Die 10 verbreitetsten Geschlechtskrankheiten

Die 10 verbreitetsten Geschlechtskrankheiten

Mehr als eine Million behandelbare sexuell übertragbare Infektionen werden nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation jeden Tag neu erworben. Viele bleiben unbemerkt, weil sie zunächst keine Beschwerden verursachen. Dieses Ranking vergleicht die weltweit verbreitetsten Geschlechtskrankheiten – medizinisch präziser: sexuell übertragbare Infektionen oder STI – anhand globaler Prävalenz, jährlicher Neuinfektionen, geografischer Verbreitung und Qualität der verfügbaren Daten.

Die Zahlen sind nicht vollständig direkt vergleichbar: Bei chronischen Virusinfektionen wird meist angegeben, wie viele Menschen mit der Infektion leben. Bei heilbaren bakteriellen oder parasitären STI stehen häufiger jährliche Neuinfektionen im Mittelpunkt. Hepatitis B wurde aufgenommen, obwohl ein erheblicher Teil der Übertragungen bei der Geburt oder in der Kindheit erfolgt; sexuelle Übertragung ist dennoch medizinisch bedeutsam. Vaginale Dysbiose, Pilzinfektionen und reine Hauterkrankungen wurden ausgeschlossen. Datenstand ist August 2026.

So wurde gewertet

Die geschätzte weltweite Zahl bestehender oder jährlich neu auftretender Infektionen zählt 45 Prozent. Geografische Verbreitung und Übertragungsdynamik fließen mit 20 Prozent ein, Krankheitsdauer und Anteil unerkannter Infektionen mit 15 Prozent, Qualität und Aktualität globaler Schätzungen mit 10 Prozent sowie gesundheitliche Folgewirkungen mit 10 Prozent. Weil Prävalenz und Inzidenz nicht gleichgesetzt werden dürfen, handelt es sich um eine redaktionelle Vergleichswertung und nicht um eine rein numerische Sortierung. „Heilbar“ bedeutet, dass der Erreger mit geeigneter Behandlung beseitigt werden kann; bereits entstandene Folgeschäden können trotzdem fortbestehen.

Übersicht

  1. Humane Papillomviren
  2. Genitalherpes
  3. Hepatitis B
  4. Trichomoniasis
  5. Chlamydieninfektion
  6. Gonorrhö
  7. HIV-Infektion
  8. Syphilis
  9. Mycoplasma genitalium
  10. HTLV-1-Infektion
Rang Infektion Erreger Erregertyp Globale Größenordnung Bezugsjahr / Altersgruppe Typische Inkubationszeit Häufige Beschwerden Heilbar? Impfung verfügbar? Wichtige mögliche Folgen Besonderheit der Datenlage
1 Humane Papillomviren Mehr als 200 HPV-Typen Virus 31 Prozent gepoolte Prävalenz beliebiger genitaler HPV-Typen bei Männern; ein Großteil der Bevölkerung infiziert sich mindestens einmal im Leben Männliche Prävalenz aus Studien 1995–2022; Lebenszeitrisiko altersübergreifend Wochen bis Monate; Zellveränderungen oft erst nach Jahren Meist keine Beschwerden; einige Typen verursachen Genitalwarzen Die Infektion selbst wird nicht medikamentös beseitigt; sie heilt häufig spontan aus Ja, gegen wichtige Hoch- und Niedrigrisikotypen Gebärmutterhalskrebs sowie weitere anogenitale und oropharyngeale Krebsarten Eine einheitliche weltweite Gesamtzahl ist wegen vieler Virustypen und häufig vorübergehender Infektionen nicht seriös bestimmbar
2 Genitalherpes Herpes-simplex-Virus Typ 1 und Typ 2 Virus Etwa 846 Millionen Menschen mit genitaler HSV-1- oder HSV-2-Infektion 2020; Menschen zwischen 15 und 49 Jahren Meist 2 bis 12 Tage bis zur ersten symptomatischen Episode Oft symptomlos; mögliche Bläschen, Schmerzen, Brennen und wiederkehrende Schübe Nein; antivirale Medikamente verkürzen oder unterdrücken Schübe Nein Wiederkehrende Beschwerden, erhöhte HIV-Anfälligkeit und selten schwere Neugeboreneninfektion HSV-1 kann oral oder genital auftreten; dadurch unterscheiden sich Schätzungen je nach Definition
3 Hepatitis B Hepatitis-B-Virus Virus Etwa 254 Millionen Menschen lebten weltweit mit chronischer Hepatitis B WHO-Schätzung für 2022; alle Altersgruppen Üblicherweise 30 bis 180 Tage Oft symptomlos; möglich sind Müdigkeit, Übelkeit, dunkler Urin und Gelbsucht Akute Infektionen heilen häufig aus; chronische Infektionen sind meist kontrollierbar, aber nicht sicher heilbar Ja Leberzirrhose, Leberversagen und Leberzellkrebs Nicht alle Infektionen werden sexuell erworben; perinatale und frühkindliche Übertragungen sind weltweit besonders wichtig
4 Trichomoniasis Trichomonas vaginalis Einzelliger Parasit Etwa 156 Millionen Neuinfektionen pro Jahr WHO-Schätzung für 2020; Menschen zwischen 15 und 49 Jahren Ungefähr 5 bis 28 Tage Häufig symptomlos; möglich sind Ausfluss, Reizung, Brennen und Beschwerden beim Wasserlassen Ja, mit geeigneten antimikrobiellen Medikamenten Nein Schwangerschaftskomplikationen und erhöhte Empfänglichkeit für HIV Fehlende Routinetests und viele symptomlose Fälle führen wahrscheinlich zu erheblicher Untererfassung
5 Chlamydieninfektion Chlamydia trachomatis Bakterium Etwa 129 Millionen Neuinfektionen pro Jahr WHO-Schätzung für 2020; Menschen zwischen 15 und 49 Jahren Meist 1 bis 3 Wochen Häufig symptomlos; möglich sind Ausfluss, Brennen und Unterbauchbeschwerden Ja, mit Antibiotika Nein Beckenentzündung, Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaft und Nebenhodenentzündung Screeningprogramme unterscheiden sich stark; mehr Tests können zu mehr gemeldeten Fällen führen
6 Gonorrhö Neisseria gonorrhoeae Bakterium Etwa 82 Millionen Neuinfektionen pro Jahr WHO-Schätzung für 2020; Menschen zwischen 15 und 49 Jahren Meist 1 bis 14 Tage Ausfluss und Brennen; Infektionen des Rachens oder Enddarms bleiben oft unbemerkt Grundsätzlich ja, doch Resistenzen erschweren die Behandlung Nein Unfruchtbarkeit, Beckenentzündung, disseminierte Infektion und Neugeborenenkomplikationen Antibiotikaresistenzen verändern regional die Behandelbarkeit und erschweren internationale Vergleiche
7 HIV-Infektion Humanes Immundefizienz-Virus Typ 1 und selten Typ 2 Retrovirus Etwa 41,0 Millionen Menschen lebten mit HIV; rund 1,2 Millionen Neuerwerbungen WHO- und UNAIDS-Schätzungen für 2025; alle Altersgruppen Akute Symptome gegebenenfalls nach 2 bis 4 Wochen; AIDS ohne Behandlung oft erst nach Jahren Akut oft grippeähnlich, danach häufig lange symptomarm Nein; antiretrovirale Therapie kann die Virusvermehrung dauerhaft unterdrücken Nein Schwere Immunschwäche, opportunistische Infektionen und bestimmte Krebsarten HIV wird auch über Blut und von der Mutter auf das Kind übertragen; die sexuelle Übertragung dominiert global bei Erwachsenen
8 Syphilis Treponema pallidum Bakterium Etwa 8 Millionen Neuinfektionen bei Erwachsenen pro Jahr WHO-Schätzung für 2022; Menschen zwischen 15 und 49 Jahren Etwa 10 bis 90 Tage, häufig ungefähr 3 Wochen Anfangs oft schmerzloses Geschwür; später Hautausschlag oder lange symptomlose Phase Ja, insbesondere mit Penicillin Nein Nerven- und Herz-Kreislauf-Schäden sowie schwere angeborene Syphilis Die WHO schätzte 2022 zusätzlich rund 700.000 Fälle angeborener Syphilis
9 Mycoplasma-genitalium-Infektion Mycoplasma genitalium Bakterium ohne Zellwand In bevölkerungsbezogenen Studien häufig ungefähr 1 bis 3 Prozent; keine belastbare globale Gesamtzahl Studien aus mehreren Ländern und unterschiedlichen Jahren Nicht abschließend bestimmt; vermutlich häufig 1 bis 3 Wochen oder länger Oft symptomlos; möglich sind Harnröhren-, Gebärmutterhals- und Unterbauchbeschwerden Grundsätzlich ja, aber Resistenzen machen die Therapie zunehmend schwierig Nein Urethritis, Zervizitis und möglicherweise Beckenentzündung Weltweite Routineüberwachung fehlt; viele Länder testen nur bei anhaltenden Beschwerden
10 HTLV-1-Infektion Humanes T-lymphotropes Virus Typ 1 Retrovirus Geschätzt 5 bis 10 Millionen Menschen weltweit Letzte breit verwendete globale Schätzung für 2012; alle Altersgruppen Keine klassische kurze Inkubationszeit; Folgekrankheiten können erst nach Jahrzehnten auftreten Die große Mehrheit bleibt lebenslang ohne erkennbare Beschwerden Nein Nein Adult-T-Zell-Leukämie beziehungsweise -Lymphom und HTLV-1-assoziierte Myelopathie Viele Länder erfassen HTLV-1 kaum; die tatsächliche Zahl dürfte deshalb höher liegen

