2.400 Meter Fels über dem Tunnel: Die tiefsten Tunnel der Welt liegen nicht unter Städten, sondern unter Gebirgen, Fjorden und Meeresstraßen. Dieses Ranking bewertet Tunnel nach der größten belegbaren Überdeckung beziehungsweise Tiefe. Bei Gebirgstunneln zählt die maximale Gesteinsüberdeckung, bei Unterseetunneln zusätzlich die Tiefe unter dem Meeresspiegel. Dadurch wird sichtbar, warum ein Alpentunnel mit 2.300 Metern Fels technisch anders einzuordnen ist als ein Straßentunnel 292 Meter unter dem Meer. Ausgeschlossen wurden reine Bergwerke, natürliche Höhlen und geplante, aber noch nicht eröffnete Tunnel. Aufgenommen wurden Verkehrs-, Forschungs- und Infrastrukturtunnel mit belegter Tiefe und technischer Bedeutung.
So wurde gewertet
Sortiert wurde nach maximal belegter Tiefe beziehungsweise Überdeckung. Gebirgstunnel mit tausenden Metern Felsüberdeckung stehen vor Unterseetunneln, auch wenn Letztere spektakulär tief unter dem Meeresspiegel liegen. Berücksichtigt wurden zudem Länge, Nutzung, Bauzeit, geotechnische Schwierigkeiten und internationale Bedeutung. Datenstand: 16. Juni 2026.
Übersicht
| Rang | Tunnel | Land | Maximale Tiefe / Überdeckung | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Jinping-Tunnel / CJPL | China | ca. 2.400 m Felsüberdeckung | Forschungs-/Infrastrukturtunnel |
| 2 | Gotthard-Basistunnel | Schweiz | ca. 2.300 m Felsüberdeckung | Eisenbahntunnel |
| 3 | Simplontunnel | Schweiz / Italien | ca. 2.150 m Felsüberdeckung | Eisenbahntunnel |
| 4 | Lötschberg-Basistunnel | Schweiz | bis ca. 2.000 m Felsüberdeckung | Eisenbahntunnel |
| 5 | Gotthard-Scheiteltunnel | Schweiz | über 1.500 m Felsüberdeckung | Eisenbahntunnel |
| 6 | Furka-Basistunnel | Schweiz | ca. 1.520 m Felsüberdeckung | Eisenbahntunnel |
| 7 | Vereinatunnel | Schweiz | ca. 1.500 m Felsüberdeckung | Eisenbahn-/Autoverladetunnel |
| 8 | Ryfylke-Tunnel | Norwegen | 292 m unter Meeresspiegel | Straßentunnel |
| 9 | Eiksund-Tunnel | Norwegen | 287 m unter Meeresspiegel | Straßentunnel |
| 10 | Seikan-Tunnel | Japan | 240 m unter Meeresspiegel | Eisenbahntunnel |
Jinping-Tunnel / China Jinping Underground Laboratory
Rang: 1 tiefster
Die Tunnelanlagen im Jinping-Gebirge in Sichuan führen das Ranking an, weil das China Jinping Underground Laboratory mit rund 2.400 Metern Felsüberdeckung als eines der tiefsten unterirdischen Forschungslabore der Welt gilt. Der Zugang erfolgt über Tunnel, die ursprünglich im Zusammenhang mit dem Jinping-Wasserkraftprojekt entstanden. Die enorme Überdeckung ist hier kein Nebeneffekt, sondern wissenschaftlicher Vorteil: Der Fels schirmt kosmische Strahlung ab und schafft Bedingungen für empfindliche Experimente, etwa zur Dunklen Materie.
Im Vergleich zum Gotthard-Basistunnel ist Jinping weniger als öffentlicher Verkehrstunnel bekannt, aber geotechnisch mindestens ebenso extrem. Hoher Gebirgsdruck, Wasserdrücke und Felsmechanik machen solche Tiefen zu einer eigenen Ingenieurklasse. Der Rang 1 ergibt sich aus der maximalen Überdeckung und der besonderen Forschungsnutzung. Jinping zeigt, dass Tunnel nicht nur Verkehrsräume sein können, sondern auch wissenschaftliche Schutzräume im Inneren eines Gebirges.
- Maximale Überdeckung: ca. 2.400 m
- Ort: Sichuan, China
- Besonderheit: tiefes Untergrundlabor mit großem Abschirmeffekt
- Datenpunkt
- ca. 2.400 m Felsüberdeckung
- Datenpunkt
- unterirdisches Forschungszentrum im Jinping-Tunnel
- Datenpunkt
- besonders geringe kosmische Strahlung
- Quelle
- China Jinping Underground Laboratory
Gotthard-Basistunnel
Rang: 2 tiefster Verkehrstunnel
Der Gotthard-Basistunnel ist der tiefste große Verkehrstunnel der Welt. Die Schweizer Bundesunterlagen nennen eine maximale Felsüberdeckung von 2.300 Metern. Gleichzeitig ist der Tunnel mit 57 Kilometern Länge auch einer der bedeutendsten Eisenbahntunnel überhaupt. Er unterquert die Alpen auf einer flachen Basislinie und ermöglicht schnellen Personen- und Güterverkehr zwischen Nord- und Südeuropa.
