Wie viel Wasser und Energie steckt eigentlich hinter einem Damm – und was passiert, wenn diese Kräfte plötzlich unkontrolliert frei werden? In dieser Liste betrachten wir die 10 schlimmsten Dammbrüche der Geschichte, sortiert nach einem Schwereindex, der Todesopfer, freigesetzte Wassermengen und die Zahl der Betroffenen berücksichtigt.
Übersicht
- Banqiao- und Shimantan-Dämme, China (1975)
- Machchhu-II-Damm bei Morbi, Indien (1979)
- Vajont-Staumauer, Italien (1963)
- South-Fork-Damm / Johnstown-Flut, USA (1889)
- St.-Francis-Damm, USA (1928)
- Malpasset-Damm, Frankreich (1959)
- Buffalo-Creek-Schlammbecken, USA (1972)
- Vega-de-Tera-Damm, Spanien (1959)
- Teton-Damm, USA (1976)
- Baldwin-Hills-Reservoir, USA (1963)
| Rang | Damm / Ereignis | Land / Region | Jahr | Dammtyp | Dammhöhe (m) | Speicher vor Bruch (Mio. m³) | Freigesetztes Volumen (Mio. m³) | Todesopfer (Schätzbereich) | Direkt Betroffene | Schwereindex |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Banqiao- & Shimantan-Dämme | Henan, China | 1975 | Erd-/Schüttdämme | ~118 | ~492 | ~700+ | 26.000–240.000 | >10 Mio. Menschen | 100 |
| 2 | Machchhu-II-Damm (Morbi) | Gujarat, Indien | 1979 | Erd-/Mischdamm | ~26 | ~100 | bis ~100 | 1.800–25.000 | mehrere zehntausend | 90 |
| 3 | Vajont-Staumauer | Venetien, Italien | 1963 | Bogenstaumauer | ~262 | ~150 | ~50 | 1.900–2.500 | >10.000 | 88 |
| 4 | South-Fork-Damm / Johnstown-Flut | Pennsylvania, USA | 1889 | Erddamm | ~22 | ~14,5 | ~14,5 | ~2.200 | ~30.000 | 82 |
| 5 | St.-Francis-Damm | Kalifornien, USA | 1928 | Gewichts-/Bogenstaumauer | ~56 | ~47 | ~47 | 431–600 | >10.000 | 76 |
| 6 | Malpasset-Damm | Fréjus, Frankreich | 1959 | Bogenstaumauer | 66 | ~22–50 | ~20+ | 421–433 | >10.000 | 72 |
| 7 | Buffalo-Creek-Schlammbecken | West Virginia, USA | 1972 | Kohleschlamm-Dämme | ~15–20* | ~0,5 | ~0,5 | 125 | ~5.000 (4.000 obdachlos) | 65 |
| 8 | Vega-de-Tera-Damm | Kastilien & León, Spanien | 1959 | Schwergewichtsdamm | 33–34 | 7,8 | 7,8 | 144 | 664 Dorfbewohner | 62 |
| 9 | Teton-Damm | Idaho, USA | 1976 | Erdschüttdamm | 93 | ~356 | ~350+ | 11 | >25.000 | 55 |
| 10 | Baldwin-Hills-Reservoir | Los Angeles, USA | 1963 | Erd-/Betondamm | ~20 (strukturell) | ~0,95–1,1 | ~0,95–1,1 | 5 | ~16.000 | 50 |
*Bei Abraum- und Schlammbecken variieren Angabe und Definition der „Dammhöhe“ je nach Quelle; hier ist die strukturelle Höhe des Versagenskörpers grob angegeben.
