Mehr als 30.000 km/h erreichen einige der schnellsten Raketen und raketengetragenen Flugkörper der Welt – allerdings ist der Vergleich komplizierter, als eine einfache Mach-Zahl vermuten lässt. Interkontinentalraketen erreichen ihre höchsten Geschwindigkeiten vor allem im Weltraum beziehungsweise beim Wiedereintritt, während Hyperschall-Gleitflugkörper wie Avangard zusätzlich in der Atmosphäre manövrieren können. Dieses Ranking vergleicht öffentlich dokumentierte beziehungsweise seriös geschätzte Spitzengeschwindigkeiten strategischer Raketensysteme. Entscheidend ist jeweils die höchste veröffentlichte Geschwindigkeit einer einsatznahen Flugphase; experimentelle Raumfahrzeuge und reine Trägerraketen wurden ausgeschlossen.
Die Datenlage ist ungewöhnlich schwierig: Viele Leistungswerte sind geheim, Mach-Zahlen hängen von Höhe und Temperatur ab und staatliche Angaben sind teilweise nicht unabhängig überprüfbar. Deshalb werden Geschwindigkeiten bewusst als Näherungswerte behandelt. Der Datenstand dieses Rankings ist September 2026. Wer sich für weitere technische Rekorde interessiert, findet sie in der Kategorie Technik.
So wurde gewertet
Sortiert wurde nach der höchsten öffentlich dokumentierten oder in anerkannten offenen Quellen genannten Geschwindigkeit. Bei ballistischen Raketen kann dies die Geschwindigkeit der Rakete beziehungsweise ihrer Wiedereintrittskörper in einer bestimmten Flugphase sein; bei Avangard die Geschwindigkeit des Gleitflugkörpers. Weil diese Werte nicht unter identischen Testbedingungen entstehen, ist das Ranking als Open-Source-Vergleich und nicht als laborgenaues Rennen zu verstehen. Bei widersprüchlichen Angaben werden Bandbreiten oder gerundete Werte genannt. Berücksichtigt wurden bekannte strategische Systeme mit belastbaren technischen Daten; reine Raumfahrtträger und nicht realisierte Konzepte bleiben außen vor.
Übersicht
| Rang | System | Staat | Spitzengeschwindigkeit* | Typ | Reichweite ca. | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Avangard | Russland | Mach 20–27 | Hyperschall-Gleitflugkörper | interkontinental | manövrierfähiger Gleiter |
| 2 | DF-41 | China | bis Mach 25 | ICBM | bis ca. 15.000 km | straßenmobil |
| 3 | DF-31/DF-31AG | China | bis Mach 25 | ICBM | bis ca. 11.700 km | Feststoffantrieb |
| 4 | Agni-V | Indien | ca. Mach 24 | IRBM/ICBM-Klasse | über 5.000 km | MIRV-Test 2024 |
| 5 | Trident II D5 | USA/UK | ca. Mach 24 | SLBM | 7.360+ km | U-Boot-Start |
| 6 | Minuteman III | USA | ca. Mach 23 | ICBM | 9.650+ km | seit 1970 im Dienst |
| 7 | Topol-M | Russland | ca. Mach 22 | ICBM | ca. 11.000 km | mobil und silobasiert |
| 8 | RS-24 Yars | Russland | Mach 20+ | ICBM | ca. 10.500 km | Nachfolger der Topol-Familie |
| 9 | Hwasong-17 | Nordkorea | Mach 20+ | ICBM | bis ca. 15.000 km | extrem große mobile ICBM |
| 10 | M51 | Frankreich | Mach 20 beim Wiedereintritt | SLBM | interkontinental | M51.3 seit 2025 |
1. Avangard – der ungewöhnliche Spitzenreiter
Rang: 1 Hyperschall-Rekord
Avangard unterscheidet sich grundlegend von einer klassischen Interkontinentalrakete. Das russische System ist ein sogenanntes Hypersonic Glide Vehicle: Eine große Rakete beschleunigt den Flugkörper zunächst auf extreme Geschwindigkeit, danach setzt der Gleiter seinen Weg ohne die für einen klassischen ballistischen Wiedereintritt typische, vollständig vorherbestimmte Flugbahn fort. Genau diese Kombination macht Avangard für ein Geschwindigkeitsranking interessant. Eine technische Open-Source-Untersuchung der Nuclear Threat Initiative nennt für einen Test im Dezember 2018 mehr als Mach 20; andere öffentliche Berichte über denselben Test reichen bis Mach 27.