Im Vergleich zum Jinping-System ist der Gotthard-Basistunnel stärker verkehrlich relevant. Hier fahren täglich Personen- und Güterzüge durch einen Bereich, in dem während des Baus Gebirgsdruck, hohe Temperaturen und komplexe Geologie enorme Herausforderungen darstellten. Die Tiefe ist deshalb nicht nur ein Rekordwert, sondern erklärt auch die technische Größe des Projekts: Lüftung, Rettungskonzept, Querschläge, Sicherheitsstationen und Bauabschnitte mussten für extreme Bedingungen ausgelegt werden.
- Länge: 57 km
- Maximale Felsüberdeckung: 2.300 m
- Eröffnung: 2016
- Datenpunkt
- 2.300 m maximale Felsüberdeckung
- Datenpunkt
- 57 km langer Eisenbahntunnel
- Datenpunkt
- zentrale Alpen-Transitachse der Schweiz
- Quelle
- Schweizerische Eidgenossenschaft
Simplontunnel
Rang: 3 historischer Rekord
Der Simplontunnel zwischen der Schweiz und Italien erreicht Rang 3. Mit rund 2.150 Metern maximaler Felsüberdeckung gehörte er bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den tiefsten und schwierigsten Eisenbahntunneln der Welt. Seine Bedeutung ist historisch enorm: Bei der Eröffnung 1906 war er nicht nur besonders lang, sondern auch ein geotechnischer Grenzfall.
Im Vergleich zum Gotthard-Basistunnel ist der Simplon älter, kürzer und technisch aus einer völlig anderen Epoche. Genau das macht ihn bemerkenswert. Die hohen Temperaturen im Gebirge, Wasserzutritte und die damals begrenzte Maschinentechnik machten den Bau außergewöhnlich anspruchsvoll. Der Simplontunnel zeigt, dass extreme Tunnelüberdeckung kein modernes Phänomen ist. Bereits vor über 100 Jahren wurden die Alpen in Tiefen durchbohrt, die bis heute zu den größten Herausforderungen im Tunnelbau zählen.
- Länge: knapp 20 km je Röhre
- Maximale Überdeckung: ca. 2.150 m
- Eröffnung erste Röhre: 1906
- Datenpunkt
- ca. 2.150 m maximale Felsüberdeckung
- Datenpunkt
- eine der großen historischen Alpenquerungen
- Datenpunkt
- früher Weltrekord in Länge und Gebirgsüberdeckung
- Quelle
- Simplon Tunnel
Lötschberg-Basistunnel
Rang: 4 Alpenachse
Der Lötschberg-Basistunnel liegt auf Rang 4, weil seine maximale Überdeckung bis etwa 2.000 Meter reicht. Er ist Teil der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale und bildet zusammen mit dem Simplon eine wichtige westliche Nord-Süd-Achse durch die Alpen. Mit rund 34,6 Kilometern Länge gehört er zu den großen Eisenbahntunneln Europas.
Im Vergleich zum Gotthard-Basistunnel ist der Lötschberg kürzer und teilweise nur einspurig ausgebaut, geologisch aber ebenfalls anspruchsvoll. Die große Überdeckung erzeugt hohe Spannungen im Fels, was beim Bau und bei der Sicherung des Tunnels besonders berücksichtigt werden musste. Der Tunnel zeigt außerdem, dass Tiefe nicht nur ein Rekordmerkmal ist, sondern betriebliche Folgen hat: Rettung, Wartung, Entwässerung und Ausbau sind in einem solchen Tunnel wesentlich komplexer als bei flacheren Bauwerken.
- Länge: ca. 34,6 km
- Maximale Überdeckung: bis ca. 2.000 m
- Eröffnung: 2007
- Datenpunkt
- bis ca. 2.000 m Überdeckung
- Datenpunkt
- Teil der Schweizer Alpen-Transitstrategie
- Datenpunkt
- hohe geotechnische Anforderungen durch Gebirgsdruck
- Quelle
- ZSoil / Lötschberg-Fachbeitrag
Gotthard-Scheiteltunnel
Rang: 5 Pionierbau
Der historische Gotthard-Scheiteltunnel von 1882 gehört trotz seines Alters zu den tiefsten klassischen Eisenbahntunneln. Seine Felsüberdeckung liegt in Teilen bei mehr als 1.500 Metern. Anders als der moderne Basistunnel liegt er höher im Gebirge und folgt der älteren Gotthardbahn, die mit Rampen, Kehrtunneln und Steigungen durch die Alpen führt.
