Die 10 tiefsten Höhlen in Europa

Die 10 tiefsten Höhlen in Europa

2.212 Meter Höhenunterschied zwischen Eingang und tiefstem vermessenem Punkt: Europas extremste Höhlensysteme reichen mehr als zwei Kilometer vertikal in den Untergrund. An der Spitze stehen mehrere Höhlen im westlichen Kaukasus, während Frankreich, Österreich und Spanien die tiefsten Systeme des übrigen Europas stellen. Die Dimensionen entstehen nicht durch einen einzigen senkrechten Schacht, sondern durch kilometerlange Abfolgen aus Schächten, Mäandern, Wasserläufen, Hallen und Siphons.

Sortiert wird nach der aktuell dokumentierten vertikalen Ausdehnung beziehungsweise Niveaudifferenz. Die Rangliste folgt der in internationalen Höhlenstatistiken verbreiteten Zuordnung Georgiens zum europäischen Speleologie-Kontext. Geografisch ist der Kaukasus eine Übergangsregion zwischen Europa und Asien; ohne Georgien wäre der französische Gouffre Mirolda Europas tiefste Höhle. Türkische Höhlen südlich des Bosporus werden dagegen nicht berücksichtigt. Datenstand ist August 2026. Weitere Naturrekorde gibt es in der Kategorie Natur.

So wurde gewertet

Entscheidend ist die vertikale Gesamtausdehnung eines zusammenhängenden natürlichen Höhlensystems: die Höhendifferenz zwischen höchstem bekannten Eingang beziehungsweise höchstem vermessenen Punkt und tiefstem erreichten Punkt. Sie ist nicht identisch mit der Länge der Gänge. Ein System kann daher 1.700 Meter tief und gleichzeitig mehrere Dutzend Kilometer lang sein. Verwendet wurden aktuelle internationale Höhlenlisten sowie geologische und speleologische Fachquellen. Wo Quellen geringfügig abweichende Werte nennen, wird der aktuelle statistische Wert verwendet und die Differenz erklärt. Das betrifft unter anderem Krubera mit 2.197 bis 2.199 Metern sowie die Hirlatzhöhle mit rund 1.559 bis 1.560 Metern. Die Erforschung tiefer Höhlen ist dynamisch: Neue Eingänge, Verbindungen und Siphontauchgänge können die Niveaudifferenz jederzeit verändern.

Übersicht

  1. Werjowkina-Höhle
  2. Krubera-Voronja
  3. Sarma-Höhle
  4. Illyuzia-Mezhonnogo-Snezhnaya
  5. Gouffre Mirolda
  6. Lamprechtsofen
  7. Réseau Jean-Bernard
  8. Torca del Cerro del Cuevón
  9. Hirlatzhöhle
  10. Vjacheslav-Pantjukhina-Höhle
Rang Höhle Tiefe Ganglänge Land Gebirge Besonderheit
1 Werjowkina-Höhle 2.212 m ca. 12,7 km Georgien / Abchasien Arabika-Massiv tiefste bekannte Höhle der Erde
2 Krubera-Voronja ca. 2.197–2.199 m ca. 16,1 km Georgien / Abchasien Arabika-Massiv erste erforschte Höhle tiefer als 2.000 m
3 Sarma-Höhle 1.830 m ca. 6,4 km Georgien / Abchasien Arabika-Massiv Klimaarchiv des Westkaukasus
4 Illyuzia-Mezhonnogo-Snezhnaya 1.760 m ca. 24,1 km Georgien / Abchasien Bzyb-Massiv komplexes System aus mehreren verbundenen Höhlen
5 Gouffre Mirolda 1.733 m ca. 13 km Frankreich Haute-Savoie tiefste Höhle der Alpen
6 Lamprechtsofen 1.727 m ca. 60 km Österreich Leoganger Steinberge früher tiefste Höhle der Welt
7 Réseau Jean-Bernard 1.625 m ca. 26,7 km Frankreich Haute-Savoie ehemaliger Weltrekordhalter
8 Torca del Cerro del Cuevón 1.589 m ca. 7,1 km Spanien Picos de Europa tiefstes Höhlensystem Spaniens
9 Hirlatzhöhle ca. 1.559–1.560 m über 120 km Österreich Dachstein zugleich außergewöhnlich lang und tief
10 Vjacheslav-Pantjukhina-Höhle 1.508 m ca. 5,5 km Georgien / Abchasien Bzyb-Massiv bereits in den 1980ern über 1,5 km tief erforscht