Medizinischer Hinweis: Beschwerden allein erlauben keine sichere Diagnose, weil viele STI symptomlos verlaufen oder ähnliche Symptome verursachen. Nach einer möglichen Exposition, bei Beschwerden oder in der Schwangerschaft ist eine ärztliche Beratung beziehungsweise ein geeigneter Labortest entscheidend. Selbstmedikation mit Antibiotika kann Diagnosen verzögern und Resistenzen fördern.

HTLV-1: Millionen Infizierte, aber kaum öffentliche Aufmerksamkeit

Rang: 10 vernachlässigte STI

Das humane T-lymphotrope Virus Typ 1, kurz HTLV-1, erreicht Rang zehn. Nach der weiterhin verwendeten globalen Schätzung leben etwa fünf bis zehn Millionen Menschen mit dem Virus. Die tatsächliche Zahl könnte höher sein, weil in vielen Ländern weder bevölkerungsweite Studien noch eine systematische Meldepflicht existieren. Besonders hohe Prävalenzen finden sich in Teilen Japans, West- und Zentralafrikas, der Karibik, Südamerikas sowie Australiens.

HTLV-1 wird sexuell, über Blut und von der Mutter auf das Kind übertragen, vor allem durch längeres Stillen. Das Virus integriert sein Erbgut dauerhaft in bestimmte Immunzellen. Die meisten Infizierten entwickeln nie erkennbare Beschwerden. Bei einem kleinen Anteil entstehen jedoch nach Jahrzehnten schwere Erkrankungen, darunter die aggressive Adult-T-Zell-Leukämie beziehungsweise das entsprechende Lymphom sowie eine chronisch fortschreitende Rückenmarkserkrankung. Gegenüber Mycoplasma genitalium auf Rang neun ist die geschätzte absolute Verbreitung besser quantifiziert, die Überwachung aber wesentlich lückenhafter. Die Kombination aus lebenslanger Infektion, langer symptomfreier Phase und fehlender Heilung macht HTLV-1 medizinisch bedeutender, als seine geringe öffentliche Bekanntheit vermuten lässt.

  • HTLV-1 war das erste entdeckte menschliche Retrovirus.
  • Weltweit leben schätzungsweise fünf bis zehn Millionen Menschen mit der Infektion.
  • Die Mehrheit der Infizierten bleibt lebenslang ohne erkennbare Folgekrankheit.
  • Eine Übertragung ist sexuell, über Blut und durch längeres Stillen möglich.
  • Eine vorbeugende Impfung oder heilende antivirale Therapie existiert nicht.
Medizinische Bezeichnung
HTLV-1-Infektion
Erreger
Humanes T-lymphotropes Virus Typ 1
Erregertyp
Retrovirus
Geschätzte Verbreitung
Etwa 5 bis 10 Millionen Menschen weltweit
Datenbasis
Letzte breit verwendete globale Schätzung für 2012; erhebliche Untererfassung
Übertragung
Sexualkontakte, Blutkontakt, gemeinsam benutzte Injektionsutensilien und Stillen
Symptome
Meist keine; Folgekrankheiten können erst nach Jahrzehnten auftreten
Diagnose
Antikörpertest mit bestätigendem Folgetest; je nach Situation PCR
Behandlung
Keine Heilung der Infektion; Behandlung richtet sich gegen auftretende Folgekrankheiten
Impfung
Nicht verfügbar
Schwere mögliche Folgen
Adult-T-Zell-Leukämie beziehungsweise -Lymphom und HTLV-1-assoziierte Myelopathie
Quelle
Weltgesundheitsorganisation: Human T-lymphotropic virus type 1

