Wusstest du, dass der tödlichste Tornado der dokumentierten Geschichte an einem einzigen Abend schätzungsweise 1.300 Menschenleben forderte? In dieser Top-10-Liste sortieren wir die schlimmsten Tornados aller Zeiten streng nach bestätigten bzw. offiziell dokumentierten Todesopfern (absteigend).
Übersicht
- Daulatpur–Saturia-Tornado (Bangladesch, 1989)
- Tri-State-Tornado (USA, 1925)
- Natchez-Tornado (USA, 1840)
- St.-Louis–East-St.-Louis-Tornado (USA, 1896)
- Tupelo-Tornado (USA, 1936)
- Gainesville-Tornado (USA, 1936)
- Woodward-Tornado (USA, 1947)
- Joplin-Tornado (USA, 2011)
- New-Richmond-Tornado (USA, 1899)
- Goliad-Tornado (USA, 1902)
| Rang | Ereignis | Datum | Region/Land | Todesopfer | Verletzte | Stärke (F/EF) | Schneise (Länge/Breite) | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| #1 | Daulatpur–Saturia
Manikganj
|
26.04.1989 | Bangladesch | ≈ 1.300 | ≈ 12.000 | nicht offiziell skaliert | nicht einheitlich dokumentiert | WMO-Archiv: höchste Tornado-Mortalität |
| #2 | Tri-State
MO–IL–IN
|
18.03.1925 | USA | 695 | nicht in Quelle genannt | historisch (≈ F5) | nicht in Quelle genannt | einer der bekanntesten Langstrecken-Tornados |
| #3 | Natchez
Mississippi
|
06.05.1840 | USA | 317 | 109 | nicht offiziell skaliert | nicht in Quelle genannt | seltene Bilanz: mehr Tote als Verletzte |
| #4 | St. Louis – East St. Louis | 27.05.1896 | USA | ≈ 255 | > 1.000 | historisch (≈ F4) | nicht in Quelle genannt | Innenstadt-Schneise, enorme Trümmer- und Brandfolgen |
| #5 | Tupelo
Mississippi
|
05.04.1936 | USA | 216 | 700 | F5 (historisch) | ≈ 15 mi / ≈ 0,75 mi | Teil einer zweitägigen Outbreak-Serie |
| #6 | Gainesville
Georgia
|
06.04.1936 | USA | 203 | nicht in Quelle genannt | nicht in Quelle genannt | nicht in Quelle genannt | Feuer & Trümmerberge erschwerten Opferbilanz |
| #7 | Woodward
Oklahoma
|
09.04.1947 | USA | 169 | 980 | nicht in Quelle genannt | ≈ 221 mi (Länge) | gigantische Zugbahn über drei Bundesstaaten |
| #8 | Joplin
Missouri
|
22.05.2011 | USA | 158 | > 1.000 | EF-5 | nicht in Quelle genannt | eine der schlimmsten Stadt-Katastrophen der Neuzeit |
| #9 | New Richmond
Wisconsin
|
12.06.1899 | USA | 117 | nicht in Quelle genannt | nicht in Quelle genannt | nicht in Quelle genannt | „9th deadliest“ in US-Aufzeichnungen (Quelle) |
| #10 | Goliad
Texas
|
18.05.1902 | USA | 114 | nicht in Quelle genannt | nicht in Quelle genannt | ≈ 1 mi / ≈ 0,5 mi | Offizielle Markerdaten mit Uhrzeit und Schneisenmaß |
Daulatpur–Saturia-Tornado (Bangladesch, 1989)
Rang: 1
Es ist früher Abend, die Luft steht schwer und warm über Zentral-Bangladesch – und innerhalb weniger Minuten kippt die Wirklichkeit in ein Szenario, das viele Überlebende später nur noch als „plötzliches Verschwinden“ beschreiben konnten. Der Tornado, der am 26. April 1989 den Distrikt Manikganj traf, gilt im Archiv der Weltorganisation für Meteorologie als das Ereignis mit der höchsten Mortalität durch einen Tornado (seit 1873). Genau diese Einordnung macht ihn zu einem düsteren Maßstab: Nicht nur Windgeschwindigkeiten oder spektakuläre Bilder definieren „schlimm“, sondern das, was am Ende bleibt – die Zahl der Menschen, die nicht mehr nach Hause zurückkehren. Besonders tragisch ist, dass in vielen betroffenen Regionen damals (und teils bis heute) robuste Schutzräume, stabile Gebäude und flächendeckende Warnketten nicht selbstverständlich sind. Der Bericht beschreibt zerstörte Orte und eine enorme Zahl an Verletzten sowie Obdachlosen. Man muss sich das wie einen radikalen Schnitt vorstellen: Straßen, die eben noch belebt waren, sind Sekunden später unpassierbar; Dächer werden zu Geschossen, Trümmer zu Wellen. „Schlimmster Tornado“ bedeutet hier: ein Ereignis, das nicht nur Häuser, sondern auch Strukturen des Alltags auslöscht – und dessen Opferzahl bis heute als Referenz in einer offiziellen WMO-Bewertung geführt wird.
