Mehr als eine Million behandelbare sexuell übertragbare Infektionen werden nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation jeden Tag neu erworben. Viele bleiben unbemerkt, weil sie zunächst keine Beschwerden verursachen. Dieses Ranking vergleicht die weltweit verbreitetsten Geschlechtskrankheiten – medizinisch präziser: sexuell übertragbare Infektionen oder STI – anhand globaler Prävalenz, jährlicher Neuinfektionen, geografischer Verbreitung und Qualität der verfügbaren Daten.
Die Zahlen sind nicht vollständig direkt vergleichbar: Bei chronischen Virusinfektionen wird meist angegeben, wie viele Menschen mit der Infektion leben. Bei heilbaren bakteriellen oder parasitären STI stehen häufiger jährliche Neuinfektionen im Mittelpunkt. Hepatitis B wurde aufgenommen, obwohl ein erheblicher Teil der Übertragungen bei der Geburt oder in der Kindheit erfolgt; sexuelle Übertragung ist dennoch medizinisch bedeutsam. Vaginale Dysbiose, Pilzinfektionen und reine Hauterkrankungen wurden ausgeschlossen. Datenstand ist August 2026.
So wurde gewertet
Die geschätzte weltweite Zahl bestehender oder jährlich neu auftretender Infektionen zählt 45 Prozent. Geografische Verbreitung und Übertragungsdynamik fließen mit 20 Prozent ein, Krankheitsdauer und Anteil unerkannter Infektionen mit 15 Prozent, Qualität und Aktualität globaler Schätzungen mit 10 Prozent sowie gesundheitliche Folgewirkungen mit 10 Prozent. Weil Prävalenz und Inzidenz nicht gleichgesetzt werden dürfen, handelt es sich um eine redaktionelle Vergleichswertung und nicht um eine rein numerische Sortierung. „Heilbar“ bedeutet, dass der Erreger mit geeigneter Behandlung beseitigt werden kann; bereits entstandene Folgeschäden können trotzdem fortbestehen.
Übersicht
| Rang | Infektion | Erreger | Erregertyp | Globale Größenordnung | Bezugsjahr / Altersgruppe | Typische Inkubationszeit | Häufige Beschwerden | Heilbar? | Impfung verfügbar? | Wichtige mögliche Folgen | Besonderheit der Datenlage |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Humane Papillomviren | Mehr als 200 HPV-Typen | Virus | 31 Prozent gepoolte Prävalenz beliebiger genitaler HPV-Typen bei Männern; ein Großteil der Bevölkerung infiziert sich mindestens einmal im Leben | Männliche Prävalenz aus Studien 1995–2022; Lebenszeitrisiko altersübergreifend | Wochen bis Monate; Zellveränderungen oft erst nach Jahren | Meist keine Beschwerden; einige Typen verursachen Genitalwarzen | Die Infektion selbst wird nicht medikamentös beseitigt; sie heilt häufig spontan aus | Ja, gegen wichtige Hoch- und Niedrigrisikotypen | Gebärmutterhalskrebs sowie weitere anogenitale und oropharyngeale Krebsarten | Eine einheitliche weltweite Gesamtzahl ist wegen vieler Virustypen und häufig vorübergehender Infektionen nicht seriös bestimmbar |
| 2 | Genitalherpes | Herpes-simplex-Virus Typ 1 und Typ 2 | Virus | Etwa 846 Millionen Menschen mit genitaler HSV-1- oder HSV-2-Infektion | 2020; Menschen zwischen 15 und 49 Jahren | Meist 2 bis 12 Tage bis zur ersten symptomatischen Episode | Oft symptomlos; mögliche Bläschen, Schmerzen, Brennen und wiederkehrende Schübe | Nein; antivirale Medikamente verkürzen oder unterdrücken Schübe | Nein | Wiederkehrende Beschwerden, erhöhte HIV-Anfälligkeit und selten schwere Neugeboreneninfektion | HSV-1 kann oral oder genital auftreten; dadurch unterscheiden sich Schätzungen je nach Definition |
| 3 | Hepatitis B | Hepatitis-B-Virus | Virus | Etwa 254 Millionen Menschen lebten weltweit mit chronischer Hepatitis B | WHO-Schätzung für 2022; alle Altersgruppen | Üblicherweise 30 bis 180 Tage | Oft symptomlos; möglich sind Müdigkeit, Übelkeit, dunkler Urin und Gelbsucht | Akute Infektionen heilen häufig aus; chronische Infektionen sind meist kontrollierbar, aber nicht sicher heilbar | Ja | Leberzirrhose, Leberversagen und Leberzellkrebs | Nicht alle Infektionen werden sexuell erworben; perinatale und frühkindliche Übertragungen sind weltweit besonders wichtig |
| 4 | Trichomoniasis | Trichomonas vaginalis | Einzelliger Parasit | Etwa 156 Millionen Neuinfektionen pro Jahr | WHO-Schätzung für 2020; Menschen zwischen 15 und 49 Jahren | Ungefähr 5 bis 28 Tage | Häufig symptomlos; möglich sind Ausfluss, Reizung, Brennen und Beschwerden beim Wasserlassen | Ja, mit geeigneten antimikrobiellen Medikamenten | Nein | Schwangerschaftskomplikationen und erhöhte Empfänglichkeit für HIV | Fehlende Routinetests und viele symptomlose Fälle führen wahrscheinlich zu erheblicher Untererfassung |
| 5 | Chlamydieninfektion | Chlamydia trachomatis | Bakterium | Etwa 129 Millionen Neuinfektionen pro Jahr | WHO-Schätzung für 2020; Menschen zwischen 15 und 49 Jahren | Meist 1 bis 3 Wochen | Häufig symptomlos; möglich sind Ausfluss, Brennen und Unterbauchbeschwerden | Ja, mit Antibiotika | Nein | Beckenentzündung, Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaft und Nebenhodenentzündung | Screeningprogramme unterscheiden sich stark; mehr Tests können zu mehr gemeldeten Fällen führen |