Damit steht Avangard auf Platz eins, wobei die häufig zitierte Obergrenze nicht wie ein ziviler Geschwindigkeitsrekord unabhängig vermessen werden konnte. Technisch beeindruckender als die reine Zahl ist ohnehin die thermische Belastung. Bei derartigen Geschwindigkeiten wird die umgebende Luft stark aufgeheizt und teilweise ionisiert. Werkstoffe und Wärmeschutz werden dadurch zu entscheidenden Komponenten. Avangard steht deshalb exemplarisch für den Unterschied zwischen einer sehr schnellen ballistischen Flugbahn und einem manövrierenden Flugkörper, der während eines Teils seines Fluges aerodynamischen Belastungen ausgesetzt bleibt.
- Gemeldete Geschwindigkeit: mehr als Mach 20, öffentliche Spitzenangaben bis Mach 27
- Systemtyp: raketengetragener Hyperschall-Gleitflugkörper
- Entwicklung reicht bis in die sowjetische Zeit zurück
- Test von 2018 über rund 6.000 km dokumentiert
- Geschwindigkeit
- Mach 20+, Berichte bis Mach 27
- Klasse
- Hypersonic Glide Vehicle (HGV)
- Entwicklungsland
- Russland
- Besonderheit
- Manövrierbarer Gleitflug nach Raketenbeschleunigung
- Physikalische Herausforderung
- Extreme aerothermische Belastung und Wärmeschutz
- Datenstand
- Open-Source-Angaben, September 2026
- Quelle
- Nuclear Threat Initiative
2. DF-41 – Chinas Hochgeschwindigkeits-ICBM
Rang: 2 straßenmobil
Die chinesische DF-41 erreicht nach offenen Schätzungen bis zu Mach 25 und liegt damit nur hinter den höchsten veröffentlichten Avangard-Angaben. Anders als der russische Gleitflugkörper ist die DF-41 eine klassische dreistufige Interkontinentalrakete mit Feststoffantrieb. Ihre enorme Geschwindigkeit entsteht aus einem völlig anderen Flugprofil: Nach der Beschleunigungsphase bewegt sich eine ICBM für einen großen Teil ihrer Reise außerhalb der dichten Atmosphäre, wo praktisch kein aerodynamischer Widerstand wie in Bodennähe wirkt.
Bemerkenswert ist die Verbindung aus interkontinentaler Reichweite und Mobilität. Offene Quellen nennen rund 15.000 Kilometer Reichweite und einen straßenmobilen Transporter. Die Rakete wurde 2019 bei der chinesischen Nationalfeier öffentlich präsentiert. Bei chinesischen strategischen Systemen bleiben viele technische Einzelheiten jedoch geheim; gerade Geschwindigkeits-, Nutzlast- und Reichweitenwerte beruhen daher häufig auf westlichen Analysen statt auf vollständig veröffentlichten Messdaten. Im Ranking erhält die DF-41 Platz zwei, weil die öffentlich verwendete Höchstgeschwindigkeit von Mach 25 unter der maximal genannten Avangard-Geschwindigkeit liegt, aber oberhalb der gut dokumentierten amerikanischen Minuteman III.
- Öffentlich genannte Spitzengeschwindigkeit: bis Mach 25
- Geschätzte Reichweite: bis etwa 15.000 km
- Dreistufiger Feststoffantrieb
- Straßenmobiles strategisches System
- Geschwindigkeit
- bis Mach 25
- Reichweite
- bis ca. 15.000 km
- Antrieb
- dreistufiger Feststoffantrieb
- Startplattform
- straßenmobil
- Öffentliche Präsentation
- 2019
- Datenqualität
- offene Schätzwerte; exakte Leistungsdaten geheim
- Quelle
- WeaponSpecs
3. DF-31/DF-31AG – der mobile Vorläufer der DF-41
Rang: 3 Feststoff-ICBM
Die DF-31-Familie zeigt, wie China den Übergang von älteren, schwerfälligen strategischen Raketen zu mobilen Feststoffsystemen vollzog. Für die weiterentwickelte DF-31AG werden in offenen Datenbanken Spitzengeschwindigkeiten in der Größenordnung von Mach 25 genannt. Wegen der erheblichen Unsicherheit solcher Werte liegt sie hier hinter der neueren DF-41. Entscheidend ist nicht nur die Geschwindigkeit: Die DF-31 war Chinas erste straßenmobile Interkontinentalrakete mit Feststoffantrieb und veränderte damit die technischen Voraussetzungen für die landgestützte strategische Raketenstreitmacht.