1. Werjowkina-Höhle – 2.212 Meter

Rang: 1 Weltrekord

Die Werjowkina-Höhle ist nicht nur Europas tiefste Höhle, sondern der aktuelle Weltrekordhalter. Im März 2018 erreichte ein Expeditionsteam unter Leitung von Pavel Demidov und Ilya Turbanov einen wassergefüllten Tiefpunkt 2.212 Meter unter dem oberen Bezugspunkt des Systems. Damit übertraf Werjowkina die nur wenige Kilometer entfernte Krubera-Höhle. Guinness World Records führt diese 2.212 Meter bis heute als offiziellen Tiefenrekord. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

Die Höhle liegt im Arabika-Karstplateau des westlichen Kaukasus. Dieser Gebirgsstock besteht aus mächtigen Kalksteinserien, die durch tektonische Hebung und enorme Niederschlagsmengen außergewöhnlich tief verkarstet wurden. Schmelzwasser und Regen dringen von mehr als 2.000 Metern Meereshöhe in das Gestein ein und folgen Klüften, Schächten und unterirdischen Wasserwegen Richtung Schwarzes Meer.

Der Weg zum Tiefpunkt ist kein gigantischer einzelner Schacht. Expeditionen benötigen viele Tage, mehrere unterirdische Biwaks und kilometerlange Seilinstallationen. 2018 zeigte sich außerdem, wie gefährlich dieses System werden kann: Während einer Expedition schwoll der unterirdische Wasserlauf nach Starkregen dramatisch an. Teams am Höhlenboden mussten sich innerhalb kurzer Zeit in höhere Abschnitte retten.

Die Höhle ist auch biologisch interessant. In den extrem isolierten Bereichen wurden spezialisierte Höhlentiere und mikrobiologische Lebensgemeinschaften untersucht. Rang eins beruht damit auf mehr als einer spektakulären Zahl: Werjowkina ist ein natürliches Labor für Karsthydrologie, Tiefenbiologie und die physische Grenze menschlicher Höhlenforschung.

  • Offizieller Tiefenrekord: 2.212 m
  • Rekordmessung im März 2018
  • Ganglänge rund 12,7 km
  • Nur wenige Kilometer von Krubera entfernt
Internationaler Name
Veryovkina Cave
Tiefe
2.212 m
Ganglänge
ca. 12,7 km
Gebirge
Arabika-Massiv, westlicher Kaukasus
Region
Abchasien, Georgien
Rekord seit
2018
Geologie
hochgradig verkarsteter Kalkstein
Quelle
Guinness World Records

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2. Krubera-Voronja – rund 2.197 bis 2.199 Meter

Rang: 2 historischer Weltrekord

Krubera-Voronja schrieb Höhlenforschungsgeschichte, lange bevor die Werjowkina-Höhle sie überholte. 2004 wurde das System als erste bekannte Höhle der Erde tiefer als 2.000 Meter erforscht. Der Höhlenforscher und Karstwissenschaftler Alexander Klimchouk beschreibt in der Encyclopedia of Caves eine Tiefe von 2.197 Metern im Hauptast. Aktuelle internationale Höhlenlisten führen aufgrund späterer Vermessungen teilweise 2.199 Meter. Für die Rangfolge spielt diese Zwei-Meter-Differenz keine Rolle: Krubera bleibt klar die Nummer zwei. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Die Höhle liegt ebenfalls im Arabika-Massiv und demonstriert dessen außergewöhnliches geologisches Potenzial. Bereits 2001 erreichten ukrainische Forscher 1.710 Meter und machten Krubera damals zur tiefsten Höhle der Welt. Nur drei Jahre später fiel die symbolische 2.000-Meter-Marke. Danach folgten weitere Tiefenrekorde durch Expeditionen und Siphontauchgänge.

Besonders schwierig sind die wassergefüllten Endbereiche. Der trocken erreichbare Tiefpunkt und die über Siphons zugänglichen Abschnitte unterscheiden sich deutlich in ihrer Logistik. Tauchausrüstung muss über kilometerlange Passagen, Schächte und Biwaks in enorme Tiefe transportiert werden. Schon ein technischer Defekt wird dort zu einem ernsthaften Problem.

Krubera ist zugleich eines der besten Beispiele dafür, wie Höhlenrekorde entstehen: nicht durch einen einzigen spektakulären Abstieg, sondern durch Jahrzehnte gemeinsamer Arbeit internationaler Teams. Die Höhle hielt den Weltrekord viele Jahre und war das erste System, das bewies, dass Kalkkarst auf der Erde tatsächlich eine vertikale Ausdehnung von mehr als zwei Kilometern erreichen kann.