| 6 | Gonorrhö | Neisseria gonorrhoeae | Bakterium | Etwa 82 Millionen Neuinfektionen pro Jahr | WHO-Schätzung für 2020; Menschen zwischen 15 und 49 Jahren | Meist 1 bis 14 Tage | Ausfluss und Brennen; Infektionen des Rachens oder Enddarms bleiben oft unbemerkt | Grundsätzlich ja, doch Resistenzen erschweren die Behandlung | Nein | Unfruchtbarkeit, Beckenentzündung, disseminierte Infektion und Neugeborenenkomplikationen | Antibiotikaresistenzen verändern regional die Behandelbarkeit und erschweren internationale Vergleiche |
| 7 | HIV-Infektion | Humanes Immundefizienz-Virus Typ 1 und selten Typ 2 | Retrovirus | Etwa 41,0 Millionen Menschen lebten mit HIV; rund 1,2 Millionen Neuerwerbungen | WHO- und UNAIDS-Schätzungen für 2025; alle Altersgruppen | Akute Symptome gegebenenfalls nach 2 bis 4 Wochen; AIDS ohne Behandlung oft erst nach Jahren | Akut oft grippeähnlich, danach häufig lange symptomarm | Nein; antiretrovirale Therapie kann die Virusvermehrung dauerhaft unterdrücken | Nein | Schwere Immunschwäche, opportunistische Infektionen und bestimmte Krebsarten | HIV wird auch über Blut und von der Mutter auf das Kind übertragen; die sexuelle Übertragung dominiert global bei Erwachsenen |
| 8 | Syphilis | Treponema pallidum | Bakterium | Etwa 8 Millionen Neuinfektionen bei Erwachsenen pro Jahr | WHO-Schätzung für 2022; Menschen zwischen 15 und 49 Jahren | Etwa 10 bis 90 Tage, häufig ungefähr 3 Wochen | Anfangs oft schmerzloses Geschwür; später Hautausschlag oder lange symptomlose Phase | Ja, insbesondere mit Penicillin | Nein | Nerven- und Herz-Kreislauf-Schäden sowie schwere angeborene Syphilis | Die WHO schätzte 2022 zusätzlich rund 700.000 Fälle angeborener Syphilis |
| 9 | Mycoplasma-genitalium-Infektion | Mycoplasma genitalium | Bakterium ohne Zellwand | In bevölkerungsbezogenen Studien häufig ungefähr 1 bis 3 Prozent; keine belastbare globale Gesamtzahl | Studien aus mehreren Ländern und unterschiedlichen Jahren | Nicht abschließend bestimmt; vermutlich häufig 1 bis 3 Wochen oder länger | Oft symptomlos; möglich sind Harnröhren-, Gebärmutterhals- und Unterbauchbeschwerden | Grundsätzlich ja, aber Resistenzen machen die Therapie zunehmend schwierig | Nein | Urethritis, Zervizitis und möglicherweise Beckenentzündung | Weltweite Routineüberwachung fehlt; viele Länder testen nur bei anhaltenden Beschwerden |
| 10 | HTLV-1-Infektion | Humanes T-lymphotropes Virus Typ 1 | Retrovirus | Geschätzt 5 bis 10 Millionen Menschen weltweit | Letzte breit verwendete globale Schätzung für 2012; alle Altersgruppen | Keine klassische kurze Inkubationszeit; Folgekrankheiten können erst nach Jahrzehnten auftreten | Die große Mehrheit bleibt lebenslang ohne erkennbare Beschwerden | Nein | Nein | Adult-T-Zell-Leukämie beziehungsweise -Lymphom und HTLV-1-assoziierte Myelopathie | Viele Länder erfassen HTLV-1 kaum; die tatsächliche Zahl dürfte deshalb höher liegen |
Medizinischer Hinweis: Beschwerden allein erlauben keine sichere Diagnose, weil viele STI symptomlos verlaufen oder ähnliche Symptome verursachen. Nach einer möglichen Exposition, bei Beschwerden oder in der Schwangerschaft ist eine ärztliche Beratung beziehungsweise ein geeigneter Labortest entscheidend. Selbstmedikation mit Antibiotika kann Diagnosen verzögern und Resistenzen fördern.
HTLV-1: Millionen Infizierte, aber kaum öffentliche Aufmerksamkeit
Rang: 10 vernachlässigte STI
Das humane T-lymphotrope Virus Typ 1, kurz HTLV-1, erreicht Rang zehn. Nach der weiterhin verwendeten globalen Schätzung leben etwa fünf bis zehn Millionen Menschen mit dem Virus. Die tatsächliche Zahl könnte höher sein, weil in vielen Ländern weder bevölkerungsweite Studien noch eine systematische Meldepflicht existieren. Besonders hohe Prävalenzen finden sich in Teilen Japans, West- und Zentralafrikas, der Karibik, Südamerikas sowie Australiens.
HTLV-1 wird sexuell, über Blut und von der Mutter auf das Kind übertragen, vor allem durch längeres Stillen. Das Virus integriert sein Erbgut dauerhaft in bestimmte Immunzellen. Die meisten Infizierten entwickeln nie erkennbare Beschwerden. Bei einem kleinen Anteil entstehen jedoch nach Jahrzehnten schwere Erkrankungen, darunter die aggressive Adult-T-Zell-Leukämie beziehungsweise das entsprechende Lymphom sowie eine chronisch fortschreitende Rückenmarkserkrankung. Gegenüber Mycoplasma genitalium auf Rang neun ist die geschätzte absolute Verbreitung besser quantifiziert, die Überwachung aber wesentlich lückenhafter. Die Kombination aus lebenslanger Infektion, langer symptomfreier Phase und fehlender Heilung macht HTLV-1 medizinisch bedeutender, als seine geringe öffentliche Bekanntheit vermuten lässt.
- HTLV-1 war das erste entdeckte menschliche Retrovirus.
- Weltweit leben schätzungsweise fünf bis zehn Millionen Menschen mit der Infektion.
- Die Mehrheit der Infizierten bleibt lebenslang ohne erkennbare Folgekrankheit.
- Eine Übertragung ist sexuell, über Blut und durch längeres Stillen möglich.
- Eine vorbeugende Impfung oder heilende antivirale Therapie existiert nicht.
