12.262 Meter tief reicht das tiefste bekannte senkrechte Bohrloch, das Menschen bislang in die Erdkruste getrieben haben. Doch schon die Frage nach den „tiefsten Löchern der Erde“ ist komplizierter, als sie zunächst klingt: Moderne Erdölbohrungen können entlang ihres gekrümmten Bohrpfads länger als 12 Kilometer sein, ohne annähernd so weit senkrecht in die Tiefe vorzudringen. Dieses Ranking sortiert deshalb nach der dokumentierten Tiefe unter dem jeweiligen Bohr- oder Zugangspunkt und konzentriert sich auf besonders tiefe Bohrungen, Bergwerkszugänge und natürliche Höhlensysteme. Den Schwerpunkt bilden vertikale beziehungsweise annähernd vertikale Bohrungen, weil ihre Tiefen besser miteinander vergleichbar sind. Nicht berücksichtigt werden Ozeangräben wie der Marianengraben, Tagebaue sowie stark horizontal abgelenkte Extended-Reach-Bohrungen, deren gemessene Bohrlochlänge nicht der tatsächlichen vertikalen Tiefe entspricht. Datenstand ist 2026; bei historischen Projekten wird die maximal erreichte Endteufe verwendet.
So wurde gewertet
Entscheidend für die Platzierung ist die maximal dokumentierte Tiefe unter dem jeweiligen Ausgangsniveau. Bei Bohrlöchern wird nach Möglichkeit die tatsächliche beziehungsweise annähernd vertikale Endteufe verwendet und nicht die Länge eines stark gekrümmten Bohrpfads. Dadurch bleibt das Kola-Superdeep-Bohrloch vor horizontal weit ausgreifenden Ölbohrungen. Berücksichtigt werden besonders tiefe wissenschaftliche und industrielle Bohrungen sowie als Vergleich außergewöhnlich tiefe, für Menschen zugängliche Bergwerke und natürliche Höhlen. Meeresgräben sind ausgeschlossen, weil sie geologische Geländeformen und keine „Löcher“ im engeren Sinn sind. Auch offene Tagebaue werden nicht einbezogen. Die Werte stammen aus geologischen Forschungsinstitutionen, Behörden, Fachpublikationen, Betreiberangaben und etablierten wissenschaftlichen Quellen; geringfügige Abweichungen zwischen Veröffentlichungen können durch unterschiedliche Messmethoden und Bezugsniveaus entstehen.
Übersicht
| Rang | Name | Maximale Tiefe | Ort | Typ | Zeitraum / Rekordjahr | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Kola SG-3 | 12.262 m | Kola-Halbinsel, Russland | Forschungsbohrung | 1970–1990er; 12.262 m 1989 | Tiefste menschengemachte vertikale Bohrung |
| 2 | Shenditake 1 | 10.910 m | Tarimbecken, China | Forschungs- und Explorationsbohrung | 2023–2025 | Tiefste vertikale Bohrung Asiens |
| 3 | Bertha Rogers No. 1 | 9.583 m | Oklahoma, USA | Erdgas-Explorationsbohrung | 1974 | Ehemaliger Welttiefenrekord |
| 4 | KTB-Hauptbohrung | 9.101 m | Windischeschenbach, Deutschland | Forschungsbohrung | 1990–1994 | Bis heute wichtiges Tiefenlabor |
| 5 | Zistersdorf UT2A | 8.553 m | Wiener Becken, Österreich | Explorationsbohrung | 1970er Jahre | Eine der tiefsten europäischen Erdölbohrungen |
| 6 | Saatly DW-1 | 8.324 m | Saatlı, Aserbaidschan | Wissenschaftliche Tiefbohrung | 1977–1982 | Sowjetisches Superdeep-Programm |
| 7 | Gravberg-1 | 6.957 m | Siljan-Ring, Schweden | Explorationsbohrung | 1980er Jahre | Suche nach tiefem abiogenem Gas |
| 8 | Stenberg-1 | ca. 6.500 m | Siljan-Ring, Schweden | Explorationsbohrung | 1990er Jahre | Zweite extreme Tiefbohrung im Impaktkrater |
| 9 | Mponeng | 3.891 m unter Bezugsniveau | Gauteng, Südafrika | Goldmine | Produktion seit 1986 | Tiefstes aktives Bergwerk der Welt |
| 10 | Veryovkina-Höhle | rund 2.212 m dokumentierte Höhlentiefe | Arabika-Massiv, Kaukasus | Natürliche Karsthöhle | Rekordexpedition 2018 | Eine der tiefsten erforschten Höhlen der Erde |
Kola-Superdeep-Bohrloch SG-3 – 12.262 Meter
Rang: 1 Rekordhalter
Auf der russischen Kola-Halbinsel führt ein unscheinbar wirkender, heute verschlossener Bohrlochkopf tiefer in die kontinentale Erdkruste als jede andere bekannte vertikale Bohrung. SG-3 erreichte 1989 eine Endteufe von 12.262 Metern und steht deshalb an der Spitze dieses Rankings. Das sowjetische Projekt begann 1970 nicht mit dem Ziel, Öl oder Gas zu fördern, sondern um die geologische Struktur des Baltischen Schildes direkt zu untersuchen. Genau darin unterscheidet sich Kola von vielen extrem langen modernen Bohrungen: Diese verlaufen häufig kilometerweit seitlich durch Lagerstätten, während SG-3 tatsächlich nahezu senkrecht in die Tiefe zielte.
