472 km/h – dieses Tempo erreichte ein Hubschrauber, obwohl klassische Rotorflugzeuge schon deutlich früher an eine aerodynamische Grenze stoßen. Mit zunehmender Vorwärtsgeschwindigkeit wird das vorlaufende Rotorblatt extrem schnell, während das rücklaufende Blatt immer weniger Auftrieb erzeugt. Genau dieses Problem trennt gewöhnliche Transporthubschrauber von den radikalen Hochgeschwindigkeitskonzepten an der Spitze dieses Rankings.
Die zehn schnellsten Helikopter der Welt sind hier nach ihrer höchsten belegten Geschwindigkeit beziehungsweise nach der offiziell veröffentlichten maximalen Reisegeschwindigkeit geordnet. Berücksichtigt wurden bemannte Hubschrauber, Versuchsträger und Compound-Helikopter, bei denen ein Hauptrotor weiterhin den Senkrechtstart und einen wesentlichen Teil des Auftriebs übernimmt. Reine Kipprotorflugzeuge wie Bell V-280, V-22 Osprey und Leonardo AW609 bleiben ausgeschlossen, weil sie im Reiseflug aerodynamisch weitgehend wie Propellerflugzeuge arbeiten. Bei Rekordmaschinen zählt die tatsächlich erreichte Geschwindigkeit, bei Serienmustern die belastbare Herstellerangabe. Der Datenstand ist Juli 2026. Das Ranking zeigt nicht nur, welches Modell am schnellsten ist, sondern auch, welche technischen Lösungen das jahrzehntealte Geschwindigkeitsproblem des Hubschraubers überwinden.
So wurde gewertet
Entscheidend ist die höchste durch Hersteller, Rekordverband oder belastbare Fachquelle dokumentierte Geschwindigkeit in Kilometern pro Stunde. Nachgewiesene Flugleistungen haben Vorrang vor reinen Entwicklungszielen. Wo Hersteller nur eine maximale Reisegeschwindigkeit nennen, wird diese verwendet und entsprechend gekennzeichnet. Versuchsträger und Serienhubschrauber treten gemeinsam an, weil das Ranking die technische Höchstleistung der Bauart Hubschrauber abbildet. Reine Tiltrotoren, unbemannte Fluggeräte, nie geflogene Studien und Geschwindigkeitsangaben ohne prüfbare Quelle wurden ausgeschlossen. Da Rekordflug, Höchstgeschwindigkeit und dauerhaft nutzbare Reisegeschwindigkeit nicht dasselbe sind, erläutert jeder Eintrag den Status der jeweiligen Kennzahl.
Übersicht
| Rang | Hubschrauber | Geschwindigkeit | Typ | Erstflug | Status | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Airbus Helicopters X3 | 472 km/h | Compound-Demonstrator | 2010 | Ausgemustert | Schnellster belegter Geradeausflug dieser Auswahl |
| 2 | Sikorsky X2 | 253 kn / ca. 469 km/h | Koaxialer Compound-Demonstrator | 2008 | Ausgemustert | Technische Grundlage für Raider und Defiant |
| 3 | Airbus Racer | 440 km/h | Compound-Demonstrator | 2024 | Flugerprobung | Hohes Tempo bei geringerem Verbrauch |
| 4 | Sikorsky S-97 Raider | über 220 kn / über 407 km/h | Koaxialer Compound-Hubschrauber | 2015 | Versuchsträger | Hochgeschwindigkeit mit taktischer Nutzbarkeit |
| 5 | Westland Lynx AH.1 | 400,87 km/h | Konventioneller Rekordhubschrauber | 1971 | Rekordmaschine | Offizieller FAI-Rekord über 15 und 25 km |
| 6 | Mil Mi-24 A-10 | 368,4 km/h | Modifizierter Kampfhubschrauber | Mi-24: 1969 | Rekordmaschine | Sowjetischer Rekordhalter vor der Lynx |
| 7 | Mil Mi-35M | 305 km/h | Kampf- und Transporthubschrauber | Mi-35M: 1990er-Jahre | Im Dienst | Bewaffnung plus kleiner Truppenraum |
| 8 | Boeing CH-47F Chinook Block II | 302 km/h | Schwerer Transporthubschrauber | Chinook-Familie: 1961 | Produktion und Dienst | Außergewöhnliches Tempo für einen Schwerlaster |
| 9 | NHIndustries NH90 | 300 km/h | Mehrzweck-Transporthubschrauber | 1995 | Im Dienst | Fly-by-Wire und Verbundwerkstoffzelle |
| 10 | Leonardo AW101 | 277 km/h | Schwerer Mehrzweckhubschrauber | 1987 | Im Dienst | Drei Triebwerke und große Reichweite |
Warum fehlen V-22, V-280 und AW609? Diese Maschinen starten zwar mit nach oben gerichteten Rotoren, schwenken ihre Antriebe für den Reiseflug jedoch nach vorn. Damit gehören sie zu den Kipprotorflugzeugen. Ihre Aufnahme würde die schnellsten Compound- und konventionellen Hubschrauber mit einer technisch anderen Flugzeugklasse vermischen.