Die ursprüngliche DF-31 wurde 2006 eingeführt. Es folgten DF-31A und später DF-31AG. Je nach Version reichen öffentliche Reichweitenschätzungen von ungefähr 7.000 bis 11.700 Kilometern. Die AG-Ausführung erhielt zudem einen geländegängigeren Transporter, wodurch das System weniger stark auf befestigte Straßen angewiesen ist. Im Vergleich zur DF-41 ist die DF-31-Familie kleiner und älter, markiert aber technologisch einen wichtigen Zwischenschritt. Dass beide Systeme in offenen Quellen ähnlich hohe Mach-Werte erreichen, zeigt zugleich ein Problem dieses Rankings: Bei strategischen Raketen sagt die Spitzengeschwindigkeit allein wenig über Generation, Reichweite oder Gesamtleistung aus.
- Varianten: DF-31, DF-31A und DF-31AG
- Reichweite je nach Version etwa 7.000 bis 11.700 km
- Dreistufiger Feststoffantrieb
- Seit 2006 in verschiedenen Ausführungen eingeführt
- Geschwindigkeit
- offene Angaben bis etwa Mach 25
- Reichweite
- ca. 7.000–11.700 km
- Länge
- rund 14–15 m
- Startgewicht
- etwa 42 t bei frühen Varianten
- Antrieb
- dreistufig, Feststoff
- Status
- DF-31-Familie operational
- Quelle
- CSIS Missile Threat
4. Agni-V – Indiens schnellstes strategisches Raketensystem
Rang: 4 MIRV-Meilenstein
Indiens Agni-V gehört mit einer häufig veröffentlichten Geschwindigkeit von ungefähr Mach 24 zur Spitzengruppe. Die dreistufige Feststoffrakete wurde erstmals 2012 getestet und unterscheidet sich von früheren Agni-Modellen unter anderem durch ihre gekapselte, mobile Auslegung. Das erleichtert Lagerung und Transport und verkürzt gegenüber älteren Systemen die Vorbereitung. Ihre offiziell kommunizierte Reichweite liegt bei mehr als 5.000 Kilometern; unabhängige Schätzungen fallen teilweise höher aus.
Eine wichtige Entwicklung folgte im März 2024: Indiens Defence Research and Development Organisation testete Agni-V im Rahmen der „Mission Divyastra“ erstmals mit Multiple Independently Targetable Re-entry Vehicle Technology. Dabei wurden mehrere Wiedereintrittskörper verfolgt. Für das Geschwindigkeitsranking ist jedoch wichtig, zwischen Rakete und Wiedereintrittsphase zu unterscheiden. Der oft genannte Mach-24-Wert beschreibt keine dauerhaft in dichter Atmosphäre gehaltene Reisegeschwindigkeit. Gerade das erklärt, warum eine ballistische Rakete nominell erheblich schneller sein kann als ein moderner Hyperschall-Marschflugkörper. Agni-V landet auf Platz vier, weil ihre veröffentlichte Spitzengeschwindigkeit knapp unter den Mach-25-Angaben chinesischer Systeme liegt.