- Medizinische Bezeichnung
- HTLV-1-Infektion
- Erreger
- Humanes T-lymphotropes Virus Typ 1
- Erregertyp
- Retrovirus
- Geschätzte Verbreitung
- Etwa 5 bis 10 Millionen Menschen weltweit
- Datenbasis
- Letzte breit verwendete globale Schätzung für 2012; erhebliche Untererfassung
- Übertragung
- Sexualkontakte, Blutkontakt, gemeinsam benutzte Injektionsutensilien und Stillen
- Symptome
- Meist keine; Folgekrankheiten können erst nach Jahrzehnten auftreten
- Diagnose
- Antikörpertest mit bestätigendem Folgetest; je nach Situation PCR
- Behandlung
- Keine Heilung der Infektion; Behandlung richtet sich gegen auftretende Folgekrankheiten
- Impfung
- Nicht verfügbar
- Schwere mögliche Folgen
- Adult-T-Zell-Leukämie beziehungsweise -Lymphom und HTLV-1-assoziierte Myelopathie
- Quelle
- Weltgesundheitsorganisation: Human T-lymphotropic virus type 1
Mycoplasma genitalium: Häufig, schwer zu erfassen und zunehmend resistent
Rang: 9 Resistenzproblem
Mycoplasma genitalium steht auf Rang neun, obwohl keine verlässliche weltweite Fallzahl existiert. Bevölkerungsbezogene Studien aus mehreren Industrieländern fanden die Infektion häufig bei ungefähr einem bis drei Prozent der untersuchten Frauen und Männer. In spezialisierten STI-Ambulanzen und bei Menschen mit Harnröhrenentzündung liegen die Anteile deutlich höher. Die fehlende globale Überwachung verhindert eine präzisere Einordnung und ist selbst ein wesentlicher Teil des Problems.
Das 1981 erstmals isolierte Bakterium besitzt keine Zellwand. Dadurch wirken Antibiotika wie Penicillin grundsätzlich nicht. Bei Männern ist es eine wichtige Ursache nicht durch Gonokokken verursachter Harnröhrenentzündungen. Bei Frauen besteht ein Zusammenhang mit Gebärmutterhalsentzündung und wahrscheinlich auch mit Beckenentzündungen; bei vielen Infizierten treten jedoch keine Beschwerden auf. Besonders relevant ist die rasche Zunahme von Resistenzen gegen Makrolide und Fluorchinolone. Im Vergleich zu HTLV-1 auf Rang zehn ist M. genitalium wahrscheinlich in vielen Bevölkerungen häufiger, aber global wesentlich schlechter quantifiziert. Gegenüber Syphilis auf Rang acht fehlen belastbare weltweite Inzidenzschätzungen und standardisierte Screeningprogramme.
- Das Bakterium wurde erstmals 1981 aus klinischen Proben isoliert.
- Es besitzt keine Zellwand und gehört zu den kleinsten selbstständig vermehrungsfähigen Bakterien.
- In ausgewählten Bevölkerungsstudien lag die Prävalenz häufig bei etwa ein bis drei Prozent.
- Viele Infektionen bleiben symptomlos.
- Makrolid- und Fluorchinolonresistenzen erschweren die Behandlung zunehmend.
- Medizinische Bezeichnung
- Mycoplasma-genitalium-Infektion
- Erreger
- Mycoplasma genitalium
- Erregertyp
- Sehr kleines Bakterium ohne Zellwand
- Geschätzte Prävalenz
- In mehreren bevölkerungsbezogenen Studien ungefähr 1 bis 3 Prozent
- Globale Fallzahl
- Nicht zuverlässig bestimmt
- Übertragung
- Vor allem durch ungeschützten genitalen Sexualkontakt
- Typische Beschwerden
- Brennen beim Wasserlassen, Ausfluss, Blutungen oder Unterbauchbeschwerden; häufig symptomlos
- Diagnose
- Nukleinsäure-Amplifikationstest aus Urin oder Abstrichmaterial
- Behandlung
- Antibiotika nach Leitlinie und möglichst unter Berücksichtigung von Resistenzen
- Impfung
- Nicht verfügbar
- Besonderheit
- Fehlende Zellwand und zunehmende Mehrfachresistenz begrenzen die Therapieoptionen
- Quelle
- CDC Emerging Infectious Diseases: Mycoplasma genitalium infection
Syphilis: Die heilbare Infektion mit gefährlichen Spätfolgen
Rang: 8 weltweit zunehmend
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass sich 2022 rund acht Millionen Menschen zwischen 15 und 49 Jahren neu mit Syphilis infizierten. Damit liegt die Infektion auf Rang acht. Die Zahl stieg gegenüber der Schätzung für 2020 um ungefähr 900.000 Fälle. Besonders problematisch ist, dass der Erreger während symptomarmer oder falsch gedeuteter Krankheitsphasen weitergegeben werden kann.
Syphilis verläuft typischerweise in Stadien. Zunächst entsteht häufig ein schmerzloses Geschwür, das ohne Behandlung wieder verschwindet. Später können Hautausschlag, Lymphknotenschwellungen und allgemeine Beschwerden folgen. Danach kann die Infektion über Jahre verborgen bleiben. Unbehandelt sind Schäden an Nervensystem, Augen, Herz und Blutgefäßen möglich. Penicillin heilt die Infektion zuverlässig, kann bestehende Organschäden jedoch nicht rückgängig machen. Gegenüber Mycoplasma genitalium auf Rang neun ist die globale Datenlage wesentlich besser. HIV auf Rang sieben betrifft zwar weniger jährliche Neuerwerbungen, führt aber zu einer lebenslangen Infektion. In der Schwangerschaft ist Syphilis besonders gefährlich: Für 2022 schätzte die WHO etwa 700.000 Fälle angeborener Syphilis und rund 390.000 ungünstige Schwangerschaftsausgänge.
- 2022 erwarben geschätzt acht Millionen Erwachsene zwischen 15 und 49 Jahren Syphilis.
- Die Infektion wird durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht.
- Das erste Geschwür ist häufig schmerzlos und wird deshalb leicht übersehen.
- Penicillin ist weiterhin die wichtigste Behandlung.
- Eine unbehandelte Infektion in der Schwangerschaft kann das ungeborene Kind schwer schädigen.
- Medizinische Bezeichnung
- Syphilis beziehungsweise Lues
- Erreger
- Treponema pallidum
- Erregertyp
- Schraubenförmiges Bakterium
- Globale Neuerwerbungen
- Geschätzt 8 Millionen bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren
- Bezugsjahr
- 2022
- Inkubationszeit
- Etwa 10 bis 90 Tage, häufig ungefähr drei Wochen
- Übertragung
- Direkter Kontakt mit infektiösen Haut- oder Schleimhautveränderungen sowie Übertragung in der Schwangerschaft
- Diagnose
- Bluttests; bei frühen Läsionen zusätzlich direkter Erregernachweis möglich
- Behandlung
- Heilbar, in der Regel mit Benzathin-Benzylpenicillin
- Impfung
- Nicht verfügbar
- Angeborene Syphilis
- Geschätzt 700.000 Fälle im Jahr 2022
- Quelle
- Weltgesundheitsorganisation: Syphilis
HIV: Lebenslange Infektion mit stark verbesserter Behandelbarkeit
Rang: 7 globale Pandemie
Ende 2025 lebten weltweit schätzungsweise 41 Millionen Menschen mit HIV. Im selben Jahr erwarben etwa 1,2 Millionen Menschen das Virus neu. HIV steht damit auf Rang sieben: Die Zahl der jährlichen Neuerwerbungen ist niedriger als bei Syphilis, doch jede Infektion bleibt nach heutigem Stand lebenslang bestehen. Rund 64 Prozent der Menschen mit HIV lebten 2025 in der WHO-Region Afrika.