- WMO-Anerkennung als „höchste Tornado-Mortalität“: Ereignis am 26. April 1989 im Distrikt Manikganj
- Geschätzte Todesopferzahl: 1.300
- Berichtet: über 12.000 Verletzte sowie massive Obdachlosigkeit
- Datum
- 26. April 1989
- Todesopfer (Schätzwert)
- ≈ 1.300
- Verletzte
- über 12.000
- Quelle
- WMO Assessment of Weather and Climate Mortality Extremes (PDF)
Tri-State-Tornado (USA, 1925)
Rang: 2
Wenn ein Tornado zum historischen Synonym für Unaufhaltsamkeit wird, dann ist es der Tri-State-Tornado vom 18. März 1925. Die Geschichte wird oft über Bilder erzählt – zerstörte Straßenzüge, verschwundene Orte, verwüstete Farmen – doch der eigentliche Horror liegt in der Geschwindigkeit, mit der ganze Gemeinden überrollt wurden. Der Verlauf über mehrere Bundesstaaten (Missouri, Illinois, Indiana) machte es für die Menschen entlang der Route nahezu unmöglich, die Gefahr „weiterzureichen“: Wer vorn stand, hatte kaum Zeit, zu warnen; wer dahinter lebte, hörte oft nur Gerüchte – wenn überhaupt. Die National-Weather-Service-Darstellung beschreibt eine Bilanz, die bis heute als die tödlichste Tornado-Katastrophe der USA gilt: 695 Tote. Hinzu kommt eine zweite Dimension von „schlimm“: Der Tornado traf nicht nur einzelne Häuser, sondern ganze Stadtkerne und Infrastruktur – und damit die Lebensadern einer Region. In einer Zeit ohne moderne Radarwarnungen und Push-Nachrichten war die Informationskette das Nadelöhr. Heute ist der Tri-State-Tornado deshalb auch eine Art Mahnmal der Meteorologie: Er zeigt, wie sehr Warnsysteme, Bauvorschriften und Schutzräume über Leben und Tod entscheiden. Und er erklärt, warum „Todesopfer“ als hartes Sortierkriterium so gnadenlos ist – weil es die menschliche Seite der Statistik offenlegt.
- Dokumentierte Todesopfer: 695
- Verlauf über drei Bundesstaaten: Missouri, Illinois, Indiana
- Historisch extrem zerstörerisch, zahlreiche Orte schwer verwüstet
- Datum
- 18. März 1925
- Todesopfer
- 695
- Region
- Südost-Missouri, Süd-Illinois, Südwest-Indiana
- Quelle
- National Weather Service (weather.gov): 1925 Tri-State Tornado
Natchez-Tornado (USA, 1840)
Rang: 3
Natchez im Jahr 1840: Eine Flussstadt, Handel, Schiffe, Holzbauten – und dann ein Tornado, der die Regeln der Statistik auf den Kopf stellte. Die Stadt dokumentiert das Ereignis als „zweitschlimmsten Tornado“ der US-Geschichte: 317 Tote und 109 Verletzte. Das ist mehr als eine Zahl – es ist ein Hinweis darauf, wie tödlich die Bedingungen waren. Normalerweise überleben viele Menschen mit Verletzungen; hier war das Verhältnis umgekehrt. Das lässt erahnen, wie wenig Schutzmöglichkeiten es gab und wie stark die Menschen der Gewalt ausgeliefert waren: Gebäude, die nicht standhalten, Menschen, die in offenen Bereichen arbeiten, und kaum belastbare Frühwarnung. Der Bericht betont zudem die Besonderheit, dass dies der einzige aufgezeichnete US-Tornado sei, bei dem mehr Menschen starben als verletzt wurden. „Schlimm“ bedeutet in Natchez auch: ein Ereignis, das als kollektive Erinnerung in Grabsteinen und Friedhöfen weiterlebt. Die Katastrophe ist nicht nur meteorologisch, sondern auch historisch – sie prägt Erzählungen über Verwundbarkeit und fehlende Infrastruktur. Wenn man sich Natchez’ Lage am Mississippi vor Augen führt, versteht man zudem, warum Tornados in Flusslandschaften besonders zerstörerisch wirken können: Trümmer werden zu Geschossen, Schiffe und Lagerhallen zu Fallen. Natchez ist damit ein früher, aber erschütternd klarer Beleg, dass Tornados nicht nur „Stürme“ sind, sondern binnen Minuten eine Stadtgeschichte verändern können.