  • Erste bekannte Höhle tiefer als 2.000 m
  • Fachliteratur: 2.197 m, aktuelle Listen teils 2.199 m
  • Ganglänge rund 16 km
  • Weltrekordhalter vor der Werjowkina-Höhle
Alternativname
Voronja beziehungsweise Voronya Cave
Tiefe
ca. 2.197–2.199 m
Ganglänge
ca. 16,1 km
Gebirge
Arabika-Massiv
Region
Abchasien, Georgien
2.000-m-Marke
2004 erstmals überschritten
Forschung
maßgeblich durch ukrainische Speleologen
Quelle
Encyclopedia of Caves / ScienceDirect

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3. Sarma-Höhle – 1.830 Meter

Rang: 3 Klimaarchiv

Mit 1.830 Metern vertikaler Ausdehnung ist die Sarma-Höhle das dritttiefste europäisch eingeordnete Höhlensystem und zugleich eines der tiefsten der Erde. Sie liegt wie Werjowkina und Krubera im Arabika-Massiv. Eine 2024 in Communications Earth & Environment veröffentlichte Studie bezeichnet Sarma ausdrücklich als 1.830 Meter tief und nutzt Tropfsteinmaterial aus der Höhle zur Rekonstruktion des Klimas im westlichen Kaukasus. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

Gerade diese wissenschaftliche Nutzung macht Sarma besonders interessant. Während populäre Berichte tiefe Höhlen häufig nur als sportliche Extreme betrachten, bewahren ihre mineralischen Ablagerungen geochemische Informationen über frühere Niederschläge, Temperaturen und Vegetationsbedingungen. Tropfsteine wachsen Schicht für Schicht und können dadurch ähnlich wie Baumringe oder Eisbohrkerne Umweltveränderungen archivieren.

Der Eingang liegt auf mehr als 2.000 Metern Höhe. Auf dem hochalpinen Plateau fällt ein großer Teil des Niederschlags als Schnee. Im Frühjahr dringt Schmelzwasser in das Kalkmassiv ein und speist die tiefen Höhlenbereiche. Genau diese Verbindung macht Sarma besonders geeignet, winterliche Klimaveränderungen im Westkaukasus zu untersuchen.

Die Tiefe von 1.830 Metern wurde 2012 erreicht, als Forscher den damaligen Endpunkt um etwa 70 Meter nach unten erweiterten. Seitdem bleibt Sarma klar hinter den beiden Zwei-Kilometer-Höhlen, aber deutlich vor den meisten übrigen Systemen Europas. Die Rangdifferenz zeigt zugleich, wie außergewöhnlich das Arabika-Massiv ist: Drei der vier tiefsten europäischen Höhlen liegen auf wenigen Quadratkilometern.

  • Tiefe: 1.830 m
  • Ganglänge etwa 6,4 km
  • Eingang auf rund 2.150–2.200 m Meereshöhe
  • Tropfsteine dienen als Klimaarchiv des Westkaukasus
Name
Sarma Cave
Tiefe
1.830 m
Ganglänge
ca. 6,4 km
Gebirge
Arabika-Massiv
Region
Abchasien, Georgien
Klima
hochmontan bis subalpin mit starker Schneeschmelze
Forschungswert
Paläoklima und Karsthydrologie
Quelle
Communications Earth & Environment

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4. Illyuzia-Mezhonnogo-Snezhnaya – 1.760 Meter

Rang: 4 Höhlensystem

Das kompliziert benannte System Illyuzia-Mezhonnogo-Snezhnaya erreicht 1.760 Meter vertikale Ausdehnung und mehr als 24 Kilometer vermessene Ganglänge. Es liegt nicht im Arabika-Massiv, sondern im benachbarten Bzyb-Kalkmassiv. Eine georgische Fachübersicht zu den tiefsten Karsthöhlen des Landes führt das System mit genau 1.760 Metern und hebt es gemeinsam mit der Pantjukhina-Höhle als außergewöhnliches Tiefenobjekt des Bzyb-Massivs hervor. :contentReference[oaicite:3]{index=3}

Der lange Name verrät seine Entstehung. Mehrere ursprünglich getrennt erforschte Höhlen wurden durch neue Passagen miteinander verbunden und erwiesen sich als Teile eines gemeinsamen unterirdischen Systems. Dadurch nahm nicht nur die Ganglänge zu, sondern auch die gemessene vertikale Differenz zwischen den Eingängen und dem tiefsten Punkt.