Das Virus befällt zentrale Zellen des Immunsystems. Ohne Behandlung kann die Zahl dieser CD4-Zellen über Jahre so weit sinken, dass schwere opportunistische Infektionen und bestimmte Krebsarten auftreten; dieses fortgeschrittene Stadium wird als AIDS bezeichnet. Moderne antiretrovirale Kombinationstherapien verhindern die Virusvermehrung sehr wirksam. Menschen mit dauerhaft nicht nachweisbarer Viruslast übertragen HIV beim Sex nicht – zusammengefasst als „nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar“. Gegenüber Syphilis ist HIV nicht heilbar, medizinisch aber heute wesentlich besser kontrollierbar als zu Beginn der Epidemie. Die Zahl der Neuerwerbungen sank gegenüber dem Höhepunkt der 1990er-Jahre deutlich, dennoch starben 2025 noch etwa 570.000 Menschen an HIV-bedingten Ursachen.
- 2025 lebten weltweit ungefähr 41 Millionen Menschen mit HIV.
- Im selben Jahr wurden etwa 1,2 Millionen Neuerwerbungen geschätzt.
- Rund 570.000 Menschen starben 2025 an HIV-bedingten Ursachen.
- Antiretrovirale Therapie kann die Viruslast dauerhaft unter die Nachweisgrenze senken.
- Bei stabil nicht nachweisbarer Viruslast findet keine sexuelle Übertragung statt.
- Medizinische Bezeichnung
- HIV-Infektion; AIDS bezeichnet das fortgeschrittene Krankheitsstadium
- Erreger
- Humanes Immundefizienz-Virus Typ 1, regional seltener Typ 2
- Erregertyp
- Retrovirus
- Menschen mit HIV
- Geschätzt 41,0 Millionen weltweit
- Neuerwerbungen
- Geschätzt 1,2 Millionen im Jahr 2025
- HIV-bedingte Todesfälle
- Geschätzt 570.000 im Jahr 2025
- Übertragung
- Sexualkontakt, Blutkontakt sowie während Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit
- Diagnose
- Antigen-Antikörper-Test mit Bestätigung; frühe Infektionen gegebenenfalls durch Nukleinsäuretest
- Behandlung
- Lebenslange antiretrovirale Kombinationstherapie
- Heilbarkeit
- Im Regelfall nicht heilbar, aber langfristig sehr gut behandelbar
- Vorbeugung
- Kondome, PrEP, sterile Injektionsmaterialien, Tests und wirksame Therapie
- Quelle
- Weltgesundheitsorganisation: HIV and AIDS
Gonorrhö: Eine häufige Infektion mit wachsendem Resistenzproblem
Rang: 6 antibiotikaresistent
Gonorrhö, umgangssprachlich auch Tripper genannt, erreicht Rang sechs. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt für 2020 etwa 82,4 Millionen Neuinfektionen bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren. Das entspricht einer globalen Inzidenz von ungefähr 19 Neuerkrankungen je 1.000 Frauen und 23 je 1.000 Männer. Besonders viele Infektionen entfallen auf die WHO-Regionen Afrika und Westpazifik. Die Zahlen bilden das tatsächliche Geschehen wahrscheinlich nur unvollständig ab, weil Infektionen des Gebärmutterhalses, Rachens und Enddarms häufig symptomlos bleiben.
Verursacht wird Gonorrhö durch Neisseria gonorrhoeae. Das Bakterium kann Schleimhäute der Genitalien, des Enddarms, des Rachens und der Augen befallen. Unbehandelte Infektionen können Beckenentzündungen, Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaften und selten eine Ausbreitung über das Blut verursachen. Entscheidend für Rang sechs ist neben der großen Fallzahl die zunehmende Antibiotikaresistenz. Gonokokken haben im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte Resistenzen gegen mehrere Wirkstoffgruppen entwickelt. Chlamydien auf Rang fünf verursachen mehr geschätzte Neuinfektionen, sind aber derzeit in der Regel verlässlicher behandelbar. Gegenüber HIV auf Rang sieben ist Gonorrhö heilbar, kann jedoch mehrfach erworben und weitergegeben werden.
- Für 2020 werden weltweit etwa 82,4 Millionen Neuinfektionen geschätzt.
- Infektionen können Genitalien, Rachen, Enddarm und Augen betreffen.
- Viele Infektionen bei Frauen sowie im Rachen oder Enddarm verlaufen symptomlos.
- Das Bakterium hat Resistenzen gegen zahlreiche frühere Standardantibiotika entwickelt.
- Eine durchgemachte Gonorrhö erzeugt keinen zuverlässigen Schutz vor erneuter Ansteckung.
- Medizinische Bezeichnung
- Gonorrhö beziehungsweise Gonorrhoe
- Erreger
- Neisseria gonorrhoeae
- Erregertyp
- Gramnegatives Bakterium
- Globale Neuinfektionen
- Geschätzt 82,4 Millionen bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren
- Bezugsjahr
- 2020
- Globale Inzidenz
- Etwa 19 je 1.000 Frauen und 23 je 1.000 Männer im Alter von 15 bis 49 Jahren
- Inkubationszeit
- Meist 1 bis 14 Tage; Beschwerden können später auftreten oder vollständig fehlen
- Übertragung
- Ungeschützter vaginaler, analer oder oraler Sexualkontakt sowie Übertragung bei der Geburt
- Häufige Beschwerden
- Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Zwischenblutungen oder Schmerzen; häufig symptomlos
- Diagnose
- Nukleinsäure-Amplifikationstest; Kultur besonders für die Resistenzbestimmung wichtig
- Behandlung
- Mit geeigneten Antibiotika grundsätzlich heilbar; regionale Leitlinien und Resistenzlage sind zu beachten
- Impfung
- Keine spezifisch zugelassene Gonorrhö-Impfung verfügbar
- Mögliche Folgen
- Beckenentzündung, Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaft, Nebenhodenentzündung und disseminierte Infektion
- Besonderheit
- Die WHO überwacht resistente Gonokokken international über spezialisierte Surveillance-Programme
- Quelle
- Weltgesundheitsorganisation: Multiresistente Gonorrhö
Chlamydieninfektion: Besonders häufig und oft unbemerkt
Rang: 5 häufig symptomlos
Chlamydien erreichen Rang fünf, weil sie weltweit die häufigste bakterielle sexuell übertragbare Infektion darstellen. Nach der 2025 aktualisierten WHO-Darstellung ereigneten sich 2020 schätzungsweise 128,5 Millionen Neuinfektionen mit Chlamydia trachomatis bei Erwachsenen zwischen 15 und 49 Jahren. Die geschätzte Prävalenz lag in dieser Altersgruppe bei vier Prozent der Frauen und 2,5 Prozent der Männer. Junge sexuell aktive Menschen sind überdurchschnittlich häufig betroffen.