Airbus Helicopters X3: 472 km/h
Rang: 1 Rekord-Demonstrator
Der Airbus Helicopters X3 steht an der Spitze, weil er am 7. Juni 2013 im stabilisierten Horizontalflug 472 km/h erreichte. Das entsprach 255 Knoten und lag damit knapp über dem Spitzenwert des Sikorsky X2. Wenige Tage zuvor waren im Sinkflug sogar 487 km/h gemessen worden; für das Ranking zählt jedoch die aussagekräftigere Leistung im Geradeausflug. Der X3 sah auf den ersten Blick wie ein ungewöhnlich bewaffneter Hubschrauber aus: Neben dem Hauptrotor saßen an kurzen Tragflächen zwei nach vorn gerichtete Propeller. Tatsächlich waren diese Propeller der Schlüssel zum Tempo.
Bei einem klassischen Hubschrauber muss der Hauptrotor zugleich tragen und Vortrieb erzeugen. Je schneller die Maschine fliegt, desto stärker unterscheiden sich die Strömungsverhältnisse am vorlaufenden und am rücklaufenden Rotorblatt. Beim X3 übernahmen die seitlichen Propeller einen großen Teil des Vortriebs, während die kleinen Flügel den Hauptrotor im schnellen Flug entlasteten. Dadurch konnte er mit günstigerem Anstellwinkel arbeiten. Anders als ein Tiltrotor musste der X3 dabei keinen komplizierten Übergang zwischen Hubschrauber- und Flugzeugmodus durchführen. Sein Rang entstand also nicht durch rohe Triebwerksleistung allein, sondern durch eine Neuverteilung der aerodynamischen Aufgaben. Genau dieses Grundprinzip lebt im moderneren Airbus Racer weiter.
- Die Rekordgeschwindigkeit wurde im Horizontalflug in etwa 3.000 Metern Höhe erzielt.
- Der Versuchsträger basierte technisch auf Komponenten der Dauphin-Familie.
- Seitliche Propeller erzeugten Vortrieb und ersetzten zugleich den klassischen Heckrotor.
- Der X3 war ein Forschungsfluggerät und kein für Kunden gebauter Serienhubschrauber.
- Höchstwert
- 472 km/h beziehungsweise 255 Knoten im stabilisierten Horizontalflug
- Antriebskonzept
- Hauptrotor, kurze Tragflächen und zwei seitliche Zugpropeller
- Rekordjahr
- 2013
- Status
- Erprobungsprogramm beendet; Technologiebasis für spätere Airbus-Konzepte
- Abstand zu Rang 2
- Rund 3 km/h
- Quelle
- Airbus
Sikorsky X2: 253 Knoten im Horizontalflug
Rang: 2 Technologiepionier
Nur wenige Kilometer pro Stunde trennen den Sikorsky X2 vom ersten Platz. Der Demonstrator erreichte am 15. September 2010 im Horizontalflug eine maximale Reisegeschwindigkeit von 253 Knoten, umgerechnet rund 469 km/h. Damit bewies Sikorsky, dass ein Hubschrauber mit koaxialen, gegenläufigen Hauptrotoren nicht nur besonders wendig sein kann, sondern auch Geschwindigkeiten erreicht, die zuvor eher mit Propellerflugzeugen verbunden wurden. Das Programm benötigte dafür lediglich 23 Testflüge und insgesamt ungefähr 22 Flugstunden – bemerkenswert wenig für einen derart großen Technologiesprung.
Die beiden übereinanderliegenden Rotoren drehten in entgegengesetzte Richtungen. Dadurch hoben sich ihre Drehmomente gegenseitig auf, sodass kein klassischer Heckrotor erforderlich war. Am Heck saß stattdessen ein Schubpropeller, der fast ausschließlich für den Vortrieb zuständig war. Der entscheidende Vorteil gegenüber einem Einrotorhubschrauber bestand darin, dass beide Rotorebenen auf jeweils einer Seite ein schnell vorlaufendes Blatt besaßen. Das reduzierte die asymmetrischen Auftriebsprobleme bei hohem Tempo. Der X2 blieb knapp hinter dem späteren X3, beeinflusste die Hubschrauberentwicklung aber womöglich stärker: Seine Architektur wurde zur Grundlage des S-97 Raider, des größeren SB>1 Defiant und weiterer X2-basierter Konzepte.