- Dokumentierte Todesopfer: 317
- Dokumentierte Verletzte: 109
- Seltene Bilanz: mehr Tote als Verletzte
- Datum
- 6. Mai 1840
- Todesopfer
- 317
- Verletzte
- 109
- Quelle
- City of Natchez (PDF): The Great Natchez Tornado of 1840
St.-Louis–East-St.-Louis-Tornado (USA, 1896)
Rang: 4
Ein Tornado trifft die Innenstadt – das klingt nach Ausnahme, ist aber genau das, was den 27. Mai 1896 so verheerend machte. St. Louis war damals ein pulsierendes Zentrum: dichte Bebauung, Industrie, Menschenmengen, Verkehr. Wenn ein Tornado hier eine Schneise zieht, multipliziert sich die Gefahr – nicht nur durch Wind, sondern durch Trümmer, einstürzende Mauern, Glas und Brände. Der staatliche Überblick von Missouri beschreibt rund 255 Tote und über 1.000 Verletzte. Diese Kombination zeigt: „Schlimm“ kann auch heißen, dass die Katastrophe mitten ins Herz einer Metropole schlägt. Während ein Tornado über Felder „nur“ Gebäude trifft, trifft er in einer Stadt zusätzlich Menschen in Büros, Straßenbahnen, Geschäften – und blockiert zugleich Rettungswege. St. Louis’ Ereignis wirkt in Berichten häufig wie ein Kettenunfall: Zerstörung erzeugt Brände, Brände erzeugen Panik, Panik erschwert Hilfe. Gerade im späten 19. Jahrhundert war städtischer Brandschutz nicht mit heutigen Standards vergleichbar, und eine einzige beschädigte Leitung konnte ein ganzes Viertel in Gefahr bringen. Wer sich vorstellt, wie eine Tornado-Schneise durch ein dichtes Straßennetz läuft, versteht sofort, warum diese Katastrophe in den Ranglisten so weit oben steht. Der Tornado machte aus stabil wirkenden Ziegel- und Steinbauten binnen Minuten Ruinen – und aus Routine-Nachmittagen ein Ereignis, das in Missouri bis heute als historisches Extrem geführt wird.
- Ungefähre Todesopferzahl: 255
- Verletzte: mehr als 1.000
- Städtische Schneise durch St. Louis und East St. Louis
- Datum
- 27. Mai 1896
- Todesopfer
- ≈ 255
- Verletzte
- > 1.000
- Quelle
- State of Missouri (Storm Aware): St. Louis Tornado 1896
Tupelo-Tornado (USA, 1936)
Rang: 5
Tupelo 1936 ist ein Beispiel dafür, wie Tornados ganze Städte nicht „treffen“, sondern regelrecht umschreiben. Der NWS-Text beschreibt einen massiven F5-Tornado, der den nördlichen Teil der Stadt verwüstete: 216 Tote und 700 Verletzte – Zahlen, die selbst in der traurigen Statistik der US-Tornadohistorie herausragen. Besonders beklemmend ist der Gedanke, dass solche Ereignisse oft nicht als einzelner Blitzschlag auftreten, sondern als Teil einer Outbreak-Serie: Schon die Atmosphäre „arbeitet“ stundenlang, immer wieder bilden sich Superzellen, immer wieder entstehen neue Gefahren. Tupelo wurde dabei zu einem Brennpunkt. Die Quelle nennt eine Breite von bis zu drei Viertel Meile und eine Zugbahn von etwa 15 Meilen – Dimensionen, die erklären, warum Rettung und medizinische Versorgung überfordert waren. „Schlimm“ heißt hier auch: Das Ereignis war groß genug, um ganze Wohnblöcke in Sekunden zu entkernen. In den Erinnerungen vieler Tornado-Überlebender taucht immer wieder ein Motiv auf: der Moment, in dem sich Geräusch, Licht und Druck verändern – und alles, was Stabilität verspricht, plötzlich fragil wirkt. Tupelo steht in dieser Liste deshalb nicht nur wegen der Todesopferzahl so weit oben, sondern auch, weil es zeigt, was passiert, wenn ein maximal intensiver Tornado eine bewohnte Fläche durchschneidet. Die Bilanz ist ein bitteres Lehrstück darüber, warum Schutzräume, stabile Bauweise und Warnketten in Tornadogebieten keine „Extras“, sondern Lebensversicherung sind.