Das Bzyb-Massiv zählt zu den intensiv verkarsteten Hochgebirgslandschaften des Kaukasus. Auf der Oberfläche finden sich Dolinen, Schächte, Karrenfelder und Schneehöhlen. Unterirdisch konzentriert sich das Wasser in tief eingeschnittenen Schächten und Flusspassagen. Schneeschmelze kann den Wasserstand saisonal stark verändern und die Expeditionen erheblich erschweren.

Historisch ist das System ein gutes Beispiel für die Entwicklung moderner Höhlenkartierung. In den 1980er-Jahren wurden einzelne Teile bereits auf mehr als 1.300 Meter Tiefe erforscht. Erst spätere Verbindungen und Neuvermessungen führten zum heutigen Wert. Mit 1.760 Metern liegt das System 70 Meter hinter Sarma, aber noch knapp vor den tiefsten alpinen Höhlen Frankreichs und Österreichs.

  • Tiefe: 1.760 m
  • Ganglänge etwa 24 km
  • Mehrere ursprünglich getrennte Höhlen verbunden
  • Liegt im Bzyb-Massiv des westlichen Kaukasus
Internationaler Name
Illyuzia-Mezhonnogo-Snezhnaya System
Tiefe
1.760 m
Ganglänge
ca. 24,1 km
Gebirge
Bzyb-Kalkmassiv
Region
Abchasien, Georgien
Höhlentyp
komplexes alpines Karstsystem
Besonderheit
durch Verbindung mehrerer Höhlen entstanden
Quelle
International Academy of Agrarian Education – Fachübersicht

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5. Gouffre Mirolda – 1.733 Meter

Rang: 5 Alpenrekord

Der Gouffre Mirolda beziehungsweise das System Mirolda–Lucien Bouclier erreicht 1.733 Meter vertikale Ausdehnung und ist damit die tiefste Höhle der Alpen. Eine 2025 veröffentlichte wissenschaftliche Übersicht zu Karstwasserressourcen im Alpenraum führt den Gouffre Mirolda mit 1.733 Metern als tiefste alpine Höhle. :contentReference[oaicite:4]{index=4}

Das System liegt bei Samoëns in Haute-Savoie und durchzieht den Kalkstock des Criou. Seine Erforschung zeigt exemplarisch, wie Höhlentiefen durch neue Eingänge und Verbindungen wachsen. In den frühen 1980er-Jahren lagen die bekannten Tiefen noch deutlich unter dem heutigen Wert. Durch die Verbindung mehrerer Schächte, darunter das Réseau Lucien Bouclier und später höher gelegene Eingänge, wurde die gesamte Niveaudifferenz immer größer.

2003 erreichten Taucher einen tiefen Siphon und steigerten den damaligen Weltrekord auf 1.733 Meter. Für kurze Zeit galt Mirolda damit als tiefste bekannte Höhle der Erde. Bereits 2004 wurde sie jedoch von Krubera überholt, als dort erstmals eine Tiefe von mehr als zwei Kilometern erreicht wurde.

Die alpine Lage prägt die Hydrologie. Schnee, Starkregen und Schmelzwasser gelangen rasch durch den stark zerklüfteten Kalk. Unterirdische Bäche können in engen Passagen schnell anschwellen, Siphone blockieren den Weiterweg vollständig. Das macht die Erforschung technisch anspruchsvoll und erklärt, warum manche Tiefenbereiche nur bei besonders günstigen Wasserständen erreichbar sind.

Ohne die transkontinentalen Kaukasushöhlen wäre Mirolda die tiefste Höhle dieses Europa-Rankings. Innerhalb der Alpen ist ihr Spitzenplatz eindeutig.