- Der X2 kombinierte starre Koaxialrotoren mit einem Heckpropeller.
- Die 253 Knoten wurden als Spitzenwert im Horizontalflug dokumentiert.
- Das Programm gewann die renommierte Robert J. Collier Trophy.
- Der Demonstrator wurde 2011 nach Abschluss seiner Forschungsaufgaben ausgemustert.
- Höchstwert
- 253 Knoten, umgerechnet etwa 469 km/h
- Antriebskonzept
- Zwei gegenläufige Hauptrotoren und ein Schubpropeller
- Rekorddatum
- 15. September 2010
- Flugerfahrung
- Etwa 22 Stunden in 23 Testflügen
- Entwicklungslinie
- Technische Grundlage für S-97 Raider und SB>1 Defiant
- Quelle
- Lockheed Martin
Airbus Racer: 440 km/h mit Blick auf den Einsatzalltag
Rang: 3 modern
Der Airbus Racer übernimmt Rang drei mit einer nachgewiesenen Reisegeschwindigkeit von 440 km/h. Auf dem Papier ist er langsamer als X3 und X2. Technisch verfolgt er jedoch das anspruchsvollere Ziel, Hochgeschwindigkeit nicht als isolierten Rekord, sondern als wirtschaftlich und operativ nutzbare Fähigkeit zu demonstrieren. Der Racer absolvierte seinen Erstflug 2024 und hatte bis März 2026 mehr als 50 Flugstunden gesammelt. Dabei übertraf er sein ursprüngliches Geschwindigkeitsziel von 400 km/h deutlich.
Wie beim X3 sitzen seitlich zwei Zugpropeller, die von den Haupttriebwerken angetrieben werden. Eine kastenförmige Tragflächenstruktur entlastet den Rotor bei schneller Vorwärtsbewegung. Der entscheidende Entwicklungsschritt liegt jedoch in der Effizienz: Airbus meldet bei 440 km/h einen rund 25 Prozent niedrigeren Verbrauch als bei einem konventionellen Vergleichshubschrauber. Hinzu kommt ein Eco-Modus, der perspektivisch eines der beiden Triebwerke im Reiseflug pausieren lassen kann. In der Erprobung zeigte der Racer außerdem, dass Geschwindigkeit nicht automatisch auf Kosten der Hubschraubereigenschaften gehen muss. Er flog enge Kurven mit zweifacher Erdbeschleunigung bei 370 km/h, stieg in 2 Minuten und 44 Sekunden auf 10.000 Fuß und demonstrierte Landungen an einem 14 Grad geneigten Hang. Der dritte Rang ist deshalb mehr als ein Zahlenwert: Der Racer führt die Rekordtechnik näher an Rettungs-, Militär- und Transportmissionen heran.
- Nachgewiesene Reisegeschwindigkeit: 440 km/h beziehungsweise rund 240 Knoten.
- Der Demonstrator entstand im europäischen Forschungsprogramm Clean Sky 2.
- Bei 260 km/h wurden etwa 3.600 Fuß Steigleistung pro Minute demonstriert.
- Die Konstruktion verbindet Hauptrotor, Tragflächen und seitliche Propeller.
- Geschwindigkeit
- 440 km/h im Reiseflug
- Erstflug
- 2024
- Erprobungsstand
- Mehr als 50 Flugstunden bis März 2026
- Effizienzziel
- Etwa 25 Prozent weniger Verbrauch als ein konventioneller Vergleichshubschrauber
- Besonderheit
- 2-g-Kurven bei 370 km/h und 14-Grad-Hanglandung
- Quelle
- Airbus
Sikorsky S-97 Raider: mehr als 407 km/h
Rang: 4 taktischer Demonstrator
Der S-97 Raider belegt Rang vier, weil Sikorsky für den koaxialen Compound-Hubschrauber Geschwindigkeiten von mehr als 220 Knoten ausweist. Das entspricht über 407 km/h. Anders als X2 und X3 sollte der Raider nicht nur eine aerodynamische These beweisen. Er wurde als kompakter, taktisch nutzbarer Hubschrauber mit zwei Besatzungsmitgliedern, Raum für sechs Soldaten und Optionen für Außenlasten oder Bewaffnung ausgelegt. Damit markiert er den Übergang vom reinen Geschwindigkeitslabor zum Missionsdemonstrator.