Banqiao- und Shimantan-Dämme, China (1975)
Rang: 1
Wenn man von Dammbrüchen spricht, führt kein Weg an Banqiao vorbei. Im August 1975 trifft Typhoon Nina die Provinz Henan, auf bereits gesättigte Böden und ein Netz von Staudämmen, das als technisches Rückgrat der regionalen Wasserpolitik gilt. Banqiao und der stromauf gelegene Shimantan-Damm gelten offiziell als nahezu „unzerstörbar“ – bis die Regenmengen die Auslegung um ein Vielfaches übertreffen. Innerhalb von 24 Stunden fallen lokal mehr als 400 Millimeter Niederschlag, in drei Tagen über 1.000 Millimeter. Die Sicherheitsreserven der Stauseen sind schnell aufgebraucht, Kommunikationswege brechen zusammen, Telegramme zur Öffnung der Schütze erreichen das Betriebspersonal zu spät. In der Nacht vom 7. auf den 8. August beginnt Banqiao zu überströmen, der Erddamm erodiert, ein mehrere Kilometer breiter Flutkeil schießt ins Tiefland. Was diese Katastrophe so verheerend macht, ist nicht nur der Bruch eines einzelnen Damms: Es kommt zu Kaskadenversagen in einem ganzen System von mehr als 60 Dämmen, während Millionen Menschen bereits durch Überschwemmungen und zerstörte Infrastruktur verwundbar sind. Flut, Hunger, Krankheit und eine politisch gewollte Informationssperre sorgen dafür, dass das wahre Ausmaß erst Jahrzehnte später bekannt wird – und Banqiao als Mahnmal für systemische Risiken in der Wasserwirtschaft gilt.
- Der Banqiao-Stausee hatte eine maximale Kapazität von rund 492 Mio. m³, wovon etwa 375 Mio. m³ für Hochwasserrückhalt reserviert waren.
- Beim Versagen wurden in wenigen Stunden rund 700 Mio. m³ Wasser freigesetzt; die Flutwelle war bis zu 10 km breit und mehrere Meter hoch.
- Insgesamt brachen 62 Dämme; das Überflutungsgebiet umfasste etwa 12.000 km² mit rund 10,15 Mio. betroffenen Menschen.
- Datum des Versagens
- 8.–9. August 1975
- Dammtyp / Höhe
- Erd-/Schüttdämme, Hauptdamm Banqiao ca. 118 m hoch
- Speichervolumen vor Bruch
- ca. 492 Mio. m³ (Banqiao-Stausee)
- Freigesetztes Volumen
- ca. 701 Mio. m³ Wasser in rund 6 Stunden
- Todesopfer (Schätzung)
- 26.000–240.000 (Flut, Folgekrankheiten, Hunger)
- Direkt Betroffene
- ca. 10,15 Mio. Menschen auf rund 12.000 km²; 5–6,8 Mio. Häuser zerstört
- Schwereindex
- 100 (Höchstawert dieser Liste)
- Quelle
- ASDSO / DamFailures.org
Machchhu-II-Damm bei Morbi, Indien (1979)
Rang: 2
Nur vier Jahre nach Banqiao erlebt die Welt in Morbi eine weitere Dammkatastrophe, deren tatsächliche Opferzahlen bis heute umstritten sind. Der Machchhu-II-Damm in Gujarat ist als Erd- und Mischkonstruktion für Bewässerung und Wasserversorgung gebaut – mit einem zentralen gemauerten Tosbecken und langen Erdböschungen. Im August 1979 trifft eine außergewöhnlich starke Monsunserie auf das Einzugsgebiet, mit über 400 mm Regen innerhalb von drei Tagen. Mehrere Wehrfelder sind außer Betrieb, der Abfluss bleibt weit hinter den einströmenden Wassermassen zurück. Schließlich beginnt das Wasser, die Erdkörper zu überströmen; innerhalb von Minuten schneiden sich Erosionsrinnen tief in den Damm, rund 1 km der Böschungen brechen weg. Die Flutwelle erreicht die nur wenige Kilometer entfernte Industriestadt Morbi in Form einer bis zu neun Meter hohen Wasserfront, die Wohngebiete, Brücken und Produktionsanlagen – insbesondere der Keramikindustrie – zerstört. Offizielle Stellen sprechen zunächst von knapp 2.000 Toten, internationale Medien und spätere Recherchen nennen Zahlen bis 25.000. Klar ist: Frühwarnsysteme, Radiosirenen und Evakuierungspläne existieren faktisch nicht. Die Katastrophe wird jahrzehntelang eher als „Laune der Natur“ denn als Versagen von Planung und Betrieb diskutiert – und gilt heute als Lehrbuchbeispiel dafür, wie gefährlich eine Unterschätzung seltener, aber extremer Hochwasserereignisse ist.