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Mycoplasma genitalium: Häufig, schwer zu erfassen und zunehmend resistent

Rang: 9 Resistenzproblem

Mycoplasma genitalium steht auf Rang neun, obwohl keine verlässliche weltweite Fallzahl existiert. Bevölkerungsbezogene Studien aus mehreren Industrieländern fanden die Infektion häufig bei ungefähr einem bis drei Prozent der untersuchten Frauen und Männer. In spezialisierten STI-Ambulanzen und bei Menschen mit Harnröhrenentzündung liegen die Anteile deutlich höher. Die fehlende globale Überwachung verhindert eine präzisere Einordnung und ist selbst ein wesentlicher Teil des Problems.

Das 1981 erstmals isolierte Bakterium besitzt keine Zellwand. Dadurch wirken Antibiotika wie Penicillin grundsätzlich nicht. Bei Männern ist es eine wichtige Ursache nicht durch Gonokokken verursachter Harnröhrenentzündungen. Bei Frauen besteht ein Zusammenhang mit Gebärmutterhalsentzündung und wahrscheinlich auch mit Beckenentzündungen; bei vielen Infizierten treten jedoch keine Beschwerden auf. Besonders relevant ist die rasche Zunahme von Resistenzen gegen Makrolide und Fluorchinolone. Im Vergleich zu HTLV-1 auf Rang zehn ist M. genitalium wahrscheinlich in vielen Bevölkerungen häufiger, aber global wesentlich schlechter quantifiziert. Gegenüber Syphilis auf Rang acht fehlen belastbare weltweite Inzidenzschätzungen und standardisierte Screeningprogramme.

  • Das Bakterium wurde erstmals 1981 aus klinischen Proben isoliert.
  • Es besitzt keine Zellwand und gehört zu den kleinsten selbstständig vermehrungsfähigen Bakterien.
  • In ausgewählten Bevölkerungsstudien lag die Prävalenz häufig bei etwa ein bis drei Prozent.
  • Viele Infektionen bleiben symptomlos.
  • Makrolid- und Fluorchinolonresistenzen erschweren die Behandlung zunehmend.
Medizinische Bezeichnung
Mycoplasma-genitalium-Infektion
Erreger
Mycoplasma genitalium
Erregertyp
Sehr kleines Bakterium ohne Zellwand
Geschätzte Prävalenz
In mehreren bevölkerungsbezogenen Studien ungefähr 1 bis 3 Prozent
Globale Fallzahl
Nicht zuverlässig bestimmt
Übertragung
Vor allem durch ungeschützten genitalen Sexualkontakt
Typische Beschwerden
Brennen beim Wasserlassen, Ausfluss, Blutungen oder Unterbauchbeschwerden; häufig symptomlos
Diagnose
Nukleinsäure-Amplifikationstest aus Urin oder Abstrichmaterial
Behandlung
Antibiotika nach Leitlinie und möglichst unter Berücksichtigung von Resistenzen
Impfung
Nicht verfügbar
Besonderheit
Fehlende Zellwand und zunehmende Mehrfachresistenz begrenzen die Therapieoptionen
Quelle
CDC Emerging Infectious Diseases: Mycoplasma genitalium infection

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Syphilis: Die heilbare Infektion mit gefährlichen Spätfolgen

Rang: 8 weltweit zunehmend

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass sich 2022 rund acht Millionen Menschen zwischen 15 und 49 Jahren neu mit Syphilis infizierten. Damit liegt die Infektion auf Rang acht. Die Zahl stieg gegenüber der Schätzung für 2020 um ungefähr 900.000 Fälle. Besonders problematisch ist, dass der Erreger während symptomarmer oder falsch gedeuteter Krankheitsphasen weitergegeben werden kann.

Syphilis verläuft typischerweise in Stadien. Zunächst entsteht häufig ein schmerzloses Geschwür, das ohne Behandlung wieder verschwindet. Später können Hautausschlag, Lymphknotenschwellungen und allgemeine Beschwerden folgen. Danach kann die Infektion über Jahre verborgen bleiben. Unbehandelt sind Schäden an Nervensystem, Augen, Herz und Blutgefäßen möglich. Penicillin heilt die Infektion zuverlässig, kann bestehende Organschäden jedoch nicht rückgängig machen. Gegenüber Mycoplasma genitalium auf Rang neun ist die globale Datenlage wesentlich besser. HIV auf Rang sieben betrifft zwar weniger jährliche Neuerwerbungen, führt aber zu einer lebenslangen Infektion. In der Schwangerschaft ist Syphilis besonders gefährlich: Für 2022 schätzte die WHO etwa 700.000 Fälle angeborener Syphilis und rund 390.000 ungünstige Schwangerschaftsausgänge.

  • 2022 erwarben geschätzt acht Millionen Erwachsene zwischen 15 und 49 Jahren Syphilis.
  • Die Infektion wird durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht.
  • Das erste Geschwür ist häufig schmerzlos und wird deshalb leicht übersehen.
  • Penicillin ist weiterhin die wichtigste Behandlung.
  • Eine unbehandelte Infektion in der Schwangerschaft kann das ungeborene Kind schwer schädigen.
Medizinische Bezeichnung
Syphilis beziehungsweise Lues
Erreger
Treponema pallidum
Erregertyp
Schraubenförmiges Bakterium
Globale Neuerwerbungen
Geschätzt 8 Millionen bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren
Bezugsjahr
2022
Inkubationszeit
Etwa 10 bis 90 Tage, häufig ungefähr drei Wochen
Übertragung
Direkter Kontakt mit infektiösen Haut- oder Schleimhautveränderungen sowie Übertragung in der Schwangerschaft
Diagnose
Bluttests; bei frühen Läsionen zusätzlich direkter Erregernachweis möglich
Behandlung
Heilbar, in der Regel mit Benzathin-Benzylpenicillin
Impfung
Nicht verfügbar
Angeborene Syphilis
Geschätzt 700.000 Fälle im Jahr 2022
Quelle
Weltgesundheitsorganisation: Syphilis

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HIV: Lebenslange Infektion mit stark verbesserter Behandelbarkeit

Rang: 7 globale Pandemie

Ende 2025 lebten weltweit schätzungsweise 41 Millionen Menschen mit HIV. Im selben Jahr erwarben etwa 1,2 Millionen Menschen das Virus neu. HIV steht damit auf Rang sieben: Die Zahl der jährlichen Neuerwerbungen ist niedriger als bei Syphilis, doch jede Infektion bleibt nach heutigem Stand lebenslang bestehen. Rund 64 Prozent der Menschen mit HIV lebten 2025 in der WHO-Region Afrika.