Die Wissenschaftler wollten ursprünglich sogar etwa 15 Kilometer erreichen. Die Geologie machte den Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung. In mehr als zwölf Kilometern Tiefe lagen die Temperaturen mit rund 180 Grad Celsius deutlich höher als erwartet; das Gestein verhielt sich unter den extremen Bedingungen zunehmend plastisch und erschwerte das Bohren. Wissenschaftlich war das Projekt dennoch ein Erfolg. Erwartete Gesteinsgrenzen erwiesen sich als komplexer, und die Bohrung lieferte neue Erkenntnisse über Fluide, Spannungen und metamorphe Prozesse in der tiefen Erdkruste. Zum Vergleich: Die erreichte Tiefe übertrifft die Höhe des Mount Everest deutlich und ist größer als die Wassertiefe am tiefsten Punkt des Marianengrabens.
- Maximale dokumentierte Tiefe: 12.262 Meter.
- Bohrbeginn: 1970; größte Tiefe 1989 erreicht.
- Ursprüngliches Ziel: ungefähr 15.000 Meter.
- Temperatur in großer Tiefe: etwa 180 Grad Celsius.
- Forschungsschwerpunkt: Aufbau und physikalische Eigenschaften der kontinentalen Erdkruste.
- Tiefe
- 12.262 m
- Standort
- Kola-Halbinsel, Oblast Murmansk, Russland
- Typ
- Wissenschaftliche Superdeep-Bohrung
- Bohrbeginn
- 1970
- Rekordtiefe erreicht
- 1989
- Geologischer Bereich
- Baltischer Schild
- Maximal geplante Tiefe
- ca. 15.000 m
- Besonderheit
- Tiefste bekannte menschengemachte Bohrung nach vertikaler Tiefe
- Quelle
- Helmholtz-Gemeinschaft
Shenditake 1 – 10.910 Meter
Rang: 2 modern
Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende der Rekordbohrungen auf der Kola-Halbinsel hat China die Jagd in die extrem tiefe Erdkruste neu belebt. Shenditake 1, auch Shendi Take-1 geschrieben, wurde im Tarimbecken mitten in der Taklamakan-Wüste niedergebracht und erreichte im Februar 2025 eine Tiefe von 10.910 Metern. Damit belegt die Bohrung Rang zwei: Sie bleibt 1.352 Meter hinter Kola SG-3 zurück, übertrifft aber alle anderen hier aufgeführten modernen vertikalen Bohrprojekte deutlich.
Die Herausforderung liegt nicht allein in der Entfernung. Mit zunehmender Tiefe steigen Temperatur und Druck, während Bohrwerkzeuge, Elektronik, Zementierung und Bohrspülung unter extremen Bedingungen funktionieren müssen. Nach Angaben chinesischer Stellen dauerte das Projekt mehr als 580 Tage. Shenditake 1 verbindet wissenschaftliche Tiefenerkundung mit der Erforschung extrem tief liegender Erdöl- und Erdgasressourcen im Tarimbecken. Gerade diese Kombination macht die Bohrung wirtschaftlich interessant: Während Kola hauptsächlich Grundlagenforschung betrieb, soll das chinesische Projekt zugleich neue Technologien für die Erschließung ultratiefer Lagerstätten erproben. Bemerkenswert ist auch das Tempo der Entwicklung. Noch 2023 war eine Tiefe jenseits von zehn Kilometern das erklärte Ziel; bereits 2025 war die Bohrung abgeschlossen und galt als tiefstes vertikales Bohrloch Asiens.
- Endteufe: 10.910 Meter.
- Fertigstellung der Bohrarbeiten: Februar 2025.
- Bohrdauer: mehr als 580 Tage.