Seine technische DNA stammt direkt vom X2. Zwei starre, gegenläufig rotierende Hauptrotoren erzeugen Auftrieb und gleichen das Drehmoment aus. Ein Schubpropeller am Heck übernimmt bei hohem Tempo den Vortrieb. Diese Arbeitsteilung erlaubt es, schneller zu fliegen, ohne die Rotorebene so stark nach vorn neigen zu müssen wie bei klassischen Hubschraubern. Gleichzeitig kann der Heckpropeller beim Verzögern Gegenschub liefern – ein taktischer Vorteil, wenn ein Fluggerät schnell in eine Landezone einfliegen und stark abbremsen soll. Gegenüber dem Lynx auf Rang fünf gewinnt der Raider durch seine höhere ausgelegte Reisegeschwindigkeit. Hinter dem Racer bleibt er, weil Airbus inzwischen 440 km/h im Flug belegt hat. Der Raider ist dennoch eines der wichtigsten Bindeglieder zwischen dem Rekord-X2 und künftigen militärischen Hochgeschwindigkeitshubschraubern.
- Ausgelegte Geschwindigkeit: mehr als 220 Knoten beziehungsweise mehr als 407 km/h.
- Die Kabine kann neben der Besatzung bis zu sechs Soldaten aufnehmen.
- Der Heckpropeller unterstützt Beschleunigung und starkes Abbremsen.
- Koaxialrotoren machen einen seitlich wirkenden Heckrotor überflüssig.
- Geschwindigkeit
- Mehr als 220 Knoten beziehungsweise mehr als 407 km/h
- Konfiguration
- Starre Koaxialrotoren mit Schubpropeller
- Erstflug
- 2015
- Kapazität
- Zwei Besatzungsmitglieder und bis zu sechs Soldaten
- Einordnung
- Schneller Missionsdemonstrator statt reiner Rekordmaschine
- Quelle
- Lockheed Martin
Westland Lynx AH.1: 400,87 km/h und ein bis heute berühmter FAI-Rekord
Rang: 5 FAI-Rekord
Die modifizierte Westland Lynx AH.1 erreichte am 11. August 1986 über einen geraden 15- und 25-Kilometer-Kurs exakt 400,87 km/h. Pilot John Trevor Egginton stellte damit einen von der Fédération Aéronautique Internationale anerkannten absoluten Geschwindigkeitsrekord für Hubschrauber auf. Der Lynx fehlen die zusätzlichen Schubpropeller der vier höher platzierten Compound-Muster. Gerade deshalb besitzt sein Ergebnis eine besondere Stellung: Er erreichte die Marke mit einer grundsätzlich konventionellen Haupt- und Heckrotorkonfiguration.
Das Rekordexemplar war allerdings keine gewöhnliche Einsatzmaschine. Es erhielt unter anderem leistungsfähigere Rolls-Royce-Gem-Triebwerke und speziell entwickelte BERP-Rotorblätter. Deren charakteristische Blattspitzen verbesserten das Verhalten bei hohen lokalen Strömungsgeschwindigkeiten und verzögerten problematische Kompressibilitätseffekte. Auch Gewicht und Luftwiderstand wurden für den Rekordflug optimiert. Die Lynx war ohnehin ein ungewöhnlich agiler Marine- und Heereshelikopter, der spektakuläre Rollen und Loopings demonstrierte. Im Ranking verliert sie gegen den Raider, weil dessen Compound-System mehr als 220 Knoten ermöglicht. Sie bleibt aber schneller als der sowjetische Mi-24-Rekordträger und gilt als Referenz dafür, wie weit sich die klassische Hubschrauberkonfiguration ausreizen lässt. Dass ein Entwurf aus den 1960er-Jahren diese Leistung erzielte, macht den Rekord bis heute außergewöhnlich.
- Offizieller Rekord: 400,87 km/h über einen geraden 15- und 25-Kilometer-Kurs.
- Rekordpilot war der Westland-Cheftestpilot John Trevor Egginton.
- Spezielle BERP-Rotorblätter waren ein zentraler Bestandteil der Rekordkonfiguration.
- Der Flug fand über den Somerset Levels im Südwesten Englands statt.