Ein großer Teil der Infektionen verursacht zunächst keine erkennbaren Beschwerden. Dadurch kann der Erreger über Monate unentdeckt bleiben und weitergegeben werden. Bei Frauen kann eine aufsteigende Infektion eine Beckenentzündung auslösen und Eileiter schädigen; mögliche Folgen sind Unfruchtbarkeit, chronische Schmerzen und Eileiterschwangerschaften. Bei Männern können unter anderem Harnröhre und Nebenhoden betroffen sein. Chlamydien stehen vor Gonorrhö, weil die geschätzte Zahl jährlicher Neuinfektionen um rund 46 Millionen höher liegt. Hinter Trichomoniasis auf Rang vier bleiben sie aufgrund der niedrigeren globalen Inzidenz. Antibiotika können die Infektion heilen, bereits entstandene Gewebeschäden jedoch nicht rückgängig machen. Deshalb haben gezielte Tests bei Risikogruppen und die Mitbehandlung betroffener Sexualpartner eine besondere Bedeutung.
- 2020 traten weltweit schätzungsweise 128,5 Millionen Neuinfektionen auf.
- Die globale Prävalenz wurde auf vier Prozent bei Frauen und 2,5 Prozent bei Männern geschätzt.
- Viele Betroffene bemerken keine Symptome.
- Der Erreger vermehrt sich innerhalb menschlicher Zellen.
- Nach erfolgreicher Behandlung ist eine erneute Infektion jederzeit möglich.
- Medizinische Bezeichnung
- Urogenitale Chlamydieninfektion
- Erreger
- Chlamydia trachomatis, vor allem die Serovare D bis K
- Erregertyp
- Obligat intrazelluläres Bakterium
- Globale Neuinfektionen
- Geschätzt 128,5 Millionen bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren
- Bezugsjahr
- 2020
- Geschätzte Prävalenz
- 4,0 Prozent bei Frauen und 2,5 Prozent bei Männern zwischen 15 und 49 Jahren
- Inkubationszeit
- Häufig etwa 1 bis 3 Wochen; genaue Zeitspanne ist nicht in jedem Fall bestimmbar
- Übertragung
- Vaginaler, analer oder oraler Sexualkontakt sowie Übertragung während der Geburt
- Häufige Beschwerden
- Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Unterbauchschmerzen oder Zwischenblutungen; oft symptomlos
- Diagnose
- Nukleinsäure-Amplifikationstest aus Urin oder geeignetem Abstrichmaterial
- Behandlung
- Mit geeigneten Antibiotika heilbar
- Impfung
- Nicht verfügbar
- Mögliche Folgen
- Beckenentzündung, Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaft, Nebenhodenentzündung und Neugeboreneninfektionen
- Besonderheit
- Screeningzahlen sind international schwer vergleichbar, weil Testangebote und Zielgruppen stark variieren
- Quelle
- Weltgesundheitsorganisation: Chlamydien
Trichomoniasis: Die häufigste nichtvirale STI der Welt
Rang: 4 häufigster Parasit
Trichomoniasis erreicht Rang vier. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt für 2020 rund 156 Millionen Neuinfektionen mit Trichomonas vaginalis bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren. Davon entfielen etwa 73,7 Millionen auf Frauen und 82,6 Millionen auf Männer. Damit gilt Trichomoniasis als häufigste nichtvirale sexuell übertragbare Infektion weltweit. Etwa ein Drittel der Neuerwerbungen wurde für die WHO-Region Afrika angenommen, gefolgt von der Region Amerika.
Der Erreger ist weder Virus noch Bakterium, sondern ein beweglicher einzelliger Parasit. Er besiedelt vor allem den unteren weiblichen Genitaltrakt beziehungsweise die männliche Harnröhre und Prostata. Viele Infektionen bleiben unbemerkt; Beschwerden können zudem kommen und gehen. Bei Frauen treten häufiger Ausfluss, Reizung und Schmerzen auf, während infizierte Männer besonders oft symptomlos bleiben. Trichomoniasis steht vor Chlamydien, weil jährlich etwa 27,5 Millionen mehr Neuinfektionen geschätzt werden. Hinter Hepatitis B auf Rang drei bleibt sie, weil sie mit passenden Medikamenten heilbar ist und keine lebenslange Virusinfektion verursacht. Medizinisch relevant sind Zusammenhänge mit Schwangerschaftskomplikationen und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, HIV zu erwerben oder weiterzugeben.
- Für 2020 werden etwa 156 Millionen Neuinfektionen weltweit geschätzt.
- Trichomoniasis ist die häufigste nichtvirale STI.
- Der Erreger ist ein begeißelter einzelliger Parasit.
- Ein großer Teil der Infizierten entwickelt keine eindeutigen Beschwerden.
- Unbehandelte Infektionen können über Monate oder länger fortbestehen.