- Lage: Tarimbecken in der Taklamakan-Wüste.
- Zweck: Tiefenerkundung, Geowissenschaften sowie Öl- und Gasexploration.
- Tiefe
- 10.910 m
- Standort
- Tarimbecken, Xinjiang, China
- Typ
- Vertikale wissenschaftliche Explorationsbohrung
- Bohrbeginn
- 2023
- Fertigstellung
- 20. Februar 2025
- Bohrdauer
- Mehr als 580 Tage
- Ranking-Abstand zu Kola
- 1.352 m geringere Tiefe
- Besonderheit
- Tiefste vertikale Bohrung Asiens; laut CNPC weltweit an zweiter Stelle
- Quelle
- The State Council of the People’s Republic of China
Bertha Rogers No. 1 – 9.583 Meter
Rang: 3 historisch
Bevor sowjetische Ingenieure mit der Kola-Bohrung den Rekord übernahmen, lag einer der spektakulärsten Tiefenrekorde der Bohrgeschichte in Oklahoma. Die Bertha-Rogers-No.-1-Bohrung erreichte 1974 eine Tiefe von 31.441 Fuß beziehungsweise rund 9.583 Metern. Damit landet sie in diesem Ranking auf Rang drei. Anders als Kola war Bertha Rogers keine reine Forschungsbohrung, sondern Teil der Suche nach Erdgas. Die enorme Tiefe zeigt, wie stark der technische Wettlauf um tiefe Lagerstätten bereits in den 1970er Jahren vorangeschritten war.
Die Bohrmannschaft stieß jedoch nicht auf die erhoffte kommerziell nutzbare Gaslagerstätte. Stattdessen wurden in großer Tiefe geschmolzene Schwefelvorkommen und extreme Druck- und Temperaturbedingungen zum Problem. Historisch bleibt das Projekt dennoch bedeutend: Bertha Rogers hielt den Tiefenrekord, bis die sowjetische SG-3-Bohrung 1979 tiefer vorgedrungen war. Der Abstand zum heutigen Rekordhalter beträgt rund 2,7 Kilometer. Gleichzeitig liegt Bertha Rogers fast einen halben Kilometer tiefer als die deutsche KTB-Hauptbohrung auf Rang vier. Die Bohrung steht damit exemplarisch für eine Epoche, in der die Energieindustrie technische Grenzen verschob und dabei Erfahrungen sammelte, von denen spätere Tiefbohrprogramme profitierten.
- Endteufe: 31.441 Fuß beziehungsweise rund 9.583 Meter.
- Standort: Washita County im US-Bundesstaat Oklahoma.
- Bohrjahr des Tiefenrekords: 1974.
- Ziel: Exploration tief liegender Erdgasvorkommen.
- Bis zum Kola-Projekt eine der tiefsten Bohrungen der Welt.
- Tiefe
- 9.583 m / 31.441 ft
- Standort
- Washita County, Oklahoma, USA
- Typ
- Erdgas-Explorationsbohrung
- Rekordjahr
- 1974
- Abstand zu Rang 2
- 1.327 m
- Abstand zu Rang 4
- 482 m
- Historische Bedeutung
- Ehemalige Rekordbohrung vor dem Kola-Superdeep-Projekt
- Besonderheit
- Extrem tiefe kommerzielle Explorationsbohrung der 1970er Jahre
- Quelle
- U.S. Geological Survey
KTB-Hauptbohrung – 9.101 Meter
Rang: 4 Forschung
Im oberpfälzischen Windischeschenbach liegt Deutschlands bekanntestes Fenster in die tiefe Erdkruste. Die Hauptbohrung des Kontinentalen Tiefbohrprogramms der Bundesrepublik Deutschland, kurz KTB, erreichte 1994 eine Endteufe von 9.101 Metern und belegt damit Rang vier. Das Projekt war keine Suche nach Erdöl oder Gas. Wissenschaftler wollten vielmehr verstehen, wie Gesteine, Fluide, Temperaturen und mechanische Spannungen in der kontinentalen Kruste tatsächlich aussehen. Vor der 9,1 Kilometer tiefen Hauptbohrung war bereits eine vier Kilometer tiefe Vorbohrung angelegt worden.