- Rekord
- 400,87 km/h beziehungsweise 249,089 mph
- Datum
- 11. August 1986
- Strecke
- Gerader 15- und 25-Kilometer-Kurs
- Pilot
- John Trevor Egginton
- Bauart
- Modifizierter konventioneller Hubschrauber
- Quelle
- World Air Sports Federation
Mil Mi-24 A-10: sowjetischer Rekordflug mit 368,4 km/h
Rang: 6 historischer Rekord
Bevor die Westland Lynx den offiziellen Rekord übernahm, gehörte die Geschwindigkeitskrone einem speziell umgebauten Mil Mi-24. Die als A-10 bezeichnete Rekordmaschine erreichte 1978 auf einem 15- beziehungsweise 25-Kilometer-Kurs 368,4 km/h. Damit liegt sie deutlich hinter der Lynx, aber noch immer vor allen regulären Serienhubschraubern im unteren Teil dieser Liste. Das Resultat ist besonders überraschend, weil die Mi-24-Familie nicht als filigraner Rennhubschrauber entstand, sondern als schwer bewaffneter „fliegender Schützenpanzer“ mit Truppenraum.
Für den Rekord wurden jedoch militärisch nützliche Komponenten entfernt oder verändert. Die typischen Stummelflügel der Mi-24 entfielen, die Maschine wurde erleichtert und aerodynamisch bereinigt. Das reduzierte den Widerstand, nahm dem Muster aber einen Teil seiner Einsatzfunktion. Der Rekord erzählt deshalb auch eine wichtige Geschichte über Top-Speed-Angaben: Eine speziell vorbereitete Maschine ist nicht direkt mit einem voll ausgerüsteten Kampfhubschrauber vergleichbar. Dennoch zeigte die A-10, wie viel Potenzial in der schnell wirkenden, relativ schlanken Mi-24-Zelle steckte. Die Serienversionen verbanden diese Grundgeschwindigkeit mit Bewaffnung, Panzerung und einem kleinen Frachtraum – eine Kombination, die lange nahezu einzigartig blieb. Erst acht Jahre später übertraf die Lynx den sowjetischen Wert.
- Die A-10 war ein speziell für Rekordflüge umgebauter Ableger der Mi-24.
- Die dokumentierte Geschwindigkeit betrug 368,4 km/h.
- Zur Widerstandsreduzierung wurden unter anderem die Stummelflügel entfernt.
- Der Rekord blieb bis zum Lynx-Flug von 1986 bestehen.
- Rekord
- 368,4 km/h
- Rekordjahr
- 1978
- Basis
- Mil Mi-24
- Bezeichnung
- A-10-Rekordumbau, nicht mit dem US-Flugzeug A-10 zu verwechseln
- Abstand zu Rang 5
- 32,47 km/h
- Quelle
- Transportation History
Mil Mi-35M: 305 km/h trotz Panzerung und Bewaffnung
Rang: 7 Kampfhubschrauber
Der Mil Mi-35M erreicht laut technischer Beschreibung eine Höchstgeschwindigkeit von 305 km/h und belegt damit Rang sieben. Er ist die modernisierte Export- und Mehrzweckvariante der Mi-24-Familie, unterscheidet sich aber grundlegend von der abgespeckten A-10-Rekordmaschine auf Rang sechs. Der Mi-35M muss Panzerung, Sensoren, Waffen, Fahrwerk, Treibstoff und einen kleinen Truppenraum mitführen. Dass er unter diesen Einsatzbedingungen die 300-km/h-Marke überschreitet, ist daher bemerkenswerter, als der Abstand von mehr als 60 km/h zur Rekord-Mi-24 zunächst vermuten lässt.
Die Konstruktion verbindet Eigenschaften eines Kampfhubschraubers mit denen eines Transporters. Neben der Besatzung kann sie bis zu acht Soldaten oder eine entsprechende Fracht aufnehmen. Zwei leistungsstarke Turbinen treiben einen Hauptrotor an, während kurze Tragflächen einen Teil der Bewaffnung tragen und im Vorwärtsflug zusätzlichen Auftrieb liefern. Diese Flügel helfen bei schneller Fahrt, verursachen im Schwebeflug jedoch auch Nachteile. Gegenüber dem CH-47F auf Rang acht ist der Mi-35M nur drei km/h schneller. Die beiden Muster könnten konzeptionell kaum unterschiedlicher sein: Hier ein gepanzerter Angriffshelikopter mit kleinem Frachtraum, dort ein großer Tandemrotor-Transporter. Genau dieser Vergleich zeigt, dass Geschwindigkeit nicht ausschließlich von Größe oder Leistung abhängt, sondern vom Zusammenspiel aus Widerstand, Rotorbelastung und Missionsausrüstung.