- Erstflug: 2012
- Öffentlich genannte Geschwindigkeit: etwa Mach 24
- Reichweite: offiziell mehr als 5.000 km
- Erster indischer Agni-V-MIRV-Test: März 2024
- Geschwindigkeit
- ca. Mach 24
- Reichweite
- über 5.000 km
- Antrieb
- dreistufiger Feststoffantrieb
- Startart
- mobile, gekapselte Rakete
- Ersttest
- 2012
- Besonderheit
- MIRV-Technologie 2024 erstmals erfolgreich getestet
- Quelle
- Press Information Bureau, Government of India
5. Trident II D5 – extreme Geschwindigkeit aus dem U-Boot
Rang: 5 U-Boot-Rakete
Die Trident II D5 ist seit 1990 im Einsatz und verbindet zwei technisch gegensätzliche Anforderungen: Sie muss aus einem getauchten U-Boot starten und anschließend eine interkontinentale ballistische Flugbahn erreichen. Nach dem Ausstoß aus dem Startrohr durch Gasdruck durchbricht die Rakete die Wasseroberfläche, bevor ihre drei Feststoffstufen nacheinander beschleunigen. Offene Referenzdaten nennen für die Endphase ungefähr Mach 24 beziehungsweise rund 29.000 km/h.
Damit liegt die Trident in einer ähnlichen Geschwindigkeitsklasse wie Agni-V. Der Unterschied ist die Startplattform. Ein U-Boot kann sich über riesige Meeresgebiete bewegen, während landgestützte ICBMs an Silos oder mobile Landfahrzeuge gebunden sind. Die US Navy nennt für die D5 eine Reichweite von mindestens 4.000 Seemeilen beziehungsweise 7.360 Kilometern; Reichweite und Nutzlast beeinflussen sich bei ballistischen Raketen gegenseitig. Die D5 wurde außerdem über Jahrzehnte modernisiert. Die Life-Extension-Version kam 2017 in die Flotte, und die nächste Generation D5LE2 soll das System weiterführen. Die Kombination aus Unterwasserstart, dreistufigem Feststoffantrieb und extrem hoher Endgeschwindigkeit macht Platz fünf technisch besonders bemerkenswert.
- Indienststellung: 1990
- Dreistufige Feststoffrakete
- Start aus getauchten strategischen U-Booten
- Life-Extension-Version seit 2017 in der Flotte
- Geschwindigkeit
- offene Angaben ca. Mach 24
- Reichweite
- mindestens 7.360 km laut US Navy
- Länge
- 13,41 m
- Gewicht
- ca. 58.500 kg
- Antrieb
- drei Feststoffstufen
- Plattformen
- US-amerikanische und britische SSBN
- Quelle
- United States Navy
6. Minuteman III – Mach 23 mit Technik aus der Zeit des Apollo-Programms
Rang: 6 historisch
Kaum ein Eintrag zeigt eindrucksvoller, dass extreme Geschwindigkeit nicht automatisch moderne Entwicklung bedeutet. Die Minuteman III wurde bereits im Juni 1970 in Dienst gestellt. Trotzdem gibt die US Air Force ihre Geschwindigkeit am Ende der Beschleunigungsphase mit ungefähr 15.000 mph beziehungsweise 24.000 km/h an – etwa Mach 23. Damit bleibt die mehr als ein halbes Jahrhundert alte Rakete in diesem Vergleich vor zahlreichen wesentlich jüngeren Hyperschallsystemen.
Der Grund liegt in der Physik ballistischer Interkontinentalraketen. Drei Feststoffstufen beschleunigen die Minuteman III in wenigen Minuten auf eine Geschwindigkeit, die für eine interkontinentale Flugbahn ausreicht. Ihre Gipfelhöhe wird von der US Air Force mit etwa 1.120 Kilometern angegeben – deutlich oberhalb der Umlaufbahn der Internationalen Raumstation. Das System wurde über Jahrzehnte technisch modernisiert, obwohl die ursprüngliche Produktion 1978 endete. Die USA planen den langfristigen Ersatz durch die LGM-35A Sentinel. Bis dahin demonstriert Minuteman III eine ungewöhnliche technische Langlebigkeit: Ein System aus der Frühzeit moderner Mikroelektronik gehört nach seiner reinen Fluggeschwindigkeit weiterhin zur Weltspitze.