Die KTB wurde zu einem geowissenschaftlichen Großexperiment. Am tiefsten Punkt wurden ungestörte Temperaturen von ungefähr 265 Grad Celsius ermittelt. Untersuchungen lieferten Hinweise darauf, dass sich freie Fluide auch in großen Tiefen der kontinentalen Kruste befinden und dass Spannungen und Störungszonen komplexer verteilt sind als zuvor angenommen. Im Unterschied zu Kola blieb die KTB-Infrastruktur für wissenschaftliche Messungen besonders wertvoll. Die Bohrungen dienen noch heute als Tiefenlabor. Rang drei verpasst die KTB um 482 Meter, gegenüber Zistersdorf UT2A auf Rang fünf beträgt ihr Vorsprung 548 Meter. Damit ist sie nicht die tiefste Bohrung Europas, aber eines der am besten erforschten wissenschaftlichen Tiefbohrlöcher überhaupt.
- Hauptbohrung: 9.101 Meter tief.
- Zusätzliche Vorbohrung: rund 4.000 Meter.
- Bohrphase der Hauptbohrung: 1990 bis 1994.
- Temperatur am Bohrlochtiefsten: ungefähr 265 Grad Celsius.
- Standort wird weiterhin für wissenschaftliche Tiefenexperimente genutzt.
- Tiefe
- 9.101 m
- Standort
- Windischeschenbach, Bayern, Deutschland
- Typ
- Wissenschaftliche Kontinentaltiefbohrung
- Hauptbohrung
- 1990–1994
- Vorbohrung
- ca. 4.000 m
- Temperatur am Bohrlochtiefsten
- ca. 265 °C
- Gesteine
- Vor allem metamorphe Gneise und Metabasite
- Besonderheit
- Heute wissenschaftliches Tiefenlabor mit zwei benachbarten Bohrungen
- Quelle
- GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung
Zistersdorf UT2A – 8.553 Meter
Rang: 5 Energiegeschichte
Das Wiener Becken gehört seit Jahrzehnten zu den klassischen Erdöl- und Erdgasregionen Mitteleuropas. Dort wurde mit Zistersdorf UT2A eine Bohrung bis auf 8.553 Meter niedergebracht. Das reicht für Rang fünf und macht das Projekt zu einem außergewöhnlichen Kapitel der europäischen Tiefbohrgeschichte. Im Gegensatz zur deutschen KTB ging es nicht primär um Grundlagenforschung, sondern um die Erkundung tiefer Kohlenwasserstoffvorkommen. Der Unterschied zeigt, wie dieselbe Technologie zwei völlig verschiedene Ziele bedienen kann: einmal die Erforschung der Erdkruste, einmal die Suche nach wirtschaftlich nutzbaren Lagerstätten.
Geologisch ist das Wiener Becken besonders anspruchsvoll. Sedimentpakete, tektonische Störungen und stark versenkte Strukturen erschweren die Interpretation des Untergrunds. Genau deshalb waren sehr tiefe Explorationsbohrungen für die Entwicklung geologischer Modelle von großer Bedeutung, selbst wenn sie nicht immer den erhofften kommerziellen Erfolg brachten. Mit 8.553 Metern liegt UT2A 548 Meter hinter der KTB-Hauptbohrung, aber noch 229 Meter vor Saatly DW-1 auf Rang sechs. Im globalen Vergleich ist die Bohrung heute weniger bekannt als Kola oder KTB. Ihre Tiefe zeigt jedoch, wie früh auch die europäische Erdölindustrie in Bereiche vorgedrungen ist, in denen hohe Temperaturen und enormer Formationsdruck erhebliche technische Anforderungen stellen.
- Endteufe: 8.553 Meter.
- Lage: österreichischer Teil des Wiener Beckens.
- Zweck: tiefe Erdöl- und Erdgasexploration.
- Eine der tiefsten historischen Explorationsbohrungen Europas.
- Nur 548 Meter flacher als die deutsche KTB-Hauptbohrung.
- Tiefe
- 8.553 m
- Standort
- Zistersdorf, Niederösterreich, Österreich
- Geologische Region
- Wiener Becken
- Typ
- Kohlenwasserstoff-Explorationsbohrung
- Primäres Ziel
- Erkundung tief liegender Erdöl- und Erdgasstrukturen
- Abstand zu KTB
- 548 m
- Abstand zu Saatly
- 229 m
- Besonderheit
- Eine der außergewöhnlich tiefen europäischen Explorationsbohrungen des 20. Jahrhunderts
- Quelle
- GeoScienceWorld
Saatly DW-1 – 8.324 Meter
Rang: 6 Superdeep-Programm
Die sowjetische Tiefbohrforschung bestand nicht nur aus dem berühmten Kola-Projekt. Auch in Aserbaidschan wurde mit Saatly DW-1 ein wissenschaftlich ambitioniertes Bohrloch angelegt. Die Arbeiten begannen 1977; bis 1982 erreichte die Bohrung 8.324 Meter. Damit landet Saatly auf Rang sechs. Das Ziel bestand unter anderem darin, seismisch interpretierte Strukturen der tiefen Erdkruste direkt zu überprüfen. Gerade hier zeigte sich eine der wichtigsten Lehren der Tiefbohrforschung: Geophysikalische Messungen von der Oberfläche liefern Modelle, doch erst eine Bohrung kann zeigen, welche Gesteine tatsächlich vorhanden sind.