- Der Machchhu-II-Stausee konnte etwa 100 Mio. m³ Wasser speichern und diente primär der Bewässerung von rund 7.000 ha Ackerfläche.
- Beim Bruch versagte ein mehrere Kilometer langer Erdabschnitt; die Flutwelle erreichte Morbi in weniger als 20 Minuten.
- Berichte nennen über 6.000 völlig zerstörte und fast 4.000 schwer beschädigte Häuser; ganze Stadtviertel wurden ausgelöscht.
- Datum des Versagens
- 11. August 1979
- Dammtyp / Höhe
- Erd-/Mischdamm mit gemauertem Überlauf, ca. 26 m hoch
- Speichervolumen vor Bruch
- ca. 92–101 Mio. m³
- Freigesetztes Volumen
- nahezu Vollstau, grob bis ~100 Mio. m³
- Todesopfer (Schätzung)
- 1.800–25.000 (stark divergierende Angaben)
- Direkt Betroffene
- zehntausende Einwohner von Morbi und umliegenden Dörfern, tausende völlig zerstörte Wohnungen
- Schwereindex
- 90
- Quelle
- Government of Gujarat – Machchu Water Resource Databank
Vajont-Staumauer, Italien (1963)
Rang: 3
Beim Vajont-Unglück versagt nicht die Staumauer, sondern alles, was davor passieren sollte. Die 261,6 m hohe Bogenstaumauer im engen Vajont-Tal war zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung eine der höchsten der Welt. Schon während der Bauphase warnen Geologen vor der Instabilität des Berghangs Monte Toc: Gleitflächen, kleinere Rutschungen und Messdaten deuten auf ein potenziell riesiges Felsversagen hin. Dennoch wird der Speicher weiter aufgestaut – wirtschaftlicher Druck und politischer Wille überlagern Sicherheitsbedenken. Am Abend des 9. Oktober 1963 lösen sich rund 260 Mio. m³ Gestein und stürzen mit Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h in den See. Innerhalb von Sekunden verdrängt die Rutschmasse das Wasser; etwa 50 Mio. m³ schießen in Form einer bis zu 250 m hohen Welle über die Mauerkrone. Das Wasser zerstört die Ortschaft Longarone und weitere Dörfer im Piave-Tal, ganze Hänge werden abgeschert, Täler aufgefüllt. Obwohl die Staumauer selbst weitgehend intakt bleibt, ist der Schaden im Tal katastrophal. Vajont steht bis heute sinnbildlich für den „menschengemachten“ Teil vieler Katastrophen: Warnsignale wurden erkannt – aber ignoriert, verharmlost oder juristisch bekämpft. Der Umgang mit den Opfern, Entschädigungen und der Aufarbeitung zieht sich über Jahrzehnte hin und prägt das Sicherheitsrecht für Talsperren weltweit.
- Die Staumauer ist ca. 262 m hoch; der Speicher fasste etwa 150 Mio. m³ Wasser.
- Die Rutschung verdrängte insgesamt rund 115 Mio. m³ Wasser, etwa 50 Mio. m³ liefen als Flutwelle talwärts.
- Die Flut zerstörte mehrere Ortschaften; offizielle Opferzahlen liegen zwischen rund 1.900 und 2.500 Toten.