- Die maximale Geschwindigkeit wird mit 305 km/h angegeben.
- Die normale Reichweite liegt bei etwa 460 Kilometern.
- Der Mi-35M kann neben seiner Bewaffnung bis zu acht Soldaten transportieren.
- Seine VK-2500-Triebwerke verbessern die Leistung bei Höhe und Hitze.
- Höchstgeschwindigkeit
- 305 km/h
- Normale Reichweite
- Etwa 460 km
- Maximale Reichweite
- Bis zu rund 1.000 km in Überführungskonfiguration
- Transportkapazität
- Bis zu acht Soldaten
- Einsatzprofil
- Kampf, bewaffneter Begleitschutz, Transport und Evakuierung
- Quelle
- Airforce Technology
Boeing CH-47F Chinook Block II: 302 km/h mit zwei großen Rotoren
Rang: 8 Schwerlast-Sprinter
Der Boeing CH-47F Chinook Block II erreicht laut Hersteller maximal 302 km/h und liegt damit nur drei km/h hinter dem Mi-35M. Auf den ersten Blick wirkt diese Platzierung kaum plausibel: Der Chinook ist ein massiger Transporthubschrauber mit langem Frachtraum, Heckrampe und zwei Rotoren von jeweils 18,3 Metern Durchmesser. Gerade seine Tandemrotorkonfiguration trägt jedoch entscheidend zur Geschwindigkeit bei. Weil die beiden großen Rotoren gegenläufig drehen, braucht der Chinook keinen Heckrotor, der einen Teil der Motorleistung lediglich zur Drehmomentausgleichung verbrauchen würde.
Stattdessen steht die Antriebsleistung beider Honeywell-T55-Triebwerke für Auftrieb und Vorwärtsflug zur Verfügung. Die lange Zelle kann außerdem mit vergleichsweise günstiger Neigung beschleunigen, während beide Rotoren gemeinsam die Last tragen. Der Block-II-Standard erhöht vor allem Nutzlast, Reichweite und strukturelle Reserven. Boeing nennt ein maximales Startgewicht von 24.494 Kilogramm und eine nutzbare Last von 12.565 Kilogramm. Damit bewegt sich der Chinook in einer anderen Gewichtsklasse als alle höher platzierten Einsatzhubschrauber. Seine 302 km/h sind daher weniger ein absoluter Rekord als ein Verhältnisrekord aus Tempo und Transportleistung. Die Familie fliegt seit 1961, wurde jedoch über Jahrzehnte bei Triebwerken, Rotorblättern, Avionik und Flugsteuerung modernisiert. Deutschland soll ab 2027 CH-47F erhalten.
- Maximale Geschwindigkeit: 302 km/h; Reisegeschwindigkeit: 291 km/h.
- Zwei gegenläufige Tandemrotoren ersetzen den klassischen Heckrotor.
- Das maximale Startgewicht des Block II beträgt 24.494 Kilogramm.
- Die nutzbare Last wird mit 12.565 Kilogramm angegeben.
- Höchstgeschwindigkeit
- 302 km/h
- Reisegeschwindigkeit
- 291 km/h
- Antrieb
- Zwei Honeywell T55-GA-714A mit je 3.562 kW
- Maximales Startgewicht
- 24.494 kg
- Nutzbare Last
- 12.565 kg
- Quelle
- Boeing
NHIndustries NH90: 300 km/h im digitalen Mehrzweckhubschrauber
Rang: 9 europäisch
Mit einer maximalen Reisegeschwindigkeit von 300 km/h folgt der NHIndustries NH90 auf Rang neun. Nur zwei km/h fehlen zum Chinook und fünf zum Mi-35M. Anders als diese beiden Muster wurde der NH90 von Beginn an als moderner europäischer Mehrzweckhubschrauber entwickelt. Er sollte sowohl als taktischer Transporter für Landstreitkräfte als auch als NATO Frigate Helicopter für Einsätze über See funktionieren. Entsprechend gibt es zahlreiche nationale Varianten mit unterschiedlichen Sensoren, Triebwerken und Missionssystemen.