  • Tiefe: 1.733 m
  • Ganglänge etwa 13 km
  • Tiefste Höhle der Alpen
  • 2003 zeitweise tiefste bekannte Höhle der Welt
Name
Gouffre Mirolda / Réseau Lucien Bouclier
Tiefe
1.733 m
Ganglänge
ca. 13 km
Ort
Samoëns, Haute-Savoie
Land
Frankreich
Gebirge
Französische Alpen
Historischer Status
Weltrekordhalter 2003–2004
Quelle
Grundwasser / Springer Nature

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6. Lamprechtsofen – 1.727 Meter

Rang: 6 Österreich-Rekord

Nur sechs Meter trennen den Lamprechtsofen vom französischen Gouffre Mirolda. Die aktuelle internationale Höhlenstatistik führt das österreichische System mit 1.727 Metern Niveaudifferenz und rund 60 Kilometern vermessener Länge. Damit ist der Lamprechtsofen Österreichs tiefste bekannte Höhle und zugleich eine der bemerkenswertesten Durchgangshöhlen der Welt. :contentReference[oaicite:5]{index=5}

Seine Erforschung verlief ungewöhnlich, denn der seit Jahrhunderten bekannte Eingang liegt tief im Saalachtal. Forscher mussten daher zunächst gegen die natürliche Entwässerungsrichtung bergauf in das System eindringen. Der entscheidende Durchbruch kam in den 1990er-Jahren: Polnische Höhlenforscher entdeckten in den Leoganger Steinbergen einen hoch gelegenen Schacht und verbanden ihn mit dem Lamprechtsofen. Dadurch sprang die vertikale Gesamtdifferenz nach oben.

1998 wurde der Lamprechtsofen mit damals mehr als 1.600 Metern vorübergehend zur tiefsten Höhle der Welt. Dieser Titel ging 2001 an Krubera verloren. Trotzdem blieb die österreichische Höhle ein technischer Meilenstein: Sie zeigte, dass nicht nur top-down erforschte Schächte, sondern auch von einer Talquelle her erschlossene Flusssysteme extreme Höhendifferenzen besitzen können.

Hydrologisch ist die Höhle ausgesprochen aktiv. Große Teile führen Wasser, und während Starkregen oder Schneeschmelze können Passagen vollständig überflutet werden. Der touristisch erschlossene Abschnitt am unteren Eingang vermittelt deshalb nur einen kleinen Eindruck des riesigen Forschungssystems dahinter.

Mit etwa 60 Kilometern vermessener Ganglänge ist der Lamprechtsofen außerdem wesentlich länger als die meisten höher platzierten Kaukasushöhlen. Tiefe und Länge zusammen machen ihn zu einem der gewaltigsten Karstsysteme Europas.

  • Aktuelle Niveaudifferenz etwa 1.727 m
  • Rund 60 km vermessene Gänge
  • Tiefste Höhle Österreichs
  • Ende der 1990er-Jahre zeitweise Weltrekordhalter
Name
Lamprechtsofen / Lamprechtshöhle
Tiefe
ca. 1.727 m
Ganglänge
ca. 60 km
Bundesland
Salzburg
Gebirge
Leoganger Steinberge
Unterer Eingang
Saalachtal bei Weißbach bei Lofer
Höhlentyp
aktive Wasser- und Durchgangshöhle
Quelle
World Deep Caves – Paul Burger

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7. Réseau Jean-Bernard – 1.625 Meter

Rang: 7 historisch

Das Réseau Jean-Bernard in Haute-Savoie erreicht nach der aktuellen internationalen Tiefenliste 1.625 Meter vertikale Ausdehnung und rund 26,7 Kilometer Ganglänge. Damit folgt es auf Platz sieben nur gut 100 Meter hinter dem Lamprechtsofen. In älterer Fachliteratur findet man häufig 1.602 Meter; die höhere moderne Angabe ergibt sich aus weiterentwickelter Vermessung und zusätzlichen hoch gelegenen Zugängen. :contentReference[oaicite:6]{index=6}

Die Geschichte des Systems ist eng mit dem Groupe Spéléologique Vulcain verbunden. Ab den 1960er- und 1970er-Jahren wurden zahlreiche Schächte oberhalb von Samoëns erforscht und schrittweise miteinander verbunden. 1979 übernahm Jean-Bernard mit damals rund 1.358 Metern Tiefe den Weltrekord. Weitere Erkundungen ließen die Niveaudifferenz anschließend mehrfach anwachsen.

Geologisch liegt das System in einem hochalpinen Kalkkörper mit relativ kleinem oberirdischem Einzugsgebiet. Trotzdem entwickelte das Wasser ein komplexes dreidimensionales Netz aus fossilen Druckröhren, tiefen Mäandern und aktiven Abflusswegen. Färbeversuche konnten zeigen, wo das unterirdische Wasser im Tal wieder austritt.

Die enorme Tiefe ist auch logistisch anspruchsvoll. Bereits der Zugang zu manchen Eingängen erfordert einen alpinen Zustieg. Unter Tage folgen Schächte, vereiste Passagen und lange horizontale Strecken. Expeditionen zu abgelegenen Bereichen benötigen deshalb Biwaks und umfangreiche Materialtransporte.