Im Raum Saatly hatten seismische Untersuchungen einen tief liegenden kristallinen Untergrund vermuten lassen. Die mehr als acht Kilometer tiefe Bohrung bestätigte die Erwartungen jedoch nicht in der ursprünglich angenommenen Form. Wissenschaftlich ist ein solches Ergebnis keineswegs ein Fehlschlag. Im Gegenteil: Diskrepanzen zwischen seismischem Modell und real erbohrter Geologie helfen, Interpretationsmethoden zu verbessern. Mit 8.324 Metern fehlen Saatly lediglich 229 Meter auf Zistersdorf UT2A. Gleichzeitig ist die Bohrung mehr als 1,3 Kilometer tiefer als Gravberg-1 auf dem nächsten Rang. Saatly steht damit für die groß angelegte sowjetische Strategie, die Erdkruste an mehreren geologisch unterschiedlichen Standorten durch direkte Tiefbohrungen zu erforschen.
- Endteufe: 8.324 Meter.
- Bohrbeginn: 1977.
- Dokumentierte Endtiefe bis 1982 erreicht.
- Teil der sowjetischen Forschung an extrem tiefen Bohrungen.
- Die erbohrten Schichten wichen von Teilen der zuvor erwarteten geologischen Interpretation ab.
- Tiefe
- 8.324 m
- Standort
- Region Saatlı, Aserbaidschan
- Typ
- Wissenschaftliche Tiefbohrung
- Bohrbeginn
- 1977
- Erreichte Tiefe bis
- 1982
- Forschungsziel
- Überprüfung der tiefen Krustenstruktur und seismischer Modelle
- Abstand zu Rang 5
- 229 m
- Besonderheit
- Teil des sowjetischen Programms ultratiefer Kontinentalbohrungen
- Quelle
- ResearchGate / Baku State University
Gravberg-1 – 6.957 Meter
Rang: 7 Meteoritenkrater
Gravberg-1 unterscheidet sich von fast allen Bohrungen in diesem Ranking durch seinen Standort: Das Bohrloch liegt im Siljan-Ring in Mittelschweden, einer gewaltigen Impaktstruktur, die durch einen Meteoriteneinschlag entstand. Die Bohrung erreichte 6.957 Meter und belegt Rang sieben. Ihr Hintergrund war zugleich wissenschaftlich und kontrovers. In den 1980er Jahren sollte untersucht werden, ob in tiefem kristallinem Gestein größere Mengen sogenannter abiogener Kohlenwasserstoffe vorkommen könnten – also Öl oder Gas, deren Ursprung nicht auf die üblichen biologischen Ausgangsmaterialien zurückgeführt wird.
Kommerziell erfüllten sich die großen Hoffnungen nicht. Dennoch lieferte Gravberg-1 wertvolle Daten über das tief liegende kristalline Grundgebirge des Siljan-Gebiets. Besonders interessant ist der vergleichsweise niedrige geothermische Gradient: Fachveröffentlichungen nennen für die fast sieben Kilometer tiefe Bohrung Werte von ungefähr 14 bis 18 Grad Celsius pro Kilometer. Damit erwärmt sich der Untergrund dort langsamer als in vielen anderen geologischen Regionen. Im Ranking liegt Gravberg-1 mehr als 1.300 Meter hinter Saatly, ist aber rund 450 Meter tiefer als die zweite große Siljan-Bohrung Stenberg-1. Das Projekt bleibt ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie eine umstrittene geologische Hypothese zu einem der tiefsten Bohrlöcher Europas führte.
- Endteufe: 6.957 Meter.
- Lage innerhalb der Siljan-Impaktstruktur in Schweden.
- Untersuchung möglicher tiefer Gas- und Kohlenwasserstoffvorkommen.
- Geothermischer Gradient: ungefähr 14 bis 18 °C pro Kilometer.
- Die erhoffte kommerzielle Gasförderung blieb aus.