- Datum des Versagens
- 9. Oktober 1963
- Dammtyp / Höhe
- Beton-Bogenstaumauer, ca. 261,6 m hoch
- Speichervolumen vor Ereignis
- ca. 150 Mio. m³
- Verdrängtes / überströmtes Volumen
- ca. 115 Mio. m³ insgesamt, etwa 50 Mio. m³ über die Mauer
- Todesopfer (Schätzung)
- 1.900–2.500
- Direkt Betroffene
- tausende Überlebende im Piave-Tal, mehrere Gemeinden fast vollständig zerstört
- Schwereindex
- 88
- Quelle
- ARIA – Französisches Umweltministerium (Vajont-Fallstudie)
South-Fork-Damm / Johnstown-Flut, USA (1889)
Rang: 4
Die Johnstown-Flut von 1889 ist eine der frühesten und bekanntesten Dammkatastrophen der Industriegeschichte – und ein Beispiel für die Risiken privatisierter Infrastruktur ohne angemessene Aufsicht. Der South-Fork-Damm staut den See Lake Conemaugh oberhalb der Industriestadt Johnstown in Pennsylvania. Ursprünglich als staatliche Infrastruktur für einen Kanal erbaut, geht er später in den Besitz eines exklusiven Privatclubs über. Um den See attraktiver zu machen, werden Ablassleitungen verschlossen, der Stauziel erhöht und der Überlauf mit Gittern versehen – alles Maßnahmen, die die Sicherheit verschlechtern. Nach tagelangem Starkregen füllt sich der Speicher bis an die Krone, der ohnehin unterdimensionierte Überlauf kann die Zuflüsse nicht mehr bewältigen. Am 31. Mai 1889 bricht der Damm; rund 14,5 Mio. m³ Wasser rasen das enge Tal hinunter. Trümmerbarrieren verstärken die Wirkung, Eisenbahnbrücken wirken wie Rechen und treiben Wasserstände weiter in die Höhe. Johnstown wird innerhalb von Minuten schwer verwüstet, Häuser, Fabriken und Eisenbahnlinien werden fortgerissen. Über 2.200 Menschen sterben, während sich die Eigentümer des Damms weitgehend juristisch freikaufen. Die Katastrophe führt in den USA zu einem Umdenken in Haftungsfragen und ist ein Ausgangspunkt moderner Diskussionen über „duty of care“ bei kritischer Infrastruktur.
- Der South-Fork-Damm war etwa 22 m hoch; der Speicherinhalt beim Bruch lag bei rund 14,5 Mio. m³.
- Die Flutwelle war lokal bis zu 18 m hoch und erreichte Johnstown in weniger als einer Stunde.
- Etwa 2.208 Menschen kamen ums Leben; die Sachschäden wurden auf rund 17 Mio. US-Dollar (1889) geschätzt.