Das Virus befällt zentrale Zellen des Immunsystems. Ohne Behandlung kann die Zahl dieser CD4-Zellen über Jahre so weit sinken, dass schwere opportunistische Infektionen und bestimmte Krebsarten auftreten; dieses fortgeschrittene Stadium wird als AIDS bezeichnet. Moderne antiretrovirale Kombinationstherapien verhindern die Virusvermehrung sehr wirksam. Menschen mit dauerhaft nicht nachweisbarer Viruslast übertragen HIV beim Sex nicht – zusammengefasst als „nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar“. Gegenüber Syphilis ist HIV nicht heilbar, medizinisch aber heute wesentlich besser kontrollierbar als zu Beginn der Epidemie. Die Zahl der Neuerwerbungen sank gegenüber dem Höhepunkt der 1990er-Jahre deutlich, dennoch starben 2025 noch etwa 570.000 Menschen an HIV-bedingten Ursachen.

  • 2025 lebten weltweit ungefähr 41 Millionen Menschen mit HIV.
  • Im selben Jahr wurden etwa 1,2 Millionen Neuerwerbungen geschätzt.
  • Rund 570.000 Menschen starben 2025 an HIV-bedingten Ursachen.
  • Antiretrovirale Therapie kann die Viruslast dauerhaft unter die Nachweisgrenze senken.
  • Bei stabil nicht nachweisbarer Viruslast findet keine sexuelle Übertragung statt.
Medizinische Bezeichnung
HIV-Infektion; AIDS bezeichnet das fortgeschrittene Krankheitsstadium
Erreger
Humanes Immundefizienz-Virus Typ 1, regional seltener Typ 2
Erregertyp
Retrovirus
Menschen mit HIV
Geschätzt 41,0 Millionen weltweit
Neuerwerbungen
Geschätzt 1,2 Millionen im Jahr 2025
HIV-bedingte Todesfälle
Geschätzt 570.000 im Jahr 2025
Übertragung
Sexualkontakt, Blutkontakt sowie während Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit
Diagnose
Antigen-Antikörper-Test mit Bestätigung; frühe Infektionen gegebenenfalls durch Nukleinsäuretest
Behandlung
Lebenslange antiretrovirale Kombinationstherapie
Heilbarkeit
Im Regelfall nicht heilbar, aber langfristig sehr gut behandelbar
Vorbeugung
Kondome, PrEP, sterile Injektionsmaterialien, Tests und wirksame Therapie
Quelle
Weltgesundheitsorganisation: HIV and AIDS

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Gonorrhö: Eine häufige Infektion mit wachsendem Resistenzproblem

Rang: 6 antibiotikaresistent

Gonorrhö, umgangssprachlich auch Tripper genannt, erreicht Rang sechs. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt für 2020 etwa 82,4 Millionen Neuinfektionen bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren. Das entspricht einer globalen Inzidenz von ungefähr 19 Neuerkrankungen je 1.000 Frauen und 23 je 1.000 Männer. Besonders viele Infektionen entfallen auf die WHO-Regionen Afrika und Westpazifik. Die Zahlen bilden das tatsächliche Geschehen wahrscheinlich nur unvollständig ab, weil Infektionen des Gebärmutterhalses, Rachens und Enddarms häufig symptomlos bleiben.

Verursacht wird Gonorrhö durch Neisseria gonorrhoeae. Das Bakterium kann Schleimhäute der Genitalien, des Enddarms, des Rachens und der Augen befallen. Unbehandelte Infektionen können Beckenentzündungen, Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaften und selten eine Ausbreitung über das Blut verursachen. Entscheidend für Rang sechs ist neben der großen Fallzahl die zunehmende Antibiotikaresistenz. Gonokokken haben im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte Resistenzen gegen mehrere Wirkstoffgruppen entwickelt. Chlamydien auf Rang fünf verursachen mehr geschätzte Neuinfektionen, sind aber derzeit in der Regel verlässlicher behandelbar. Gegenüber HIV auf Rang sieben ist Gonorrhö heilbar, kann jedoch mehrfach erworben und weitergegeben werden.

  • Für 2020 werden weltweit etwa 82,4 Millionen Neuinfektionen geschätzt.
  • Infektionen können Genitalien, Rachen, Enddarm und Augen betreffen.
  • Viele Infektionen bei Frauen sowie im Rachen oder Enddarm verlaufen symptomlos.
  • Das Bakterium hat Resistenzen gegen zahlreiche frühere Standardantibiotika entwickelt.
  • Eine durchgemachte Gonorrhö erzeugt keinen zuverlässigen Schutz vor erneuter Ansteckung.
Medizinische Bezeichnung
Gonorrhö beziehungsweise Gonorrhoe
Erreger
Neisseria gonorrhoeae
Erregertyp
Gramnegatives Bakterium
Globale Neuinfektionen
Geschätzt 82,4 Millionen bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren
Bezugsjahr
2020
Globale Inzidenz
Etwa 19 je 1.000 Frauen und 23 je 1.000 Männer im Alter von 15 bis 49 Jahren
Inkubationszeit
Meist 1 bis 14 Tage; Beschwerden können später auftreten oder vollständig fehlen
Übertragung
Ungeschützter vaginaler, analer oder oraler Sexualkontakt sowie Übertragung bei der Geburt
Häufige Beschwerden
Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Zwischenblutungen oder Schmerzen; häufig symptomlos
Diagnose
Nukleinsäure-Amplifikationstest; Kultur besonders für die Resistenzbestimmung wichtig
Behandlung
Mit geeigneten Antibiotika grundsätzlich heilbar; regionale Leitlinien und Resistenzlage sind zu beachten
Impfung
Keine spezifisch zugelassene Gonorrhö-Impfung verfügbar
Mögliche Folgen
Beckenentzündung, Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaft, Nebenhodenentzündung und disseminierte Infektion
Besonderheit
Die WHO überwacht resistente Gonokokken international über spezialisierte Surveillance-Programme
Quelle
Weltgesundheitsorganisation: Multiresistente Gonorrhö

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Chlamydieninfektion: Besonders häufig und oft unbemerkt

Rang: 5 häufig symptomlos

Chlamydien erreichen Rang fünf, weil sie weltweit die häufigste bakterielle sexuell übertragbare Infektion darstellen. Nach der 2025 aktualisierten WHO-Darstellung ereigneten sich 2020 schätzungsweise 128,5 Millionen Neuinfektionen mit Chlamydia trachomatis bei Erwachsenen zwischen 15 und 49 Jahren. Die geschätzte Prävalenz lag in dieser Altersgruppe bei vier Prozent der Frauen und 2,5 Prozent der Männer. Junge sexuell aktive Menschen sind überdurchschnittlich häufig betroffen.