- Geschwindigkeit: ca. 24.000 km/h
- Indienststellung: Juni 1970
- Produktion endete 1978
- Dreistufiger Feststoffantrieb
- Geschwindigkeit
- ca. 15.000 mph / 24.000 km/h / Mach 23
- Reichweite
- über 6.000 Meilen bzw. rund 9.650 km
- Gipfelhöhe
- ca. 1.120 km
- Länge
- ca. 18 m
- Startgewicht
- rund 36 t
- Indienststellung
- 1970
- Quelle
- U.S. Air Force / Malmstrom AFB
7. Topol-M – Russlands erste ICBM nach dem Ende der Sowjetunion
Rang: 7 Generationensprung
Topol-M ist historisch besonders interessant, weil sie als erste Interkontinentalrakete gilt, die nach dem Zerfall der Sowjetunion unter russischer Verantwortung fertigentwickelt wurde. Ihre Wurzeln reichen zwar in die späten 1980er-Jahre zurück, das Design wurde nach 1992 jedoch neu ausgerichtet. Offene Fachliteratur ordnet die Geschwindigkeit in einer Größenordnung von etwa Mach 22 ein. Damit liegt Topol-M knapp unter der amerikanischen Minuteman III, aber weiterhin weit oberhalb der Grenze von Mach 5, ab der von Hyperschallgeschwindigkeit gesprochen wird.
Die dreistufige Feststoffrakete erreicht etwa 11.000 Kilometer Reichweite. Besonders wichtig war ihre doppelte Stationierungsmöglichkeit: Topol-M existiert sowohl für Silos als auch auf großen mobilen Transportfahrzeugen. Später entstand aus dieser technischen Familie die RS-24 Yars. Der Vergleich der beiden Systeme zeigt, dass Geschwindigkeit nur ein Entwicklungsziel unter mehreren ist. Bei Yars rückten unter anderem mehrere Wiedereintrittskörper stärker in den Mittelpunkt. Topol-M bleibt deshalb ein Bindeglied zwischen sowjetischen mobilen Raketen und den neueren russischen strategischen Systemen.
- Reichweite: etwa 11.000 km
- Dreistufiger Feststoffantrieb
- Silo- und straßenmobile Versionen
- Erster Teststart: 1994
- Geschwindigkeit
- ca. Mach 22 in offenen Fachvergleichen
- Reichweite
- ca. 11.000 km
- Länge
- 21,9 m
- Durchmesser
- 1,9 m
- Startgewicht
- ca. 47.000 kg
- Indienststellung
- 1997
- Quelle
- Istituto Affari Internazionali
8. RS-24 Yars – Weiterentwicklung statt kompletter Neuanfang
Rang: 8 modernisiert
Die RS-24 Yars entstand nicht auf einem leeren Blatt. Technisch ist sie eng mit Topol-M verwandt, erweitert das Konzept aber vor allem bei der Nutzlast. Öffentliche Beschreibungen nennen mehrere Wiedereintrittskörper und eine Reichweite von ungefähr 10.500 Kilometern. Für die Geschwindigkeit kursieren Werte oberhalb von Mach 20; präzise, unabhängig überprüfbare Spitzengeschwindigkeiten gehören jedoch nicht zu den öffentlich verfügbaren technischen Kerndaten. Deshalb steht Yars in diesem Ranking bewusst hinter der besser dokumentierten Topol-M.
Der erste Flugtest fand im Mai 2007 statt, die Indienststellung folgte 2010. Wie Topol-M kann Yars sowohl mobil als auch silobasiert eingesetzt werden. Die Rakete wiegt nach offenen Schätzungen knapp 50 Tonnen und verwendet drei Feststoffstufen. Im historischen Vergleich steht sie für einen Trend, der seit Jahrzehnten die Entwicklung strategischer Raketen prägt: Nicht immer wird die Höchstgeschwindigkeit deutlich erhöht. Stattdessen verändern sich Mobilität, Nutzlastkonfiguration und technische Gegenmaßnahmen. Genau deshalb ist ein reines Geschwindigkeitsranking zwar spektakulär, aber kein Maßstab für die Gesamtfähigkeit eines Raketensystems.