Jean-Bernard wurde später von Mirolda, Lamprechtsofen und den Kaukasushöhlen überholt. Seine historische Bedeutung bleibt dennoch enorm: Über Jahre definierte dieses französische System, was Höhlenforscher für vertikal überhaupt erreichbar hielten.

  • Aktuelle internationale Angabe: 1.625 m
  • Ältere Fachliteratur häufig 1.602 m
  • Ganglänge etwa 26,7 km
  • 1979 erstmals tiefste bekannte Höhle der Welt
Name
Réseau Jean-Bernard
Tiefe
ca. 1.625 m
Ganglänge
ca. 26,7 km
Ort
Samoëns, Haute-Savoie
Land
Frankreich
Historischer Rekord
Weltrekord ab 1979
Forschungsgruppe
Groupe Spéléologique Vulcain
Quelle
World Deep Caves – aktuelle Tiefenliste

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8. Torca del Cerro del Cuevón – 1.589 Meter

Rang: 8 Spanien-Rekord

Die Torca del Cerro del Cuevón erreicht 1.589 Meter Tiefe und ist das tiefste bekannte Höhlensystem Spaniens. Wissenschaftliche Übersichten zum Karst der Picos de Europa führen genau diesen Wert. Das System besteht aus miteinander verbundenen Schächten, darunter die Torca del Cerro del Cuevón und die Torca de las Saxifragas. :contentReference[oaicite:7]{index=7}

Die Picos de Europa sind für extrem tiefe alpine Karstsysteme geradezu prädestiniert. Massive Kalksteinpakete wurden tektonisch angehoben, während Flüsse wie Cares und Deva tiefe Täler einschnitten. Dadurch entstand ein enormes vertikales Gefälle zwischen den Hochflächen und den unterirdischen Quellen. Regen und Schneeschmelze nutzen Klüfte im Kalk und vergrößern sie über lange Zeiträume zu Schächten und Höhlengängen.

Die Torca gilt technisch als besonders anspruchsvoll. Anders als bei Systemen mit zahlreichen bequemen Zwischenzugängen muss ein Großteil der vertikalen Strecke tatsächlich durch das Höhleninnere überwunden werden. Schon ein Abstieg in die tiefsten Bereiche benötigt mehrere Tage, zahlreiche Seilstrecken und unterirdische Lager.

Am Grund fließt ein unterirdisches Gewässer, der Río Marbregalo. Solche aktiven Wasserläufe markieren die gegenwärtige Entwässerungsebene des Karstsystems. Die eigentliche Entstehungsgeschichte reicht allerdings wesentlich weiter zurück: Höher gelegene trockene Gänge dokumentieren frühere Wasserstände und Phasen der Gebirgsentwicklung.

Mit 1.589 Metern liegt die Torca rund 36 Meter hinter Jean-Bernard, aber deutlich vor zahlreichen weiteren spanischen Höhlen, darunter Sistema del Trave oder Torca de los Rebecos. Damit hält sie den spanischen Tiefenrekord seit Jahrzehnten.

  • Tiefe: 1.589 m
  • Ganglänge rund 7 km
  • Tiefstes bekanntes Höhlensystem Spaniens
  • Liegt im zentralen Massiv der Picos de Europa
Name
Torca del Cerro del Cuevón / Torca de las Saxifragas
Tiefe
1.589 m
Ganglänge
ca. 7,1 km
Region
Asturien
Gebirge
Picos de Europa
Land
Spanien
Unterirdischer Fluss
Río Marbregalo
Quelle
Fachbeitrag „Picos de Europa, Spain“

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9. Hirlatzhöhle – rund 1.560 Meter

Rang: 9 Länge & Tiefe

Die Hirlatzhöhle im Dachsteinmassiv ist eine Besonderheit, weil sie nicht nur extrem tief, sondern gleichzeitig außergewöhnlich lang ist. Österreichische Höhlenstatistiken führen rund 1.560 Meter Niveaudifferenz. Die aktuelle internationale Liste nennt 1.559 Meter und inzwischen mehr als 120 Kilometer vermessene Gänge. Diese Ein-Meter-Abweichung ist für ein System dieser Dimension ohne Bedeutung; Rang neun bleibt unverändert.