Im Vergleich zum Simplontunnel ist der Gotthard-Scheiteltunnel weniger tief, historisch aber ähnlich bedeutend. Er war eine technische und politische Großleistung des 19. Jahrhunderts und machte den Gotthard zu einer der wichtigsten europäischen Transitachsen. Seine Platzierung erklärt sich aus der Kombination von großer Überdeckung, früher Bauzeit und bis heute bestehender verkehrlicher Rolle. Der Tunnel zeigt, wie früh die Schweiz begann, extreme Gebirgsbarrieren durch Tiefbau zu überwinden.
- Eröffnung: 1882
- Maximale Überdeckung: über 1.500 m
- Typ: historischer Eisenbahntunnel
- Datenpunkt
- historischer Alpen-Eisenbahntunnel
- Datenpunkt
- Überdeckung in der Größenordnung von mehr als 1.500 m
- Datenpunkt
- Vorgänger der modernen Gotthard-Basislinie
- Quelle
- ResearchGate / Tunnelling in high overburden
Furka-Basistunnel
Rang: 6 Wintersicher
Der Furka-Basistunnel steht auf Rang 6, weil er mit rund 1.520 Metern maximaler Überdeckung zu den tiefsten Schweizer Bahntunneln gehört. Er ersetzt die alte Furka-Bergstrecke im ganzjährigen Verkehr und verbindet Oberwald im Wallis mit Realp im Kanton Uri. Damit wurde eine Verbindung geschaffen, die nicht mehr saisonal von Schnee und Lawinen abhängig ist.
Im Vergleich zum Gotthard-Scheiteltunnel ist der Furka-Basistunnel moderner, aber verkehrlich regionaler. Seine Bedeutung liegt im Alltagsnutzen: Autoverlad, Regionalverkehr und wintersichere Alpenquerung. Die große Überdeckung macht ihn dennoch zu einem beachtlichen Tiefbauwerk. Gerade bei einem schmaleren Eisenbahntunnel zeigt sich, dass Tiefe nicht nur Megaprojekten vorbehalten ist. Auch regionale Alpenbahnen können geotechnisch extreme Bedingungen erreichen.
- Länge: ca. 15,4 km
- Maximale Überdeckung: ca. 1.520 m
- Funktion: wintersichere Alpenverbindung
- Datenpunkt
- ca. 1.520 m maximale Überdeckung
- Datenpunkt
- 15,4 km langer Bahntunnel
- Datenpunkt
- ersetzt die schneereiche Furka-Bergstrecke im Ganzjahresverkehr
- Quelle
- Rock Mechanics and Rock Engineering
Vereinatunnel
Rang: 7 Autoverlad
Der Vereinatunnel in Graubünden erreicht Rang 7. Er ist rund 19 Kilometer lang und verbindet Klosters im Prättigau mit Sagliains im Engadin. Für Reisende ist er besonders bekannt durch den Autoverlad: Fahrzeuge fahren auf den Zug und passieren das Gebirge im Tunnel. Die maximale Überdeckung liegt in der Größenordnung von etwa 1.500 Metern.
Im Vergleich zum Furka-Basistunnel ist der Vereinatunnel ähnlich tief, aber länger und stärker mit Autoverkehr verknüpft. Er zeigt, wie Eisenbahntunnel nicht nur Züge, sondern ganze Straßenverbindungen ersetzen können. Für das Engadin ist er besonders wichtig, weil er ganzjährig eine wetterunabhängige Verbindung schafft. Der Rang ergibt sich aus der Kombination von Tiefe, Länge, touristischer Bedeutung und praktischer Alltagsfunktion.
- Länge: ca. 19 km
- Maximale Überdeckung: ca. 1.500 m
- Besonderheit: Autoverlad durch die Rhätische Bahn
- Datenpunkt
- 19 km langer Tunnel
- Datenpunkt
- Autoverlad zwischen Prättigau und Engadin
- Datenpunkt
- ganzjährige Verbindung durch die Alpen
- Quelle
- Rhätische Bahn
Ryfylke-Tunnel
Rang: 8 tiefster Straßentunnel
Der Ryfylke-Tunnel in Norwegen ist der tiefste Straßentunnel dieser Liste. Er erreicht 292 Meter unter dem Meeresspiegel und gehört zum Ryfast-System bei Stavanger. Anders als die Alpenplätze vor ihm ist seine Tiefe nicht durch Felsüberdeckung eines Hochgebirges geprägt, sondern durch die Querung eines Fjords.