- Erster Flugtest: 2007
- Indienststellung: 2010
- Reichweite: rund 10.500 km
- Straßenmobil und silobasiert
- Geschwindigkeit
- öffentlich meist mit Mach 20+ angegeben
- Reichweite
- ca. 10.500 km
- Länge
- ca. 22,5 m
- Durchmesser
- ca. 2 m
- Startgewicht
- ca. 49.600 kg
- Antrieb
- drei Feststoffstufen
- Quelle
- CSIS Missile Threat
9. Hwasong-17 – Nordkoreas riesige mobile Interkontinentalrakete
Rang: 9 ungewöhnlich groß
Die Hwasong-17 fällt schon durch ihre Dimensionen aus dem üblichen Rahmen. Mit geschätzten 24 bis 26 Metern Länge und einem Startgewicht von möglicherweise 80 bis 110 Tonnen gilt sie als eine der größten jemals auf einem Straßenfahrzeug transportierten Flüssigtreibstoff-ICBMs. Beim eindeutig zugeordneten Test vom November 2022 flog sie rund 1.000 Kilometer weit und erreichte auf der stark überhöhten Testbahn eine Gipfelhöhe von etwa 6.100 Kilometern. Berichte über diesen Start nannten Geschwindigkeiten von mehr als Mach 20.
Die enorme Gipfelhöhe darf dabei nicht mit Reichweite verwechselt werden. Nordkorea testet Langstreckenraketen häufig auf steilen Flugbahnen, damit sie in relativ geringer horizontaler Entfernung ins Meer fallen. Fachanalysen schätzen das Reichweitenpotenzial der Hwasong-17 auf bis zu etwa 15.000 Kilometer bei einer normalen interkontinentalen Flugbahn. Gleichzeitig bleiben wichtige Fragen offen: Nordkorea hat seine ICBMs nicht über die volle interkontinentale Distanz getestet, weshalb insbesondere Aussagen zur Präzision und zum Verhalten von Wiedereintrittskörpern mit Unsicherheiten verbunden sind. Platz neun spiegelt deshalb sowohl die enorme Geschwindigkeit als auch die deutlich unsicherere Datenlage wider.
- Eindeutig erfolgreicher Hwasong-17-Test: November 2022
- Testgipfelhöhe: rund 6.100 km
- Geschätzte Reichweite: bis ca. 15.000 km
- Zweistufiger Flüssigtreibstoffantrieb
- Geschwindigkeit
- bei Testberichten über Mach 20
- Reichweite
- geschätzt bis ca. 15.000 km
- Länge
- ca. 24–26 m
- Durchmesser
- ca. 2,4–2,5 m
- Startgewicht
- geschätzt 80–110 t
- Besonderheit
- sehr große straßenmobile Flüssigtreibstoff-ICBM
- Quelle
- Korea JoongAng Daily
10. M51 – Frankreichs Rakete fliegt bis weit über den niedrigen Erdorbit
Rang: 10 europäischer Rekord
Die französische M51 schließt die Top 10 mit einem besonders gut dokumentierten Herstellerwert ab. ArianeGroup gibt an, dass die Rakete beim Wiedereintritt etwa 20.000 km/h beziehungsweise Mach 20 erreicht. Sie wird aus einem getauchten U-Boot gestartet, durchquert die Atmosphäre und steigt auf mehr als 2.000 Kilometer Höhe. Zum Vergleich: Die Internationale Raumstation bewegt sich typischerweise nur in einigen Hundert Kilometern Höhe. Die Flugbahn der M51 führt also weit über den Bereich hinaus, der gewöhnlich als niedriger Erdorbit bezeichnet wird.
Die M51 ist seit 2010 im Einsatz und besteht aus drei Feststoffstufen. Sie wiegt mehr als 50 Tonnen und ist ungefähr zwölf Meter lang. Besonders aktuell ist die kontinuierliche Weiterentwicklung: Im Oktober 2025 wurde die Version M51.3 operativ in Dienst gestellt; gleichzeitig arbeitet Frankreich bereits an M51.4. Damit unterscheidet sich das Programm von vielen älteren strategischen Raketen, die vor allem durch Lebensdauerverlängerungen modernisiert werden. Platz zehn verdeutlicht zugleich die Größenordnung: Selbst der letzte Eintrag dieses Rankings erreicht etwa zwanzigfache Schallgeschwindigkeit.