- Datum des Versagens
- 31. Mai 1889
- Dammtyp / Höhe
- Erdschüttdamm, ca. 22 m hoch
- Speichervolumen vor Bruch
- ca. 14,55 Mio. m³
- Freigesetztes Volumen
- nahezu vollständige Entleerung des Speichers, ca. 14–15 Mio. m³
- Todesopfer (Schätzung)
- 2.200–2.208
- Direkt Betroffene
- rund 30.000 Einwohner im Flutgebiet, über 1.600 Häuser zerstört
- Schwereindex
- 82
- Quelle
- NOAA – Johnstown Flood Technical Paper
St.-Francis-Damm, USA (1928)
Rang: 5
Nur knapp 40 Jahre nach Johnstown erlebt Kalifornien seine eigene große Dammtragödie. Der St.-Francis-Damm in der San-Francisquito-Schlucht ist Teil des Los-Angeles-Aquädukts und soll die Wasserversorgung der boomenden Metropole absichern. Der Bau erfolgt unter hohem Zeitdruck, geologische Risiken werden unterschätzt, interne Kritik wird eher politisch als technisch beantwortet. Die Staumauer wird im Verlauf der Arbeiten mehrfach erhöht, ohne die Fundamentgeologie neu zu bewerten. In der Nacht vom 12. auf den 13. März 1928 bricht die knapp 56 m hohe Betonstaumauer praktisch ohne Vorwarnung. Etwa 47 Mio. m³ Wasser stürzen in einem nur wenig besiedelten, aber langgezogenen Tal Richtung Pazifik. Auf rund 70 Meilen Länge werden Farmen, Siedlungen und Infrastruktur zerstört, ganze Familien ausgelöscht. Die offizielle Zahl der Todesopfer liegt bei mindestens 431, viele Historiker gehen jedoch von deutlich über 450 Opfern aus. Die Katastrophe erschüttert das Vertrauen in die Wasserbehörde von Los Angeles und prägt Generationen von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Besonders bitter: Viele Fehler – etwa die Instabilität eines alten Rutschhangs am linken Widerlager – wären prinzipiell erkennbar gewesen. St. Francis wird damit zu einem Schlüsselfall für geotechnische Standards, unabhängige Prüfungen und konservatives Design bei großen Talsperren.
- Die Staumauer war rund 185 ft (ca. 56 m) hoch; der Speicher fasste etwa 38.000 acre-feet (>46 Mio. m³).
- Die Flutwelle erreichte lokal Höhen bis zu 40 m und legte den Weg bis zum Meer in ca. 5½ Stunden zurück.
- Mehr als ein Dutzend Gemeinden entlang des Santa Clara River wurden schwer getroffen; viele Opfer konnten nie eindeutig identifiziert werden.
- Datum des Versagens
- 12./13. März 1928
- Dammtyp / Höhe
- Beton-Gewichts-/Bogenstaumauer, ca. 56 m hoch
- Speichervolumen vor Bruch
- ca. 47 Mio. m³
- Freigesetztes Volumen
- nahezu vollständige Entleerung des Speichers innerhalb weniger Stunden
- Todesopfer (Schätzung)
- mind. 431, vielfach >450 angegeben
- Direkt Betroffene
- Zerstörte Siedlungen auf ca. 70 Meilen Flusslänge, mehrere tausend Überlebende mit schweren Verlusten
- Schwereindex
- 76
- Quelle
- U.S. Geological Survey – St. Francis Dam Disaster
Malpasset-Damm, Frankreich (1959)
Rang: 6
Der Malpasset-Damm nordöstlich von Fréjus an der Côte d’Azur sollte Wasser für Bewässerung und Trinkwasserversorgung liefern – und wurde zum Symbol für geologische Fehleinschätzungen. Die nur 1,5 m dicke Bogenstaumauer galt als ingenieurtechnisch elegant, aber der Untergrund war unzureichend erkundet. Eine Schwächezone im Fels, kombiniert mit extremen Niederschlägen Ende November 1959, brachte das System an seine Grenzen. Am Abend des 2. Dezember 1959 erreicht der Wasserstand den Kronenbereich; kurz nach 21 Uhr bricht die 66 m hohe Staumauer abrupt. Innerhalb von Minuten schießt eine bis zu 40–60 m hohe Flutwelle durch das enge Tal, beschleunigt sich in der Schlucht und entfaltet ihre volle zerstörerische Kraft im dicht besiedelten Bereich bei Fréjus. Hunderte Menschen sterben, Infrastruktur, Straßen und die damals neue Autobahn werden verwüstet. Malpasset ist in Europa ein Wendepunkt: Der Fall führt zur systematischen Einführung von Sicherheitsüberprüfungen, strengeren geologischen Untersuchungen und verbesserten Abflussbemessungen. Heute wird Malpasset in der numerischen Modellierung von Dammbrüchen immer noch als Referenzfall verwendet – die Trümmer vor Ort dienen als Mahnmal und Freiluftlabor zugleich.