Technisch war der Erstflug von 1995 wegweisend. Der NH90 gehört zu den ersten Serienhubschraubern mit vollständig digitaler Fly-by-Wire-Flugsteuerung. Seine Zelle besteht zu einem großen Teil aus Verbundwerkstoffen, was Gewicht spart und Korrosionsbeständigkeit bietet – ein wichtiger Vorteil bei Marineeinsätzen. Die Geschwindigkeit von 300 km/h wird für ein Basisflugzeug mit 10.000 Kilogramm Masse angegeben. Bei maximaler Zuladung, ungünstigen Temperaturen oder Außenlasten kann der praktische Wert niedriger liegen. Dafür kombiniert der NH90 sein Tempo mit bis zu 4.200 Kilogramm nutzbarer Last, einer Heckrampe und einer maximalen Reichweite von 982 Kilometern. Kontrovers blieb das Programm wegen Verzögerungen, hoher Kosten, komplexer Wartung und unterschiedlicher nationaler Konfigurationen. Aerodynamisch ist der NH90 dennoch ein leistungsfähiger Vertreter der klassischen Einrotorbauweise.
- Maximale Reisegeschwindigkeit: 300 km/h bei 10.000 Kilogramm Masse.
- Die wirtschaftliche Reisegeschwindigkeit beträgt rund 260 km/h.
- Die maximale interne Reichweite wird mit 982 Kilometern angegeben.
- Die Verbundwerkstoffzelle reduziert Gewicht und Korrosionsanfälligkeit.
- Maximale Reisegeschwindigkeit
- 300 km/h beziehungsweise 162 Knoten
- Wirtschaftliche Reisegeschwindigkeit
- 260 km/h beziehungsweise 140 Knoten
- Maximale Reichweite
- 982 km
- Maximales Startgewicht
- 10.600 kg, alternativ bis 11.000 kg
- Nutzbare Last
- Bis zu 4.200 kg
- Quelle
- NHIndustries
Leonardo AW101: 277 km/h mit drei Triebwerken
Rang: 10 Langstrecken-Spezialist
Der Leonardo AW101 schließt die Top 10 mit einer maximalen Reisegeschwindigkeit von 277 km/h ab. Dieser Wert liegt 23 km/h unter dem NH90, muss aber im Zusammenhang mit Größe, Reichweite und Sicherheitskonzept betrachtet werden. Der AW101 ist ein schwerer Mehrzweckhubschrauber mit drei Triebwerken, großer Kabine und einem maximalen Gesamtgewicht von 15.600 Kilogramm. Er wurde für Aufgaben entwickelt, bei denen Ausdauer, Schlechtwetterfähigkeit und Systemredundanz oft wichtiger sind als der letzte Geschwindigkeitsrekord.
Seine drei Turbinen liefern nicht nur Leistung, sondern erhöhen auch die Sicherheitsreserven bei langen Flügen über Wasser oder in abgelegenen Regionen. Die Kabine bietet mehr als 25 crashsichere Sitzplätze, lässt sich aber ebenso für U-Boot-Jagd, Seenotrettung, Verwundetentransport, Spezialkräfte oder Fracht konfigurieren. Leonardo nennt mit Standardtanks bis zu 1.500 Kilometer Reichweite im Zweimotoren-Reiseflug und eine maximale Flugdauer von 6 Stunden und 50 Minuten. Damit kann der AW101 viele kleinere, nominell schnellere Hubschrauber bei realen Langstreckenmissionen übertreffen, weil weniger Tankstopps erforderlich sind. Sein Rang zehn zeigt daher auch die Grenze eines reinen Geschwindigkeitsvergleichs: 277 km/h wirken neben einem Racer bescheiden, sind für einen großen, dreimotorigen Einsatzhubschrauber mit umfangreicher Ausrüstung jedoch ein starker Wert.
- Maximale Reisegeschwindigkeit: 277 km/h beziehungsweise 150 Knoten.
- Drei Triebwerke erhöhen Leistungsreserve und Redundanz.
- Die Kabine kann mehr als 25 crashsichere Sitzplätze aufnehmen.
- Die maximale Ausdauer wird mit bis zu 6 Stunden und 50 Minuten angegeben.
- Maximale Reisegeschwindigkeit
- 277 km/h beziehungsweise 150 Knoten
- Maximales Gesamtgewicht
- 15.600 kg
- Standard-Treibstoffmenge
- 4.108 kg
- Maximale Reichweite
- Bis zu 1.500 km im Zweimotoren-Reiseflug
- Kapazität
- Zwei Cockpitplätze und mehr als 25 Kabinensitzplätze
- Quelle
- Leonardo
Was Hochgeschwindigkeit bei Hubschraubern so schwierig macht
Ein Hubschrauberrotor bewegt sich im Vorwärtsflug nicht gleichmäßig durch die Luft. Auf der vorlaufenden Seite addieren sich Rotations- und Fluggeschwindigkeit. Die Blattspitzen können sich dadurch dem Überschallbereich nähern, was Widerstand, Lärm und Vibrationen stark erhöht. Auf der rücklaufenden Seite werden Rotations- und Fluggeschwindigkeit dagegen voneinander abgezogen. Dort drohen Auftriebsverlust und der sogenannte Retreating Blade Stall. Ein klassischer Hubschrauber kann diese gegensätzlichen Effekte nur begrenzt durch zyklische Blattverstellung ausgleichen.