Ein großer Teil der Infektionen verursacht zunächst keine erkennbaren Beschwerden. Dadurch kann der Erreger über Monate unentdeckt bleiben und weitergegeben werden. Bei Frauen kann eine aufsteigende Infektion eine Beckenentzündung auslösen und Eileiter schädigen; mögliche Folgen sind Unfruchtbarkeit, chronische Schmerzen und Eileiterschwangerschaften. Bei Männern können unter anderem Harnröhre und Nebenhoden betroffen sein. Chlamydien stehen vor Gonorrhö, weil die geschätzte Zahl jährlicher Neuinfektionen um rund 46 Millionen höher liegt. Hinter Trichomoniasis auf Rang vier bleiben sie aufgrund der niedrigeren globalen Inzidenz. Antibiotika können die Infektion heilen, bereits entstandene Gewebeschäden jedoch nicht rückgängig machen. Deshalb haben gezielte Tests bei Risikogruppen und die Mitbehandlung betroffener Sexualpartner eine besondere Bedeutung.

  • 2020 traten weltweit schätzungsweise 128,5 Millionen Neuinfektionen auf.
  • Die globale Prävalenz wurde auf vier Prozent bei Frauen und 2,5 Prozent bei Männern geschätzt.
  • Viele Betroffene bemerken keine Symptome.
  • Der Erreger vermehrt sich innerhalb menschlicher Zellen.
  • Nach erfolgreicher Behandlung ist eine erneute Infektion jederzeit möglich.
Medizinische Bezeichnung
Urogenitale Chlamydieninfektion
Erreger
Chlamydia trachomatis, vor allem die Serovare D bis K
Erregertyp
Obligat intrazelluläres Bakterium
Globale Neuinfektionen
Geschätzt 128,5 Millionen bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren
Bezugsjahr
2020
Geschätzte Prävalenz
4,0 Prozent bei Frauen und 2,5 Prozent bei Männern zwischen 15 und 49 Jahren
Inkubationszeit
Häufig etwa 1 bis 3 Wochen; genaue Zeitspanne ist nicht in jedem Fall bestimmbar
Übertragung
Vaginaler, analer oder oraler Sexualkontakt sowie Übertragung während der Geburt
Häufige Beschwerden
Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Unterbauchschmerzen oder Zwischenblutungen; oft symptomlos
Diagnose
Nukleinsäure-Amplifikationstest aus Urin oder geeignetem Abstrichmaterial
Behandlung
Mit geeigneten Antibiotika heilbar
Impfung
Nicht verfügbar
Mögliche Folgen
Beckenentzündung, Unfruchtbarkeit, Eileiterschwangerschaft, Nebenhodenentzündung und Neugeboreneninfektionen
Besonderheit
Screeningzahlen sind international schwer vergleichbar, weil Testangebote und Zielgruppen stark variieren
Quelle
Weltgesundheitsorganisation: Chlamydien

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Trichomoniasis: Die häufigste nichtvirale STI der Welt

Rang: 4 häufigster Parasit

Trichomoniasis erreicht Rang vier. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt für 2020 rund 156 Millionen Neuinfektionen mit Trichomonas vaginalis bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren. Davon entfielen etwa 73,7 Millionen auf Frauen und 82,6 Millionen auf Männer. Damit gilt Trichomoniasis als häufigste nichtvirale sexuell übertragbare Infektion weltweit. Etwa ein Drittel der Neuerwerbungen wurde für die WHO-Region Afrika angenommen, gefolgt von der Region Amerika.

Der Erreger ist weder Virus noch Bakterium, sondern ein beweglicher einzelliger Parasit. Er besiedelt vor allem den unteren weiblichen Genitaltrakt beziehungsweise die männliche Harnröhre und Prostata. Viele Infektionen bleiben unbemerkt; Beschwerden können zudem kommen und gehen. Bei Frauen treten häufiger Ausfluss, Reizung und Schmerzen auf, während infizierte Männer besonders oft symptomlos bleiben. Trichomoniasis steht vor Chlamydien, weil jährlich etwa 27,5 Millionen mehr Neuinfektionen geschätzt werden. Hinter Hepatitis B auf Rang drei bleibt sie, weil sie mit passenden Medikamenten heilbar ist und keine lebenslange Virusinfektion verursacht. Medizinisch relevant sind Zusammenhänge mit Schwangerschaftskomplikationen und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, HIV zu erwerben oder weiterzugeben.

  • Für 2020 werden etwa 156 Millionen Neuinfektionen weltweit geschätzt.
  • Trichomoniasis ist die häufigste nichtvirale STI.
  • Der Erreger ist ein begeißelter einzelliger Parasit.
  • Ein großer Teil der Infizierten entwickelt keine eindeutigen Beschwerden.
  • Unbehandelte Infektionen können über Monate oder länger fortbestehen.
Medizinische Bezeichnung
Trichomoniasis beziehungsweise Trichomonose
Erreger
Trichomonas vaginalis
Erregertyp
Begeißelter einzelliger Parasit
Globale Neuinfektionen
Ungefähr 156 Millionen bei Menschen zwischen 15 und 49 Jahren
Bezugsjahr
2020
Verteilung nach Geschlecht
Geschätzt 73,7 Millionen Neuinfektionen bei Frauen und 82,6 Millionen bei Männern
Regionale Verteilung
Etwa ein Drittel der Neuinfektionen entfiel auf die WHO-Region Afrika
Inkubationszeit
Ungefähr 5 bis 28 Tage; viele Infektionen bleiben ohne erkennbare Symptome
Übertragung
Vorwiegend durch genitalen Sexualkontakt
Häufige Beschwerden
Ausfluss, Juckreiz, Reizung, Brennen beim Wasserlassen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Diagnose
Nukleinsäure-Amplifikationstest; je nach Versorgung auch Mikroskopie oder andere Labortests
Behandlung
Mit Nitroimidazol-Medikamenten heilbar; Sexualpartner müssen häufig mitbehandelt werden
Impfung
Nicht verfügbar
Mögliche Folgen
Erhöhte HIV-Anfälligkeit und ungünstige Schwangerschaftsausgänge
Besonderheit
Fehlende Routinetests und zahlreiche symptomlose Infektionen begünstigen Unterdiagnosen
Quelle
Weltgesundheitsorganisation: Trichomoniasis