- Der Damm war 66 m hoch und rund 222 m lang; Kapazitätsangaben schwanken zwischen ca. 22 und 50 Mio. m³.
- Die Flutwelle erreichte Höhen von bis zu 40–60 m und bewegte sich mit sehr hoher Fließgeschwindigkeit Richtung Küste.
- Über 400 Menschen starben; die Katastrophe prägte das französische Sicherheitsrecht für Talsperren nachhaltig.
- Datum des Versagens
- 2. Dezember 1959
- Dammtyp / Höhe
- Beton-Bogenstaumauer, 66 m hoch
- Speichervolumen vor Bruch
- ca. 22–50 Mio. m³ (je nach Quelle)
- Freigesetztes Volumen
- großteils vollständige Entleerung, >20 Mio. m³
- Todesopfer (Schätzung)
- 421–433
- Direkt Betroffene
- tausende Bewohner im Raum Fréjus, starke Schäden an Verkehrsinfrastruktur
- Schwereindex
- 72
- Quelle
- ARIA – Malpasset-Fallstudie (Frankreich)
Buffalo-Creek-Schlammbecken, USA (1972)
Rang: 7
Der Dammbruch am Buffalo Creek in West Virginia unterscheidet sich von klassischen Talsperrenunfällen: Hier versagt eine Kette von Abraum- und Schlammbecken einer Kohlemine. Am Morgen des 26. Februar 1972 steht die Region nach intensiven Regenfällen ohnehin unter Hochwasserdruck, als das oberste der drei Abraumdämme kollabiert. Die Flutwelle reißt die darunterliegenden Becken mit sich; rund 132 Mio. Gallonen (etwa 500.000 m³) schwarzer Schlamm- und Abwasserlawine stürzen durch das enge Tal. Die Welle ist bis zu 9 m hoch, über 15 Meilen lang und trifft 16 Siedlungen fast ohne Vorwarnung. 125 Menschen sterben, mehr als 4.000 werden obdachlos. Die Betreiberfirma spricht von einem „Act of God“, doch Untersuchungen zeigen: Die Dämme waren auf lockerem Untergrund errichtet, unzureichend entwässert und nur provisorisch dokumentiert. Buffalo Creek wird zu einem Wendepunkt in der Regulierung von Bergbauabraumbecken und prägt bis heute Debatten um Tailings-Dämme weltweit. Psychologisch wirkt die Katastrophe lange nach: Studien zeigen hohe Raten von Traumata und Depressionen bei Überlebenden, und das Ereignis spielt bis heute eine Rolle im Selbstverständnis vieler Gemeinden in Appalachia.
- Beim Versagen wurden rund 132 Mio. Gallonen (ca. 500.000 m³) Schlamm und Wasser freigesetzt.
- Die Flut zerstörte 507 Häuser, 44 Mobile Homes und 30 Geschäfte; über 4.000 Menschen wurden obdachlos.
- Der Dammkörper war bis zu 60 ft mächtig, auf instabilem Abraum errichtet und nur unzureichend überwacht.