- Dokumentierte Todesopfer: 216
- Dokumentierte Verletzte: 700
- Beschrieben als F5; Schneise bis zu ca. 0,75 Meilen breit
- Datum
- 5. April 1936
- Todesopfer
- 216
- Schneise (Quelle)
- ≈ 15 mi Länge / ≈ 0,75 mi Breite
- Quelle
- National Weather Service (Textdatei): wh0405 – Tupelo 1936
Gainesville-Tornado (USA, 1936)
Rang: 6
Gainesville, Georgia – und ein Detail, das sofort unter die Haut geht: Die Quelle spricht von Trümmern, die „teils zehn Fuß hoch“ lagen. Genau das macht klar, warum dieser Tornado so schwer zu fassen war: Wenn eine Stadt in Schichten aus Holz, Ziegeln und Metall zerlegt wird, wird selbst das Zählen der Opfer zur Aufgabe gegen Chaos, Feuer und Zeit. Der NWS-Text nennt 203 „gelistete“ Todesopfer und weist gleichzeitig darauf hin, dass die tatsächliche Zahl womöglich nie vollständig geklärt werden kann – weil Brände und die Tiefe des Trümmerfeldes die Lage dramatisch erschwerten. „Schlimm“ ist Gainesville damit in zweierlei Hinsicht: erstens wegen der reinen Opferzahl, zweitens wegen der Kombination aus Tornado und Folgekatastrophen. Feuer nach einem Tornado ist ein Albtraum, weil Wasserleitungen beschädigt, Straßen blockiert und Rettungswege versperrt sein können. Außerdem herrscht oft eine gefährliche Mischung aus Gas, Strom, Staub und offenen Flammen. Gainesville steht deshalb exemplarisch für ein Muster, das in Tornadohistorien immer wieder auftaucht: Der Wind ist nur der Anfang, das eigentliche Sterben passiert auch in den Minuten und Stunden danach – durch Einstürze, Brände, fehlende medizinische Hilfe. In Rankings wird häufig nur die Zahl der Toten gesehen, doch Gainesville erzählt die Geschichte dahinter: ein Stadtzentrum als Trümmermeer, in dem jede Suche zur Rettungsmission wird und jede Minute zählt. Dass dieses Ereignis als fünfttödlichster US-Tornado in die Geschichte einging, ist eine harte Erinnerung daran, wie brutal ein Tornado sein kann, wenn er auf dicht bebaute Strukturen trifft.