Die schnellsten Versuchsträger lösen das Problem, indem sie die Aufgaben trennen. Tragflächen übernehmen bei hohem Tempo einen Teil des Auftriebs, während zusätzliche Propeller den Vortrieb liefern. Der Hauptrotor muss dadurch weniger stark nach vorn geneigt werden und kann langsamer oder mit geringerer Belastung arbeiten. Koaxiale Konzepte wie X2 und Raider nutzen zusätzlich zwei gegenläufige Rotorebenen. Airbus setzt bei X3 und Racer dagegen auf einen Hauptrotor mit seitlichen Propellern. Beide Wege erhöhen jedoch Gewicht, Kosten und mechanische Komplexität. Deshalb fliegen die meisten Serienhubschrauber weiterhin zwischen etwa 220 und 300 km/h.
Versuchsträger und Serienhubschrauber sind nur bedingt vergleichbar
Die ersten sechs Plätze werden überwiegend von speziell vorbereiteten Rekordmaschinen oder Forschungsfluggeräten belegt. Sie mussten weder regulären Linienbetrieb noch hohe Produktionszahlen, militärische Vollausrüstung oder wirtschaftliche Wartungsintervalle beweisen. Ein CH-47F oder AW101 transportiert dagegen große Nutzlasten, verfügt über umfangreiche Avionik und muss seine Leistung unter sehr unterschiedlichen Wetter-, Höhen- und Beladungsbedingungen erbringen.
Aus diesem Grund ist der Airbus Racer besonders interessant: Er nähert sich dem Tempo früherer Rekorddemonstratoren, soll aber zugleich Verbrauch, Wartbarkeit und Missionsnutzen berücksichtigen. Ob daraus ein Serienhubschrauber entsteht, ist mit Stand Juli 2026 offen. Weitere Beiträge zu Luftfahrt, Maschinenbau und moderner Mobilität finden sich in der Kategorie Technik.
Häufige Fragen zu den schnellsten Helikoptern
Welcher ist der schnellste Hubschrauber der Welt?
In dieser Auswahl ist der Airbus Helicopters X3 der schnellste belegte Hubschrauber. Er erreichte 2013 im stabilisierten Horizontalflug 472 km/h. Im Sinkflug wurden sogar 487 km/h gemessen, dieser Wert ist jedoch weniger gut mit Reise- und Horizontalfluggeschwindigkeiten vergleichbar.
Warum ist der V-22 Osprey nicht im Ranking enthalten?
Der V-22 ist ein Kipprotorflugzeug. Beim Start zeigen seine Rotoren nach oben, im Reiseflug werden die Triebwerksgondeln jedoch nach vorn geschwenkt. Die Tragflächen erzeugen dann den größten Teil des Auftriebs. Damit unterscheidet sich das Flugprinzip deutlich von einem Hubschrauber oder Compound-Hubschrauber.
Was ist der schnellste konventionelle Hubschrauber?
Die modifizierte Westland Lynx AH.1 hält mit 400,87 km/h einen offiziellen FAI-Geschwindigkeitsrekord über einen geraden 15- und 25-Kilometer-Kurs. Sie verwendete keine zusätzlichen Vortriebspropeller, war für den Rekord aber technisch und aerodynamisch speziell vorbereitet.
Warum können normale Hubschrauber nicht viel schneller fliegen?
Bei hohem Vorwärtstempo entstehen extreme Geschwindigkeitsunterschiede zwischen vorlaufendem und rücklaufendem Rotorblatt. Auf einer Seite drohen Kompressibilitätseffekte, auf der anderen Auftriebsverlust und Strömungsabriss. Compound-Systeme entlasten den Hauptrotor durch Flügel und zusätzliche Propeller.
Welcher schnelle Hubschrauber wird tatsächlich eingesetzt?
Zu den schnellsten regulär eingesetzten Modellen gehören der Mil Mi-35M mit rund 305 km/h, der Boeing CH-47F Chinook Block II mit 302 km/h und der NH90 mit einer maximalen Reisegeschwindigkeit von 300 km/h. X3, X2, Racer und S-97 sind beziehungsweise waren Versuchsträger.







