAT 200 – Simpson & Confounding Examples

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Zahl der Piraten vs. globale Temperatur

Rang: 10

gemeinsamer trend

Pastafarianische Satire mit ernstem Kern: Während die Zahl (klassischer) Piraten seit dem 19. Jahrhundert sank, stieg die globale Durchschnittstemperatur. Der Gag illustriert, wie gefährlich historische Langzeittrends ohne physikalisches Modell sind: Fast jede monotone Zeitreihe korreliert mit einer anderen.

  • Mechanismus: gegenläufige, monotone Trends
  • Lektion: physikalische/kausale Plausibilität ist Pflicht
  • Typischer Fehler: historische Illustrationen ohne Modellprüfung
Fehlerquelle
Trend-Koinzidenz
Beobachtungstyp
langfristige Zeitreihen
Quelle
Wikipedia – Pirates & Global Warming (FSM)

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