- Genannte Todesopferzahl: 203 (als „listed fatalities“)
- Trümmerberge und Brände erschwerten die Lage massiv
- Historisch als einer der tödlichsten US-Tornados eingeordnet
- Datum
- 6. April 1936
- Todesopfer (Quelle)
- 203 (gelistet)
- Besonderheit
- Trümmer- und Brandfolgen erschwerten Opferbilanz
- Quelle
- National Weather Service (Textdatei): wh0406 – Gainesville 1936
Woodward-Tornado (USA, 1947)
Rang: 7
Der Woodward-Tornado vom 9. April 1947 wirkt in Beschreibungen fast wie ein „Wetterzug“, der nicht mehr anhält: außergewöhnlich lang, außergewöhnlich zerstörerisch – und mit einer Bilanz, die in den nüchternen Sätzen des National Weather Service besonders hart klingt. Die Quelle nennt 169 Tote, 980 Verletzte und eine Zugbahn von 221 Meilen über drei Bundesstaaten. Was das in der Praxis bedeutet, ist schnell klar: Ein Ereignis dieser Länge trifft nacheinander auf immer neue Gemeinden, rettet selten „nur“ ein Viertel, sondern wiederholt das gleiche Drama in mehreren Orten. Für Rettungskräfte ist so etwas ein Albtraum, weil Hilfe nicht punktuell gebraucht wird, sondern entlang eines Korridors – und weil Kommunikationswege, Straßen und Stromversorgung gleichzeitig ausfallen können. „Schlimm“ ist Woodward daher nicht nur wegen der Opferzahl, sondern wegen der Skalierung des Desasters: Es ist großflächig, langandauernd und für viele Betroffene ohne Ausweichmöglichkeit. Gerade in der Mitte des 20. Jahrhunderts waren Warnsysteme noch weit entfernt von heutigen Standards. Wer im Weg stand, erfuhr oft erst durch den Himmel selbst, dass Gefahr drohte. Woodward steht damit für eine Kategorie Tornado, die in Statistiken zwar als ein Eintrag erscheint, sich aber für die Region wie mehrere Katastrophen hintereinander anfühlt. Die Kombination aus massiven Verletztenzahlen und enormer Strecke zeigt: Hier ging es nicht um einzelne zerstörte Häuser – sondern um eine ganze Landschaft, die in Trümmern lag.
- Dokumentierte Todesopfer: 169
- Dokumentierte Verletzte: 980
- Genannte Zugbahn: 221 Meilen über drei Bundesstaaten
- Datum
- 9. April 1947
- Todesopfer
- 169
- Schneisenlänge (Quelle)
- 221 mi
- Quelle
- National Weather Service (weather.gov): The Woodward Tornado of April 9, 1947
Joplin-Tornado (USA, 2011)
Rang: 8
Joplin 2011 ist der moderne Schockmoment in dieser Liste – weil er zeigt, dass selbst im Zeitalter von Radar, Warnapps und Live-TV ein Tornado eine Stadt in einen Trümmerteppich verwandeln kann. Der National Weather Service beschreibt den EF-5-Tornado, der am 22. Mai 2011 direkt durch Joplin, Missouri, zog: 158 Tote und über 1.000 Verletzte. „Schlimm“ ist hier die urbane Dichte: Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, große Straßen – und mitten hindurch eine Schneise maximaler Zerstörung. Das macht die Tragödie so eindringlich, weil sie nicht „irgendwo auf dem Land“ passiert, sondern in einer Stadt mit Alltag, Verkehr, Sonntagsroutine. Für viele Betroffene war es genau dieser Kontrast, der die Katastrophe so surreal machte: ein normaler Tag, dann Sirenen – und wenige Minuten später ist die Orientierung weg. Joplin steht außerdem dafür, wie gefährlich Trümmerflug in Städten ist: Glassplitter, Metallteile, Holz, ganze Dachteile – alles wird zu Projektilen. In der Aufarbeitung wurde Joplin häufig als Wendepunkt für Warnkommunikation und Bau-Resilienz diskutiert. Doch selbst ohne diese Debatten bleibt die Kernwahrheit: Ein EF-5 durch ein Stadtgebiet bedeutet eine humanitäre Katastrophe in Minuten. Joplin ist deshalb nicht nur ein Eintrag in einer Rangliste, sondern ein modernes Mahnmal, das jedes Jahr erinnert: Technologie hilft – aber sie garantiert nicht, dass alle rechtzeitig geschützt sind.