- Datum des Versagens
- 26. Februar 1972
- Dammtyp / Höhe
- Kohleschlamm-/Abraumdämme, strukturelle Höhe des obersten Damms ca. 15–20 m
- Speichervolumen vor Bruch
- ca. 132 Mio. Gallonen (~0,5 Mio. m³)
- Freigesetztes Volumen
- nahezu vollständige Entleerung, rund 132 Mio. Gallonen
- Todesopfer (Schätzung)
- 125
- Direkt Betroffene
- rund 5.000 Einwohner im Tal, davon über 4.000 obdachlos
- Schwereindex
- 65
- Quelle
- MSHA – Buffalo Creek Mine Disaster (50th Anniversary)
Vega-de-Tera-Damm, Spanien (1959)
Rang: 8
In der winzigen Gemeinde Ribadelago in den Bergen Nordspaniens spielt sich im Januar 1959 eine Katastrophe ab, die in Spanien bis heute tief im kollektiven Gedächtnis verankert ist, international aber lange kaum beachtet wurde. Der Vega-de-Tera-Damm staut einen relativ kleinen Hochgebirgsspeicher – mit gravierenden Konstruktions- und Ausführungsfehlern. In der Nacht zum 9. Januar 1959 versagt ein großer Abschnitt der Staumauer. Rund 7,8 Mio. m³ Wasser stürzen innerhalb von Minuten in das schmale Tal, reißen Blöcke, Bäume und Häuser mit sich. Das Dorf Ribadelago wird nahezu ausgelöscht: 144 der 664 Einwohner sterben, viele Leichen werden nie gefunden. Die geringe absolute Opferzahl im Vergleich zu Banqiao oder Morbi darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie extrem der lokale Schaden ist: Fast jede Familie verliert Angehörige, das Dorf wird faktisch unbewohnbar. Der Fall führt in Spanien zur Einführung strengerer Vorschriften für Planung, Bau und Betrieb großer Talsperren sowie zur Einrichtung eines eigenen Überwachungsdienstes. In der Wissenschaft dient Vega de Tera als Beispiel für die Bedeutung von Qualitätskontrolle im Bau und von unabhängiger Überwachung – selbst bei relativ kleinen Speichervolumina.
- Die Staumauer war rund 33–34 m hoch und bildete einen Speicher mit etwa 7,8 Mio. m³ Volumen.
- Beim Bruch kollabierte ein Mauerabschnitt von über 160 m Länge; praktisch das gesamte Stauvolumen entleerte sich.
- 144 der 664 Dorfbewohner kamen ums Leben – eine der höchsten relativen Opferquoten aller Dammbrüche.
- Datum des Versagens
- 9. Januar 1959
- Dammtyp / Höhe
- Beton-Schwergewichtsdamm, 33–34 m hoch
- Speichervolumen vor Bruch
- ca. 7,8 Mio. m³
- Freigesetztes Volumen
- nahezu vollständige Entleerung, ca. 7,8 Mio. m³
- Todesopfer (Schätzung)
- 144
- Direkt Betroffene
- 664 Einwohner von Ribadelago; zahlreiche Überlebende emigrieren in andere Städte
- Schwereindex
- 62
- Quelle
- Lund University – Studie zum Vega-de-Tera-Damm
Teton-Damm, USA (1976)
Rang: 9
Der Teton-Damm in Idaho ist ein klassischer Fall für „High-Tech trifft auf unzureichende Geologie“. Die 93 m hohe Erdschüttanlage wird Anfang der 1970er-Jahre gebaut, um Hochwasserschutz, Bewässerung und Energieerzeugung zu kombinieren. Schon während der Planung gibt es geologische Bedenken wegen stark geklüftetem vulkanischem Gestein in den Widerlagern. Beim ersten Füllen des Speichers im Frühjahr 1976 treten kleine Quellen und Lecks unterhalb des Damms auf, die jedoch zunächst als beherrschbar gelten. Am Morgen des 5. Juni 1976 verschärft sich die Situation: Trübes Wasser tritt an der Dammaußenseite aus, kurze Zeit später bildet sich ein wachsender Erosionskrater. Versuche, mit Bulldozern Material in den Leckstrom zu schieben, scheitern; innerhalb weniger Stunden bricht der Damm vollständig. Rund 356 Mio. m³ Wasser ergießen sich in das Tal des Teton River und weiter in besiedelte Gebiete. Dank relativ schneller Warnung und Evakuierung ist die Zahl der Todesopfer mit 11 vergleichsweise gering, doch wirtschaftliche Schäden gehen in die Milliarden. Teton wird intensiv untersucht, Berichte und Gutachten füllen ganze Regale – und der Fall wird in der Ausbildung weltweit verwendet, um die Bedeutung von geologisch fundierten Dichtsohlen und Filterzonen in Erddämmen zu verdeutlichen.