Die Höhle erstreckt sich im Kalkmassiv oberhalb von Hallstatt. Ihr tiefster Punkt liegt sogar unter dem Wasserspiegel des Hallstätter Sees, während die höchsten Eingänge auf etwa 2.000 Metern Meereshöhe liegen. Damit durchschneidet das System praktisch einen großen Teil des gesamten Dachsteinkarststocks.

Erste Erkundungen begannen bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der entscheidende Ausbau der Forschung erfolgte jedoch ab den 1980er-Jahren. Nach der Überwindung schwieriger Engstellen entdeckten Teams riesige neue Gangsysteme. Spätere Verbindungen mit zusätzlichen Eingängen erhöhten sowohl Länge als auch vertikale Ausdehnung.

Besonders anspruchsvoll sind die abgelegenen Bereiche. Mehrtägige Biwaktouren sind notwendig, weil manche Forschungsziele viele Stunden vom nächsten Eingang entfernt liegen. Material, Nahrung und Vermessungsausrüstung müssen durch Schächte, Verstürze und lange horizontale Gänge transportiert werden.

Eine 2025 veröffentlichte Fachübersicht zu den Karstwasserressourcen der Alpen hebt die Hirlatzhöhle ausdrücklich hervor: Sie gehört gleichzeitig zu den besonders langen und besonders tiefen alpinen Systemen. Nach einer kombinierten Betrachtung beider Dimensionen zählt sie sogar zu den bedeutendsten Höhlenkomplexen der Erde. :contentReference[oaicite:8]{index=8}

  • Vertikale Ausdehnung rund 1.559–1.560 m
  • Mehr als 120 km vermessene Gänge
  • Zweittiefste Höhle Österreichs
  • Tiefster Punkt unterhalb des Hallstätter-See-Niveaus
Name
Hirlatzhöhle
Tiefe
ca. 1.560 m
Ganglänge
über 120 km, fortlaufend erforscht
Gebirge
Dachsteinmassiv
Bundesland
Oberösterreich
Ort
Hallstatt
Besonderheit
außergewöhnliche Kombination aus Länge und Tiefe
Quelle
Die Höhle / ZOBODAT – Österreichische Höhlenstatistik

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10. Vjacheslav-Pantjukhina-Höhle – 1.508 Meter

Rang: 10 Pionierrekord

Mit 1.508 Metern schließt die Vjacheslav-Pantjukhina-Höhle die Top 10 ab. Sie liegt wie das Snezhnaya-System im Bzyb-Massiv Abchasiens. Eine georgische Übersicht über die tiefsten Karstobjekte führt die Höhle mit 1.508 Metern und rund 5,5 Kilometern Ganglänge. Damit überschreitet sie die symbolische 1,5-Kilometer-Marke nur knapp, hält sich aber trotz zahlreicher Neuentdeckungen bis heute unter Europas zehn tiefsten Systemen. :contentReference[oaicite:9]{index=9}

Die Bedeutung dieser Höhle liegt besonders in ihrer Forschungsgeschichte. Bereits in den 1980er-Jahren erreichten sowjetische Speleologen Tiefen, die damals an der absoluten Weltspitze lagen. Die damalige Vermessung musste unter erheblich schwierigeren technischen Bedingungen durchgeführt werden als heute: digitale Messgeräte, leichte LED-Beleuchtung und moderne Kommunikationsmittel standen noch nicht zur Verfügung.

Wie viele tiefe Kaukasushöhlen besteht Pantjukhina aus einer Folge vertikaler Schächte, enger Mäander und wasserführender Bereiche. Der Eingang liegt auf einer hochalpinen Kalkfläche. Niederschlag und Schneeschmelze dringen direkt in das verkarstete Gestein ein und speisen ein tiefes unterirdisches Entwässerungsnetz.

Die Höhle illustriert zugleich eine Besonderheit der Weltranglisten. Während sie vor wenigen Jahrzehnten zu den tiefsten überhaupt gehörte, liegt sie inzwischen international nur noch etwa im Bereich der ersten 15 Plätze. Nicht die Höhle ist kleiner geworden – vielmehr wurden anderswo tiefere Systeme entdeckt oder bestehende durch neue Verbindungen erweitert.

Nur einen Meter tiefer liegt nach aktuellen Listen die spanische Sima de la Cornisa mit 1.507 Metern. Rang zehn ist daher ausgesprochen knapp und könnte durch eine einzige neue Vermessung wieder wechseln.