- Tiefe
- 6.957 m
- Standort
- Siljan-Ring, Dalarna, Schweden
- Typ
- Tiefe Gas- und Forschungsbohrung
- Geologischer Kontext
- Meteoriten-Impaktstruktur
- Gesteinsumgebung
- Überwiegend kristallines Grundgebirge
- Temperaturgradient
- ca. 14–18 °C/km
- Forschungsfrage
- Mögliche tiefe beziehungsweise abiogene Kohlenwasserstoffvorkommen
- Besonderheit
- Eine der tiefsten Bohrungen innerhalb einer großen Impaktstruktur
- Quelle
- SpringerOpen
Stenberg-1 – rund 6.500 Meter
Rang: 8 Impaktforschung
Nur wenige Regionen der Erde wurden mit gleich zwei Bohrungen von mehr als sechs Kilometern Tiefe untersucht. Der schwedische Siljan-Ring gehört dazu. Nach Gravberg-1 entstand mit Stenberg-1 eine zweite außergewöhnlich tiefe Bohrung, die ungefähr 6,5 Kilometer erreichte. Damit belegt sie Rang acht. Beide Projekte standen im Zusammenhang mit der Suche nach tief liegenden Gasvorkommen und der ungewöhnlichen Geologie des riesigen Einschlagskraters. Die beiden Bohrungen erlaubten Forschern, geophysikalische Messungen aus dem Siljan-Ring mit realen Gesteinsinformationen aus großer Tiefe zu vergleichen.
Stenberg-1 ist etwa 450 Meter flacher als Gravberg-1 und deshalb hinter der Schwesterbohrung platziert. Im Gegensatz zu den sedimentären Becken vieler Erdölregionen führt der Weg im Siljan-Gebiet weitgehend durch altes kristallines Gestein. Das macht die Bohrarbeiten technisch anspruchsvoll und die Suche nach wirtschaftlichen Kohlenwasserstoffen geologisch ungewöhnlich. Die ursprünglich erhofften großen Gasvorkommen konnten auch hier nicht in kommerziell überzeugender Form nachgewiesen werden. Wissenschaftlich bleiben die Bohrungen dennoch wertvoll, weil extrem tiefe direkte Aufschlüsse in präkambrischem Grundgebirge selten sind. Gemeinsam bilden Gravberg-1 und Stenberg-1 deshalb ein bemerkenswertes Tiefenexperiment innerhalb einer der größten bekannten Impaktstrukturen Europas.
- Tiefe: ungefähr 6.500 Meter.
- Standort: Siljan-Ring in Mittelschweden.
- Eine von zwei Bohrungen mit mehr als sechs Kilometern Tiefe in der Impaktstruktur.
- Ziel war unter anderem die Suche nach tiefen Gasvorkommen.
- Wissenschaftlich wichtig für die Interpretation seismischer Daten im kristallinen Grundgebirge.
- Tiefe
- ca. 6.500 m
- Standort
- Siljan-Ring, Schweden
- Typ
- Tiefe Explorations- und Forschungsbohrung
- Geologischer Kontext
- Große Meteoriten-Impaktstruktur
- Vergleich Gravberg-1
- Rund 450 m flacher
- Gesteinstyp
- Überwiegend präkambrisches kristallines Grundgebirge
- Explorationsziel
- Tiefe Gasvorkommen
- Besonderheit
- Gemeinsam mit Gravberg-1 ungewöhnlich tiefer direkter Aufschluss innerhalb des Siljan-Rings
- Quelle
- Copernicus Meetings / EGU
Mponeng-Goldmine – fast vier Kilometer unter Tage
Rang: 9 tiefstes Bergwerk
Mponeng ist das erste „Loch“ in diesem Ranking, das nicht nur von Messinstrumenten und Bohrgestängen erreicht wird: Menschen arbeiten hier in extremer Tiefe. Die südafrikanische Goldmine westlich von Johannesburg gilt als tiefstes Bergwerk der Welt. Der Betreiber Harmony Gold nennt für den tiefsten Schacht eine Tiefe von 3.891 Metern unter dem verwendeten Bezugsniveau und mehr als zwei Kilometer unter dem Meeresspiegel. Damit bleibt Mponeng zwar deutlich hinter den mehrere Kilometer tiefen Bohrlöchern zurück, ist aber in einer entscheidenden Hinsicht außergewöhnlicher: Die unterirdische Infrastruktur muss groß genug sein, um Menschen, Maschinen, Erz und Versorgungssysteme zu transportieren.