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Hepatitis B: Eine vermeidbare Virusinfektion mit schweren Spätfolgen

Rang: 3 durch Impfung vermeidbar

Hepatitis B steht auf Rang drei, weil weltweit weiterhin Hunderte Millionen Menschen mit einer chronischen Infektion leben. Die WHO bezifferte die Zahl für 2022 auf 254 Millionen; eine 2026 aktualisierte Schätzung nennt rund 240 Millionen Betroffene im Jahr 2024. Die Abweichung entsteht durch neue Modellierungen, verbesserte nationale Daten und einen späteren Bezugszeitraum. Pro Jahr kommen nach der neueren WHO-Schätzung etwa 900.000 Infektionen hinzu. Anders als Trichomoniasis auf Rang vier bleibt eine chronische Hepatitis-B-Infektion meist lebenslang bestehen. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

Das Virus wird durch Blut und andere infektiöse Körperflüssigkeiten übertragen. Sexualkontakte spielen besonders bei Jugendlichen und Erwachsenen eine wichtige Rolle. Global entstehen viele chronische Infektionen jedoch während der Geburt oder in den ersten Lebensjahren. Das Alter bei der Ansteckung ist entscheidend: Während Erwachsene das Virus meistens ausheilen, entwickelt sich nach einer Infektion im Säuglingsalter sehr häufig ein chronischer Verlauf. Dieser kann über Jahrzehnte zu Leberzirrhose oder Leberzellkrebs führen. Hepatitis B liegt hinter Genitalherpes, weil deutlich weniger Menschen chronisch infiziert sind, verursacht aber erheblich mehr tödliche Organfolgen. Eine hochwirksame Impfung unterscheidet die Krankheit zugleich von fast allen anderen Infektionen dieser Rangliste.

  • Die WHO schätzt für 2024 rund 240 Millionen chronisch infizierte Menschen.
  • Etwa 900.000 Menschen erwerben die Infektion nach der aktuellen Schätzung jährlich neu.
  • Chronische Hepatitis B verursachte 2024 ungefähr 1,1 Millionen Todesfälle.
  • Das Risiko eines chronischen Verlaufs ist bei einer Infektion im Säuglingsalter besonders hoch.
  • Eine vollständige Impfung schützt sehr zuverlässig vor Infektion und Folgeerkrankungen.
Medizinische Bezeichnung
Hepatitis B
Erreger
Hepatitis-B-Virus, kurz HBV
Erregertyp
Behülltes DNA-Virus aus der Familie der Hepadnaviridae
Chronisch Infizierte
Geschätzt 240 Millionen Menschen weltweit
Bezugsjahr
2024; frühere WHO-Schätzung: 254 Millionen im Jahr 2022
Jährliche Neuinfektionen
Ungefähr 900.000
Todesfälle
Rund 1,1 Millionen im Jahr 2024 durch Zirrhose und Leberkrebs
Inkubationszeit
Ungefähr 30 bis 180 Tage, im Mittel etwa 75 Tage
Übertragung
Sexualkontakt, Blutkontakt, gemeinsam verwendete Injektionsutensilien sowie Übertragung bei der Geburt
Häufige Beschwerden
Oft keine; möglich sind Müdigkeit, Übelkeit, Oberbauchbeschwerden, dunkler Urin und Gelbsucht
Diagnose
Bluttests auf Virusantigene, Antikörper und gegebenenfalls HBV-DNA
Behandlung
Akute Infektionen meist unterstützend; chronische Verläufe gegebenenfalls langfristig mit antiviralen Medikamenten
Heilbarkeit
Akute Infektionen heilen bei Erwachsenen häufig aus; chronische Infektionen sind meist kontrollierbar, aber nur selten vollständig heilbar
Impfung
Ja; seit Jahrzehnten verfügbar und Bestandteil vieler nationaler Impfprogramme
Schwere mögliche Folgen
Leberzirrhose, Leberversagen und Leberzellkarzinom
Quelle
Weltgesundheitsorganisation: Hepatitis B

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Genitalherpes: Mehr als jeder fünfte Erwachsene ist infiziert

Rang: 2 lebenslange Infektion

Genitalherpes erreicht Rang zwei, weil nach einer 2024 veröffentlichten WHO-Schätzung rund 846 Millionen Menschen zwischen 15 und 49 Jahren mit einer genitalen HSV-1- oder HSV-2-Infektion lebten. Das entspricht mehr als jedem fünften Menschen dieser Altersgruppe. Etwa 520 Millionen waren mit genitalem HSV-2 infiziert. Weitere 376 Millionen hatten eine genitale HSV-1-Infektion; rund 50 Millionen Menschen wurden beiden Gruppen zugerechnet, weil sie beide Virustypen tragen. Für 2020 wurden außerdem etwa 42 Millionen neue genitale Infektionen geschätzt. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Beide Virustypen verbleiben nach der Ansteckung lebenslang in Nervenzellen. HSV-2 verursacht überwiegend Genitalherpes und häufiger wiederkehrende Schübe. HSV-1 wird meist schon im Kindesalter als oraler Herpes erworben, kann aber bei Sexualkontakten ebenfalls den Genitalbereich infizieren. Die meisten Betroffenen bemerken keine oder nur geringe Symptome. Bei anderen entstehen wiederholt schmerzhafte Bläschen und Schleimhautverletzungen. Antivirale Medikamente verkürzen Schübe und senken bei regelmäßiger Einnahme das Übertragungsrisiko, entfernen das Virus jedoch nicht aus dem Körper. Gegenüber Hepatitis B betrifft Genitalherpes deutlich mehr Menschen, führt aber seltener zu tödlichen Organschäden. Hinter HPV bleibt die Infektion, weil humane Papillomviren noch breiter in der sexuell aktiven Bevölkerung verbreitet sind.