- Medizinische Bezeichnung
- Trichomoniasis beziehungsweise Trichomonose
- Erreger
- Trichomonas vaginalis
- Erregertyp
- Begeißelter einzelliger Parasit
- Globale Neuinfektionen
- Ungefähr 156 Millionen bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren
- Bezugsjahr
- 2020
- Verteilung nach Geschlecht
- Geschätzt 73,7 Millionen Neuinfektionen bei Frauen und 82,6 Millionen bei Männern
- Regionale Verteilung
- Etwa ein Drittel der Neuinfektionen entfiel auf die WHO-Region Afrika
- Inkubationszeit
- Ungefähr 5 bis 28 Tage; viele Infektionen bleiben ohne erkennbare Symptome
- Übertragung
- Vorwiegend durch genitalen Sexualkontakt
- Häufige Beschwerden
- Ausfluss, Juckreiz, Reizung, Brennen beim Wasserlassen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Diagnose
- Nukleinsäure-Amplifikationstest; je nach Versorgung auch Mikroskopie oder andere Labortests
- Behandlung
- Mit Nitroimidazol-Medikamenten heilbar; Sexualpartner müssen häufig mitbehandelt werden
- Impfung
- Nicht verfügbar
- Mögliche Folgen
- Erhöhte HIV-Anfälligkeit und ungünstige Schwangerschaftsausgänge
- Besonderheit
- Fehlende Routinetests und zahlreiche symptomlose Infektionen begünstigen Unterdiagnosen
- Quelle
- Weltgesundheitsorganisation: Trichomoniasis
Hepatitis B: Eine vermeidbare Virusinfektion mit schweren Spätfolgen
Rang: 3 durch Impfung vermeidbar
Hepatitis B steht auf Rang drei, weil weltweit weiterhin Hunderte Millionen Menschen mit einer chronischen Infektion leben. Die WHO bezifferte die Zahl für 2022 auf 254 Millionen; eine 2026 aktualisierte Schätzung nennt rund 240 Millionen Betroffene im Jahr 2024. Die Abweichung entsteht durch neue Modellierungen, verbesserte nationale Daten und einen späteren Bezugszeitraum. Pro Jahr kommen nach der neueren WHO-Schätzung etwa 900.000 Infektionen hinzu. Anders als Trichomoniasis auf Rang vier bleibt eine chronische Hepatitis-B-Infektion meist lebenslang bestehen. :contentReference[oaicite:0]{index=0}
Das Virus wird durch Blut und andere infektiöse Körperflüssigkeiten übertragen. Sexualkontakte spielen besonders bei Jugendlichen und Erwachsenen eine wichtige Rolle. Global entstehen viele chronische Infektionen jedoch während der Geburt oder in den ersten Lebensjahren. Das Alter bei der Ansteckung ist entscheidend: Während Erwachsene das Virus meistens ausheilen, entwickelt sich nach einer Infektion im Säuglingsalter sehr häufig ein chronischer Verlauf. Dieser kann über Jahrzehnte zu Leberzirrhose oder Leberzellkrebs führen. Hepatitis B liegt hinter Genitalherpes, weil deutlich weniger Menschen chronisch infiziert sind, verursacht aber erheblich mehr tödliche Organfolgen. Eine hochwirksame Impfung unterscheidet die Krankheit zugleich von fast allen anderen Infektionen dieser Rangliste.
- Die WHO schätzt für 2024 rund 240 Millionen chronisch infizierte Menschen.
- Etwa 900.000 Menschen erwerben die Infektion nach der aktuellen Schätzung jährlich neu.
- Chronische Hepatitis B verursachte 2024 ungefähr 1,1 Millionen Todesfälle.
- Das Risiko eines chronischen Verlaufs ist bei einer Infektion im Säuglingsalter besonders hoch.
- Eine vollständige Impfung schützt sehr zuverlässig vor Infektion und Folgeerkrankungen.
- Medizinische Bezeichnung
- Hepatitis B
- Erreger
- Hepatitis-B-Virus, kurz HBV
- Erregertyp
- Behülltes DNA-Virus aus der Familie der Hepadnaviridae
- Chronisch Infizierte
- Geschätzt 240 Millionen Menschen weltweit
- Bezugsjahr
- 2024; frühere WHO-Schätzung: 254 Millionen im Jahr 2022
- Jährliche Neuinfektionen
- Ungefähr 900.000
- Todesfälle
- Rund 1,1 Millionen im Jahr 2024 durch Zirrhose und Leberkrebs
- Inkubationszeit
- Ungefähr 30 bis 180 Tage, im Mittel etwa 75 Tage
- Übertragung
- Sexualkontakt, Blutkontakt, gemeinsam verwendete Injektionsutensilien sowie Übertragung bei der Geburt
- Häufige Beschwerden
- Oft keine; möglich sind Müdigkeit, Übelkeit, Oberbauchbeschwerden, dunkler Urin und Gelbsucht
- Diagnose
- Bluttests auf Virusantigene, Antikörper und gegebenenfalls HBV-DNA
- Behandlung
- Akute Infektionen meist unterstützend; chronische Verläufe gegebenenfalls langfristig mit antiviralen Medikamenten
- Heilbarkeit
- Akute Infektionen heilen bei Erwachsenen häufig aus; chronische Infektionen sind meist kontrollierbar, aber nur selten vollständig heilbar
- Impfung
- Ja; seit Jahrzehnten verfügbar und Bestandteil vieler nationaler Impfprogramme
- Schwere mögliche Folgen
- Leberzirrhose, Leberversagen und Leberzellkarzinom
- Quelle
- Weltgesundheitsorganisation: Hepatitis B
Genitalherpes: Mehr als jeder fünfte Erwachsene ist infiziert
Rang: 2 lebenslange Infektion
Genitalherpes erreicht Rang zwei, weil nach einer 2024 veröffentlichten WHO-Schätzung rund 846 Millionen Menschen zwischen 15 und 49 Jahren mit einer genitalen HSV-1- oder HSV-2-Infektion lebten. Das entspricht mehr als jedem fünften Menschen dieser Altersgruppe. Etwa 520 Millionen waren mit genitalem HSV-2 infiziert. Weitere 376 Millionen hatten eine genitale HSV-1-Infektion; rund 50 Millionen Menschen wurden beiden Gruppen zugerechnet, weil sie beide Virustypen tragen. Für 2020 wurden außerdem etwa 42 Millionen neue genitale Infektionen geschätzt. :contentReference[oaicite:1]{index=1}
Beide Virustypen verbleiben nach der Ansteckung lebenslang in Nervenzellen. HSV-2 verursacht überwiegend Genitalherpes und häufiger wiederkehrende Schübe. HSV-1 wird meist schon im Kindesalter als oraler Herpes erworben, kann aber bei Sexualkontakten ebenfalls den Genitalbereich infizieren. Die meisten Betroffenen bemerken keine oder nur geringe Symptome. Bei anderen entstehen wiederholt schmerzhafte Bläschen und Schleimhautverletzungen. Antivirale Medikamente verkürzen Schübe und senken bei regelmäßiger Einnahme das Übertragungsrisiko, entfernen das Virus jedoch nicht aus dem Körper. Gegenüber Hepatitis B betrifft Genitalherpes deutlich mehr Menschen, führt aber seltener zu tödlichen Organschäden. Hinter HPV bleibt die Infektion, weil humane Papillomviren noch breiter in der sexuell aktiven Bevölkerung verbreitet sind.