Je tiefer ein Bergwerk reicht, desto größer werden Hitze, Gesteinsdruck und Sicherheitsrisiken. In den tiefen Gesteinsschichten des Witwatersrand-Beckens sind aufwendige Kühlung und Belüftung unverzichtbar. Gleichzeitig können Spannungsumlagerungen durch den Bergbau seismische Ereignisse verursachen. Mponeng produziert Gold aus dem Ventersdorp Contact Reef; der Bergbau begann dort 1986. Ein 2024 genehmigtes Projekt zur Verlängerung der Lebensdauer unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung der Mine. Im direkten Vergleich mit den Bohrungen auf Rang acht und höher ist Mponeng technisch ein völlig anderes Bauwerk: Ein Bohrloch kann nur wenige Dezimeter Durchmesser haben, eine Mine benötigt dagegen ein ganzes unterirdisches Verkehrs- und Versorgungssystem.
- Tiefstes aktives Bergwerk der Welt.
- Tiefster Schacht laut Betreiber: 3.891 Meter unter Bezugsniveau.
- Mehr als 2.000 Meter unter dem Meeresspiegel.
- Goldförderung aus dem Ventersdorp Contact Reef.
- Produktionsbeginn am Standort: 1986.
- Tiefe
- 3.891 m unter Bezugsniveau
- Lage des tiefsten Bereichs
- 2.062 m unter dem Meeresspiegel
- Standort
- West Rand bei Carletonville, Südafrika
- Typ
- Untertage-Goldmine
- Rohstoff
- Gold
- Produktionsbeginn
- 1986
- Betreiber
- Harmony Gold Mining Company
- Besonderheit
- Tiefstes Bergwerk der Welt mit umfangreicher Infrastruktur für menschliche Arbeit unter Tage
- Quelle
- Harmony Gold
Veryovkina-Höhle – mehr als zwei Kilometer in die natürliche Tiefe
Rang: 10 Naturrekord
Veryovkina zeigt, wie weit die Natur ohne Bohrmaschine in die Tiefe führen kann. Das Höhlensystem liegt im Arabika-Massiv des westlichen Kaukasus und wurde bei Expeditionen bis auf mehr als 2,2 Kilometer Höhenunterschied zwischen Eingang und tiefstem erforschtem Bereich vermessen. Für dieses Ranking wird der vielfach dokumentierte Expeditionswert von rund 2.212 Metern zugrunde gelegt. Damit belegt die Höhle Rang zehn. Gegenüber Mponeng ist sie zwar deutlich weniger tief, doch der Vergleich ist nur bedingt fair: Veryovkina entstand durch natürliche Karstprozesse und besitzt kein technisches Schacht- oder Fördersystem.
Der Weg nach unten ist entsprechend gefährlich. Statt eines geraden Schachts besteht die Höhle aus Schächten, Engstellen, horizontalen Passagen und wassergefüllten Siphons. Expeditionen können viele Tage dauern. 2018 geriet ein internationales Höhlenteam in der Tiefe in eine lebensgefährliche Sturzflut, nachdem starke Niederschläge Wasser durch das System gedrückt hatten. Diese Episode zeigt den entscheidenden Unterschied zu einem kontrollierten Bergwerk: Wetter an der Oberfläche kann Bedingungen zwei Kilometer tiefer innerhalb kurzer Zeit verändern. Die genaue Rekordtiefe sehr tiefer Höhlen wird zudem immer wieder neu vermessen, besonders wenn Taucher oder Unterwassertechnik bisher unbekannte Siphons untersuchen. Veryovkina bleibt deshalb nicht nur ein Tiefenrekord, sondern ein noch immer nicht vollständig abgeschlossenes Forschungsobjekt.
- Dokumentierte Höhlentiefe: rund 2.212 Meter nach den bekannten Rekordexpeditionen.
- Lage: Arabika-Massiv im westlichen Kaukasus.
- Geologie: ausgeprägtes Kalkstein-Karstsystem.
- Der tiefste Bereich ist nur durch aufwendige mehrtägige Expeditionen erreichbar.
- Sturzfluten gehören zu den größten Gefahren für Forscher in den tiefsten Höhlenabschnitten.
- Tiefe
- rund 2.212 m dokumentierter Höhenunterschied
- Standort
- Arabika-Massiv, westlicher Kaukasus
- Typ
- Natürliche Karsthöhle
- Gestein
- Kalkstein
- Rekordexpedition
- 2018 erreichte ein Team den tiefen Endsiphon
- Gefahren
- Sturzfluten, enge Passagen, tiefe Schächte und Siphone
- Vergleich Mponeng
- Etwa 1,7 km geringerer Höhenunterschied als die Tiefe des Mponeng-Schachts
- Besonderheit
- Eine der tiefsten bekannten und erforschten natürlichen Höhlen der Erde
- Quelle
- National Geographic
Was die tiefsten Löcher der Erde über unseren Planeten verraten
Selbst das 12.262 Meter tiefe Kola-Bohrloch hat die Erdkruste nur angekratzt. Unter Kontinenten ist die Kruste typischerweise viele Dutzend Kilometer mächtig, bevor der Erdmantel beginnt. Der oft verwendete Vergleich mit einer Reise zum Erdmittelpunkt macht die Größenordnung noch deutlicher: Der Erdradius beträgt rund 6.371 Kilometer. Die tiefste menschengemachte vertikale Bohrung erreicht damit weniger als 0,2 Prozent dieser Entfernung.