  • Rund 846 Millionen Menschen zwischen 15 und 49 Jahren lebten 2020 mit genitalem HSV-1 oder HSV-2.
  • Etwa 520 Millionen Menschen waren mit genitalem HSV-2 infiziert.
  • Pro Jahr werden ungefähr 42 Millionen neue genitale Herpesinfektionen geschätzt.
  • Mehr als 200 Millionen Betroffene erlebten 2020 mindestens eine symptomatische Episode.
  • Das Virus kann auch ohne sichtbare Bläschen übertragen werden.
Medizinische Bezeichnung
Genitalherpes
Erreger
Herpes-simplex-Virus Typ 1 und Typ 2
Erregertyp
Behüllte DNA-Viren aus der Familie der Herpesviren
Menschen mit genitaler Infektion
Geschätzt 846 Millionen im Alter von 15 bis 49 Jahren
Bezugsjahr
2020; WHO-Schätzung veröffentlicht 2024
Genitales HSV-2
Etwa 520 Millionen Menschen
Genitales HSV-1
Etwa 376 Millionen Menschen; Überschneidungen mit HSV-2 wurden berücksichtigt
Jährliche Neuinfektionen
Ungefähr 42 Millionen genitale HSV-1- oder HSV-2-Infektionen
Inkubationszeit
Bei einer ersten symptomatischen Episode meist ungefähr 2 bis 12 Tage
Übertragung
Direkter Haut- und Schleimhautkontakt, auch ohne sichtbare Symptome
Häufige Beschwerden
Schmerzhafte Bläschen oder Geschwüre, Brennen, Juckreiz und wiederkehrende Schübe; häufig symptomlos
Diagnose
Bei Läsionen bevorzugt direkter Virusnachweis mittels PCR; Antikörpertests nur für bestimmte Fragestellungen
Behandlung
Antivirale Medikamente wie Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir
Heilbarkeit
Nicht heilbar; Häufigkeit und Stärke der Schübe können deutlich reduziert werden
Impfung
Keine zugelassene Schutzimpfung verfügbar
Mögliche Folgen
Wiederkehrende Schmerzen, erhöhte HIV-Anfälligkeit und selten schwere neonatale Herpesinfektion
Quelle
Weltgesundheitsorganisation: Herpes-simplex-Virus

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Humane Papillomviren: Die häufigste sexuell übertragene Virusgruppe

Rang: 1 häufigste STI

Humane Papillomviren stehen auf Rang eins, weil sich nahezu alle sexuell aktiven Menschen im Laufe ihres Lebens mit mindestens einem HPV-Typ infizieren. HPV bezeichnet keine einzelne Virusart, sondern eine Gruppe von rund 200 bekannten Virustypen. Etwa 30 bis 40 davon befallen bevorzugt Haut und Schleimhäute im Genital- und Analbereich. Eine einheitliche weltweite Gesamtzahl aller aktuellen Infektionen ist nicht seriös anzugeben, weil Menschen mehrere Typen gleichzeitig tragen können und die meisten Infektionen innerhalb relativ kurzer Zeit wieder verschwinden.

In ungefähr 90 Prozent der Fälle kontrolliert das Immunsystem die Infektion ohne Behandlung. Einige Niedrigrisikotypen verursachen Genitalwarzen. Bleibt dagegen eine Infektion mit einem Hochrisikotyp über Jahre bestehen, können Krebsvorstufen entstehen. Anhaltende HPV-Infektionen verursachen nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs und sind außerdem mit Krebs an Vulva, Vagina, Penis, After sowie Mund und Rachen verbunden. Diese Verbindung zwischen extremer Häufigkeit und vermeidbaren Krebserkrankungen entscheidet das Ranking. Genitalherpes auf Rang zwei bleibt ebenfalls lebenslang im Körper, betrifft aber einen kleineren Anteil der Bevölkerung. HPV besitzt zudem einen wesentlichen Präventionsvorteil: Impfstoffe schützen vor den wichtigsten krebserzeugenden Typen und mehreren Erregern von Genitalwarzen. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

  • Rund 200 HPV-Typen sind wissenschaftlich bekannt.
  • Fast alle sexuell aktiven Menschen infizieren sich mindestens einmal im Leben.
  • In ungefähr 90 Prozent der Fälle kontrolliert der Körper die Infektion selbst.
  • Anhaltende Hochrisiko-HPV-Infektionen verursachen nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs.
  • HPV-Impfstoffe verhindern einen großen Teil der durch wichtige Virustypen verursachten Krebsarten und Genitalwarzen.
Medizinische Bezeichnung
Infektion mit humanen Papillomviren, kurz HPV
Erreger
Humane Papillomviren
Erregertyp
Unbehüllte DNA-Viren
Bekannte Virustypen
Rund 200
Sexuell übertragene Typen
Ungefähr 30 bis 40 Typen befallen bevorzugt den anogenitalen Bereich
Verbreitung
Nahezu alle sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe des Lebens mindestens einmal
Spontane Kontrolle
Ungefähr 90 Prozent der Infektionen werden vom Immunsystem ohne Behandlung kontrolliert
Inkubationszeit
Genitalwarzen können nach Wochen bis Monaten auftreten; Krebsvorstufen entwickeln sich meist erst nach Jahren
Übertragung
Direkter Haut- und Schleimhautkontakt, besonders bei sexuellen Kontakten
Häufige Beschwerden
Meist keine; Niedrigrisikotypen können Genitalwarzen verursachen
Diagnose
HPV-Test und zytologische beziehungsweise histologische Untersuchung im Rahmen der Gebärmutterhalskrebsvorsorge
Behandlung
Keine Therapie zur direkten Beseitigung aller Viren; Warzen und Zellveränderungen können behandelt werden
Heilbarkeit
Die meisten Infektionen verschwinden beziehungsweise werden immunologisch kontrolliert; persistierende Infektionen können fortbestehen
Impfung
Ja, gegen wichtige Hochrisiko- und Genitalwarztypen
Mögliche Folgen
Genitalwarzen sowie Krebs an Gebärmutterhals, Vulva, Vagina, Penis, After und im Mund-Rachen-Raum
Besonderheit
Sehr häufige Infektion, deren gefährlichste Folgen durch Impfung und Früherkennung weitgehend vermeidbar sind
Quelle
Weltgesundheitsorganisation: Humane Papillomviren und Krebs

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Warum nehmen sexuell übertragbare Infektionen weltweit wieder zu?