- Stärke (Quelle): EF-5
- Dokumentierte Todesopfer: 158
- Verletzte: über 1.000
- Datum
- 22. Mai 2011
- Todesopfer
- 158
- Stärke
- EF-5
- Quelle
- National Weather Service (weather.gov): Remembering Joplin Tornado
New-Richmond-Tornado (USA, 1899)
Rang: 9
Der New-Richmond-Tornado vom 12. Juni 1899 zeigt, dass Tornado-Katastrophen nicht nur im „klassischen“ Tornado Alley Süden und Mittleren Westen stattfinden – sondern auch weiter nördlich verheerend sein können. Der National Weather Service ordnet das Ereignis explizit als den „9th deadliest“ Tornado in den US-Aufzeichnungen ein und nennt 117 Todesopfer. Solche historischen Ereignisse tragen oft ein zusätzliches Problem in sich: Die Dokumentation war damals schwieriger, Kommunikationswege waren langsam, und viele Menschen hatten keinerlei Erfahrung mit einem Tornado dieser Größenordnung. Die Quelle enthält Augenzeugenbeschreibungen, die deutlich machen, wie schwer das Phänomen einzuordnen war: Wolkenmassen, die sich verbinden, ein Funnel, der „tanzt“, und dann der Moment, in dem eine Stadt getroffen wird. „Schlimm“ ist hier nicht nur die Opferzahl, sondern das Gefühl der Unvorbereitetheit in Regionen, in denen Tornados weniger „Alltag“ sind. Wer selten Tornadowarnungen erlebt, unterschätzt Gefahr leichter – und Gebäude sind womöglich weniger auf extreme Windlasten ausgelegt. New Richmond steht damit als historischer Hinweis: Tornado-Risiko ist nicht ausschließlich eine Frage von Geografie, sondern auch von Erfahrung, Bauweise und Warnkultur. 117 Tote sind die harte Konsequenz eines Ereignisses, das im späten 19. Jahrhundert eine Gemeinde in Minuten überforderte – und dessen Erinnerung bis heute in lokalen Berichten und NWS-Aufarbeitungen weiterlebt.
- Dokumentierte Todesopfer: 117
- In NWS-Aufarbeitung als „9th deadliest“ US-Tornado geführt
- Augenzeugenberichte beschreiben auffällige Wolken- und Funnelbildung
- Datum
- 12. Juni 1899
- Todesopfer
- 117
- Einordnung (Quelle)
- 9. tödlichster Tornado in den US-Aufzeichnungen
- Quelle
- National Weather Service (weather.gov): New Richmond Tornado – June 12, 1899
Goliad-Tornado (USA, 1902)
Rang: 10
Goliad, Texas, am Sonntag, dem 18. Mai 1902: Es ist eine der Geschichten, bei denen das „Wie schnell alles ging“ den größten Schrecken auslöst. Die Texas Historical Commission dokumentiert das Ereignis als historischen Marker mit präzisen Details – inklusive Uhrzeit: 3:35 p.m. – und einer offiziellen Todesopferzahl von 114. Der Markertext beschreibt eine Schneise von etwa einer Meile Länge und einer halben Meile Breite, die über den nordwestlichen Teil der Stadt hinwegfegte und über 100 Häuser zerstörte. „Schlimm“ ist hier auch die soziale Dimension: Der Text nennt explizit, dass mindestens 50 Mitglieder einer schwarzen Methodistengemeinde starben, als ihre Kirche zerstört wurde. Solche Details erinnern daran, dass Tornados nicht „gleichmäßig“ treffen – sie treffen Menschen dort, wo sie gerade sind: in Gottesdiensten, in Versammlungen, in Gebäuden, die sich sicher anfühlen. Der Marker erwähnt zudem, dass das County Courthouse danach als provisorisches Krankenhaus und Leichenhalle diente – ein Bild, das die Größenordnung der Katastrophe ohne weitere Ausschmückung begreifbar macht. Goliad schafft es in diese Liste, weil 114 Tote in einer kleinen Stadt eine erschütternde Dichte bedeuten: Fast jeder kennt jemanden, der fehlt. Und weil die Quelle eine selten klare, amtliche Mini-Chronik liefert, die zeigt, wie Tornados auch abseits moderner „Super-Outbreak“-Narrative ganze Gemeinden in den Ausnahmezustand versetzen können.
- Offizielle Todesopferzahl (Markertext): 114
- Genannte Schneise: ca. 1 mi lang und 0,5 mi breit
- Marker nennt Uhrzeit des Touchdowns: 3:35 p.m.
- Datum
- 18. Mai 1902
- Todesopfer (offiziell im Markertext)
- 114
- Schneise (Markertext)
- ≈ 1 mi Länge / ≈ 0,5 mi Breite
- Quelle
- Texas Historical Commission (Atlas): Goliad Tornado of 1902