- Der Damm war rund 305 ft (93 m) hoch und etwa 3.100 ft (945 m) lang.
- Der Speicher hätte bei Vollstau etwa 288.000 acre-feet (~356 Mio. m³) Wasser enthalten; zum Zeitpunkt des Bruchs war er nahezu gefüllt.
- Elf Menschen und rund 16.000 Stück Vieh starben; Sachschäden wurden auf bis zu 2 Mrd. US-Dollar geschätzt.
- Datum des Versagens
- 5. Juni 1976
- Dammtyp / Höhe
- Erdschüttdamm, ca. 93 m hoch
- Speichervolumen vor Bruch
- ca. 356 Mio. m³ (288.250 acre-feet)
- Freigesetztes Volumen
- nahezu vollständige Entleerung, >300 Mio. m³
- Todesopfer (Schätzung)
- 11
- Direkt Betroffene
- zehntausende Evakuierte in mehreren Gemeinden (u. a. Rexburg, Sugar City)
- Schwereindex
- 55
- Quelle
- ASDSO – Dam Failure Case Study: Teton Dam
Baldwin-Hills-Reservoir, USA (1963)
Rang: 10
Der Dammbruch des Baldwin-Hills-Reservoirs mitten in Los Angeles zeigt, wie riskant Wasserinfrastruktur in dicht besiedelten, tektonisch aktiven Gebieten sein kann – insbesondere in Kombination mit Erdöl- und Gasförderung. Das kleine Hochbehälter-Reservoir lag auf einem Hügel über Wohngebieten und wurde von einem Erd-/Betondamm sowie Dämmen aus verdichtetem Boden eingefasst. Unter dem Areal verlief jedoch eine aktive Störungszone; zudem hatte langjährige Ölförderung in der Umgebung zu Bodensetzungen und Spannungen geführt. Am 14. Dezember 1963 werden zunächst Risse und Leckagen beobachtet; trotz Notentleerung versagt der Damm wenige Stunden später. Innerhalb von nur gut einer Stunde entleeren sich knapp eine Million Kubikmeter Wasser in die darunterliegenden Straßenzüge. Fünf Menschen sterben, Hunderte Häuser werden zerstört oder schwer beschädigt, rund 16.000 Bewohner sind betroffen. Dank schneller Reaktion von Einsatzkräften und Medienwarnungen bleibt die Opferzahl vergleichsweise gering. Der Fall hatte trotzdem große Wirkung: Er verstärkte die Diskussion über die Rolle der Ölförderung bei Setzungen, führte zu strengeren Standortanforderungen und machte deutlich, dass auch relativ kleine Speicher in urbanen Räumen ein enormes Risiko darstellen können, wenn sie auf geologisch sensiblen Strukturen errichtet werden.
- Der Damm hatte eine strukturelle Höhe von rund 20 m; die gesamte Anlage lag auf einem geologisch komplexen Hügelrücken.
- Beim Bruch wurden etwa 250–290 Mio. Gallonen (rund 0,95–1,1 Mio. m³) Wasser freigesetzt.
- 277 Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt; die direkten Sachschäden wurden auf rund 12 Mio. US-Dollar geschätzt.
- Datum des Versagens
- 14. Dezember 1963
- Dammtyp / Höhe
- Erd-/Betondamm, strukturelle Höhe ca. 20 m
- Speichervolumen vor Bruch
- ca. 0,95–1,1 Mio. m³ (250–290 Mio. Gallonen)
- Freigesetztes Volumen
- nahezu vollständige Entleerung innerhalb von 77 Minuten
- Todesopfer (Schätzung)
- 5
- Direkt Betroffene
- ca. 16.000 Bewohner im Überflutungsgebiet, 277 zerstörte oder schwer beschädigte Häuser
- Schwereindex
- 50
- Quelle
- ASDSO – Baldwin Hills Dam Case Study