Trotzdem haben Tiefbohrungen die Geowissenschaften erheblich verändert. Sie ermöglichen direkte Temperaturmessungen, Gesteinsproben und Untersuchungen von Fluiden und Spannungen, die ansonsten nur indirekt über seismische oder geophysikalische Methoden erschlossen werden könnten. Gleichzeitig zeigen Kola, KTB und moderne Projekte wie Shenditake 1, wo die technischen Grenzen liegen: Hitze, Druck, instabiles Gestein und die zunehmende Beanspruchung der Bohrtechnik lassen die Kosten mit jedem zusätzlichen Kilometer stark steigen.
Weitere Rekorde und außergewöhnliche Naturphänomene finden sich in der Kategorie Natur auf top-10-liste.de.
Wichtig: Tiefe ist nicht dasselbe wie Bohrlochlänge
In Meldungen über Bohrrekorde werden häufig zwei unterschiedliche Größen vermischt. Die „Measured Depth“ beschreibt die gesamte Länge entlang eines Bohrlochs. Moderne Erdölbohrungen können zunächst senkrecht nach unten und anschließend viele Kilometer horizontal verlaufen. Ihre Bohrlochlänge kann deshalb größer als 12 Kilometer sein, obwohl ihre vertikale Tiefe wesentlich geringer ist. Dieses Ranking bevorzugt die Tiefe unter dem Ausgangspunkt. Aus diesem Grund steht das 12.262 Meter tiefe Kola-Superdeep-Bohrloch vor Extended-Reach-Bohrungen wie Z-44 Chayvo oder Odoptu OP-11, obwohl deren gemessene Bohrpfade teilweise länger sind.
Häufige Fragen zu den tiefsten Löchern der Erde
Was ist das tiefste Loch der Erde?
Nach der tatsächlichen vertikalen beziehungsweise annähernd vertikalen Tiefe gilt das Kola-Superdeep-Bohrloch SG-3 in Russland mit 12.262 Metern als tiefste menschengemachte Bohrung. Moderne Richtbohrungen können entlang ihres gekrümmten Verlaufs länger sein, erreichen aber nicht dieselbe vertikale Tiefe.
Warum wurde das Kola-Bohrloch nicht bis 15 Kilometer weitergebohrt?
In großer Tiefe lagen die Temperaturen deutlich höher als ursprünglich erwartet. Bei ungefähr 180 Grad Celsius wurde das Gestein zunehmend schwierig zu beherrschen, während technische Probleme und später auch finanzielle Veränderungen die Fortsetzung des Projekts verhinderten.
Wie tief ist das tiefste Bergwerk der Welt?
Die südafrikanische Mponeng-Goldmine gilt als tiefstes Bergwerk der Welt. Harmony Gold gibt für den tiefsten Schacht eine Tiefe von 3.891 Metern unter dem verwendeten Bezugsniveau an. Anders als ein schmales Bohrloch verfügt ein Bergwerk über Schächte, Strecken und technische Infrastruktur, die von Menschen genutzt werden können.
Ist der Marianengraben tiefer als das tiefste Bohrloch?
Der tiefste Teil des Marianengrabens liegt ungefähr elf Kilometer unter dem Meeresspiegel. Das Kola-Bohrloch erreicht mit 12.262 Metern eine größere Strecke unter seinem Ausgangspunkt. Der Vergleich beschreibt jedoch unterschiedliche Dinge: Der Marianengraben ist eine natürliche Vertiefung des Meeresbodens, Kola eine schmale Bohrung in die Erdkruste.
Warum bohrt man überhaupt mehr als zehn Kilometer tief?
Ultratiefe Bohrungen dienen sowohl der Grundlagenforschung als auch der Rohstoffexploration. Sie liefern direkte Informationen über Temperaturen, Gesteine, Fluide und mechanische Spannungen in der tiefen Erdkruste. Moderne Projekte testen außerdem Technologien zur Erschließung sehr tief liegender Erdöl-, Erdgas- oder künftig möglicherweise geothermischer Ressourcen.