Obwohl Diagnostik, Medikamente und Präventionsprogramme heute besser verfügbar sind als noch vor wenigen Jahrzehnten, steigen die gemeldeten Fallzahlen mehrerer sexuell übertragbarer Infektionen in zahlreichen Regionen wieder an. Dafür gibt es nicht nur einen einzelnen Grund. Verbesserte Labortests und intensivere Screeningprogramme führen dazu, dass deutlich mehr Infektionen erkannt werden als früher. Gleichzeitig verlaufen viele STI weiterhin ohne Beschwerden, sodass Infizierte die Erreger unbemerkt weitergeben können.

Hinzu kommen Veränderungen des Sexualverhaltens, internationale Mobilität, ungleiche Gesundheitsversorgung sowie die zunehmende Antibiotikaresistenz einiger bakterieller Erreger. Besonders Gonorrhö bereitet weltweit Sorgen, weil resistente Bakterienstämme die Behandlung erschweren. Bei Virusinfektionen wie HIV, Herpes oder HPV führen moderne Medikamente zwar häufig zu einer besseren Lebensqualität, beseitigen den Erreger jedoch meist nicht vollständig. Prävention bleibt deshalb die wichtigste Maßnahme.

Die Unterschiede zwischen Viren, Bakterien und Parasiten

Die in dieser Rangliste aufgeführten Geschlechtskrankheiten werden von unterschiedlichen Erregertypen verursacht. Viren wie HPV, HIV, Herpes oder Hepatitis B benötigen menschliche Zellen zur Vermehrung. Einige verbleiben lebenslang im Körper und können derzeit nicht vollständig beseitigt werden. Medikamente unterdrücken häufig nur ihre Vermehrung.

Bakterielle Infektionen wie Chlamydien, Gonorrhö oder Syphilis lassen sich grundsätzlich mit Antibiotika behandeln. Allerdings entstehen weltweit zunehmend resistente Erreger, wodurch Therapien komplizierter werden. Trichomoniasis wird dagegen durch einen einzelligen Parasiten verursacht und benötigt andere Medikamente als bakterielle oder virale Erkrankungen.

Viele Infektionen verursachen zunächst keine Beschwerden

Ein gemeinsames Merkmal fast aller sexuell übertragbaren Infektionen besteht darin, dass sie über längere Zeit symptomlos verlaufen können. Besonders Chlamydien, Gonorrhö, HPV, HIV und Trichomoniasis werden deshalb häufig erst zufällig oder im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen entdeckt.

Das Fehlen von Beschwerden bedeutet jedoch nicht, dass keine gesundheitlichen Folgen drohen. Unbehandelte bakterielle Infektionen können zu chronischen Entzündungen und Unfruchtbarkeit führen. Virusinfektionen erhöhen teilweise das Krebsrisiko oder bleiben lebenslang im Körper bestehen. Aus diesem Grund empfehlen medizinische Fachgesellschaften bei erhöhtem Risiko regelmäßige Tests auch ohne Symptome.

Welche Geschlechtskrankheiten lassen sich heilen?

Die Heilbarkeit hängt vom jeweiligen Erreger ab. Bakterielle Erkrankungen wie Syphilis, Gonorrhö und Chlamydien können bei rechtzeitiger Diagnose meist vollständig behandelt werden. Gleiches gilt für Trichomoniasis, die durch einen Parasiten verursacht wird.

Virusinfektionen unterscheiden sich grundlegend. HIV, Herpes und chronische Hepatitis B lassen sich mit modernen Medikamenten meist sehr gut kontrollieren, gelten aber weiterhin nicht als sicher heilbar. HPV wird häufig vom Immunsystem selbst beseitigt, während bestehende Zellveränderungen oder Genitalwarzen gezielt behandelt werden können.

Wie lassen sich sexuell übertragbare Infektionen verhindern?

Kein einzelner Schutz verhindert sämtliche Geschlechtskrankheiten. Kondome und Femidome senken das Risiko vieler Infektionen deutlich, bieten jedoch keinen vollständigen Schutz gegen Erreger, die auch über Hautkontakt übertragen werden. Regelmäßige Tests, insbesondere bei wechselnden Sexualpartnern, helfen dabei, Infektionen frühzeitig zu erkennen und weitere Übertragungen zu vermeiden.

Zusätzlich stehen gegen einige wichtige Erreger wirksame Impfungen zur Verfügung. Die HPV-Impfung schützt vor den wichtigsten krebsauslösenden Papillomviren und mehreren Erregern von Genitalwarzen. Die Hepatitis-B-Impfung verhindert eine chronische Virusinfektion mit ihren schweren Lebererkrankungen. Für HIV existiert außerdem die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP), die bei korrekter Anwendung das sexuelle Übertragungsrisiko erheblich reduziert.

Häufige Fragen zu Geschlechtskrankheiten

Welche Geschlechtskrankheit kommt weltweit am häufigsten vor?

Humane Papillomviren (HPV) gelten als die weltweit häufigsten sexuell übertragenen Viren. Nahezu alle sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit einem HPV-Typ.

Welche Geschlechtskrankheiten sind heilbar?

Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis und Trichomoniasis können bei rechtzeitiger Diagnose meist vollständig behandelt werden. Virusinfektionen wie HIV, Herpes oder chronische Hepatitis B bleiben dagegen in der Regel lebenslang bestehen, lassen sich jedoch häufig gut kontrollieren.

Kann man eine Geschlechtskrankheit ohne Symptome haben?

Ja. Viele sexuell übertragbare Infektionen verursachen zunächst keine Beschwerden. Gerade deshalb sind regelmäßige Tests bei erhöhtem Risiko medizinisch sinnvoll.

Schützen Kondome vor allen Geschlechtskrankheiten?

Kondome senken das Risiko vieler sexuell übertragbarer Infektionen deutlich. Gegen Erreger, die zusätzlich über unbedeckte Hautbereiche übertragen werden können – beispielsweise HPV oder Herpes-simplex-Viren –, besteht jedoch kein vollständiger Schutz.

Gegen welche Geschlechtskrankheiten gibt es Impfungen?

Für HPV und Hepatitis B stehen seit Jahren wirksame Schutzimpfungen zur Verfügung. Gegen HIV, Herpes, Gonorrhö oder Chlamydien existieren derzeit keine allgemein zugelassenen Impfstoffe.

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