- Rund 846 Millionen Menschen zwischen 15 und 49 Jahren lebten 2020 mit genitalem HSV-1 oder HSV-2.
- Etwa 520 Millionen Menschen waren mit genitalem HSV-2 infiziert.
- Pro Jahr werden ungefähr 42 Millionen neue genitale Herpesinfektionen geschätzt.
- Mehr als 200 Millionen Betroffene erlebten 2020 mindestens eine symptomatische Episode.
- Das Virus kann auch ohne sichtbare Bläschen übertragen werden.
- Medizinische Bezeichnung
- Genitalherpes
- Erreger
- Herpes-simplex-Virus Typ 1 und Typ 2
- Erregertyp
- Behüllte DNA-Viren aus der Familie der Herpesviren
- Menschen mit genitaler Infektion
- Geschätzt 846 Millionen im Alter von 15 bis 49 Jahren
- Bezugsjahr
- 2020; WHO-Schätzung veröffentlicht 2024
- Genitales HSV-2
- Etwa 520 Millionen Menschen
- Genitales HSV-1
- Etwa 376 Millionen Menschen; Überschneidungen mit HSV-2 wurden berücksichtigt
- Jährliche Neuinfektionen
- Ungefähr 42 Millionen genitale HSV-1- oder HSV-2-Infektionen
- Inkubationszeit
- Bei einer ersten symptomatischen Episode meist ungefähr 2 bis 12 Tage
- Übertragung
- Direkter Haut- und Schleimhautkontakt, auch ohne sichtbare Symptome
- Häufige Beschwerden
- Schmerzhafte Bläschen oder Geschwüre, Brennen, Juckreiz und wiederkehrende Schübe; häufig symptomlos
- Diagnose
- Bei Läsionen bevorzugt direkter Virusnachweis mittels PCR; Antikörpertests nur für bestimmte Fragestellungen
- Behandlung
- Antivirale Medikamente wie Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir
- Heilbarkeit
- Nicht heilbar; Häufigkeit und Stärke der Schübe können deutlich reduziert werden
- Impfung
- Keine zugelassene Schutzimpfung verfügbar
- Mögliche Folgen
- Wiederkehrende Schmerzen, erhöhte HIV-Anfälligkeit und selten schwere neonatale Herpesinfektion
- Quelle
- Weltgesundheitsorganisation: Herpes-simplex-Virus
Humane Papillomviren: Die häufigste sexuell übertragene Virusgruppe
Rang: 1 häufigste STI
Humane Papillomviren stehen auf Rang eins, weil sich nahezu alle sexuell aktiven Menschen im Laufe ihres Lebens mit mindestens einem HPV-Typ infizieren. HPV bezeichnet keine einzelne Virusart, sondern eine Gruppe von rund 200 bekannten Virustypen. Etwa 30 bis 40 davon befallen bevorzugt Haut und Schleimhäute im Genital- und Analbereich. Eine einheitliche weltweite Gesamtzahl aller aktuellen Infektionen ist nicht seriös anzugeben, weil Menschen mehrere Typen gleichzeitig tragen können und die meisten Infektionen innerhalb relativ kurzer Zeit wieder verschwinden.
In ungefähr 90 Prozent der Fälle kontrolliert das Immunsystem die Infektion ohne Behandlung. Einige Niedrigrisikotypen verursachen Genitalwarzen. Bleibt dagegen eine Infektion mit einem Hochrisikotyp über Jahre bestehen, können Krebsvorstufen entstehen. Anhaltende HPV-Infektionen verursachen nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs und sind außerdem mit Krebs an Vulva, Vagina, Penis, After sowie Mund und Rachen verbunden. Diese Verbindung zwischen extremer Häufigkeit und vermeidbaren Krebserkrankungen entscheidet das Ranking. Genitalherpes auf Rang zwei bleibt ebenfalls lebenslang im Körper, betrifft aber einen kleineren Anteil der Bevölkerung. HPV besitzt zudem einen wesentlichen Präventionsvorteil: Impfstoffe schützen vor den wichtigsten krebserzeugenden Typen und mehreren Erregern von Genitalwarzen. :contentReference[oaicite:2]{index=2}
- Rund 200 HPV-Typen sind wissenschaftlich bekannt.
- Fast alle sexuell aktiven Menschen infizieren sich mindestens einmal im Leben.
- In ungefähr 90 Prozent der Fälle kontrolliert der Körper die Infektion selbst.
- Anhaltende Hochrisiko-HPV-Infektionen verursachen nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs.
- HPV-Impfstoffe verhindern einen großen Teil der durch wichtige Virustypen verursachten Krebsarten und Genitalwarzen.
- Medizinische Bezeichnung
- Infektion mit humanen Papillomviren, kurz HPV
- Erreger
- Humane Papillomviren
- Erregertyp
- Unbehüllte DNA-Viren
- Bekannte Virustypen
- Rund 200
- Sexuell übertragene Typen
- Ungefähr 30 bis 40 Typen befallen bevorzugt den anogenitalen Bereich
- Verbreitung
- Nahezu alle sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe des Lebens mindestens einmal
- Spontane Kontrolle
- Ungefähr 90 Prozent der Infektionen werden vom Immunsystem ohne Behandlung kontrolliert
- Inkubationszeit
- Genitalwarzen können nach Wochen bis Monaten auftreten; Krebsvorstufen entwickeln sich meist erst nach Jahren
- Übertragung
- Direkter Haut- und Schleimhautkontakt, besonders bei sexuellen Kontakten
- Häufige Beschwerden
- Meist keine; Niedrigrisikotypen können Genitalwarzen verursachen
- Diagnose
- HPV-Test und zytologische beziehungsweise histologische Untersuchung im Rahmen der Gebärmutterhalskrebsvorsorge
- Behandlung
- Keine Therapie zur direkten Beseitigung aller Viren; Warzen und Zellveränderungen können behandelt werden
- Heilbarkeit
- Die meisten Infektionen verschwinden beziehungsweise werden immunologisch kontrolliert; persistierende Infektionen können fortbestehen
- Impfung
- Ja, gegen wichtige Hochrisiko- und Genitalwarztypen
- Mögliche Folgen
- Genitalwarzen sowie Krebs an Gebärmutterhals, Vulva, Vagina, Penis, After und im Mund-Rachen-Raum
- Besonderheit
- Sehr häufige Infektion, deren gefährlichste Folgen durch Impfung und Früherkennung weitgehend vermeidbar sind
- Quelle
- Weltgesundheitsorganisation: Humane Papillomviren und Krebs
Warum nehmen sexuell übertragbare Infektionen weltweit wieder zu?