Im Vergleich zu den Schweizer Gebirgstunneln wirkt 292 Meter zunächst geringer. Für einen Straßentunnel unter Wasser ist dieser Wert jedoch extrem. Der Bau muss Wasserdruck, Abdichtung, Rettung, Lüftung, Steigung und psychologische Belastung für Autofahrer berücksichtigen. Ryfylke zeigt die norwegische Spezialität des Unterseetunnelbaus: Statt Brücken oder Fähren werden ganze Fjorde tief unter dem Meeresboden gequert.
- Länge: ca. 14,4 km
- Tiefster Punkt: 292 m unter Meeresspiegel
- Typ: Untersee-Straßentunnel
- Datenpunkt
- 292 m unter dem Meeresspiegel
- Datenpunkt
- 14,4 km langer Straßentunnel
- Datenpunkt
- einer der tiefsten Unterseetunnel der Welt
- Quelle
- Nordic Investment Bank
Eiksund-Tunnel
Rang: 9 Untersee-Rekord
Der Eiksund-Tunnel in Norwegen belegt Rang 9. Er erreicht 287 Meter unter dem Meeresspiegel und war lange als tiefster Untersee-Straßentunnel bekannt, bevor Ryfylke ihn knapp übertraf. Mit 7.765 Metern Länge verbindet er Insel- und Festlandsregionen in Møre og Romsdal.
Im Vergleich zu Ryfylke ist Eiksund etwas weniger tief und deutlich kürzer, aber historisch wichtig. Er machte sichtbar, dass Norwegen Unterseetunnel in Tiefen bauen kann, die in vielen anderen Ländern kaum denkbar wären. Die Steigungen, Belüftung und Sicherheitskonzepte solcher Tunnel sind besonders anspruchsvoll, weil Fahrzeuge tief unter dem Fjord fahren und anschließend wieder stark ansteigen müssen. Eiksund bleibt deshalb ein Schlüsselbauwerk der modernen norwegischen Tunneltechnik.
- Länge: 7.765 m
- Tiefster Punkt: 287 m unter Meeresspiegel
- Land: Norwegen
- Datenpunkt
- 287 m unter dem Meeresspiegel
- Datenpunkt
- 7.765 m langer Untersee-Straßentunnel
- Datenpunkt
- früherer Rekordhalter unter den Unterseetunneln
- Quelle
- Guinness World Records
Seikan-Tunnel
Rang: 10 Untersee-Bahn
Der Seikan-Tunnel in Japan schließt die Top 10 ab. Sein tiefster Punkt liegt rund 240 Meter unter dem Meeresspiegel, und die Strecke verläuft unter der Tsugaru-Straße zwischen Honshu und Hokkaido. Mit 53,85 Kilometern Gesamtlänge gehört er zu den längsten Eisenbahntunneln der Welt.
Im Vergleich zu Ryfylke und Eiksund ist Seikan weniger tief, aber deutlich länger und historisch bedeutender. Der Tunnel entstand nach schweren Fährunglücken und sollte eine wetterunabhängige Verbindung zwischen den japanischen Hauptinseln schaffen. Seine Tiefe unter dem Meer, die Länge des Unterseeabschnitts und die spätere Integration in den Shinkansen-Verkehr machen ihn zu einem der wichtigsten Unterseetunnel der Welt. Rang 10 zeigt: Tiefe ist nicht allein entscheidend, aber sie macht Seikan zu einem technischen Grenzbauwerk.
- Gesamtlänge: 53,85 km
- Tiefster Punkt: ca. 240 m unter Meeresspiegel
- Typ: Untersee-Eisenbahntunnel
- Datenpunkt
- 240 m unter dem Meeresspiegel
- Datenpunkt
- 53,85 km Gesamtlänge
- Datenpunkt
- Verbindung zwischen Honshu und Hokkaido
- Quelle
- Seikan Tunnel Museum
Häufige Fragen zu den tiefsten Tunneln der Welt
Was ist der tiefste Tunnel der Welt?
Nach Felsüberdeckung gehört der Jinping-Tunnel mit dem China Jinping Underground Laboratory zu den tiefsten Tunnelanlagen der Welt.
Was ist der tiefste Verkehrstunnel der Welt?
Der Gotthard-Basistunnel gilt mit rund 2.300 Metern Felsüberdeckung als tiefster großer Verkehrstunnel der Welt.
Was ist der tiefste Straßentunnel der Welt?
Der Ryfylke-Tunnel in Norwegen erreicht 292 Meter unter dem Meeresspiegel und gehört damit zu den tiefsten Straßentunneln der Welt.
Warum sind Gebirgstunnel tiefer als Unterseetunnel?
Gebirgstunnel können mehrere Kilometer Fels über sich haben. Unterseetunnel liegen zwar unter Wasser, aber meist nur einige hundert Meter unter dem Meeresspiegel.