  • Tiefe: 1.508 m
  • Ganglänge etwa 5,5 km
  • Im Bzyb-Kalkmassiv gelegen
  • Bereits in der sowjetischen Speleologie ein bedeutender Tiefenrekord
Internationaler Name
Shakhta Vjacheslav Pantjukhina
Tiefe
1.508 m
Ganglänge
ca. 5,5 km
Gebirge
Bzyb-Kalkmassiv
Region
Abchasien, Georgien
Forschungsschwerpunkt
vertikale Hochgebirgsspeleologie
Abstand zu Rang 11
nur etwa 1 m
Quelle
The Deepest Karst Abysses of Georgia

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Was bedeutet „Tiefe“ bei einer Höhle überhaupt?

Die Tiefe einer Höhle ist nicht die Länge des Weges, den ein Forscher bis zum Boden zurücklegt. Gemessen wird die vertikale Höhendifferenz zwischen dem höchsten bekannten Punkt beziehungsweise Eingang des zusammenhängenden Systems und dem tiefsten vermessenen Punkt. Eine Höhle kann daher 1.700 Meter tief, aber 60 oder 120 Kilometer lang sein.

Das erklärt auch, warum neue Verbindungen einen Tiefenrekord verändern können, ohne dass jemand einen tieferen Schacht entdeckt. Wird ein bereits bekanntes System mit einem höher gelegenen Eingang verbunden, wächst seine Niveaudifferenz automatisch. Lamprechtsofen, Mirolda und Hirlatzhöhle profitierten genau von solchen Verbindungen.

Bei Wasserhöhlen kommt eine weitere Schwierigkeit hinzu. Der tiefste trockene Punkt muss nicht der geologische Boden des Systems sein. Siphone können weiter in die Tiefe führen, sind aber nur mit Höhlentauchausrüstung zugänglich. Krubera zeigt besonders eindrucksvoll, wie Unterwassertauchgänge die endgültige vermessene Tiefe erweitern können.

Warum liegen so viele extrem tiefe Höhlen im Kaukasus?

Der westliche Kaukasus kombiniert mehrere Bedingungen, die für enorme Höhlentiefen günstig sind. Mächtige Kalksteinschichten reichen über große Höhenunterschiede, das Gebirge wurde stark tektonisch angehoben und das Schwarze Meer bildet eine relativ tiefe regionale Erosionsbasis. Gleichzeitig fällt auf den Hochflächen sehr viel Niederschlag.

Regen und Schnee liefern dadurch enorme Wassermengen, die in Klüfte eindringen und Kalk auflösen. Über geologische Zeiträume entstehen tiefe Schächte und unterirdische Flusssysteme. Besonders das Arabika-Massiv ist außergewöhnlich: Werjowkina, Krubera und Sarma liegen alle dort.

Die theoretisch mögliche Karsttiefe könnte sogar größer sein als der heute erforschte Bereich. Tief liegende wassergefüllte Zonen und unbekannte Verbindungen lassen vermuten, dass das Ende der Entdeckungen noch nicht erreicht ist. Der limitierende Faktor ist oft weniger die Geologie als die Frage, welche Passagen Menschen technisch erreichen und vermessen können.

Häufige Fragen zu den tiefsten Höhlen Europas

Welche ist die tiefste Höhle Europas?

Bei der üblichen Einbeziehung Georgiens in europäische Höhlenstatistiken ist die Werjowkina-Höhle mit 2.212 Metern die tiefste Höhle Europas und zugleich die tiefste bekannte Höhle der Welt.

Welche ist die tiefste Höhle innerhalb der Alpen?

Der Gouffre Mirolda in Haute-Savoie in Frankreich ist mit 1.733 Metern vertikaler Ausdehnung die tiefste bekannte Höhle der Alpen.

Welche ist die tiefste Höhle Österreichs?

Der Lamprechtsofen in den Leoganger Steinbergen erreicht aktuell rund 1.727 Meter Niveaudifferenz. Die Hirlatzhöhle im Dachstein folgt mit ungefähr 1.560 Metern.

Welche ist die tiefste Höhle Spaniens?

Die Torca del Cerro del Cuevón in den Picos de Europa hält mit 1.589 Metern den spanischen Tiefenrekord.

Warum werden Höhlen mit der Zeit tiefer?

Die Höhle selbst wird in menschlichen Zeiträumen normalerweise nicht messbar tiefer. Der bekannte Wert steigt, wenn Forscher neue Schächte, tiefere Siphone oder Verbindungen zu höher gelegenen Eingängen entdecken und vermessen.

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