Obwohl Diagnostik, Medikamente und Präventionsprogramme heute besser verfügbar sind als noch vor wenigen Jahrzehnten, steigen die gemeldeten Fallzahlen mehrerer sexuell übertragbarer Infektionen in zahlreichen Regionen wieder an. Dafür gibt es nicht nur einen einzelnen Grund. Verbesserte Labortests und intensivere Screeningprogramme führen dazu, dass deutlich mehr Infektionen erkannt werden als früher. Gleichzeitig verlaufen viele STI weiterhin ohne Beschwerden, sodass Infizierte die Erreger unbemerkt weitergeben können.
Hinzu kommen Veränderungen des Sexualverhaltens, internationale Mobilität, ungleiche Gesundheitsversorgung sowie die zunehmende Antibiotikaresistenz einiger bakterieller Erreger. Besonders Gonorrhö bereitet weltweit Sorgen, weil resistente Bakterienstämme die Behandlung erschweren. Bei Virusinfektionen wie HIV, Herpes oder HPV führen moderne Medikamente zwar häufig zu einer besseren Lebensqualität, beseitigen den Erreger jedoch meist nicht vollständig. Prävention bleibt deshalb die wichtigste Maßnahme.
Die Unterschiede zwischen Viren, Bakterien und Parasiten
Die in dieser Rangliste aufgeführten Geschlechtskrankheiten werden von unterschiedlichen Erregertypen verursacht. Viren wie HPV, HIV, Herpes oder Hepatitis B benötigen menschliche Zellen zur Vermehrung. Einige verbleiben lebenslang im Körper und können derzeit nicht vollständig beseitigt werden. Medikamente unterdrücken häufig nur ihre Vermehrung.
Bakterielle Infektionen wie Chlamydien, Gonorrhö oder Syphilis lassen sich grundsätzlich mit Antibiotika behandeln. Allerdings entstehen weltweit zunehmend resistente Erreger, wodurch Therapien komplizierter werden. Trichomoniasis wird dagegen durch einen einzelligen Parasiten verursacht und benötigt andere Medikamente als bakterielle oder virale Erkrankungen.
Viele Infektionen verursachen zunächst keine Beschwerden
Ein gemeinsames Merkmal fast aller sexuell übertragbaren Infektionen besteht darin, dass sie über längere Zeit symptomlos verlaufen können. Besonders Chlamydien, Gonorrhö, HPV, HIV und Trichomoniasis werden deshalb häufig erst zufällig oder im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen entdeckt.
Das Fehlen von Beschwerden bedeutet jedoch nicht, dass keine gesundheitlichen Folgen drohen. Unbehandelte bakterielle Infektionen können zu chronischen Entzündungen und Unfruchtbarkeit führen. Virusinfektionen erhöhen teilweise das Krebsrisiko oder bleiben lebenslang im Körper bestehen. Aus diesem Grund empfehlen medizinische Fachgesellschaften bei erhöhtem Risiko regelmäßige Tests auch ohne Symptome.
Welche Geschlechtskrankheiten lassen sich heilen?
Die Heilbarkeit hängt vom jeweiligen Erreger ab. Bakterielle Erkrankungen wie Syphilis, Gonorrhö und Chlamydien können bei rechtzeitiger Diagnose meist vollständig behandelt werden. Gleiches gilt für Trichomoniasis, die durch einen Parasiten verursacht wird.
Virusinfektionen unterscheiden sich grundlegend. HIV, Herpes und chronische Hepatitis B lassen sich mit modernen Medikamenten meist sehr gut kontrollieren, gelten aber weiterhin nicht als sicher heilbar. HPV wird häufig vom Immunsystem selbst beseitigt, während bestehende Zellveränderungen oder Genitalwarzen gezielt behandelt werden können.
Wie lassen sich sexuell übertragbare Infektionen verhindern?
Kein einzelner Schutz verhindert sämtliche Geschlechtskrankheiten. Kondome und Femidome senken das Risiko vieler Infektionen deutlich, bieten jedoch keinen vollständigen Schutz gegen Erreger, die auch über Hautkontakt übertragen werden. Regelmäßige Tests, insbesondere bei wechselnden Sexualpartnern, helfen dabei, Infektionen frühzeitig zu erkennen und weitere Übertragungen zu vermeiden.
Zusätzlich stehen gegen einige wichtige Erreger wirksame Impfungen zur Verfügung. Die HPV-Impfung schützt vor den wichtigsten krebsauslösenden Papillomviren und mehreren Erregern von Genitalwarzen. Die Hepatitis-B-Impfung verhindert eine chronische Virusinfektion mit ihren schweren Lebererkrankungen. Für HIV existiert außerdem die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP), die bei korrekter Anwendung das sexuelle Übertragungsrisiko erheblich reduziert.
Häufige Fragen zu Geschlechtskrankheiten
Welche Geschlechtskrankheit kommt weltweit am häufigsten vor?
Humane Papillomviren (HPV) gelten als die weltweit häufigsten sexuell übertragenen Viren. Nahezu alle sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit einem HPV-Typ.
Welche Geschlechtskrankheiten sind heilbar?
Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis und Trichomoniasis können bei rechtzeitiger Diagnose meist vollständig behandelt werden. Virusinfektionen wie HIV, Herpes oder chronische Hepatitis B bleiben dagegen in der Regel lebenslang bestehen, lassen sich jedoch häufig gut kontrollieren.
Kann man eine Geschlechtskrankheit ohne Symptome haben?
Ja. Viele sexuell übertragbare Infektionen verursachen zunächst keine Beschwerden. Gerade deshalb sind regelmäßige Tests bei erhöhtem Risiko medizinisch sinnvoll.
Schützen Kondome vor allen Geschlechtskrankheiten?
Kondome senken das Risiko vieler sexuell übertragbarer Infektionen deutlich. Gegen Erreger, die zusätzlich über unbedeckte Hautbereiche übertragen werden können – beispielsweise HPV oder Herpes-simplex-Viren –, besteht jedoch kein vollständiger Schutz.
Gegen welche Geschlechtskrankheiten gibt es Impfungen?
Für HPV und Hepatitis B stehen seit Jahren wirksame Schutzimpfungen zur Verfügung. Gegen HIV, Herpes, Gonorrhö oder Chlamydien existieren derzeit keine allgemein zugelassenen Impfstoffe.