- Wiedereintritt: rund 20.000 km/h beziehungsweise Mach 20
- Flughöhe: über 2.000 km
- Drei Feststoffstufen
- M51.3 seit Oktober 2025 operativ
- Geschwindigkeit
- 20.000 km/h / Mach 20 beim Wiedereintritt
- Flughöhe
- über 2.000 km
- Masse
- mehr als 50 t
- Länge
- ca. 12 m
- Antrieb
- drei Feststoffstufen
- Indienststellung
- M51 ab 2010; M51.3 seit 2025
- Quelle
- ArianeGroup
Warum sind ballistische Raketen schneller als viele Hyperschallraketen?
Der Begriff „Hyperschallrakete“ führt leicht zu einem Missverständnis. Hyperschall beginnt definitionsgemäß bereits oberhalb von Mach 5. Interkontinentalraketen erreichen solche Geschwindigkeiten seit Jahrzehnten. Moderne Hyperschallwaffen sind deshalb nicht allein wegen ihrer Geschwindigkeit neu. Entscheidend ist häufig ihre Fähigkeit, während des atmosphärischen Fluges stärker zu manövrieren oder andere Flugprofile zu verwenden als klassische ballistische Wiedereintrittskörper.
Eine ICBM wird dagegen in kurzer Zeit stark beschleunigt und verbringt einen wesentlichen Teil ihrer Flugbahn außerhalb der dichten Atmosphäre. Dort fehlt der starke Luftwiderstand. Beim Wiedereintritt entstehen dafür extreme Temperaturen und mechanische Belastungen. Deshalb sind Mach 20 bei einer ballistischen Rakete und Mach 10 bei einem länger in der Atmosphäre fliegenden System technisch keine unmittelbar vergleichbaren Leistungen. Das erklärt auch, warum bekannte Systeme wie Kinzhal, DF-17, Zircon oder BrahMos trotz ihrer öffentlichen Wahrnehmung nicht in dieser Top 10 erscheinen: Bei der reinen maximalen Geschwindigkeit liegen zahlreiche Interkontinentalraketen darüber.
FAQ: Häufige Fragen zu den schnellsten Raketen der Welt
Welche ist die schnellste Rakete der Welt?
Unter den öffentlich bekannten militärischen Flugkörpersystemen wird Avangard häufig an der Spitze genannt. Für Tests wurden Geschwindigkeiten von mehr als Mach 20 berichtet; russische Angaben beziehungsweise darauf basierende öffentliche Berichte reichen bis etwa Mach 27. Die exakte Höchstgeschwindigkeit ist nicht unabhängig öffentlich verifiziert.
Wie schnell sind Mach 20 in km/h?
Eine feste Umrechnung ist physikalisch nur näherungsweise möglich, weil die Schallgeschwindigkeit von Temperatur und Höhe abhängt. In populären Vergleichen entspricht Mach 20 grob einer Größenordnung von rund 24.000 km/h. Deshalb sind direkte Umrechnungen von Mach-Zahlen bei Flugkörpern nur Orientierungswerte.
Warum fehlt die Hyperschallrakete Kinzhal in den Top 10?
Kinzhal wird öffentlich mit bis zu ungefähr Mach 10 angegeben. Das ist extrem schnell, liegt aber deutlich unter den Spitzengeschwindigkeiten vieler Interkontinentalraketen, die während bestimmter Flugphasen Mach 20 und mehr erreichen können.
Ist eine Rakete mit Mach 25 während des gesamten Fluges so schnell?
Nein. Raketen beschleunigen und verändern ihre Geschwindigkeit während des Fluges. Bei ballistischen Systemen beziehen sich spektakuläre Höchstwerte häufig auf bestimmte Abschnitte der Flugbahn oder auf Wiedereintrittskörper. Eine Höchstgeschwindigkeit darf daher nicht mit einer konstanten Reisegeschwindigkeit verwechselt werden.
Warum unterscheiden sich Angaben zur Geschwindigkeit derselben Rakete?
Strategische Leistungsdaten sind häufig geheim. Quellen können außerdem unterschiedliche Flugphasen, Varianten oder Umrechnungsverfahren verwenden. Hinzu kommt, dass Mach keine konstante km/h-Einheit ist. Seriöse Vergleiche sollten deshalb Bandbreiten und Unsicherheiten ausdrücklich nennen.
Weitere Rankings aus Ingenieurwesen, Verkehr und Hochtechnologie gibt es in der Technik-Kategorie von Top-10-Liste.de.







